Hans Beirer – Nur zweite Wahl?

  • @ "melomane": Ja, das ist schon richtig, aber da sonst niemand mit Beirer und Tebaldi innerhalb einer Woche "Otello" inszenieren wollte (irgendjemand von den "Granden" bekam auch noch einen Herzinfarkt, wenn ich mich recht an mein Gespräch mit Lehmann darüber erinnere), blieb es dann an dem Jungen hängen. Beirer weigerte sich überhaupt mit Lehmann zu proben und und dafür extra in die Oper zu fahren, also bestellte er Lehmann, dass er in seiner Villa im Grunewald säße und Lehmann zu ihm kommen oder ihm schreiben könne, wenn er etwas von ihm wolle. Alle warnten Lehmann vor der Tebaldi, dass die wohl auch kaum mit ihm probieren wollen würde aber als die kam und ihn sah, war das für die überhaupt kein Problem für sie, das mit ihm zu proben. So kam innerhalb von sieben Tagen das haraus, das man jetzt sehen kann.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Es ist interessant, etwas über die Vorschichte dieser beiden Aufführungen zu erfahren. Herzlicher Dank an Melomane und Stimmenliebhaber.


    Ich habe keine der Aufführungen live erlebt, da ich zu der Zeit in München wohnte. Von Berliner Opernfreunden weiß ich aber, dass man etwas enttäuscht von der Tebaldi war. Begeistert war man allgemein von William Dooley, der dann ja auch Ensemblemitglied der Deutschen Oper wurde.


    Insgesamt gab es wenig Verständnis dafür, dass für das Gastspiel der Tebaldi ein solcher Aufwand betrieben wurde, wo man doch mit Grümmer eine erstklassige Desdemona am Haus gehabt hätte. Lieber hätte man den Otello von del Monaco gehört.


    Beste Grüße
    Caruso41

  • Insgesamt gab es wenig Verständnis dafür, dass für das Gastspiel der Tebaldi ein solcher Aufwand betrieben wurde, wo man doch mit Grümmer eine erstklassige Desdemona am Haus gehabt hätte. Lieber hätte man den Otello von del Monaco gehört.


    Man wollte halt die Tebaldi am Haus singen lassen und La Tebaldi wollte unbedingt Desdemona singen, man hatte aber gerade keinen "Otello" am Haus (ich weiß gar nicht, ob es in der Kantstraße einen gegeben hatte - falls ja, war der wohl nicht mit der Bismarckstraße kompatibel und längst verschrottet.)


    Ich habe heute nur den 1. Akt angesehen und angehört: Tebaldi schon sehr gut, gerade wenn man überlegt, wie oft sie inzwischen schon Tosca gesungen hatte. Beirer vom heldentenoralen Material her eigentlich erste Wahl und nicht nur zweite Wahl, aber natürlich einige technische Unmöglichkeiten, die Intonationen ganzer Phrasen sackt dermaßen ab, dass das auch der Unmusikalischste hört- insofern ein zweischneidiges Vergnügen. Dooley schon sehr gut, dass er sich allerdings im Trinklied beim Spitzenton ins Falsett flüchten muss, zeigt doch deutlich, dass die Stimme nach oben nicht unbegrenzt war.Ja, und warum hat der Chor nun deutsch gesungen? Weil sie die letzte Produktion an der Kantstraße oder wann auch immer deutsch gesungen haben und das Werk noch nie zuvor italienisch gesungen hatten (die Mode der Originalsprachlichkeit kam ja gerade erst auf) - und sich das auch nicht innerhalb einer Woche raufschaffen konnten. Damals war es auch etwa in Italien nicht unüblich, dass der Chor in Landessprache sang, während z.B. bei Wagner die Solisten manchmal schon auf Deutsch, also in Originalsprache sangen. Noch beim Fenice-"Tannhäuser" mit Kozub ist das ja so, und das war noch einige Jahre später.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Lieber Stimmenliebhaber


    Italienische Opern wurden damals an der Deutschen Oper Berlin eigentlich durchweg noch deutsch gesungen. Auch die italienischen von Mozart.
    Sogar die für die Eröffnung des neuen Hauses einstudierte AIDA wurde ja deutsch gesungen. Wenn denn Jess Thomas mal nicht zur Verfügung stand, wurde meist ein Italiener geholt. Der sang dann italienisch alle anderen deutsch. Auch die Ludwig und die Davy.


    Meines Wissens gab es an der Städtischen Oper in der Kantstraße zumindest nach 1954 keinen Otello.
    So jetzt muss ich WM sehen!


    Liebe Grüße
    Caruso41

  • Nachdem Hans Beirer heute im Erinnerungsthread:



    den zweiten Tag hintereinader genant wurde, möchte ich es auch hier tun und an seinen



    25. Todestag


    erinnern.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe mir erlaubt, zwei Zitate aus dem Gräber-Thread hierher zu kopieren. Taminio-Freund hart hatte uns dieser Tage zur letzten Ruhestätte von Hans Beirer und seiner Frau Terry geführt.

    Zu diesem Grabbesuch muss man so eine Art Vorwort schreiben, denn es war sozusagen ein Wettlauf mit der Zeit, um sich noch ein Bild von der letzten Ruhestätte eines Künstlers zu machen, der nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, Wien und anderswo über einen langen Zeitraum herausragende Leistungen vollbrachte.

    Auf Anfrage teilte die Verwaltung des Berliner Waldfriedhofs Zehlendorf mit, dass an dem Grab keine Nutzungsrechte mehr bestehen, sodass das Grab bereits abgeräumt sein kann ... So vergänglich ist künstlerischer Ruhm ...

    Berlin entwickelt zwar im Gedenken an die unterschiedlichsten Opfergruppen viele Aktivitäten, die ich als Bewohner dieser Stadt grundsätzlich gut heiße. Die Ehrung für Künstler, denen Berlin einiges zu verdanken hat, fällt hingegen ehr bescheiden aus. Ich erinnere mich noch genau an die Schleifung des Grabes von Leo Blech genau zu dem Zweitpunkt, als eine Wanderausstellung an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Staatsoper, an das Schicksal jüdischer Künstler während des Nationalsozialismus erinnerte. Blech war in Wort und Bild Teil dieser Schau. Nach Protesten ist wenigsten der Stein in der Nähe der Grabstätte wieder aufgestellt worden. Der Vorgang war auch Thema im Forum. Wenn sich niemend findet, der das Grab von Beirer privat übernimmt, was möglich ist, wird es auch verschwinden. Ämter lassen sich von Liegefristen leiten, nicht von künsterischen Belangen. Selbst Ehrengräber für Künster haben in Berlin keinen Ewigkeitsbestand. Der Status wird von Zeit zu Zeit überprüft. An Beirer erinnern sich Opernfreunde - wie wir auch hier lesen können - gern.


    Kurzeitig hatten Freunde und ich die Übernahme des Grabes von Johanna Gadski für zunächst zwanzig Jahre erwogen. Wir haben das dann wieder aufgegeben. Noch gibt es das schöne aber stark sanierungsbedürftige Grab, und vielleicht kommen wir ja auf die Idee zurück. Die Friehofsverwaltung zeigte sich jedenfalls sehr kooperativ. Zurück zu Beirer. Nicht vergessen ist aber auch diese Geschichte, die außordentlich unappetitlich ist:

    Aber die Namen Bohnen und Beirer tauchen auch in einem anderen Zusammenhang inder Geschichte des Berliner Opernlebens auf; der Schüler soll seinen Lehrerverleumdet haben; konkret ist festzustellen, dass wegen einer Aussage Beirersbei der britischen Militärbehörde, wo er Bohnen wegen angeblicher Verstrickungmit den Nazis anschwärzte, Bohnen von seinem Intendanten-Posten beurlaubtwurde. Als Beirer im September 1949 seine Vorwürfe in einer eidesstattlichen Erklärung zurückzieht, ist das für Bohnen zu spät.

    Sehr ausführlich - und wie ich finde - genau recherchiert, findet sie sich in diesem Buch des Berliner Jornalisten und Filmautors Hans Borgelt dargestellt, das ich inzwischen gelesen habe:



    Das Buch, das antiquarisch leicht aufzutreiben ist, erschien 1980 bei Schneekluth München. Zu der Zeit lebte Beirer noch. Es wird ihn nicht gefreut haben, von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Das Grab von Michael Bohnen auf dem Berliner Friedhof an der Heerstraße ist nach meinen Informationen (noch) nicht von Auflassung bedroht. Hart hatte es auch besucht. Und es gibt für den Sänger und Intendanten an seinem ehemaligen Wohnhaus am Kurfürstendamm auch eine große Gedenktafel.


    Viel zu spät stelle ich fest, dass ich auf besagtes Buch bereits schon einmal hingewiesen hatte. :( Insofern ist dieser Beitrag, den ich nicht mehr löschen kann, etwas doppelt gemoppelt. Sorry.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    3 Mal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • Hart hat in dem Thread „Der Musiker Gräber“ ausführlich über das Leben und die Karriere von Hans Beirer berichtet. Der Musiker Gräber

    Ich habe seine Ausführungen gerne gelesen und bedauere, dass solche kenntnisreichen Ausführungen bisher nicht auch in dem Thread zu finden sind, der Hans Beirer gewidmet ist.

    Darum möchte ich meine Anmerkungen zu Harts Beitrag auch nicht in dem Musiker-Gräber-Thread anbringen. Ich habe zwei Zitate von Hart, zu denen etwas sagen will, einfach hierher kopiert.


    Zitat

    So richtig begann die Karriere Beirers im Theater des Westens, wo die Städtische Oper in den ersten Nachkriegsjahren Asyl genoss. Hier sang er Turridu, Lyonel, Don Ottavio und ähnliche Rollen. Im echten Heldenfach probierte sich Beirer gerne zunächst in internationalen Gefilden aus.


    Dazu ist zu sagen, dass die schweren Heldenpartien an der Städtischen Oper Berlin zunächst immer noch die Sache von Ludwig Suthaus waren. Er hatte Vertrag als Erster Heldentenor!


    Aber eigentlich wollte ich nur was zu dem berühmt-berüchtigten Fidelio-Skandal sagen, den Hart auch erwähnt. Ich war Ohren- und Augenzeuge.


    Zitat

    … Zu einer heißen Sache, die von der Presse auch für opernfernes Publikum entsprechend aufbereitet wurde, war eine von Lorin Maazel dirigierte »Fidelio«-Aufführung geworden. Die Presse war sich ob des Vorgangs uneins. Während die »Berliner Morgenpost« von »Beirers Missgeschick« berichtete, beschuldigte »Bild« den Dirigenten Maazel, der meist ohne Partitur dirigierte, dass es dieser versäumt habe, den richtigen Einsatz zu geben. Beirer gab der »Deutschen Presse-Agentur« zu Protokoll, dass sich der Unmut des Publikums keineswegs gegen ihn gewandt habe, und meinte - ohne den Namen Maazels zu nennen - »Richtig ist vielmehr, dass vom Dirigenten des Abends für die Partie des Florestan kein oder kein sichtbarer Einsatz gegeben worden war.« …


    Der Schmiss passierte im Finale des 2.Aktes nach

    „Preis mit hoher Freude Glut

    Leonorens edlen Muth“

    Danach geht es im Orchester weiter, wobei die auffälligste Rolle die ersten Geigen spielen. Sie haben Triolen. Maazel zog das Tempo an und war ganz darauf konzentriert, eine glasklare Ausführung der Triolen ‚sempre piu piano’ zu erreichen.

    Nach der siebten Triole hatte Beirer seinen Einsatz „Wer ein solches Weib errungen…“

    Er war wohl von dem rasanten Tempo irritiert, das Maazel hier schlug, und setze zu spät ein. Einen ganzen Takt zu spät. Der Chor, der zwei Takte nach Florestan mit den Tenören und Bässen einsetzen muss, setze wie vorgeschrieben - also einen Takt nach Beirer - ein. Maazel hatte aber inzwischen versucht, das Orchester wieder mit seinem Florestan zu synchronisieren, was nur teilweise gelang. Da er keine Partitur auf dem Pult hatte, konnte er auch keine Takt zurufen.

    Also waren alle im Takt - aber der Chor und ein Teil des Orchesters einen ganzen Takt vorneweg, die anderen einen Takt hinterher.

    Birgit Nilsson orientierte sich bei ihrem Einsatz „Liebend, liebend ist es mir gelungen…“ an Beirer.

    Maazel schlug geradezu zwanghaft den Takt! Das half natürlich überhaupt nicht, denn im Takt waren ja alle!

    Marzelline, Rocco und die anderen Solisten orientierten sich an Beirer und Nilsson. Der Chor war schon einen Takt weiter und wer im Orchester wo war, kann ich beim besten Willen nicht sagen! Also: Treffpunkt Fermate auf „….sein.“

    Nun waren alle wieder glücklich (?) vereint und jagten ‚Presto molto’ und fortissimo dem Ende entgegen.


    Als das erreicht war, brach der heftigste Buh- und Pfeifsturm los, den ich je erlebt habe. Maazel lies das Orchester gehen und blieb noch minutenlang am Pult sitzen. Die Sänger traten nur gemeinsam zu ihren Vorhängen heraus und wurden beklatscht und bejubelt. Kaum aber war der Vorhang wieder zu, waren nur noch Pfiffe und wütende Buhrufe zu hören. Diese Wechselbäder dürften gut und gerne 15 bis 20 Minuten gedauert haben.


    Natürlich hatte dieser denkwürdige Schmiss ein Nachspiel.

    Maazel war nicht mehr bereit, mit Beirer zusammenzuarbeiten. Damit wurde Beirer nicht mehr in Wagner-Aufführungen angesetzt. Er hatte aber Vertrag als Heldentenor an dem Haus (ich weiß allerdings nicht, ob es damals noch die Position „Erster Heldentenor“ gab.) und drohte mit Klage auf Beschäftigung. Ob es eine Gerichtsverhandlung und -entscheidung gab oder ob es zu einem außergerichtlichen Vergleich kam, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Ergebnis aber war jedenfalls, dass Maazel wieder mit Beirer arbeiten musste. Das geschah in jeder Saison - soweit ich mich erinnere - einmal. Das war dann meist eine „Götterdämmerung“, in der nun Maazel wirklich jeden Einsatz für den Siegfried geradezu demonstrativ gab. In diesen Aufführungen hat Hans Beirers große Berliner Anhängerschaft ihren Liebling enthusiastisch gefeiert.

    Ich gehörte eigentlich nie zu den Beirer-Fans, aber ich will gerne einräumen, dass ich in diesen Aufführungen schon beeindruckt war – nicht zuletzt von seinem sehr sorgfältigen Singen und seiner differenzierten Gestaltung.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

    Einmal editiert, zuletzt von Caruso41 () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, hat Beirer erzählt, dass Maazel nach diesem Vorfall die Weisung erhielt, nur noch mit Partitur zu dirigieren.


    Danke für deine interessanten persönlichen Eindrücke, lieber Caruso!

  • R-11091131-1509701576-9796.jpeg.jpg


    So sieht das zuerst von Manfred erwähnte LP-Doppelalbum aus. Obwohl ich auch schon darauf eingegangen bin, möchte ich doch noch die Liste der darauf versammelten Szenen nachliefern:


    Ludwig van Beethoven FIDELIO

    Gott, welch Dunkel hier

    Giuseppe Verdi OTELLO

    Datemi ancor / Dio!

    Niun mi tema

    Camille Saint-Saens SAMSON ET DALILA

    Vois ma misere, helas!

    Wolfgang Amadeus Mozart DIE ZAUBERFLÖTE

    Der, welcher wandert diese Straße

    Richard Wagner DIE WALKÜRE

    Ein Schwert verhieß mir der Vater

    Siegmund heiß ich

    SIEGFRIED

    Nothung! Nothung!

    Heiß ward mir

    GÖTTERDÄMMERUNG

    Helle Wehr, heilige Waffe Brünnhilde: Birgit Nilsson

    Hoiho! Mime hieß ein mürrischer Zwerg

    Brünnhilde, heilige Braut

    TANNHÄUSER

    Hör an, Wolfram, hör an! / Inbrunst im Herzen

    DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

    Senta, o Senta!

    DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG

    Fanget an!

    Morgenlich leuchtend

    TRISTAN UND ISOLDE

    O König, das kann ich ich dir nicht sagen

    PARSIFAL

    Wehe! Wehe!

    Nur eine Waffe taugt


    Das Album enthält keinerlei Angaben über Quellen und Aufführungsorte

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Eine der letzten - wenn nicht die letzte - Rollen, die Hans Beirer an der Deuschen Oper in Berlin sang, war der este Geharnischte in der "Zauberflöte". Ein ehemaliger Techniker berichtet mir, dass es stets mit großem Aufwand verbunden gewesen ist, den bereits gehbehinderten Sänger auf die Bühne zu führen. Interessant ist, dass sich mit dieser nicht unwichtigen Rolle in seiner Kariere ein Kreis schloss. Er hatte den Geharnischten nämlich schon 1951 in der Salzburger Felsenreitschule unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler gesungen - dokumentiert auf diesem Mitschnitt vom 6. August:


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Eine der letzten - wenn nicht die letzte - Rollen, die Hans Beirer an der Deuschen Oper in Berlin sang, war der este Geharnischte in der "Zauberflöte".

    Lieber "Rheingold1876",


    ich weiß es zwar nicht 100%ig sicher, weil ich meine Vorstellungsbuch-Diktate noch nicht verschriftlicht habe, bin mir aber relativ sicher, dass seine letzte Rolle an der Deutschen Oper Berlin der Jupiter in "Orpheus in der Unterwelt" war. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Wahrscheinlich hast du doch Recht, in der Wiederaufnahme-Serie der Spielzeit 1989/90 machte Beirer den Jupiter gar nicht mehr, sondern Hermann Winkler.


    Habe hier gerade einen abfotografierten Besetzungszettel einer "Elektra"-Vorstellung vom 28. Januar 1990, auf dem als Aegisth der Name "Hans Beirer" zwar gedruckt, aber handschriftlich durchgestrichen und ebenso handschriftlich der Einspringer "Peter Gougaloff" dahintergeschrieben ist.

    Die Damen waren übrigens Ludwig, Jones und Lechner, der Orest Feldhoff.

    Oben auf dem Besetzungszettel ist handschriftlich notiert: "43 Vorhänge, 24 Minuten Applaus"

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Lieber Stimmenliebhaber, ich wusste es ja auch nicht genau und konnte mich nur auf die Angaben vom Hörensagen berufen. Danke für die Ergänzungen. Wenn ich mich nicht irre, habe ich in dieser "Elektra" sogar gesessen.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Passt vielleicht hierher: Für mein Buchprojekt "Österreichische Tenöre" habe ich mich sehr intensiv mit Hans Beirer beschäftigt.

    Da er keine Kinder hatte und seine Frau Terry fast zeitgleich mit ihm verstorben ist, ist ein Neffe mit seinem Nachlass betraut worden. Mit diesem Neffen bin ich in bestem Kontakt. Er hat mir sehr interessante Dokumente geschenkt, u.a. zwei Kassetten, auf denen Beirer selbst (z.T. mit Gattin Terry) über seine gesamte Karriere spricht und sich viele Gedanken über die Welt der Oper macht. Somit ist der Nachwelt ein Blick in seine Sicht auf die Kunst überliefert, wobei die Nachwelt in diesem Fall ich selbst bin. Eine Beirer-Biosgrafie werde ich bestimmt nie schreiben, jedoch soll er im "Tenöre-Buch" ein entsprechendes und angemessenes Kapitel erhalten.

    Ich habe auch tolles Bildmaterial erhalten und als besonderes Zuckerl Operetten-Aufnahmen aus den 40er-Jahren, die Beirer selbst auf Kassette gehortet hat. Davon möchte ich Kostproben auf YouTube stellen.

  • Lieber Greghauser!

    Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, hat Beirer erzählt, dass Maazel nach diesem Vorfall die Weisung erhielt, nur noch mit Partitur zu dirigieren.


    Da kann ich leider nichts zur Aufklärung beitragen.

    Allerdings fällt mir schwer zu glauben, dass Sellner Lorin Maazel ’Weisungen’ erteilt hat.
    Wie auch immer: Maazel hat weiterhin mal ohne und mal mit Partitur dirigiert.

    Ob er allerdings den Schmiss schneller aufgefangen hätte, wenn eine Partitur auf seinem Pult gelegen hätte, ist schwer zu sagen.


    Im Übrigen hatte Beirer ja stets so seine Probleme mit Einsätzen. Dabei ging es freilich um die präzise Intonation. Ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich hier berichte, dass Beirer häufig die Tonhöhe für heikle Einsätze per Stimmpfeife aus der Kulisse gegeben wurde. Unter den alten Opernaficionados wurde kolportiert, dass dies auf eine Anregung von Arthur Rother zurückging!


    Jetzt möchte ich aber noch eine Anekdote berichten, die ein bezeichnendes Licht auf den Menschen und Künstler Hans Beirer wirft.

    In einer Aufführung der „Götterdämmerung“ hatte Martha Mödl eine tief beeindruckende und gloriose Brünnhilde gesungen. Bis auf die letzten Takte

    „Siegfried! Siegfried! Sieh!

    Selig grüsst dich dein Weib!“

    Bei dem ersten „Siegfried!“ kam ein undefinierbarer, total verunglückter hoher Ton. Dann war es ihr nur noch möglich, zu markieren.

    Als dann Mödl zu ihrem Solovorhang raus kam, gab es Buh-Rufe. Nicht gerade sehr viele, aber penetrant laute. Da stürzte Hans Beirer, der zuvor für seinen Siegfried bejubelt worden war, vor den Vorhang. Mit einer herrischen Geste beendete er Beifall und Buhs. Dann hielt er eine ebenso zornige wie leidenschaftliche Rede an das Publikum, warf ihm mangelnden Respekt vor und beschimpfte es, weil es wegen ein paar Tönen am Ende die großartige Leistung, die Frau Mödl geboten habe, nicht zu würdigen in der Lage sei. Das fand er ’schmählich’ und ’unanständig’. Danach gab es tosenden Beifall!


    Liebe Grüße

    Carsuso41

  • Allerdingsfällt mir schwer zu glauben, dass Sellner Lorin Maazel ’Weisungen’ erteilt hat.

    Es ist allerdings sehr wohl möglich, dass ein Intendant dem GMD etwas anweist, gerade im Bereich Musiktheater (im Konzertbereich ist das schon schwieriger, da ist der GMD eher Herr seiner seibst). Sellner war damals schon ein alter erfahrener Theaterhase, während Maazel noch kein etablierter Star war, sondern eher noch ein nicht besonders erfahrener Jungspund - insofern halte ich das mit der Anweisung (noch dazu vielleicht spontan unter dem Eindruck der Folgen ausgesprochen) für so unwahrscheinlich nicht.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!

  • Super Anekdote, lieber Caruso, die eine Seite Beirers beleuchtet, die leider oft untergeht, weil sich die meisten Anekdoten wonnevoll auf seinen "schwierigen Charakter" stürzen: seine Menschlichkeit!

  • Lieber Stimmliebhaber!

    Es ist allerdings sehr wohl möglich, dass ein Intendant dem GMD etwas anweist, ...

    selbstverständlich ist das möglich. Und sicher gibt es auch Intendanten, die das tun würden.

    Sellner aber war nicht so einer. Er hätte Maazel bestenfalls einen Rat geben!


    Lieber Greghauser!

    Super Anekdote, lieber Caruso, die eine Seite Beirers beleuchtet, die leider oft untergeht, weil sich die meisten Anekdoten wonnevoll auf seinen "schwierigen Charakter" stürzen: seine Menschlichkeit!

    Vor allem zeigt diese kleine Anekdote auch seine Kollegialität und Solidarität.

    Dass beides im Theater nicht eben selbstverständlich ist, wird jeder bestätigen, der mal hinter die Kulissen geschaut hat.


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Ich habe auch tolles Bildmaterial erhalten und als besonderes Zuckerl Operetten-Aufnahmen aus den 40er-Jahren, die Beirer selbst auf Kassette gehortet hat.

    Hallo Greghauser, in meinen Beständen finden sich diese Operettenaufnahmen mit Hans Beirer, die ich allerdings nicht zuordnen kann und die zudem ungenau beschriftet sind. Kannst Du helfen? Sind es die, über die Du auch verfügst?


    1        Komm, Zygan (Grafin Mariza, Kalman)

    2        Melodien von Robert Stolz mit Hella Steinbrecher (Das ist der Frühling in Wien / Sag du zu mir / Komm in den Park von Sancoussi / Salome / Zwei Herzen im Dreivierteltakt / Hallo, du süße Klingelfee)

    3        Dank sei der Liebe Macht (Wenn die Liebe erwacht, Künneke, Hella Steingruber)

    4        Glückliche Reise (Künneke) Querschnitt, 24. 9. 1945 mit Hella Steingruber, Oda Troll, Evelin Künneke, Adi Apelt – Leitung: Eduard Künneke

    5        Nun will die Zukunft sich um uns gestalten mit Hella Steingruber

    6        Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt mit Traute Rose

    7        Immerzu singt mein Herz deinem Herzen zu mit Traute Rose

    8        Dein ist mein ganzer Herz

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rheingold,

    die Kassette beinhaltet tatsächlich diese Stücke.

    Beschriftet ist sie:


    Komm Czygan

    Künneke

    Land des Lächelns

    Potpourri Stolz

    Unleserlich

    Glückliche Reise


    Ich denke, es wird sich da wohl um deine LP handeln.

  • Noch einmal zur Frage, mit welcher Rolle sich Hans Beirer an der Deutschen Oper Berlin von seinem Publikum verabschiedet hat:



    Eine der letzten - wenn nicht die letzte - Rollen, die Hans Beirer an der Deuschen Oper in Berlin sang, war der este Geharnischte in der "Zauberflöte". Ein ehemaliger Techniker berichtet mir, dass es stets mit großem Aufwand verbunden gewesen ist, den bereits gehbehinderten Sänger auf die Bühne zu führen.


    Habe hier gerade einen abfotografierten Besetzungszettel einer "Elektra"-Vorstellung vom 28. Januar 1990, auf dem als Aegisth der Name "Hans Beirer" zwar gedruckt, aber handschriftlich durchgestrichen und ebenso handschriftlich der Einspringer "Peter Gougaloff" dahintergeschrieben ist.


    Lieber Stimmenliebhaber, ich wusste es ja auch nicht genau und konnte mich nur auf die Angaben vom Hörensagen berufen.

    Lieber "Rheingold1876",

    das "Hörensagen" hatte in diesem Fall absolut Recht, denn meine Recherche führte genau zum gleichen Ergebnis, dass Hans Beirer tatsächlich als Erster Geharnischter letztemalig auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin stand.

    Geplant war das freilich nicht, sondern geplant war der Abschiedsabend am 28.01.1990 als Aegisth in der "Elektra", wo er noch auf dem Besetzungzettel stand und dann (aufgrund der von dir erwähnten Gehbehinderung?) sehr kurzfristig absagen musste und durch Peter Gougaloff ersetzt werden musste. Einen anderen Auftritt von ihm in dieser Spielzeit 1989/90 finde ich nicht.


    Also habe ich mir jetzt mein Selbstdiktat der Besetzungen aus dem Vorstellungsbuch der Spielzeit 1988/89 abgehört und komme demnach zu folgenden letzten Auftritten von Hans Beirer an der Deutschen Oper Berlin:


    - 13.09.1988 ELEKTRA (40.) - Aegisth (u.a. neben Hesse, Vinzing, Pohl und Feldhoff)

    - 17.09.1988 ELEKTRA (41.) - Aegisth (u.a. neben Hesse, Vinzing, Pohl und Feldhoff)

    - 23.10.1988 DIE ZAUBERFLÖTE (145.) - Erster Geharnischter (u.a. neben Horst Laubenthal als Tamino)

    - 31.10.1988 DIE ZAUBERFLÖTE (146.) - Erster Geharnischter (u.a. neben Peter Seiffert als Tamino)

    - 04.01.1989 DIE ZAUBERFLÖTE (150.) - Erster Geharnischter (u.a. neben Peter Seiffert als Tamino)

    - 28.01.1989 DIE ZAUBERFLÖTE (151.) - Erster Geharnischter (u.a. neben Ryszard Karczykowski als Tamino)

    - 04.03.1989 DIE ZAUBERFLÖTE (152.) - Erster Geharnischter (u.a. neben Edith Mathis als Pamina, Gösta Winbergh als Tamino und dem weniger Monate später verstorbenen Martti Talvela als Sarastro)


    Demnach stand Beirer am 4. März 1989 letztmalig auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin, ohne seinen Bühnenabschied zu feiern, denn er ging wohl noch von Folgeauftritten in der nächsten Spielzeit aus. Sein namentliches Erscheinen auf dem Besetzungszettel der "Elektra" am 28.1.1990 spricht trotz seiner kurzfristigen Absage jedenfalls dafür. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme!