Bernard Haitink - Pionier in Sachen Gustav Mahler

  • Als Gustav Mahler etwa um 1960 in Europa "wiederentdeckt" wurde, war es im Wesentlichen das Verdienst von zwei Dirigenten: Bernard Haitink und Rafael Kubelik. In Amerika war es Leonard Bernstein, der sich um Mahler Verdienste erwarb.




    Interessanterweise ist dieser Umstand bekannt, wird aber nicht übermäßig hoch bewertet. Eher bringt man noch den Namen Kubeliks mit dem Begriff des "Mahler-Pioniers" in Verbindung, als jenen Haitinks (An sich wäre der Begriff "Pionier" ohnedies nicht angebracht, denn Bruno Walter war da schon wesentlich früher dran)


    In Sachen Bruckner, wo er auch was zu sagen hatte, war es Eugen Jochum, der ihm "die Show stahl."


    Immerhin leitete Haitink von 1964 -1988 das Concertgebouw-Orkest- Amsterdam, er war künstlerischer Direktor und Chefdirigent in Persionalunion. Dazwischen war er 1962 -1979 auch noch parall dazu Chefdirigent des London Symphonie Orchestra..


    In seiner späteren Karierre wandte er sich auch der Oper zu, die Mailänder Scala, Das Opernhaus Covent Garden sowie die Festspiele in Glyndbeourne waren Orte wo er Spuren hinterließ.
    So besitze ich beispielsweise eine wuinderbare Aufnahme von Mozarts "Don Giovanni" unter seiner Stabführung. Sie entstand 1985 anlässlich der 50 Jahr Jubiläums der Festspiele Glyndbourne.


    Es wurde hier moniert, daß Haitink, gemessen an der Qualität seiner Einspielungen, zu wenig Beachtung findet, auch hier im Forum.
    Deshalb sei Ihm an dieser Stelle ein Thread gewidmet, wo jeder seine Lieblingsaufnahmen, so vorhanden - nennen kann.


    mit freundlichen Grüßen


    aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • hallo,
    ja, du hast recht, haitink wird unterschätzt. ich habe große aufnahmen auf cd und aus dem radio-aufgenommene. a propos mahler: die fetzigste aufnahme der 1. symphonie stammt von ihm - live und mit den berlinern - glaub ich .
    trotz verspieler im blech (die interessanterweise aber ideal zur musik 'passen') ein unglaublicher drive. ich ziehe sie allen anderen meiner aufnahmen vor (und das sind immerhin 12 ....)

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

    Einmal editiert, zuletzt von klingsor ()

  • Hallo Alfred,


    ja, stimmt, auch meine erste Begegnung mit Mahler erfolgte durch Haitink, als ich völlig überwältigt die 2. Sinfonie hörte. Immer freut es mich, wenn er mal im Radio zu hören ist. Und doch habe ich nach und nach bei jeder Mahler-Sinfonie eine andere Aufnahme gefunden, die ich vorziehe. Am längsten habe ich ihm bei der 4. Sinfonie "die Treue gehalten", bis ich Fritz Reiner hörte.


    Alle seine Aufnahmen verstrahlen eine ungeheure Sicherheit und man hat nie das Gefühl, es könnte etwas schief gehen.


    Wie war es möglich, dass Haitink in diesem Fall Scherchen den Rang abgelaufen hat, dessen beste Einspielungen von Mahler-Sinfonien doch auch aus den 50er und 60er Jahren stammen? Wahrscheinlich, weil er das Glück hatte, Chefdirigent des Concertgebouw-Orchester zu werden, während Scherchen eine ähnliche Position nie zuteil wurde. Er hat die Chance genutzt.


    Viele Grüße,


    Walter

  • Haitink schätze ich sehr bei Schostakowitsch.


    Eine "Referenz" bei den Mahler-Sinfonien habe ich persönlich bei den Mahler-Sinfonien von Haitink nicht. Mir geht es auch so, das ich eigentlich immer noch eine andere Einspielung vorziehe. Auf Äußerungen und Empfehlungen zu den einzelnen Sinfonien - im Vergleich zu anderen Einspielungen - bin ich gespannt.


