Werden "große Geiger" schnell vergessen ?

  • Pianisten der Vergangenheit - sie werden bejubelt oder stillschweigend verehrt - oft werden ihre Aufnahmen als "Referenz" bezeichnet - ob sie nun Schnabel heissen oder Horowitz, ob Gieseking oder Rubinstein, Haskil oder Anda. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.


    Beinahe noch ausgeprägter ist dieses Phänomen bei Sängern: Caruso, Gigli, Di Stefano, Melba, Callas, Tebaldi, Schaljapin, Ghiaurov, Wunderlich...


    Sie alle - und einige mehr - sind unvergessen.


    Wie schaut es nun mit den berühmten Geigern der Vergangenheit aus ?


    Wer kennt noch David Oistrach, Henryk Szering, Wolfgang Schneiderhan etc ? Und wenn ich kennen sage, dann meine ich: Nicht nur dem Namen nach, sondern auch das spezifische des Klangs, bzw maßstäbliche Einspielungen...


    Wer, wagts ??


    LG


    aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Wer kennt noch David Oistrach, Henryk Szering, Wolfgang Schneiderhan etc ? Und wenn ich kennen sage, dann meine ich: Nicht nur dem Namen nach, sondern auch das spezifische des Klangs, bzw maßstäbliche Einspielungen...


    Natürlich kenne ich sie, denn ich wuchs ja mit sie auf. Du vergißt noch Yehudi Menuhin, Jascha Heifetz, Isaac Stern, Arthur Grumiaux, usw.


    Oistrach und Menuhin, die galten doch in meiner Jugend als noch etwas besser als die anderen. Ich habe das aber nie hören können.


    LG, Paul

  • Ich glaube nicht, daß das der Fall ist.
    Ein wesentlicher Unterschied zu Pianisten (der Kult um Sänger steht nochmal auf einem anderen Blatt) ist, daß das Kernrepertoire für Geige ziemlich überschaubar ist. Man kommt, auch ohne Neigung für Historisches oder Vergleiche ganz automatisch mit einer Reihe von unterschiedlichen Pianisten in Berührung, wenn man sich nur einen groben Überblick über das riesige Repertoire von Bach bis zum Beginn der klassischen Moderne (etwa Debussy, Ravel, Skrjabin, Prokofieff) verschaffen möchte, weil Brendel keinen Chopin oder Prokofieff eingespielt hat, Argerich keinen Schubert, Horowitz keinen Bach, Gould keinen Schumann usw.


    Dagegen gibt es weniger als ein dutzend Violinkonzerte im Kernrepertoire (die jeder spielt) und vielleicht noch einmal so viele im erweiterten Bereich. Wer hier nicht gezielt nach Interpreten sammelt, wird nicht unbedingt so vielen unterschiedlichen Interpreten begegnen.


    Den Kern bilden ungefähr: Bach E-Dur, a-moll, Doppelkonzert, Mozart 3-5, Beethoven, Mendelssohn, Bruch, Brahms, Tschaikowsky, Sibelius.
    Dann noch: 4 Jahreszeiten (die aber zur Zeit der vor 1920 geborenen Geiger keine große Rolle spielten), Saint-Saens 3, Paganini 1, Dvorak, Glasunov, 2x Prokofieff, Elgar, 2x Schostakowitsch, Berg, Bartok, Strawinsky, Khatchaturian, Korngold, Hartmann, es wird schon langsam exotisch...


    Die Kammermusik f. Geige solo oder mit Klavier ist zwar umfangreicher, aber auch hier ist der Kernbereich sehr schmal (selbst von den Mozart- und Beethovensonaten sind viele eher unbekannt) und wurde nicht von allen Geigern gleichermaßen abgedeckt, dazu interessieren sich viele Hörer nicht so stark für Kammermusik. Spätestens beim Trio steht der Geiger ja auch nicht mehr im Mittelpunkt.


    Mir scheint aber, daß es eine kleine, aber sehr kundige Anzahl von Geigenexperten unter Sammlern gibt, vielleicht solche, die das Instrument auch selbst spielen, die sich sehr gut auskennen und bei denen selbst historische Größen wie Kreisler, Enescu, Huberman, Szigeti usw. nicht vergessen worden sind. Das sind dann mitunter solche Spezialisten, daß die Kommunikation über die Köpfe der Normalhörer stattfindet


    Ich persönlich muß zugeben, daß ich die meisten selbst der bekanntesten Violinkonzerte nicht besonders interessant finde, und allein daher keine Neigung zum Sammeln von allzu vielen Alternativen oder dem Vergleich großer Interpreten dieser Werke besitze, sofern ich mal eine oder zwei zufriedenstellende habe. (Und mir ist bei den Werken, die mir gefallen, die Leistung von Dirigent und Orchester zu wichtig, um nur nach dem Solisten zu gehen.)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich vergaß noch zu sagen, daß für mich zwei dieser Geiger immer eine Sonderstelle behalten haben: Menuhin und Szeryng.


    Menuhin wegen seiner Einspielung des "Adelaïdekonzertes" von Mozart (1933), daß später als Fälschung entlarvt wurde. (Hast Du dieses Konzert bereits, van Rossum?? Aus dem 20. Jhdt.)



    Und Szeryng, weil er Paganinis drittes Violinkonzert entdeckte.



    In dieser Einspielung wurde dieses Konzert zum ersten Mal weltweit bekannt.


    LG, Paul


    PS Wer reich werden will, kauft dieses Adelaidekonzert bei JPC (nicht Euro 7,99 sondern Euro 6,99). Nur steht dort eine Beschränkung: "soweit verfügbar beim Lieferanten"!!
    Denn bei Amazon liest man "1 new from $175.09; 3 used from $75.58".
    Ich werde reich. Und habe sogar auch noch die LP. :D

  • Auch wenn heutige Geiger technisch oft atemberaubend präsent sind, so schlägt mein Herz vor allem für David Oistrach, Jascha Heifetz, Zino Francescatti und Michael Rabin - von letzterem kam vor kurzem auf audite (Nomen est omen!) vom RIAS Berlin (1962 + 1969) unter Schippers und dem Pianisten Lothar Broddack eine Live-CD mit dem Bruch-Konzert Nr.1, der Carmen-Fantasie von Sarasate (leider nicht die von Waxman, die nch zündender und virtuoser ist) sowie weitere Piècen heraus, die mich vollauf begeistert.


    Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auf die leider allzu früh tödlich verunglückte Ginette Neveu, die ein für eine junge Dame unglaubliches Temperament und Spielfreude offenbarte.


    Der junge Josef Hassid muss hier auch genannt werden, ein vielversprechendes Talent, das leider auch allzu früh verlosch.


    Die heutigen grossartigen Geiger und vor allem Geigerinnen aufzuzählen würde ein Buch füllen - seienn wir glücklich, dass diese jungen Interpreten unser Herz stets aufs Neue mit ihrer Kunst erobern.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Hamburg ist ja leider nicht mit allzu vielen Läden gesegnet, in denen fachkundige Beratung beim Kauf von Klassik-CD'S helfen kann. In einem dieser Geschäfte unterhielt ich mich einmal über Heifetz und Hahn und mir wurde gesagt, von allen verstorbenen Geigern würde sich nur noch Oistrach gut verkaufen. Eine Begründung konnte nicht geliefert werden, da Kunden kamen. :angry:


    Heifetz war wohl in Deutschland, ich mag mich irren, sowieso nie so anerkannt, da er zu sehr als Virtuose galt (offensichtlich bei uns verpönt). Menuhin ist out und der "Rest"... Sicherlich liegt es an dem von Johannes erwähnten realativ kleinem Repertoire, das galt aber auch schon zu Zeiten von Paganini und Kreisler.


    Eine befriedigende Antwort habe ich auch nicht, nur vielleicht, dass klassische Musik sowieso in der Gesellschaft kaum noch einen Stellenwert hat und beim breiten Publikum nur die absoluten Superstars der Vergangenheit überleben können. (Warum hier Oistrach und nicht Menuhin - ich weiß es nicht.)


    Ich denke aber, dass, was das breite Publikum angeht, es im Klavier- , Dirigenten- und Gesangsbereich nicht viel anders aussieht. Hier zählen wohl wirklich nur noch Callas/Wunderlich/Karajan/Horowitz. Warum ist sonst das CD-Oeuvre von Rubinstein, Serkin, Böhm, del Monaco, Hofmann u.ä. so gering. (Hofmann mag hier überraschen, aber er hatte ja einmal eine große Fangemeinde.)


    Beim an der Klassik interessierten Publikum ist das sicherlich noch anders. Hier spielt wohl auch die Aufnahmequalität eine Rolle, erklärt aber nicht alles (Oistrach/Menuhin).


    Dass verstärkt Aufnahmen mit Haskil auf den Markt kommen, würde ich neben ihrer künstlerischen Qualität auch ihrer Menschlichkeit, die sich in den Interpretationen offenbart, zuschreiben. Aber wo bleibt dann Menuhin? Wo bleibt Szeryng?


    Die Frage ist interessant und ich kann sie allgemeingültig auch nicht beantworten. Wichtig wären allerdings auch Verkaufszahlen der Künstler zu erfahren. Vielleicht sieht es doch alles ganz anders aus.


    :hello: Gustav


  • Sind die Aufnahmen wirklich nicht greifbar?
    jpc hat 54 Treffer für "Szeryng", da scheinen mir alle bekannten Konzerte dabei. 88 für Milstein usw.


    Heifetz und Rubinstein (zweimal) wurden von RCA mit sehr umfangreichen Editionen bedacht. Leider sind die inzwischen teilweise (im Falle von Heifetz weitgehend) vergriffen. Das betrifft aber eher Kammermusik, die bekanntesten Konzerte sind problemlos erhältlich. Es gibt eben nicht allzuviele Hörer, die Beethovens Streichtrios in historischer Klangtechnik hören wollen...


    Menuhin hatte immer wieder mit Intonationschwierigkeiten zu kämpfen, das geigerische Format von Heifetz oder Oistrakh hat er m.E. nie besessen. Überdurchschnittlich präsent war er aber besonders aufgrund des humanitären Engagements usw. (und ja auch als Dirigent).


    Wie gesagt, glaube ich, daß man, anders als bei Pianisten oder Dirigenten, schon ein Sammler oder Experte sein muß, weil es immer wieder dasselbe Repertoire ist, das auch fast alle (mehrfach) abgedeckt haben.


    Mit dem "Nichtklassikpublikum" kann man hier eh nicht argumentieren. Dafür kommt es nur auf die Medienpräsenz an. (Aber welche deutschsprachige Pianist oder Dirigent der letzten 20 Jahre wäre so medienpräsent wie A.S. Mutter oder vielleicht inzwischen sogar J. Fischer?)


    JR

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  • Liebe Freunde der Geiger(innen) und ihres Repertoires !



    Ausser den oben gennaten Geigern/-innen gibt es noch eine Reihe hochkarätiger SOLISTEN !


    Weit weniger bekannt sind hervorragende Meister ihres Instrumentes wie Joseph Silverstein , der langjährie Konzertmeister des Boston Symphony Orchestras . Silverstein hatte nicht nur einen ganz eigenen Ton , sondern hat auch im Rahmen seiner späten Solokarriere u. a. das erhältlich Violinkozert von Johannes Brahms aufgenommen .


    Dann Grössen wie Efrem Zimbalist ( ebenfalls mit dem Violinkonzert von Brahms ) auch heute noch neben Aufnahmen der Kammermusik erhältlich . Wobei Zimbalist noch hute im Curtis Institute in Phildelphia in grossem Rahmen zu bewundern ist .


    Ich denke aus meiner Erfahrung heraus , dass die Freunde Klassischer Musik sehr wohl auch als Sammler bedeutender Aufnahmen von Geigerinnen und Geigern präsent sind .


    David Oistrach scheint unter den berühmten Meistern tatsächlich auch im Hinblick auf Verkaufszahlen eine herausgehobene Rolle zu spielen . Dies hat mit seinem Können natürlich zu tun , aber auch mit der Geigenschule aus der er heraus erzogen , geformt worden ist .


    Alleine um die verschiedenen Aufnahmen der Sonaten und Partiten solo für Geige von J S Bach kennenzulernen , ist man doch erstaunt , wieviel Aufnahmen in den letzten 10 Jahren als Gesamteinspielungen hinzugekommen sind . Dennoch bleiben die herausragenden Interpretionen die durch Nathan Milstein und Henryk Szeryng .


    Wenn wir uns die derzeitige Situation der Geiger ansehen , dann ergibt sich doch zwangsläufig die Frage : Wer von den jetzt oft PR-hochgejubelten Künstlern wird nach etwa 20 Jahren noch als "grosser Interpret" in Erinnerung sein ?


    Aus meiner Kenntnis und meinem Informationsstand durch Berufsgeiger fällt eigentlich nur ein Name immer :


    Yitzhak P e r l m a n .


    Ich finde zu Recht . Er hat seine Technik auf höchstem Niveau über viele Jahre gleichbleibend halten können . Sei e Aufnahmen des Beethoven- wie des Brahms - Violinkonzertes gehören zu den anerkannt besten Aufnahmen dieser Werke ( bei mit Carlo Maria Giulini ; EMI ) .



    Frau Mutter ist auch in den Musikforen immer wieder in ihrem vom Hörer wahrgenommen bei weitem nicht mehr auf dem Niveau bis etwa zu den Jahren 1985 . Damals hatte sie ihre besten Aufnahmen eingespielt ( die Violinkonzerte und die "Quattri Stagioni" mit v. Karajan , der sie auch für sich entdeckte , nachdem der bedeutendere Christian ferras durch Suizid verstorben war und Yitzhak Perlman , dessen Konzerte v. Karajan mit grosser Begeisterung besuchte ! , ihm dauerjaft abgesagt hatte ) ; kamermusikalisch verdankt A.-S. Mutter aus dem südbadischen Rheinfelden ihre Meriten Alexis Weissenberg , der sie auch sonst zu Beginn ihrer Karriere nicht nur bei den drei Violinsonaten von Johannes Brahms pianistisch führte - übrigens ohne jeden Dank von ASM ! in ihrer späteren Karriere -, sondern sie auch sonst sorgfältig beraten hat .


    Mutters Aufnahme der Violinsonetn von Beethoven ( man denke zu Vergleich nur an D. Oistrach und L. Oborin ! ) mit L. Orkis wurden einstimmig negativ , ja vernichtend beurteilt .


    In einem direkten Vergleich mit Viktoria Mullova ( mit Claudio Abbado ; Tokyo ) bei dem Brahms - Violinkonzert ist sie deutlich hörbar unterlegen .


    Midori . Einst hochbestaunt ist fast vergessen .


    Hilary Hahn scheint mir ihren ganz eigenen Weg sehr erfolgreich gegangen zu sein . S i e wirkt durch ihr Spiel wie ihre persönliche Präsenz , wobei sie die Möglichkeiuten des Internets klug und höchst kommunikativ nutzte .


    Mit besten Grüssen auch für ein


    gesegnetes und frohes Weihnachtsfest .



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Sind die Aufnahmen wirklich nicht greifbar?
    jpc hat 54 Treffer für "Szeryng", da scheinen mir alle bekannten Konzerte dabei. 88 für Milstein usw.


    Lieber Johannes, das Bestellen via Internet ist mir noch nicht so geläufig, deshalb habe ich auch keinen Überblick über den Katalog. Meine Einschätzung beruht auf der Präsenz im Geschäft. Und da sieht es, was die oben genannte Geiger oder auch Menuhin angeht, relativ mau aus.


    ScHöne Weihnachtstage! Gustav :hello:

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Weit weniger bekannt sind hervorragende Meister ihres Instrumentes wie Joseph Silverstein , der langjährie Konzertmeister des Boston Symphony Orchestras . Silverstein hatte nicht nur einen ganz eigenen Ton , sondern hat auch im Rahmen seiner späten Solokarriere u. a. das erhältlich Violinkozert von Johannes Brahms aufgenommen .


    Es gab überdies seit den 1970ern eine ganze Reihe hervorragender Einspielungen ganz unterschiedlicher Kammermusik mit den "Boston Symphony Chamber Players" mehr oder minder unter der Leitung Silversteins (sein Brahms-Konzert kenne ich nicht). Leider ist davon nur ein kleiner Teil erhältlich:



    Andere Sachen erschienen bei Nonesuch und sind seit dem Aufgehen dieses Labels im Warner-Konzern verschollen. Ich besitze z.B. eine großartige Einspielung der Brahmsschen Streichquintette.


    Gustav: o.k. das war mir nicht bewußt. Ich betrachte mit wenigen Ausnahmen in einigen Großstädten (zu denen HH vielleicht nicht gehört) inzwischen den Online-Handel, nicht die lokalen Läden als "Standard". Außer Dussmann, Tonger und ein paar anderen Geschäften können sich die meisten wohl nicht mehr leisten, eine große Zahl älterer Einspielungen auf Lager zu halten.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    ich denke, bei den Geigern ist das Problem, dass in letzter Zeit äußerst viele Nachwuchstalente an die Öffentlichkeit treten (Janine Jansen, Leila Josefowicz, Anna Tifu, Daniel Hope, David Garrett, Baiba Skride etc.) und man die "vergangenen" Größen deshalb leicht mal vergisst.


    Aber wahre Freunde des Violinspiels werden sich immer an Namen wie Oistrach, Szeryng oder Schneiderhan erinnern :yes:


    :hello:


    Helge Kreisköther

  • ich denke, bei den Geigern ist das Problem, dass in letzter Zeit äußerst viele Nachwuchstalente an die Öffentlichkeit treten (Janine Jansen, Leila Josefowicz, Anna Tifu, Daniel Hope, David Garrett, Baiba Skride etc.) und man die "vergangenen" Größen deshalb leicht mal vergisst.


    Aber wahre Freunde des Violinspiels werden sich immer an Namen wie Oistrach, Szeryng oder Schneiderhan erinnern


    Wahre Freunde des Violinspiels erinnern sich nicht nur an Oistrach, Kagan, Kogan, Tretjakow, Taschner, Szeryng, Grumiaux, Menuhin, Krasner, Milstein oder Heifetz, sondern vergöttern sie geradezu! Und wahre Freunde des Violinspiels wissen bei den jungen Geigern zu differenzieren: Hilary Hahn, Leila Josefowicz, Kristóf Baráti und Sergey Khachatryan sind absolut fantastische Musiker! Die übrigen Namen in Deiner Aufzählung - insbesondere den von David Garrett - kommentiere ich jetzt mal nicht. Über Janine Jansen kann man ergebnisoffen diskutieren - ich habe sie letztes Jahr mit dem Tschaikowsky-Violinkonzert (mit dem NDR-Sinfonieorchester, geleitet von Alan Gilbert) live gesehen: und war erstaunt, wie gut sie letztlich doch war (ich hätte eine kalte Technikerin erwartet). Seit diesem Konzerterlebnis habe ich mich nie mehr im Freundeskreis oder hier bei Tamino kritisch über Janine Jansen geäußert. Ich glaube also, die Spreu vom Weizen unterscheiden zu können. Aber hier einen Namen wie David Garrett in einem seriösen Forum wie Tamino zu erwähnen und diesen in Beziehung zu Titanen wie Oistrach, Szeryng oder Schneiderhan zu setzen - soll das ernst gemeint sein???


    Wenn Du wissen willst, was junge Geiger (jenseits aller Oistrach-Verklärung und -Verheiligung) zu leisten imstande sind, dann höre Dir mal Supertalente wie Leila Josefowicz an. Und vergiss sofort Namen wie D.G.

    Übrigens: ist Dir aufgefallen, dass Frau Josefowicz sich auf allen Fotos an ihre Geige klammert bzw. sie in den Vordergrund des Bildes rückt? Wie wohltuend im Vergleich zu gewissen anderen Personen, die im Moment im Bereich Geigenspiel medial total vermarktet werden. Bei denen werden ganz andere Dinge als die Geige in den Vordergrund gerückt. Bestimmt wird das neue David Garrett-Parfüm der Renner im Weihnachtsgeschäft werden. Frau Josefowicz spielt derweil lieber absolut genial Schostakowitsch, statt sich sowas anzutun.

  • Vergessen? Niemals! Für mich sind Yehudi Menuhin, Jascha Heifetz, David Oistrach, Isaac Stern und Nathan Milstein die ganz Großen.


    Ich habe am Wochenende eine Schallplatte mit dem Kllaviertrio H-Dur op. 8 von Brahms erworben; gespielt von Isaac Stern (Violine), Myra Hess (Klavier) und Pablo Casals (Violoncello). Ich muss zugeben, dass ich das Werk zuvor gar nicht kannte - alleine der Name Isaac Stern war ausschlaggebend für den Kauf. Wunderbar - ich habe zwar noch keinen Vergleich, aber Sterns Violinspiel fand ich einmal mehr absolut hinreißend!


    Übrigens habe ich auf Wunsch einer Freundin einmal David Garrett live erlebt - das war ähnlich wie WDR 4 (Schlagerschnulzensender) hören! Aber schön ist er. Wurde also auch wenig fürs Ohr, dafür umso mehr fürs Auge geboten.

  • Mit Abbado und Garrett habe ich diese CD:




    Zu nachstehender:



    folgende Kritik:


    A. Fritz in Audio 11 / 01: "Der 20-jährige Deutsch-Amerikaner David
    Garrett spielt die Geige technisch und musikalisch brillant. Den
    unzähligen Aufnahmen von Tschaikowskys Violinkonzert fügt er eine betont
    lyrische hinzu, die den virtuosen Aspekt des Werks in den Hintergrund
    drängt. Dieses Konzept geht unter Pietnevs Stab
    auch beim eingängigen Conus-Konzert auf. Für Garrett hat
    die Zukunft schon begonnen."


    Zu den ganz großen Geigern würde ich ihn aber auch nicht zählen. Er ist ja auch noch jung, zumindest auf meiner CD mit Abbado, dort sieht er ja noch aus wie ein Kind.



    Dieser Satz von Swatoslaw könnte vielleicht einmal ein Selbsttor werden. Von Parfüm weiß ich nichts.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Dieser Satz von Swatoslaw könnte vielleicht einmal ein Selbsttor werden. Von Parfüm weiß ich nichts.


    Es ehrt Dich, lieber Bernward, dass Du diese gnadenlose Vermarktungsoffensive des zum Pop-Sektor übergewechselten Geigers D.G. nicht wahrgenommen hast. Lies Dir mal PR-Texte wie diesen durch:


    "David Garrett: Hier ist das Parfüm zum neuen Album
    Klassisch, rockig, grenzenlos. David Garrett zählt zu den größten Geigern unserer Zeit. Mit seinem virtuosen, kraftvollen Spiel überschreitet der Star die Grenzen gewohnter Genres – von Klassik bis zu Rock und Pop – und begeistert ein Weltpublikum jeden Alters. David Garrett lässt sich von seiner Leidenschaft für die Musik leiten: Ob als schnellster Geiger der Welt, ECHO-Klassik-Gewinner oder Gold- und Platin-Gewinner als Crossover-Experte: David Garrett überzeugt mit musikalischen Höchstleistungen und strahlt dabei gleichzeitig Lässigkeit und Coolness aus.

    In seinem aktuellen Album „Rock Symphonies“ interpretiert der Stargeiger die Songs der größten Rocklegenden außergewöhnlich neu: Meisterhaft und unverwechselbar vermag er die unterschiedlichen Facetten von Klassik und Rock, Eleganz und Lebenslust auszudrücken. Sein einzigartiger, kraftvoller Stil inspiriert auch seine erste Duftlinie ROCK SYMPHONIES.


    Frisch und ausdrucksstark verkörpern die Düfte die authentische Anziehungskraft und den Charakter des Stars ebenso wie seine unkonventionelle und natürliche Art. ROCK SYMPHONIES MAN und ROCK SYMPHONIES WOMAN sind elegant-lässige Düfte voller Strahlkraft, die Trendsetter mit Stil und Individualisten mit Spaß am Leben ansprechen.


    Wie der preisgekrönte Ausnahmemusiker selbst strahlt David Garretts ROCK SYMPHONIES MAN Selbstbewusstsein, Energie und Natürlichkeit aus. Durch die fein abgestimmten Essenzen vermittelt der aquatische und würzig-holzige Duft die unkomplizierte Frische und Coolness, mit der David Garrett bei seinen Auftritten die Fans begeistert. Eine fruchtig-frische Komposition aus aquatischen Elementen, Grapefruit und Wacholderbeere eröffnet das Dufterlebnis. Essenzen von Veilchen und Zypresse sowie würzig-aromatischer Kardamom verleihen der Herznote Dynamik und jugendliche Energie. Die Basis bilden holzige Elemente wie Amber und Zedernholz, fein ergänzt durch sinnliche Aspekte aus Patchouli und Vetiver. Wie eine Performance von David Garrett lange im Ohr bleibt, so umschmeichelt die ausdrucksstarke Komposition von ROCK SYMPHONIES MAN seinen Träger.


    ROCK SYMPHONIES WOMAN – Harmonische Komposition aus eleganten Fruchtnoten und belebend blumigen Tönen Inspiration für ROCK SYMPHONIES WOMAN sind selbstbewusste Frauen, die mit ihrer natürlichen Art und ihrem frischen Charme begeistern. Der Duft spiegelt die vielen Facetten der modernen Frau wider: Dynamisch frisch und vielseitig ist die Kopfnote mit Bergamotte und fruchtiger Mandarine. Akkorde von knackigem Apfel und prickelnd-belebendem Cassis sorgen für das außergewöhnliche Extra, das den Charakter der Trägerin unterstreicht. Florale Essenzen von zarter Magnolie, Alpenveilchen und leichter Freesie bilden das Herz des Duftes und verleihen ihm einen jugendlich-femininen Charakter. Getragen wird die Komposition von einer warmen Basis mit weißem Moschus und Sandelholz. Delikate Vanilleessenzen und exotische Tonkabohne erinnern an ferne Länder und verleihen dem Duft ROCK SYMPHONIES WOMAN eine Aura von Individualität und Abenteuerlust.

    David Garrett präsentiert ROCK SYMPHONIES als Eau de Toilette in eleganten Flakons mit rockigen Elementen, die auch optisch seine modern-dynamischen Duftkompositionen reflektieren. Sanft reinigende Duschgele MAN und WOMAN komplettieren die Serie: Sie sorgen für einen energetischen Kick und verführen mit ihren passend frischen und natürlichen Düften."


    Quelle: http://klatsch-tratsch.de/2010…fum-zum-neuen-album/62164



    Bist Du immer noch der Meinung, das D.G. weiterhin der kleine pubertierende Geiger der Mozart-CD mit Abbado ist? Glaube es mir: er ist es nicht mehr und er ist der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, die die Klassik-Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird. Man kann es sich wirklich nicht vorstellen, was in diesem Bereich, in welchem jemand so tut, als sei er ein Klassik-angehauchter Künstler, in Wirklichkeit aber nur billigsten, übelsten Crossover vermarktet, für Geld verdient wird. Dort ist eine Vermarktungsmaschinerie angeworfen worden, vor der mir graut. "Klassik" bedeutet heutzutage für 99,8 % der Bevölkerung folgendes (bitte unbedingt dieses Video ansehen!!):
    http://www.youtube.com/watch?v=NHkX0URELfQ
    Toll - D.G. hat den Weltrekord im Violinschnellspielen aufgestellt!!! Olympisches Gold!!! Und wir ewig Gestrigen bei Tamino reden hier über lächerliche Geiger wie Menuhin, Oistrach oder Heifetz, denen es um künstlerische Dinge ging. Das versteht doch heutzutage niemand mehr von der "Generation Doof", die keinen anständigen Musikunterricht mehr in der Schule hatte, nicht Noten lesen kann, hingegen allein zur werberelevanten Zielgruppe gehört. Den David Garretts und seinen Fans gehört folglich die neue Welt! Und wenn wir Taminos erst einmal alle ausgestorben sind, werden 100 % der Weltbevölkerung Klassik für das halten, was D.G. hier exerziert. Damit wird dann Geld verdient wie mit Madonna oder Joe Cocker. Und wenn man das Publikum derartiger Veranstaltungen fragt, wer Mozart sei, werden fast alle antworten: "Der, der diese süßen kleinen Kugeln erfunden hat". Genauso wie (das ist zwar unfassbar, aber durch das Buch "Generation Doof" belegt) die überwiegende Mehrheit der jungen Deutschen den Deutschen Bundestag für einen nationalen Feiertag hält. Und solche Leute hören halt David Garrett und auch sonst alles, was in den Charts läuft.

  • O du meine Güte. Das ist wirklich Gott sei Dank alles an mir unbemerkt vorübergegangen. Herzlichen Dank für die ausführliche Information Swjatoslaw. Nun wird es für mich bei der einen CD unter Abbado mit ihm bleiben. Der Rest ist Schweigen.


    LG, Bernward :hello:


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Sagen wir's mal so: In diesem Thread hat David Garrett wirklich nichts verloren.
    Aber mit pauschalen Verurteilungen wäre ich auch vorsichtig. Ich kenne da schon Einige, die Garrett sehr mögen und trotzdem wissen was der Deutsche Bundestag ist.
    Und immerhin war er in diesem Jahr auch mit einem Recital im Gewandhaus und hat Brahms, Ravel, Bach,... gespielt. Ich war zwar nicht dort, aber soo schlecht soll es nicht gewesen sein...
    Ich befürchte, wenn man als Künstler in so eine Vermarktungsmaschinerie gerät, hat man kaum eine Chance auf eigene Entscheidungen. Es sei denn, man spielt überhaupt nicht mit, was aber mit Sicherheit das Ende der beruflichen Laufbahn bedeutet...
    Aber sorry, nun ist es völlig off topic, kehren wir zurück zum Thema, bitte.


    :hello:
    Reinhard

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Für einen Geiger ist es schrecklich anzusehen, wie ein Thread, in dem es um die Erinnerung an große Geiger gehen soll, bei David Garrett versandet. Dabei ist der sogar noch höchst lebendig. Aber gut, man kann ja theoretisch auch schon zu Lebzeiten vergessen werden; die Frage könnte also auch in dieser Allgemeinheit aufgefaßt werden.


    Zur Grundfrage des Threads lautet meine Antwort: Nein, gar nicht. Man sollte nicht allzu viel auf die Meinung von Leuten geben, die gar kein besonderes Interesse für die Geige bekunden und die meisten selbst der bekanntesten Violinkonzerte nicht besonders interessant finden. Würde man ein Urteil über Pianisten von jemandem ernstnehmen, der die Klavierkonzerte von Beethoven und Brahms nur mit einer gewissen Langeweile hört, oder von jemand, der etwa Dinu Lipatti kurzerhand unter "out" einsortiert, oder von jemand, der einen Horowitz oder einen Rubinstein schlicht als virtuosen Techniker abspeichert? Na also.


    Wahre Freunde des Violinspiels erinnern sich nicht nur an Heifetz, Oistrach, Szeryng, Milstein, Menuhin, Kogan, Taschner, Schneiderhan, Grumiaux, Rabin, Ferras, Kulenkampf, Stern, Neveu, Krasner, Kreisler, Huberman, Thibaud, Szigeti, Martzy, A. Busch, sondern vergöttern sie geradezu! Und natürlich ist die Liste nicht vollständig und enthält nur Verstorbene. Auch ist meine (nicht zufällige) Reihenfolge natürlich nicht zwingend.


    Von den Quicklebendigen, die alles andere als vergessen sind, möchte ich besonders Hilary Hahn hervorheben. Persönlich hatte ich sie in ihren ersten Jahren erregten Aufsehens tatsächlich als Technikerin ohne Tiefgang erlebt. Aber in mittlerweile zwanzig Jahren ist Wunderbares passiert. Aus der perfekten Spieluhr ist eine großartig gestaltende Künstlerin allerhöchster Klasse geworden. Jedenfalls erlebe ich sie jetzt so.

  • Ich hätte noch einen Namen zu nennen, den man nicht vergessen sollte - den gleichnamigen Enkel des Komponisten Josef Suk. Da ich das tschechische Repertoire sehr liebe, besitze ich etliche Aufnahmen von ihm:




    Schöne Grüße

    Holger

  • Ich habe diesen Thread soeben ziemlich komplett gelesen und mir sind dazu einige Dinge aufgefallen, die ich kurz hier anmerken möchte. Unabhängig möchte ich anregen , daß jeder Interessent hier MAXIMAL DREI große Geiger der Vergangenheit nominiert - und zwar jeder in einem EINZELNEN BEITRAG. EINE CD soll beigefügt werden - die indes noch bei jpc lieverbar sein muß. Also keine Sammlerstücke aus Usbekistan oder aus dem persönlichen Besitz des Zaren etc etc...


    Denn es soll ja hier bewiesen werden (ohnehin fast aussichtslos) daß die genannten Geiger noch präsent sind.

    Bzw wir wollen sie ins Gedächnois rufen. Historische Aufnahmen (=alles vor STEREO) sind erlaubt, aber es sollte darauf hingewiesen werden.


    Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, daß auch die sogenannten "Nachwuchstalente" rasch wieder aus den Katalogen verschwinden. (!!!)

    Eine (weiter oben im Thread behaupteten) Mangel an Violinkonzerte kann ich nicht orten - ausser - wozu ebenfalls die Tendenz besteht - sie werden vergessen....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Wolfgang Schneiderhan (1915-2002)


    Mein erster Kandidat ist der österreichische Geiger Wolfgang Schneiderhan (1915-2002) Die Aufnahme seiner Mozartkonzerte (1967) hat mich derart geprägt, daß ich lange Zeit über keine anderen Interpreten ertragen konnte, vor allem dann nicht wenn sie weniger anspringend und brilliant waren als die hier gezeigte Aufnahme, die vielleicht von manchem als "grell" empfunden werden könnten. (?)

    Schneiderhan war auch einer der ersten (oder der erste überhaupt ?) der die Kadenzen der Klavierversion von Beethovens Violinkonzert zurück ins Originalwerk transkribierte, vobei er einige Änderungen vornehmen musst, was er genau dokumentierte und rechtfertigte...

    Schneiderhan spielte auf einer Stradivari von 1680 "Selliere" bis 1979. Seither wurde das Instrument nicht mehr gespielt, aber.....


    http://www.festivalstringslucerne.org/de/selliere


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Lieber Alfred, da mache ich gerne mit:


    Nathan Milstein



    Ich verehre Milstein seit meiner Schulzeit sehr. Der nicht zu dick aufgetragene Ton mit wenig Vibrato und die ökonomische Bogentechnik haben es mir angetan. Seine Einspielung der Bachschen Sonaten und Partiten per violino solo aus 1974 bei der DG, da war er schon 70 Jahre alt, sind für mich immer noch Referenz.


    LG Siamak

  • Diese Aufnahme des Brahms-Violinkonzerts läßt sich nicht mehr aus meinem Gedächtnis löschen:

    Die Aufnahme gehörte bereits seit Jahrzehnten zu meiner privaten Auswahl der ewigen Besten, als im NDR eine Sendung kam, in der Mitglieder des (früheren) NDR-Sinfonieorchesters über Highlights aus ihrem ganzen Berufsleben berichteten. Nicht nur einmal wurde die Probenarbeit mit Ginette Neveu zu genau DIESEM Konzert genannt. Spätestens da wußte ich, daß mein Erleben dieser Aufnahme mehr als eine individuelle Präferenz war. Es muß damals ein kolossales Ereignis gewesen sein.

    Daß die Aufnahme 1948 gemacht wurde, läßt sich natürlich nicht überhören. Nach Oktoberr 1949 hätte man sie nicht mehr machen können.

  • Wieso eine Cd, wenn man 10 Scheiben zum Preis von einer haben kann? David Oistrach ist in dieser preiswerten Box mit Konzerten und Kammermusik auf 10 CDs vertreten, die zwischen 1954 und 1958 aufgenommen wurden. Das Label Membran bringt es mit der Überschrift "Kraftvoller Lyriker" auf den Punkt.

    Wer ihn auf You Tube beim Spielen sehen kann, fällt die stoische Ruhe bei Werken des höchsten Schwierigkeitsgrades auf. Die Emotion liegt im Spiel und ist dem Geiger nicht ins Gesicht geschrieben. David Oistrach übte er vor jeder Aufführung intensiv, wie wenn er die Noten des Werk zum ersten Mal vor sich hat.

    In einer Umfrage unter Violinsolisten welcher Geiger der Vergangenheit zu den besten gehört, wurde er auf Platz eins gesetzt. Das will schon etwas heissen.



    Das Tschaikowsky-Violinkonzert op. 35 gab er bei seinem Debüt. Er hat es sieben Mal eingespielt. Hier spielt er es mit der Staatskapelle Berlin und Gennadi Roshdestwenski anlässlich der Berliner Festtage 1963. Als Zugabe spielen die Musiker den 2. Satz aus dem Violinkonzert in a-Moll BWV 1041 von Johann Sebastian Bach.


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe