Karajan - Meine liebsten Aufnahmen

  • Meine Lieblingsaufnahmen sind


    -Die Mendelssohn Sinfonien

    - Tschaikowsky Sinfonien

    -Schumann Sinfonien

    - Brahms Sinfonien Der 77/78er Jahre Zyklus

    -Das deutsche Requiem

    -Mozart Requiem

    -Beethoven Missa Solemnis

    -Verdi Requiem

    -Die Fledermaus

    -Parsifall Live

    -Mahler Sinfonien Nr.5 und 6

    -Strauss die vier letzten Lieder

    und vieles mehr.

    Was ich nicht so mag ist seinen Beethoven und Bruckner.

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Was ich nicht so mag ist seinen Beethoven und Bruckner.

    Die Sinfonien-GA gerade bei Beethoven sollte man nicht ingesamt über einen Kamm scheren.

    Kennst Du einen, der Beethovens Fünfte besser und packender dirigiert ? Das wären meine Lieblingsaufnahmen (alle auf DG).

    Auch die Sinfonie Nr.6 (DG, 1982, DDD) entspricht genau meiner Vorstellung, auch was das zügige Tempo angeht, bei dem er von fast allen Anderen abweicht.

    Ich würde sagen Beethoven Sinfonie Nr. 3 - 5 - 6 - 7 - 9 sind mit Karajan herausragend.


    Bei Bruckner würde ich sogar sagen: Wenn ich eine Bruckner-Sinfonien-GA von allen (für die Insel) auswählen müsste ... ich würde Karajan (DG) nehmen !

    Die Vierte empfinde ich als den absoluten Hammer.

    Bin aber froh dennoch Alternativen zu haben.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Die 5.Sinfonie finde ich, da wird zu viel abgehetzt.

    Bei der 6. Sinfonie merkt man, das Karajan die nicht leiden konnte.

    Wenn man die 9 Sinfonie von allen Karajan Aufnahmen vergleicht kommen alle schlecht davon wie ich finde.

    Besonders der 4. Satz die Sängerinnen singen abgehackt und man merkt das der Chor nicht so lust hatte. Selbst das Finale ist richtig misslungen, da gibt es viel bessere Alternativen wie z.B

    Wand

    Fricsay

    Szell

    abendroth

    Bernstein

    Furtwängler

    Kontwitschny

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Bei der 6. Sinfonie merkt man, das Karajan die nicht leiden konnte.

    die Sängerinnen singen abgehackt man merkt das der Chor nicht so lust hatte


    Interessanter Nebenaspekt (unabhängig vom konkreten Fall Karajan jetzt) den Du da ansprichst:


    Dirigenten nehmen des Vollständigkeitszwanges halber (oder weil die Plattenfirma es so wünscht) Werke auf, die sie eigentlich nicht wirklich mögen.


    Vertraglich engagierte Chöre/Sänger erfüllen eine ihnen eher lästige Pflicht.


    Muss das künstlerische Ergebnis für den Hörer zwangsläufig unbefriedigend ausfallen?


    Ich werde mal drüber nachdenken. smilie_denk_09.gif


    LG...MDM :hello:

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Hallo Klassikfan1,


    …. schön und gut, Deine Liste, aber einiges solltest Du doch präzisieren, damit man weiß, was gemeint ist:


    1) Tschaikowsky-Sinfonien: Es gibt einen Zyklus (DGG), außerdem aber zahlreiche Einzelaufnahmen, z.B. Sinfonien Nr. 4-6 (Philharmonia Orchestra/EMI, 1950er, Berliner Philh./DGG 1960er, Wiener Philh./DGG 1980er),

    2) Brahms: Requiem (1964 & 1984/DGG, 1947 & 1976 (EMI),

    3) Beethoven: Missa solemnis (1958 & 1974, EMI, 1965 & 1980er (DGG),

    4) Mozart: Requiem (1961, 1975 & 1980er, DGG)

    5) Verdi: Requiem (1972 & 1984, DGG)

    6) Strauss: Vier letzte Lieder (mit Janowitz, mit Tomova-Sintow (beide DGG)


    Da gibt es nämlich nicht nur klanglich erhebliche Unterschiede, auch die Interpretationen unterscheiden sich z.T. sehr, und die Sänger-Besetzung spielt nicht zuletzt auch eine Rolle. Meine Angaben sind unvollständig, vor allem habe ich weder Live-Mitschnitte noch DVD-Ausgaben berücksichtigt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Kennst Du einen, der Beethovens Fünfte besser und packender dirigiert ?

    Lieber Wolfgang,


    nein, ich kenne keinen einzigen, der es mit Karajans Berliner Aufnahme von 1962 aufnehmen könnte! Noch nicht einmal er selber: die Londoner Aufnahme von 1954 kann klanglich nicht mithalten (Mono), und die von 1977 bzw. 1985 erreichen auch nicht mehr das einzigartige Fluidum der 1962er, die mitreißend, geradezu überwältigend gelungen ist. Da bleibt (für mich) selbst Carlos Kleiber mit seiner legendären Aufnahme von 1975 (DGG) auf der Strecke!

    Die 5.Sinfonie finde ich, da wird zu viel abgehetzt.

    Von Hetze kann da m.E. wirklich keine Rede sein, Karajan erfaßt mit fast nachtwandlerischer Sicherheit genau, was und wie es der Komponist sagen wollte. Wucht und Präzision seiner Auffassung trifft für mich den Kern des Werkes.

    Auch die Sinfonie Nr.6 (DG, 1982, DDD) entspricht genau meiner Vorstellung, auch was das zügige Tempo angeht

    Hier gehen allerdings unsere Geschmäcker weit auseinander, lieber Wolfgang!

    Ich kenne allerdings Karajans letzte Aufnahme von 1982 nicht, aber sowohl die von 1962 als auch die von 1977 (beide DGG), sowie die alte Londoner von 1953 (EMI). Doch ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich vermute, daß sich seine letzte Version nicht deutlich von den mir bekannten abhebt.

    Zunächst einmal empfinde ich die Mißachtung fast aller Wiederholungen gerade in diesem Werk als groben Mangel (das "Lustige Beisammensein der Landleute" wirkt hier beinahe wie "amputiert"), und mit den Tempi kann ich mich genauso wenig anfreunden ("Gewitter & Sturm" ausgenommen!). Da halte ich es doch immer noch mit der unübertroffenen Tonmalerei in Furtwänglers EMI-Einspielung von 1952, oder, um neuere Stereo-Fassungen zu nennen, mit Bruno Walter (CBS, 1959), Klemperer (1957, EMI) oder Böhm (aus der DGG-GA von 1970), die alle in eine blühende Frühlingslandschaft versetzen und den blühenden Wiesen und grünenden Zweigen am Wegesrand ihre Beachtung schenken. Karajan hingegen scheint mir die Landschaft und ihre Schönheit wenig zu bedeuten, er braust mit seinem Cabrio-Porsche an all diesen Schönheiten vorbei und genießt vielleicht die frische, würzige Frühlingsluft, doch für die Umgebung hat er kaum ein Auge! Auch das mag natürlich seine Reize haben, aber für mich verjagt seine Auffassung fast alles, was gerade diese Sinfonie an Landschaftsmalerei in reicher Fülle zu bieten hat.

    Ich bin, wie schon mehrfach betont, nicht gerade ein Karajan-Jünger, aber viele, ja die weitaus meisten seiner Aufnahmen sind in meiner Sammlung, und es gibt nur wenige, auf die ich verzichten wollte. Beethovens Pastorale allerdings läßt mich in seiner Interpretation ziemlich enttäuscht und ratlos zurück …..

    Bei der 6. Sinfonie merkt man, das Karajan die nicht leiden konnte.

    So weit würde ich nicht gehen, das glaube ich eigentlich auch nicht. Doch mit seiner Lesart kann ich mich leider nicht anfreunden.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • C. Kleiber ist besser in der 5., aber es ist eine der besten Karajans. (E. Kleiber ist transparenter als beide, trotz Mono, das geht allerdings etwas zu Lasten der "Wucht", was aber auch am Alter der Aufnahme liegt.) Die 1962er 9. finde ich allein wegen der Sänger auch sehr gut. Den Rest größtenteils weder besonders herausragend noch besonders schlecht. Es sind normalerweise die typischen Vorteile (meistens einigermaßen vernünftige Tempi, "Schwung", wenig Mätzchen, mächtiger, "runder" Klang) und Nachteile (mäßige Durchhörbarkeit (Klangwand), Stromlinie, manchmal so viel Legato, dass Rhythmus kaum zu erkennen, wie etwa im allegretto der 7.) dieses Dirigenten vertreten. Und ja, bei der 6. ist für mich der 3. Satz ohne Wdh. auch problematisch, weil der Volkstanzcharakter und die Unterbrechung durch das Gewitter so kaum deutlich werden. (Die 6. höre ich aber eh kaum noch, insofern...). Dern Kopfsatz aus der 6. mag ich mit HvK immer ganz gern, noch aus Nostalgie, ungeachtet Porsche Cabrio und fehlender Rustikalität, weil das meine erste Begegnung mit dem Stück auf LP war.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • C. Kleiber ist besser in der 5., aber es ist eine der besten Karajans. (E. Kleiber ist transparenter als beide, trotz Mono, das geht allerdings etwas zu Lasten der "Wucht", was aber auch am Alter der Aufnahme liegt.)

    Lieber Johannes Roehl,


    Carlos Kleibers Aufnahme der Fünften ist selbstverständlich herausragend, aber mir geht es da ähnlich wie Dir bei der Pastorale, da spielt die Nostalgie mit, weil mich die Karajan-Aufnahme von 1962 geprägt hat!

    Da Du Erich Kleiber erwähnst: seine Mono-Aufnahmen der Eroica (mehr noch die mit dem CGO von 1950 als die spätere aus Wien), der 5., 6. & 7. (alle mit dem CGO Amsterdam) sind ganz große Klasse, da kann ich gerne auf den Stereoklang verzichten! Auch die Neunte mit den Wiener Philharmonikern ist gut, doch hier vermisse ich wieder den Stereoton, weil mir vor allem der Chor zu kompakt aus den Lautsprechern kommt. Trotzdem: ein Kleiber-Dokument!


    Und ja, bei der 6. ist für mich der 3. Satz ohne Wdh. auch problematisch, weil der Volkstanzcharakter und die Unterbrechung durch das Gewitter so kaum deutlich werden.

    So ist es! Was Karajan sich dabei gedacht hat, wird mir ewig unverständlich bleiben. Immerhin hat er in der 1977er Version diesen Fauxpas nicht wiederholt, aber sowohl 1953 in London wie 1962 in Berlin kürzt er den 3. Satz und bringt ihn damit um seine Wirkung. Wie er es in seiner letzten (digitalen) DGG-Aufnahme hält, weiß ich nicht, sie liegt mir nicht vor.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • RE: Beethoven - Pastorale mit Karajan (DG, 1982)

    Zunächst einmal empfinde ich die Mißachtung fast aller Wiederholungen gerade in diesem Werk als groben Mangel (das "Lustige Beisammensein der Landleute" wirkt hier beinahe wie "amputiert"), und mit den Tempi kann ich mich genauso wenig anfreunden ("Gewitter & Sturm" ausgenommen!).

    Ja, wir müssen ja auch nicht immer einer Meinung sein. Ich schätze auch viele andere Aufnahmen, wie Bernstein, Szell, Solti, Leibowitz nur jetzt als kleine Auswahl.

    Aber die Sinfonie Nr.6 in Karajan´s letzter Aufnahme ist noch extreemer, als die beiden auf DG, die Du kennst und hast (DG, 1962 und 1977); EMI, Mono 53 interessiert mich nachvollziehbar nicht. Mir gefällt die forsche Herangehensweise auch ohne Wdh und es gibt kaum eine Aufnahme mit einem noch heftigeren Gewitter. Was Whd angeht, bin ich nicht so anspruchsvoll und kann gut und gerne darauf verzichten.

    Schaut man sich Karajans Spielzeiten (9:04 - 10:19 - 3:08 - 3:23 - 8:25) an, so sieht man da schon, das die "Anders" ist --- :) ich mag es genau so !


    Auf der anderen Seite freut mich aber auch, dass wir bei der Fünften einer Meinung sind. Das ist nebenbei auch die Aufnahme (DG, 1962) mit der ich auf LP meinen genialen Beethoven 5 - Einstieg hatte ...:saint: besser konnte man nicht an Beethoven herangeführt werden.

    :?:Zu zügig oder gehetzt, wie Klassikfan meint ? Antwort: Ganz und gar nicht !



    RE: Beethoven Sinfonie Nr.5

    C. Kleiber ist besser in der 5., aber es ist eine der besten Karajans.

    Man liesst dies immer wieder ... aber das ist Deine subjektive Meinung und keine feststehende Tatsache. Was heisst schon "besser". Ich habe diese Kleiber-CD mit den Sinfonien Nr.5 und 7 (DG) auch; beide Sinfonienaufnahmen stehen bei mir im Mittelfeld und von beiden Sinfonien kenne und habe ich Aufnahmen, die mir weit mehr gefallen und liegen als diese "hochgeputschten" Kleiber-Aufnahmen:

    Lassen wir mal Karajan aussen vor --> bei der Fünften Bernstein/Bayerisches RSO (DG, 1976) oder auch Solti/WPO (Decca, 1960); bei der Siebten P.Järvi (SONY DVD 2010) ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ja, wir müssen ja auch nicht immer einer Meinung sein.

    Aber die Sinfonie Nr.6 in Karajan´s letzter Aufnahme ist noch extreemer, als die beiden auf DG, die Du kennst und hast (DG, 1962 und 1977). Mir gefällt die forsche Herangehensweise auch ohne Wdh und es gibt kaum eine Aufnahme mit einem noch heftigeren Gewitter. Was Whd angeht, bin ich nicht so anspruchsvoll und kann gut und gerne darauf verzichten.

    Lieber Wolfgang,


    … das sehe ich auch so.


    Wie gesagt, die letzte digitale Karajan-Aufnahme liegt mir nicht vor, ich habe sie auch wissentlich nie gehört.

    Das "Gewitter" habe ich nicht ohne Grund von meiner Kritik ausgenommen, es ist in der Tat kaum zu toppen. Und was die Wiederholungen betrifft, so bin auch ich keineswegs da pingelig oder anspruchsvoll, aber im "lustigen Beisammensein der Landleute" vermisse ich sie denn doch schmerzlich, weil aus diesem Satz dadurch fast, zumindest in meinen Ohren, ein Torso wird.


    Auf der anderen Seite freut mich aber auch, dass wir bei der Fünften einer Meinung sind. Das ist nebenbei auch die Aufnahme (DG, 1962) mit der ich auf LP meinen genialen Beethoven 5 - Einstieg hatte: besser konnte man nicht an Beethoven herangeführt werden.

    Mein allererster Einstieg war es nicht, das war die Monoaufnahme mit Böhm (DGG, 1953). Aber es war meine erste Stereo-Aufnahme der Fünften: ein wahres Erweckungserlebnis! Ich habe die LP rauf und runter gehört, fast täglich, manchmal mehrmals, bis ich selber eine Pause brauchte ….

    Böhms alte Aufnahme war gut, aber längst nicht so mitreißend - was auch, aber nicht nur am Monoklang lag. Karajan ist und bleibt für mich bei Beethovens 5. unerreicht!


    LG und ein schönes Wochenende nach Bonn,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Für mich stand Karajans Einspielung von Beethovens Fünfter von 1962 auch jahrelang auf dem Podium. Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter. Sie hat schon wirklich einen unglaublichen "Drive", wie er das später nicht mehr erreicht hat (ich weiß, teleton sieht das etwas anders). Sie ist vom Konzept her nicht unähnlich der berühmten Schubert Neunten aus den 60ern, die allerdings noch umstrittener ist. Die entfaltete Sogwirkung geht auf Kosten mancher Details. Damit kann man leben.



    Ich würde Bernstein mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (DG, 1976) heute vorziehen, denn diese Aufnahme ist wirklich absolut "Hammer" und auch besser als seine bekanntere Wiener Aufnahme von 1977. (Die Beschriftung der Box ist etwas missverständlich, denn mit The Amnesty International Concert sind Beethovens Leonore III, die Fünfte und das Klavierkonzert Nr. 4 mit Arrau gemeint.) Noch ein Wort zu C. Kleiber: Diese Scheibe mit Nr. 5 und 7 ließ mich persönlich immer seltsam kalt. Ich habe mit diesem Dirigenten aber auch ein ganz persönliches Problem und halte ihn für überschätzt. Nur weil jemand ein sehr kleines Repertoire hat, bedeutet das nicht automatisch, dass er für jedes der Werke der absolute Überinterpret ist. Mir fiele keine einzige Aufnahme von C. Kleiber ein, die ich meilenweit vor anderen Interpretationen sähe.

    Eine wirklich ausgezeichnete Fünfte legte übrigens Klaus Tennstedt 1990 mit dem London Philharmonic Orchestra vor:




    Aber gerade bei diesem Werk, der Symphonie der Symphonien, gibt es so viele nennenswerte Aufnahmen, dass es mir heute schwerfällt, da eine als die allerbeste herauszugreifen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hier (Beitrag #5) habe ich ein paar Anmerkungen zu E. Kleiber, C. Kleiber und Karajan (1961/62 DG) gemacht und warum ich Kleiber für besser halte; ich dachte, ich hätte auch mal noch mehr im Thread zur 5. Sinfonie, aber da finde ich nur noch knappere Anmerkungen.

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  • Dirigenten nehmen des Vollständigkeitszwanges halber (oder weil die Plattenfirma es so wünscht) Werke auf, die sie eigentlich nicht wirklich mögen.

    Hallo MDM,


    …. das kann man Karajan eigentlich nicht vorwerfen. Es gab Werke, die er niemals aufgenommen hat. Drei fallen mir auf Anhieb ein:


    1) Brahms: Klavierkonzert Nr. 1

    2) Sibelius: Sinfonie Nr. 3

    3) Händel: Der Messias (Messiah)


    Karajan war ein bedeutender Brahms-Dirigent, fast alle Orchesterwerke des Komponisten hat er mehrfach eingespielt, aber vom 1. Klavierkonzert gibt es weder eine Aufnahme noch einen Mitschnitt. Warum, weiß keiner. Jedenfalls hat Karajan sich dazu nie eindeutig geäußert.

    Von Sibelius hat er alle Sinfonien, die meisten mehrmals, aufgenommen, aber die Dritte nicht. Zur Erklärung hat er gesagt, daß er das Werk nicht verstünde (was nicht ganz einleuchtend ist). Für einen Musiker seines Ranges, der ja viel kompliziertere Werke verstanden und aufgeführt hat, hört sich das merkwürdig an.

    Händels MESSIAH, ein Chorwerk, das eigentlich für ihn wie geschaffen wäre, wurde gleichfalls von ihm links liegen gelassen, zumindest existiert keine Aufzeichnung. Ob er es je öffentlich aufgeführt hat, ist mir nicht bekannt.


    Karajan könnte man viel eher vorhalten, daß er manche Werke viel zu oft, in manchen Fällen unnötig häufig, aufgenommen hat, so einige Brahms- und Tschaikowsky-Sinfonien. Das hat er aber immer mit den Fortschritten der Aufnahmetechnik erklärt, obwohl ich z.B. zwischen seinem 1962er und dem Beethoven-Sinfonien-Zyklus von 1976/77 keine großartigen Klangunterschiede feststellen kann. Manche Entscheidungen sind eben schwer nachvollziehbar.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zitat von nemorino

    3) Händel: Der Messias (Messiah)

    Gott sei Dank:!:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Die Beschriftung der Box ist etwas missverständlich, denn mit The Amnesty International Concert sind Beethovens Leonore III, die Fünfte und das Klavierkonzert Nr. 4 mit Arrau gemeint.

    Lieber Joseph II.,


    manchmal bekommt man die Antwort auf eine Frage, die man gar nicht gestellt hat:)!


    Ich habe mich immer gewundert, daß dieses Amnesty Concert nie auf CD erschienen ist, vor allem, weil es sonst keine Aufnahmen bzw. Mitschnitte Arrau/Bernstein gibt. Oder irre ich mich da?

    Trotzdem werde ich mir die Box nicht kaufen, denn es sind überwiegend Stücke, die mich nicht sonderlich interessieren. So z.B. die "Ode an die Freiheit", die zwar dokumentarischen Wert haben mag, aber ich bin sicher, daß ich mir Beethovens Neunte in diesem Mitschnitt nicht zweimal anhören würde. Und die "Missa" mit dem CGO Amsterdam fand ich schrecklich gefühlsbetont und überzogen, so bliebe praktisch nur das 4. Klavierkonzert übrig, und dafür ist mir die Box zu teuer.


    Ich danke aber für den Hinweis.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Als "Vorwurf" würde ich es nicht sehen. (Und auch andere Dirigenten, zB Haitink, haben eingeräumt, bestimmte Werke nur eingespielt zu haben, damit es eine GA wird.) Aber meines Wissens hat Karajan zB bei Mendelssohn, Schumann und Bruckner etliche Sinfonien nur für die GA eingespielt und (fast?) nie im Konzert dirigiert. Insofern ist die überraschende Unvollständigkeit bei Sibelius und die Selektivität bei Mahler nur eine Seite.

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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Wir entfernen uns vom Thema Karajan - aber trotzdem jetzt OT zu nemorinos Zitat

    Ich habe mich immer gewundert, daß dieses Amnesty Concert nie auf CD erschienen ist, vor allem, weil es sonst keine Aufnahmen bzw. Mitschnitte Arrau/Bernstein gibt. Oder irre ich mich da?

    Trotzdem werde ich mir die Box nicht kaufen, denn es sind überwiegend Stücke, die mich nicht sonderlich interessieren. So z.B. die "Ode an die Freiheit", die zwar dokumentarischen Wert haben mag, aber ich bin sicher, daß ich mir Beethovens Neunte in diesem Mitschnitt nicht zweimal anhören würde.

    Lieber nemorino,


    diese Bernstein-Amnesty-Box (DG) hat mehr zu bieten, als Du denkst. :yes: Ich bin sehr froh diese zu besitzen.


    Hier mal die Gegendarstellung zu deiner Aussage und Deiner Nennung der Stücke (die Stücke die Du nennst höre ich daraus auch soweit kaum):

    Es sind exemplarische Beethoven-Werke darin enthalten:

    *** Erst mal die Sinfonie Nr.5 in der wohl mitreissensten Aufnahme mit dem Bayerischen RSO (DG, 1976) - die ist alleine der Kauf Wert. Josef und ich wissen, welche Emotionen sich dort abspielen ... :hail:

    *** Das eigentliche Amnesty-Konzert mit der Leonore III, KK Nr.4 mit Arrau und eben der Fünften ... wunderbares Konzert !

    *** Die Sinfonie Nr.7 mit dem Boston SO ist die letzte Aufnahme seines Lebens ... gut, ich finde sie zu ausgedehnt langsam zelebriert, aber letztendlich ein packendes Zeitdokument ...

    *** Alle nenneswerten Ouvertüren mit den Wiener PH -- die sind auch in der entsprechenden Sinfonien-GA enthalten

    *** Die Streichquartette op.131 und 135 in den Fassungen für Streichorchester (mit den WPO). op.131 hielt Bernstein für eines seiner besten Aufnahmen.

    *** Diese Neunte ist schon ein Dokument der Wiedervereinigung, die man mal hören und haben sollte.

    *** OK, mit der MISSA kenne ich mich nicht so aus, aber wenn Du schreibst, dass die Bernstein-Aufnahme sei stark gefühlsbetont ist, dann finde ich das eher angemessen als andersherum zu kühl.


    :hello: 8) So und jetzt sag nicht, dass das Werke sind, die Dich nicht so interessieren !



    Nun aber wieder zu Karamalz !!!

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • So und jetzt sag nicht, dass das Werke sind, die Dich nicht so interessieren !

    Lieber Wolfgang,


    …… keine Bange, ich komme gleich auf Karajan, dem dieser Thread ja gewidmet ist.


    Natürlich interessieren mich die Werke, und auch die Aufnahmen sind zum Teil durchaus erstrebenswert, aber so richtig interessiert mich nur


    Das eigentliche Amnesty-Konzert mit der Leonore III, KK Nr.4 mit Arrau und eben der Fünften ...

    ….. und das ist denn doch zu wenig, um mir die Box anzuschaffen. Wie Du selber sagst, man kann einfach nicht alles kaufen, schon des fehlenden Platzes wegen. Und mir noch einmal die Sinfonien Nr. 5 & 7 oder die Ouvertüren von Beethoven ins Regal zu stellen, die dort schon in x-Ausführungen vertreten sind, ist mir nicht genügend Anreiz. Streichquartette für Orchester adaptiert sind, pace Lenny, auch nicht mein Ding, und seine MISSA aus Amsterdam finde ich grauenhaft. Bliebe die Neunte aus Anlaß der Maueröffnung, als Zeitdokument sicher wertvoll, aber musikalisch keine echte Bereicherung.


    Und jetzt schleunigst zurück zu Karajan!

    Im Titel wurde nach den "liebsten Aufnahmen" gefragt. Davon gibt es für mich eine Unzahl, die alle aufzuführen den Rahmen sprengen würde. Deshalb nenne ich jetzt eine, die nie so recht die Würdigung erfahren hat, die sie IMO verdient hätte:

    BEETHOVEN: Missa Solemnis, Op. 123

    Elisabeth Schwarzkopf (Sopran), Christa Ludwig (Mezzosopran), Nicolai Gedda (Tenor), Nicola Zaccaria (Baß),

    Singverein der Gesellschaft für Musikfreunde Wien, Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Herbert von Karajan (Aufnahme: 9/1958, Wien, STEREO).


    Die Aufnahme stand unter einem ungünstigen Stern. Der Produzent, Walter Legge, war mit "seinem" Orchester extra für diese Aufnahme nach Wien gereist, doch, wie er später bekannte, kamen seine Techniker nicht so recht mit der Akustik des Großen Musikvereinssaals zurecht, so daß zunächst nur die Monofassung auf den Markt kam. Als man endlich auch die Stereoversion technisch so weit im Griff hatte, daß sie veröffentlicht werden konnte, kamen schon wenig später Klemperers Einspielung sowie die neuere DGG-Produktion Karajan mit den Berliner Philharmonikern heraus, so daß die Aufnahme einen schweren Stand hatte.

    Wie auch immer, ich persönlich habe Beethovens "Opus summum" mit dieser Aufnahme erstmals kennengelernt, und sie ist bis heute, trotz neuerer, technisch reiferer Versionen, meine Lieblingsaufnahme des Werks geblieben. Das Solistenquartett ist von erlesener Güte, der oft gescholtene Chor der Musikfreunde singt mit Präzision und Wucht, und das Philharmonia Orchestra war Ende der 1950er Jahre unbestritten eines der besten in Europa. Nicht zuletzt dank Karajan, der das von Legge gegründete Ensemble ab 1948 zu einem Präzisionsinstrument erster Klasse formte.

    TESTAMENT hat, nachdem die Aufnahme lange gar nicht auf CD greifbar war, 1998 von EMI/Columbia die Lizenz zur Veröffentlichung erworben und als 2 CD-Album herausgebracht. Es enthält außerdem noch die gleichzeitig aufgenommene "Prager" Sinfonie von Mozart sowie ausführliche (fast 40 Minuten dauernde) Ausschnitte von den umfangreichen Proben, in denen Karajan souverän abwechselnd auf deutsch (mit dem Chor) und englisch (mit dem Orchester) seine Vorstellungen von dem Werk vermittelt. Außerdem liegt ein umfangreiches mehrsprachiges Booklet bei. Eine hochinteressante Ausgabe, die leider z.Zt. nicht gerade günstig zu haben ist.


    LG Nemorino




    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ohne Probenbonus und Mozart gibt es die Missa Solemnis (weiß nicht, ob stereo) auch noch bezahlbar hier


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  • Danke für den Hinweis, lieber Johannes Schlüter!


    meines Wissens hat Karajan zB bei Mendelssohn, Schumann und Bruckner etliche Sinfonien nur für die GA eingespielt und (fast?) nie im Konzert dirigiert.

    Lieber Johannes Roehl,


    soweit mir bekannt ist, hat Karajan von Mendelssohn nur die Sinfonien Nr. 3 & 4 im Konzertsaal aufgeführt, von Schumann nur die Nr. 4 und von Bruckner die Nr. 4, 5, 7, 8 & 9. Die DGG hat ihn über mehrere Jahre vergeblich gebeten, auch die übrigen Sinfonien einzuspielen, weil man unbedingt einen kompletten Zyklus haben wollte. Schließlich hat er, wie es in einer seiner Biographien heißt, ziemlich widerwillig diesen Wunsch erfüllt. Ähnlich war es mit Tschaikowsky: die Sinfonien Nr. 4 bis 6 standen bei Karajan immer hoch im Kurs, die frühen 1-3 hat er nur für die Schallplatte aufgeführt.

    Schostakowitsch: Einzig die Sinfonie Nr. 10 hat bei ihm Gnade gefunden, die hat er sogar dem Komponisten in Moskau mit seinen Berliner Philharmonikern präsentiert, und sie sogar zweimal im Studio aufgenommen, erstmals 1966 und später, 1981, noch einmal digital:

     

    wobei sich beide Interpretationen kaum voneinander unterscheiden; auch klanglich sind die Unterschiede marginal.


    Wie Wolfgang Stresemann, seinerzeit Intendant der Berliner Philharmoniker, in seinem Karajan-Buch "Ein seltsamer Mann" berichtet, hatte Karajan angekündigt, Schostakowitschs 9. Sinfonie in der Berliner Philharmonie aufzuführen, doch als der Termin näherrückte, blieb es wieder bei der Nr. 10.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich muß mich korrigieren: Karajan hat ein einziges Mal Schumanns Zweite öffentlich aufgeführt, in der Berliner Philharmonie, und zwar unter großem Beifall.


    Wie Wolfgang Stresemann berichtet, hat er, als er vom Podium kam, nur vor sich hin gemurmelt: "Nie wieder!" Warum, dieses Geheimnis hat er für sich behalten ….


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Liszt: Tasso

    Eine meiner absoluten Lieblingsaufnahmen Herbert von Karajans und m. E. wohl sogar die beste dieses Werkes ist die der Symphonischen Dichtung Tasso von Franz Liszt.



    Die LP sah früher so aus:


    51u9WsgCoeL._SL500_.jpg


    Entstanden ist sie für die DG mit den Berliner Philharmonikern im November 1975 in der Philharmonie in Berlin.


    Für mein Dafürhalten handelt es sich dabei um Karajans gelungenste Liszt-Einspielung neben seiner frühen Stereoaufnahme von Les Préludes mit dem Philharmonia Orchestra. Die beiden späteren Neuauflagen für die DG fallen dagegen ab.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Liszt: Fantasie über ungarische Volksmelodien mit Cherkassky/Karajan

    Auf der Oben abgebildeten Liszt/Karajan-Doppel-CD sollte man auch eine der besten Aufnahmen der Fantasie über ungarische Volksmelodien mit Shura Cherkassky nicht vergessen.


    Dazu zitiere ich diesen Ausschnitt aus einer Rezension:

    Zitat

    Cherkassky war ein Glücksfall gerade für dieses Werk, und Karajan und die Berliner Philharmoniker steuern eine derart brillante "Begleitung" bei, daß man ganz einfach begeistert sein muß. Beide Künstler bleiben dem Stück nichts schuldig, und die Klangtechnik ist noch heute, über 50 Jahre später, staunenswert. Wenn Cherkassky nur diese eine Aufnahme hinterlassen hätte, so wäre sein Nachruhm für alle Zeiten gesichert. Mit wahrer Leidenschaft und souveräner Virtuosität stürzt er sich in das Stück, das in dieser Kombination in eine Reihe mit der legendären Aufnahme der Liszt-Klavierkonzert mit Richter/Kondrashin (Phi) zu stellen ist.

    Ich habe seit Jahrzehnten diese Einzel-CD ... leider ohne Tasso ...


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    DG, 1960, ADD



    :jubel: Da Tasso und der Mephistowalzer Nr.1 mit Karajan so überragend sein sollen, habe ich kurzerhand die Medimöpse für sehr wenig Geld "bemüht" (für die DG-Doppel-CD). Ich kenne nämlich von Tasso nur die Aufnahmen von Haitink und Masur ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang