Karajan - Meine liebsten Aufnahmen

  • Liebe Mitleser, liebe Tamiinos


    Bis vor kurzem durfte man den Namen "Herbert von Karajan" in diesem Forum nicht erwähnen ohne von einer "Lobby" von "Karajan-Gegenern" niedergemacht zu werden.
    Das Forum hat sich indessen selbst gereinigt - und wird versuchen einerseits bewährtes fortzusetzen und zu erweitern - andererseits neue Wege zu gehen.
    Daher dieser Thread, der austesten soll, inwieweit sich der Tamino-Geschmack geändert hat....


    Ich bitte daher diejenigen, die den Maestro geschätzt haben, ein bis 3 Tonaufzeichnungen dieses Dirigenten auszuwählen und vorzustellen - jene, die Euch besonders gefallen und Euch beeindruckt haben......
    ung gegebenenfalls auch warum


    mfg aus Wein



    ALfred

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  • Ich erinnere mich dunkel: In meiner Anfangszeit habe ich so etwas hier auch mal versucht. :yes:


    Aber der Thread ließ sich nicht sinnvoll fortführen, da sehr schnell eine wenig sinnvolle Grundsatzdiskussion geführt wurde. :motz:


    Da sich doch einige Nennungen und Kommentare finden, weise ich darauf hin:


    Lauter Lobreden – Herbert von Karajan


    Vielleicht klappt es ja diesmal! ;)


    Freundliche Grüße aus Nordwest, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Somit weihe ich diesen Thread ein.
    Unverzichtbar - ein Meilenstein in der Geschichte der Gesamtaufnahmen von Beethoven-Sinfonien ist die Berlier Einspielung aus den Jahren 1960/62 welche Karajan für die Deutsche Grammophon unter der Produzentin Prof. Else Schiller aufgenommen hat, mit dem Jüngst veratorbenen Günter Hermanns als verantwortlichem Toningenieur.
    Die Aufnahm inst nun beinahe 50 Jahre im Katalog - und das trotz zweier weiterer Neuaufnamen unter dem selben Dirigenten......



    Sie klingt noch immer verhältinsmäßig frisch und vermittelt einen guten Eindruck vom musikalischen Zeitgeschmack der 60er Jahre des Vergangen Jahrhunderts. Einerseits wurde relativ schlank gespielt, niemals dick oder behäbig, andererseits war Eleganz und schöner Klang gefragt. Oft wurde versucht, diese Aufnahme vom Podest zu stoßen - gelungen ist es indes niemals - Sie ist noch heute ein Renner.....


    mfg aus Wien


    Alfred

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  • Ich bin ein begeisterter Karajan-Hörer,weil mir der typische glatte Karajan-Sound gefällt.Karajan legte Wert darauf,sich das Endergebnis auf Tonträger anzuhören,weil er wußte,daß sich der Klang aus dem Konzertsaal nicht ungeschmälert in das Wohnzimmer übertragen läßt.

    Meine 3 Lieblingsaufnahmen sind aus dem Bereich Oper:


    ,,

    mfG
    Michael

  • Hallo,


    diese beiden Aufnahmen besitze ich schon sehr lange und bin auch zufrieden damit:


    [AM] B00008FJCE[/AM]


    Meine ersten beiden Klassikeinspielungen waren von Haydn die Londoner Sinfonien und die Beethoven Aufnahmen aus den 70ern von HvK. Dies führte fast dazu, daß ich Klassik im allgemeinen und Haydn im speziellen nicht mochte. Haydn empfand ich als sehr schlafmützig dirigiert. Dann lernte ich aber noch andere Dirigenten kennen und alles war wieder im Lot. :D


    Ist denn die Beethoven HvK Einspielung aus den 60ern so viel anders als aus den 70ern?


    Fröhliche Grüße
    Ralf

  • Pünktlich, in respektabler Zeit nachdem ich mich für klassische Musik zu interessieren begann, wurde der Mythos Karajan durch die Geburtstagsfeierlichkeiten für mich verständlich und relativ kompakt beleuchtet. Wir wurden ja geradezu von Dokumentationen über diesen herausragenden Künstler überflutet. Auch die vermeintlichen Schattenseiten wurden anschaulich dargestellt. Nun sind Dokumentationen ja auch immer so neutral wie deren Macher zum Dokumentierten stehen.


    Karajan war erfolgsorientiert, professionell, ehrgeizig und er neigte zu Perfektionismus. Das war sein Markenzeichen. Genau das wird ihm in den Augen der vielen Kritiker zur Last gelegt. Ich frage mich "Warum"? Ist es Neid? Weil man selbst leider nicht so ist? Weil man selbst zu sehr Künstler ist, oder sein möchte, seinen eigenen Stil erfinden will, nur leider keine Idee hat wie man in der Musik noch was bahnbrechend Neues machen kann und dabei auch noch Erfolg zu haben? Ich denke, man sollte sich einfach nur zurücklehnen und Karajans Markenzeichen, die Perfektion, geniessen können.


    Ich möchte mich zu zwei Aufnahmen äußern. In der einen musizieren seine Berliner Philharmoniker mit einer damals noch jungen Geigerin, Anne-Sophie Mutter. Ihr vermochte Karajan scheinbar seinen Stil für die ersten Jahre ihrer Karriere zu vermitteln und mitzugeben. Der Meister und seine Schülerin!? Das Ergebnis taugt in jedem Fall immer dazu, jemanden für klassicshe Musik zu Interessieren und die Gattung Solokonzert, respektive Violinkonzert, nahzubringen. Ging zumindest mir so :yes: und die CD begeistert mich auch heute noch immer wieder aufs Neue!



    Das Mendelssohn-Violinkonzert op.64 stammt aus 1981 das Brahms-Violinkonzert op.77 stammt aus 1982.


    Die zweite, mir wichtige CD, ist das Dvorak-Celloconzert op.104 in der Einspielung aus dem Jahr 1969 mit Mstislav Rostropovich. Hier treffen zwei ganz große Künstler auf dem Höhepunkt ihrer jeweiligen Karriere zusammen um das perfekte Konzert einzuspielen.



    :hello: Steffen

  • Hallo


    Ich bin ja nicht gerade ein begeisteter Karajan-Fan, besitze aber trotzdem eine menge Aufnahmen. Ich mag lieber den sehr späten Karajan.



    Wie zum Beispiel seine letzten Bruckner-Aufnahmen, die ich sehr schätze. Ich höre seine siebte ziemlich oft, eine der besten B7 die es gibt.


    gruß
    roman

  • "Karajan-Opern"


    1 Donizetti: Lucia di Lammermoor – di Stefano/Callas – Live Berlin 1955
    2 Verdi: Il Trovatore – Price/Corelli – Live Salzburg 1962
    3 Puccini: La Bohème –Pavarotti/Freni – 1972 Studio


    "Karajan-Konzerte"


    1 Bruckner: Symphonie Nr. 7 - Wiener Philharmoniker (letzte Aufnahme)
    2 Strauss: Also sprach Zarathustra - Berliner Philharmoniker (1984)
    3 Tschaikowsky: Symphonie Nr. 6 - Berliner Philharmoniker (1939)

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • "Karajan zum 1.000."...


    Aber da ich mich auch an diesem Thread beteilige, mokiere ich mich eher an meiner Inkonsequenz als an der Threaderöffnung... ;)


    Die erste Aufnahme, die ich vorstelle, stammt aus 1947. Dafür klingt sie sehr brauchbar. Sie rauscht wenig und hat einen durchaus akzeptablen, relativ verzerrungsfreien Frequenzumfang.



    Selten ist Brahms 2. Sinfone so lyrisch-heiter und feinsinnig abgestuft zu hören wie bei Karajan. Da mir diese Zugangsweise bei dieser Sinfonie sehr zusagt, gefällt mir diese Einspielung besonders.


    Als "Zugaben" gibt es Mozarts (für mich zu selten aufgenommene) Maurerische Trauermusik und eine beeindruckend-erschütternde Interpretation von Strauss' Metamorphosen. Die Eindrücke des damals gerade zwei jahre beendeten zweiten Weltkriegs sind hier förmlich zu hören und spüren.


    Die zweite Empfehlung gilt dem Eröffnunungskonzert der Berliner Philharmonie vom 15.10.1963:



    -Beethovens 9. Sinfonie mit Gundula Janowitz, Sieglinde Wagner, Luigi Alva und Otto Wiener als Solisten.


    Ein sehr eleganter, aber im Vergleich zu den Studioaufnahmen weniger "glattpolierter" Beethoven.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler



  • Meine drei liebsten Karajan-Aufnahmen:
    Verdi: Falstaff (1956)
    Beethoven: 9. Snfonie (1962)
    Brahms: Ein deutsches Requiem (1963)


    Dazu kommen auch die Tondichtungen von Richard Strauss.


    (Ich bevorzuge die Einspielungen der Ende 50er bis Mitte 60er Jahre,
    weil diese noch nicht so stark verhallt sind wie die späteren Aufnahmen.)


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Kurz und prägnant ohne große weitere Kommentare drei meiner liebsten Karajan-Aufnahmen (den Kritikern zum Trotze):



    Seine ersten "Meistersinger" sind die besseren m. M. nach: Wuchtiger und nicht so schlank dirigiert.



    Sängerisch mag manch einer meckern, aber orchestral (und hier geht es ja um Karajan, nicht die Sänger) Referenz.



    Auch hier eine Meisterleitung des Orchesters unter Karajan.


    Freilich hätte man noch viele weitere nennen können, etwa seine "Turandot", seinen "Parsifal", auch viele symphonische Werke, aber nun eben diese drei.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Liebe Karajan - Gegner - vor allem - und


    Karjan - Bewunderer !



    Der Streit , wie Herbert von Karajans Leben wie Werk zu bewerten sei , ist so alt wie die Medien sich in breitester Front seiner "angenommen" hat .


    Der Maestro hat Grosses geleistet . Ihn zu reduzieren auf eine Unterteilung in frühe Aufnahmen ( also vor allem die EMI-Aufnahmen ) seien in aller Regeld den späreren ( vor allem denen bei der DG/ universal ) vorzuziehen , verkürzt schon des Zugang zu Karajans Lebensleistung . Dasselbe eine grobe Einteilung in 1) Opernaufnahmen und 2.) in Instrumentalaufnahmen einschliesslich der gesitlichen Musik .


    Mir persönlich geht es insgesamt so , dass ich mit zunehmendem eigenen Alter Karajans Visionen in seinen Interpretationen eher verstehe als dies in meiner Schüler- und Stundentenzeit der Fall gewesen ist .


    Und : man muss den Maestro schon , so dies möglich gewesen ist , in der Oper u n d in dem Konzertsaal erlebt haben .


    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen : auch ich habe Karjan mich herb enttäuschen d erlebt . Aber auch er muss für sich reklamieren dürfen , dass er , auch bedingt durch seine nicht wenigen schweren oft mit schwersten Schmerzen verbundenen Krankheiten , auch einmal "schwache" Tage haben durfte .


    Seine OPERN - Aufnahmen reichen für mich , soweit ich dies im Augenblick sagen kann , von einem grossartigen"le Nozze di Figaro" ( EMI ) bis zu seiner intensiven Auseinandersetzung mit "Un ballo in maschera" ( DG ) an seinem Lebensende .


    Herausragend bleiben für mich seine Leistungen in den 1950er Jahren ( etwa seine Berliner "Lucia" mit Maria Callas ) und den 196oer Jahren ( etwa sein legendärer "Il Trovatore" in Salzburg mit Franco Corelli , E. Bastianini , L. Price ) , die gotlob mitgeschnittenen Interpretationen der "Bohème" ( mit Freni ) in Wien wie der "Traviata" ( mit Anna Moffo in der Mailänder Scala ) .


    Ein fulminanter "Don Carlo" ( und auch sein Don Carlo" in Salzburg , der mit einem sehr überzeugendenden F. Furlanetto als einem eher intellektuell - kontemplativen Philipp mich jedenfalls grösstenteils immer überzeugen kann ; DVD ) .


    Ein Hinweis zu seiner "Bohème" mit Freni , Pavarotti ( Decca ; CDs ) : Ich finde , dass es bessere Aufnahmen gibt ( vor allem die mit Gianni Raimondi und Mirella Freni oder auch die Einspielung mit Callas und di Stefano ) .


    Sehr hörenswert , trotz Carlo Maria Giulinis Aufnahme des Requiems von Verdi ( Schwarztkopf , Gedda et al. ) finde ich die verfügbaren Aufnahmen durch Karajan .


    Sein Zugang zu den Symphonien von Sibelius ( wie dessen Violinkonzert mit einem grossartigen Christian Ferras ; alle DG ) wird an anderer Stelle besprochen .


    Brahms' F-Dur-Symphonie ist eine der herausragenden Interpretationen durch Karajan .


    Seine Mendelsssoh - Bartholdy - Einspielungen halte ich nach wie vor für unübertroffen .


    Sehr krtisch höre ich seine Beethoven - Zyklen wie seinen Schumann .
    Dasselbe gilt für Franz Schubert . Dieser Hinweis , damit auch angedeutet wird , , worin ich Karjans schwächere Aufnahmen höre .


    Überzeugend Bruckners 7te ( EMI wie DG ) .


    Bei den Konzerten :


    Herausragend innerhalb des repertoires :


    alle seine Aufnahmen mit dem viel zu früh gestorbenen Christian Ferras !


    Dann die Beethoven - Klavierkonzerte Nr. 4 G - Dur mit Alexis Weissenberg sowie das C - Dur - Klavierkonzert .


    Daneben das c-Moll-Klavierkonzert von Sergey Rachmaninov .


    Herausragend auch das B - Dur - Klavierkonzert mit Geza Anda .


    Viele Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Die besten Opern wurden fast alle schon genannt, bleibt noch:



    Verdi: Messa da Requiem


    Aufnahme: 16.1.1967, live, Milano
    Dirigent: Herbert von Karajan
    Orchestra del Teatro alla Scala Milano
    Coro del Teatro alla Scala Milano


    Alt-Solo: Fiorenza Cossotto
    Bass-Solo: Nicolai Ghiaurov
    Sopran-Solo: Leontyne Price
    Tenor-Solo: Luciano Pavarotti


    Eine Aufnahme, die Geschichte geschrieben hat. :jubel: :jubel:


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Karajan war erfolgsorientiert, professionell, ehrgeizig und er neigte zu Perfektionismus. Das war sein Markenzeichen. Genau das wird ihm in den Augen der vielen Kritiker zur Last gelegt. Ich frage mich "Warum"? Ist es Neid? Weil man selbst leider nicht so ist?


    Eine gute Frage.
    Perfektionismus ist ja heute vielen ein Gräuel, perfekt polierter Schönklang - Karajan trieb ihn oft bis zum Exzess ebenso. "Sein Publikum" jedoch war süchtig nach diesem Sound, der bis in feinste durchgearbeitet war, und wo Eleganz das Maß aller Dinge war. In einer Zeit, wo Mittelmaß gerne zum gültigen Maßstab erklärt wird - und allu Perfektes auf Mißtrauen und Widerwillen stößt - da verschieben sich die Dinge natürlich.


    Tun sie das wirklich ?
    Immer noch ist Herbert von Karajan DAS Zugpferd der Deutschen Grammophon Gesellschaft - allen seinen Hassern zum Trotz.


    In diesem Forum - dem ich vorstehe - wurde über H v.K von einer Gruppe "Exmitglieder" ziemlich zerzaust, was natürlich auch viele abgeschreckt haben mag, sich hier anzumelden. Karajan-Befürworter worden vergrault - und ich habe weggesehen - um des liebens Friedens willen.


    Das tut mir heute leid.


    Um es festzuhalten : Ich war nie ein kritikloser Anhänger Karajans, seinen Barock - und auch seinen Mozart-Aufnahmern (mit Ausnahme von Opern) vermochte ich nie etwas abzugewinnen - aber das war letztlich nicht sein Kernrepertoire....


    Eine weitere Aufnahme - sie wird gern vernichtet - schon weil sie angeblich keine Gnade vor s.Richters Augen gefunden hat - sei hier als eine meiner Lieblingsaufnahmen erwähnt:


    Beethovens Tripelkonzert


    Die Aufnahme ist immerhin 40 Jahre alt und hat noch immer nichts von ihrer Frische und Ausdruckskraft eingebüsst



    Deshalb hat sie auch etliche später eingespielten "Jahrhundertaufnahmen" überlebt und behauptet sich noch immer im Katalog....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Um es festzuhalten : Ich war nie ein kritikloser Anhänger Karajans, seinen Barock - und auch seinen Mozart-Aufnahmern (mit Ausnahme von Opern) vermochte ich nie etwas abzugewinnen - aber das war letztlich nicht sein Kernrepertoire....


    "Kritiklosen Anhang" hat Karajan eben so wenig "verdient" wie "pauschale Ablehnung". Beides ist zwar sehr en vogue, verhindert imo aber eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Dirigenten.


    Wenn es uns gelänge, über Karajan zu diskutieren wie über so gut wie fast alle anderen Dirigenten auch, dann hätte dieses Forum unendlich viel gewonnen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Das sehe ich auch so, lieber Norbert. Generationsbedingt ist Karajan durchaus ein Begleiter meiner jugendlichen Musikleidenschaft gewesen: man kam an ihm nicht vorbei. Zwar habe ich in den 1970ern eher Partei für Karl Böhm ergriffen, was mich aber nicht davon abgehalten hat, einzelne Karajan-Platten in die Reihe der mir unverzichtbaren aufzunehmen. Die habe ich zwar hier schon verschiedentlich gepostet, nenne aber zwei explizit auch hier:



    Aus dieser Sammlung die 5. Sinfonie. Das Wort "Schönklang" greift hier eigentlich nicht. Karajan erzeugt einen perfekten Orchesterklang. Und tut noch mehr: Tempi, Schwingungen, all das ist in dieser Einspielung schlicht vollkommen.


    Und da nehme ich gleich noch eine Platte mit Tondichtungen von Sibelius hinzu. Allerdings nicht die Digital-Aufnahme, sondern die ältere aus den 1960ern.


    Sodann aber Mendelssohn: die Sinfoniene Nr. 1 und 2. Enthalten in dieser Box:



    Hier muss ich der guten Ordnung halber festhalten, daß das eine Einspielung ist, die in den mittleren 1970ern im Rundfunk immer wieder gespielt wurde. Und Mendelssohn-Sinfonien kamen da nicht so oft vor. Die erste unter Karajan aber regelmäßig. Bis auf den heutigen Tag hat diese Aufnahme nichts an Reiz für mich eingebüßt. Eine bessere habe ich bislang nicht gefunden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.


  • Giacomo Puccini:
    Madame Butterfly
    Maria Callas, Nicolai Gedda, Lucia Danieli, Mario Borriello, La Scala Orchestra, Herbert von Karajan


    Zitat

    Zu den Glanzpunkten dieser Aufnahme gehört natürlich die Callas, die über ihre kaum diskutierbaren Qualitäten als Sängerin hinaus die Rolle der jugendlichen Butterfly wirklich bezaubernd und überzeugend darstellt. Ebenso überzeugen Gedda als Pinkerton und der mir vorher nicht bekannte Mario Borriello als Sharpless (!!!).
    Zu den Glanzpunkten ist aber auch das Dirigat Herbert von Karajans zu rechnen. Ich empfinde es als vital und schwungvoll, gleichzeitig aber auch sensibel und so zurückhaltend, dass sich die Solisten wunderbar in diesem Rahmen entfalten können. In einer Rezension habe ich das Attribut „kammermusikalisch“ als Charakterisierung von Karajans Orchesterführung gelesen. Das Ergebnis ist eine anrührende und wunderschöne Einspielung.


    Freundliche Grüße Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Die Karajan-Liste müßte sehr lang werden.


    Vieles ist schon genannt worden -
    * Beethoven (bei mir auch aus klanglichen Gründen gerne der 1977er-Zyklus);
    * Sibelius 4-7 auf DG (aber auch gerne als Ergänzung die späteren EMI-Aufnahmen);
    * Schostakowitsch 10;
    * Mendelssohn auf DG (aber nicht nur die von Thomas genannten Sinfonien 1 -2, sondern ganz herausragend auch 3 und 5, die Reformationssinfonie);
    * Brahms - Sinfonien (für mich klar nur die zupackenden DG-Analogaufnahmen);
    * Schumann - Sinfonien (wobei die Sinfonie Nr.3 eine meiner liebsten Aufnahmen ist).



    Hinzufügen möchte ich der Liste meiner liebsten Karajan-Aufnahmen:


    Honneger: Sinfonie Nr.3 (DG);
    Richard Strauß: Tod und Verklärung (Decca, 1960);
    Richard Strauß: Ein Heldenleben (DG, 1959);
    *** noch nie zuvor hat mich ein gesamter Zyklus, nachdem ich die Werke mit einem anderen Dirigenten (Jochum) kennenlernte, so begeistert und umgehauen, wie die
    Bruckner - Sinfonien (DG).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Alfred ,



    bei der EMI ist Herbert v. Karajan ( mit Maria Callas und mit den Beatles ) immer noch das finanzielle Zugpferd schlechthin .


    Dies gilt gerade auch für das oft diskutierte "Tripelkonzert" von Beethoven mit dem Disput zwischen Karajan und Svjatoslav Richter .


    Karajan und sein Mangement waren eben auch tüchtige Geschäftsleute . Und wieviele Menschen haben an den Erfolgen Karajans mitverdient ! Dies sollte man ausdrücklich betonen .


    Über seine Interpretationen sollte man schon diskutieren . Nicht dagegen immer mit der Personalie v. Karajan beginnen .
    Ich finde persönlich , dass das Thema "Karajan" durch die Biographie von R. Osborne und das Kapitel "Karajan" in Michel Glotz' "la note bleue. Une vie pou la musique" ( 2002 ) offensichtlich soweit befriedigt worden ist , das "neue Details " in weiteren Büchern schon gar nicht mehr wahrgenommen werden .


    Und die jahrzehntelange leistungsbereitschaft auf allerhöchstem Niveau unter zum Teil sehr schwierigen gesundheitlichen Bedingungen : Wer kann sich da so schnell neben v. Karjan messen ?


    Viele Grüsse ,


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zu Karajans Wagner-Aufnahmen habe ich ein recht zwiegespaltenes Verhältnis.


    Die EMI-Stereoaufnahmen des Lohengrin und fliegenden Holländers gefallen mir orchestral wenig. Sie sind "klangfett" und "zu knallig" in den Blechbläsern.


    Ganz anders behandelte Karajan bei seiner ersten Begegnung mit diesem Orchester Wagners "Zauberharfe", die Staatkapelle Dresden. Hier läßt Karajan erheblich feinsinniger und differenzierter aufspielen als in beiden oben genannten Einspielungen.


    Zwar trifft Theo Adam in der Titelpartie der Meistersinger von Nürnberg nicht jedermanns Geschmack (meinen schon), auch empfinde ich Geraint Evans als Beckmesser fehlbesetzt, aber unterm Strich gibt's doch eine Kaufempfehlung:


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich gehe zurück zur Sinfonik. Durch diverse (negative) Karajan-Querschüsse hier am Brett bin ich auf seine Einspielung der 10. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch aufmerksam geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich von Karajan in diesem musikalischen Umfeld nicht vermutet. Aber: weit gefehlt. Diese Einspielung der 10. Schostakowitsch-Sinfonie dürfte wohl kaum übertroffen werden können. Völlig begeisternd und absolut aberwitzig gespielt: der 2. Satz.



    Gibt's auch heute noch als LP (mit der ist das Bildchen auch verlinkt). Also, Leute kauft Plattenspieler.....


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    Diese Einspielung der 10. Schostakowitsch-Sinfonie dürfte wohl kaum übertroffen werden können. Völlig begeisternd und absolut aberwitzig gespielt: der 2. Satz.


    Ganz meine Meinung! Und was Karajan im 2. Satz mit den Berlinern bietet ist nicht allein Orchestervirtuosität auf höchstem Niveau - zu hören ist also nicht nur ein Bravourstück, zu dem es in vielen anderen Aufnahmen wird und womit die eigentliche Aussage, nämlich die Dämonie Stalins zum Ausdruck zu bringen, allzu oft glänzend in ihr Gegenteil verkehrt wird -, vielmehr gelingt es Karajan hier, in der rasenden Musik und der spieltechnischen Finesse der Berliner zugleich den verbrecherischen Furor, mit dem Stalin wütete, zum Ausdruck zu bringen. Hier kann man Stalin in der Gestalt des Teufels förmlich zwischen den Stuhlreihen tanzen hören! Grandios!


    Loge

  • Hallo Loge und Thomas,


    In Eure Begeisterung für die Spitzenqualität von Karajans Interpretation der Sinfonie Nr.10 möchte ich voll mit einstimmen.
    Das ist eine CD die seit vielen Jahren meine Schostakowitsch-Sammlung erfreulich ergänzt. Dabei habe ich schon oft bedauert, das sich Karajan nicht auch weiteren Schostakowitsch-Sinfonien angenommen hat !



    Ich möchte jedoch darauf aufmerksam machen, das Karajan die Sinfonie Nr.10 zwei mal auf DG aufgenommen hat.
    Die von Thomas gezeigte LP ist die erste Aufnahme in Analogtechnik (das genaue Aufnahmedatum liegt mir nicht vor, weil ich nur die Digitale habe). Sie müßte aus den 60-70er-Jahren sein.
    @ Thomas: Man braucht keinen Plattenspieler um diese Aufnahme kennenzulernen zumal die LP kaum irgendwo noch greifbar ist.
    *** Die Analogaufnahme ist diese DG-CD
    mit den Spielzeiten 22:07 - 04:12 - 11:22 - 13:44 :



    DG, ADD



    *** Die Bekanntere und weitverbreitete Digitalaufnahme ist diese DG-CD
    mit den Spielzeiten 22:35 - 4:16 - 11:44 - 13:03 :


    ...
    DG, 1982, DDD


    Karajan war immer Klangtechnisch sehr interessiert und war natürlich nach Einführung der CD darauf bedacht dieses von ihm hochgeschätze Werk auch digital auf CD zu bannen.
    Ich denke die interpretorischen Qualitäten dürften bei beiden CD´s auf gleich hohem Niveau liegen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von teleton
    Ich möchte jedoch darauf aufmerksam machen, das Karajan die Sinfonie Nr.10 zwei mal auf DG aufgenommen hat.

    DG, ADD


    teleton , ich bezog mich auf diese frühere (analoge) Aufnahme aus den 60igern. Beide Aufnahmen haben ihre Vorzüge. Allerdings finde ich gerade im 2. Satz die frühere Aufnahme einmalig gelungen. Die spätere (digitale) ist da glatter, sublimierter. Das Böse, Diabolische kommt nicht so heraus. Wenn ich allein an die finsteren, unerbittlich streichenden Bässe im 2. Satz der früheren Aufnahme denke... :faint:


    Loge

  • Liebe Azucena ,


    insgesamt auch meine bevorzugte Aufnahme von "Carmen" . Das ist dann im Laufe der Jahre so selbstverständlich , dass man dies zu erwähnen vergisst .


    Auch Robert Merrill ud Mirella Freni sind hervorragend .


    Etwas störend ist der Chor wegen des doch nicht korrekten Französisch . Da Karajan bekanntlich sehr frankophil gewesen ist ( :jubel: ) wäre er mit dem Chor der Pariser Oper besser beraten gewesen .


    Ansonsten aber auch nach all den Jahren eine auch klangtechnisch herausragende Interpretation !


    Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Gegen Sänger und Orchester habe ich eigentlich nichts einzuwenden.
    Was mich stört ist, dass Karajan hier die Fassung mit den nachkomponierten Rezitativen von E. Guiraud singen läßt.
    Heutzutage wird - wie bei der Opera Comique obligatorisch, die Fassung mit gesprochenen Dialogen verwendet.
    Später hat das Karajan auch gemacht - allerdings hat er (bei der DGG-Aufnahme 1983) französische Schauspieler sprechen lassen, deren Timbre keine Ähnlichkeit mit den Sängerstimmen hatte!



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Meine Lieblingsaufnahmen mit Herbert von Karajan habe ich ja ab und an schon an anderer Stelle im Forum benannt.


    Hier sind noch einmal zusammengefasst:



    Auf dieser CD mit Kompositionen von Sibelius und Grieg passt für meinen Geschmack alles.
    Besonders hervorheben möchte ich das mächtig und strahlend gespielte "Finlandia", das mir, obwohl es ja ein zuviel gespielter Gassenhauer für Kurorchester geworden ist, in dieser Interpretation immer wieder unter die Haut geht.
    Die Merkmale des Karajan-Klangs ( strahlend, voll, majestätisch-gross, drängend-kernig, glanzvoll) kommen diesem Stück unbedingt zu Gute.


    Wunderschön auch "Valse triste" und der schwebende "Schwan von Tuonela".


    Die Holberg-Suite profitiert ebenso vom saftigen Streicherklang, während die Stücke aus Peer Gynt sicher auf sehr hohem Niveau gespielt wurden, mir es aber etwas an "seelischer Wärme" fehlt, die ich hier deutlicher in Neville Marriners EMI-Einspielung nachempfinden kann.


    Desweiteren mag ich diese Aufnahmen





    der Beethoven-Sinfonien, wobei mir hier die Sechste nicht so viel zu sagen hat.
    Bei den anderen der genannten Symphonien gefällt mir Karajans Gespür für eine nach vorne drängende Dramatik sehr. Auch seine typische Klangvorstellung kommt etwa der Neunten, aber auch der Fünften ( vor allem der Finalsatz!) m.E. entgegen.


    Besonders gut wirkt dieser Klang aus meiner Sicht auch für Wagner.
    Hier möchte ich diese CD als eine meiner Lieblingsaufnahmen nennen:



    Die Tannhäuser-Ouvertüre (+Venusberg-Bacchanal) wird hier grandios mächtig, würdevoll, temperamentvoll und lebendig musiziert. Der Klang hat eine sehr grosse Tiefe und Breite.
    Für Wagner klingt das m.E. ideal.


    Überhaupt meine ich, dass man Karajans Musizieransatz schätzen und gleichzeitig ein Harnoncourt-Anhänger sein kann.
    Es kommt eben ganz auf die Literatur an.
    Wenn es um Musik geht, auf die die aufführungspraktischen Grundlagen der "Klangrede" anzuwenden sind
    ( z.B. Bach, Händel, Mozart, auch noch Einiges von Beethoven, den ich aber auch als Bindeglied zu späteren Stilen höre), dann sind Karajans Aufnahmen für meine Begriffe mehr oder weniger kaum anzuhören und Harnoncourts Interpretationen vorzuziehen, gerade bei Bach.


    Aber wenn die Musik flächiger wird ( wie z.B. Wagner oder Sibelius) dann kann sein ineinandergehendes Legato und der süffige Klang für meinen Geschmack sehr gut passen und angenehm klingen.
    Die Presse hat Harnoncourt ab den 70ern ja gerne als "Gegen-Karajan" aufgebaut, was aber niemals in der Absicht Harnoncourts war, der ja selbst viel unter Karajan bei den Wiener Symphonikern spielte und ihn meines Wissens oft als "genialen Orchestererzieher" bezeichnete.
    Den frühen Karajan nannte er einmal auch ausdrücklich als eines seiner Beeinflussungen für seine Interpretationen der Beethoven-Symphonien.


    Bei den von mir absolut favorisierten Brahms-Symphonien unter Abbado höre ich eigentlich den nahezu gleichen vollen Karajan-Klang der Berliner Philharmoniker, hier allerdings von der musikalischen Interpretation her ausdrucksvoller und weniger tendenziell langweilend-eingeebnet wie bei Karajan selbst.
    Als schlecht kann ich aber Karajans Brahms-Aufnahmen keineswegs bezeichnen. In ihrer Zeit waren sie meine Lieblingsinterpretationen.



    In seiner Spätphase, in die ja auch die Zeit des nicht ganz störungsfreien Verhältnisses zu den Berlinern fällt, war vielleicht nicht jedes der Konzerte von Karajans ein Highlight.


    Eines war es aber auf alle Fälle, und obwohl ich nur einmal im Jahr diese Musik ertragen kann, finde ich, dass es sehr gut gespielt wurde und man diese Aufnahme nennen muss:



    Dieses erstaunlich spritzig gespielte Neujahrskonzert gibt es natürlich auch als CD.



    Gruss :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Zitat

    Bei den von mir absolut favorisierten Brahms-Symphonien unter Abbado höre ich eigentlich den nahezu gleichen vollen Karajan-Klang der Berliner Philharmoniker, hier allerdings von der musikalischen Interpretation her ausdrucksvoller und weniger tendenziell langweilend-eingeebnet wie bei Karajan selbst.
    Als schlecht kann ich aber Karajans Brahms-Aufnahmen keineswegs bezeichnen. In ihrer Zeit waren sie meine Lieblingsinterpretationen.


    Hallo Glockenton,


    bei den Brahms - Sinfonien mit Karajan mußt Du unter Zwei seiner DG-Einspielungen unterscheiden.
    Auf seine späten DDD-Einspielungen bei DG aus den 80ern trifft Deine oben zitierte Aussage eher zu. Die sind von einer inneren Ruhe gekennzeichnet, die zum Beispiel von einem Forianer aus Insbruck (a.b.) sehr geschätzt wird.


    :angel: Die analogen ADD-Aufnahmen der Brahms - Sinfonien von 1978, liegen dagegen bei mir voll im Trend. Diese habe ich erst sehr spät kennengelernt, weil ich mit anderen GA (Klemperer, Solti, Szell, Bernstein (DG) und dann auch viel später Bernstein (SONY)) ausgelastet war.
    :yes: Umso überraschter war ich dann als ich Karajan´s hochdramatische vorwärsdrängende Brahms-Sicht in den Aufnahmen (DG, 1978, ADD) kennenlernte. Seitdem gehört diese Brahms-Sinfonien-GA zusammen mit Bernstein(SONY), Solti und Szell zu meinen Favoriten.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    ein bis 3 Tonaufzeichnungen dieses Dirigenten auszuwählen und vorzustellen - jene, die Euch besonders gefallen und Euch beeindruckt haben...... ung gegebenenfalls auch warum


    Ich war und bin kein bedingungsloser Bewunderer des "Generalmusikdirektors Europas" - aber mit der Aufgabe konfrontiert drei und nur drei Tondokumente auszuwählen war ich etwas überfordert. Ich beschränke mich daher auf die 3 Opernaufzeichnungen die mir besonders gefallen/die mich beeindruckt haben - und schon hier muss ich Einspielungen wie etwa Il Trovatore, Don Carlos, Otello, Falstaff, I Pagliacci/Cavalleria, Madama Butterfly, Tosca, Boris Godunow, Le nozze di Figaro, Cosi fan tutte, Ariadne auf Naxos, Der Rosenkavalier, Salome, Elektra - unberücksichtigt lassen.


    Hier also meine Top Drei (für heute):


    Wagner: Die Meistersinger von Nürneberg (1951 - Bayreuth):
    Schwarzkopf, Malaniuk, Hopf, Unger, Kunz, Edelmann, Pflanzl, ...


    Im Eröffnungsjahr der Bayreuther Festspiele nach dem Krieg standen Karajan erstklassige Sänger zur Verfügung - doch das gilt auch (bei besserer Klanqualität) für seine Dresdner Einspieleung von 1970 der selben Oper). Doch für mich bringt dieses Festspieldokument einen emotionalen Wert "herüber", der für mich in der Studioeinspielung fehlt - eine "deutsche" Oper, wie die Meistersinger nun einmal sind, ("Was deutsch und echt ...") ohne jede Deutschtümelei - sachlich, ohne Gefühlskälte, mit federnden Tempi ohne jede Klagverfettung, spannend und klar realisiert. Noch vor anderen ausgezeichneten Einspielungen wie etwa die unter Kempe, Knappertsbusch (Bayreuth 1960), Karajan (1970) und Sawallisch, für mich die Nummer eins.


    Donizetti: Lucia di Lammermoor (1955 - Berlin):
    Callas, di Stefano, Panerai, Zaccaria, ...


    Karajan mit den Kräften der Mailänder Scala, allen voran die Callas, in Berlin:
    Was di Stefano unter Karajan an Disziplin, an Stimm- und Stilkultur präsentiert (man vergleiche nur mit der Studioeinspielung unter Serafin) überrascht - dass die Callas 1955 live ein Ergeignis war überrascht weniger und dass Panerai zu Unrecht als Donizetti-Sänger (Belcanto!) bei der Studioeinspielung zu Gunsten von Gobbi "vergessen" wurde, beweist dieses Klangdokument - schade nur, dass die Klangqualität nicht ganz so gut ist wie die künstlerische. Für mich jedenfalls das geschlossenste Callas- Dokument der Lucia und noch vor den Aufnahmen mit Sutherland, Gruberova oder etwa Studer bzw. Dessay "die" Lucia!


    Puccini: La Boheme (1972 - Berlin): Freni, Harwood, Pavarotti, Panerai, Maffeo, Ghiaurov, ...


    Die Einspielung der Boheme ist das gelungendste Beispiel für den grandiosen "Vermarkter" Karajan: In Salzburg eine Premiere - die Gesamteinspielung hier bei Decca - es fehlt eigentlich nur noch die Videoproduktion.
    Mit der Freni steht Karajan eine nahezu ideale Interpretin der Mimi zur Verfügung, die gerade unter ihm immer zu Höchstleistungen fähig war - die ihn schätzte und bewunderte, die für und unter ihm selbst Partien wie die Elisabeth und die Aida übernahm - Als Rodolfo hören wir den idealen Partner für die Freni, den im Zenit seiner stimmlichen Fähigkeiten stehenden Pavarotti. Auch die "Nebenrollen" sind erstklassig besetzt (ein Leckerbissen: Die Mantelarie von Ghiaurov). Und nicht zu letzt erleben wir einen Karajan, der mit seinen Berlinern einen prachtvollen Klangteppich ausrollt, auf dem Musette prächtig verführen, Mimi und Rodolfo ergreifend lieben und leiden können - trotzdem, mit dem besten Opernorchester der Welt, den Wienern, wie live inn der Staatsoper oder in Salzburg, das wäre es erst! Trotzdem, für mich gemeinsam mit der Einspielung unter Beecham der klare Kauftipp.

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)