Jazz für Anfänger

  • Zunächst einmal: Ich eröffne hier ein neues Thema in einem Bereich, in dem ich mich ohne weitere Bedenken als überwiegend inkompetent bezeichnen darf: Ich bin kein Jazz-Liebhaber, höre aber immer wieder mal gern Dixieland, Blues, Swing, Freejazz (diese Stichworte bekomme ich immerhin noch zusammen, könnte wohl auch noch ein paar Namen berühmter Musiker/innen nennen) oder was es da sonst noch so gibt - je nachdem was ich im Radio mehr oder weniger zufällig so erwische, so heute auf einer längeren Autofahrt.


    Da ich mein Jazz-Verständnis gern ein wenig fundieren würde, nun mein Anliegen - analog dessen, was es im Klassikbereich hier schon gab - an die Liebhaber/innen und Kenner/innen:


    Wenn Ihr mir, sagen wir, 5 CDs vorstellen würdet, die einen guten Einstieg in den Jazz darstellen würden: Welche Aufnahmen wären dies? Schön wäre es, die Empfehlungen mit einem kurzen Kommentar zu versehen. Eventuell ratsam wäre es, mit den 5 Tips einen möglichst weiten Bereich des Jazz abzudecken, aber das ist keineswegs Bedingung. Beispiele: "Als Einstieg in den Freejazz empfehle ich ..." oder einfacher: "Meine 5 liebsten Jazz-CDs".


    Nun denn: "Jazz für Anfänger - Was empfehlt Ihr?"

  • Guten Abend!
    Leider muss ich mir selber zugestehen, dass ich kaum Ahnung von Jazzmusik habe und auch selber über keine CD-Sammlung mit Jazz verfüge, allerdings möchte ich dir trotzdem eine CD empfehlen, die ich wirklich wunderschön finde.



    Es ist sehr gut möglich, dass du die CD bereits kennst, da sie doch recht populär ist, dennoch hatte ich den Drang diese CD in diesen Thread zu stellen. Vor allem "Take Five" ist mittlerweile sicher eines der bekanntesten Jazz-Stücke der Welt.
    Aber auch die anderen Stücke sind wirklich toll! Mein persönlicher Hit neben "Take Five" ist " Three To Get Ready". In diesem Stück glänzt Dave Brubeck am Piano einfach nur so, wie ich es persönlich nur lieben kann.


    Wie gesagt, es ist nicht viel, aber immerhin etwas und da bisher niemand auf deinen Beitrag geantwortet hatte, hatte ich den Drang dies zu schreiben und vielleicht kennst du die Platte ja noch nicht und sie gefällt dir. :hello:

    Zitat von André Glucksmann:
    Philosophieren bedeutet zuallererst, gegen die eigene Dummheit zu kämpfen.

  • Mich hat mal vor vielen Jahren ein Organist (inzwischen ist er Kantor am Wormser Dom) um solche Empfehlungen gebeten. Meine Wahl war etwa folgendes:


    1. Duke Ellington & his Orchestra: New Orleans Suite (Atlantic)



    Ellington als vielleicht bedeutendster Jazzkomponist des 20. Jahrhunderts muß dabei sein. Dies ist ein Spätwerk, 1971 entstanden, als viele ihn schon für ausgebrannt hielten. Es war Johnny Hodges' letzte Aufnahme, bevor er starb. Es gibt ein bißchen von vielem, um New Orleans als Wiege des Jazz kreisend. Da sind einige Stellen, die mich immer zu Tränen rühren (und es gibt nur wenig Musik, die das schafft), seine Kunst der Instrumentation mit minimalen Mitteln kommt hier gut zur Geltung. Mir hat diese Platte den Kosmos der Ellingtonia erschlossen.


    2. Wayne Shorter: Adam's Apple (Blue Note)



    (ich habe hier bewußt einen Link auf die ältere Ausgabe der CD bei amazon gesetzt, weil die für meine Ohren besser bzw. bässer klingt als die neuere Ausgabe: den Bass hört man auf der kaum noch, trotz remastering.) Es gibt "klassischere" Tenorsaxplatten als diese, aber sie bietet wie keine andere ein Panorama, was mit diesem Sax und Triobegleitung um 1965 im Jazz an Möglichkeiten existierte: Jedes Stück hat einen anderen Groove, die Themen sind sehr gut geschrieben, und Shorter liefert Musterbeispiele an thematischer Improvisation ab.


    3. Thelonious Monk: Big Band & Quartet in Concert (Columbia)



    Monk ist meine persönlicher Lieblingskomponist und Pianist im Jazz, und selten klang er so unbeschwert und zufrieden wie bei diesem Konzert, das auf dieser Doppel-CD ungkürzt und komplett enthalten ist. Um sein Quartet wurde von Hall Overton ein Bläsersatz herumarrangiert, in kongenialer Weise, z.T. hat Overton Soli von Monk für die Bläser gesetzt. Die Solisten spielen alle exemplarisch gut, incl. eines meiner Lieblingsdrummer, Frankie Dunlop, und -Trompeter, Thad Jones. Es swingt wie verrückt. Viele haben über Monks Klavierspiel gespöttelt, aber er wußte ganz genau was er wollte, hat afrikanische Musizierhaltungen verwirklicht, Akkorde wegen ihres Klangs und nicht wegen der harmonischen Funktion gewählt. Man versuche mal, genau so zu phrasieren, oder was an den Themen zu verbessern - da ist jedes Detail ganz bewußt gestaltet.


    4. Lester Young; Blue Lester (Dreyfus)



    Der göttlich schönste Sound, der je auf einem Tenorsaxophon erzeugt wurde! Ich bin kein Freund von Compilationen, aber hier sind alle seine traumhaften langsamen Stücke mit drauf, z.B. I Can't Get Started, für das ich tausend andere Jazzplatten hergeben würde. Fang am besten damit an.


    5. Paul Bley: Solo in Mondsee (ECM)



    Als Repräsentant einer Musikergeneration, die sich alle Freiheiten erspielt hat, der Pianist Paul Bley, der niemandem mehr etwas beweisen muß, vor sich hin spielt, aber nie beiläufig wird, sich treiben lässt, ohne den Pfad zu verlieren, viel inspirierter und versierter als die jüngeren Kollegen, ohne sich von technischen Spielereien ablenken zu lassen.


    Vielleicht sollte es eine Thread-Serie geben: Unverzichtbare Jazzaufnahmen ...

  • Vielen Dank für Eure Tips (und die Kommentare, sind eine gute Orientierungshilfe!), werde ihnen nachgehen - hatte gar nicht gesehen, daß es schon mal einen Thread in diese Richtung gab. Namen wie Duke Ellington und Dave Brubeck sagen mir etwas, Thelonius Monk kenne ich nur dem Namen nach und viele Namen in dem von Barbirolli genannten Thread sagen mir noch gar nichts (bitte nicht allzu heftig die Stirn runzeln über meine Unbildung, liebe Jazzfreunde!). Kompilationen schätze auch ich weniger; wahrscheinlich wird man den einzelnen Künstlern eher gerecht, wenn man einen größeren Ausschnitt aus ihrem Repertoire kennt (ist ja in der Klassik ähnlich).

  • Lieber Gurnemanz,


    in den legendären Vinyl-Zeiten gab es vom wahrscheinlich bedeutendsten Jazz-Label "Verve" eine Kassette mit 10 (in Worten: zehn) Platten mit dem Titel "Verve Jazz Box". Jede Plattenseite war einem Interpreten gewidmet und der Bogen spannte sich über gut 40 Jahre bis in die 1970er.
    Sollte es diese Box als CD-Edition heute noch geben, wäre das vermutlich ein guter Einstieg zum Kennenlernen unterschiedlicher Stile und Interpreten.


    Michael 2

  • Lieber Michael,


    unter "verve" finde ich bei jpc auf Anhieb 1000 (!) Titel, aber nicht die von Dir vermutete günstige Edition. Aber gut zu wissen, vielen Dank!

  • Hallo Gurnemanz,


    Ich würde folgende Klassiker zum Einstieg empfehlen:


    Louis Armstrong: Satch plays Fats (weil es einfach Spaß macht)
    Duke Ellington: At Newport 1956 (Beste Big Band in grandioser Form)
    Miles Davis: Kind of Blue (noch besser gefällt mir und da ist Miles auch dabei: Cannonball Adderley: Somethin' Else)
    John Coltrane: Ballads (wunderschön und Balladen sind zum Einstieg besser als wildes Gedudel)
    Ella Fitzgerald: Ella in Berlin (How high is the moon?)


    Damit hast Du verschiedene Stile und auch bereits besonders wichtige Persönlichkeiten kennengelernt.


    Besondere Empfehlung.. Modern Jazz Quartet: Concorde (meine Lieblingsband)


    Etwas aktuellere Aufnahmen sind von Wynton Marsalis: The Midnight Hour oder von dessen Bruder Branford Marsalis: Eternal.


    Besondere Empfehlung.. John Lewis: Evolution (Klaviersolo vom Kopf des MJQ, siehe oben).


    Das sollte erstmal reichen.


    Viel Spaß, Beryllo

  • Zitat

    Original von Beryllo
    Besondere Empfehlung.. Modern Jazz Quartet: Concorde (meine Lieblingsband)


    Lieber Beryllo,


    danke für die Tips! Bis auf John Lewis sind mir die von Dir genannten Musiker immerhin dem Namen nach bekannt und eben bemerke ich, daß ich eine einzige (!!) Jazz-CD besitze, eben mit dem Modern Jazz Quartet, Titel: First Recordings, Original 50s Recordings (JW 77014, bei JPC und Amazon finde ich sie nicht verzeichnet). Muß ich mal wieder auflegen.

  • Hallo Gurnemanz


    Meine 5 Lieblings-CD's die ich auch gerne weiterempfehlen würde, sind


    1. Miles Davis - Kind Of Blue. Wurde auch schon hier genannt, für mich eine der wichtigsten Jazzplatten überhaupt.



    2. Keith Jarrett solo - das Paris Concert - grenzt fast an Klassik (Bach)



    3. Keith Jarrett Trio. Diese ist eine von den vielen guten Platten des Trios die beste.



    4. Monty Alexander - Live in Montreux. Diese war eine meiner ersten Jazz-Platten. Hier wird geswingt!!!



    5. Charlie Haden & Pat Metheny - Beyond The Missouri Sky



    Schade daß ich jetzt bei 5 CD's aufhören muß, ich könnte Dir noch mindestens 50 andere empfehlen.


    Bonsoir
    Roman

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  • Zitat

    Original von Beryllo
    Besondere Empfehlung.. John Lewis: Evolution (Klaviersolo vom Kopf des MJQ, siehe oben).


    Die ist Klasse, erschliesst sich aber erst voll und ganz, wenn man die Diskografie dieses Pianisten besser kennt.
    Ich hätte diese beinahe in meine fünf Empfehlungen aufgenommen:



    Wie er hier in Gemini die essenz des Blues zusammenfasst, mit seinem unvergleichlichen lyrischen Klavieranschlag, das muß man gehört haben!

  • Hab' grad mal in die mir zugänglichen Schnippsel hineingehört (geht nur beim Drei-Buchstaben-Versand) und bin ganz angetan: John Lewis, Charlie Haden & Pat Metheny, Paul Bley, aber auch Klassiker wie Lester Young - und natürlich auch Duke Ellington - könnten mich schon mehr interessieren. Auch wenn ich mich wiederhole: Danke für Eure Empfehlungen!

  • Zunächst drei Empfehlungen:


    1. Michel Petrucciani - live au theatre du champs-elysee



    Ich muß neben die anderen Pianisten unbedingt M. Petrucciani stellen, weil ich ihn sehr gerne höre.
    Insbesondere der erste Titel - medley of my favorite songs - 43 Minuten ! ist ein Leckerbissen.


    2. John coltrane - lush life



    Ja, es gibt so viele gute coltrane-Scheiben, aber diese war meine erste und daher ist die Beziehung zu dieser Platte eine besondere.....



    3. herbie hancock - the new standard



    Schon wieder Klavier ? Ja, weil es Hancock ist !
    Moderne (Pop)-Titel inspiriert umgesetzt.
    So macht moderner Jazz spaß !!!


    Grüsse


    Achim :hello:

  • Hallo,


    Zitat

    Original von Manuel


    Es ist sehr gut möglich, dass du die CD bereits kennst, da sie doch recht populär ist, dennoch hatte ich den Drang diese CD in diesen Thread zu stellen. Vor allem "Take Five" ist mittlerweile sicher eines der bekanntesten Jazz-Stücke der Welt.


    Ja, dazu gibt es eine fantastische Bearbeitung für Celloensemble auf Youtube, siehe hier
    auch dabei die Bearbeitung von Jimmy Forrest's "Night Train" hier.
    Absolut hörenswert :yes:
    (und nur einen Mausklick entfernt :D)


    lg
    Renua

    Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann...
    Das Gegenteil ist schon schwieriger. (K. Tucholsky)