Anstand oder Aufstand? Was dürfen Regisseure (nicht)?

  • Zitat

    Original von pbrixius


    Wenn man da ein wenig sorgfältig recherchiert, wird man ganz andere Fronten ausmachen, etwa eine Machtprobe zwischen ver.di, Personalrat und Intendanten.


    So sieht es aus. Vor einem halben Jahr gab's ja auch schon mal Warnstreiks (damals seitens des Orchesters). Zwischenzeitlich hat die neue Intendanz - obwohl noch nicht vor Ort - einen Großteil des Solistenensembles sowie das komplette Dramaturgenteam entlassen (Quelle: örtliche Presse). Da mag inzwischen auch was auf den Chor übergesprungen sein. Der Ausstieg von Dalia Schaechter und Samuel Youn läßt sich damit allerdings nicht erklären.


    Bernd

  • Hallo Peter,


    Zitat Theaterkanal:


    Zitat

    In der Kölner Inszenierung seien unter anderem Szenen von Massenvergewaltigungen


    Vergewaltigung = Zwang zum Sex :yes:



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Zitat

    Original von Bernd Kloeckner
    Der Ausstieg von Dalia Schaechter und Samuel Youn läßt sich damit allerdings nicht erklären.


    Lieber Bernd,


    wie schön, dass da noch jemand die Rheinische Fraktion verstärkt. Zu Schaechter und Yuon: Welche Gründe sie auch immer bewegten, es wird nicht das Verhalten bzw. Nichtverhalten der Chorkomparsen gewesen sein, die sie dazu brachten, das Handtuch zu werfen.


    Liebe Grüße Peter


  • ... aber nicht der Grund der Turbulenzen. Es geht nicht immer nur um Sex ...


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat von WDR.de:


    Zitat

    Regisseur Tilman Knabe siedelt die im biblischen Palästina spielende Handlung der Oper von Camille Saint-Saëns (1835-1921) im heutigen Nahen Osten an. Es gibt eine Schlacht mit Maschinengewehren und eine Massenvergewaltigung. Diese drastischen Szenen hätten einen großen Teil der Sänger schwer belastet und letztlich krank gemacht, wird in Medienberichten eine Sprecherin des Chors zitiert. Theaterblut soll allerdings erst zur Premiere am 2. Mai fließen: "Im Moment wird noch trocken geprobt", sagte Opernsprecher Johannes Wunderlich.


    zitat http://www.rundschau-online.de


    Zitat

    Stein des Anstoßes ist der drastische Stil der Inszenierung und der Umgang des Regisseurs mit dem Ensemble auf der Probe. „Hier wird nichts künstlerisch stilisiert, gezeigt wird Krieg pur, und zwar auf gewaltverherrlichende Art“, so ein Mitglied des Ensembles. Frauen und Männer würden über die Bühne geschleift, vergewaltigt und erschossen, ihre Leichen angezündet. Mit dem Blut würden sich dann die Täter beschmieren. „Ein Mitwirkender ist bei den Proben zusammengebrochen, Kollegen sind verstört und können nachts nicht mehr schlafen“, so ein Sänger.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    Zitat von WDR.de:
    zitat http://www.rundschau-online.de


    Hallo Lt,


    lass Dir mal von einem Profi in Sachen Pressemeldungen sagen, dass Du immer nach dem cui bono fragen musst, wenn Du es unternimmst, solche Nachrichten einzuordnen. Mache Dich erst einmal vertraut mit der Kölner Kulturlandschaft, bevor Du vorschnell wertest. Immerhin kannst Du schon da sehen, dass es um szenische Darstellungen geht, die sich auch aber bei weitem nicht nur auf Sex beziehen. Die Begründung des Personalrats (hier euphemistisch als Sprecherin des Chores bezeichnet) weist auf ChorsängerInnen hin, die aus ihrer Erfahrung aus dem Balkankrieg ihre psychischen Probleme mit Kriegsszenen haben. Ich freue mich, dass Du Dich hier für SängerInnen mit Migrantshintergrund aus dem Balkan einsetzt, die sich offensichtlich zu einer Kampagne wohlgemerkt nicht gegen den Regisseur, sondern gegen die Intendanz missbrauchen lassen.


    Es grüßt Peter

  • Hallo Flotan,

    Zitat

    Kann ich beispielsweise von einem Sänger verlangen, sich nackt auszuziehen? Das ist- laut Deiner Definition- durchaus "darstellbar", ich meine aber, hier wäre die Grenze der Professionalität überschritten (und nicht nur die des guten Geschmacks).


