Piratenaufnahmen- Schuld oder Sühne?

  • Wer kennt sie nicht, die Piratenaufnahmen? Und ich bin sicherlich auch nicht der Einzige, der im Opernhaus gerne mal den MP3-Player rausholt und auf "Aufnahme" klickt (ich würde mich allerdings nie trauen, diese Aufnahmen in Umlauf zu bringen, ich möchte sie nur als Erinnerung bewahren). Meiner Meinung nach sind viele denkwürdige Aufführungen uns nur durch Piratenaufnahmen erhalten geblieben. Was meint ihr dazu?

  • Zitat

    Original von Basti
    ... Meiner Meinung nach sind viele denkwürdige Aufführungen uns nur durch Piratenaufnahmen erhalten geblieben. Was meint ihr dazu?


    Vermutlich sind einige alte Live-Aufnahmen Ergebnis "privater" Mitschnitte. Man braucht sich nur die dazugehörigen Kommentare durchlesen. Wenn von besonders störenden Einflüsterungen der Souffleure berichtet wird, hat man auch gleich einen Hinweis auf den "Täter"....


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ein besonders gutes Beispiel ist da der Don Giovanni von 1937 aus Salzburg. Da ist im zweiten Akt der Souffleur derart deutlich zu hören (und die Sänger hören sehr aufmerksam zu!)- ein Schelm, wer Böses dabei denkt :beatnik:. Ich habe auch mal ein Schmiedelied gehört, bei dem die Trompete ungewöhnlich laut zu hören war :D. Aber solche Aufnahmen müssen doch aufgefallen sein! Die haben zu der Zeit doch sicherlich noch Tonbandgeräte für so was benutzt, oder? Oder sah man es mit dem Urheberrecht noch nicht so eng?

  • So habe ich ganz unschuldig via Ebay Pelagio von Mercadante gekauft.
    Das ist aber keine Originalaufnahme, nicht einmal ein Mitschnitt. :angry:
    Das ist einfach eine Aufnahme, illegal im Theater gemacht. Schlechte Qualität. Und dazu nicht billig auch. :motz:


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Und dazu nicht billig auch. :motz:


    Das ist ja wohl klar - so ein Aufgebot an Adrenalin muß bezahlt werden.


    :D

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich frage mich allerdings, lieber Basti, womit man 1937 inoffiziell und klammheimlich mitgeschnitten haben will. Acetatplatten? Die liefen nur 5 min pro Seite und das mit lausigster Tonqualität (je öfter sie gespielt wurden). Beispiel übrigens hierfür: der Uraufführungsmitschnitt der "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss mit Flagstad und Furtwängler. Die Apparatur dafür war auch nicht eben handlich.


    Lichtton dürfte wohl ausfallen, Draht ebenfalls. Das waren ziemlich voluminöse Apparate.


    Salzburg ist allerdings auch ein Sonderfall: Live-Mitschnitte von dort habe ich mir abgewöhnt zu kaufen, resp. verkaufe die vorhandenen wieder (demnächst bei ebay). Allein das ganze Getrappel auf dem hölzenen Bühnenboden ist ein Graus. Und Du hast recht: das Soufflieren ist zuweilen zu vernehmen. Ist aber typisch für die Salzburg-Mitschnitte (bis auf den heutigen Tag).


    Tragbare Batterie-Tonbandgeräte gibt es seit den 1950er Jahren. Mehr als 30 min pro Seite war da aber auch nicht drin, ohne die Spule umzudrehen (aufwendig) oder das Band zu wechseln (dito). Später das Uher-Report mit Richtmikrofon, unter dem Sakko treu geborgen ... naja, auch nicht prickelnd. Interessant ist das wohl erst mit dem tragbaren DAT-Rekorder geworden. Und Richtmikros, die Du hinter die Ohren klemmen kannst.


    Aber Vorsicht! Du weißt ja: Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.


    Und nicht zum Attentäter werden, wenn sich unten auf der Bühne eine Sternstunde der Musik ereignet, Dein Rekorder eingeschalte ist, das Band läuft, die Mikros links und recht am Ohr sind tadellos ausgesteuert, soeben verhallen in wunderbarstem pianissimo Brangänes "Habet acht" Rufe und Deine Dir bis dato unbekannte Nachbarin, die Dich zuvor schon genervt hat, weil sie während des Vorspiels bereits zischend eine Mineralwasserflasche geöffnet hatte und erst als "Reach out for the medal" ertönte bermerkt hatte, daß sie vergaß, das Mobilephone auszuschalten, sich nun ungebeten mit strahlenden Augen zu Dir herüberbeugt und Dir ins Ohr zischelt "Herrrrlisch dat da unten, nee???"


    Aber man muss ja gar nicht priatenmäßig in Oper und Konzert unterwegs sein: es reicht ja, regelmäßig im Rundfunk mitzuschneiden. Das Publikum "draußen im Lande" -wie unsere merkelwürdige Kanzlerin zu verkünden pflegt- hat oftmals einen viel besseren Archivierungssinn als so mancher Rundfunksender (die in den frühen 1970ern zum Teil empfindliche Löschaktionen durchgeführt haben).


    Also: gnadenlos sichern, was zu sichern ist.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    ...
    Und nicht zum Attentäter werden, wenn sich unten auf der Bühne eine Sternstunde der Musik ereignet, Dein Rekorder eingeschalte ist, das Band läuft, die Mikros links und recht am Ohr sind tadellos ausgesteuert, soeben verhallen in wunderbarstem pianissimo Brangänes "Habet acht" Rufe" und Deine Dir bis dato unbekannte Nachbarin, die Dich zuvor schon genervt hat, weil sie während des Vorspiels bereits zischend eine Mineralwasserflasche geöffnet hatte und erst als "Reach out for the medal" ertönte bermerkt hatte, daß sie vergaß, das Mobilephone auszuschalten, sich nun ungebeten mit strahlenden Augen zu Dir herüberbeugt und Dir ins Ohr zischelt "Herrrrlisch dat da unten, nee???"
    ...


    :hahahaha: - :hahahaha: - :hahahaha:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus


    :hahahaha: - :hahahaha: - :hahahaha:


    Echt toll, allein die Vorstellung. :D :hahahaha:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ohne die sog. "Piratenaufnahmen" wären z.B. Leyla Gencer und andere SängerInnen bestimmt vergessen und die eigenen Mitschnitte von Aufführungen bringen oft Interpreten, die nicht mehr aktiv oder schon verstorben sind. Ich möchte diese Aufnahmen nicht missen.


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

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