Preispolitik der Schallplattenkonzerne und andere Feinheiten

  • Liebe Forianer.


    Cosima endete einen Ihrer Beiträge mit der ratlosen Bemerkung, daß die Preispolitik derSchallplattenindustrie nur schwer oder gar nicht zu verstehen sein, eine Ansicht die ich nicht teile.


    Ich finde das "System" nur allzu leicht durchschaubar und ich werde dazu in Laufe dieses Threads noch einiges sagen.
    Vorher aber bitte ich Euch Eure Statements hier zu posten.
    Gillt die alte Regel noch : Niedriger Preis = niedrige Qualität ?
    Wenn nein: Warum nicht ? Nach welchen Gesichtspunkten werden Eurere Meinung nach überhaupt die Preise für Tonträger festgesetzt.
    Worauf sollte man achten ?


    Was sind die Einschränkungen bei Billigproduken, soll heißen wo ist der Wurm ?


    Was sind die Kriterien, damit eine CD "verramscht" wird ?
    Ist man besser bedient, wenn man ein Vollpreisprodukt des gleiche Werkes kauft ?


    Fragen über Fragen


    Freundliche Grüße


    aus Wien


    Alfred

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  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Vorher aber bitte ich Euch Eure Statements hier zu posten.
    Gillt die alte Regel noch : Niedriger Preis = niedrige Qualität ?


    Wenn nein: Warum nicht ?


    Es gibt genügend Gegenbeispiele!


    Zitat


    Nach welchen Gesichtspunkten werden Eurere Meinung nach überhaupt die Preise für Tonträger festgesetzt.


    Gewinnmaximierung und was der jeweilige Markt hergibt!


    Zitat


    Worauf sollte man achten ?


    Ohren und Hirn


    Gruß

  • Richard hat im Prinzip schon alles gesagt.


    Etwas, dass mich insbesondere nervt ist die schlechte Auslastung der CD-Kapazität. Auf einer CD haben 80 Minuten Musik platz, die meisten CD's sind jedoch nur zwischen 55 - 65 Minuten bespielt. Oft wird auch ein etwas längeres Werk so auf 2 CD's verteilt, dass es meistens nur noch zu einem kurzen Werk als Beigabe reicht*.
    Und der Preis wird nicht nach Werk und Qualität desselben berechnet, sondern wieviele CD's in der Box sind.


    Gruss
    Christoph



    *dies ist bei den alten live-Aufnahmen 1a. Da wird die CD fast ganz bespielt und wenn bei einer Oper 2 CD's nötig sind, wird der Rest mit Schlüsselszenen aus anderen Aufnahmen mit anderen Besetzungen ergänzt. Zudem sind diese auch noch im Preis günstiger.

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Gillt die alte Regel noch : Niedriger Preis = niedrige Qualität ?


    Seit Arte Nova, Naxos, Capriccio und Co. auf keinen Fall.
    Auch gibt es Wiederveröffentlichungen im low-budget-Bereich, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen.


    Zitat

    Wenn nein: Warum nicht ?


    Weil einerseits eine Hochpreis-Produktion nicht vor langweiliger Routine schützt und nicht nur "große Namen" gute Musik abliefern.


    Zitat

    Nach welchen Gesichtspunkten werden Eurere Meinung nach überhaupt die Preise für Tonträger festgesetzt.


    Zugkräftige Namen verlangen hohe Gagen, Werbung will bezahlt werden, ein paar Talerchen sollen auch noch bei der Produktionsfirma hängen bleiben; das läppert sich...


    Zitat

    Was sind die Einschränkungen bei Billigproduken, soll heißen wo ist der Wurm ?


    Ein "kleines Würmchen" findet sich ab und an in der Ausstattung. Papierschuber bei Mehrbox-CDs sind nicht jedermanns Sache, nicht immer sind ein Beiheft oder ein mehrsprachiges Libretto bei Vokalaufnahmen vorhanden.


    Zitat

    Was sind die Kriterien, damit eine CD "verramscht" wird ?


    Siehe oben: Kein Beiheft, keine Infos zur Aufnahme, Papierschuber etc.


    Zitat

    Ist man besser bedient, wenn man ein Vollpreisprodukt des gleiche Werkes kauft ?


    Ebenfalls siehe oben: Höherer Preis ungleich höhere Qualität.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Zitat

    Original von Chr_Glaus
    und wenn bei einer Oper 2 CD's nötig sind, wird der Rest mit Schlüsselszenen aus anderen Aufnahmen mit anderen Besetzungen ergänzt.


    Salut,


    diese Aussage will von meinem [kleinen] Hirn einfach nicht verstanden werden. Was hat es damit auf sich...? ?(


    Könnten Sie einmal Beispiele nennen?


    Herzlichen Dank und viele Grüße


    Ulli

  • Hallo Ulli,


    ein Beispiel: ich habe einen Live-Mitschnitt von L'elisir d'amore aus Florenz 1967 (das Ganze auf Opera Italiana). Die 2. CD ist mit der Oper nur mehr ca. halbvoll und mit fünf Aufnahmen von Una furtiva lacrima mit Caruso, Gigli, Gioia, Tagliavini und di Stefano aufgefüllt.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Salut,


    es handelt sich also um eine "Gratis-Befüllung" der Rest-CD? Ich hatte verstanden, dass die Oper mit "Fremdkörpern ergänzt" wird...


    Liebe Grüße,
    Ulli

  • Hallo,


    wie man sieht an verschiedenen Beispielen gibt es die Verbindung günstig plus Qualität. Und der Erfolg gibt diesen Firmen recht.


    Was mich immer wieder maßlos ärgert, sind die Hochpreis-CDs. Da soll man rund 20 Euro für eine Scheibe hinlegen. Ich kann mir das nicht oft leisten, deswegen kaufe ich die meistens gebraucht. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Der einzige Nachteil dabei ist, dass ich manchmal länger warten muß, bis eine CD dort angeboten wird.


    Vom Anstückeln, damit eine CD voll wird, bin ich kein Freund, vor allem bei Opern. Obwohl ich mich auch ärgere, wenn z.B. bei einer Doppel-CD auf beiden Scheiben jeweils 45 Minuten drauf sind (wie z.B. der französische Orphée von Gluck auf Naxos). Bei Opern oder Oratorien, d.h. bei großen in sich geschlossenen Werken finde ich das unpassend. Wenn aber mehrere kleine Stücke auf einer CD sind und trotzdem nur 50 Minuten, dann ist das schon frech. Andrererseits kenne ich aber auch den Aufwand, den es braucht, um eine CD ordentlich zu produzieren. Und da gibt es einen logischen Zusammenhang zwischen der Dauer der Stücke und der Dauer der Produktion. Und schon ist das wieder eine Geldfrage...


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo,


    ich habe mir gerade eine ganz einfache Formel zur Preisfestsetzung ausgedacht, an der ich Euch teilhaben lassen möchte ;)


    Preis = Maximum(Labelgrenzwert, Künstlergrenzwert) +
    (Künstlerische Qualität * Massentauglichkeit) / Alter der CD_Veröffentlichung


    Der Labelgrenzwert spiegelt wider, ob sich das Unternehmen (vielmehr das Label) eher als Hochpreislabel oder mehr als Billigheimer sieht.


    Der Künstlergrenzwert spiegelt das momentane 'Standing' des Künstlers aus Sicht des Labels wider.


    Danke fürs Lesen und lacht mich ruhig aus...:)


    Oliver

  • Zitat

    Original von Chr_Glaus
    ...Etwas, dass mich insbesondere nervt ist die schlechte Auslastung der CD-Kapazität...


    Wenn ohne technische Notwendigkeit ein Werk auf unnötig viele CDs verteilt wird, ärgere ich mich auch. Allerdings habe ich ein dreiaktiges Werk lieber auf drei CDs als auf zweien.


    Ich mag es aber überhaupt nicht, wenn CDs auf 'Teufel komm raus' vollgepackt werden. Nach der Beethoven-Sinfonie noch die Egmont-Ouvertüre als Füller. Nein Danke!


    Gruß,
    Oliver

  • Zitat

    Original von Richard
    ...Gewinnmaximierung und was der jeweilige Markt hergibt!...


