Christian Thielemann – Meine liebsten Aufnahmen

  • Obwohl er von manchen als der größte lebende Wagner-Dirigent angesehen wird, ist die Liste seiner Aufnahmen sehr überschaubar, wie sein Repertoire generell, was ihm die einen vorwerfen, die anderen aber positiver sehen.


    Die Rede ist von Christian Thielemann. Kaum ein lebender deutscher Dirigent ist umstrittener als er.


    Doch soll es hier nicht um die Person Thielemann gehen, sondern um die Aufnahmen.


    Welche mögt ihr besonders? Welche darf man nicht verpassen?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe nur eine Thielemann-CD. Aufmerksam auf diese Aufnahme wurde ich durch vernichtende Kritiken und durch die z.T. spannende Diskussion hier bei TAMINO.


    Sie gefällt mir. Ich höre sie gern.




    Bruckner: Symphonie Nr. 5
    Künstler: Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann
    Label: DGG , DDD, 2005



    Von der Kritik wird u.a. bemängelt, dass hier alles sehr dick und schwülstig aufgetragen, in die Länge gezogen und der Spannungsbogen nicht gehalten wird, sondern das Werk sich in kleinere Einheiten auflöst.


    Vermutlich stimmt das. Das kann ich nicht beurteilen. Diese Aufnahme ist für mich so etwas wie die "Herr der Ringe"-Filme, in die man sich reinsetzt und von den Bildern und der Handlung aufgesogen wird. So geht es mir bei dieser Bruckner-Einspielung.


    Das sind jetzt keine sehr qualifizierten Bemerkungen, ist mir schon klar. Genau so unqualifiziert ist das, was ich nach Kauf und Hören der CD schrieb. Ich stehe auch jetzt noch dazu.



    Das Hören dieser CD ist ein bisschen so etwas wie ein Vollbad in Marabu-Schokolade oder Portwein.


    Ich empfinde diese Aufnahme als sehr romantisch, manchmal wird die Kitschdrüse etwas zu weit aufgedreht. Mit fast 84 Minuten kann man über mangelnde Belegung der CD nicht meckern. Diese Langsamkeit ergibt herrliche Passagen, z.B. im zweiten Satz. Manchmal habe ich als Laie den Eindruck, dass der Spannungsbogen nicht gehalten wird - oder um es mit Worten aus dem Bereich der Literatur zu sagen: der Handlungsfaden reißt ab, der Erzählfluss fließt nicht.


    Die Einspielung ist sehr stimmungsvoll, man hört viele wunderbare details, die ich bei anderen z.T. nicht richtig gehört habe. Aber manches wird auch etwas zu stark ausgekostet und überdehnt. Manchnes Laute klingt etwas zu bombastisch. So gefällt mir der Schluss des 4. Satzes und der Sinfonie nicht besonders. Hier werden nur noch volle Breitseiten abgegeben. Vielleicht wäre hier ein bisschen weniger in Wirklichkeit mehr gewesen.


    Der Begleittext wartet zunächst mit einem Porträt über Thielemann auf und reiht von Ostpreussischen Alleen, masurischer Landschaft, der Marienburg usw. allerhand Klischees auf, um CT zu charakterisieren. Das Gemeinte dahinter wird schon auch deutlich, aber dennoch bleibt die Darstellung im Vordergründigen. Ich kann mir vorstellen, dass Bruckner-Erfahrene und -kenner (das bin ich durchaus nicht!"), die Einspielung der Sinfonie so empfinden, wie ich das Booklet.



    Da diese CD meine einzige Thielemann-Aufnahme ist, ist sie natürlich auch meine liebste Aufnahme.


    Freundliche Grüße von der südlichen Nordsee, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“


  • Diese Aufnahme hätte man sicher auch auf dem Obersalzberg gerne gehört :pfeif:


    Thielemann ist vollkommen indiskutabel, da sein ästhetischer Output vom Ideologischen vorgeprägt ist


    Grüße aus dem Wiesengrund

  • Zitat

    Original von wiesengrund
    Diese Aufnahme hätte man sicher auch auf dem Obersalzberg gerne gehört :pfeif:


    Was genau ist an dieser Aufnahme (ich kenne sie nicht) so NS-haft? Dürfte man dann nicht auch Furtwänglers Beethoven nicht anhören?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Thielemann ist vollkommen indiskutabel, da sein ästhetischer Output vom Ideologischen vorgeprägt ist


    Seine Plattenfirma - die Deutsche Grammophon Gesellschaft - schon auf Grund ihrer Besitzverhälnisse über jedem Verdacht des rechten Gedankenguts erhaben :D sieht das aber anders !!!


    Seit Jahren macht sie ihrem Künstler die Mauer
    ebenso wie ihrem Zugpferd Karajan
    Und sie weiß warum


    Das Imiage, welches Herrn Thielemann umgibt hat ja nicht er - sondern seine Feinde aufgebaut. Daß ihm das genützt - und nicht geschadet hat ist eine jener Imponderabilien mit denen man eben rechnen muß wenn man Leute anschwärzen will......


    Ansonsten bitte ich einmal mehr die Politik aus dem Spiel zu lassen
    Musik an sich ist frei von jeder Ideologie.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Vorab: Ich halte Thielemann für den bedeutendsten lebenden Wagner-Interpreten, noch vor Levine.


    Was wurde nicht schon für Unsinn im Forum in der Vergangenheit über ihn verzapft.


    Daß seine Aufnahmen meist nicht in der Spitzengruppe genannt werden, liegt weniger an ihm, als vielmehr an den oftmals mittelmäßigen Sängerleistungen, für die Thielemann nun reichlich wenig kann. Wie wurde etwa sein "Parsifal" hier z. T. heruntergemacht. Gerade hörte ich das erste Mal hinein: Orchestral ist das eine Sternstunde! Da mag Herr Domingo noch so mäßig singen und die Tontechnik noch so schlecht sein für 2006.



    Schade, daß es so wenige Opern-Gesamtaufnahmen von Thielemann gibt, m. W. nur "Parsifal" und "Tristan". Sie sollten endlich Studio-Aufnahmen mit ihm von sämtlichen Wagner-Opern machen ...

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Mein Schwiegervater schwärmt vom Mozart-Requiem.
    Ich habe mir letzte Woche die Schumann-Aufnahmen mit dem Philharmonia-Orchester gekauft. Schön, besonders die selten aufgeführten Ouvertüren und das Konzertstück für vier Hörner.
    Ich finde die Alpensymphonie mit WPO hervorragend.

  • Wie kommt es eigtl., daß es so wenige Aufnahmen mit Thielemann gibt? Sucht man bei Amazon, findet man nun wirklich nicht allzu viel.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Dr. Ommers Gesamtverzeichnis aller Opernaufnahmen enthält mit Stand 2007: 35 Opern-Gesamtaufnahmen unter Thielemann - teils allerdings Importware (USA, z. B. seine berühmten "Meistersinger" aus Chicago....), aber auch den kompletten Bayreuther Tankred-Dorst-Ring von 2006 und von 2007.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Das hat wohl einerseits mit seinem so oft angeprangerten begrenzten Repertoire zu tun, dann damit, dass er ja lang genug kein "eigenes" Orchester hatte (und es in Berlin viel Ärger gab).
    Mittlerweile ist es aber gar nicht mehr so wenig. Strauss, Beethoven, Brahms, Mozart, Schumann, Wagner, Pfitzner, Bruckner.
    Weil er jedes Jahr eine neue Brucknersinfonie in München aufführt, denke ich, dass da auch noch mal was kommt.


    Es gibt, glaube ich, sogar eine Debussy-CD.

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Dr. Ommers Gesamtverzeichnis aller Opernaufnahmen enthält mit Stand 2007: 35 Opern-Gesamtaufnahmen unter Thielemann - teils allerdings Importware (USA, z. B. seine berühmten "Meistersinger" aus Chicago....), aber auch den kompletten Bayreuther Tankred-Dorst-Ring von 2006 und von 2007.


    LG


    :hello:


    Vielen Dank! :jubel:


    Wo kann man dieselben denn bestellen?


    Liebe Grüße
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid


  • Es gibt in USA mehrere Spezialversender für diese Aufnahmen. Hier oder auch hier sind nur Beispiele.


    LG Harald :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Das meiste was zu Thielemann gesagt und geschrieben wird, all die Versuche ihn in irgendeine Lade zu schieben, all das ist doch - im Wittgenstein`schen Sinne - sinnlos. Davon bin ich überzeugt. Mit dieser Erkenntnis habe ich mich vor einiger Zeit von ihm und den Berliner Philharmonikern durch eine 1.Brahms ziehen lassen, und es war faszinierend, von Höhepunkt zu Höhepunkt geführt zu werden, mit vollstem Einsatz ohne Rücksicht auf das Ganze.


    Die Einspielung mit den Münchnern kommt dem Erlebten sehr nahe:



    Und ich werde mir diese kleinen Ausritte, weg von HIP etc, weiterhin ab und zu mit Freude gönnen. Vor allem freue mich schon auf die Aufführung aller Beethoven-Symphonien an 4 Tagen im Dezember 2010 hier in Berlin, Thielemann mit den Wiener Philharmonikern.


    :pfeif:

  • Na also, geht doch.
    Endlich mal jemand, der sich freut, dass ein Dirigent ein tatsächlich klassisches Kernrepertoire hat und das auch gut macht.


    Beethoven mit Thielemann und den Wiener Philharmonikern... Hast du noch Karten übrig???


    Habe ihn schon in München mit den MPHIL gehört und es ist wirklich schön.


    Viel Spaß!

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Beethoven mit Thielemann und den Wiener Philharmonikern


    Finde auch, daß das gut klingt.


    Wo finden die Konzerte denn genau statt?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Andrew
    Von der Kritik wird u.a. bemängelt, dass hier alles sehr dick und schwülstig aufgetragen, in die Länge gezogen und der Spannungsbogen nicht gehalten wird, sondern das Werk sich in kleinere Einheiten auflöst.


    Ich habe diese Symphonie in der Berliner Philharmonie mit dem BPO gehört und hatte denselben enttäuschenden Eindruck.


    Ich habe Thielemann auf -zig Proben erlebt und konnte ihm damals schon nicht viel abgewinnen. Ich kann nicht nachvollziehen, was an ihm so großartig sein soll. Was die Kritik oben sagt, kann ich nur unterstreichen: schwülstig und ohne Bogen. Stückwerk.


    Bruckner und Wagner zumindest kann Marek Janowski m.E. viel besser.


    :hello:
    M.

  • Zitat

    Ich habe Thielemann auf -zig Proben erlebt und konnte ihm damals schon nicht viel abgewinnen. Ich kann nicht nachvollziehen, was an ihm so großartig sein soll. Was die Kritik oben sagt, kann ich nur unterstreichen: schwülstig und ohne Bogen. Stückwerk.


    Da hoffe ich aber, dass du kein großer Knappertsbusch-Fan bist. Da wären die Proben wohl noch enttäuschender gewesen ;).

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Da hoffe ich aber, dass du kein großer Knappertsbusch-Fan bist. Da wären die Proben wohl noch enttäuschender gewesen ;).


    Bin ich tatsächlich nicht, ich kenne allerdings auch nicht seine Proben... schon gar nicht aus eigener Anschauung... :D
    Knappertsbusch probte wie Thielemann?


    Schönen Gruß!
    M.

  • @ Luis.Keuco und Joseph II:


    Die Konzerte finden am 1., 2., 4. und 5. Dezember in der Philharmonie in Berlin statt. 2010, wohlgemerkt!! Ausser in Berlin gibt es das angeblich nur noch in Wien und Paris. Bei der Neunten wirken unter anderem Anette Dasch, Robert Holl und der phänomenale Rundfunkchor Berlin mit.


    Karten giibt es noch nicht, noch nicht einmal die Preise.


    Aber ich bin natürlich am Ball.


    MfG

  • Ich besitze zwar von Thielemann - man möge mir dies angesichts des Thementitels verzeihen - keine Bruckneraufnahme, doch kann ich auf ein Live-Erlebnis mit den Münchner Philharmonikern zurückgreifen, dass mich die angeführte Kritik mit Unverständnis lesen lässt.


    Über meine Begeisterung bei diesem Konzert habe ich an anderer Stelle bereits berichtet, hier insbesondere über die dadurch entfachte Begeisterung für Bruckners Symphonien im Allgemeinen.


    Nun hier nochmals ein Auszug:


    Zitat

    Original von novecento
    ...Dann schlließlich, im April diesen Jahres, hörte ich Bruckners 3te in der Urfassung mit den Münchner Philharmonikern unter dem Dirigat Christian Thielemanns. Schon von der ersten Note an überwältigten mich die anstürmenden Klangmassen, der Wechsel zwischen zarter Melodik und schierer orchestraler Wucht fesselte mich in einer bisher ungekannten Weise. Die vier Sätze durchlebte ich in einem Zustand äußerster Konzentration, die mir die Symphonie bis ins Detail zu erschließen schien, als hielte ich einen Schlüssel zu dieser Musik in Händen.
    Nach 80 Minuten von etwas, was mir den Begriff "Überwältigungsästhetik" im hellsten Licht erscheinen lässt, denn überwältigt war ich, gab mir der enthusiastische Schlussapplaus ob Thielemanns fulminantem Dirigat die Zeit, aus Bruckners herrlichen Welten aufzutauchen. Aufzutauchen, um den Abend in einer nicht oft erlebbaren, fast ekstatisch guten Laune zu beschließen, beflügel, befreit, voll von Energie.
    Auf die Frage, was mich an Anton Bruckner fasziniert, gab es in diesem Moment nur ein, universale Antwort:


    Seine Musik


    Diese Euphorie wurde auch maßgeblich durch Thielemanns Dirigat hervorgerufen, ich besitze das Werk auch auf CD unter Inbal, doch vieles an Details, aber gerade auch die großen Zusammenhänge erschlossen sich mir erst bei Thielemann. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, dass der Eindruck entstehen kann,dass der "Spannungsbogen nicht gehalten wird, sondern das Werk sich in kleinere Einheiten auflöst."
    Als Stückwerk habe ich das keinesfalls empfunden, es war für mich die perfekte Symbiose aus analytischer Detailierungskunst und emotionalem Gesamtkunstwerk.
    Wenn etwa im letzten Satz die Themen der drei vorangegangen Sätze nochmals rekapituliert werden, so erlebte man das bei Thielemann in ungeheurer Klarheit und doch eingebunden in seine vorwärtsdrängende Gesamtdeutung, die freilich dieses Streben nicht über hohe Tempi transportiert, sondern wie ich finde, gerade über einen hervorragend gehaltenen inneren Spannungsbogen.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Zitat

    Diese Aufnahme hätte man sicher auch auf dem Obersalzberg gerne gehört


    Ein degenerierter Charakter schließt ja einen guten Musikgeschmack nicht aus.


    Im übrigen sind derartige politische Zuordnungen meines Erachtens unbegründet, wie auch ja schon von Alfred ausgeführt.
    Außerdem sollte es hier um die musikalischen Leistungen gehen, es wird ja auch andernorts sachlich über Hans Pfitznes Musik diskutiert, ohne dass man sich mit Korrektheitsantipathien auseunandersetzen muss.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Danke für diese Beiträge, lieber novecento! :jubel:


    Persönlicher Geschmack sei jedem belassen. Aber wenn dann immer die NS-Keule geschwungen wird (wie auch bei Goodall, einem wahrlich begnadeten Wagner-Dirigenten, oder Ridderbusch, der auch seine Meriten unbestritten hat), dann wird es subjektiv. Bei Thielemann gibt's nun nicht mal eindeutige Beweise für eine solche Gesinnung.


    P.S.: Auf dem Obersalzberg hatte man scheinbar in der Tat keinen schlechten Musikgeschmack, selbst Tschaikowsky und jüdische Interpreten sollen doch darunter gewesen sein.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich finde Bruckners Symphonien live mit Thielemann (ebenfalls MPHIL) auch Höhepunkte. Man geht voller Musik nach Hause.


    Alles - wie immer - subjektiv.

  • Ich habe von Herrn Thielemann leider noch nie auch nur eine intelligente Äusserung gelesen. Alles, was er in der Regel von sich gibt, ist selbstverliebter und schwülstiger Quark, der wirklich von einer erschreckenden Irrelevanz ist.


    Seine dirigentischen Fähigkeiten sind m.E. differenziert zu betrachten. Sein Antrittskonzert in München mit Bruckners Fünfter habe ich damals im TV verfolgt, und ich fand es nur zum Abgewöhnen. Das soll Celibidaches ehemaliges Orchester gewesen sein? Kaum zu glauben. Dieser erschreckende klangliche Verfall, den das Orchester offensichtlich durchgemacht hat (vielleicht auch durch Levine) hat mich schockiert. Schließlich habe ich das Orchester noch unter Günter Wand mit Bruckners Vierter live gehört, und das war nun wirklich eine Aufführung wie aus einer anderen Welt. Wand hatte das Orchester im Griff und wusste genau, was er wollte (wie immer bei ihm).
    Thielemann nun wirkte in seiner ganzen Bräsigkeit vollkommen würdelos und im Grunde absolut überfordert mit diesem Monumentalwerk. Die Undifferenziertheit und Schlampigkeit in der Detailarbeit waren für einen Brucknerkenner- und Verehrer vollkommen unerträglich.


    David Hurwitz bewertet auf classicstoday.com die meisten Thielemann-Aufnahmen vollkommen zu Recht absolut miserabel.


    Hervorzuheben sind allerdings einige Aufnahmen mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin und mit dem Philharmonia Orchestra London:


    - Hans Pfitzner / Richard Strauss: Vorspiele und Orchesterstücke aus Opern (DG)
    - Arnold Schönberg / Richard Wagner: Pelleas und Melisande / Siegfried-Idyll (DG)
    - Robert Schumann: Sinfonie Nr. 2, Manfred-Ouvertüre, Konzertstück (DG)


    Vielleicht kommt ja irgendwann mal eine Aufnahme einer Pfitzner-Sinfonie - das ist schon aufgrund mangelnder Alternativen hörenswert.



    Gruß,
    Agon

  • @ Mengelberg: Janowski kann noch viel mehr besser als nur Bruckner und Wagner!!!!! Und vor allem nicht nur besser als Thielemann.....



    Ansonsten: Klasse, grosse Klasse, diese Diskussion!


    Mein Zwischenresumee:


    1. Der Herr Thielemann polarisiert ja mächtig
    2. Die Gegner greifen ja ziemlich tief in den Kübel (Obersalzberg, nicht intelligent und schwülstig etc).


    Weiter so, Chr.Th.!!

  • Man fragt sich, woher das kommt ?(.


    Aber ist das nicht das Schöne an der Musik und ihren Interpreten? Man kann völlig sinnfrei über das Für und Wider diskutieren :motz:.


    Besser als :stumm:, oder?


    Wie wäre es mit einem Barenboim-Thread? Oder Pavarotti?

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco


    Wie wäre es mit einem Barenboim-Thread? Oder Pavarotti?


    Alles schon vorhanden ;) :


    Barenboim


    Pavarotti

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Zitat


    Alles schon vorhanden Augenzwinkern :


    Barenboim


    Pavarotti


    Hatte ich schon vermutet/befürchtet. Wollte besser gar nicht danach suchen.
    Schuae auch erstmal nicht nach. Ich gehe aber davon aus, dass da ähnlich heftig zur Sache gegangen wird wie hier.


    Das bringt uns in der Diskussion zu folgender Frage:
    Wer hat wieviele CDs von Thielemann zu Hause?


    Auch die größten Barenboim-Kritiker und Pavarotti-Ablehner haben doch ein paar sog. Referenzaufnahmen mit den beiden im Regal, oder?
    Barenboim: Veilleicht was Kammermusikalisches mit du Pré, eine Wagneroper oder eine Violinkonzerteinspielung mit den -mans.
    Pavarotti: 3 Tenöre in Rom 1990? (kommt schon, traut euch! Das Nessun dorma ist doch wirklich zum Niederknien) Turandot mit Mehta? La Bohème?


    Wie ist es bei Thielemann?
    Bruckners 5. in der günstigen Ausgabe vom Spiegel (?)?
    Tristan?
    Mozarts Requiem?
    Strauss, Pfitzner, Wagner?
    Gar Schumann?


    Erzählt doch mal, wie euch das mit dem Kauf so passiert ist. Insbesondere die Kritiker sind angesprochen. Wie kam es zum Kauf? Was ist nach dem Hören mit der CD passiert? Oder wurden eure Befürchtungen/Vorurteile/Ressentiments schon nach den ersten Takten bestätigt? War der Kauf vielleicht nur deshalb, um auch noch den 10. Tristan im Regal zu haben?


    Bin gespannt auf eure Antworten. Dann können wir ja auch mal prüfen, wie es zu den so gegensätzlichen Meinungen kommt.


    Ein paar Diskutanten (mich eingeschlossen) können ja auch vom Live-Eindruck berichten. Der spielt sicher auch eine Rolle, wenn man sich zum oder gegen den Kauf entschließt.


    Also: Mal schön die Karten auf den Tisch.

  • Bevor die Gegner die Arena betreten :D, noch ein kurzer Einschub beüglich Aufnahmen.



    DIE Aufnahme unter Thielemann ist für mich bislang die Alpensinfonie mit den Wiener Philharmonikern. Sie war meine erste Aufnahme zu diesem Werk, hat mich für Richard Strauss im Allgemeinen begeistert.
    Ich habe noch nie das Bedürfnis nach einer Vergleichsinterpretation verspürt, obgleich dies bei mir immer der Fall ist, wenn sich im Unterbewusstsein eine gewisse Unzufriedenheit mit der Aufnahme herausbildet - doch hier gibt es keine.
    Ich höre dieses Werk nicht nur als Musikliebhaber, sondern auch als begeisteter 'Alpinist' und Thielemanns Deutung vollführt die Verbindung von in Musik abstrahierter Beschreibung und realen Eindrücken unbeschreiblich gut.
    Schon an sich von höchster sugestiver Kraft, wird Strauss' Musik so zu einem berauschenden, euphorisierendem Höhenflug.
    Die Klangqualität tut da natürchlich ihr Übriges, bei einem Werk wie diesen, das vom Klang lebt, tue ich mir mit allzu historischen Aufnahmen immer schwer, auch wenn man ihnen höchste interpretatorische Qualität nicht absprechen kann.


    Wie auch immer, man mag Thielemann vorwerfen, gelegentlich etwas zu dick aufzutragen, ja, auch ich hatte schon manchmal irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich über eine solche Stelle mal wieder besonders gefreut hatte.
    Doch ist die Alpensinfonie mit Sicherheit das letzte Werk, das nach einer nüchternen, asketischen Deutung verlangt - also:


    Einfach Thielemanns emotionalen Gipfelsturm geniessen - notfalls mit schlechtem Gewissen... :]

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)