Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 46 H-Dur

  • erster Satz


    Der Satz beginnt mit einem einprägsamen Kopfmotiv, das zunächst vordersatzartig melodisch fortgeführt mit einer Kadenz zu einem geschlossenen Ganzen abgerundet wird. Die Wiederholung des Kopfmotivs erfährt eine andere ausgedehntere Fortsetzung, deren Kadenz mit dem Beginn der Überleitung verschränkt wird, einem prägnanten aufsteigenden Motiv, das durch treibende Achteln im Bass begleitet wird, und sich mit synkopischen strahlenden Akkorden in den Bläsern abwechselt. Interessanterweise nehmen die Bläser die Wendung, die ganz am Anfang das Eingangsmotiv beantwortend zu einer kleinen abgeschlossenen Einheit ergänzt hatte, nun wieder auf, bevor zum zweiten Mal der musikalische Fluss eine Zäsur erfährt. Und das folgende Seitenthema klingt auch fast wie das Kopfmotiv, nur ist es etwas früher abgeschnitten (nur noch zwei Halbe und eine Viertelnote) und hat (als Überbleibsel von der Achtelbewegung im Bass während der Überleitung) einen launigen Kontrapunkt der zweiten Violinen als einzige Begleitung. Bisher sind also die Formteile sehr elegant miteinander verschliffen. Auch der Seitensatz beginnt mit einem Viertakter, dessen Harmonik eine Kadenz ergibt, wobei diesmal das verkürzte Kopfmotiv nach den ergänzenden Achteln in der zweiten Violine auf sich selbst (mit anderen Tönen) antwortet. Das rhythmische Muster setzt sich fort, bis es in einem Verminderten kulminiert, dessen Spannung sich in eine schlussgruppenartige Achtelfigur entlädt, die aber plötzlich im piano fortgeführt wird, und anstatt der jubelnden Bestätigung der Zieltonart, die zur Wiederholung der Exposition ermuntern würde, fährt das Überleitungsmotiv herein, in Moll. Aber nach etwas hin und her wird der Versuch mit der schlussgruppenartigen Achtelfigur wiederholt und statt in Moll beendet das Überleitungsmotiv nun in der richtigen Tonart die Exposition.


    Die Durchführung bringt nach etwas Kopfmotiv-Engführung irritierenderweise den ganzen "Vordersatz" des ersten Themas fast wörtlich - irritierend deshalb, weil er so wenig "drive" hat und nicht in der Dominanttonart sondern in der Haupttonart des Satzes gespielt wird. Das wirkt hier irgendwie deplatziert. Dafür kommt dann die im Seitensatz verkehrt gewesene Moll-Version des Überleitungsmotivs (variiert). Der Rest der Durchführung verläuft gewissermaßen wie zu erwarten. Dafür gibt sich die Reprise sehr bald wieder durchführungsartig, da das Kopfmotiv beim zweiten Auftreten wieder enggeführt wird. Man kann also sagen, dass Durchführung und Reprise auf sehr eigenwillige Weise zusammengeklammert sind, da in beiden sehr bald der Charakter des jeweils anderen Formteils dominant wird. Das Seitenthema wird übrigens fortgelassen (was dagegen spricht, es überhaupt so zu nennen), aber das irritiert nicht so sehr, da ja in der Exposition der größte Raum dem Spiel mit Schlussgruppen-Motiv und Überleitungsmotiv gewährt war.


    zweiter Satz


    Der erste Abschnitt ist geprägt vom taktweisen Wechsel einer gesanglich langsam-schwingenden Melodie und weiterführenden staccato-Sechzehnteln in h-moll, bis der Sechzehntel-Abschnitt beim dritten Mal verlängert wird und in ein strahlend-versöhnliches etwas auf der Stelle tretendes D-Dur-Tutti (immer noch im piano) mündet, unter dem die Sechzehntelkette weiterläuft um anschließend wieder die Führung übernehmend zu einem Abschluss in D-Dur zu führen. Nach zwei Takten legato-Klagens voller reibender Durchgänge und Vorhalte (durch den Vorhalt h wirkt der zweite Schlag zunächst wie h-moll) kommt eine Hoquetus-Passage. Um all den Wiederholungen, die hierbei stattfinden, etwas Einhalt zu tun, kommt eine Variante der zuvor klagenden legato-Kette nun im forte unisono mit rhetorisch Einspruch erhebender Wendung mit Sforzato am Schluss, worauf die weitermurmelnden Sechzehntelketten, das D-Dur abermals recht repetitiv bestätigend, den ersten Teil abschließen.


    Der B-Teil ließe sich auch als Durchführung lesen, es kommt kein wesentlich neues Material hinzu. A' oder die Reprise bietet anstelle des von mir als "strahlend-versöhnlich" beschriebenen Abschnitts einen sequenzierenden mit Vorhalten in den Bläsern.


    dritter Satz


    Nach einem festlich in H-Dur strahlendem Menuett kommt ein merkwürdig minimalistisches Trio mit ganztaktigen "Melodie-Noten" die auf 2-3 durch den Bass ihre harmonische Deutung erfahren. Aber nicht nur dieser Aufbau ist "so wenig, wie möglich", betrachtet man die Melodie selbst, zeigt sich, dass ihre stupid-naive Wirkung durch symmetrische Strenge der Konstruktion erreicht wird: Ausgehend von d wird der Tonumfang sukzessive oben (e), unten (cis) und wieder oben (fis) erweitert. d erscheint also etwa als horizontale Spiegelachse. Nun folgt der "Nachsatz", der gleich beginnt, dadurch dass statt des abschließenden fis aber wieder das zentrale d kommt, hat man den Eindruck einer den Vordersatz zurücklaufenden Kontraktion (wenn statt des d in Takt 5 das h darunter gewählt worden wäre, würde der Nachsatz den Spiegelkrebs des Vordersatzes darstellen, wenn wir jetzt mal diesen Zwölftonjargon schlampigerweise so anwenden, als wären Halbton und Ganzton dasselbe). Das zu wiederholen, wäre allerdings etwas langweilig, also wird die "Melodie" nun auf erste und zweite Violine aufgeteilt und zwar recht raffiniert so, dass nur ein einziger Ton neu dazuerfunden werden muss (das fis in Takt 9), der Rest dieses zweistimmigen Satzes ergibt sich daraus, dass stets ein Ton liegenbleibt, der sich dann fast immer durch den hinzutretenden Ton der anderen Stimme nach unten auflösen muss. Es klingt nach einer merkwürdig verwaschenen Variante der ersten Version. Nach dieser ersten Belebung treten im zweiten Teil die Bläser hinzu und es geht etwas munterer weiter, eine Wiederaufnahme des A-Teils unterbleibt.


    vierter Satz


    Das Finale in H-Dur gibt sich zunächst unbeschwert einhergaloppierend, nach zwei Zweitaktern folgt ein gleich beginnender Viertakter, der durch die Synkope im vorletzten Takt abschließender wirkt, worauf auch eine kurze Zäsur kommt und dann eine nach unten verlagerte verlängerte Variante des Ganzen - oder eine Fortführung die am Beginn und am Ende an den ersten Abschnitt erinnert. Es wird nun der Anfang unverändert wiederaufgenommen mit polternd beharrlichem Halbschluss, wodurch die Modulation zur Dominanttonart vorbereitet wird. Diese wird recht überraschend vorgenommen: Auf den Halbschluss folgt nach einer Zäsur ein kurzer fis-moll-Einwurf. Das motiviert ein sequenzierendes Aufbäumen des Tutti mit Vorhalten, woraus sich über dem in Achteln repetierten cis der ersten Violinen das aus dem Hauptthema abgeleitete Seitenthema ergießt, das sich in Engführung zwischen Bläsern und Bässen abwechselt. Das Absteigen der Sequenzen der Überleitung erfährt nun eine Variante in einer abwärts steigenden Umdeutung des Themas in den ersten Violinen, worauf die sequenzierten Vorhalte im Tutti wiederaufgenommen werden. Verblüffend, dass nun sukzessive die Instrumente fortgenommen werden und anstelle eines Abschlusses die ersten Violinen in Wiederholungen hängenbleiben und abbrechen. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass vor der Tutti-Sequenz zwei Takte lang eine reduzierte Version davon in den noch allein musizierenden Violinen gebracht worden war - ohne die aufsehenerregende Lösung vor dem Doppelstrich wäre das wohl etwas unmotiviert, so wird aber das Reduzieren der Besetzung, das die kläglich übrigbleibenden Violinen ermöglichte, vorbereitet, da ja das Tutti bereits wie ein hinzugeschaltetes Register wirkt, was man dann eben auch wieder wegnehmen kann.


    Während das ja als Abschluss der Exposition recht irritierend wirkt, ist es aber doch ein hervorragendes Mittel, den Übergang zur Durchführung zu verschleifen, die dann auch gleich ein ähnliches Fragment präsentiert. In der Folge kommt bald ein neuer Gedanke (Ausgleich zur Monothematik) - und dann kommt viel zu früh und recht unscheinbar die Reprise, die aber recht bald stark dramatisiert wird und durchführungsartig. Das bricht am Höhepunkt ab - Zäsur - und dann kommt noch eine Reprise, allerdings die eines falschen Satzes, nämlich des Menuettes, dessen Schlussabschnitt höchst elegant hineinmontiert wird nämlich als Schnittstelle die Mitte des B-Teils, die durch die Beschränkung auf die vom fis abwärts geführten Violinen eine Analogie zum Beginn des Finales hat. Der reprisenhafte Eindruck wird verstärkt dadurch, dass dieser vorne abgeschnittene B-Teil des Menuetts nun in die vollständige B-Teil-Wiederholung mündet und eine Coda bekommt, worauf der ganze Satz noch durch eine Finaltempo-Coda abgerundet wird.

  • Man sollte nicht glauben, wie unterschiedlich eine Interpretation auf einen wirken kann. Nach Abhören der Sinfonie Nr 45 "Abschied" (Tafelmusik unter Bruno Weil) hörte ich "ein wenig darüber hinaus - soll heissen ich "rutschte an den Beginn der folgende Sinfonie Nr 46 - die in meinem numerisch geordneten "Hörprojekt" die nächste sein sollte. Und ich war gar nicht angetan. Kein Wunder ich mag dieses gesamte "Sturm und Drang " Zeugs nicht - egal von wem auch immer. indes klingt die (gestrichen) Hogwood Aufnahme schon zu Beginn wesentlich freundlicher, trotz eindeutiger Sturm und Drang Attitüde.. Schein bar sind es bei Hogwood die Hörner, die etwas anders balanciert sind - und dem Werk webnigestens einen Ansatz von Wärme geben. - Eine Lieblingssinfonie wird die Nr 46 indes nie für mich. Und ich fürchte, das wirde auch auf die folgenden 40 Sinfonien gelten. Ich vermisse das Liebliche und "Höfische" das hier nur gelegentlich durchschimmert, überdeckte durch grelle unangenehm llingende Dynamik, unterbrochen durch ein langweiliges ödes Adagio.

    Wahrscheinlich werde ich das tun, was die meisten Dirigenten (was ich ursprünglich verurteilt habe - nun aber verstehe) auch gemacht gabe_ Ich lasse einfach ein paar Sinfonien aus....:untertauch::stumm::yes::hello:


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Die Haydn-Box mit Pinnock hat m.E. sowohl aufnahme- als auch spieltechnisch sehr guten Klang, der nicht für Irritationen sorgen dürfte:

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Die H-Dur-Sinfonie ist einer meiner liebsten überhaupt! Viel kurioser als die fis-moll ist die Tonart H-Dur hier wegen der Verwendung von (selten zu hörenden) Hörnern in H (muta in D für den langsamen Satz h-moll). Hörner (und Trompeten) in H kenne ich sonst nur von Brahms' op. 68 (1. Sinfonie). Dabei ist es interessant, wie die Stimmung des Horns geändert wird; in der Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840 schreibt der Herausgeber August Gathy (S. 218ff.):


    Zitat

    Übrigens bleibt sich die obrige Tonfolge auf dem Horne bei allen acht Gattungen desselben immer gleich; die Hornstimme wird in C dur geschrieben, das Instrument durch aufgesetzte Krummbogen in die Tonart gestimmt, aus welcher das Musikstück geht, und nur Corno in B, in A, G, F, Es, D oder in C über die Stimme gesetzt.


    Jeder Hornbläser muss indessen Sänger sein und vor allem ein gutes Gehör haben, da er die Töne alle selbst suchen muss und sie nicht durch Löcher und Klappen, wie bei anderen Instrumenten, bestimmt an ihrem Platze findet.

    Vom Wechseln des Krummbogens wird aber innerhalb eines Werkes zumeist abgesehen; es steht ein weiterer Satz (anders gestimmter) Hörner parat; hier z.B. jene in D für den 2. Satz. Im Video (das sich hier nicht einbinden lässt) sieht man die jeweils nicht benutzten Hörner in Reichweite der Hornisten hängen.


    Die von KSM so beschriebene "falsche Reprise" im Finale tut ihr übriges, um die Sinfonie zu einer der interessantesten zu machen.


    Vol. II der Haydn2032-Edition beinhaltet neben Hob. I:46 auch gleich meine zweite Lieblingssinfonie aus dem Bereich der "frühen" bzw. ersten Hälfte, die philosophische 22er:



    In einem Livekonzert in Basel habe ich das Programm dieser CD gehört und auch die 47 schätzen gelernt.

    Die Kunst ist [...] vielleicht das Denken des Herzens.
    (Blaise Pascal, 1623-1662)

  • Wahrschenlich werde ich das tun, was die meisten Dirigenten (was ich ursprünglich verurteilt habe - nun aber verstehe) auch gemacht gabe_ Ich lasse einfach ein paar Sinfonien aus....:untertauch::stumm::yes::hello:


    mfg aus Wien

    Alfred

    Haydn-Experten scheinen ja hier viele zu sein. Aussortieren würde ich die, die die "Sturm- und Drang-Sinfonien aussortieren. Daher muss ich dir, lieber Alfred, leider verbieten:untertauch:, die Nr. 49 - "La Passione" auszulassen (ich hoffe du hast 44 - Trauer - und 45 - Abschied - mit Vergnügen angehört). Abbrechen kannst du von mir aus vor den den groß besetzen Londoner Sinfonien - reine Show-Sinfonien (:stumm:) für grandeur-affine Briten.

    Canada is the US running by the Swiss (Richard Ford)

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  • Haydn-Experten scheinen ja hier viele zu sein. Aussortieren würde ich die, die die "Sturm- und Drang-Sinfonien aussortieren. Daher muss ich dir, lieber Alfred, leider verbieten:untertauch:, die Nr. 49 - "La Passione" auszulassen (ich hoffe du hast 44 - Trauer - und 45 - Abschied - mit Vergnügen angehört). Abbrechen kannst du von mir aus vor den den groß besetzen Londoner Sinfonien - reine Show-Sinfonien (:stumm:) für grandeur-affine Briten.

    Wie schön, dass ich in Sachen Haydn heute keine Berührungsängste mehr habe. Alfreds Abscheu vor den Sturm-und-Drang-Werken passt zu Alfred und allem, was er zum Hören so bevorzugt, ich persönlich habe in meinen Klassikanfängen einige Londoner Symphonien zuerst kennengelernt (u.a. Die Militärsymphonie mit Jochum), aber das bewegte mich nicht sonderlich. Erst der einige Jahre später (ich war ca. 17 Jahre alt) entstandene Kontakt mit genau den von Alfred geschmähten Sturm-und-Drang-Symphonien, insbesondere den Moll-Werken, eröffnete mir überhaupt einen richtigen Zugang zu Haydn. Erst die Beschäftigung mit Sturm und Drang ließ mich irgendwann auch Symphonien, die eher höfischer Unterhaltung und Prachtentfaltung dienen sollten, in den Blick nehmen - und richtig Gefallen an ihnen finden. Also, meine Schlüssel zu Haydn waren Symphonien wie die Nr. 44, die Nr. 45, die Nr. 49 oder die Nr. 52, auch die 26 oder die 39. Diese Werke überspielte ich als Schüler immer wieder auf Kassetten, um sie auch auf dem langen Schulweg in der Straßenbahn via Walkman hören zu können. Rauf und runter. Über Jahre waren sie Teil meines heiligen Kanons. Von Mozart hörte ich auch in meiner Jugend meist nur 5 Werke: die beiden Moll-Symphonien, die Moll-Klavierkonzerte und das Requiem (okay und Exsultate jubilate, dafür hatte ich sofort eine Schwäche. Besonders wenn Maria Stader es sang).

    Heute bin ich bei Haydn für jedwede Gattung in jedweder Tonart empfänglich - abgesehen vielleicht von den Baryton-Trios:wacko:.


    Grüße

    Garaguly

  • Die H-Dur-Sinfonie ist wieder mal ein Fall, in dem im Finale mE der "Gag" (die Wiederkehr des Menuetts) geschwächt wird, wenn auch der 2. Teil des Finales wiederholt wird.


    Ich schätze viele der Sturm & Drang Sinfonien sehr, aber mein "Schlüssel" zu Haydn waren die späten (Londoner, 88, Pariser...) und ich halte die auch größtenteils für besser. Pingel liegt falsch.

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    (Bob Dylan)

  • und ich halte die auch größtenteils für besser. Pingel liegt falsch.

    Garaguly und ich gegen Roehl, das ist 2:1, also liegt Roehl falsch.

    Zugang zu Haydn. Erst die Beschäftigung mit Sturm und Drang ließ mich irgendwann auch Symphonien, die eher höfischer Unterhaltung und Prachtentfaltung dienen sollten, in den Blick nehmen - und richtig Gefallen an ihnen finden. Also, meine Schlüssel zu Haydn waren Symphonien wie die Nr. 44, die Nr. 45, die Nr. 49 oder die Nr. 52, auch die 26 oder die 39. :wacko:.


    Grüße

    Garaguly

    Hier bist du mal wieder mein alter ego. Ich habe ja den ganzen Haydn gehört, alle 104, und jede mindestens 10x.

    Wenn ich heute Haydn höre, dann die, die du erwähnst. Ein paar kommen noch dazu,6,7 8, 22, 60 (il distratto)

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  • Dafür kriegt der Pingel auf die Fingel. Aber das sollte andernorts diskutiert werden:


    Haydn: Londoner Sinfonien

    Ich habe das mal nachgesehen. Da werden Haydn-Aufnahmen von Solti, Szell, Karajan mit großen Sinfonieorchestern besprochen und belobigt. Ich besitze sie nicht, habe sie aber früher, als ich noch klein war, gehört. Heute würde ich sie in meine Satire-Sammlung einstellen, gleich neben, Polt, Hüsch und Dieter Hildebrandt. Ach nein, lieber lasse ich es ganz.

    PS: Als ich aufs Gymnasium ging (1950) kriegten wir tatsächlich was auf die Fingel, aber waren gewitzte Kinder, deren Hände absolut schnell waren. Hier ist es die Löschtaste.

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  • Ich habe das mal nachgesehen. Da werden Haydn-Aufnahmen von Solti, Szell, Karajan mit großen Sinfonieorchestern besprochen und belobigt.

    Das lässt sich ändern.


    Ich besitze sie nicht, habe sie aber früher, als ich noch klein war, gehört. Heute würde ich sie in meine Satire-Sammlung einstellen, gleich neben, Polt, Hüsch und Dieter Hildebrandt. Ach nein, lieber lasse ich es ganz.

    So ähnlich ging/geht es mir. Inzwischen habe ich derlei Aufnahmen nicht mehr. Wer mich kennt, weiß das: ich bin da noch viel pingeliger als Du (es zu erahnen wünschst) - sozusagen pingelißimo ...


    Aber: es lässt sich ja (a.a.O., nota bene) über die Werke als solche sprechen, mal relativ unabhängig von den verwendeten Instrumenten.

    8-)

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    (Blaise Pascal, 1623-1662)

  • Ein tolles Werk von 1772, ein Jahr das als einer der Höhepunkte in Haydns Karriere gelten muss, mit den Sinfonien 45-47, den op 20 Quartetten und wahrscheinlich 80 oder so Baryton-trios:D.


    Ich sehe diese Sinfonie als eine von Haydns „Dur-Moll“ Auseinandersetzungen, ähnlich wie Nr. 70 oder Haydns späte Moll-Sinfonien. Schon der erste Satz hat zahlreiche Wendungen zu Moll (viel mehr als z.B. in Kopfsätzen von 42 und 43) und der zweite Satz und das Trio von Menuett sind beide in H-Moll, was auch außergewöhnlich ist, dass langsamer Satz und Trio in Moll stehen. Interessant, dass diese Sinfonie (zumindest numerisch) der Abschiedssinfonie folgt, die ebenfalls eine „Dur-Moll“ (oder besser gesagt eine „Moll-Dur“) Auseinandersetzung ist, aber auf einer ganz anderen Ebene.


    Ehrlich gesagt, verstehe ich Pingels Kreuzzug gegen die Londoner Sinfonien nicht. Kaum einer seiner Beiträge zu Haydns Sinfonien kommt ohne ein Seitenhieb auf die Londoner aus:no:. Es ist ja legitim Werke nicht zu mögen, aber warum konstant darüber schreiben? Vielleicht faszinieren ihn ja die Londoner doch…..:pfeif:


    LG aus Wien,:hello:

  • Ehrlich gesagt, verstehe ich Pingels Kreuzzug gegen die Londoner Sinfonien nicht. Kaum einer seiner Beiträge zu Haydns Sinfonien kommt ohne ein Seitenhieb auf die Londoner aus:no:. Es ist ja legitim Werke nicht zu mögen, aber warum konstant darüber schreiben? Vielleicht faszinieren ihn ja die Londoner doch…..:pfeif:


    LG aus Wien,:hello:

    1. Bitte bleib auf dem Teppich, ich mache doch keinen Kreuzzug. Legere Anmerkungen reichen für Derartiges ja nicht aus.

    2. Ich schreibe sehr wenig über Haydn.

    3. Die lLondoner sind ja nun gefälliger, und Haydn verliert dort halt ein wenig von seiner Subtilität.

    4. Bisher bin ich, wie ich sehe, der einzige, der alle 104 Sinfonien im Laufe von 5 Jahren gehört hat, und alle mehrfach. Daher weiß ich genau, was ich auflege, wenn ich Lust auf Haydn habe.

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  • Bisher bin ich, wie ich sehe, der einzige, der alle 104 Sinfonien im Laufe von 5 Jahren gehört hat, und alle mehrfach.

    Mitnichten!

    Die Kunst ist [...] vielleicht das Denken des Herzens.
    (Blaise Pascal, 1623-1662)

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  • wahrscheinlich 80 oder so Baryton-trios :D .

    Die (anderen Quellen folgend) 123 Werke für Baryton entstanden in der Zeit von 1765 bis 1775; keine Häme! Wer > 104 Sinfonien, ca60 Claviersonaten und 68 Streichquartette ertragen kann, sollte auch bei ein paar Barytontrios nicht kneifen. Besetzungstechnisch sind die zwar eher einsilbig (wobei Claviersonaten und Streichquartette auch keine besonderen Besetzungsvarianten hergeben, ausgenommen diverses historisches Geflügel bei den Sonaten), dafür entfalten sie sehr großen musikalischen Einfallsreichtum, den es zu entdecken lohnt; zumal auch wegen des atemberaubenden, seltenen Klanges. Ich empfehle den Totschläger in kleinen Dosen.

    Die Kunst ist [...] vielleicht das Denken des Herzens.
    (Blaise Pascal, 1623-1662)

  • Die (anderen Quellen folgend) 123 Werke für Baryton entstanden in der Zeit von 1765 bis 1775; keine Häme! Wer > 104 Sinfonien, ca60 Claviersonaten und 68 Streichquartette ertragen kann, sollte auch bei ein paar Barytontrios nicht kneifen. Besetzungstechnisch sind die zwar eher einsilbig (wobei Claviersonaten und Streichquartette auch keine besonderen Besetzungsvarianten hergeben, ausgenommen diverses historisches Geflügel bei den Sonaten), dafür entfalten sie sehr großen musikalischen Einfallsreichtum, den es zu entdecken lohnt; zumal auch wegen des atemberaubenden, seltenen Klanges. Ich empfehle den Totschläger in kleinen Dosen.

    Lieber Ulli,


    Die Box habe ich auch, hauptsächlich wegen der Oktette. Ich wollte die Trios nicht runtermachen, und, ich gebe zu, dass Haydn wahrscheinlich keine 80 davon in 1772 geschrieben hat, sondern vielleicht etwa 20. Ich höre die Trios sogar gerne, ziehe aber die Quartette und Sinfonien vor.


    LG aus Wien.:hello:

  • Klar :whistling:


    Kehren wir mal zurück zur H-Dur-Sinfonie:

    Interessant, dass diese Sinfonie (zumindest numerisch) der Abschiedssinfonie folgt, die ebenfalls eine „Dur-Moll“ (oder besser gesagt eine „Moll-Dur“) Auseinandersetzung ist, aber auf einer ganz anderen Ebene.

    Dazu meint schon Tante Wiki:

    Zitat

    Sie wird aufgrund von Gemeinsamkeiten (verwandte Tonarten, ungewöhnliche Gestaltung des Schlusssatzes) bzw. Gegensätzlichkeiten (starke motivische Arbeit im Kopfsatz von Nr. 46) oft als Gegenstück oder Schwesterwerk zur Sinfonie Nr. 45 angesehen.

    Ich mag die 46 lieber und mir fällt gerade auf, wenn ich die Partitur schnüffle, daß in allen möglichen Einspielungen gefühlt rhythmisch falsch gespielt wird, oder irre ich? Ich höre jedenfalls stets in den Takten 2 und 3 des Kopfsatzes das vierte Viertel betont, was falsch ist, es ist schwach weil auftaktig.

    :/

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