Leyla Gencer

  • Die erste Aufnahme mit ihr, die ich gehört habe, war "Beatrice di Tenda". Leyla Gencer war für mich (Anfang der 1990er-Jahre) noch eine total unbekannte Sängerin, ich habe sie nie auf der Bühne erlebt und es war damals (ohne Internet) für mich absolut unmöglich mehr über sie herauszufinden.


    Erst später hat sich das geändert. Sie hat aber Kestings Sängerlexikon (die alte Ausgabe, 3 Bände) ein eigenes Kapitel.


    Da sie zu meinen Favoritinnen gehört und noch keinen eigenen Thread hat, möchte ich diesen "Mangel" endlich beheben.


    Leyla Gencer (* 10. Oktober 1928(?) in Istanbul; + 9. Mai 2008 in Mailand) gilt als Königin der Piratenplatten und Raubschnitte, als Belcanto-Spezialistin und außerdem als eine der Callas-Nachfolgerinnen. Sie erarbeitete sich ein sehr umfangreiches Repertoire, das mehr als 70 Rollen umfasste. Bekannt wurde sie vor allem für ihre Auftritte bei unbekannten Opern.


    Als Tochter einer polnischen Mutter und eines türkischen Vaters wuchs sie in Istanbul auf. Sie absolvierte zunächst eine Gesangsausbildung am Konservatorium von Ankara bei Elvira de Hidalgo, die heute nur mehr als Gesangslehrerin von Maria Callas bekannt ist. Später hatte sie Privatunterricht bei Giannina Arangi-Lombardi und Apollo Granforte. 1946 heiratete sie einen Bankier und trat dann am Türkischen Staatstheater auf, wo die Sopranistin 1950 auch ihr Operndebüt in der Rolle der Santuzza in Mascagnis "Cavalleria rusticana" gab. In dieser Rolle debütierte sie 1953 auch am Teatro San Carlo in Neapel. Italien sollte auch der Mittelpunkt ihrer Karriere bleiben, obwohl sie auch außerhalb von diesem Land aufgetreten ist, so zum Beispiel bei den Salzburger Festspielen oder am Royal Opera House in London.


    1957 gab sie in der Uraufführung der Oper "Les Dialogues des Carmelites" von Francis Poulencs (als Madame Lidoine) ihr Debüt an der Mailänder Scala, die bis 1983 eines ihrer Haupthäuser bleiben sollte.


    Sie trat in verschiedenen, eher unbekannten Opern von Gaetano Donizetti (Lucia, Anna Bolena, Lukrezia Borgia, Maria Stuarda, Elisabetta in "Roberto Deveraux", Antonina in "Belisario", Caterina Cornaro etc.) und von Vincenzo Bellini (Norma, Elvira in "I Puritani", Beatrice di Tenda) auf. Außerdem gibt es einen Mitschnitt von "Elisabetta d'Inghillterra" von Gioachino Rossini, allerdings blieb Elisabetta ihre einzige Rossini-Rolle. Als Interpretin in einigen frühen Verdi-Oper ("I due Foscari", "Gerusalemme" [leider stark gekürzt] oder "La Battaglia di Legnano" ) finde ich ihre Interpretationen viel interessanter als die von Katia Ricciarelli, die diese Rollen im Studio eingespielt hat.


    Seit 1996 gibt es in Istanbul den „Leyla Gencer Gesangswettbewerb".


    Gencer wurde von den offiziellen Schallplattenfirmen weitgehend ignoriert, die Plattenaufnahmen (und CDs) mit ihr sind fast ausschließlich Live-Mitschnitte. (Technisch sind daher gewöhnlich Abstriche zu machen.)

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Liebe Waltrada! Lieber Harald!


    Auch ich schätzte Leyla Gencer sehr, aber das stand im anderen Thread.


    Das ist meine 3er LP, die ich von ihr habe. Einfach wunderbar.



    Liebe Grüße sendet Euch Peter aus dem frühlinghaften Wien. :hello: :hello:

  • Zwar hatte Leyla Gencer nie einen Plattenvertrag, aber über mangelnde Präsenz auf Tonträgern kann man sich nicht beklagen. "Die Königin des grauen Marktes" hat sie ein Plattenhändler mal genannt. Und auch heute tauchen immer noch Live-Mitschnitte auf, bei denen sie mitgewirkt hat - eine unglaublich große Menge.


    Ich greife mal - nach dem Zufallsprinzip - eine Aufnahme heraus, die mir bisher noch nicht bekannt war (auch bei Ommer nicht gelistet) - die mir just am Wochenende in die Hände kam, aufgenommen Weihnachten 1969 auf Sizilien:



    IN MEMORIAM OF LEYLA GENCER
    "MACBETH"

    Lady Macbeth.............Leyla Gencer
    Macbeth.............Mario Zanasi
    Banco.............Agostino Ferrin
    Macduff.............Gianni Raimondi
    Malcolm.............Gian Paolo Corradi
    Dama.............Maria Parazzini
    Duncano.............Adalberto Bianchini
    Un medico.............Enrico Campi
    Un domestico.............Guido Malfatti
    Un sicario.............Danilo Capri


    Teatro Massimo, Palermo
    Conductor, Gianandrea Gavazzeni
    December 27, 1969, 2 CDs.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Ich besitze diese Aufnahme ebenfalls, die Oper gehört eindeutig zu jenen Donizetti-Opern, die nicht nur ein paar Perlen haben, sondern auch als Ganzes überzeugen. Und Leyla Gencer ist als Elisabetta großartig.

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • In diesen Tagen erscheint beim Hamburger Label Line Music / Cantus Classics eine Doppel-CD mit den schönsten Arien von Leyla Gencer:



    Leyla Gencer-die Schönsten Arien
    [Doppel-CD]


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo, Harald!


    Ich hoffe, daß diese Arien-CD besser ist als die anderen Aufnahmen, die ich von ihr habe. Das waren vermutlich überwiegend Raubkopien (Melodram). Anders konnte ich mir die schlechte Tonqualität nie erklären.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    ich fürchte nein.
    Wie weiter oben ausgeführt, hatte Frau Gencer nie einen Plattenvertrag. Es existieren also keine Studio-Aufnahmen von ihr. Die vorliegende Doppel-CD besteht aus Auschnitten von Live-Aufnahmen aus den verschiedenen Opernhäusern, zum großen Teil wohl auf dem "grauen" Markt entstanden.
    Es ist also davon auszugehen, dass die Tonqualität mit großer Wahrscheinlichkeit schlecht sein wird.
    Inwieweit die moderne Technik da einiges aufhübschen kann weiß ich nicht.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Besser spät als nie ... ich habe gerade soeben bei y...e die Leyla-Gencer-Seiten entdeckt. Ein Norma-Finale von 1965; unglaublich. Und danach Macbeth, und und und. Und ich kannte sie bloß dem Namen nach, Schande über mich. Wenn man jemandem den Begriff Intensität erklären wollte, so müßte man bloß ihre Norma heranziehen, oder ihr Suicidio! Hochgespannt, nervös, hysterisch, leuchtend und abgründig. Unglaublich dicht und nicht zu lösen von der Bühnensituation, mitreißend. Eine Lucia-Wahnsinsszene von 1958, aus Triest - phantastisch!



    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Leyla Gencer war was die Vielseitigkeit ihrer Rolleninterpretationen anbelangt, Norma, Lucia, Leonora (Trovatore & La Forza), Lieder von Chopin, Adriana.
    Opern wie Belisario, frühe Verdi Opern u.a. Ernani (hier meine ich noch nicht genannt).
    Auch wenn manche ihrer Interpretationen (eklektisch) ein wenig befremdlich klingen, wegen ihrer Manie plötzlich anders klingen zu als Maria Callas, ist doch jedes Rollenporträt schlüssig.
    Ich glaube es gibt tatsächlich nicht einen einzigen Mitschnitt auf dem sie wirklich schlecht klingt.
    Sie war eine der ersten Sängerinnen deren Aufnahmen ich mit Begeisterung gesammelt habe.

  • Besser spät als nie ... ich habe gerade soeben bei y...e die Leyla-Gencer-Seiten entdeckt. Ein Norma-Finale von 1965; unglaublich. Und danach Macbeth, und und und. Und ich kannte sie bloß dem Namen nach, Schande über mich. Wenn man jemandem den Begriff Intensität erklären wollte, so müßte man bloß ihre Norma heranziehen, oder ihr Suicidio! Hochgespannt, nervös, hysterisch, leuchtend und abgründig. Unglaublich dicht und nicht zu lösen von der Bühnensituation, mitreißend. Eine Lucia-Wahnsinsszene von 1958, aus Triest - phantastisch!

    Lieber Farinelli,


    es hat mir richtig gut getan, Deine entflammte Reaktion auf das Hören von Gencer-Aufnahmen zu lesen1


    Zum einen natürlich schon allein deshalb, weil ich auch ein begeisterter Gencer-Verehrer bin.
    Zwar habe ich sie nicht so sehr oft live hören können (60 im Macbeth, 61 in Francesca da Rimini, 1963 im Requiem von Verdi und 68 in Don Carlos). aber jede dieser Aufführungen ist mir unvergesslich.
    Lange Zeit wurde Gencer nicht so gewürdigt, wie sie es verdient gehabt hätte. Man sah und hörte in ihrer Gesangskunst und in ihren Rollenportraits eigentlich vornehmlich eine Callas-Imitation. Aber es hat immer eingefleischte Verehrer gegeben, die sie gar höher geschätzt haben als die Callas. Soweit mochte ich nie gehen. Aber eine bedeutende Künstlerin war sie alle Male. Und eigentlich war sie auch alles andere als eine Kopie der Callas, selbst wenn sie manche Phrasen tatsächlich ähnlich sang wie die große Griechin. Aber den Vergleich will ich jetzt gar nicht weiter enfalten. Immerhin ließen sich darüber durchaus auch eigene Tugenden und Vorzüge der Gencer entdecken!


    Zum anderen, weil ich schon sehr traurig bin, wie wenig im Forum noch über Stimmen und Gesangskunst diskutiert wird.
    Geburtstage und Todestage werden mit artiger Routiniertheit gewürdig und vielleicht auch noch mit dem Hinweis quittiert, dass man dankbar sei, diesen oder jenen Sänger noch live gehört zu haben.
    Und dann gibt es - oft sehr nützliche - Hinweise auf neu erschienene oder nur schwer zu findende Aufnahmen. Aber das ist es dann auch schon. Eine eingehendere Diskussion über Stimmen, Gesangstechnik und Interpretationskunst, wie sie hier ehedem - oft mit großer Leidenschaft und oft auch mit erheblichem Sachverstand - geführt wurde, findet kaum mehr statt. Das hat mich denn auch ziemlich entmutigt, meinerseits längere Beiträge, die solche Diskussionen anstoßen könnten, zu schreiben. Zuletzt musste ich feststellen, dass die ganz ohne Antwort verhallt sind. Das hat mich doch total entmutigt, Zeit einzusetzen, um die Aufnahmen eines Sängers ganz genau zu studieren, eventuell die Partitur noch mal heranzuziehen, andere Sänger zum Vergleich zu hören und dann die verschiedenen Aufnahmen zu analysieren und ein Urteil zu versuchen.
    Gerade kürzlich kam ich durch einen interessanten Hinweis von Jolanthe noch mal auf den Celso-Albelo-Thread. Da sah ich dann, dass meine Überlegungen zur Idealinterpretation von Una furtiva lagrima schlicht untergegangen sind, wohl niemanden interessiert haben...


    Also: Freude über die Begeisterung, mit der Du über Deine Höreindrücke geschrieben hast!



    Liebe Grüße


    Caruso41




    lieber Wolfgang,


    ich fürchte nein.
    Wie weiter oben ausgeführt, hatte Frau Gencer nie einen Plattenvertrag. Es existieren also keine Studio-Aufnahmen von ihr.


    Ich habe immerhin vier LPs, bei denen es sich meinem Eindruck nach um Studio-Aufnahmen handelt.


    1. Arien von Verdi, Catalani, Boito, Zandonai und Cilea, die Gencer 1956 mit den RAI Orchester Turin unter Arturo Basile gemacht hat.


    2.: Arien von Donizetti und Bellini, die Gencer 1974 ebenfalls mit dem RAI Orchester Turin, diesmal unter Gianandrea Gavazzeni, gemacht hat.


    3.: Lieder von Chopin, Bellini, Donizetti, Rossini, die Gencer mit dem Pianisten Marcello Guerrini aufgenommen hat.


    4.: Schumanns "Frauenliebe und Leben" sowie Liszt's "Tre Sonetti del Petrarca", beides mit Marcello Guerrini eingespielt. (Vermutlich 1976 in Turin)
    .

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso41,


    für einen Spätgeborenen wie mich ist es sehr bedauerlich, wenn ein Zeitzeuge wie du dich, von der mangelnden Resonanz deiner Beiträge, resignieren läßt. Ich beobachte diese Rückzugstendenzen übrigens auch bei anderen Taminos, die ich dir, was Kenntnisse und Horizont angeht, an die Seite stellen würde - ich denke dabei an Herbert Henn oder Milletre. Auch unser Harald Kral verfährt, angesichts seiner Erfahrungsbreite, sehr zurückhaltend mit persönlichen Einschätzungen. Auch Operus, oder die für die Schellackära sehr kompetente La Gioconda möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.


    Ich bin leider nicht berufen, vokale Leistungen angemessen zu beurteilen; dazu fehlen mir sowohl das fachliche Wissen wie die einschlägigen Erfahrungen als Operngänger. Meine Basis bildet nach wie vor eine gut sortierte Vinylsammlung der 50er und 60er Jahre, möglichst in Originalausgaben, also von Toscanini bis Solti. Das macht mich zwar sehr anfällig für Rückblicke, ist aber in seine speziellen historischen Ausrichtung kaum noch anschlußfähig an die nachfolgenden Generationen von Sängern und Hörern. Vermutlich gefällt mir auch Leyla Gencer vor allem deshalb, weil sie sich mühelos einreiht in die First Class der dramatisch gestaltenden Sänger ihrer Zeit.


    So wie ich die Schellackzeit gleichsam ausblende, muß ich auch akzeptieren, daß es Hörer gibt, für die mono oder aad keine Option darstellt. - Ich selbst steige übrigens erst bei der Opern-DVD wieder ein (was ja historische Aufzeichnungen mit einbegreift). - Ein Blick auf youtube erweist ohnedies, daß heutzutage das Interesse an älteren Einspielungen keineswegs im Abnehmen begriffen ist; im Gegenteil ist dieses Archiv ein lebendiges Gedächtnis der Nachwelt, was ja auch mit der rascheren Verfügbarkeit zu tun hat.


    Ich habe, von Hause aus Philologe, einen speziellen Zugang zur Operndramaturgie und zur vokalen Gestaltung, der mir in diesem Forum weder im Bereich des Liedgesangs noch auf dem Feld der Opernregie viel Freundschaft eingetragen hat. Ich bin aber, trotz meiner ausufernd langen Beiträge, sehr angewiesen auf fremde und konträre Meinungen, also auf ein Diskussionsforum. Eine monographische Abarbeitung einzelner Themenfelder liegt mir nicht. Vermutlich geht es dir ähnlich. Ich fand es dagegen immer sehr reizvoll, sich einzelne Opernsituationen sehr detailliert anzusehen. Dafür finde ich aber weder im Sänger- noch im Opernforum den geeigneten Raum.


    Zuletzt kann man auch einen Gewinn daraus ziehen, wenigstens für sich selbst einen Sachverhalt aus der dunklen Ahnung an eine tragfähige begriffliche Oberfläche befördert zu haben (auch wenn man sich dazu, wie der Baron von Münchhausen, am eigenen Schopf aus dem Sumpfe ziehen muß).


    Ich grüße dich, lieber Caruso41, als ein immer sehr angeregter und begeisterter Leser deiner klugen und umsichtigen Beiträge, die für mich zum Kernbestand dieses Forums gehören! Höre bitte nie auf, für uns zu schreiben!


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Ein ungemein lesenswerter, geschätzter Beitrag unseres großartigen Soprankastraten! - Danke, farinelli!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Wenn man die Daten des Eröffnungsbeitrages zugrundelegt, ist heute ihr 85. Geburtstag.



    Leyla Gencer (geb. Ceyrekgil, * 10. Oktober 1928 in Istanbul; † 9. Mai 2008 in Mailand) war eine türkische Opernsängerin, in der Opernwelt oft La Diva Turca („Die türkische Diva“) und La Regina („Die Königin“) genannt. Die Sopranistin war eine der bekanntesten Donizetti-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts.
    (Andere Quellen nennen 1924 als ihr Geburtsjahr.)


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Leyla Gencer


    Heute ist ihr Geburtstag (*10.10.1928, möglicherweise 1924, +09.05.2008). Die hervorragende türkische Sopranistin wurde während ihrer glänzenden Karriere von den Plattenfirmen ignoriert. Es wird ein Rätsel bleiben, warum eine so erstklassige Sängerin übergangen wurde.


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Als ich noch regelmäßig Kunde im Kölner SATURN-Kaufhaus war, gab es doch Einiges an Vinyl-Platten mit Leyla Gencer. Die CD-Aufnahmen, die ich besitze, entsprachen klangmäßig nicht meinen Erwartungen. Einen neuen Versuch werde ich bald mit der folgenden Box starten:

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    ich fürchte nein.
    Wie weiter oben ausgeführt, hatte Frau Gencer nie einen Plattenvertrag. Es existieren also keine Studio-Aufnahmen von ihr. Die vorliegende Doppel-CD besteht aus Auschnitten von Live-Aufnahmen aus den verschiedenen Opernhäusern, zum großen Teil wohl auf dem "grauen" Markt entstanden.
    Es ist also davon auszugehen, dass die Tonqualität mit großer Wahrscheinlichkeit schlecht sein wird.
    Inwieweit die moderne Technik da einiges aufhübschen kann weiß ich nicht.

    Antwort von Caruso41...

    Zitat

    Ich habe immerhin vier LPs, bei denen es sich meinem Eindruck nach um Studio-Aufnahmen handelt.


    1. Arien von Verdi, Catalani, Boito, Zandonai und Cilea, die Gencer 1956 mit den RAI Orchester Turin unter Arturo Basile gemacht hat.


    2.: Arien von Donizetti und Bellini, die Gencer 1974 ebenfalls mit dem RAI Orchester Turin, diesmal unter Gianandrea Gavazzeni, gemacht hat.

    ....und auf CD sind sie auch zu haben...


    51rFoEIIugL._SY300_QL70_.jpgKlick



    51NmnHXFeSL._SX300_QL70_.jpgKlick


    ...auf beiden CDs sind beide von Carusos erwähnten LPs! Untere CD ist die Original CD vo Cetra, die obere von Warner nach Übernahme!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

    Einmal editiert, zuletzt von Fiesco ()

  • Liebe Melomanen,



    es gibt zwei 'Legenden' über Leyla Gencer, die von ihren Fans immer gern kolportiert werden. 1.) Sie habe kein Schallplattenstudio betreten und 2.) sie wurde von den großen Firmen der Musikindustrie boykottiert.



    Wie 'Caruso41' in seinem Beitrag Nr. 12 schreibt, hat er vier Platten-Recitals mit ihr, die keine Live-Aufnahmen sind. Zu den Rundfunk-Studioaufnahmen für die im Playback-Verfahren gedrehten TV-Opern „Werther“ (1955), „Il trovatore“ (1957) und „Don Giovanni“ (1960) kommen noch die Einspielungen von Lodovico Roccas „Monte Ivnor“ (1957) und Jaromir Weinbergers „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“(1958) bei der RAI in Mailand. (Lediglich die „Anna Bolena“ von 1958 wurde als öffentliches Konzert aufgenommen.)



    Folgende Recitals als Studio-Produktionen sind mir bekannt:



    'Cetra' LPL 69001 bzw. LPO 2001 „Omaggio a Leyla Gencer“ (1 LP, 1975) / 'Cetra' LPO 2082 (1 LP, 1981) / 'Zafiro' ZOR 261 (1 LP, 1985) / 'Fonit Cetra Italia' 112 (1 CD 1990) / 'Warner Fonit' 3984 29092-2 (1 CD, 1999)


    Arien aus Opern von Gaetano Donizetti: „Caterina Cornaro“ (Rezitativ und Romanze der Caterina aus dem Prolog 'Torna all'ospite tetto... Vieni, o tu, che ognor io chiamo') - „Roberto Devereux“ (Szene und Final-Arie der Elisabetta aus dem 3. Akt ' E Sara... In questi orribili momenti… Vivi ingrato a lei d'accanto... Quel sangue versato') - „Maria Stuarda“ (Kavatine der Maria aus dem 2. Akt 'O nube che lieve per l'aria') und „Lucrezia Borgia“ (Romanze der Lucrezia aus dem Prolog 'Com'è bello') (Dirigent: Gianandrea Gavazzeni) / Arien aus Opern von Giuseppe Verdi: „Il trovatore“ ('Timor di me?... D'amor sull'ali rosee') - „La forza del destino“ ('Pace, pace, mio Dio') - „ Aida“ ('O cieli azzurri') und „La Traviata“ ('Addio del passato') (Dirigent: Arturo Basile) / Arie 'Ebben, ne andrò lontana' aus „La Wally“ von Alfredo Catalani (ebenfalls von Arturo Basile dirigiert). In allen Arien spielt das Orchestra Sinfonica di Torino della RAI; die Aufnahmen entstanden im Juni 1974 (Gavazzeni / 1. Plattenseite) und im Juni 1956 (Basile / 2. Seite). (Ich habe die Schallplatte 'Cetra' LPO 2082.) Für die Gencer gilt auch, wie für die meisten auf Tonträgern verewigten Sänger, dass die frühen Aufnahmen die besseren sind.



    'Cetra' LPL 69003 bzw. LPO 2003 „In memoriam Dino Ciani“ (1 LP, 1975)


    Frédéric Chopin: Zyczenie (Des Mädchens Wunsch) – Dumka (Der Traum) – Wiosna (Der Frühling) – Wojak (Der Reiter vor der Schlacht) / Vincenzo Bellini: Il fervido desiderio – Dolente immagine di figlia mia – Vaga luna che inargenti / Gaetano Donizetti: La mère et l'enfant – La corrispondenza amorosa (französisch gesungen) – A mezzanotte / Gioachino Rossini: La promessa – L'orgia – La danza (Marcello Guerrini, Klavier) M. W. bisher nicht auf CD erschienen. (Diese und die folgende Platte wurden dem 1974 mit 32 Jahren tödlich verunglückten Pianisten Dino Ciani gewidmet.)



    'Cetra' LPL 69008 „In memoriam Dino Ciani“ (1 LP, 1976)


    Robert Schumann: Frauenliebe und -leben (Zyklus, deutsch gesungen?) / Franz Liszt: Drei Petrarca-Sonette (Io vidi in terra angelici costumi – Benedetto sia 'l giorno, 'l mese, l'anno – Pace non trovo e non ho fa da guerra) (Marcello Guerrini, Klavier) Vermutlich ebenfalls bisher nicht auf CD veröffentlicht. Lieber 'Caruso41', da Du diese Platte ja hast - kannst Du bestätigen, dass Leyla Gencer den Schumann-Zyklus in deutscher Sprache singt?



    'Arkadia' NARK 101 (2 LPs, 1983) / 'Hunt' ('akademia') CDAK 101 (1 CD, 1989) / 'Agorá' (1 CD, 1998)


    Frédéric Chopin: Sechzehn Lieder, op. 74 und drei Lieder ohne Opuszahl: Zyczenie (Des Mädchens Wunsch) – Wiosna (Der Frühling) – Smutna rzeka (Trübe Wellen) – Hulanka (Trinklied) – Gdzie lubi (Was ein junges Mädchen liebt) – Precz z moich oczu (Mir aus den Augen) – Posel (Der Bote) – Sliczny Chlopiec (Mein Geliebter) – Melodia (Eine Melodie) – Wojak (Der Reiter vor der Schlacht) – Dwojaki koniec (Zwei Leichen) – Moja pieszczotka (Meine Freuden) – Nie ma czego trzeba (Melancholie) – Pierscien (Das Ringlein) – Narzeczony (Die Heimkehr) – Piosnka litewska (Lithauisches Lied) – Leci liscie z drzewa (Die Blätter fallen) – Czary (Der Zauber) – Dumka (Der Traum) (polnisch gesungen) / Franz Liszt: Sechs Klavier-Transcriptionen von Liedern Frédéric Chopins (Nikita Magaloff, Klavier) Leyla Gencers Mutter stammte aus Polen.



    Die von 'Fiesco' im Beitrag Nr. 18 abgebildeten Covers betreffen die CDs 'Fonit Cetra Italia 112' und 'Warner Fonit 3984 29092-2' und sind beide lediglich die Überspielungen der LP „Omaggio a Leyla Gencer“ von 1975 (siehe oben). Alter Wein in neuen Flaschen...



    Ich habe auch eine 17cm-Platte der 'Cetra' (SPO 1001) mit Arien aus „La Traviata“ ('Addio del passato') und „Madama Butterfly“ (Un bel dì vedremo'), dirigiert von Arturo Basile mit dem Orchestra Sinfonica di Torino della RAI, vermutlich aus den Aufnahmesitzungen vom Juni 1956 stammend. Die von 'Caruso41' im Beitrag Nr.12 genannten zwei Schallplatten „Arien von Verdi, Catalani, Boito, Zandonai und Cilea / Dirigent: Arturo Basile“ und „Arien von Donizetti und Bellini / Dirigent: Gianandrea Gavazzeni“ sind mir nicht bekannt. Da wüsste man gerne mehr Details!



    Die zweite 'Legende', dass Leyla Gencer von großen Schallplatten-Firmen ignoriert worden ist, stimmt auch nur teilweise. Walter Legge von der britischen 'Columbia' schloss mit ihr Ende der 50er Jahre einen bizarren exclusiven Fünf-Jahres-Vertrag: jährlich ein Scheck in ansehnlicher Höhe und dafür keine Aufnahme sowie Stillschweigen darüber. So wollte Mr. Legge sein anderes 'bestes Pferd im Stall' (Maria Callas) vor Konkurrenz schützen und verhindern, dass potentielle Callas-Rivalinnen bei anderen Firmen Aufnahmen machten! (Auch Floriana Cavalli und Renata Scotto bekamen solche Verträge; die Scotto war aber clever genug, auf wenigstens einem Arien-Recital zu bestehen. Antonietta Stella lehnte ein ähnliches Angebot ab, nachdem sie ein paar Aufnahmen bei der EMI machte – u. a. eine komplette „Traviata“, sehr zum Verdruss von M. C., die aber durch einen alten Vertrag mit der 'Cetra' fünf Jahre lang bis 1958 diese Oper nicht woanders aufnehmen durfte.)



    Vielleicht wollte Leyla Gencer sich auch nicht der jederzeit mittels Schallplatten überprüfbaren starken Konkurrenz zu anderen Sängerinnen jener Jahre aussetzen. (In einem Interview mit der „Opera News“ hat sie bestätigt, dass ihr damals an Schallplattenaufnahmen nichts lag und sie ihre ab den späten 70ern erschienenen Live-Mitschnitte auch nie hörte.) Da sie in erster Linie eine Sing-Schauspielerin war, teilt sich die Faszination, die sie auf ihre riesige Anhängerschaft ausstrahlte, rein akustisch nur schwer mit. Meiner Meinung nach fehlte der gut ausgebildeten (sie war u. a. auch eine Schülerin von Elvira de Hidalgo), im Grunde lyrischen Stimme eine sofort erkennbare Eigenfarbe, was für die Schallplatte enorm wichtig ist; individuell wurde sie durch die Manier ihres Singens mit den Ausdrucksmitteln eines betörenden Pianissimos, wirkungsvollen Schwelltönen und von - im Laufe der Jahre exzessiver eingesetzten - 'gutturali' zur Steigerung der Emotion.



    Überhaupt war die Türkin (die übrigens sehr gebildet war und fünf Sprachen beherrschte), nachdem sie sich etabliert hatte, eine echte Diva im herkömmlichen Sinn, selbstbewusst und skandalfrei, mit Temperament und Stil und kleinen Allüren. (Während ihrer 'aktiven' Zeit durften Journalisten nicht die Namen anderer Sopranistinnen erwähnen, dann wurden sie gefragt: „Möchten Sie das Interview beenden?“.) Im 'Un-Ruhestand' hat sie sich um die Förderung des italienischen Sängernachwuchses als Mitglied der 'As.li.co.' (Associazione Lirico Concertista) und der von Riccardo Muti gegründeten 'Accademia della Scala' verdient gemacht. Leyla Gencer machte ihrem Ruf, den ihr ihre Fans gaben, alle Ehre: „L'ultima Prima Donna“!



    Carlo

  • Überhaupt war die Türkin (die übrigens sehr gebildet war und fünf Sprachenbeherrschte), nachdem sie sich etabliert hatte, eine echte Diva im herkömmlichen Sinn, selbstbewusst und skandalfrei, mit Temperament und Stil und kleinen Allüren.

    Davon, lieber Carlo, kann man sich in dieser Dokumentation, die ich sehr, sehr schätze, ein eigenes Bild machen:


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Zitat

    Die von 'Fiesco' im Beitrag Nr. 18 abgebildeten Covers betreffen die CDs 'Fonit Cetra Italia 112' und 'Warner Fonit 3984 29092-2' und sind beide lediglich die Überspielungen der LP „Omaggio a Leyla Gencer“ von 1975 (siehe oben). Alter Wein in neuen Flaschen...

    Habe ich was anderes behauptet !!

    Ich habe mich lediglich auf den Post von Caruso bezogen, wie man lesen kann, zu den LPs!

    Zu dem Rest könnte ich ja noch was sagen, aber da du ja eh alles besser weisst erspare ich mir das!

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Habe ich was anderes behauptet !!

    Ich habe mich lediglich auf den Post von Caruso bezogen, wie man lesen kann, zu den LPs!

    Zu dem Rest könnte ich ja noch was sagen, aber da du ja eh alles besser weisst erspare ich mir das!

    :no:


    Du lernst einfach nicht dazu, lieber "Fiesco". Die Ergänzung von "Carlo" zur Neuauflage resp. Überspielungen ist kein "Vorwurf" an Dich, sondern einfach nur eine Zusatzinformation für Sammler, interessierte Mitleser und potentielle Käufer ( die vor einem Doppelkauf LP/CD "gewarnt" werden könnten.) Es ist wieder einmal kein Angriff auf Deine Deine Person, von einem Mitglied wie "Carlo" nun schon mal gar nicht, auch wenn er möglicherweise etwas schon Geschriebenes noch einmal wiederholt hat. Wie schon bei so einigen ähnlichen Gelegenheiten hast Du hier wieder einmal eine absolut verzerrte Wahrnehmung und reagierst völlig überempfindlich. Werde ich nie kapieren.smilie_denk_04.gif


    LG...MDM

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Ich habe immerhin vier LPs, bei denen es sich meinem Eindruck nach um Studio-Aufnahmen handelt.


    1. Arien von Verdi, Catalani, Boito, Zandonai und Cilea, die Gencer 1956 mit den RAI Orchester Turin unter Arturo Basile gemacht hat.


    2.: Arien von Donizetti und Bellini, die Gencer 1974 ebenfalls mit dem RAI Orchester Turin, diesmal unter Gianandrea Gavazzeni, gemacht hat.



    ...auf beiden CDs sind beide von Carusos erwähnten LPs! Untere CD ist die Original CD vo Cetra, die obere von Warner nach Übernahme!

    Lieber 'Fiesco',


    auf den von Dir mit Covers eingestellten CDs sind die von 'Caruso41' genannten beiden LPs nicht enthalten, sondern nur die LP "Omaggio a Leyla Gencer" (Arien von Donizetti, Verdi und Catalani).


    Die erste LP "Arien von Verdi, Catalani, Boito, Zandonai und Cilea" ist von der 'Cetra' vermutlich nie wieder neu aufgelegt worden; ich habe sie jedenfalls in keinem meiner vielen Schallplatten-Kataloge gefunden und sie ist wohl eine echte Rarität. Bei der zweiten LP "Arien von Donizetti und Bellini" vermute ich aber, dass es sich um einen Lapsus von 'Caruso41' handelt und er die LP "Omaggio a Leyla Gencer" meint.


    Wie 'MDM' richtig schreibt, war es nur als Information gedacht, nichts weiter! Deine Reaktion ist also völlig überzogen.


    Carlo