    Das weiß jeder Grundschüler ;) Alfreds Frage zielte mehr darauf ab, welche Techniken von den Labels angewendet werden, um genau dies zu erreichen.


    Gruß,
    Oliver

  • Hallo Oliver,


    als Gedankenspielerei ist so eine Formel ja ganz nett, und würde sogar ein paar ganz nette weitreichende Aspekte beinhalten.
    Das Kernproblem ist aber: wie behandelst du die Tatsache, dass sich während der Lebenszeit einer Auflage der CD die Berechnungsparameter ändern?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Oliver.


    Zitat

    Allerdings habe ich ein dreiaktiges Werk lieber auf drei CDs als auf zweien.


    Das mag durchaus stimmen, nur verlangt die Plattenindustrie nicht den Preis für dieses eine Werk, sondern wieviele CD's in der Box sind. Und in der Schweiz kostet eine hochwertige Klassik-CD umgerechnet ca 26 Euro. Wenn ich somit für eine 3 Aktige Oper 78 Euro bezahlen sollte, dann kann mir die Plattenindustrie den Buckel runter rutschen!
    Da habe ich lieber nur 2 CD's.
    Und was die Egmont-Ouvertüre als Zusatz betrfft. Soweit ich weiss, kann man jeden Player programmieren oder durch Tastendruck abstellen, damit man diese Zusätze nur dann hören muss, wenn man Lust hat dazu.


    Gruss
    Christoph

    Über Geschmack kann man - aber muss man nicht streiten!

  • Hallo,


    Am Anfang des Threads habe ich einige Fragen gestellt, teilweise rein rhetorisch, weil ich zumindest auf einig die Antwort weiß:


    Cosima konnte beispielsweise nicht verstehen, warum die ausgezeichneten Aufnahmen der Mozart Klavierkonzerte mit Mathias Kirschnereit und den Bamberger Philharmonikern günstiger sind, als manches andere.


    Hier gibt es EINIGE Erklärungen.
    Zunächst ist das Label ARTE NOVA der Versuch eines großen Anbieters den Höhenflug von Naxos wenigstens einigermaßen zu bremsen.
    Man gründete ein Konkurrenz-Billiglabel. Das verkaufte tatsächlich viele CDs - aber eher auf Kosten des restlichen (auch eigenen ??) Hochpreismarktes. Betrieben wurde dieses Segment von Dieter Oehms, der sehr erfolgreich damit war. Warum man sich dann letzlich von ihm trennte kann ich nur vermuten, darf ich hier aber nicht schreiben.
    Jedenfalls schien es, als ob das Label ARTE NOVA gestorben wäre, ein großer Prozentsatz von Künstlern wanderte mir Dieter Oehms zu dessen Label ab.- Dennoch scheint man stark gebremst weiter zu produzieren.
    Im Falle Kirschnereit -Mozart Klavierkonzerte kommt noch hinzu daß hier der Waschmaschinenhersteller Miele als Sponsor auftritt, sodaß das Projekt finanziell abgesichert erscheiint.


    Andere Label möchten keine Neuerscheinunge opfern und "verramschen" alte Aufnahmen - und zwar solche - die oft wesentlich interessanter sind , als jene die heute aufgenommen werden.
    Die Serie Eloquence, als Ramschlabel (IMO) gestartet, enthält heute Schätze allerdings in (IMO) abschreckender Aufmachung.


    Ähnliches kann über die Serie Red-Line von EMI gesagt werden, die Nipper Serie ist weniger hässlich. Allerding warne ich vorm lesen der Beipackzettel (Booklets wäre hier hochgestapelt), weil (zumindest für mich) die Gefahr eines tödlichen Lachklampfes besteht...


    Kein Wunder, wenn heutige Künstler kaum zum Zuge kommen. sie werden teurer angeboten und halten nur selten den Vergleich mit ihren Vorgängern aus.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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  • Hallo Alfred, hallo allerseits,


    herzlichen Dank für die Erläuterungen – nun bin ich schon etwas genauer im Bilde.


    Die Frage kam ja dereinst bei mir auf, als ich mir die Andsnes–CD zulegte. Seine Mozart-Klavierkonzerte werden von der EMI als Hochpreis-Produkt angeboten (und entsprechend vollmundig angepriesen), und obgleich ich sie von einem ausländischen Anbieter zu einem niedrigeren Preis kaufte, ärgerte ich mich ein wenig, da sie m.E. der (ungleich günstigeren) Einspielung von Kirschnereit zumindest ebenbürtig sind.


    Dass die Fa. Miele hier bei Arte Nova ihre Hände im Spiel hat, ist unschwer zu übersehen: Klappt man das Booklet auf so strahlt einem sogleich das Miele-Logo in voller Schönheit entgegen (mich stört das ein wenig, aber solange auf der Vorderseite keine Waschmaschine o.ä. abgebildet ist, nehme ich es in Kauf :D…).


    Dann hat sich Dieter Oehms also mit dem Label „Oehms Classics“ selbstständig gemacht? Ich besitze von diesem Label einige Bruckner-Symphonien unter Skrowaczewski, die m.E. wirklich gelungen sind und auch zu einem Spottpreis unter das Volk gebracht werden.


    Ich bin recht skeptisch, was heutige, neue Künstler anbelangt, die in den Medien hoch gelobt und sogleich als neue Referenz angepriesen werden – in der Regel schaue ich zunächst einmal, ob sich ältere, bewährte Aufnahmen finden lassen bzw. versuche, verschiedene Einspielungen zu vergleichen. Aber um Kirschnereit ist es irgendwie schade, ihm gebührt m.E. etwas mehr Aufmerksamkeit.


    Was die Aufmachung der Booklets bzw. Beipackzettel (klingt so nach Medizin ;)) anbelangt: Hier bin ich weniger wählerisch, freue mich jedoch, wenn ein gelungenes Booklet beiliegt.


    Gruß, Cosima

  • Wo wir gerade bei Musiklabels sind. Vielleicht könnte mir noch jemand die Zusammenhänge an sich etwas näher bringen?


    Mir sind geläufig:


    Bertelsmann Music Group (BMG) – Ist es so, dass die ehemalige BMG mit Sony fusionierte? RCA gehört auch dazu, oder? Die Deutsche Grammophon auch?


    EMI – Dazu gehört Virgin Music?


    Naxos – Ist klar.


    Was ist mit Decca, Elatus, Philips, ASV, Tacet, Apex, Orfeo?


    Astrée naive und harmonia mundi sind eigenständige Labels? Von „Koch“ habe ich auch etwas. Wer oder was ist Koch?


    Wer hat hier den Durchblick?


    Gruß, Cosima

  • Hallo Cosima,


    Wir werden das alles in den Labelvorstellungen durchgehen


    Im Moment nur soviel:


    Deutsche Grammophon (plus Archiv Produktion)
    Decca
    Philips


    sind derzeit im Besitz von Universal und stellen den derzeit wohl
    größten Machtblock dar.
    ------------------------------------------------------------
    BMG, ja das ist RCA, und jetzt noch Sony,dazu gehört auch noch die Deutsche Harmonia Mundi
    ------------------------------------------------------------
    Tacet ist AFAIK ein kleines autonomes Label
    (man wird sehr stolz sein hier in einem Zug mit den
    Giganten genannt zu werden
    ...............................................................


    Elatus und Apex sind Verramschungslabel im Besitz von Warner Classics


    hier werden Aufnahmen der eigentlichen Label von Warner (existieren die überhaupt noch ??) billig weitervermarktet


    nämlich von Teldec (vor langer Zeit hießen die Telefunken)
    und von Erato


    ----------------------------------------------------------------


    Harmonia Mundi France (bzw USA) ist im Gegensatz zu seinem Namensvetter ein eigenständiges Label in Privatbesitz


    --------------------------------------------------------------------


    Koch gibt es AFAIK im Klassikbereich nicht mehr.
    Wurde von Universal geschluckt und demontiert
    Dazu gehörte im Klassikbereich u.a das Label Schwann
    Gekauft wurde die Firma wegen zahlreicher Rechte im volkstümlichen Bereich - an den sich schlecht verkaufenden Klassikaufnahmen unbekannter Komponisten, war man nicht interessiert.


    -----------------------------------------------------------------------------


    Ja VIRGIN gehört zu EMI


    -------------------------------------------------------------------------------


    Ich sehe es herrscht mehr Bedarf an Labelvorstellungen als ich dachte.


    -------------------------------------------------------------------------------


    Labelvorstellung: Chandos - Gentleman aus England
    Labelvorstellung: Hyperion - ein Star am Labelfirmament
    Labelvorstellung: harmonia mundi france - Da kommt Freude auf
    Labelvorstellung: CPO - Classic Production Osnabrück
    Labelvorstellung: OEHMS CLASSICS


    Weiteres ist ab sofort in Planung


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Elatus und Apex sind Verramschungslaber im Besitz von Warner Classics


    hier werden Aufnahmen der eigentlichen Label von Warner (existieren die überhaupt noch ??) billig weitervermarktet


    nämlich von Teldec (vor langer Zeit hießen die Telefunken)
    und von Erato


    Ja, stimmt – ich habe eben mal eine der Wiederveröffentlichungen der alten Telefunken herausgekramt. Ursprünglich aus 1929 (Erich Kleiber) entspricht die m.E. Super-Aufmachung (inkl. tollem Booklet mit vielen Bildern und Infos) wohl der der alten Platten inkl. des alten Telefunken-Logos. Ich mag derlei Dinge, wecken sie doch nostalgische Erinnerungen (obgleich ich noch nicht so alt bin :D..). Und sie werden in der Tat verramscht.


    Ansonsten ganz lieben Dank für Deine Mühe, Alfred – ich fände es auch sehr interessant, wenn weitere Labels detaillierter vorgestellt werden würden. Ich baue auf Dich :yes: !


    Viele Grüße
    sendet Cosima

  • Salut,


    sicherlich kann mir jemand erklären, wo dieser Thread hineingehört... :rolleyes:


    Meine Frage:


    Warum bieten repräsentative Labels wie z. B. TELDEC neben der teuren Vollversion auch noch einen "billigen Abklatsch" an? Ich bin nicht sicher, ob es TELDEC noch in dieser Form gibt, aber ich beziehe mich auf eine derzeit noch erhältliche CD:



    Diese in meinem Besitz befindliche CD wird für 17,99 € bei jpc angeboten und ist offenbar auch kurzfristig lieferbar.


    Gleichzeitig wird gleich links daneben angeboten:



    Selber Inhalt, andere Optik, anderes Label [elatus], anderer Preis: 9,99 €


    Belächelt mich ruhig, die Frage ist ernst, warum diese CDs nebeneinander angeboten werden? Wer würde denn unter diesen Umständen die teurere CD erwerben? Ist das nicht ein Irrtum in der Geschäftspolitik oder wollen die auf den teuren CDs sitzen bleiben?


    ?(


    Ich kapier's überhaupt nicht...


    Ulli

  • Ökonomisch betrachtet macht es in der Tat keinen Sinn dieselbe Aufnahme auf preisunterschiedlichen Labels anzubieten. Ich vermute, daß es sich bei der Original-CD um einen Teil eines Restbestandes der Fa. JPC handelt. Die Reihe "Das Alte Werk" gibt es im übrigen nicht mehr. Diese ehemals hochrennomierte Serie ist an das Billiglabel elatus, einer Tochter der Teldec, im Wege der sog. Katalogauswertung, abgegeben worden. Wahrscheinlich werden über kurz oder lang auch die Kantaten Harnoncourt/Leonhardt bei elatus erscheinen.


    Grund dieser Kalalogauswertung ist der Umsatzrückgang im Klassik-CD-Bereich. Teldec/Warner hat sich deshalb veranlaßt gesehen, gerade dieses Segment kleinzuschrumpfen und an Billiganbieter, eben elatus oder auch Apex, abzugeben. Neuaufnahmen durch Vertragskünstler kommen bei Teldec/Warner nach meiner Kenntnis derzeit u.a. mit Barenboim und Aimard unter Audio zustande.


    Fraglich ist, ob diese Billigpreise ökonomisch zu halten sein werden oder ob mittelfristig nicht gerade diese Billiglabels der Majors wieder geschlossen werden. Dafür spricht mE einiges, was dann zur Folge hätte, daß wieder verstärkt hochpreisige Aufnahmen angeboten würden

  • Zitat

    Original von tom
    Ökonomisch betrachtet macht es in der Tat keinen Sinn dieselbe Aufnahme auf preisunterschiedlichen Labels anzubieten. Ich vermute, daß es sich bei der Original-CD um einen Teil eines Restbestandes der Fa. JPC handelt. Die Reihe "Das Alte Werk" gibt es im übrigen nicht mehr. Diese ehemals


    Das vermute ich auch; es kommt aber immer mal vor, dass eine Einspielung über längere Zeit sowohl noch in der alten Vollpreis- als auch in der preiswerteren Variante im Katalog ist.


    Zitat


    Grund dieser Kalalogauswertung ist der Umsatzrückgang im Klassik-CD-Bereich. Teldec/Warner hat sich deshalb veranlaßt gesehen, gerade dieses Segment kleinzuschrumpfen und an Billiganbieter, eben elatus oder auch Apex,


    Fraglich ist, ob diese Billigpreise ökonomisch zu halten sein werden oder ob mittelfristig nicht gerade diese Billiglabels der Majors wieder geschlossen werden. Dafür spricht mE einiges, was dann zur Folge hätte, daß wieder verstärkt hochpreisige Aufnahmen angeboten würden


    Grund ist zunächst, das die vormals eigenständigen Firmen schon länger alle Warner gehören und die sich bisher als ziemlich unfähig erwiesen haben (auch Apex, Elatus etc. sind natürlich keine eigenständigen Labels, sondern alles Warner). Der kombinierte Katalog Alter Musik von Teldec/Das Alte Werk und Erato dürfte unübertroffen sein. Wie blöd man sein muß, renommiertesten Künstlern dieses Bereichs wie Christie und Harnoncourt die Verträge zu kündigen und deren Aufnahmen billig abzuverkaufen, weiß ich nicht...
    Eine Mischkalkulation wird von den Labels aber schon länger gefahren, mid-price und sogar Billigserien gbt es ja schon ewig. Neu-Aufnahmen bieten sie ja nicht billiger an. Meine Vermutung ist allerdings (jedenfalls würde ich so handeln und habe tatsächlich so gehandelt, als ich in den USA studierte), dass bei niedrigerem Vollpreis und vergleichsweise höheren Niedrigpreissegmenten (also nicht EUR 5-20, sondern etwa EUR 7-14) verhältnismäßig mehr Hochpreis gekauft würde...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Sagitt meint:


    Wir sollten uns über Aufnahmen gegenseitig informieren, die zu überhöhten Preisen recycelt werden. Anklaß ist beim dreibuchstabenversand ein Weihnachtsoratorium für 17.99 von Flämig aus dem Jahre 1975. Absolute Durchschnittsware, lag schon unter 5 Euro irgendwo auf Krabbeltischen und wird nun im midprice-Bereich wieder auf den Markt geschmissen.
    Spontan fällt mir ein Rigoletto mit AlanTitus,Kubelik, ein, der auch immer wieder nachdem er zu Spottpreisen auf dem Markt war, in einem höheren Preissegment angeboten wird.
    Es gibt sicher andere, vielleicht noch deutlichere Beispiele ?

  • Es wurde hier immer wieder von großen Namen, die man teuer verkaufen könne, gesprochen.
    Der Großteil der Teuer-CDs, die ich kaufe, haben damit wenig zu tun. Teuer sind natürlich auch Aufnahmen von Werken, die keinen so großen Absatz haben und deren CDs wohl in geringerer Stückzahl produziert werden.
    Mag sein, dass das ohnehin jedem klar ist, und eine marktwirtschaftliche Selbstverständlichkeit.

  • Zitat

    Teuer sind natürlich auch Aufnahmen von Werken, die keinen so großen Absatz haben und deren CDs wohl in geringerer Stückzahl produziert werden.
    Mag sein, dass das ohnehin jedem klar ist, und eine marktwirtschaftliche Selbstverständlichkeit.


    Es wurde immer wieder argumentiert, daß solche Aufnahmen ein " kulturelles Anliegen" der Tonträgerindustrie seien, und daß man derartiges aus den Gewinnen der (überteuerten) "Mainstream Produktionen finanziere, bzw die Kosten abfedere.
    Es wird ja wohl jedem einleuchten, daß ein einzelner Pianist - und sei er noch so berühmt - wesentlich billiger kommt (und auch das kleinere Aufnahmeteam) als ein großes Orchester nebst Dirigenten, Soliosten etc - das grössere Aufnahmeteam noch gar nicht einbezogen....


    Heute - der Tread ist mittlerweile ziemlich lang unbewirtschaftet geblieben - ist es mittlerweile so, daß Werke mit voraussichtlich klieinerem Absatz vorzugsweise von Kleinlabeln herausgebracht werden, währde viele der "Großen" dazu übergegangen sind, ihre Uralt-Aufnahmen jährlich umzuverpacken - un der Hoffnung daß man versehentlich eine Aufnahme erneut kauft, die man schon lange besitzt (was leider gelegentlich auch passiert ;( ) und seine Tränen über entgangene Gewinne mühsam trocknet, während man gleichzeitig bemüht ist den ohnehin unverschämt langen Copytigtschut bis auf 100 Jahre auszuweiten, damit man uns diese Steinzeitaufnahmen weiter für teures Geld anbieten kann.....


    mfg aus Wien


    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    Zitat

    Es wird ja wohl jedem einleuchten, daß ein einzelner Pianist - und sei er noch so berühmt - wesentlich billiger kommt (und auch das kleinere Aufnahmeteam) als ein großes Orchester nebst Dirigenten, Soliosten etc - das grössere Aufnahmeteam noch gar nicht einbezogen....


    Das leuchtet ein, der Aufwand ist viel größer, und das kostet Geld.


    Aber was mir nicht klar ist und mich interessieren würde: Verdient das Orchester (d. h. jeder einzelne Musiker) eigentlich an einer Aufnahme? Also einerseits für die Arbeit, andererseits in Form einer Gewinnbeteiligung? Das mag jetzt auch von der Berühmtheit des Orchesters (und des Dirigenten; evtl. auch von der prognostizierten Verkaufszahl) abhängen, ist es doch für ein unbekanntes Orchester eine Ehrensache, auf CD vertreten zu sein. Aber auch für die berühmten Orchester gehört es doch eigentlich zur notwendigen Imagepflege.


    Es ist ja auch in der Wissenschaft so: Wisschenschaftler verdienen an ihren Publikationen meist keinen Cent, es ist eher eine professionelle Notwendigkeit, die zur Pflege des Renommees dient (vom Vorantreiben der Wissenschaft mal abgesehen).


    Nebenbei: Mir scheint, das Chicago Symphony Orchestra hat ein eigenes Label.


    :hello: maticus

  • Zitat

    Original von maticus Nebenbei: Mir scheint, das Chicago Symphony Orchestra hat ein eigenes Label. :hello: maticus



    Das habe ich in der Rubrik "Klassiklabel im Focus" erst kürzlich vorgestellt.


    "CSO-Resound"

    mfG
    Michael

    2 Mal editiert, zuletzt von Schneewittchen ()

  • Zweieindhalb Jahre sind seit dem letzen Eintrag in diesem Thread verflossen - und mir scheint, daß sich einiges geändert hat.
    Mammutprojekte von Sinfonien werden kaum mehr gestartet, berühmte Orchester werden durch zweit- und drittrangige ersetzt.
    Von "Preispolitik" kann eigentlich kaum mehr geredet werden - mit Ausnahme von Universal Classics, wo man doch irgendein Konzept erkennen kann - agieren die meisten einstigen Großlabels unter der Devise "Rette sich wer kann" - wobei dem äusseren Anschein nach stets die schlechteste aller möglichen Entscheidungen getroffen wird.
    Die schlechteste Entscheidung ist meiner Meinung nach immer, das "Tafelsilber" zu verkaufen - sprich die Rechte an Billiglabels abzugeben. Brilliant Classics wurde durch die Großen ja regelrecht "gefüttert" und zum Tonträgerriesen aufgebaut.
    Sollte das mit dem Hintergedanken gewesen sein, Naxos damit zu schaden, so dürfte der Schuss nach hinten losgegangen sein. Man hat jetzt ZWEI rührige Billiglabels gegen die man sich behaupten muß.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • ... Die schlechteste Entscheidung ist meiner Meinung nach immer, das "Tafelsilber" zu verkaufen - sprich die Rechte an Billiglabels abzugeben. Brilliant Classics wurde durch die Großen ja regelrecht "gefüttert" und zum Tonträgerriesen aufgebaut. ...

    Es ist wirklich erstaunlich, dass die großen Labels keine durchgängige Linie in der sinnvollen Verwaltung ihrer Archive zustande bringen. Es scheint dort bei den Entscheidungsträgern keine Einsicht zu geben, dass so ein Tonträgerarchiv über den unmittelbaren, momentan vielleicht schwachen Finanzwert hinaus einen kulturellen Wert darstellt, der langfristig durchaus etwas abwerfen kann.
    Aber ich glaube nicht, dass die Rechte wirklich abgegeben wurden. Ich nehme an, dass lediglich die Rechte für eine Auflage billig verkauft wurden. Nach dem Motto, dass für ein momentan brach liegendes Kapital wenigstens ohne Aufwand eine Kleinigkeit eingenommen werden kann (obwohl man gelegentlich aus dem Kopfschütteln nicht herauskommt; so hat die EMI einige ihrer berühmtesten Aufnahmen an Brilliant lizensiert). Aber Brilliant Classics ist deshalb noch lange kein Tonträgerriese, gerade weil sie kein eigenes Archiv besitzen, auf das längerfristig gebaut werden kann. Und die laut ihrer Homepage 10-Mitarbeiter-Firma schwächelt zur Zeit gefühlsmäßig. Allerdings brachten sie im Juni die Schubert-Symphonien unter Sandor Vegh heraus. Das ist wohl ein heißer Tipp!



    Zitat

    Sollte das mit dem Hintergedanken gewesen sein, Naxos damit zu schaden, so dürfte der Schuss nach hinten losgegangen sein. Man hat jetzt ZWEI rührige Billiglabels gegen die man sich behaupten muß.....

    Naxos war vor zwanzig Jahren ein Billiglabel. Es war für die CD in etwa das, was vor 50 Jahren Labels wie Vox für die LP waren. Wenn man vor gut 10 Jahren einen rein digitalen Bruckner-Zyklus kaufen wollte, war Tintners Zyklus bei Naxos die günstigste Möglichkeit, sogar billiger als die berühmten noch analog aufgenommenen Zyklen. Daher haben Leute diesen Zyklus gekauft und sind beiläufig darauf gekommen, dass dies überhaupt eine der besten Varianten für einen vollständigen Bruckner war. Aber Naxos hat sein Preisgefüge weitgehend durchgehalten, und im Vergleich zu den inzwischen erschienenen Billigzyklen einiger Majors ist Tintners Bruckner-Zyklus heute eine der teureren Varianten, um an Bruckner zu kommen. Erst in jüngerer Zeit gibt es ein paar Boxen, die deutlich unter dem Einzelpreis einer Naxos-CD kalkuliert sind. Aber insgesamt ist Naxos heute eher ein Midprice-Label.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Und wo hier gerade der Name Brilliant gefallen ist: Im "Was höre ich gerade jetzt"-Thread hatte ich vorhin die Lautenwerke Bachs gepostet, bei mir enthalten in einer 14-CD-Box die 29 Euro kostet (früher 49 DM).



    Diese besagten Lautenwerke von John Lindberg im übrigen vorzüglich gespielt, sind wohl ursprünglich bei bis erschienen. Und es gibt die Doppel-CD-noch: für 34 Euro



    Offensichtlich hat bis da einen Ladenhüter verscherbelt, der erst in der Brilliant-Box als Juwel wahrgenommen wird.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.