Guter Stoff für ein Libretto?

  • Sorry, der de Sade ist bereits in Arbeit bei dem ganz ausgezeichneten österreichischen Komponisten Alexander Wagendristel.


    Was wäre - als heitere Oper - eigentlich mit Jules Vernes "Reise um die Erde in 80 Tagen"? Das könnte, ensprechend postmodern komponiert, recht amüsant werden.


    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Joschi Krakhofer
    Pulp Fiction


    Ich freu mich schon auf das Duett: "A quarter pounder with cheese!" :D :jubel:
    Gesungen von Vincent Vega, Tenor & Jules Winnfield, Bass.



    Best, DiO :beatnik:

  • Zitat

    Original von Blackadder
    "Per Anhalter durch die Galaxis" als Oper... Ich höre schon das Vogonen-Motiv und die Slartibartfass-Suite... Und erst die "42"-Arie, ein Genuss....


    Ich habs mich wieder nicht getraut.....aber was soll die Geheimniskrämerei? JA!!! Ich bin dafür. Aber bitte das Gedicht "Als ich eines schönen Sonntagmorgens einen kleinen grünen Kittklumpen unter meinen Achselhöhlen fand", bei dem wohl mehrere Zuhörer an inneren Blutungen starben und irgendwer auch nur deswegen mit dem Leben davon kam, weil sich der Dickdarm auf den Weg nach oben machte, das Gehirn umschlang, um noch einen Restfunken an Kultur und Stil zu retten, dieses Gedicht bitte als Arie im Stile eines Luigi Nono.


    Die schlechteste Verskunst ist ja bei der Zerstörung der Erde bekanntlich verlorengegangen ud stammt aus Sussex, England. :D


    :hello:
    Wulf

  • Wulf: So etwas ähnliches wie die Caterbury Tales gibt es schon, nämlich von De Koven. Die Oper handelt allerdings von Chaucers Leben und heißt Canterbury Pilgrims.


    Walter Krause: Den Schatz am Silbersee gibt es, und zwar von Schoeck (1901).


    :hello:
    M.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    Au ja, das wird fetzen... :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:
    :hello:


    Aber vergesst mir bitte nicht den Radiomitschnitt der MET unter Stabführung von James Levine :jubel::stumm:


    :pfeif:
    Wulf


    Zitat

    Original von Mengelberg
    Wulf: So etwas ähnliches wie die Caterbury Tales gibt es schon, nämlich von De Koven. Die Oper handelt allerdings von Chaucers Leben und heißt Canterbury Pilgrims.


    Man lernt nie aus. Danke. :yes:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Sorry, der de Sade ist bereits in Arbeit bei dem ganz ausgezeichneten österreichischen Komponisten Alexander Wagendristel.



    :hello:



    Wie kam dieser Herr denn auf die Idee, ausgerechnet das zu veropern?


    Sollte diese Oper je zur Aufführung kommen, wird wahrscheinlich die Diskussion über Regietheater oder nicht endlich hinfällig.
    Ich nehme an, dass sich selbst die hartgesottensten Staubis, da eher keine naturgetreue Inszenierung wünschen werden.........



    Ich plädiere für eine Megalomanie-Projekt : "A la recherche du temps perdu."


    Was man da alleine mit der "Leitmotiv-Technik" machen könnte ;)


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Mengelberg


    Walter Krause: Den Schatz am Silbersee gibt es, und zwar von Schoeck (1901).


    Hi, Mengelberg,


    Danke vielmals, das hatte ich nicht gedacht. Allerdings - ich habe soeben nachgeschaut - ist dieses Jugendwerk des Schweizer Komponisten (entstanden um 1901 nach einem Libretto seines Bruders Walter) unvollendet geblieben und wurde erst hundert Jahre später von Dieter Stalder komplettiert, sodaß eine "halbszenische oder konzertante" Aufführung möglich wurde. Allerdings scheint es sich trotzdem um keine vollwertige Oper zu handeln, da auch nur eine Miniorchester vorgesehen ist. Außerdem wird Winnetou von einem Sopran gesungen (!!! - Was für ein Fressen für Freudianer! Was hätte Arno Schmidt dazu gesagt!). Da sträubt sich in mir doch einiges.


    LG nach Canada


    Waldi

  • Zitat

    Original von Blackadder
    "Per Anhalter durch die Galaxis" als Oper... Ich höre schon das Vogonen-Motiv und die Slartibartfass-Suite... Und erst die "42"-Arie, ein Genuss....


    Das Theaterstück gibt es ja schon :)

    Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.

  • Interessant wäre wohl auch eine Oper über Friedrich Barbarossa mit dramatischem Ende im Fluß Saleph. :D


    Oder eine Oper über das Ende des Templerordens, hätte sicher auch etwas, mit Philipp dem Schönen, Jacques de Molay und dem Papst.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Templer-Opern gibt es, und zwar von Litolff (Les Templiers). oder Il Templario von Nicolai.
    Barbarossa und seine Zeit kommen in Verdis Battaglia di Legnano zum Zuge, wenn auch Barbarossa keine Hauptfigur ist.


    :hello:
    M.

  • Meine Güte, da ist ja wirklich einiges zusammengekommen! Vielen Dank schonmal, ich muss die ganzen Sachen mal in Ruhe durchgehen, lasst euch aber nicht vom Weiterschreiben abhalten. "Abbitte" scheint mir recht interessant. Kenne nur den Film und mochte ihn nicht besonders, der Inhalt könnte aber, gut umgesetzt, schon was hermachen :yes:


    @ Blackadder: Was hast du gegen das Wort "Stoff" ? :D

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Mir fällt tatsächlich auch mal was ein:
    "Der Name der Rose" von Umberto Eco.
    Da hätte man eine ganz brauchbare Personalstruktur, interessante Handlungsstränge und einen wirklich spannenden, guten Inhalt.
    Ich gehe im Kopf schon die Stimmenbesetzung durch für William, seinen Schüler, den verrückten Salvatore, den alten Jorge, die Mönche und... den Inquisitor durch!
    Und da könnte man das Ganze ja auch schön, passend und singbar auf italienisch machen und bräuchte nicht eine eventuell absurde Übersetzung anzufertigen...


    :hello:
    M.

  • Gibt es eigentlich schon eine Oper nach Frischs "Homo faber"? Da könnte man doch sicherlich auch was Nettes draus machen!


    Das Problem ist ja vor allem, das bei einem Nicht-Drama besonders viele Symbole verloren gehen, wenn man es auf die Bühne zu bringen versucht. Es spielt sich eben oftmals das meiste auf einer anderen Ebene ab. Ich könnte mir z.B. kaum vorstellen, wie man einen Roman von Musil auf die Bühne bringen sollte ?(
    Ich meine, die Handlung als solche ist da ja meist vollkommen nebensächlich!


    Beim "Homo faber" müsste man dann natürlich sehr viel über innere Monologe laufen lassen, dafür gibt es aber auch Stellen die sich zur Vertonung geradezu aufdrängen. Ich könnte mir z.B. ein immer aufdringlicher werdendes Zopilot-Motiv vorstellen.



    Ansonsten, gibt es Kafkas Urteil schon als Oper? Ich denke mal schon...Generell dürfte es wohl schwierig sein, einen bekannten Roman/Erzählung o.Ä. zu finden, an dem sich nicht schon IRGENDWER versucht hat.

    "Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon."
    - Immanuel Kant (1724-1804)

  • Homo faber scheint es noch nicht zu geben, und ist mir lustigerweise ebenfalls gestern in den Kopf gekommen. Ich stelle es mir nur sehr schwer vor, das auf die Bühne zu bringen. Man hat zum Beispiel zwei sehr markante Frauengestalten, die sich sicherlich wunderbar inszenieruen ließen, aber das Wesentliche passiert ja in Fabers Kopf und wieviele innere Monologe hält ein Zuschauer da aus?

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Es geht alles, wenn man den richtigen Ansatz findet. Ob es gut geht, steht auf einem anderen Blatt. Aber seht Euch mal diesen Film an, dann könnt Ihr sehen, wie Schlöndorffs Drehbuchautor Rudy Wurlitzer das Problem gelöst hat. Gar nicht mal schlecht, finde ich.



    Im übrigen gibt es außer dem Roman keine andere Kunstform, die so gut für innere Monologe geeignet ist wie die Oper. Arien sind im Grunde ja gar nichts anderes als innere Monologe, und erinnert Euch, wie oft in Ensembles "beiseite" gesungen wird. Ich fürchte, Ihr denkt da noch viel zu literarisch.


    Bei einer "Veroperung" geht es ja nicht darum, einfach Musik in etwas möglichst sakrosant Vorhandenes zu gießen, das möglichst so herüber kommen soll, wie uns die Lektüre beeindruckt hat, sondern die gedanklichen Juwelen heraus zu lösen und mit anderem Material neu zu fassen, so dass es in einem anderen Licht erscheint, aber mindestens Vergleichbares bewirkt. Wollte bzw. könnte man nur Ähnliches erreichen wie die Vorlage, wäre eine Neubearbeitung in einer anderen Kunstform überflüssig.


    Vielleicht sollte man statt einer weiteren Sammlung von Lieblingsbüchern mal, ggf. in einem anderen Thread, anhand eines augewählten Stoffes diskutieren, wie man den in eine Oper bringen könnte.


    :hello: Jacques Rideamus

  • "Abbitte" halte ich eher für problematisch. Zum einen wird das Buch m.E. gegen Ende deutlich schwächer. Man müßte (das hätte McEwan vielleicht selbst machen sollen, aber es wären natürlich erzähltechnische Pointen verloren gegangen und auch die eigentliche "Moral") sich auf den ersten Teil beschränken: die Oper endete dann mit der Katastrophe ohne Abbitte.


    Dieser Teil wahrt beinahe die aristotelische Einheit. Wieder aber ist hier das Problem, daß die teils sehr langatmige Schilderung, die auf mich im Roman ungeheuer spannend wird (verbunden mit sehr überzeugenden psychologischen Einblicken), in einer Bühnenfassung wegfielen.


    Was einen guten Roman ausmacht, läßt sich m.E. nur schlecht dramatisieren. Als Opernvorlagen sind daher Novellen, Erzählungen u.a. kürzere Formen besser geeignet.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wie wäre es mit Brokeback Mountain nach der Kurzgeschichte von E. Annie Proulx?


    Wenige Personen und eine gut in ein Libretto zu dramatisierende Geschichte müssten eine spannende Oper geben, oder?

    Und man ist dazu da, daß man's ertragt. Und in dem "Wie" da liegt der ganze Unterschied.

  • @ Jacques Rideamus:
    Den Film habe ich gesehen und auch wenn es lang her ist, meine ich mich zu erinnern, dass er mir sehr gefallen hat.... um mir aber in Erinnerung zu rufen, wie dort mit dem Problem umgegangen wird, müsste ich ihn nochmal ansehen...


    Und deinen Vorschlag für einen neuen Thread finde ich sehr gut. Man müsste sich eben auf einen Stoff einigen, der nicht tatsächlich für irgendjemanden zur Diskussion steht.

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Zitat

    Original von Cassiopeia
    @ Jacques Rideamus:
    Und deinen Vorschlag für einen neuen Thread finde ich sehr gut. Man müsste sich eben auf einen Stoff einigen, der nicht tatsächlich für irgendjemanden zur Diskussion steht.


    Liebe Cassiopeia,


    muss man sich wirklich einigen? Schon anhand der bisherigen Vorschläge kannst Du ja sehen, wie schwierig das sein dürfte.


    Da aber die Anregung eigentlich von Dir kam: warum gibst Du nicht einfach einen Stoff vor, der DICH interessieren würde, und wer Lust hat, den Stoff kennt und/oder sich einlesen will, macht dann mit. Ob der Stoff womöglich schon von jemand anderem bearbeitet wurde oder wird, scheint mir weniger relevant, denn es geht ja um eine Übung und nicht ein konkretes Projekt. Oder?


    Bei den meisten bisher genannten und insbesondere bei Max Frisch hätte ich da allerdings Probleme, denn meine thematischen Interessen liegen schon seit zu langer Zeit ziemlich weit woanders.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Lieber Jacques,

    Zitat

    muss man sich wirklich einigen?


    Und was wäre mit einem Experiment?
    "Wir schreiben ein Libretto"...
    Dann müßte man sich schon einigen. Sodann könnte man schauen, wie weit das Projekt gedeiht, also ob es beim Szenenentwurf bleibt oder ob sich jemand auch an die Formulierung wagt.
    :hello:

    ...

  • Lieber Edwin,


    ich fürchte, das ist ein gar kühnes Experiment - zumal, wenn jemand mitwirkt, der - an der richtigen Stelle, aber auch nur da, mit gutem Grund - der Auffassung ist, dass es "eine große künstlerische Leistung, die auf Kompromissen beruht", nicht geben kann. Schließlich wäre der erste wahrscheinlich schon die Wahl des Stoffes, auch und gerade dann, wenn man einen eigenen entwickeln will.


    Aber als (erst einmal) gedankliches Experiment gefällt es mir gerade deshalb. Deshalb: ich wäre dabei. Allerdings sollte es dabei nicht um die meisten Singer von Tamino gehen.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Lieber Jacques,

    Zitat

    eine große künstlerische Leistung, die auf Kompromissen beruht"


    Es ist ein Unterschied zwischen einem Kompromiß und einer Verschmelzung von Ideen. Bei der Verschmelzung von Ideen haben die Beteiligten solche und bringen sie auf logische Linie. Bei einem Kompromiß will der eine nicht, was der andere will und man trifft sich in der Mitte, zwangsläufig also beim Mittelmaß. :D
    :hello:

    ...

  • Ich habe eine Zeit nichts von mir hören lassen, aber ich will mich bessern :)
    Was haltet ihr davon, wenn wir uns mit Gloomy Sunday beschäftigen? Es gibt das Buch von Nick Barkow, den Film von Rolf Schübel und nicht zuletzt das Lied Szomorú Vasárnap von RezsQ Seress, welches all dem zugrunde liegt.
    Gemacht wurde es soweit mir bekannt ist auch noch nicht und die Thematik bewegt mich sehr. Solltet ihr euch damit anfreunden können, würde ich dann einen Extra-Thread eröffnen.


    Grüße aus Wien


    Cassiopeia

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Mein vorletzter "Beitrag".


    Da - aus gegebenen Anlass - heute wieder in die Erinnerung gekommen (wie konnte ich es überhaupt vergessen haben?): "Die Pest" von Albert Camus, wäre nach meiner Meinung ein guter Ausgangstext für ein Libretto.


    Auf Wiedersehen


    Bernhard

  • @ Cassiopeia


    Gloomy Sunday kenne ich persönlich noch nicht, ich habs gerade mal gegooglet und muss sagen, es kingt doch schon sehr interessant.


    Sollten sich noch weitere Leute finden lassen, die sich mit dem Thema anfreunden können, wäre ich dabei. :hello:


    Gruß Heliaster

    "Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon."
    - Immanuel Kant (1724-1804)

  • Würde mich freuen, wenn sich noch ein paar Leute finden würden, das Thema ist wirklich interessant. Hat denn sonst keiner Lust?

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)