    Eine gibt es schon für mich: Unter meinen 14 Einspielungen der 1. Sinfonie ist die hier empfohlene von Haitink nicht. Aber vielleicht gibt es da ja wirklich etwas zu entdecken. Ich wäre dankbar, wenn noch andere Forumsteilnehmer sich vergleichend zur 1. Sinfonie unter Einschluss von Haitink äußern könnten.


    Wie war das noch in dem alten thread zu den Empfehlungen für die Mahler-Sinfonien? Da müßten wir noch einmal nachsehen, wie oft Haitink vorkommt.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Alfred


    Zitat

    In Amerika war es Leonard Bernstein, der sich um Mahler Verdienste erwarb.


    Das muss man präzisieren. Leonard Bernstein, der viel Mahler spielen konnte und wollte, fuhr die Ernte jener Saat ein, die Dimitri Mitropoulos und Bruno Walter in den 40ern und 50ern in den USA gesät haben. Er war keineswegs der Pionier, zu den ihn die CBS-Werbung gemacht hat.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • hallo, matthias, vielleicht war es mißverständlich, die 1. symphonie unter haintink, die ich erwähnte, ist eine live-aufnahme aus dem radio. diese gibt es leider, leider nicht auf cd. die von ihm auf cd aufgenommene fällt leider dagegen erheblich ab. diese hab ich auch nicht unter meinen 'schätzchen'. auch eine alte bernstein-aufnahme, ich glaub mit den wienern, gibt es nicht auf cd, sondern bislang nur auf video. die wäre auch nicht schlecht. ansonsten finde ich recht gut: bernstein (2x), levine, mackerras (sehr prächtig, aber ein wenig langsam)....

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

    Einmal editiert, zuletzt von klingsor ()

  • Hallo Klingsor,


    mit der Rundfunkaufnahme kann ich ja leider nicht Vergleichshören. Die zwei Bernsteinaufnahmen habe ich auch, mit der ersten von 1966 (früher CBS, heute Sony) habe ich begonnen, klassische Musik zu hören.
    Die Mackerras-Aufnahme suche ich schon lange.


    Meine liebsten Aufnahmen der ersten sind
    Erich Leinsdorf mit Boston Symphony Orchestra 1962
    Rafael Kubelik DG 1968 und neuerdings
    Kyrill Kondrashin 1981 mit NDR Symphonieorchester EMI.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Matthias,


    auf deine Frage nach dem Vergleichshören, vor 3-4 Monaten habe ich den Titan in kleiner Betzung vergleichsgehört, sprich Haitink/CBO, Kubelik/SoBR und Solti/CSO. Haitink lag dabei abgeschlagen auf Rang 3, ein guter Mahler, aber keine Konkurrenz zu den beiden anderen Aufnahmen. Solti und Kubelik waren sich sehr nahe, letzterer trug aber den Lorbeerkranz davon.


    Grüße
    nubar

  • die beste haitink-mahler-einspielung, die ich kenne, ist die der 5. ein wunderschönes adagietto, eines der langsamsten noch dazu, und immer wieder die etwas unterkühlte leidenschaft, die es unter dem boden 'gären' läßt ... gut gelungen...
    auch wenn ich bernstein wieder mal vorziehe ....
    aber, unübertroffen, wenn es auch hier nicht hingehört. die haitink aufnahmen der 1., 2. und 7. von vaughan williams. ein must!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Als Gustav Mahler etwa um 1960 in Europa "wiederentdeckt" wurde, war es im Wesentlichen das Verdienst von zwei Dirigenten: Bernard Haitink und Rafael Kubelik. In Amerika war es Leonard Bernstein, der sich um Mahler Verdienste erwarb.


    Hallo Alfred,


    dem möchte ich widersprechen. Erstens mußte man Mahler in Amerika nicht "wiederentdecken", so gibt es auch keinen einzigen oder keine wenige besonders verdiente Dirigenten, die es ermöglicht hätten. In Europa war es in der ersten Linie der Verdienst Bernsteins, der zu richtigen Zeit richtige Interpretation am richtigen Ort geliefert hat - nämlich in Wien mit seinen Mahler-Konzerten. Die anderen vielen Dirigenten waren alle da, vor ihm und nach ihm, trotzdem bleibt es in der medialen Geschichte seine Leistung.


    Gruß

  • Hallo peet,


    doch, in diesem Punkt hat Alfred schon recht. Mahler wurde vor dem Krieg sehr wenig gespielt. Man kann grob sagen, dass nach dem Krieg Mahler förmlich wiederentdeckt werden musste (wie auch große Teile von Schubert!). Dies haben vor allem Walter und Mitropoulos betrieben, später dann auch Bernstein, Kubelik und Haitink, bis dann Ende der Sechziger alle anfingen, Mahler zu spielen.


    Alfred wird mir bestätigen, dass Mahler in den ersten Wiener Kreisen immer als zweitklassiger Komponist gehandelt wurde (und wahrscheinlich verschiedentlich noch heute gehandelt wird). Ich bin kein Mahler-Spezialist, aber abgesehen davon, dass die Wiener Philharmoniker das Lied von der Erde schon früher erfolgreich gespielt haben, ist es doch bezeichnend, dass die erste wirklich hochwertige Einspielung einer Mahler-Symphonie mit den Wiener Philharmonikern meines Wissens erst 1974 erfolgte - nämlich die Zweite unter Mehta. Ich kenne einen ORF-Probenmitschnitt aus den 60ern (noch in S/W), wo ein verzweifelter und frustrierter Leonard Bernstein vor dem Orchester sitzt und vor sich hinschimpft, weil die Herren Musiker nicht so spielen, wie er wollte. Und vor allem, weil sie Mahler nicht ernst nehmen wollten.


    Die heutige Mahler-Euphorie ist ein später Triumph für den Komponisten. Ironischerweise scheint sein Aufstieg in den letzten Jahrzehnten in direkter Verbindung mit einer Abwertung des Schaffens von Richard Strauss zu stehen (zumindest seines orchestralen Werks). Und gerade das Strauss'sche Oeuvre war in Wien das größte Hindernis für Gustav Mahler.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Taminoaner,


    wenn ich mir Alfred´s Zitat ansehe, dann muß es hier nicht ausschließlich um Mahler gehen:

    Zitat

    Es wurde hier moniert, daß Haitink, gemessen an der Qualität seiner Einspielungen, zu wenig Beachtung findet, auch hier im Forum.
    Deshalb sei Ihm an dieser Stelle ein Thread gewidmet, wo jeder seine Lieblingsaufnahmen, so vorhanden - nennen kann.


    Das Haiting nicht so große Beachtung findet liegt warscheinlich an seinem CD-Repertoire, das einfach nicht so umfangreich ist wie bei vielen anderen Dirigenten.
    Mir fallen jetzt nur 6Komponisten ein, die ich mit Haiting-Aufnahmen in Verbindung bringen kann: Bruckner, Mahler, Liszt, Schostakowitsch, Brahms, R.V.Williams.


    Als Pionier in Sachen Franz Liszt ist Haiting als erster hervorgetreten und hat mir persönlich in den 70er-Jahren auf seiner Philips-Gesamtaufnahme (von 1968 - 1971) der Sinfonischen Dichtungen sehr viel Freude bereitet. Diese gehörten nach Beethoven und Tschaikowsky zu meinen ersten LP´s und es war meine erste Gesamtaufnahmen-Kassette. Heute habe ich diese Aufnahmen der Sinf.Dichtungen auf CD.
    Ich weiß das die Liszt-Dichtungen hier im Forum bei einigen nicht so beliebt sind (siehe Thread), aber ich höre diese teils aufgewühlte Musik sehr gerne - mit Haiting, dem Pionier in Sachen Liszt.


    ((Erst später wurde die ebenso hervorragende Liszt-Orchesterwerke-Gesamtaufnahme mit Masur(1977-1980) aufgenommen .))

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    scheint sein Aufstieg in den letzten Jahrzehnten in direkter Verbindung mit einer Abwertung des Schaffens von Richard Strauss zu stehen (zumindest seines orchestralen Werks). Und gerade das Strauss'sche Oeuvre war in Wien das größte Hindernis für Gustav Mahler.


    hallo Theophilus,


    zum ersten Teil der Aussage: ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen! Strauss wird zwar vor allem als genialer Opernkomponist für alle Zeiten seinen Stammplatz im Olymp haben, aber eine Abwertung seines orchestralen Schaffens ist nicht zu erkennen. Neben seinen allseits anerkannten Meisterwerken Don Juan und Eulenspiegel werden auch die anderen großen Dichtungen immer wieder gerne gespielt (weil sie einerseits richtige Bravourstücke fürs Orchester sind, anderseits weil sie einfach herrliche Musik enthalten).
    Ich weiß, dass Alma Mahler prophezeite, dass Mahlers Ruhm zu- und gleichzeitig Strauss' Ruhm abnehmen würde. Dahinter steckte aber ihre Aversion Strauss gegenüber, die Gustav Mahler keineswegs teilte - im Gegenteil. Sie waren gute Freunde und Strauss unterstützte Mahler vor allem in früheren Jahren sehr.


    Noch weniger kann ich den zweiten Teil deiner Aussage nachvollziehen. Inwiefern war Strauss' Musik ein Hindernis für jene Mahlers? Hätten nicht beide gleichermaßen anerkannt werden können?
    Hat Beethovens Musik darunter gelitten, dass es auch Mozart gab?


    lg
    Hyperion

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Hallo peet,


    Mahler wurde vor dem Krieg sehr wenig gespielt. Man kann grob sagen, dass nach dem Krieg Mahler förmlich wiederentdeckt werden musste (wie auch große Teile von Schubert!).


    Hallo Theophilus,


    es tut mir leid, schon nach zwei Sätzen muß ich unterbrechen. Es stimmt fast nichts von dem, was du geschrieben hast. Mahler wurde vor 1933 in Europa sehr wohl gespielt. Was hat das mit Schubert zu tun??? etc.


    Gruß

  • Hallo Hyperion


    Zitat

    Strauss wird zwar vor allem als genialer Opernkomponist für alle Zeiten seinen Stammplatz im Olymp haben, aber eine Abwertung seines orchestralen Schaffens ist nicht zu erkennen.


    Ich gebe dir Recht, dass Strauss von der Opernbühne nie mehr wegzudenken sein wird. Davon habe ich aber auch nicht geschrieben, sondern mehr von Einschätzung der Bedeutung seiner Werke. Und diese hat sehr wohl in den letzten Jahrzehnten gelitten. Es ist wahrscheinlich wie Vieles auch eine Art Modeerscheinung. Strauss durchläuft ein Tal und Mahler ist jetzt ganz oben. In fünfzig Jahren kann das wieder ganz anders aussehen.


    Die Abwertung seines orchestralen Schaffens ist aber ganz deutlich. Strauss galt einmal als Symphoniker von Rang und heute sind der Großteil seiner Orchesterwerke, wie du richtig bemerkst, auf das Niveau von Bravourstücken heruntergekommen. In den 60ern war Strauss fixer Bestandteil der Konzertprogramme, während eine Mahlersymphonie ein seltenes Pflänzchen war. Heutzutage stolperst du regelmäßig über Mahler-Aufführungen, während Strauss viel seltener zu hören ist. Ein reines Strauss-Programm ist fast undenkbar geworden, früher war das völlig selbstverständlich.


    Eine interessante Parallele dazu gibt es bei Richard Wagner: vor 50 Jahren noch ein häufiger Gast im Konzertsaal, verschwand er dann völlig und scheint eine leise Wiedergeburt zu erleben. Dass Christian Thielemann mit einem reinen Wagner-Programm unterwegs war, kann man fast als kleine Sensation feiern, leider war es meiner Meinung nach nicht so besonders gut gespielt (zumindest relativ spannungsarm).


    Um wieder auf Strauss zurückzukommen. Er wurde in seiner Bedeutung doch ziemlich zurechtgestutzt. Sprich einmal mit ernsthaften Musikern über ihre Strauss-Einschätzung. Einige von ihnen (wie z.B. Nikolaus Harnoncourt) haben ihre Meinung durchaus auch schon öffentlich verbreitet. Mahler hingegen gilt zur Zeit als einer der größten Symphoniker aller Zeiten.


    Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass das alles nichts mit meiner Liebe zu den Werken beider Komponisten zu tun hat....



    Zitat

    Sie waren gute Freunde und Strauss unterstützte Mahler vor allem in früheren Jahren sehr.


    Ja und? Was hat das mit der Einschätzung der Musiköffentlichkeit zu tun? Beethoven schätzte bekanntlich Cherubini über alles, und was hat es Cherubini geholfen?



    Zitat

    Inwiefern war Strauss' Musik ein Hindernis für jene Mahlers? Hätten nicht beide gleichermaßen anerkannt werden können?


    Natürlich hätten sie - aber es war anfangs nicht so. Im Wien des frühen 20. Jahrhunderts waren die Hausgötter Wagner und Strauss. (Man muss sich einmal vorstellen, dass an der WSO die Italiener ganz wenig gespielt wurden und generell bestenfalls als zweitklassig eingeschätzt wurden; Verdi wurde beispielsweise als Lieferant von Leierkastenmusik abqualifiziert; das änderte sich erst mit einem vielumjubelten Verdi-Gastspiel der Mailänder Scala unter Arturo Toscanini Mitte der 20er!)
    Gustav Mahler hatte da keinen Platz an vorderster Front, auch wenn er durchaus gespielt wurde. Aber er galt nicht als Meister ersten Rangs. Dazu bedurfte es noch vieler Jahrzehnte aufklärerischer Arbeit (Walter, Mengelberg, Barbirolli,....)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo


    Um einerseits den Haitink-Thread für Haitink freizuhalten - andererseits
    das IMO hochinteressante Strauß-Mahler Thema nicht hier zu "verheizen" wo es niemand sucht, bitte ich Theophilius einen eigenen Thread mit zugkräftigen Titel zu starten


    Alfred, Webmaster

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo peet,


    ich verbeuge mich vor deiner tiefgründigen und faktenreichen Widerlegung meiner Ausführungen...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • @ Theophilus


    Deine Ironie bringt jetzt nicht viel. Mach doch den Anfang und versuch deine Ausführungen zu begründen, dann kann ich sie auch gegebenenfalls wiederlegen.


    Gruß

  • Hallo peet,


    eine interessante Argumentation. Du behauptest einfach, eine Aussage sei falsch und bist nicht bereit den Gegenbeweis anzutreten, sondern verlangst vom Erstschreiber den Wahrheitsbeweis. Auch eine Methode, sich das Leben leicht zu machen.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Noch einmal also.


    Du hast geschrieben, Mahler sei vor dem Krieg wenig gespielt worden. Das stimmt nicht. Du nennst selbst in anderen Postings Bruno Walter, Willem Mengelberg, es sind noch Klemperer, Fried und etliche andere Dirigenten da gewesen. Wenn du weiterhin darauf bestehst, musst du argumentieren, denn du bringst die erste Behauptung ein. So läuft es bei der mir bekannten Diskussionsführung.


    Genauso weiter dem Text entlang. Wenn du nicht mal versuchst, dich inhaltlich zu behaupten, kann ich selbstverständlich für dich deine Arbeit übernehmen. Nur willst du das tatsächlich? :-)


    Gruß

  • Zu Haitink: von allen Mahler-Aufnahmen gefallen mir die Haitink-Versionen am Besten, mit großem Abstand vor allen anderen.
    Beispiel: die 4. mit Elly Ameling. Keine hat den Gesang so gut hingekriegt, sie ist die einzige, wo sich der Gesang richtig in den 4. Satz integriert, die ganze Sinfonie ist einfach perfekt gespielt.
    Die Sinfonien allgemein: Als Vergleich habe ich noch Bernstein (zu schnell, zu hektirsch), Solti (zu bäuerlich, abghackt), Kubelik ditto, Inbal kommt Haitink noch am nächsten. Einzelne Sinfonien habe ich auch noch von anderen Dirigenten, aber da kann ich kein Gesamturteil abgeben.

    mit vielen Grüßen
    J.

  • "Es ist nicht so wichtig, was man macht, sondern wie man es macht."


    Das ist ein Leitsatz von Bernard Haitink, der heute 80 wird.





    Mit 564 Beiträgen ist er bei uns nicht übermäßig stark präsent (Harnoncourt: 3.511 Treffer; Karajan: 5.927 Treffer; Solti: 1.875 Treffer ...). An seinem Geburtstag soll hier doch auch an ihn erinnert werden.


    Glückwünsche sind nicht angebracht, denn wie ich heute gelesen habe:


    Zitat

    Kritiker John von Rhein leitete seine Würdigung in der "Chicago Tribune" am Dienstag mit den Worten ein: "Bernard Haitink hasst Geburtstage. Vor allem seinen eigenen" und zitierte den Jubilar zur Bekräftigung selbst: "Wenn da eine Gesellschaft zur Abschaffung von Geburtstagen existieren würde, wäre ich mindestens ihr Vizepräsident."


    Eine schöne Würdigung steht heute in der WELT:


    Zitat

    Als "Vermeer des Orchesterpodiums" hat man ihn gepriesen. Lob, das sich ein Dirigent gefallen lassen darf, der als geborener Altmeister der Zunft seit Jahrzehnten für Respekt und Bewunderung, allerdings seltener für elektrisierende Begeisterung sorgte. Bernard Haitink, gefeierter Ehrendirigent von Chicago, Boston, Amsterdam, Dresden und noch immer rastlos unterwegs, blieb der ruhend solide Pol, ein in Temperament und Autorität unbestechlicher Siegelbewahrer in Zeiten des Kursverfalls. Viele hielten ihn für den berühmtesten Unterschätzten. Einige für einen Langweiler. Bernard Haitink, so viel steht fest, ist der große Aristoteliker unter den Dirigenten: ein Langstreckenläufer des goldenen Mittelwegs und Verächter chevaleresker Übertreibung.


    Ich werde einen Geburtstag so begehen, dass ich eine seiner - IMO - wunderbarsten Einspielungen höre:



    Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4
    Concertgebouw Orch. , Elly Ameling, Bernard Haitink


    :jubel::yes:



    Freundliche Grüße, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Lieber Andrew,


    herzlichen Dank für Deine Erinnerung an Bernard Haitink zu seinem 80. Geburtstag.


    Bei dieser Gelegenheit will ich - als fleißiger Radiohörer - auf eine Sendung morgen in NDR Kultur zu diesem Anlass hinweisen:


    Opernkonzert | 05.03.2009 20:00 Uhr NDR Kultur


    Ein Unterschätzter?
    Bernhard Haitink zum 80. Geburtstag


    Zitat

    Er ist kein Mann des Glanz und Glamour, sondern der skrupulösen Feinarbeit. Der niederländische Dirigent Bernhard Haitink wurde am 4.März 1929 in Amsterdam geboren – der Stadt des Concertgebouw-Orchesters, dessen Klang den 9jährigen Knaben schon faszinieren sollte. Als Geiger begann Haitink seine Orchesterlaufbahn, doch schnell schon fiel seine Begabung als Dirigent auf. Ferdinand Leitner gehörte zu seinen Förderern. Als er für den erkrankten Carlo Maria Giulini einsprang, wurde die Musikwelt auf Haitink aufmerksam. Er avancierte zu einem der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Inwiefern Haitink ein Mahler-Pionier gewesen ist, weiß ich nicht. Das Concertgebouw Orkest war wohl über Mengelberg und van Beinum bereits vor den 60'ern vertrauter mit Mahler als andere Orchester. Vielleicht war Haitink vor allem zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um Mahler mit durchsetzen zu helfen - unterstützt durch die noch relativ neue Stereo-Hifi-Technik, womöglich auch durch den Wegfall von Aufführungsrechten. Damit hat er doch jedenfalls nichts verkehrt gemacht.


    Wie dem auch sei, mit dieser Aufnahme von 1966 habe ich Mahlers Dritte kennen und schätzen gelernt:



    Maureen Forrester (Mezzosopran), Concertgebouw Orchestra, diverse Chöre, geleitet von Bernard Haitink. (Philips bzw. Decca 'Originals', 2006)


    Und ich höre sie immer noch gerne.


    Und der Filler obiger Ausgabe, Das klagende Lied in der 2-teiligen letzten Fassung, aufgenommen 1973 mit Heather Harper (Sopran), Norma Procter (Alt) & Werner Hollweg (Tenor), ist ja nun beleibe auch nicht von schlechten Eltern.


    Viele Grüße

  • Zu Haitink als Mahler-Dirigent habe ich erst später Zugang gefunden. Seine Studio-Sachen haben mich nicht so beeindruckt. Aber momentan gehören folgende Live-Mitschnitte zu meiner Mahler-Hit-Liste:


    Sinfonie Nr. 6 mit dem CSO in London 08.08.08 :jubel: :jubel::stumm:
    Sinfonie Nr. 7 Mit den Berlinern 30.05.92 in Berlin :jubel: :jubel::stumm:


    Ich habe frühere Haitink-Live-Mitschnitt von Mahler-S-6, aber die letzte London-Wiedergabe ist seine beste.

  • Liebe Harald Kral, Kontrapunkt und Amfortas08,


    schön, dass Ihr mit auf Bernard Haitinks Geburtstag anstoßt.


    Vor einiger Zeit habe ich diese Box geschenkt bekommen, mit der ich mich in diesen Tagen langsam anfreunde. Auch diese Einspielung scheint zu den Referenzaufnahmen von Haitink zu gehören. Da kann ich aber noch nicht mitreden, da betrete ich (für mich) Neuland und entdecke zurzeit die Londoner Symphonie.




    Ralph Vaughan Williams:
    Symphonien Nr. 1-9
    +Fantasiea on a Theme by Thomas Tallis; Norfolk Rhapsody Nr. 1;The Lark Ascending; In the Fen Country;On Wenlock Edge
    Lott, Nolan, Chang, Bostridge, Armstrong, Roocroft, London Philharmonic Choir, London PO, Haitink



    Freundliche Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“


  • Bernard Johan Herman Haitink (* 4. März 1929 in Amsterdam), niederländischer Dirigent.
    Er studierte bei Felix Hupka in Amsterdam und gab sein Debüt 1963 mit dem Fliegenden Holländer beim Holland-Festival. Im Vordergrund standen zunächst die Tätigkeit beim Concertgebouw-Orchestra und sein Engagement für Mahler. 1972 erschien er erstmals in Glyndebourne (Die Entführung aus dem Serail) und wurde dort 1977–88 als Nachfolger Pritchards musikalischer Leiter des Festivals. Am Londoner Covent Garden stellte er sich 1977 mit Don Giovanni vor, es folgten Lohengrin, Un ballo in maschera. 1982 trat er mit Don Giovanni und Fidelio erstmals an der New Yorker Metropolitan Opera auf. Seit 1987 ist er musikalischer Leiter der Covent Garden Opera (Der Ring, Die Frau ohne Schatten 1992, Die Meistersinger 1993) (bis 2002); 1991 trat er erstmals bei den Salzburger Festspielen auf (Le nozze di Figaro). 1994 Leiter des European Union Symphony Orchestra, 1995 Erster Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra.

    [Reclams Opernlexikon, S. 4903 (c) 2001 Philipp Reclam jun.]


    Heute feiert er seinen 85. Geburtstag.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Auch zu seinem 86. Geburtstag


    möchte ich ihm gratulieren. Bei einem unserer Werbepartner habe ich diese Box entdeckt, die er im Alter zwischen gut 30 und 50 Jahren aufgenommen hat:


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).