Regietheater - letzte verbliebene Schrumpfform linker Ideologie ?

  • Der Regisseue ist lediglich der Erfüllungsgehilfe, der Handdwerker der das Werkstück nach Bauplan fertigstellt.

    Er ist in der Regel KEIN Künstler

    Mein Standpunkt: Ebenso wie Komponist, Librettist, Dirigent, Orchestermitglieder & Sänger ist auch der Regisseur ein Künstler, denn ebenso wie die Umsetzung der Noten, ist auch die Umsetzung der Regie künstlerische Arbeit.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Lieber Alfred, Du schreibst mir zu viel Toleranz zu :) Obwohl Ich zugeben muss, dass ich mit der Zeit meine Prinzipen etwas gelockert habe… Aber nur etwas. Ich erwarte zum Beispiel nicht zwingend, dass die Kostüme oder das Bühnenbild sehr realistisch und detailliert sind. Ich mag es sehr, wenn diese symbolisch umgesetzt werden und trotzdem das zeigen, was die zeigen sollen. Genauso finde ich legitim, wenn die Sänger eigene Nuancen in die Rolle bringen. Die Geschichte allerdings muss dabei genau die bleiben, die im Libretto steht! Als eine gelungene Inszenierung dieser Art kann ich hier „The rape of Lucretia“ von David McVicar nennen. Diese habe ich vor Kurzem geschaut - deswegen kommt die mir als erste in den Kopf. Ich verlinke diese auch gerne.
    Und wenn jemand dem Publikum vorführen möchte, wie diese Geschichte in einer anderen Zeit aussehen würde, soll er dem Beispiel von Leonard Bernstein mit „West Side Story“ folgen, sich inspirieren lassen und ein neues Werk schaffen.



    Benjamin Britten

    „The Rape of Lucretia“



    Sarah Connolly, Christopher Maltman, Catherine Wyn-Rogers, John Mark Ainsley, English National Opera Orchestra, Paul Daniel

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Er ist in der Regel KEIN Künstler

    Mein Standpunkt: Ebenso wie Komponist, Librettist, Dirigent, Orchestermitglieder & Sänger ist auch der Regisseur ein Künstler, denn ebenso wie die Umsetzung der Noten, ist auch die Umsetzung der Regie künstlerische Arbeit.

    Laut Duden gibt es zwei Bedeutungen von "Künstler":


    Künstler, der

    Bedeutungen (2)

    1. männliche Person, die [berufsmäßig] Kunstwerke hervorbringt oder darstellend, aufführend interpretiert

    2. männliche Person, die auf einem Gebiet über besondere Fähigkeiten verfügt


    Jeder Regisseur erfüllt per definitionem 1. Ob er auch 2. erfüllt, ist dann schon subjektiv.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Ich habe eigentlich wirklich keinerlei Lust, mich zu dem Thema zu äußern. Die RT-Debatte ist so ziemlich die unfruchtbarste, die es gibt, mit festgefahrenen Fronten und dem immer wieder fleißig geübten wechselseitigen Unverständnis. Es gibt die unendliche x-te ewige Wiederkehr der immer gleichen Argumente.


    Kürzlich las ich etwas - wo ich nur verrate, dass der Schreiber dieser Zeilen ein Komponist ist. Quizfrage: Von wem stammt es?;) :D


    "Aber Notation ist unvollkommen, und deshalb ist der Autor bestrebt, sie so weit wie möglich zu verbessern. Je mehr eine Wiedergabe sich an die Zeichen hält, d.h. je mehr von dem wahren Willen des Autors sie aus ihnen zu entnehmen vermag, desto höher steht natürlich die Interpretation. Denn der Interpret ist nicht der Erzieher des vewaisten Werkes, oder gar der Seelsorger - sondern sein heißester Diener: jeden Wunsch möchte er ihm von den Lippen ablesen, jeden Gedanken, eher er gedacht, empfangen ... u.s.w. - Dem stehen zwei Unvollkommenheiten entgegen: die der Notation und die des Dieners. Der Diener ist leider meist eine Individualität, die - statt sich hineinzuleben - sich ausleben möchte. Und so wird er meist zum Parasiten an der Außenseite, wo er im Blutkreislauf der Nährstrang sein könnte."


    Und weiter:


    "Aber das Reproduzierende darf nicht das Werk des großen Künstlers zu seinem eigenen machen!"


    :angel:

  • Mein Standpunkt: Ebenso wie Komponist, Librettist, Dirigent, Orchestermitglieder & Sänger ist auch der Regisseur ein Künstler, denn ebenso wie die Umsetzung der Noten, ist auch die Umsetzung der Regie künstlerische Arbeit.

    Ich finde auch, dass Regie Kunst ist, die allerdings nicht etwas Neues schafft, sondern ein Werk in eine andere Kunstform umwandelt. Genauso wie ein Komponist, der eine Geschichte oder ein Gemälde musikalisch umsetzt. Ich glaube, es war Tschaikowsky, der meinte, das die Musik sich dem Literarischen unterordnen soll. (Ich versuche gerade zu finden, wo ich das gelesen habe)

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Quizfrage: Von wem stammt es? ;) :D

    Gehe ich recht in der Annahme, daß der Autor in Köln wohnhaft war? 8)


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Die Bemühungen, mit der Thematik noch einmal für Aufsehen zu sorgen und der medialen Bedeutungslosigkeit irgendetwas entgegenzusetzen, in dem man nun schlichtweg den Regisseuren abspricht Künstler zu sein, ist an reaktionärer Ignoranz dann doch überraschend.


    Allenfalls der um Aufmerksamkeit heischende Threadtitel kann da mithalten. Es hätte zur Thematik wahrlich andere Threads gegeben, in denen auf hohem Niveau diskutiert und gestritten wurde. Warum dieser? Auf was für ein Niveau will man denn noch sinken?


    Ist das anvisierte Zielpublikum noch am Leben? Ich wäre mir da nicht so sicher. Zum Glück interessiert sich kein Regisseur von Rang und Namen, was hier geschrieben wird, und wenn es doch einer lesen sollte, wird er darüber lachen.


    Ein Thread zum Fremdschämen.


    Wir bitten nachdrücklich, die Wahl der Worte bei Beiträgen genau zu überdenken !!!!

    der Forenbetreiber

    ADM 001 Alfred Schmidt

  • Ich finde auch, dass Regie Kunst ist, die allerdings nicht etwas Neues schafft, sondern ein Werk in eine andere Kunstform umwandelt

    Natürlich schafft Regie in Zusammenhang mit den Darstellern etwas Neues. Das ist doch ganz einfach: Annahme: Im Libretto stünde "Der Darsteller geht zur Tür raus.", also geht der Darsteller raus. Aber in dem Augenblick, wo auf der Bühne der Darsteller zur Tür rausgeht gestaltet er etwas, er kann auf 1000000 Arten zur Tür rausgehen. Der Regisseur, der die verschiedenen Rollen auf der Bühne zu einen Geschehen zusammenfasst, schafft offensichtlich etwas grundlegend Neues zum Libretto.


    Das ist auch offensichtlich und kindereinfach. Wäre das nämlich nicht so, würden wir alle nur Libretti lesen. Was sollte der ganze teure Aufwand, wenn da nichts Neues passieren würde. Da sollte man sofort die Gelder streichen! ;)


    Vergleich mit einem Notenbild in der Musik. Da stünde ein eingestrichenes C für das Cello. Würde man den Ton nicht gestalten entstünde keine Musik. Ganz offensichtlich sind das alles kreative Prozesse und damit Kunst und die, die es produzieren sind eben Künstler. Was sollen die ganzen Threads über Pianisten, Geiger, Sänger und was weiß ich wen, wenn die alle nichts Neues beitragen zu den Noten und dem Libretto?


    BTW Im Wesen der Kunst liegt es, Neues zu schaffen.

  • Gehe ich recht in der Annahme, daß der Autor in Köln wohnhaft war? 8)


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Nicht schlecht, der Versuch. Aber leider daneben getippt. ^^ Aber so viel kann ich verraten: Er war Emigrant und lebte in den USA. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

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  • Zum Glück interessiert sich kein Regisseur von Rang und Namen, was hier geschrieben wird, und wenn es doch einer lesen sollte, wird er lachen über diese greise Insel.

    Zum Glück? Ein Künstler soll sich dafür interessieren, wie sein Schaffen bei dem Publikum und bei den Kritikern ankommt! Meiner Meinung nach, das Publikum ist das höchste Gremium und ein erfahrenes, wie die Tamino-Mitglieder es sind, schon recht!

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Was Du beschreibst habe ich unter „Nuancen“ gemeint. Der Vergleich mit den Instrumentalisten ist sehr gut. Auch sie haben auch nur begrenzte Freiheit das Original zu verändern. Ich jedenfalls würde es unakzeptabel finden, wenn ein Pianist ein Teil des vorgetragenen Stückes rauslässt oder andere Noten spielt. Die Grenzen sind natürlich schwer definierbar und die Schmerzgrenzen sind sowieso sehr individuell.
    Ich mag es, wenn ein Künstler es zeigt, wie er das Werk fühlt und sieht und nicht sich ein Ziel setzt neues Werk zu kreieren. Eigentlich eine eigene Interpretation entsteht ganz natürlich. Es kann gar nicht anderes sein.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Die RT-Debatte ist so ziemlich die unfruchtbarste, die es gibt, mit festgefahrenen Fronten und dem immer wieder fleißig geübten wechselseitigen Unverständnis. Es gibt die unendliche x-te ewige Wiederkehr der immer gleichen Argumente.

