Giacomo Aragall - der vierte der drei Tenöre

  • Giacomo (Jaume ) Aragall wurde 1939 in Barcelona geboren.


    Bereits 1963 wurde er an die Mailänder Scala verpflichtet. Nachdem er dort große Erfolge zu verzeichnen hatte, erfolgten Gastspiele an vielen großen Häusern, u.a. in Wien, Hamburg, London, Berlin.


    1968 debütierte er an der Met als Herzog in Rigoletto.


    In Barcelona sang er in mehr als 100 Vorstellungen, darunter in La Boheme, La Traviata, Werther, La Favorita, Faust, Manon usw.


    Seine Stimme gilt als besonders schön.
    Er verfügte allerdings nicht über Starqualitäten, war medienscheu und litt stark unter Lampenfieber.


    1994 gründete er den Gesangswettbewerb Concurso Internacionale de Canto Jaume Aragall.







    Liebe Grüße
    Jolanthe

  • Ja seine Stimme war besonders schön.
    Manchen nannten ihn den "vierten" der drei Tenöre.
    Legendär war allerdings die Liste seiner Absagen, was sich IMO negativ auf seinen Ruhm auswirkte.
    Überraschender- und Glücklicherweise gibt es doch mehr Aufnahmen im Katalog, die seine Stimme dokumentieren, als ich in Erinnerung hatte.
    (Dabei habe ich etliches davon selber im Kasten stehen, aber ab eier bestimmten Gesamtanzahl von Aufnahmen verliert mand den Überblick)


    Beispielsweise diese Aufnahme von La Tarviata, welche bereits vor etlichen Jahren in diesem Forum gewürdigt wurde (Wenn mein Gedächtnis nicht trügt, war es Norbert, der diese Einspielung lobend erwähnte, und auf diese Weise ein weiteres Loch in meinen Geldbeutel riss, da ich die Aufnahme kaufte, obwohl ich jene unter Carlos Kleiber bereits hatte (und eineige mehr natürlich) Ich habe die Anschaffung nie bereut !!



    Ein andere Auifnahme mit Aragall, die ich in meinem Besitz habe, i ist jener Rigoletto unter Lamberto Gardelli. Ursprünglich bei Eurodisc erschienen läuft sie nun als RCA- Einspielung. Ich liebe dergleigen "Labelwechsel" nicht, weil dereinst jedes Label seine eigene Klangphilosophie hatte, an der man es erkennen konnte......
    Bei einem Preis von 16.99 Euro für die Gesamtaufnahme erübrigt sich aber jegliche Nörgelei ...



    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Der hat sich sogar dazu "herabgelassen", in der Aufführung von Haydns "Pescatrici" 1965 in Amsterdam unter Alberto Erede die Rolle des Frisellino zu singen. Davon gibt es eine Live-Aufnahme auf LP, die einzige derzeit erhältliche von dieser Oper (extrem selten und nur auf dem Gebrauchtmarkt). Ein US-Anbieter verkauft "Raubkopien" davon auf CD, leider in mieser Qualität, aber besser als gar nichts. Zu finden mittels Google-Suche nach "haydn pescatrici operapassion".



    Thomas Deck

  • Aragall war eine DER Stützen der Wiener Staatsoper (so wie auch der schon in einem anderen Beitrag erwähnte Carlo Cossutta). Und auch als nicht Tenorfan möchte keinen seiner Auftritte, die ich hören konnte, missen.


    Michael 2

  • Ich hatte die Gelegenheit ihn als Don Carlos an der Staatsoper zu erleben, sicher eine seiner Glanzrollen. Bei dieser Aufführungsserie sang er die Rolle alternierend mit Placido Domingo. Ich habe diese Aufführung noch immer in sehr guter Erinnerung.


    Empfehlen möchte ich unbedingt zwei Live-Aufnahmen, wo Leyla Gencer die Partnerin ist:


    "Caterina Cornaro" von G. Donizetti
    Mitschnitt aus Neapel von 1972
    Dirigent: Carlo Felice Cillario; Coro e Orchestra del Teatro di San Carlo di Napoli; mit Leyla Gencer, Giacomo Aragall, Renato Bruson etc.


    "Gerusalemme" von G. Verdi (ital. Fassung von "Jerusalem", das wiederum eine Überarbeitung der Oper "I Lombardi" ist)
    Mitschnitt aus den 1960er-Jahren (?), mit Leyla Gencer, Giacomo Aragall, Gian Giacomo Guelfi etc. (leider stark gekürzt)

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Die beste Recital-Aufnahme mit Jaume Aragall wurde im Mai 1985 in München produziert, Lamberto Gardelli dirigiert das Münchner Rundfunkorchester.


    Dieses Recital zeigt - im Gegensatz zu den späteren Aufnahmen - den Tenor auf dem Höhepunkt seiner stimmlichen Möglichkeiten! Die 15 Arien auf dieser CD bieten einen Querschnitt durch das Repertoire des Künstlers, Puccini, Donizetti, Cilea, Verdi, Gounod, Bizet, Meyerbeer, Massenet...



    BMG Ariola, heute RCA Red Seal (Sony Music)


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von brunello
    Aragall war eine DER Stützen der Wiener Staatsoper (so wie auch der schon in einem anderen Beitrag erwähnte Carlo Cossutta). Und auch als nicht Tenorfan möchte keinen seiner Auftritte, die ich hören konnte, missen.


    Michael 2


    Lieber Michael 2! Lieber Alfred!


    Wenn er auftrat, dann war es ein wunderbarer Abend, ich habe nicht allzuviel Absagen bei ihm erlebt.


    Liebe Grüße sendet Euch Peter. :hello: :hello:

  • Ich habe Giacomo Aragall nicht nur wegen seiner schön timbrierten Stimme, sondern auch wegen seiner darstellerischen Qualitäten geliebt. Leider hat sein fragiles Nervenkostüm die große Karriere verhindert, denn sein Platz wäre ganz an der Spitze gewesen. (Ich habe ihn immer viel höher eingeschätzt als z.B. Carreras) Er war jahrelang unser Parade-Cavaradossi, an den bis letzten Sonntag niemand herankam. Nun hat er in meinen Augen und Ohren in Jonas Kaufmann einen würdigen Nachfolger gefunden :]
    lg Severina :hello:

  • Zitat von severina

    Er war jahrelang unser Parade-Cavaradossi, an den bis letzten Sonntag niemand herankam.


    Auf dieser Aufnahme ist sein Cavaradossi verewigt:


    Giacomo Puccini (1858-1924)
    Tosca


    Kanawa, Nucci, Aragall,
    National PO, Solti
    Label: Decca , DDD, 85



    LG, Elisabeth


  • Übrigens wirkte Aragall auch bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Barcelona 1992 mit, die damals auch weltweit im Fernsehen übertragen wurde. Dokumentiert ist sie auf folgender CD:



    Zumindest kann ich über ein kleines Live-Erlebnis mit ihm berichten.
    Vor Jahren besuchte ich ein Domingo-Konzert und schräg vor mir saß als Zuhörer Giacomo Aragall.


    Als es am Ende der Zugaben zum "Brindisi" kam, wurde Aragall von Domingo auf die Bühne gebeten, was er sehr widerstrebend tat. Er wechselte sich dann mit Domingo in der Tenorrolle ab. Man merkte ihm sehr stark an, dass er sich bei diesem ungeplanten Auftritt absolut nicht wohlfühlte. So kam ich in den Genuss von einigen Takten seiner Stimme.



    Liebe Grüße
    :hello:
    Jolanthe

  • Es war der 1. Jänner 1966, als ich trotz Schneemassen unverdrossen der Staatsoper entgegenstapfte, denn die Bohème mit Pavarotti wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Als ich vor dem Haus angekommen war, fiel mir sogleich ein roter Absage-Zettel ins Auge, und meine ärgste Befürchtung bestätigte sich - Pavarotti hatte abgesagt, und ich las als Einspringer einen Namen, der mir nichts sagte: Giacomo Aragall. Natürlich war ich auf dem Boden zerstört, aber da ich schon da war, ging ich dennoch in diese Bohème. Doch bereits nach den ersten Tönen dieses schlanken, gut aussehenden Sängers öffnete sich für mich und alle Anwesenden der Himmel. Man erlebte eine Stimme von unfassbarer Schönheit, hoher Gesangskunst und noch dazu vollendeter Beherrschung des typischen Puccini-Melos mit herrlichen Legatophrasen, aber auch auftrumpfenden Momenten. Diese Stimme hatte etwas, was man als Träne in der Stimme bezeichnet, und als er seine Arie mit einem strahlenden hohen C ganz aus der Legatophrase heraus krönte, war der Begeisterung, ja Frenesie danach kein Ende.


    Ich konnte diesen wunderbaren Sänger mit seiem fragilen Nervenkostüm (warum er trotz seines Könnens und dieser herrlichen Stimme stets so nervös war, blieb für mich ein Rätsel!) Gott sei's gedankt noch oft vornehmlich bei Verdi und Puccini erleben.


    Ad multos annos, lieber Jaime!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Jaume Aragall hat heute wieder Geburtstag, und zu diesem Anlass habe ich diese CD ausgesucht:



    Jaume Aragall feiert heute seinen 76. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Mir war Aragalls Stimme die liebste der "vier Tenöre" - Glücklicherweise ist die Ausbeute an Operngesamtaufnahmen gar nicht so schlecht. Einiges dürfte aber schon gestrichen sein, denn die in meinem Besitz befindliche "Rigoletto" Gesamtaufnahme unter Gardelli (ursprünglich für eurodisc) hab ich bei jpc nicht gefunden - oder nur schlecht recherchiert.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Die Aufnahme scheint tatsächlich gestrichen zu sein, denn bei jpc ist sie "derzeit nicht erhältlich" und bei Amazon nur gebraucht zu erwerben.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Mir war Aragalls Stimme die liebste der "vier Tenöre"


    Ach ja, das mit den "vier Tenören"...


    Wer die drei Tenöre waren, ist klar, die wurden auch entsprechend vermarktet: Carreras - Domingo - Pavarotti


    Und wer dann alles als vierter benannt wurde - Alfredo Kraus, Neil Shicoff, Araiza, Aragall und viele, viele andere...


    Live habe ich Aragall erst Anfang der Neunziger kennen gelernt (Faust, Don Carlos, Pinkterton) - wohl zu spät.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"