TMOOX - Requiem op. 48 (Fauré)

  • Um dieses Werkes willen, das ich sehr schätze, habe ich ursprünglich dafür plädiert, TMO auch für Oratorien und Chorwerke unter Beteiligung von Solisten zu öffnen. Bewertet werden sollen:


    - Orchester und Dirigent
    - Chor
    - Sopransolo
    - Baritonsolo


    Da es zwei Fassungen dieses Werkes gibt, einmal die ursprüngliche kammermusikalische, außerdem die bekanntere für volles Sinfonieorchester, bitte ich, die jeweilige Fassung auch bekanntzugeben.


    Aufgrund der momentanen Diskussionen über die Bewertungsmodalitäten bei TMO habe ich mich entschlossen, bei meinen folgenden Wertungen strenge Maßstäbe anzulegen. Überhaupt kenne ich bisher keine Aufführung, die mich annähernd zufriedenstellt. Besonders die Solosopranistinnen und die Chorleistung sind nie auf höchstem Niveau: noch kein Chor, den ich (live oder auf Konserve) gehört habe, hat es beispielsweise geschafft, die Endkonsonanten gemeinsam zu artikulieren - ständig gibt es irgendwo ein Gezischel; und das so simple "Pie Jesu" scheint, wie viele schlichte Dinge, äußerst heimtückisch in der Ausführung zu sein, jedenfalls konnte mich noch keine Sopranistin begeistern.


    Link zum Diskussionsthread: Fauré Requiem


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Kammermusikalische Fassung 1893


    harmonia mundi, 1988



    Ensemble Musique Oblique, dir. Philippe Herreweghe - 3,5
    Choeur de la Chapelle Royale & Les Petits Chanteurs de Saint-Louis - 4
    Sopran: Agnès Mellon - 0,5
    Bariton: Peter Kooy - 4


    Gesamtwertung: 12/4 = 3,00


    Kommentar: Soweit ich weiß, ist das bislang die einzige, jedenfalls die erste Aufnahme der ursprünglichen Fassung für Kammerensemble und Orgel und hat von daher schon ihre Meriten. Dennoch finde ich die Aufnahme tendenziell langweilig: Der Chor (Knabenchor!) und der Baritonsolist Peter Kooy singen zwar ordentlich, aber ohne besonderes Engagement; Herreweghe übertreibt bei ohnehin langsamen Stellen wie dem Pie Jesu oder In Paradisum das Tempo zusätzlich - aber besonders schlimm finde ich den mangelnden Dynamikumfang des Orchesters, bei dem es oft keinen Unterschied zwischen piano und forte gibt (ich hab in den Noten mitgelesen!). Freilich liegt das wahrscheinlich auch an der kammermusikalischen Besetzung; dennoch: auch ein Streichquartett muss pianissimo und fortissimo abdecken können!


    Leider gibt es einen Totalausfall: Wer um Himmels willen hat Agnès Mellon eingeredet, Sängerin zu werden? Sie kann nicht singen, sie sollte es bleiben lassen! Ihr Timbre ist quasi nicht existent, sie hat ernste Probleme mit den "hohen" Tönen (f''!), die sie nur mit Mühe hervorquetschen kann (überhaupt klingt ihre Stimme so gepresst!), sowie mit dem zugegebenermaßen langsamen Tempo, bei dem ihr ständig fast die Luft auszugehen scheint, jedenfalls beginnt die Stimme am Ende der Phrasen, kurz vor dem nächsten Atmen, immer heftig zu tremolieren. Die "Tiefe" (e'!) ist auch eher schwach und von Interpretation kann man auch nicht sprechen... ein halber Trostpunkt, weil die Tonhöhen halbwegs stimmen.


    Ich empfehle aber doch allen Fans dieses Werkes, diese Aufnahme zu erwerben, weil es eben bislang meines Wissens die einzige Einspielung der Kammermusikfassung ist. Zudem kommt sie mit der hübschen "Messe des Pêcheurs de Villerville" einher, die kennenzulernen keine Zeitverschwendung ist. Agnés Mellon kann man ja gottseidank leicht umgehen, indem man das Pie Jesu einfach überspringt - und dann sähe auch die Wertung schon ganz anders aus: ;)


    Fiktive Aufnahme ohne "Pie Jesu":


    Ensemble Musique Oblique, dir. Philippe Herreweghe - 3,5
    Choeur de la Chapelle Royale & Les Petits Chanteurs de Saint-Louis - 4
    Bariton: Peter Kooy - 4


