Da klingt ja ein Werk wie das andere !!

  • "Da Klingt ja ein Werk wie das andere!"


    Diesen Satz kann man immer wieder hören - und immer wieder über dieselben Komponisten.


    Die Kandidaten sind hier zweifellos Vivaldi, D. Scarlatti, Haydn, Händel (Opern), Bach (Kantaten), Telemann und Bruckner. Sicher habe ich noch einige vergessen.
    Mit ausNahme von Bruckner haben alle "Beschuldigten" relativ viele Werke hinterlassen, und sich somit noch das Attribut "Vielschreiber" eingeheimst.


    Solche "Urteile" wurden in der Vergangenheit auch von durchaus musikkundigen Leute gefällt, ich denke nur an Strawinskis Ausspruch über Vivaldis einziges Konzert, welches er 400 mal geschrieben habe.
    Desungeachtet ist es natürlich falsch - um nicht zu sagen dumm (oder gehässig ?)


    Dennoch - auch mir drägt sich bei manchen Komponisten der Gedanke der Eintönigkeit auf, wobei gesagt werden muß. daß dieser Eindruck - zumindest bei mir - umsomehr verblasst, desto näher man sich dem Werk des entsprechenden Komponisten nähert. Soll heissen, daß die Vielfalt und Eigenständigkeit der Werke eines komponisten - oder sogar einer Epoche oft erst dann sichtbar wird, wenn man sich intensiv mit ihr befasst hat. Intensiv heisst aber in diesem Zusammenhang nicht, daß man möglichst schnell alle Werke kennen lernen sollte.
    Im Gegenteil, desto besser man einzelne, wenige Werke kennt umso besser sieht man den Unterschied, wenn ein neues vom selben Komponisten erstmals gehört wird...


    mfg aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • also ich finde das nicht schlimm, solange man sich darüber bewusst ist, dass es die eigene mangelnde Bereitschaft ist, sich mit diesen Werken näher zu befassen.


    Aber das ist nicht nur in der Musik so, gerade auch bei Architektur und vor allem bei der Malerei.


    Mein Lully dürfte diese Kritik auch auf sich ziehen :D

  • Hallo,


    ja, das kann ich bestätigen, mir ist es sehr aufgefallen bei Pergolesi.
    Da ist das Stabat mater und das Salve Regina, beide Anfänge gleichen sich sehr und man kann sie anfänglich verwechseln.


    :hello:

  • Ich denke, es liegt oft am mangelnden feinen Hinhören und Unterscheiden derjenigen, die die Gleichartigkeit bemängeln.


    Man muß ja schon aufmerksam sein und Details mitbekommen - läßt man Vivaldi oder Händel nur so im Hintergrund laufen, ist es klar, daß immer wie dieselbe Klangtapete wirkt.


    Ein ähnliches Phänomen ist zu beobachten, wenn wir z.B. Asiaten sehen - die wirken auf uns hier auch alle irgendwie gleich. Nur wenn man öfter unter Asiaten ist, ändert sich das, und sie sehen für uns genauso vielfältig aus wie Europäer! (Umgekehrt gilt das Phänomen übrigens genauso, ob man's glaubt oder nicht!)


    Allerdings ist es schon auch richtig, daß die Bandbreite der musikalischen Mittel z.B. bei Vivaldi oder Telemann erheblich begrenzter ist als z.B. bei Beethoven oder Brahms. Und man muß sich auch nix vormachen, vieles von ihren Werken ist tatsächlich Routine-Ware. Die mußten halt Geld verdienen. Ähnlich wie bei Bachs Kantaten-Massenproduktion.


    LG,
    Hasenbein

  • Zitat

    Original von hasenbein
    ..... Die mußten halt Geld verdienen. Ähnlich wie bei Bachs Kantaten-Massenproduktion.



    das ist kein Argument, das Deckengemälde der sixtinischen Kapelle ist auch so entstanden. :jubel:



    Zu Scarlatti: ich habe neulich die 3CD von Zacharias erstanden, als ich sie das erste mal hörte konnte ich von jeder Sonate sagen, "die kenne ich schon" oder "höre ich zum ersten mal".


    Ich habe es dann mal verglichen, mit den Scrlatti Aufnahmen, die ich schon habe. Und ich lag immer richtig.

    marta

  • Zitat

    Allerdings ist es schon auch richtig, daß die Bandbreite der musikalischen Mittel z.B. bei Vivaldi oder Telemann erheblich begrenzter ist als z.B. bei Beethoven oder Brahms. Und man muß sich auch nix vormachen, vieles von ihren Werken ist tatsächlich Routine-Ware. Die mußten halt Geld verdienen. Ähnlich wie bei Bachs Kantaten-Massenproduktion.



    das ist bei allen Komponisten so.


    Ob allerdings die Mittel so begrenzt sind, wage ich doch zu bezweifeln.


    Gerade wenn man sich näher mit Telemann beschäftigt, dann greift das Argument gar nicht mehr.


    Ersteinmal hat der ja für alles was nur möglich war komponierte und die Unterschiedlichsten Klangkombinationen verwendet.


    Zudem kommt noch, dass er durch sein ewig langes Leben ein Oeuvre von solcher Vielschichtigkeit hat, das man wohl bei keinem anderen Komponisten so finden wird.
    Seine erste Werke stehen noch im Stil eines Rosenmüller, dann die Orientierung an Lully und Campra, schließlich der typische deutsche Stil des späten Barock bis hin zur Mannheimer Schule !

  • Ich glaube, den Vorwurf, daß (angeblich) alle Werke gleich klingen würden, muß sich so ziemlich jeder Komponist von etwaigen Kritikern gefallen lassen. Oft hörte ich dies etwa auch im Zusammenhang mit Mozart, Verdi oder Tschaikowsky.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von hasenbein
    Ich denke, es liegt oft am mangelnden feinen Hinhören und Unterscheiden derjenigen, die die Gleichartigkeit bemängeln.


    Man muß ja schon aufmerksam sein und Details mitbekommen - läßt man Vivaldi oder Händel nur so im Hintergrund laufen, ist es klar, daß immer wie dieselbe Klangtapete wirkt.


    LG,
    Hasenbein


    Ich habe beide Werke von Pergolesi gesungen, das Stabat Mater und das Salve Regina, den Unterschied merkt auch einer, der nicht so feine Ohren hat.


    :hello:

  • FRÜHER habe ich DAS ganz besonders von Bach, Mozart und Haydn so empfunden.


    Als erster Komponist hat mich dann BACH eines besseren gelehrt, dann kam Mozart (wie kann man denn auch Sachen wie Nachtmusik, Klarinettenkonzert, S40 und S41, sowie Requiem für gleichartig halten?) und jetzte komme ich auch immer mehr Haydn auf die Schliche:


    Dies ist ein ganz raffinierter Komponist, der sich ganz leise immer mehr Beliebtheitspunkte bei mir einsammelt.


    Der hat es faustdick hinter den Ohren!

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Carl Ruggles, Josef Matthias Hauer, Arvo Pärt ...
    aber gerade bei den beiden ersten überzeugt mich dieses gleichmäßige Vorwärtsschreiten sehr. Man muss ja nicht alle Zwölftonspiele von Hauer hören (geht auch nicht, viele verloren - dafür hat jemand ein Computerprogramm geschrieben, das neue generieren kann. Aber man kommt dann zu der Frage, ob hier jedes Einzelprodukt noch als Werk angesehen werden soll, und wenn man sich davon löst, werden die Komponisten immer faszinierender.)

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