Regietheater - letzte verbliebene Schrumpfform linker Ideologie ?

  • Mein Argument ist der Wunsch nach Werkstreue und Authentizität, nämlich die Vorstellung des Schöpfers von Kunstwerken einzubringen.

    Das ist kein Argument, sondern ein Wunsch. Jetzt sind wir sozusagen am Anfang der Diskussion angekommen, die hier in lang und breit entfaltet wurde und die du aus irgendeinem Grunde nicht zu lesen bereit bist.


    Versuche einfach nur für Dich "authentisch" zu definieren und das dann zu erläutern. Ich behaupte, dass dir das nicht gelingen wird in einer Form, die nicht selbstrekursiv aber dafür nachvollziehbar ist. Jeder ernsthafte Künstler, der ein Werk aufführt, versucht das Wesen des Werks zu verstehen. Wenn man das authentisch nennen würde, wäre das aber höchstgradig multidimensional. Da gäbe es keine einfache Auslegung.


    Was ist denn bei einer Aufführung der Schöpfer des Kunstwerkes? Am Ende sind es viele Beteiligte, inklusive des Rezipienten.


    Mich interessiert zum Beispiel bei meiner Rezeption nicht, in die Vorstellung irgendeines "vermeintlichen" Schöpfers zu dringen, sondern in das Kunstwerk selbst.

  • Oder gefällt es dir, wenn Kunst mutwillig verbogen wird?

    Was wären das für traurige, eindimensionale Stücke, wenn sie nur diese eine einzige Aussage hätten die du für original hältst. Und wenn sie für unsere Belange heute keine Aussage mehr hätten bzw. einzig eine museale. Zwischen sog. 'Werktreue' und "mutwillig verbiegen" liegt eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten und Ansätzen.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Mäzenat und eine erzreaktionäre Geisteshaltung sind doch kein zwingender Zusammenhang. Wer weiß also, ob die Met auf alle Zeiten nur von vermögenden Regietheater-Verächtern gefördert werden wird.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • ... Mein Argument ist der Wunsch nach Werkstreue und Authentizität, nämlich die Vorstellung des Schöpfers von Kunstwerken einzubringen.

    Sind dein Wunsch nach "Werkstreue" und die Vorstellung des Schöpfers denn überhaupt kompatibel und realisierbar?

    Wer hat jemals z.B. die Götterdämmerung in einer Inszenierung gesehen, die sich genau an das Libretto hält und Brühilde zu Pferd in die Flammen reiten lâsst? Da steht nämlich: "Heiajoho! Grane! Grüss' deinen Herren! Siegfried! Siegfried! Sieh! Selig grüsst dich dein Weib!" Sie hat sich auf das Ross geschwungen und hebt es jetzt zum Sprunge. Sie sprengt es mit einem Satze in den brennenden Scheiterhaufen.

  • Das ist völlig richtig. Trotzdem macht mir die Abhängigkeit von wenigen schon etwas Sorgen.

    Da pflichte ich bei. Man stelle sich vor, einige der jetzt im Mittelpunkt stehenden US-Persönlichkeiten mit Geld und Macht, aber ohne Geschmack und Moral, entdecken ihre Liebe zur Oper.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Mäzenat und eine erzreaktionäre Geisteshaltung sind doch kein zwingender Zusammenhang

    Also so ist es. Wer Authentizität einfordert, ist erzreaktionär. Das Leben ist tatsächlich ein Lernprozess. Höchst originell. Seit ich in diesem Forum bin, kann ich auf Kabarett verzichten. :jubel:

  • Man stelle sich vor, einige der jetzt im Mittelpunkt stehenden US-Persönlichkeiten mit Geld und Macht, aber ohne Geschmack und Moral, entdecken ihre Liebe zur Oper.

    Auch nicht richtig. Der Geldgeber inszeniert ja nicht. Er bringt vielleicht seine Vorstellungen ein, auf strategischer Ebene, aber die operative Umsetzung mit Details machen andere.

  • Werksgetreu oder nicht werksgetreu. Dahintger kann man sich gut mit Sophismen verstecken. Zumindest allem Anschein nach.

    Brinmge ich die definition aber auf die Spitze, dan wird klas was gemeint ist (das ist übrigens sowieso klar, wird aber gerne zuerpflückz um klase zu verwischen und unklar zu machen:

    Wenn im Libretto steht: Venedig im 16. Jahhundert

    dann haben sich Bühnen Bild und Kostüme dem anzupassen

    Das ist dann prinzipiel werkgetreu.

    Gleiches Stück ins 20. oder 21. Jahrhundert transferiert,

    Uniformen einer einstigen oder angedachten Diktatur, Schauplatz eine Bahnstation (etc)

    Das ist dann NICHT werkgetreu

    Hier sind die Grenzen eindeutig überschritten.

    Wenn ein Werk in unserer Zeit keine eindeutige Aussage mehr hat und als

    "museal" gesehen wird. Damit habe ich kein Problem

    Ich liebe museales - und die Mehrheit der Welt auch

    Stradivaris sind eigentlich Museumsstücke

    Umso mehr sind sie mit einem eigenen Flair umgeben

    der heutigen Instrumenten fehlt.


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Auch nicht richtig. Der Geldgeber inszeniert ja nicht. Er bringt vielleicht seine Vorstellungen ein, auf strategischer Ebene, aber die operative Umsetzung mit Details machen andere.

    Wer zahlt, schafft an. Ob direkt oder indirekt.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Banner Strizzi
  • Wenn im Libretto steht: Venedig im 16. dann haben sich Bühnen Bild und Kostüme dem anzupassen

    Genau so sehe ich es auch. Natürlich haben Regisseure einen gewissen Spielraum, aber rote Linien sollten nicht überschritten werden.

    Und viele Werke sind von der Aussage und Thematik her nicht zu verstehen, wenn sie zeitlich verlagert werden.

    Wenn Aida nicht im alten Ägypten, sondern in der Gegenwart handelt und zur Putzfrau wird und Radames mit dem Motorroller daherkommt, wird es lächerlich.


    Persönlich gesehen vor über 40 Jahren in Frankfurt bei einer Neuenfels-Inszenierung.

    Und das steht pars pro toto für viele Inszenierungen seither.

    So eine Lächerlichkeit erst wieder vor ein paar Tagen in Wien bei der neuen "Luisa Miller" erlebt.

  • Natürlich haben Regisseure einen gewissen Spielraum, aber rote Linien sollten nicht überschritten werden.

    Und viele Werke sind von der Aussage und Thematik her nicht zu verstehen, wenn sie zeitlich verlagert werden.

    Wer legt diesen Spielraum fest? Du?


    Wenn Aida nicht im alten Ägypten, sondern in der Gegenwart handelt und zur Putzfrau wird und Radames mit dem Motorroller daherkommt, wird es lächerlich.

    Natürlich gibt es Inszenierungen die lächerlich sind - sowohl historische, als auch moderne. Auch jede RT-Inszenierung muss sich fragen lassen, ob sie sinnvoll, durchdacht und in irgendeiner Weise werkdienlich ist. Das ist Grundvoraussetzung für jede Regiearbeit, die ernstgenommen werden möchte. Hinzu kommt für viele noch die Frage, ob sie geschmackvoll ist - aber Theater darf natürlich auch verstören.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die Vernunft und der gute Geschmack sollte diesen Rahmen abstecken.

    Ich habe leider keinen Einfluss darauf.

    Vernunft taugt nicht als Maßstab, den jede Aufführung kann unter bestimmten Prämissen als "vernünftig" definiert werden. Und Geschmack ist halt rein individuell, so dass dein oder mein "guter Geschmack" kein Maßstab für Regisseure sein kann. Bleibt nichts übrig von deinem Rahmen.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Zwischen sog. 'Werktreue' und "mutwillig verbiegen" liegt eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten und Ansätzen.

    Und wo würdest Du Rigoletto im Affenland, Lohengrin Klassenzimmer, Die Frau ohne Schatten im Waschsalon, fast alles, was man in Bayreuth anbietet und ............. einordnen? Ich sehe nur eine Zerstörung des Originals. Als wenn man die sixtinische Madonna grün übermalen würde.

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Da pflichte ich bei. Man stelle sich vor, einige der jetzt im Mittelpunkt stehenden US-Persönlichkeiten mit Geld und Macht, aber ohne Geschmack und Moral, entdecken ihre Liebe zur Oper.

    Du redest im Grunde über die Mäzenen. Die Geschichte allerdings kenn auch gute Beispiele, wo die private Theater Freiheit den Künstlern gaben, während die Regierung für Moral auf der Bühne sorgte. Man muss auch ansehen, dass das Geschehen in einem Haus bei weitem nicht so einflussreich ist, wie die politische Vorgaben.

    Ich sehe viel mehr Gefahr in den versuchen das breite Publikum, das sich nicht im geringsten für die Klassische Musik interessiert, einzulochen. Das geschieht meistens an kosten des guten Geschmacks und teilweise auch der Qualität.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Und wo würdest Du Rigoletto im Affenland, Lohengrin Klassenzimmer, Die Frau ohne Schatten im Waschsalon, fast alles, was man in Bayreuth anbietet und ............. einordnen? Ich sehe nur eine Zerstörung des Originals. Als wenn man die sixtinische Madonna grün übermalen würde.

    Das kommt für mich immer darauf an, ob das Gesamtkonzepz schlüssig ist und mich anspricht, lieber LaRoche. Den Salzburger Giulio Cesare im Öl-Milieu fand ich zum Beispiel sehr überzeugend.

    Ich bin bei weitem nicht immer überzeugt von den sog. RT-Inszenierungen, aber ich sehe darin nicht den Untergang des Abendlandes, sondern die Schwierigkeiten von Hermeneutik etc. Lieber ist mir dann doch, ich bekomme mal eine neue Lesart, als immer die gleiche klassische Inszenierung. Ich kann ausdrücklich beides genießen bzw. unstimmig finden. Oper ist ein Gesamtkunstwerk - es muss als Konzept passen und durchdacht sein. In beiden Fällen ist da auch mal großer Mist dabei.

    Aber das Liveerlebnis eines Opernabends überwiegt für mich ohnehin. Ich verstehe immer nicht ganz, wie so bewanderte Opernkenner und Liebhaber lieber gar nicht mehr in die Oper gehen, als sich auf moderne Inszenierungen einzulassen. Das finde ich sehr schade, denn Leute wie du, die gehören doch in die Oper!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich sehe viel mehr Gefahr in den versuchen das breite Publikum, das sich nicht im geringsten für die Klassische Musik interessiert, einzulochen. Das geschieht meistens an kosten des guten Geschmacks und teilweise auch der Qualität.

    Da ist sicher etwas dran, auch wenn ich nicht vollständig zustimmen würde.


    Ich denke, dass Opernintendanten heute vor dem Problem stehen, jüngeres Publikum für die Oper zu interessieren. Frustrierte Oldtimer (sorry, ich gehöre auch dazu) sind sicher keine relevante Gruppe. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Portierung der Inszenierung in die Jetztzeit ein solcher Versuch ist. Angesichts der Kosten dieser Häuser halte ich das für notwendig, sonst werden die irgendwann eingestampft.


    Dass nicht alles gelingt, ist dem Wesen der Kunst und des damit verbundenen Risikos immanent. Wahrscheinlich muss man sich dann wirklich im Detail unterhalten. Ein Pauschalverriss, weil nun die Kleidung nicht der Vorstellung von vor zweihundert Jahren angepasst ist, taugt da nicht wirklich.


    Aber mal unter uns: Das ältere Publikum garantiert nicht notwendigerweise guten Geschmack. Da habe ich in Konzerten schon anderes erlebt.

  • Das junger Publikum wird älter und wird die Opernhäuser füllen :). Trotzdem, sagen wir, dass das ein Ziel ist. Ich denke, dass der Weg dahin nicht so einfach sein kann. Man soll jedenfalls dafür nicht das Komplizierte vereinfachen, sondern mit dem Einfachen anfangen. Wer als Kind „Peter und der Wolf“ nicht gehört hat, wird sich mit 20 nicht auf einmal für Wagner begeistern können.
    Was die Inszenierungen angeht, würde ich den Gegensatz behaupten, allerdings nur aus eigener, teilweise beruflicher Erfahrung. Wer zum ersten mal eine Oper hört wird, glaube ich, eher eine werkgetreue Inszenierung bevorzugen, als jemand, der diese schon mehrfach erlebt hat. Genauso würde man ein unbekanntes Stück mit einer nicht allzu extravaganten Einspielung kennenlernen wollen. Dazu muss ich noch an eine andere Tatsache denken: in den jungen Jahren wird Literatur sehr anders gelesen, als im reifen Leser-Alter. Die Jugend findet hauptsächlich die Handlung spannend und die Interesse an den verborgenen Gedanken und allen philosophischen Aspekten entwickelt sich erst später.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Das junger Publikum wird älter und wird die Opernhäuser füllen :) .

    Wenn nichts nachkommt, wird die Füllmenge schrumpfen, da ja ein natürlicher Abgang existiert. Das ist eherne Physik! :)


    Was die Inszenierungen angeht, würde ich den Gegensatz behaupten, allerdings nur aus eigener, teilweise beruflicher Erfahrung. Wer zum ersten mal eine Oper hört wird, glaube ich, eher eine werkgetreue Inszenierung bevorzugen, als jemand, der diese schon mehrfach erlebt hat.

    Hier fehlen mir prinzipielle Erkenntnisse. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten.


    Eine der ersten Opern, die ich besucht hatte, war Beethovens Fidelio. Von Regie-Theater wusste ich nichts. Ich weiß nicht einmal, ob das damals überhaupt ein Thema war. Da es sich um das Bonner Opernhaus handelte, wahrscheinlich nicht. Ich hatte eine grobe Vorstellung von der Geschichte. Ich weiß noch, wie ich ein Lachen unterdrücken musste als da am Rande ein stocksteifer Chor in Theater-Lumpen stand und "O welche Lust! Nur hier, nur hier ist Leben, der Kerker eine Gruft ..." sang. Auch sonst, wenn auch nur noch vage erinnert, totale Langeweile auf der Bühne! Ich weiß nicht, ob das Libretto nun akzeptiert wurde oder verändert war, aber der Eindruck war für mich bis auf den (unterdrückten) Lacher nicht prägend. Irgendwie fehlte noch Ernst Stankovski, der durch die Szenen moderierte .... ;)


    Eigentlich habe ich erst durch die Diskussion hier im Forum begriffen, wie ärmlich die Inszenierung bei mir ankam. Das Geschehen auf der Bühne hätte diese Stelle ergreifend transportieren müssen, ob nun sklavisch ans Libretto gebunden oder nicht. Ich bin bis heute, bis auf ganz wenige Ausnahmen, kein Opernfan geworden.


    Ich finde den Begriff werktreu auch zu diffus für die Diskussion. Gemeint ist doch einfach libretto-nah. Das lässt sich dann auch nachweisen (metrisieren ;)) . Aber ob nun eine libretto-nahe Inszenierung mit einer gelungenen Aufführung positiv korreliert, wage ich zu bezweifeln


    Dazu muss ich noch an eine andere Tatsache denken: in den jungen Jahren wird Literatur sehr anders gelesen, als im reifen Leser-Alter. Die Jugend findet hauptsächlich die Handlung spannend und die Interesse an den verborgenen Gedanken und allen philosophischen Aspekten entwickelt sich erst später.

    Man müsste wahrscheinlich schauen, wofür sich die Kinder interessieren und was man ihnen zumuten kann. das wird aber individuell sehr verscheiden sein und liegt natürlich in der Verantwortung der Eltern.

  • Banner Strizzi
  • Wer als Kind „Peter und der Wolf“ nicht gehört hat, wird sich mit 20 nicht auf einmal für Wagner begeistern können.

    Das trifft auch mich hunderprozentig zu:

    Ich langweilte mich bei "Peter und der Wolf" - und Wagner hat mich nie begeistert -Der fliegende Holländer ausgenommen.

    Aber schon mit 15 liebte ich Mozart, Vivaldi, Johann Christian Bach, Rosini, Donizetti, Bellini, Verdi......

    Das kam ohne Einflüsse von aussen... es ist eben MEINE Musik......

    Und Opern habe ich stets als "museale Kunst" betrachtet und geliebt. "Museal" stammte von "Musen" ab , die Göttinen der Kunst - und das ist kein abwertender Begriff.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • PudW fad ich als Kind gut :) - weiteres von Pro- und Contraffiew nicht, Wagner bis dato nicht (das wird auch nichts mehr).

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Mir ging es mit Beethoven so. Mit 17 zufällig das 1. Klavierkonzert gehört, in der Klassik-Stunde von Ö3, gespielt von Jörg Demus, und seitdem großer Fan von LvB und der gesamten Klassik. Auch ein Weg, um junge Menschen zur ernsten Musik zu bringen.

    Mittlerweile schätze ich auch die französische Musik sehr, ist leider weltweit unterbewertet und in Konzerten unterrepräsentiert, unverständlicherweise im Gegensatz zu den Russen - wobei ich Tschaikowsky instrumental und Rachmaninow, wenn es um Tasten geht, sehr schätze. Der Rest ist Schweigen.

    Die C-Dur-Symphonie von Bizet oder die zweieinhalb Symphonien von Gounod - die 3. wurde auf Grundlage von Fragmenten tw. zusammengestellt - große Klasse.

    Von den Opern ganz zu schweigen.

  • Das trifft auch mich hunderprozentig zu:

    Ich langweilte mich bei "Peter und der Wolf" - und Wagner hat mich nie begeistert -Der fliegende Holländer ausgenommen.

    Ich glaube, ich habe das zu unverständlich geschrieben. Das war nur ein Beispiel. Mein Gedanke war allgemeiner: man soll mit einfachen und leicht verständlichen Stücken in der Familie oder Schule anfangen, wenn man junge Leute, die sich nicht für klassische Musik interessieren, dazu erziehen möchte. Wenn man es möchte…

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Das Geschehen auf der Bühne hätte diese Stelle ergreifend transportieren müssen, ob nun sklavisch ans Libretto gebunden oder nicht.

    Mit diese Aussage triffst Du den Kern! Die Regie soll die Musik und die Geschichte eindrucksvoll rüberbringen! Mir persönlich ist egal, ob die Inszenierung klassisch oder modern gestaltet ist, solange die der Musik und dem Libretto untergeordnet ist und solange der Regisseur sein Handwerk beherrscht. Ich habe mich so oft bei auch bei Regietheater, wo eigentlich jede Sekunde etwas passiert, gelangweilt, weil das, was auf der Bühne geschah mich ablenkte und die Wirkung des Werkt zerstörte. Ein gutes Beispiel kann manaus Wiener „Don Carlo“ mit Asmik Grigorian entnehmen. Der König singt „dormiro sol“, während er die Buchhaltung erledigt und dabei nur paar Metern entfernt ein nackter Schauspieler steht, der angezogen wird. Dieses Gewusel lenkt die Aufmerksamkeit von der Arie weg. In Maughams „Theatre“ denkt sich die zauberhafte Julia ähnliche Aktion aus um den Monolog ihrer Rivalin zu zerstören. (Sie zieht einen roten Schal aus dem Ärmel und geht damit auf der Bühne hin und her). Zu zerstören! Und das ist genau, was man so oft auf der Bühne sieht! Die Regisseure sehen sich viel mehr als die Drehbuchautoren, denen einer nette Filmmusik zu Verfügung steht, und kümmern sich nicht wirklich um deren eigentliche Aufgabe - nämlich die Regieführung.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Mit diese Aussage triffst Du den Kern! Die Regie soll die Musik und die Geschichte eindrucksvoll rüberbringen! Mir persönlich ist egal, ob die Inszenierung klassisch oder modern gestaltet ist, solange die der Musik und dem Libretto untergeordnet ist und solange der Regisseur sein Handwerk beherrscht.

    Ich denke, hier treffen wir uns.


    Ich habe mal eine großartige Inszenierung von Zimmermanns Soldaten gesehen. Das war allerdings so bewegend, dass es mir gereicht hat, wie man so sagt. Eine solche Erfahrung ist nicht wiederholbar.

  • Ich verstehe immer nicht ganz, wie so bewanderte Opernkenner und Liebhaber lieber gar nicht mehr in die Oper gehen, als sich auf moderne Inszenierungen einzulassen. Das finde ich sehr schade, denn Leute wie du, die gehören doch in die Oper!

    Danke für diese Einschätzung. Meine Zuneigung zum Genre Oper ist mir erhalten geblieben, wenn sich meine Interessen seit Jahren auch dem sinfonischen Schaffen zugeneigt haben, aus den bereits genannten Gründen. Oper ist und bleibt aber meine Nummer 1, von Mozart bis Richard Strauss (Nicht davor und nicht danach)

    Selbst im TV oder auf YT werde ich mitunter arg verärgert über das, was die Regisseure da anstellen. Vor einigen Jahren sah ich eine tolle Aufführung der von mir extrem hochgeschätzten Salome aus Helsinki. Besonders die Sängerin der Hauptrolle hat mich in ihren Bann gezogen (es war eine aus dem Baltikum, der schwierige Name ist mir entfallen), sie war einfach stimmlich überragend. Gestört hat mich aber die gesamte Regiearbeit. Nicht nur, daß praktisch die Handlung in ein schmuckloses Zimmer verlegt wurde. Nein, das musikalisch phantastische Ende wurde extrem abgewertet, der gesungene Text stand im krassen Widerspruch zur Handlung. Zuletzt sind Salome und Jochanaan Hand in Hand als Liebespaar über die Türschwelle in eine leuchtende Zukunft gegangen. Furchtbar für mich.

    Seit Jahren gehe ich nur dann ins Theater, wenn ich derartige Zerstörungen des Originals nicht sehen muß, und da bietet mir das Internet die Möglichkeit, meine Entscheidung pro oder kontra zu treffen. Im o.g. Fall wäre ich um keinen Preis der Welt ins Opernhaus gegangen. Dann sehe ich mir lieber Inszenierungen an wie die Verfilmung mit Teresa Stratas/Bernd Weikl, mit der spielerisch und tänzerisch überragenden Maria Ewing oder mit Catarina Malfitano. Und das auf dem TV-Bildschirm.

    Leider bin ich seit ca. 3 Jahren auch gesundheitlich nicht mehr in der Lage, Oper und Konzert live zu erleben.

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • der gesungene Text stand im krassen Widerspruch zur Handlung.

    Neulich habe ich erlebt, dass die Übersetzung des Textes teilweiser zu der Handlung angepasst wurde. In anderen Worten komplett falsch übersetzt. Griselda in Wuppertal wurde nämlich zu einer dominanten Frau umgeschaltet… Nicht nur der Text machte keinen Sinn mehr, sonder auch die musik stellte komplett andere Emotionen da, als die, die geschauspielert wurden! Gut, die ganze Inszenierung war schlecht durchdacht und unprofessionell umgesetzt.

    Ich gehe leider auch nur extrem selten in die Oper, obwohl ich das, als große Operfan sehr vermisse. Und ich gehe nur dann, wenn ich ein Trailer davor sehen kann oder den Regisseuren kenne. Bei Griselda bin ich das Risiko eingegangen und dachte danach, als ich sehr verärgert nach Hause fuhr, dass ich viel lieber das Geld für eine neue CD ausgeben hätte.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Mit diese Aussage triffst Du den Kern! Die Regie soll die Musik und die Geschichte eindrucksvoll rüberbringen!

    Ich halte hier emotionslos fest, daß dies nicht mein Standpunkt

    Die Regie soll das Libretto, also das Kochrezept realisieren und "in Szene setzen". Das Rezept soll ,verwirklicht werden.

    Der Regisseue ist lediglich der Erfüllungsgehilfe, der Handdwerker der das Werkstück nach Bauplan fertigstellt.

    Er ist in der Regel KEIN Künstler - sieht man von Ausnahmeerscheinungen wie Zeffirelli mal ab.

    Wird Oper dann anders dargeboten - dann interessiert sie mich einfach nicht...


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Banner Strizzi