    Gesamtwertung: 11,5/3 = 3,83

  • Fassung für Sinfonieorchester 1900


    elatus, 1994



    Philharmonia Orchestra, dir. Michel Legrand - 2
    Ambrosian Singers - 4
    Sopran: Barbara Bonney - 4
    Bariton: Thomas Hampson - 3


    Gesamtwertung: 13/4 = 3,25


    Kommentar: Diese Aufnahme ist, was Chor und Sopran betrifft, die beste, die ich kenne, wenngleich auch nicht perfekt! Leider haben der Dirigent Michel Legrand und der Baritonsolist Thomas Hampson (dem solche fatalen Irrtümer meiner Erfahrung nach sehr oft - zu oft! - unterlaufen) das Fauré-Requiem mit dem Verdi-Requiem verwechselt und entsprechend interpretiert. Für den, der sich damit abfinden kann, dieses intime, zarte und christlich-spirituelle Werk wie eine italienische Oper zu hören, ist diese Aufnahme sicher eine gute Wahl; ich kann es nicht und tröste mich daher mit dem zweiten Werk auf dieser CD: dem Duruflé-Requiem, dem diese Interpretationshaltung entschieden besser steht und das zusätzlich mit einer expressiven Jennifer Larmore gesegnet ist.

  • Fassung für Sinfonieorchester 1900


    EMI 1963



    Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire, dir. André Cluytens - 4,5
    Choeurs Elisabeth Brasseur - 3
    Sopran: Victoria de los Ángeles - 3,5
    Bariton: Dietrich Fischer-Dieskau - 5


    Gesamtwertung: 16/4 = 4,00


    Kommentar: Das Dirigat von André Cluytens ist untadelig und französisch wie immer, die Baritonsoli von Dietrich Fischer-Dieskau sind phänomenal: mit ruhiger, tremolofreier Stimme gesungen wie ein Kantor in der Liturgie! So höre ich geistliche Musik gerne! Auch das Timbre von Victoria de los Ángeles finde ich sehr passend für das Pie Jesu, und sie singt es ja sehr schön unopernhaft als Gebet, aber aus unerfindlichen Gründen klingt auch sie sehr gequält. Ich muss leider sagen: ihre meiner Meinung nach schlechteste Studioaufnahme, wenngleich noch immer guter Durchschnitt.


    Der eigentliche Schwachpunkt der Einspielung ist nämlich der sehr durchschnittliche Chor - und das Fauré-Requiem hängt sehr vom Chor ab! Neben den üblichen Ungenauigkeiten, die mich in impressionistischer Musik immer besonders stören, ist vor allem der Zusammenklang verbesserungswürdig. Auch die Tenorstimmen, die manchmal alleine erklingen, sind weder besonders schön, noch besonders zusammen und führen mich zur Vermutung, es könnte sich bei den ominösen "Choeurs Elisabeth Brasseur" um einen Laienchor (um mehrere Laienchöre?) handeln. Für einen solchen schlüge er sich aber durchaus achtbar...


    Insgesamt gefällt mir diese Aufnahme atmosphärisch am besten - sie ist sicherlich die französischste! - und ich würde sie von denen, die ich kenne, am ehesten auch zum Kennenlernen des Werkes empfehlen; die Interpretation der Baritonsoli durch Dietrich Fischer-Dieskau sehe ich als Referenz an. Insbesondere wegen der ausbaufähigen Chorleistung rate ich aber dringend zu einer Zweiteinspielung!

  • Gerne greife ich diesen Werkvorschlag auf, und auch den Vorsatz der Strenge, die bei diesem wunderschönen Werk zugegeben schwer fällt.


    Fassung für Sinfonieorchester 1900


    cd BBC 1968



    BBC Orchestra, dir. Nadia Boulanger - 5 (man spürt die besondere Gelegenheit und ihre große Liebe zu dem Werk. Da stimmt jedes Tempo, als ginge es gar nicht anders, und auch die Lautstärkenabstimmung ist optimal)
    BBC Chorus - 4 (tadellos, aber nicht herausragend)
    Sopran: Janet Price - 4 (ein sehr schön passender, schlanker Sopran, der noch etwas mehr Ausdruck haben könnte, was ich bei dem "Pie Jesu" aber weniger vermisse als ich das anderswo tun würde)
    Bariton: John Carol Case - 3 (kein ausgesprochener Schwachpunkt, aber doch hörbar weniger für sich einnehmend als der Rest)


    Gesamtwertung: 16/4 = 4


    TQ: 3+ (etwas belegt, gelegentlich leise Geräusche des Live-Publikums, aber nicht wirklich störend)


    Kommentar: Die Aufnahme dokumentiert ein ganz besonderes Ereignis, nämlich die Gedenkfeier zum 50. Todestag von Nadia Boulangers Schwester Lili, und ist schon wegen der authentischen Darbietungen von Lili Boulangers "Pie Jesu" sowie den Psalmen 24 und 130 den Kauf wert. Aber auch Boulangers Darbietung des Fauré-Requiems braucht sich hinter der namhafteren Konkurrenz nicht zu verstecken. Ich habe die Aufnahme erst vor Kurzem bekommen und gehört, und obwohl ich seit Jahrzehnten von meiner ersten, nämlich der großartigen Einspielung unter Ansermet (mit Suzanne Danco und Gérard Souzay), die ich aber erst wieder auf meiner LP hören muss, scheinbar unüberwindlich geprägt war, hat sie mich sofort für sich eingenommen, was weder Myung-Wun Chung trotz der namhafteren Solisten noch Gardiner trotz des besten Chors meiner Vergleichsaufnahmen geschafft hatten.


    Ob es nun an dem besondere Anlass oder Boulangers großer Vertrautheit mit oder ihrer hörbaren Liebe zu der Komposition liegt, beseelter und abgeklärter kann man dieses Requiem kaum spielen ohne die leichten Ansätze zu dramatischeren Klängen ganz zu ignorieren. Schade, dass der Bariton etwas abfällt, sonst wäre das meine neue Referenzaufnahme geworden.


    :hello: Jacques Rideamus


  • Lieber Philhellene,


    ich kann deinen obigen Kommentar gut nachvollziehen und stimme mit ihm größtenteils überein. Die Chorleistung trübt diese ansonsten faszinierende Aufnahme leider nachhaltig. Dafür kann ich aber Victoria de los Angeles' Darbietung viel abgewinnen, ich finde sie regelrecht ergreifend. Daher meine etwas abweichende Bewertung:



    Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire, dir. André Cluytens - 4,5
    Choeurs Elisabeth Brasseur - 2,5
    Sopran: Victoria de los Ángeles - 5
    Bariton: Dietrich Fischer-Dieskau - 4


    Gesamtwertung: 16/4 = 4,00


    LG
    B.

  • Fassung für Sinfonieorchester 1900


    cd DG 1998



    Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, dir. Myung-Whun Chung - 2 (wenn sich Chung in dieser Verfassung das Requiem von Berlioz vorgenommen hätte, würde meine Bewertung wahrscheinlich besser ausfallen, denn er hat einen guten, wenn auch etwas zur Show im Extrem neigenden Sinn für Tempi und Dynamik; aber mit diesem unsinnigen Unterfangen, aus Faurés Werk eine Berlioz-Kopie zu machen, hat er leider sein Thema eklatant verfehlt)


    Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia; Chorleiter: Roberto Gabbiani - 3 (im Rahmen der Vorgaben singt der Chor recht zufriedenstellend und mit vorbildlicher Pianokultur, wenn da nicht geregelt wurde, aber er kann schwerlich besser sein als das, was von ihm verlangt wird)


    Sopran: Cecilia Bartoli - 2 (um nicht verkannt zu werden: ich mag die Bartoli sehr, aber dieses Repertoire ist ihr denkbar fremd. Stimme und Vokalisierung klingen scharf mit gelegentlich zu starkem Vibrato, und auch sie scheint das Werk für einen Ableger von Verdis Requiem zu halten. Von der schlichten Schönheit, die gerade diese Passage ausstrahlen soll, keine Spur, eher von mühsam unterdrücktem Willen zur Virtuosität. Schade, dass sie sich und vor allem dem wunderschönen "Pie Jesu" das angetan hat)


    Bariton: Bryn Terfel - 3 (das Offertorium gelingt ihm besser als das rigolettohafte Libera Me, aber auch von ihm wird nicht gebetet, sondern italienische Oper gesungen)


    Gesamtwertung: 10/4 = 2,5


    TQ: 4+ (tadellos, wenn gleich die Dynamik schon Karajanische Extreme erreichen und wohl in den meisten Wohnungen nachgesteuert werden muss)


    Kommentar: In der Schule bekamen wir für so eine Arbeit, und sei sie noch so aufwändig und engagiert angefertigt worden, eine miserable Note mit wenig Kommentaren, wenn überhaupt, falls neben einem dicken THEMA VERFEHLT noch etwas für nötig erachtet wurde. Natürlich ist der Standard des Dargebotenen hoch professionell, und das mitgegebene Requiem von Duruflé, in das ich mich noch besser einhören muss (und wegen dem ich die Aufnahme gekauft hatte, weil ich das Werk nch gar nicht kannte), verträgt Chungs hochdramatischen Duktus besser, kommt deshalb also nach meinem vorläufigen Eindruck deutlich besser davon. Für den Fauré-Teil aber reicht leider ein schlichtes "überflüssig".


    :hello: Jacques Rideamus

  • Fassung für Sinfonieorchester 1900


    cd Decca 1960



    Orchestre de la Suisse Romande, dir. Ernest Ansermet - 5 (er nimmt das Werk ernst und versucht es nicht künstlich aufzuputschen. Dafür gelingen ihm die innigen Teile um so schöner)


    L'Union chorale de la Tour de Pelz - 3,5 (tadellos dem Dirigenten folgend und ohne hörbaren Ausfall. Allerdings ist die Dynamik etwas zu eben, denn, vom Anfang abgesehen, kann der Chor anscheinend nur Mezzo und Forte)


    Sopran: Suzanne Danco - 4,5 (wäre da nicht gelegentlich ein für mich irritierendes Vibrato, ihre schöne Stimme und der angemessen schlichte Vortrag wären ideal)


    Bariton: Gerard Souzay - 5+ (einfach wunderbar, wie geradlinig und doch gefühlvoll er seine beiden Stücke vorträgt. Besser kann ich mir einen Baritonvortrag in diesem Werk nicht vorstellen)


    Gesamtwertung: 18/4 = 4,5


    TQ: 4 (unter dem Vorbehalt, dass ich meine alte Eclipse-LP bewerte und das Klangspektrum natürlich weniger differenziert ist als das späterer cds)


    Kommentar: Vorsichtshalber sei vorausgeschickt, dass mich diese Aufnahme schon fast ein ganzes Klassikleben lang begleitet und ich sie von jeher so ideal fand, dass mir nie der Sinn nach einer Alternative stand. Der kam erst nach einer geraumen Weile cd-Hören, weil es die Aufnahme nur noch im teuren Import gibt. Erreicht hat dieses Ideal aber erst wieder die Aufnahme mit Nadja Boulanger, die aber leider nicht ganz so ideale Sänger hat. Sieht so aus, als dass ich mich doch noch um die Cluytens-Aufnahme bemühen muss. Andrerseits kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand das Werk besser auffassen und dirigieren kann als Ansermet, der den besonderen Charakter des Werkes verinnerlicht zu haben scheint und deshalb auch die Orgel (Eric Schmidt) besser zur Geltung bringt als alle Konkurrenten. Für jeden, der das Werk als demütig zuversichtlichen Trauergottesdienst versteht, wie es nach meiner Auffassung auch gemeint ist, und was für mich seinen ganz besonderen Reiz ausmacht, eine Aufnahme für die berühmte Insel.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Ergänzte kammermusikalische Fassung von 1888 (? - s. Kommentar)


    cd Philips 1993



    Orchestre Revolutionnaire et Romantique, dir. John Eliot Gardiner - 4 (interessant ist seine Nutzung der Originalinstrumentation Faurés, der er sehr differenzierte Farben abgewinnen kann, und mit der er gegen die großorchestralen Aufnahmen punktet. Leider gerät ihm das Ganze einen Tick zu feierlich und damit auch etwas eintönig. Das aber auf sehr hohem Niveau)


    Monteverdi Choir; Salisbury Cathedral Boy Choristers - 5 (Die Mischung aus normalem und Knabenchor gibt dem Werk eine zusätzliche Abwechslung, und da alle vorzüglich singen und auch in den dynamischen Abstufungen vorzüglich differenziert sind, ist diese Aufnahme, auf den Chor bezogen, mein Maßstab)


    Sopran: Catherine Bott - 4,5 (Für mich die Überraschung der Aufnahme. Beim ersten Hören erschien sie mir etwas blass, aber ihr geradliniger und dennoch beseelter Vortrag überzeugt mit jedem Hören mehr, zumal sie über eine sehr schöne und hier völlig unangestrengt klingende Stimme verfügt. Für mich gehört sie zur Spitzengruppe neben Bonney, von der ich immerhin das "Pie Jesu" aus der Legrand-Aufnahme habe, und Suzanne Danco)


    Bariton: Gilles Cachemaille - 4 (Wie Souzay singt auch Cachemaille seinen Part mit ansprechender Schlichtheit bei starkem Ausdruck, der leider ein oder zweimal an die Grenze der Weinerlichkeit führt. Das ist zwar die einzige Winzigkeit, die mich stört, aber das noch schöner klingende Bariton Souzays läuft ihm ohnehin in jedem Fall den Rang ab)


    Gesamtwertung: 17,5/4 = 4,38


    TQ: 5 (tadellos klar ohne auffällige Mätzchen)


    Kommentar: Gardiner bedient sich der ursprünglichen, um das "Offertorium" und das mit Posaunen geschriebene "Libera me" ergänzten Fassung des Komponisten selbst (ist es womöglich doch dieselbe, die Herreweghe benutz? Mir fehlt der Vergleich), und das gibt dem Werk eine eigentümliche Färbung, denn mit dem Fehlen der hohen Violinen- und Holzbläsergruppen gewinnen die übrigen Instrumente eine größere Bedeutung und der Klangcharakter des Ganzen eine leicht verhangene Düsternis, die ihm sehr gut tut, weil das Stimmung erzeugt ohne künstlich zu dramatisieren. Leider fehlt der Aufnahme ein letztes Quäntchen absoluter Spitzenleistung (vom Chor abgesehen) und scheint es Gardiner darauf abgesehen zu haben, die einheitlich pietätvolle Stimmung nicht zu sehr durch Abwechslung zu stören. Langweilig ist das noch lange nicht, aber doch etwas eintönig, vor allem wenn man das mit Boulangers Aufnahme vergleicht, wenn auch auf allerhöchstem Niveau.


    Die Entscheidung zwischen dieser und den übrigen hoch bewerteten Aufnahmen wird wohl (neben dem Kostenfaktor und den Vorlieben für bestimmte Künstler) durch die Ergänzungen bestimmt werden, und da bietet Gardiner mit Fauré, Madrigal und "Les Djinns" sowie mehreren Chorliedern von Saint-Saens, Debussy und Ravel fraglos das vielseitigste und seltenste Programm, das aber in die Wertung des Requiems nicht einfließen sollte.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Lieber Jacques,


    du scheinst ja auf einem enormen Arsenal an Einspielungen zu sitzen! Außerdem finde ich deine Bemerkung wichtig, dass die Ansermet-Aufnahme deine "Erstsozialisierung" mit dem Requiem war. Dies ist sicher nicht unbedeutend für die Beurteilung weiterer Einspielungen. Ich kannte das Requiem jahrelang nur von Cluytens, und so setzte es sich dann auch folgerichtig bei mir fest. Meine Wertungen weiterer, später kennengelernter Versionen gehen also von dieser Prämisse aus.


    Hier also meine Zweitanschaffung, fünf Jahre nach dem Kontakt mit der EMI-Cluytens-Platte gekauft:



    RCA, 1996


    Boston Symphony Orchestra, Seiji Ozawa - 4
    Mir fehlt etwas die Leichtigkeit, das Schwebende, dennoch macht Ozawa Fauré hier nicht zu einem Verdi, wie es bei weiter oben genannten Aufnahmen "gelungen" sein soll.
    Tanglewood Festival Chorus - 4
    Gibt es kaum etwas daran auszusetzen, allerdings fehlt mir auch hier das letzte Fünkchen Magie, die die Klänge hinein- und wieder herauszuschweben vermag. (Wie bei Cluytens, wäre der Chor nicht teilweise so grotesk unpräzise...)
    Barbara Bonney, Sopran - 4,5
    Klar und unprätentiös wird die tolle Bonney Werk und Sujet vollauf gerecht.
    Hakan Hagegard, Bariton - 3,5
    Ehrlich gesagt: Hier fällt mir nicht viel ein. Berührt mich nicht sonderlich, stört aber auch nicht übermäßig...


    Gesamtwertung: 16/4 = 4


    TQ: 5
    Absolut tadellos, wie nahezu alles in der 24 Bit Sound Dimension-Reihe RCAs


    LG
    B.

  • Hallo!


    Achtung, Premiere! Es folgt meine allererste Kurzberwertung in diesem Unterforum. Mein Beitrag im Faure-Requiem-thread war sozusagen die Steilvorlage.



    Orchestre de la Société de... / André Cluytens - 4
    Choeurs Elisabeth Brasseur - 2,5
    Sopran: Victoria de los Angeles - 3,5
    Bariton: Dietrich Fischer-Dieskau - 5


    Gesamtwertung: 15/4 = 3,75