    Ja, wenn es begründet ist, kann man es verlangen. Wenn ein Sänger nicht nackt sein möchte, kann er einen fleischfarbenen Body verwenden, die Illusion wird für das Publikum aufrecht erhalten.
    Übrigens - was Du wahrscheinlich nicht weißt, weil Du dieses schwache Argument sonst nicht bringen würdest: Ahnst Du, wer als einer der ersten nackte Sängerinnen wollte? Sir Peter Hall im Bayreuther "Ring".
    Hall ist ein Exponent des konservativen Regiestils....

    Zitat

    Im Austeilen der Größte....


    Im Einstecken auch, wie gerade Du weißt...


    :hello:

    ...

  • Hallo Peter,


    ich weiß nicht warum du den Sex immer überbetonst. In all meinen Beiträgen zum "Samson" habe ich nicht nur über Sex gesprochen...


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Ich bin restlos begeistert!
    Liebestraum diskutiert nicht nur über Aufnahmen die er nicht kennt. Er diskutiert auch über Regiearbeiten, die er nicht kennt.


    Aber jetzt mal eine Frage: Was glauben unsere Moralhüter eigentlich, was in der Antike mit den Frauen der besiegten Völker oder Städte geschehen ist? Es geschieht leider bis heute unverändert.
    Das darf man nicht zeigen?
    Wieso nicht?
    Weil zarte Gemüter darunter leiden könnten? Dieselben zarten Gemüter, die problemlos TV-Krimis sehen, Thriller lesen etc.?
    Diese Form von Doppelmoral finde ich wesentlich erschreckender als es die erschreckendste Inszenierung sein könnte.
    Das gute an solchen Erregungen: Sie dienen der Demaskierung der Doppelmoral. Wahrscheinlich sind die Erregungen deshalb auch gar so groß.
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    ich weiß nicht warum du den Sex immer überbetonst. In all meinen Beiträgen zum "Samson" habe ich nicht nur über Sex gesprochen...


    O.k., und was erregt Dich dann so maßlos?
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    Hallo Peter,


    ich weiß nicht warum du den Sex immer überbetonst. In all meinen Beiträgen zum "Samson" habe ich nicht nur über Sex gesprochen...


    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

    ,


    Du hast doch diese SM-Studios eingebracht, oder nicht?


    Es grüßt Peter

  • Hallo Liebestraum,

    Zitat

    das ist eine Halblüge


    Ist Dir klar, daß ich die Lüge nach österreichischem Recht einklagen könnte? Den Wahrheitsbeweis kann ich, sogar mit Deinen eigenen Worten, erbringen.
    Es ist im Gergiew-Thread nachzulesen.
    Und was ist mit der "Samson"-Inszenierung? Die kennst Du doch auch nicht. Oder irre ich mich?
    Aber lassen wir die Juristerei. Ich schreibe den Satz Deiner Erregung zu und bin nicht so kleinlich, ihn zu ahnden. Manchmal habe ich ja wirklich den Eindruck, Du bedenkst nicht, was Du von Dir gibst.


    Abgesehen davon: Ist es eigentlich nicht auch eine Art von Unwahrheit, über Arbeiten zu diskutieren, die man selbst gar nicht kennt?
    :hello:

    ...

  • Hallo Peter,


    da hast du etwas falsch verstanden: Mir ging es darum, solchen Menschen, die auf Massenvergewaltigung und zügelloser Gewalt auf abstoßendster Weise abfahren, die können sich in regelmäßigen Abständen den Film "Der Soldat James Ryan" ansehen. Denen das nicht reichen sollte, können sich ja in einem SM-Studium selbst Gewalt antun lassen. Dabei meine ich nicht vordergründi Sex, sondern Schmerzerlebnisse zum abreagieren...



    Gruß LT

  • Hallo Edwin,


    ich kenne einen Teil von Gergievs "Ausstellung" und das kann man im Thread auch lesen... :baeh01::stumm:


    Das ist ein klitze-kleiner Unterschied... :D


    Gruß LT

  • ja genau, es hat mir völlig ausgereicht, die Aufnahme nicht weiterzuhören geschweige denn zu kaufen - und das ist durchaus legitim... :yes:



    Gruß LT

  • Interessiert es eigentlich noch jemand, dass Ursula Hesse von den Steinen (sic) nun die Dalila singen wird???