    Das ist IMO ein Mißverständnis. Ich argumentiere nicht - ist stelle lediglich fest, daß ich etwas vehement ablehne

    Und das sollte nicht in Vergessenheit geraten - auch wenn es manchen lieber wäre

    ES ist mir persönlich wichtig, zu dokumenteieren und in Erinnerung zu rufen, daß ein Gutteil der Klassikhörer RT und ähnliche Tendenzen ablehnt. Darüber hinaus geht es nicht. Da bedarf es keiner Argumente. Es genügt: "Weil ich es nicht will"

    Und hier ist das finanzielle "Austrocknen" ein gutes Mittel. Kommt Zeit kommt Rat.....

    Man soll sich nicht drauf verlassen, daß konservativ (oder reaktionär) Denkende grundsätzlich steinalt oder bereits tot sind, wenn man es beobachtet so wächst derzeit eine Generation von jungen ultrakonservativen nach. Dies als neutrale, wertfreie Beobachtung......


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Betrachten wir die Sache einmal nüchtern. Wieso sollte ein Haus wie die Wiener Staatsoper mit über 99 % Auslastung (so auch die aktuellen Zahlen) sein Inszenierungskonzept ernsthaft überdenken? Das Regietheater hat erkennbar zu keinem Einbruch geführt. Diese Form der Opernregie kann man zwar kritisch sehen, realistischerweise wird sich daran aber nichts ändern. Der Thread, der jetzt ins 17. Jahr geht, unterstreicht diese Beobachtung. Zudem ist ein Großteil der schärfsten Kritiker des Regietheaters für die Entscheidungsträger irrelevant, da er - was auch hier häufig betont wird - ohnehin nicht (mehr) in die Oper geht.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Zudem ist ein Großteil der schärfsten Kritiker des Regietheaters für die Entscheidungsträger irrelevant, da er - was auch hier häufig betont wird - ohnehin nicht (mehr) in die Oper geht.

    Die "Entscheidungsträger" sollten sich lieber fragen, warum ein Großteil der schärfsten Kritiker des RT nicht mehr in die Oper geht. Dann würde ihnen wohl die Relevanz klar - sie gehen wegen des Regietheaters nicht mehr in die Oper (dazu zähle auch ich), weil sie das angekündigte Werk und nicht das Machwerk eines (mehr oder weniger) durchgeknallten Regisseurs sehen wollen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • angekündigte Werk und nicht das Machwerk eines (mehr oder weniger) durchgeknallten Regisseurs sehen wollen.

    Nur entsteht das angekündigte Werk immer erst im Vollzug des Musizierens und Inszenierens. Eine Oper existiert ja nicht einfach so im luftleeren Raum, wie ein Bild im Museum. Es gibt schlichtweg keine "angekündigte" Version eines Werkes. Lediglich die Musik kann angekündigt werden und muss dann ebenfalls im Augenblick entstehen um zu Gehör gebracht zu werden.


    Das was die Regie dann anbietet, das muss freilich nicht gefallen. Gefällt mir als Vielgänger auch längst nicht immer. Aber insofern ich nicht lediglich konzertante Aufführungen besuchen möchte, muss mir das jemand inszenieren - es hilft nichts ;)

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Aber insofern ich nicht lediglich konzertante Aufführungen besuchen möchte, muss mir das jemand inszenieren - es hilft nichts

    DAS ist genau der springende Punkt: Die RT-Mafia hat alles für sich belegt - und es führt -DERZEIT - kein Weg in ihr vorbei. Dereinst (ich werde nichtmehr in den Genuss kommen) werden junge radikale Kräfte mit diesem Unwesen Schluss machen - und sie werden vermutlich nicht zimperlich sein. Mag aber auch sein (Plan B) daß die Oper allmählich in Bedeutungslosigkeit versinkt und man die Opernhäuser zu Immigrantenheimen umbaut. Manchmal scheint es, dass dies ohnedies das angestrebte Ziel ist. In den ÚSA wird vermutlich eine Variante davon realisiert: Die MET und andere Opernhäuser werden zu TRUMP-Tempeln umgebaut - wo man gegen einen größeren Obolus Eintritt erhalten kann und den Präsidenten anbeten....

    In Europa fehlt indes die Bereitschaft wirklich große Persönlichkeiten zu verehren - es sei denn solche aus der Vergangenheit (Stalineum -etc...):hail::hail::hail::baeh01:


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Die "Entscheidungsträger" sollten sich lieber fragen, warum ein Großteil der schärfsten Kritiker des RT nicht mehr in die Oper geht.

    Warum sollten sie? Solange die Häuser ausgelastet sind fehlen die offenbar niemandem. Solange die Abneigung dieser sogen. Theaterform lediglich ein Statement ist wird man es bestenfalls zur Kenntnis nehmen. Vielleicht sollten dieser Kritiker sich nicht so wichtig nehmen, wie sie's tun. Es ist hier so wie so oft im Leben: irgendwann höre ich auf, für etwas die Zielgruppe zu sein. Ist mir auch lieber als zuzusehen, wie mit mir etwas verschwindet weil es nicht wandlungsfähig war.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Die RT-Mafia hat alles für sich belegt

    Ich sehe da keine Mafia, ehrlich gesagt. Der Begriff RT ist ja ohnehin unscharf - wo beginnt es, wo hört es auf. Aber ich sehe und besuche eine bunte Bandbreite eher klassischer bis ziemlich moderner, selten auch radikaler Inszenierungen. Mir ist diese Abwechslung lieber, als ein Monopol in irgendeiner Richtung.

    Beste Grüße von Tristan2511


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    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Es gibt schlichtweg keine "angekündigte" Version eines Werkes. Lediglich die Musik kann angekündigt werden und muss dann ebenfalls im Augenblick entstehen um zu Gehör gebracht zu werden.

    Ein Blick ins Libretto ist durchaus hilfreich.; in keinem der Libretti aus Barockoper und klassischer Oper wird man darin fündig, das Werk habe im 21. Jahrhundert zu spielen ...

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • in keinem der Libretti aus Barockoper und klassischer Oper wird man darin fündig, das Werk habe im 21. Jahrhundert zu spielen ...

    Witzbold - in der Bibel steht auch nicht, was Jesus für ein Gleichnis zum Internet eingefallen ist. Möchte ich Texte und Stoffe hermeneutisch transportieren, muss ich sie übertragen und ihrem Geiste nach transformieren. Andernfalls habe ich lediglich museale Aufführung. Quasi die endlose Wiederaufführung einer einzigen, möglicherweise der ersten Version. Offenbar geben sich einige Musikfreunde damit zufrieden, das ist auch fein. Aber das kann nicht alles sein, das ist kein lebendiges Musiktheater.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Möchte ich Texte und Stoffe hermeneutisch transportieren, muss ich sie übertragen und ihrem Geiste nach transformieren.

    Ich muß gar nix. Ich kann; ob ich darf oder gar soll, ist eine andere Frage.


    Ich will auch gar nicht, daß etwas „transportiert“ wird. Ein Werk hat - vielleicht und wenn überhaupt - eine Aussage. Die muß ich nicht ins Heute übertragen - dafür habe ich Nachrichten und aktuelle Dokumentationen, die ich schauen kann, wenn mich das interessiert. In der Oper hat das nichts zu suchen. Die soll genau das Gegenteil bewirken: Abschalten vom Alltag. In der Regel geht's dabei um reine Unterhaltung: Ohren- und Augenschmaus.

    Andernfalls habe ich lediglich museale Aufführung. Quasi die endlose Wiederaufführung einer einzigen, möglicherweise der ersten Version. Offenbar geben sich einige Musikfreunde damit zufrieden, das ist auch fein. Aber das kann nicht alles sein, das ist kein lebendiges Musiktheater.

    Ja und, das reicht doch?


    Da gibt es noch genügend Varianten beim Bühnenbild, Ausstattung, Kostümen ... das muß ja nicht immer alles gleich sein (war es ja früher auch nicht). Andernfalls müsste man - analog des Baujahrs der Oper - die aktuelle Haute Couture auf die Bühne bringen, was vermutlich ein wenig zu teuer ist. Lieber verbrennt man das Geld für sinnlose „Honorare“ (was schon eine Beleidigung für das Wort ist).

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Betrachten wir die Sache einmal nüchtern. Wieso sollte ein Haus wie die Wiener Staatsoper mit über 99 % Auslastung (so auch die aktuellen Zahlen) sein Inszenierungskonzept ernsthaft überdenken?

    Ich kann mir vorstellen, dass die hohe Auslastung mit sehr guten Stimmen zu erklären ist. Bei dem von mir schon erwähnten „DonCarlo“ wurde das Regie-Team vom Publikum nicht gerade bejubelt. Jede Vorstellung wird eigentlich durch den Applaus, Bravo- und Buhrufe eideutig bewertet. Das soll das Haus nicht ignorieren, nur weil die Zahlen stimmen. Wenn man die Kunst den BVLern übergibt, werden wir vor jedem Haus Touristen-Busse haben mit den Leuten, die nicht im geringsten sich für Musik interessieren. Oder ähnliches…

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Wenn man die Kunst den BVLern übergibt, werden wir vor jedem Haus Touristen-Busse haben mit den Leuten, die nicht im geringsten sich für Musik interessieren. Oder ähnliches…

    Das ist zumindest in Wien doch schon seit Jahr(zehnt)en ohnehin der Fall. Touristen, die einfach mal in der Staatsoper gewesen sein wollen. Die machen ein Gros des Umsatzes aus. Was läuft, ist relativ einerlei; wie es inszeniert wird, noch mehr.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

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    – Luís de Camões

  • Wenn man die Kunst den BVLern übergibt, werden wir vor jedem Haus Touristen-Busse haben mit den Leuten, die nicht im geringsten sich für Musik interessieren.

    Als ob Opern- und Konzerthäuser mit Liebhabern von Musik und Oper geflutet wären. Viele gehen dahin, weil's ein gesellschaftliches Ereignis ist, um die fein Garderobe spazieren zu führen, der Lachshäppchen in der Pause und des Essens im Anschluss wegen. Große Namen sind immer ein Kriterium, was auch immer die spielen, da geht man hin. Und Pausengespräche geben üblicherweise Vorlagen für ganze Kabarett-Abende. Nur: von den wirklich Interessieren könnte die Betriebe nicht leben.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Andernfalls habe ich lediglich museale Aufführung.

    Genau das ist es was ich haben möchte: Rembrandt originalgetreu und nicht überpinselt, nicht politisch oder sonstwie gedeutelt und verbogen. Man schreckt ja heute nicht mal davor zurück, literarische Texte dem "Zeitgeist" anzupassen, Selbst Kinderbücher sind vor den selbsternannten Gutmenschen nicht sicher ("Struwelpeter" etc.)

    Operntexte sind auch nicht mehr Tabu. Daß Sarastro ein "Schwarzer" ist, wird im Libretto MEHRFACH betont - Aber das schreckt die selbsternannten "Bearbeiter" nicht. An Shakespeares Shylock trauen sie sich noch nicht heran - ist IMO nur eine Zeitfrage.^^


    Wikipedia:

    Zitat

    Shylock, ein venezianisch-jüdischer Geldverleiher, ist der Hauptschurke des Stücks.

    Internet Text:

    Zitat

    „Man muss schon taub, blind und dumm zu sein, um zu verkennen, dass Shakespeares großartige, zweifelhafte Komödie ‚Der Kaufmann von Venedig' ein zutiefst antisemitisches Stück ist.29.04.2016


    etc, etc.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Rembrandt originalgetreu und nicht überpinselt

    Das passt halt nicht so ganz. Der Rembrandt ist immer schon da. Du machst das Licht im Museum an und kannst ihn sehen. Er muss nicht im Moment entstehen (wie Musik) und er muss auch nicht transportiert werden (wie ein Stoff bzw. ein Thema).

    Beste Grüße von Tristan2511


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    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich wurde ein mal in der DOB für die hausinterne Statistik befragt. Die erste Fragen waren, wie wichtig mir die Stimmen und das Orchester sind, danach ging es darum, ob man mich auch mit dem guten kulinarischen Angebot und der glanzvollen Werbung anlocken konnte. Und obwohl ich in der Zeit einen sehr guten Wein in der Hand hielte und den mit großem Genuss konsumierte, sagte ich zu allem, was die hohe musikalische Qualität ersetzen sollte, ein klares „Nein“. Die Dame teilte offenbar meine Meinung und wir redeten auch noch kurz privat danach über die Inszenierung. Ich fand es sehr gut, dass das Publikum tatsächlich befragt wird.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Als ob Opern- und Konzerthäuser mit Liebhabern von Musik und Oper geflutet wären. Viele gehen dahin, weil's ein gesellschaftliches Ereignis ist, um die fein Garderobe spazieren zu führen, der Lachshäppchen in der Pause und des Essens im Anschluss wegen.

    das stimmt natürlich, darum fühle ich mich zum Beispiel bei drr Konzertreihe „Alte Musik“ in Essen viel wohler- das Publikum ist schon etwas anderes da.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

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