Fidelio Premiere in Augsburg

  • Musikalische Leitung: Rudolf Piehlmayer
    Inszenierung: Karl Kneidl


    Kostüme: Okarina Peter
    Dramaturgie: Juliane Votteler
    Einstudierung der Chöre: Karl Andreas Mehling
    Don Fernando: Jan Friedrich Eggers
    Don Pizarro: Christian Tschelebiew
    Florestan: Wolfgang Schwaninger
    Leonore: Sally du Randt
    Rocco: James Moellenhoff
    Marzelline: Sophia Christine Brommer
    Jaquino: Roman Payer
    1. Gefangener: Laszlo Papp
    2. Gefangener: Erik Frithjof Grotz



    Hier meine subjektiven Eindrücke:


    Freitag 29. Mai 09 Fidelio – Premiere in Augsburg: ich war verblüfft! So etwas habe ich lange nicht gesehen – oft mußte ich grinsen, weil hier jemand als Regisseur auftritt und n. m. M. seinen Offenbarungseid leistet. Die Inszenierung ist durchgehend Schmiere.


    Herr Karl Kneidl ist wohl ein sehr erfahrener und erfolgreicher Bühnenbildner – aber hier hat er sich wohl ins falsche Metier verlaufen.
    Schon das Bühnenbild ist daneben. Der 1. Akt ist komplett zugebaut, so dass die Sänger nur noch ganz eng an der Rampe agieren, eigentlich nur unmotiviert stehen.


    Da hat er ein Halbrund an bühnenhohen dunklen Quadern geschaffen, die ständig mit der Drehbühne kreisen – als Idee könnte es ganz gut sein, für welchen dramatischen Ansatz auch immer – aber es war nur störend und irritieren. Im 2 Bild blieb auch nur eine kleine Breite an der Rampe, ansonsten waren die Bühnenversätze hinten hochgefahren.


    ES gab überhaupt keine Personenregie, überhaupt keinen interpretatorischen Ansatz, der Text war ganz entsetzlich „sozusagen im sängerischen Unvermögen“ naturbelassen. Warum hat man da nicht gearbeitet?


    Der Regisseur hat einen ungeschickten Mischmasch aus Versatzstücken unterschiedlicher Epochen gebastelt – kann auch ganz gut sein – aber es müßte ein großer Faden erkennbar sein. Ein Porsche, Marzelline mit roten Stöckelschuhen und romantischen Kleid – bügelt übrigens zu Beginn und bei Ihrer Arie (Vielleicht auch Synonym für die Regie – die hat nämlich das Stück glattgebügelt), Kostüme unentschieden heutig oder 18. Jahrhundert, aber in Richtung real.


    Und dann kommen die Gefangenen, das fand ich zum Schreien komisch. Allein deren Auftritt war bemerkenswert lächerlich –es waren Quasimodo /Frankenstein-Monster Imitate, hatten Buckel, überdimensionale Wattefüsse (nimmt man ja im Moment gern bei der einen oder anderen Inszenierung). Diese Personen waren völlig überschminkt surreale Figuren – kann ja auch gut sein – hier wirkte es allerdings als Bruch und unfreiwillig komisch.


    Nur noch eins: Die Florestan Arie hat der Regisseur auch noch beschädigt, indem er ihn mit jeder Menge langer Ketten behängte und die klirrten munter vor sich her.


    Zu den Sängern: Florestan (Schwanninger) war sehr gut, ebenso die Marzelline, Jaquino (kleine Stimme) hat utriert und seine Partie veralbert (fehlende Personenführung), -Rocco hatte ganz ordentliche Stimme, leider keine Höhe, Pizarro sah toll aus, bester Sprecher leider ohne Höhe und Tiefe, Leonore verfiel in der Tiefe in die Sprechstimme. Fernando war kein guter Sänger.


    Musikalische Leitung (Herrn Pielmayer) fand ich ausgezeichnet.

    Einmal editiert, zuletzt von Opernfreund ()

  • Tja, lieber Opernfreund,
    solch ausgefallene Inszenierungen schaue ich mir nicht mehr an! Ich habe Fidelio vor Jahren mal hier in Kassel, im Opernhaus gesehen - und war ziemlich enttäuscht, was sich mir vom Bühnenbild her und von den Kostümen bot. :motz:
    Wenngleich sich Florestan in einem Kerker ähnelndem Raum befand, so war aber auch er in Ketten geschlagen. Ein weiteres Bühnenbild bot einzig einen großen hölzernen Panzer, an eine Seifenkiste erinnernd, um den herum die Sängerinnen und Sänger agierten. ?(
    Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern wer die Inszenierung leitete, aber es muss noch zu Intendant M. Leinerts Zeit gewesen sein.
    Was die Augsburger Inszenierung betrifft, so würde mich die Rezension der dortigen Presse interessieren.
    Mit heiteren Pfingstgrüßen,
    Diotima. :hello:

  • Da hilft nur eines: Augen zu, Ohren auf.


    Zum Glück hast Du mehrheitlich gute/sehr gute Interpreten gehabt. Stell' Dir vor, die wären so "far beside" wie die Inszenierung

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")