    Kammersängerin Dalia Schaechter ist eine sympathische "Wuchtbrumme" und kann eine tolle Schauspielerin sein; die Schärfen und Manierismen in ihrem Gesang sind hingegen für manchen Opernfreund mitunter auch eine "psychische Belastung".


    Cassiodor, weder Staubi noch Regieli, sondern einfach ein Freund gut gemachten Musiktheaters, hat im Internetforum der Lokalpresse einen Beitrag gefunden, den er voll unterstreichen möchte:


    "Die Ver.di-organisierten Chorspießer, die nach der Armbanduhr Kunst exikutieren, sollte man immer tunlichst in die Unterbühne oder hinter den letzten Vorhang vor der Bühnenrückwand platzieren, weil sie sonst ihre anachronistischen und reaktionären Ansichten reflexartig rausbrüllen müssen."


    Als alter Kölner fragt sich Cassiodor seit längerem (und dies mit durchaus begrenztem Optimismus), wann das Haus am Offenbachplatz wohl mal wieder eine Produktion herausbringen wird, die positive Schlagzeilen macht.


    Salve,


    Cassiodor :hello:

  • Zitat

    Original von Cassiodor
    Interessiert es eigentlich noch jemand, dass Ursula Hesse von den Steinen (sic) nun die Dalila singen wird???


    Mich z.B. Ich habe sie aus Glanerts "Caligula" sehr gut in Erinnerung. Ob das aber etwas über ihre Dalila aussagt? Warten wir's ab.


    Zitat

    Kammersängerin Dalia Schaechter ist eine sympathische "Wuchtbrumme" und kann eine tolle Schauspielerin sein; die Schärfen und Manierismen in ihrem Gesang sind hingegen für manchen Opernfreund mitunter auch eine "psychische Belastung".


    Jau, ich war auch etwas beunruhigt, ob das bei der Dalila gut gehen kann. Ich schätze sie aber trotz allem sehr (und manchmal auch sängerisch).


    Zitat

    Cassiodor, weder Staubi noch Regieli, sondern einfach ein Freund gut gemachten Musiktheaters, hat im Internetforum der Lokalpresse einen Beitrag gefunden, den er voll unterstreichen möchte:


    "Die Ver.di-organisierten Chorspießer, die nach der Armbanduhr Kunst exikutieren, sollte man immer tunlichst in die Unterbühne oder hinter den letzten Vorhang vor der Bühnenrückwand platzieren, weil sie sonst ihre anachronistischen und reaktionären Ansichten reflexartig rausbrüllen müssen."


    <kölsch>Wer war dat?</> (Er könnte aber recht haben.)


    Zitat

    Als alter Kölner fragt sich Cassiodor seit längerem (und dies mit durchaus begrenztem Optimismus), wann das Haus am Offenbachplatz wohl mal wieder eine Produktion herausbringen wird, die positive Schlagzeilen macht.


    K'ata Kabanová ist noch nicht sooo lange her. Und war in der Wiederaufnahme noch besser!


    Bernd

  • Zitat

    Original von Cassiodor
    Cassiodor, weder Staubi noch Regieli, sondern einfach ein Freund gut gemachten Musiktheaters, hat im Internetforum der Lokalpresse einen Beitrag gefunden, den er voll unterstreichen möchte:


    "Die Ver.di-organisierten Chorspießer, die nach der Armbanduhr Kunst exikutieren, sollte man immer tunlichst in die Unterbühne oder hinter den letzten Vorhang vor der Bühnenrückwand platzieren, weil sie sonst ihre anachronistischen und reaktionären Ansichten reflexartig rausbrüllen müssen."


    Da man, lieber Cassiodor, im fernen Berlin sich nicht auskennt, was die (mE bestinformierte) Zeitung der Region ist, sei angefügt, dass man das Zitat beim Kölner Stadtanzeiger findet


    Zitat

    Als alter Kölner fragt sich Cassiodor seit längerem (und dies mit durchaus begrenztem Optimismus), wann das Haus am Offenbachplatz wohl mal wieder eine Produktion herausbringen wird, die positive Schlagzeilen macht.


    Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber wenn man hauptstädtische Opernkenner vom Range LTs schon zur Weißglut bringt, bevor auch nur die Produktion in Gang gekommen ist, hat die Kölner Oper doch schon war zu bieten, zumindest im Bereich Grand Guignol.


    Liebe Grüße Peter

  • Hallo Peter,


    die Produktion ist doch schon in Gange gekommen: es wird doch schon geprobt... Ja, die Premiere war noch nicht, das stimmt...



    Gruß LT

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    die Produktion ist doch schon in Gange gekommen: es wird doch schon geprobt... Ja, die Premiere war noch nicht, das stimmt...


    Hallo Lt,


    und man ist noch in lebhaftesten Gesprächen vor Ort, wie die Produktion aussehen soll, da ist vieles noch nicht entschieden. Da sollte man nun nicht gerade auf das Tamtam vorher hereinfallen. Zu beurteilen ist die Produktion erst, wenn das Arbeitsergebnis vorgelegt wird - und das ist frühestens bei der Premiere.


    Es grüßt Peter

  • Zitat

    Original von Cassiodor
    Interessiert es eigentlich noch jemand, dass Ursula Hesse von den Steinen (sic) nun die Dalila singen wird???


    Ja, mich. Ich habe sie 2007 als Fricka im Nürnberger Ring erlebt und da fand ich sie ganz hervorragend! :yes:


    Best, DiO :beatnik:

  • Ich kenne diese Dame auch hier aus Lille und zwar aus einer miserablen Produktonen der Dreigroschenoper. allerdings war nciht sie miserabel- im Gegenteil!


    Was die Diskussion über Gewalt bei Samson et Dalilah angeht: selbst wenn die Handlung NICHT in die heutige Zeit transportiert würde: darf ich mal daran erinnern, was im Alten Testament passiert?


    Auge um Auge, Zahn um Zahn und Steinigungen, Massenvergewaltugungen, abgeschlagene Gliedmassen, Verschleppungen und Fememorde allerorten, einstürzende Städte, Sodom und Gomorra- da braucht man keinerlei Regietheater!
    Selbst als radikalster Staubi müsste man da naturgetreu so inszenieren, dass einem alle Liebesträume ein für allemal vergehen!


    Samson und Dalilah ist eine Geschichte von Macht , Gewalt und Sex. Wer das nicht wissen will und nur die herrliche Musik geniessen möchte, soll es bitte bei der CD bewenden lassen.


    Das hat jetzt ausdrücklich ncihts mit der Kölner Inszenierung zu tun, über die ich mir kein Urteil erlauben kann, sondern allein mit dem Inhalt und historischen Hintergrund dieser Oper an sich.


    F.Q.

  • Hallo Cassiodor,

    Zitat

    dass Ursula Hesse von den Steinen (sic)


    Hätte sie Dich fragen sollen, ob sie mit diesem Namen auftreten kann oder darf sie das selbst entscheiden?


    ***


    Liebe Fairy Queen,

    Zitat

    Samson und Dalilah ist eine Geschichte von Macht , Gewalt und Sex.


    Genau. Aber manche wollen lieber Rehlein und Häschen und Fröschlein sehen und vielleicht noch das Rotkäppchen - vorausgesetzt, man streicht die grausame Geschichte mit dem Wolf.
    :hello:

    ...

  • Hallo Liebestraum,

    Zitat


    die Produktion ist doch schon in Gange gekommen: es wird doch schon geprobt... Ja, die Premiere war noch nicht, das stimmt...


    Jetzt würde mich interessieren, bei welcher Probe Du anwesend warst, um zu wissen, was wirklich vorgeht. Zumindest ein Sechstel der Sache solltest Du schon en passant gesehen haben. Oder reicht Dir für ein Urteil diesmal auch schon die reine Garnichtkenntnis?
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Bernd Kloeckner
    [...]K'ata Kabanová ist noch nicht sooo lange her. Und war in der Wiederaufnahme noch besser! [...]


    Da kann ich nur zustimmen! :jubel:
    Leider war sie für mich in dieser Spielzeit der einzige Lichtblick! :boese2:


    Viele Grüße aus Kaarst


    Gerd

  • Lieber Edwin ,


    Du hast die geschichtlichen Fakten mit wenigen Sätzen sauber formuliert .


    Die Wirklichkeit aller Kriege und Kriegsfolgehandlungen sind sehr viel schlimmer und folgendreicher als diese Kölner Operninszenzierung .


    Wer Fotos oder Filmmaterial ( auch die sog. Aufklärungsflüge der NATO ) etwa über den "Kosovo-Krieg" kennt , der weiss was in unserer direkten Nachbarschaft damasl an brutalsten Grausamkeiten rund um die Uhr jahrelang passiert ist .


    Die Wunden klaffen noch heute tief !


    Was ist dagegen dieses Machtspiel in Köln ?


    Sehr nachdenklich angesichts mancher hier gelesenen Beiträge ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin