STRADIVARI(US) - ein Mythos

  • Salut,


    was ist eigentlich das besondere an


    Stradivari


    resp. an seinen Instrumenten? Warum sind ausgerechnet jene Instrumente so besonders wertvoll, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen?


    Warum gelingt es [fast] nicht, diese Instrumente nachzubauen? Was genau ist ihr Geheimnis? Waren diese Instrumente zum Zeitpunkt ihres Entstehens bereits genauso "göttlich", wie sie heute sind?


    Welche Instrumente Stradivaris kennt Ihr und welche Einspielungen mit Stradivari-Instrumenten werden durch die Verwendung dieser heiligen Hölzer noch genialer, als sie ohnehin schon sind!?


    Cordialement,
    Ulli

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Zitat

    Warum gelingt es [fast] nicht, diese Instrumente nachzubauen? Was genau ist ihr Geheimnis? Waren diese Instrumente zum Zeitpunkt ihres Entstehens bereits genauso "göttlich", wie sie heute sind?


    Diese Fragen sind schon seit langem Streitigkeiten ausgesetzt, keiner hat bisher eine alle befriedigende Antwort geliefert. Und ich fürchte, auch jetzt wird es nicht dazu kommen.


    Meiner Meinung nach steckt viel Ideologie und Marketing hinter der Vergötterung von Stradivaris. Das Wort göttlich, welches du, Uli, verwendest, sagt schon viel aus. Es hat schon fast religiöse Züge, wie die Instrumente verehrt werden. Dabei gibt´s viele gleichwertige Instrumentenmacher. Fraglos sind die Instrumente qualitativ sehr hochwertig, und trotzdem kommt es doch immer auf den an, der das Instrument bedient.


    Und schließlich, viele Stradivaris sind heute gar nicht mehr in dem Zustand, wie sie des Meisters Werkstatt verlassen haben. Wie soll man da einen stradivaritypischen Klang beurteilen können?


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Viel wurde über das Geheimnis der Stradivari geschrieben, man hat sie zerlegt, berechnet , Holzarten untersucht, den Firnis chemischen Analysen unterzogen etc


    Jeder 2. Geigenbauer behauptet nun das "Geheimnis" zu kennen -
    Jedoch- die Nachbauten klingen anders.


    Ich behaupte nun mal ganz forsch, daß es gar kein "Geheimnis" der Stradivaris gibt, zumindest kein Bautechnisches. (Was zur Entstehungszeit vielleicht schon der Fall gewesen sein mag)


    Warum klingen die dann anders ?
    Ich glaube, die Antwort ist recht einfach:
    Das Alter des Holzes. Klavierspezialisten werden mir vermutlich recht geben, wenn ich behaupte, daß ein Klavier (mit Holzrahmen) im Laufe vieler Jahre "stirbt", ungeachtet aller Wartungsarbeiten, es wird "müde".


    Bei Violinen dürfte der Effekt genau umgekehrt sein.


    Zudem erinnerie ich mich an ein Gespräch mit Thomas Kakuska, vor vielen Jahren, der mir sagte, eine Geige müsse von Zeit zu Zeit gewartet werden, und anschließend klinge sie immer ein wenig anders
    (Er war damals noch Konzertmeister beim NÖ Tonkünstlerorchester, ich glaube mich nicht zu irren- und auch hier muß ich mich auf mein Gedächtnis verlassen, er spielte eine Guarnieri)


    Wenn letztere Aussage stimmt, und ich zweifle nicht daran - dann klingt eine Stradivari heute völlig anders als zur Zeit ihrer Entstehung.


    Wir haben heute von vielem falsche Vorstellungen:
    So war die Leuchtkraft alter Gemälde bei ihrer Entsehung enorm, der sogenannte "Galerieton" eine euphemistische Umschreibung für die Vergilbung, bzw Bräunung - ist lediglich eine Alterserscheinung


    Ähnlich dürfte es sich mit dem Stradivari-Klang verhalten....



    Freundliche Grüße
    aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Salut,


    was ich nicht verstehe ist, warum das Holz zwischen einem Flügel [Klavier] und einer Violine Unterschiede macht!?


    Es stimmt übrigens, dass Streichinstrumente von Zeit zu Zeit "gewartet" werden müssen. Je nach Luftfeuchtigkeit bzw. sachgemäßer Lagerung [sofern möglich] entstehen Risse im Holz bzw. an den geklebten Stellen, die geschlossen werden müssen. Dies hat allerdings nicht immer klangliche Hintergründe; es kann z.B. durch Risse auch passieren, dass man/frau an dem Instrument hängen bleibt - die fatalen Folgen wären nicht auszudenken und ggfs. kann sich ein Teil auch ganz ablösen. Das sind alles nun natürlich keine "Stradivari"-Probleme.


    Soweit mir bekannt ist, hat Stradivari auch Celli und ggfs. Violen gebaut. Die Celli sind teils noch im Umlauf, was ist aber mit den Bratschen!?


    Und wo ist nun der Unterschied zu Guarneri?


    Cordialement,
    Ulli

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Paganini, der auf einer Guarneri spielte, meinte der Guarneri wohne eine unbeschreibliche klangliche Leidenschaft inne. Die Tradition beider Familien geht übrigens auf die der Amatis zurück, Antonio Stradivari und Andrea Guarneri, der Großvater des berühmteren Bartholomeo Giuseppe Guarneri "del Gesu", von dem auch Paganinis Instrument stammte, waren Schüler bei den Amatis.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Ich habe gestern in einem Buch über Instrumentenkunde gelesen und bin dabei auf eine Abbildung einer Gitarre gestoßen, die Stradivari gebaut hat. Das ist eigentlich nichts besonderes, weil viele Geigenbauer auch Lauten und Gitarren quasi nebenbei gebaut haben.


    Dies als Ergänzung zu den bereits aufgezählten Instrumenten.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • wer spielt denn nun mit welchem Instrument auf welcher Aufnahme? Wenn man das wüßte, könnte man das Ohr entscheiden lassen.


    Ich weiß nur von zwei Leuten, die ein Stradivari-Instrument haben - Ann Sophie Mutter (Violine) und Maria Kliegel (Cello).


    Aber da gibt es ja noch hunderte weitere Instrumente...

  • Zitat

    Original von m-mueller
    wer spielt denn nun mit welchem Instrument auf welcher Aufnahme? Wenn man das wüßte, könnte man das Ohr entscheiden lassen.


    Ich weiß nur von zwei Leuten, die ein Stradivari-Instrument haben - Ann Sophie Mutter (Violine) und Maria Kliegel (Cello).


    Aber da gibt es ja noch hunderte weitere Instrumente...


    ...dann lass mal das Ohr bei André Rieu entscheiden :P


    LG :hello:
    V.


    P.S.: Die vollständige Liste findest du hier


  • ...falls es dich noch interessiert :wacky: :



    Auf Wikipedia findet man Informationen zu 2 der Strad-Bratschen:


    Modell: Archinto Stradivarius
    Baujahr: 1667
    Eigentümer: Royal Academy of Music



    Modell: Paganini Mendelssohn Stradivarius (Paganini-Quartett)
    Baujahr: 1731
    Eigentümer: Nippon Music Foundation /geliehen an Kazuhide Isomura vom Tokyo String Quartet


    LG :hello:
    ViolonStradiCellchen

  • Hallo Zusammen


    Ulli

    Zitat

    was ich nicht verstehe ist, warum das Holz zwischen einem Flügel [Klavier] und einer Violine Unterschiede macht!?


    Das verstehe ich allerdings auch nicht. Woher weiß das Holz, ob es ein Klavier oder eine Geige ist???


    Ist es denn wirklich so, daß das Holz des Klavieres mit der Zeit "müde" wird? Ist es nicht vielmehr das Innenleben, z.B. die Saiten und die restliche Technik, die ermüden?


    Ich war immer der Überzeugung, daß wenn man das Innenleben eines sehr alten Klavieres erneuert, es anschließend wieder in vollem Glanz erklingt.


    Leider ist mein Ohr offensichtlich nicht so eingestellt, daß es eine Stradi von einer anderen sehr guten Geige unterscheiden kann. Ich fand bisher immer, daß es der Spieler ist, der die Verantwortung trägt, ob ein Instrument super schön, schön oder gar schrecklich klingt. Natürlich höre ich am Klang und spüre es z.B. beim Klavier auch beim Spielen, ob es sich um ein gutes, ein sehr gutes oder ein schlechtes Instrument handelt - aber die Marke herauszuhören - Puh... das empfinde ich - obwohl ich nicht grade zu den unmusikalischsten Zeitgenossen gehöre - als schwer. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß ich es nie wirklich versucht habe.


    Viele Grüße Mimi


    Viele Grüße
    Mimi

    che gelida manina....

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  • Also ehrlich gesagt halte ich das auch für ein Gerücht, dass man das hören könnte.
    Vielleicht wenn man das Instrument selbst spielt... aber ich glaube dass das Wissen darum - was man da für ein Instrument spielt - die Einschätzung eigentlich wieder beeinflußt.



    Auf dieser CD kann man 2 historische Geigen hören, eine von Stradivari und eine von Amati:


    Couperin - La Sultane

    Capriccio Stravagnate - Sempé



    Das das jetzt soviel besser oder anders klingt kann ich jetzt nicht sagen...mir ist der Gedanke auch schon gekommen, dass es sich hierbei einfach um PR handelt.
    Sicher sind das wertvolle Instrumente - wegen ihres Alters.
    Und vielleicht ist es das Besondere, dass sie sich noch nicht in ihre Bestandteile aufgelöst haben.
    Aber ich denke dass da die Nachbauten, bzw. die Instrumente anderer Geigenbauer durchaus mithalten können.


    Jedenfalls stammen diese beiden Geigen aus der Sammlung des Metropolitain Museum of Art - und wurden in ihrer barocken Gestalt erhalten. Also keine "Verbesserungen" nachfolgender Jahrhunderte.


    Und wie das Beiheft schon sagt, welche Musik könnte würdiger sein für solch edlen Instrumente als die von Francois Couperin ?

  • "Man" kann sicher typische Merkmale hören - wenn man


    a) drauf geschult ist


    b) das Instrument LIVE und möglichst aus der NÄHE hören kann


    Manche Geiger behaupten ja es gäbe Instrumente, die ihren Klang je nach vorhandener Luftfeuchtigkeit änderten....



    Ich bin der festen Überzeugung, daß die Klangfarbenunterschiede der Instrumente durch die Aufnahme auf Tonträger weitgehen bis völlig verloren gehen.


    Was Tontechnik bewirken kann lässt sich sehr gut bei Hilary Hahns Aufnahmen hören - SONY vs. DGG. Ich sag jetzt mal nix, vielleicht will das jemand anderer beschreiben...



    Zitat

    was ich nicht verstehe ist, warum das Holz zwischen einem Flügel [Klavier] und einer Violine Unterschiede macht!?


    Das Holz macht KEINE Unterschiede, lediglich die Auswirkungen sind uUnterschiedlich, bzw werden unterschiedlich interpretiert.


    Alte Hammerklaviere hatten noch keinen Rahmen aus Stahl, sondern aus Holz. Dieser muß eine gigatische Spannung etragen. Im Laufe der Jahre wird das Holz spröder und die mechanischen Eigenschaften verändern sich zu ungunsten.
    Eine Violine ist in dieser Hinsicht sicher unkritischer.


    Es mag aber auch daran liegen, daß die Klangveränderung, die durch jahrhundertealtes Holz entseht, bei Violinen als angenehm, beim Hammerklavier jedoch als unangenehm empfunden werden mag.....


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Moin,


    vor längerer Zeit hatte ich im TV eine Sendung über Geigen gesehen, in der 4 hochrangige, top Geigen, eine Stradivari war dabei, blind von 2 oder 3 Geigern hinter einem Vorhang vor 4 Spezialisten gespielten wurden. Also jeder Geiger spielte auf jeder Geige, ohne, dass er wusste, welche es war. In F-Löcher schauen war verboten.


    Die 4 Spezialisten waren natürlich alle gespannt auf die Stradivari. Am Ende mussten Sie ein Voting abgeben, welche Geige (No. 1 - 4) ihnen klanglich am besten gefallen hat, und welches denn die Stradivari sei.


    So weit ich mich erinnern kann, hielten 3 die selbe Geige für die klanglich Beste und ohne lange Bedenkzeit diese auch für die Stradivari. War sie aber nicht. :baeh01: Ach der vierte Juror konnte Stradivari nicht heraushören.


    Da waren doch alle ziemlich erstaunt.


    Soviel zu Klangqualität und Mythos.

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Zitat

    Original von Radagast


    Soviel zu Klangqualität und Mythos.


    Blindtests sind schon furchtbar! Denen ist nichts heilig... :D

  • Zitat

    Manche Geiger behaupten ja es gäbe Instrumente, die ihren Klang je nach vorhandener Luftfeuchtigkeit änderten


    Aber natürlich, bei geringer Luftfeuchtigkeit wird das Holz trockener, die Decke des Instrumentes wird niedriger so daß die Saiten näher am Griffbrett aufliegen.
    Bei trockener Luft ist auch die Gefahr, daß Risse auftreten, am größten.
    Deshalb benutzen die meisten Streicher Luftbefeuchter.


    Bei meinem Cello gibt es Unterschiede von 7mm Saitenhöhe auf der A-Saite im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit bis zu 3mm Saitenhöhe auf der A-Saite bei niedriger Luftfeuchtigkeit im Winter.


    Dies hat schon Auswirkungen auf den Klang, es gibt durchaus Streicher, die einen Sommer und einen Wintersteg von unterschiedlicher Höhe benutzen.


    Aufnahmen sind nicht so aussagekräftig über die Qualität eines Instrumentes.
    Das muß man sich schon live in einem größeren Saal anhören.


    Gerade die excellenten Instrumente sind in der Lage, den Klang bis in die letzte Reihe zu "tragen".
    Es ist durchaus möglich, daß ein sehr gutes Instrument auf kurze Distanz kratzig klingt, oder überhaupt nicht besonders laut.
    Wichtig ist, wie sich der Klang nach einigen Metern entfalltet.


    Dies ist bei Aufnahmen schwierig zu realisieren, es reicht nicht, einfach ein Mikro über die Geige zu hängen, da dann die eigentliche Klangentfalltung im Raum nicht berücksichtigt wird.


    Ich bin mir ziemlich sicher, daß ein Heifetz oder ein Rabin in echt anders geklungen haben als auf Ihren Aufnahmen, welche mit dem Mikro direkt über der Geige erstellt wurden.


    Natürlich gibt es moderne Instrumente, die genau so gut klingen wie die teuren alten, aber dies ist nicht die Regel.


    Mit freundlichen Grüßen,
    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Aufnahmen sind nicht so aussagekräftig über die Qualität eines Instrumentes.
    Das muß man sich schon live in einem größeren Saal anhören.


    Wie groß soll denn der Saal sein? Gehören die Stradivaris nicht eher in kleinere Räume, in denen die Triosonaten und Tafelmusiken, für die die Geigen gebaut sind, gespielt wurden?
    :hello:

  • Der Saal muß nicht supergroß sein, halt ein normaler Saal.

    Zitat

    Gehören die Stradivaris nicht eher in kleinere Räume


    Warum?
    Hat man zu Stradivaris Zeiten nicht in Kirchen und größeren Räumen gespielt?
    Es wurden doch nicht nur Triosonaten und Tafelmusik gespielt.


    Wie dem auch sei, ob gewollt oder nicht, ein Erkennungsmal eines hervorragenden Instrumentes ist nunmal u.a. seine Tragfähigkeit, auch im Falle eines Kammermusikrahmens.


    Ich wollte nur beschreiben, daß ein sehr gutes Instrument bei z.B. einem Meter Hörabstand nicht unbedingt großartig klingen muß.

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Es wurden doch nicht nur Triosonaten und Tafelmusik gespielt.


    Nein, aber ich denke, dass das der heikelste Bereich war, wo am kennerischsten gehorcht wurde - ich glaube es gibt dazu ein Zitat vom Stradivari-Generationsgenossen Biber.


    Ehrlich gesagt bin ich mir über die Größe der passenden Räume nicht im Klaren - große Konzertsäle wie der Wiener Konzerthaussaal warens aber sicher nicht.
    :hello:

  • Erklärungsversuche gibt es je jede Menge, wobei ich jene favorisiere, die mit der "Kleinen Eiszeit" im 17. Jahrhundert zu tun hat. Aber ich halte es eher damit, dass eine "Stradivari" einfach gut klingen muss, weil es der Mythos ja schon verlangt. Die Summen für solch ein Instrument allemal. Ich würde die Lord Dunn-Raven bevorzugen, die knistern im Kamin einen Hauch subtiler...

  • Zitat

    große Konzertsäle wie der Wiener Konzerthaussaal warens aber sicher nicht


    Ich wollte nur beschreiben, daß solch ein Instrument auf sehr kurze Distanz nicht sein volles Potenzial ausschöpft.
    Egal, wie groß der Raum jetzt nun ist.
    IDEALERWEISE bietet sich natürlich ein größerer Raum an.
    Vom Konzerthaussaal habe ich nicht gesprochen.
    Ich habe auch nichts dagegen, wenn dann Tafelmusik gespielt wird.
    Von mir aus.
    :hello:

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  • Vielleicht interessiert es ja mal, wie sich das ganze von der anderen Seite, der des Instrumentalisten anhört.


    Ich habe im Laufe der Jahre die Gelegenheit gehabt, ein Guarneri, ein Stradivari sowie ein Montagnana-Cello auszuprobieren.
    Instrumente von einem Lehrer, einem Freund etc, nicht, um sie zu kaufen, das wäre nicht möglich, sondern um einmal zu erleben, wie sich das anfühlt.


    Zitat

    weil es der Mythos ja schon verlangt


    Nein, so leicht ist das nicht!
    Diese Instrumente strahlen einen solchen Charakter aus, sind in der Lage, die Klangvorstellungen des Spielers umzusetzen, ziehen einen derartig in den Bann, daß andere normale Instrumente dagegen Holzkisten sind.
    Schwer zu beschreiben, aber ein solches Instrument ist etwas ganz besonderes.
    Ich spiele ein recht gutes Instrument und vermeide mittlerweile, Instrumente einer höheren Kategorie auszuprobieren, weil der Weg zurück sehr schwer fällt.


    :hello:
    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    Ich habe im Laufe der Jahre die Gelegenheit gehabt, ein Guarneri, ein Stradivari sowie ein Montagnana-Cello auszuprobieren.


    Michael


    Dann stelle ich mal die Gretchenfrage: Welches von den drei Instrumenten und warum hättest Du denn ausgewählt, wenn Du gedurft hättest? :pfeif:


    Antworten wie , ich konnte sie aber nicht lange genug ausprobieren, um eine Bewertung abzugeben, sind nicht erlaubt. :baeh01:


    Ich spiele übrigens eine berühmte Holzkiste von Sperrholz. Unvergleichlicher Klang, wäre also nur bedingt bereit sie gegen ein anderes Instrument einzutauschen. :D

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Zitat

    Welches von den drei Instrumenten und warum hättest Du denn ausgewählt, wenn Du gedurft hättest


    Das ist schwer, sicher kann ich sagen, daß es das Guarneri nicht gewesen wäre.
    Das Stradivari wäre es wohl geworden, das hatte einen unglaublichen Sound in der Mittellage(G-und D-Saite) ;( ;(


    Zitat

    ich konnte sie aber nicht lange genug ausprobieren, um eine Bewertung abzugeben, sind nicht erlaubt


    Nö, das ist auch gar nicht notwendig, das merkt man nach einigen Sekunden, was man da unter den Fingern hat.

  • Hallo,


    auf der Seite des Münchner Geigenbauers Martin Schleske kann man sich zwei interessante Filme zum Thema ansehen: schleske.de


    Schleske ist Geigenbauer und Physiker und versucht "Resonanz-Kopien" berühmter Streichinstrumente zu bauen.


    Ich finde die Internetseite unglaublich informativ.


    Grüße


    Heinz

  • Hallo Heinz,
    Du hast recht, diese Seite ist klasse.
    Es handelt sich anscheinend auch um einen hervorragenden Geigenbauer.
    Interessant, Isserlis Cello einmal aus der Nähe zu sehen.
    Es ist deutlich sichtbar, daß er auf C- und G-Saite Darmsaiten spielt.


    Danke für den Tip,
    :hello:
    Michael

  • Hallo,
    ich möchte gerne noch einmal auf die obengenannte Geigenbauerseite zurückkommen.
    Ich kann nur empfehlen, sich diese einmal anzuschauen und anzuhören.
    Wirklich sehr interessant und mit Sicherheit handelt es sich um einen sehr, sehr tüchtigen Geigenbauer.


    Ich möchte jetzt nicht als Beckmesser dastehen, aber beim Anhören der Vergleiche zwischen einem Orginal und der Klangkopie von Meister Schleske, welche er dort zum Anhören bereitstellt, fällt mir ein nicht unwesentlicher Unterschied zum Klangschmelz des Orginals auf.


    Bitte nicht falsch verstehen:Es handelt sich bei den Arbeiten von Schleske ziemlich sicher um Instrumente, welche sehr hohen Ansprüchen gerecht werden :jubel:
    Aber die Orginale haben nach wie vor-und etwas anderes hätte mich auch sehr verwundert- das gewisse Etwas, welches den kleinen aber feinen Unterschied nach wie vor ausmacht-jedenfalls für meine Ohren.


    Da dies natürlich Aufnahmen sind, welche überhaupt nicht oder nur ansatzweise die wirkliche Klangqualtität darstellen können wäre der nächste Schritt, sich einmal ein "eingespieltes" Instrument von Schleske in einem größeren Raum(Saal, Probebühne, was auch immer- auch mit Tafelmusik :D ) anzuhören im Vergleich zum Orginal, aber dies ist natürlich Utopie.


    Die Klangeinstellungen, welche Schleske beschreibt, kenne ich glücklicherweise von meinem Geigenbauer-er arbeitet ziemlich ähnlich- und verflucht toll. :jubel:


    Entscheidend ist natürlich, daß ein solch modernes Instrument wesentlich bezahlbarer ist als ein alter, orginaler, Italiener.
    Über den Preis der Celli habe ich noch nichts herausgefunden, aber eine Violine liegt bei 20.000,-, dann müßte ein Cello irgendwo um die 40.000,- und aufwärts liegen.


    Das wäre absolut ok für ein solch schönes Instrument.
    Ich hätte selber Lust, einmal eines seiner Celli auszuprobieren und mit meinem Gustave Bernardel von 1896 zu vergleichen.
    Leider ist München für mich nicht gerade mal so um die Ecke....


    Wenn Geld keine Rolle spielt, dann bin ich anhand der Klangbeispiele geneigt zu sagen, daß die Orginale nach wie vor das entscheidende "gewisse Etwas" mit sich bringen, welches sie fast unbezahlbar macht.


    Ich habe eher den Eindruck, daß die Arbeiten dieses Geigenbauers eine bezahlbare Alternative zu heutzutage leider überteuerten älteren Instrumenten der letzten 150-200 Jahre darstellen denn als eine Alternative für eine orginale Stradivari.


    Aber schon das wäre eine tolle Sache, denn es ist schon ein Unterschied, ob man 50.000 bis 200.000 und mehr oder geschätzte 40.000,- ausgeben muß, um ein sehr gutes Instrument zu bekommen.


    Ich möchte noch darauf hinweisen, daß es in Bonn den ebenfalls sehr erfolgreichen Geigenbauer Peter Greiner gibt, der auch behauptet, dem Resonanzverhalten der alten Italiener auf die Spur gekommen zu sein.


    greinergeigen.de


    Auch seine Seite ist wie die von Schleske gespickt mit überschwenglichen Referenzen erfolgreicher und berühmter Instrumentalisten, etwas, was mich erst einmal ein wenig abschrecken läßt.....aber Werbung muß halt nun mal sein......
    aber müssen es grundsätzlich immer Musiker "in führender Stellung" sein?
    Als wenn alle andern keine Ahnung hätten..... X(


    Bei Ihm kostet ein Cello 42.000,- plus Märchensteuer.
    Das ist schon richtig Geld, finde ich.


    Na denn, Geigenbau und der Versuch, die alten Meister zu kopieren, ist ein weites, teures und auch interessantes Feld.
    Nur eines ist mir ziemlich sicher:
    Der Klang der orginalen Instrumente ist kein Mythos.


    Zitat

    Soviel zu Klangqualität und Mythos.


    Lieber Radagast,
    das spricht gegen die Spezialisten, aber nicht gegen die Orginale.
    Wer waren denn diese "Spezialisten" ?
    Geigenbauer?
    Instumentalisten?
    Oder doch eher Journalisten?


    LG, :hello:


    Michael

  • Hallo Michael,


    kann der "Klangschmelz", den du bei den neuen Geigen vermisst, darauf beruhen, dass diese nicht über Jahrhunderte "eingespielt" sind? Oder gibt es dieses Phänomen des "Einspielens" bei Streichinstrumenten gar nicht? Worauf ich hinaus will: Könnte es sein, dass Schleskes Instrumente in 300 Jahren da sind, wo Stradivaris heute sind?


    Grüße und gute Nacht an alle,


    Heinz

  • Hallo Heinz,
    genau da liegst Du richtig!
    Das Einspielen ist ja auch gar kein Phänomen, niemand würde etwas dagegensagen, wenn man behauptet, ein Auto müßte eingefahren werden.
    Ein Instrument muß über Jahre eingespielt werden, das gilt auch für Bögen...
    Für die Komponenten einer Hifi-Anlage inkl. Kabel auch :stumm: :stumm:


    Ich besaß ein modernes Cello, welches im Laufe des Einspielprozesses immer schlechter wurde-auch das passiert.
    Von vier modernen Bögen(!), welche ich besaß, wurden drei im Laufe von einem Jahr immer schlechter, was ihre Tonqualität anging.
    Auch das kann passieren.


    Genausogut kann es passiern, daß die Instrumente von Schleske(oder auch Greiner), die mit Sicherheit schon heute ziemlich gut zu sein scheinen, immer besser werden.
    Wer weiß, wo sie klanglich in 300 Jahren stehen werden.

    Zitat

    Könnte es sein, dass Schleskes Instrumente in 300 Jahren da sind, wo Stradivaris heute sind?


    Ich würde sagen:Ja!


    LG,
    Michael

  • Hallo Michael,


    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß ein Heifetz oder ein Rabin in echt anders geklungen haben als auf Ihren Aufnahmen, welche mit dem Mikro direkt über der Geige erstellt wurden.


    Michael


    Ich erinnere mich, dass Perlman einmal in einer Fernsehdokumentation (ich glaube es war "Große Geiger") über den "Ton" von Heifetz schwärmte. Sinngemäß ergänzte er, der Ton habe auf Platten immer einen etwas rauhen Charakter gehabt, der im Konzertsaal verschwunden sei, das habe dem "Ton" noch eine ganz andere Qualität verliehen.


    Zitat

    Ein Instrument muß über Jahre eingespielt werden, das gilt auch für Bögen...
    Für die Komponenten einer Hifi-Anlage inkl. Kabel auch :stumm:


    Naja, beim Einfahren von Hifikomponenten habe ich so meine großen Zweifel, aber drüber fahren ist definitiv bei Kabeln wie auch Instrumenten schlecht. :D


    Aber das wäre ein anderer Thread, außerdem hab ich vor Jahren ein Gelübde abgelegt, über dieses Thema nicht mehr zu diskutieren. :D


    :hello:
    Sascha

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