Heilige Elisabeth, bitte für mich! – Wer war der beste Tannhäuser?

  • Kaum eine Wagner-Rolle ist schwieriger zu besetzen als die des Tannhäuser in gleichnamiger Oper. Nichtsdestotrotz gab es bis dato etliche hervorragende Interpreten, um nur einige zu nennen:


    - Wolfgang Windgassen
    - Ramón Vinay
    - Hans Hopf
    - René Kollo
    - Peter Seiffert


    Wer war eurer Meinung nach der beste Tannhäuser?

  • Wenkoff ist sowieso ein Sänger, der oft vergessen wird, aber zur erste Garde gehörte. Ich entsinne mich, daß sein Tristan hochgepriesen wurde an anderer Stelle

  • Hendrik Vonk


    Aufführungen in Basel 2003


    .....Hervorragend war der Holländer Hendrik Vonk als Tannhäuser. Diese Partie wird als die schwierigste Solopartie der Opernliteratur bezeichnet. Mit einer ausgezeichneten Bühnenpräsenz und einer kräftigen, baritonal eingefärbten Tenorstimme meisterte er seinen Part bravourös. In der 4stündigen Aufführung meistert er eine Parforce-Rolle, oft gegen einen über hundertköpfigen Chor und das grosse Orchester ansingend. Ein Geheimtyp für die Zukunft!

  • für mich ist lauritz melchior in vielen wagner-rollen, auch im tannhäuser, bis heute unerreicht.


    laut wagnerdiscography.com gibt es 5 aufnahmen des tannhäuser mit melchior: met 1936 unter bodanzky, met 1941 unter leinsdorf, met 1942 unter szell, met 1944 unter breisach, met 1948 unter stiedry.


    am bekanntesten dürfte die aufnahme unter szell mit kipnis, janssen, traubel und thorborg sein, in der die weiblichen sänger leider bei weitem nicht mit den männlichen mithalten können.


    4 melchior-tannhäuser (alle außer breisach) gibt es derzeit bei cantus classics.


    greetings, uhlmann

  • Als sehr guter Tannhäuser hat sich in Bayreuth auch Richard Versalle eingeprägt. Er war 1985 ursprünglich als Zweitbesetzung geplant, hat dann nach der Zickerei von René Kollo aber alle 7 Vorstellungen gesungen.


    Der sympathische Sänger ist leider im Januar 1996 während der Met-Premiere von Janaceks "Die Sache Makropulos " im Alter von 63 Jahren verstorben.

  • Ich habe jetzt einen ganzen Tag überlegt, ob ich jemanden wirklich uneingeschränkt als Tannhäuser empfehlen kann, aber es fällt mir so schwer wie den meisten anderen: bei fast jedem Tenor, der sich an dieser Herkulespartie versucht hat, gibt es irgendeinen Makel.


    Domingo mag ich, aber seine unidiomatische Aussprache treibt wohl auch seine größten Fans in den Wahnsinn und wirft die Frage auf, wie verstanden ein Text sein kann, wenn er nur phonetisch wiedergegeben wird.
    Kollo klingt für mich immer irgendwie überanstrengt.


    Grübelnde Grüße!


    Honoria

  • Seltsam...ich hatte und habe mit Placido Domingos Deutsch überhaupt keine Probleme im Gegenteil, weil ich ja weiß, dass es nicht seine "beste" Sprache ist, höre ich ihm besser, intensiver zu als jedem Muttersprachler und verstehe ihn mittlerweile absolut perfekt. Für die "Lästerer" habe ich nur Mitleid!
    Machten sie sich die Mühe(?) wirklich zuzuhören, könnten sie auch verstehen; ihnen entgehen die wundervollsten Interpretationen, denn PD weiß IMMER was er singt!


    LG
    Fides :yes:

  • Zitat

    Original von Fides


    Machten sie sich die Mühe(?) wirklich zuzuhören, könnten sie auch verstehen; ihnen entgehen die wundervollsten Interpretationen, denn PD weiß IMMER was er singt!


    Das denke ich doch auch, dass er weiß, was er singt und dass er sich mit dem Text vorher intensiv auseinandersetzt.


    LG
    :hello:
    Jolanthe

  • Bei Wagner tu ich mir immer schwer, von meinen ca 30 Aufnahmen des "Tannhäuser" habe ich längst nicht alle gehört. So schätze ich die drei Einspielungen mit Ernst Kozub in der Titelrolle, aber auch 2 x Erwin Stephan, Ernst Gruber...


    Die für mich beste "Aufnahme" ist der Soundtrack zu Istvan Szabos Spielfilm "Meeting Venus". Unter Marek Janowski singen René Kollo und Kiri te Kanawa, Waltraud Meier und Hakan Hagegard.



    LG


    :pfeif: :pfeif: :pfeif:

  • Fides ; Jolanthe


    Ich dachte ja nicht, daß ICH mir noch einmal vorwerfen lassen müßte, den verehrungswürdigen Placido nicht genügend zu schätzen... ;)
    Ich bleibe aber dabei, daß seine deutsche Aussprache im Laufe der Zeit sehr gelitten hat (kein Vergleich mit früheren, wohl sorgfältiger vorbereiteten Aufnahmen deutscher Opernliteratur!) und mußte das selbe neulich feststellen, als ich ihn französisch reden und singen hörte: das war früher sehr, sehr viel besser.


    Im übrigen müßte man wohl gerade bei dieser Partie zwischen der Leistung auf der Bühne und dem Eindruck der entspannter zu bewerkstelligenden Platten- oder CD-Aufnahme unterscheiden. Wer es schafft, eine glaubwürdige Verkörperung dieses mittelalterlichen Heißsporns musikalisch und darstellerisch auf der Bühne live und am Stück wenigstens befriedigend abzuliefern, wird eigentlich nur noch vor wenig zurückschrecken - solche Schlachtrösser sind aber dann doch wohl eher selten, wenn sie nicht nur einiges aushalten, sondern auch noch den erforderlichen Wohlklang verströmen, gleich gar. Daran liegt es wahrscheinlich, daß hier nicht so fürchterlich viele Namen genannt werden, und daß davon viele einer Epoche angehören, in der man nicht jeden Tag überall und alles singen mußte, um im Geschäft zu bleiben.


    Kennt eigentlich jemand Janos Bandi? Der singt gerade en suite an der Oper Budapest den Tannhäuser, und ich meine, ihn 2004 in dieser Partie dort auch schon gehört und ganz gut gefunden zu haben - faute de mieux, wie gesagt, Tannhäuser wachsen nicht auf Bäumen.


    Grüße!


    Honoria

  • Honoria Lucasta


    Um Himmels Willen, das sollte doch kein Vorwurf sein :stumm:


    Sicher ist ein Tannhäuser im Studio einfacher zu bewältigen als auf der Bühne, aber da ja eine allgemeine Einschätzung gefragt war, habe ich die meine abgegeben.
    Zu Placidos Deutsch....tja, da könnte ich mich nur wiederholen, sicher ist er von Perfektion weit entfernt,aber wenn oft gesagt wird, es sei immer nur phonetisches Wiedergeben gewesen, dann stimmt das so einfach nicht
    Jetzt, im fortgeschrittenen Alter macht er es sich auf der Bühne (Parsifal in Berlin) dann und wann etwas leichter, d.h. er nimmt sich nicht genug Zeit....oder er hat sie schlicht nicht....um die Texte gut zu memorieren, da kann man berechtigte Kritik üben.
    Sein "Tristan" aus 2005 ist großartig...auch in der Textverständlichkeit, er ist viel besser zu verstehen als seine "Isolde" Nina Stemme.


    LG
    Fides :hello:

  • Vermutlich oute ich mich gerade ganz furchtbar als Mainstream... aber mein ganz persönlicher Favorit ist Rene Kollo. Jo, jetzt ist es raus... ich mag die Stimme und wie er damit umgeht. (Nicht zuletzt deshalb habe ich neulich auch die Frau ohne Schatten mit Kollo und Sawallisch ersteigert...)

  • Wieso ist vielen Kollo immer peinlich? Seine Darbietung als Tannhäuser ist doch nun wahrlich eine der absolut Spitzenleistungen dieses Sängers, die sich hinter anderen tollen Aufnahmen nicht zu verstecken braucht. Ob sein Tannhäuser nur im Studio funktionierte oder nicht, ist mir völlig gleichgültig. Hauptsache ist, daß es toll klingt.

  • Der beste Tannhäuser ist für mich Hans Hopf.


    Ich finde es bewunderungswürdig, wenn ein Spanier sich an den Tannhäuser heranwagt, aber es geht nicht nur darum, dass er versteht, was er singt, sondern er sollte feinste Schattierungen ausmachen und da noch ein Glanzlicht draufsetzen.


    ?(


    Kennt eigentlich jemand Erwin Stephan? Er hat 1986 mit Grace Bumbry als Venus in Orange den Tannhäuser gesungen, Die LP-Einspielung aus dem Jahre 1987 lieferte das Label Moro in Freiburg. Norma Sharp singt die Elisabeth, Günter Wewel den Hermann und Volker Bengl den Heinrich den Schreiber. Hinzu addiert sich der Chor und Extrachor des Staatstheaters von Saarbrücken und die Südwestdeutsche Philharmonie. Möglicherweise sitzt diese in Konstanz, denn aufgenommen wurde die Mammutsitzung vom 22.8.1987 bis 7.9.1987 in Kreuzlingen/Schweiz, der Nachbarstadt von Konstanz.


    Ich bin mächtig stolz auf dieses Vermächtnis, denn so etwas besitzt keiner.
    (Erwischt im Antiquariat)


    :hahahaha:


    Nachtrag: Tannhäuser-Witze


    1
    Sagt die Blondine zu ihrer Freundin: Ich gehe heute Abend mit meinem Mann Tannhäuser anschauen. Die Antwort:"Ach, ich wusste gar nicht, dass ihr euch ein Haus kaufen wolltet!"


    2
    Fragt in der Hamburger U-bahn jemand den Schaffner. "Was wird heute Abend in der Staatsoper gegeben? "Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf der Wartburg. "Typisch, die Intendanz weiß am Morgen noch nicht, welche Oper sie am Abend aufführen will."


    :angel:
    Engelbert


  • Wenn man sich die Mühe macht, den Thread von Anfang an zu lesen, findet man hier z.B. aus meiner bescheidenen Sammlung


    2 x Erwin Stephan
    3 x Ernst Kozub
    Ernst Gruber
    René Kollo


    Das schließt natürlich auch den Konstanzer "Tannhäuser" ein.


    Zitat

    denn so etwas besitzt keiner.


    Denkste!


    :baeh01:

  • Das glaube ich nicht, lieber Harald, dass Du die Einspielung besitzt, denn dann hättest Du den Erwin durch Fettdruck hervorgehoben.


    Dann sage mir, wer in der Konstanzer Einspielung die Venus singt. Dann glaube ich Dir.


    Herzlichen Gruss
    :angel:
    Engelbert

  • Aufnahme: 22.8.–7.9. 1987, Studio
    Dirigent: Paul Theissen
    Südwestdeutsche Philharmonie
    Chor des Staatstheaters Saarbrücken
    Product Code: Moro 778 905-907 (3 CD)


    Rollen und Sänger


    Biterolf: Hans-Otto Weiss
    Edelknabe: Sabine von Blohn
    Edelknabe: Silvia Didam
    Edelknabe: Evi Hayo
    Edelknabe: Edith Valencienne
    Ein junger Hirt: Annette Robert
    Elisabeth: Norma Sharp
    Heinrich der Schreiber: Volker Bengl
    Landgraf Hermann: Günter Wewel
    Reinmar von Zweter: Manfred Bertram
    Tannhäuser: Erwin Stephan
    Venus: Margaret Mann
    Walther von der Vogelweide: Rudolf Schasching
    Wolfram von Eschenbach: Rudolf Kostas



    Heldentenor Erwin Stephan,
    Boschstr. 8,
    35799 Merenberg


    Sonst noch Fragen?


    LG


    Harald :hello:

  • Ich bin mal langweilig und nenne Wolfgang Windgassen. Für mich ist Tannhäuser die einzige Rolle, wo er wirklich ganz oben ist. Als Tristan ziehe ich Vinay vor oder Svanholm, als Siegfried Hopf oder Lorenz oder in der Götterdämmerung Helge Brilloth. Im "Siegfried" habe ich auch mal live den Dänen Stig Andersen gehört, ein großes, kostbares Erlebnis. Als Tannhäuser schlägt Windgassen aber keiner: Er steht die Rolle absolut ohne Probleme durch, ruht sich nie aus und macht in der Romerzählung wirklich diesen zerfallenen, zerstörten, urverbitterten Eindruck. So habe ich keinen anderen gehört. Auch wenn er so überhaupt kein Heldentenottimbre hat!!
    Ich höre ihn am liebsten im 1961er Bayreuth-Tannhäuser unter Sawallisch mit Silja, Bumbry, Wächter, Greindl, Stolze und Crass.

  • @ Grillparzer


    In den 1950 Jahren gab es von der DGG eine LP, mit zusammengewürfelten Leckerbissen. Ich erinnere mich an


    Tannhäuser, Wolfgang Windgassen
    Elisabeth - Leonie Rysanek
    Wolfram - Eberhard Wächter
    Landgraf - Josef Greindl
    Verschiedene Dirigenten


    LG.
    :angel:
    Engelbert

  • Lieber Harald,


    Fragen habe ich keine, aber Antworten!


    Deine Besetzungsliste ist alphabetisch sortiert! Daraus schließe ich, dass Du die Einspielung nicht besitzt, sondern die Daten aus einem Wälzer abgeschrieben hast. Zudem ist Deine Liste nicht vollständig. Es fehlen jede Menge thüringische Ritter, Grafen und Edelleute, Edelfrauen, ältere und jüngere Pilger, Sirenen, Najaden, Nymphen, und Bacchantinnen. Zudem wird der Extra-Chor des Saarländischen Staatstheaters von Dir nicht erwähnt.


    Du nennst den Produkt-Code der CD. Mir gehört aber die Kassette mit 4 LPs und umfangreicher Textbeilage.


    Die Elisabeth, die in Orange seine Partnerin war, hieß auch Elisabeth und wie der Nachnahme?


    Also, es ist schon so wie ich sage: Die schmucke Stereo LP-Kassette besitze nur ich :baeh01: Ätsch!



    Herzlichen Gruß


    Engelbert


    http://www.siegbrunnkonzerte.de/html/body_erwin_stephan.html