Vorsicht ist geboten - Warnungen vor Klassik-CDs

  • Hallo,


    Jedem von uns ist es wahrscheinlich etliche Male so gegangen: Man legt die CD auf und ist enttäuscht.
    Sei es weil sich die 272. Einspielung von Beethovens Fünfter als doch nicht so bahnbrechend herausgestellt hat, oder der frisch gebackene Shootingstar sich als Langweiler, bestenfalls aber als Konfektionsware von der Stange entpuppt hat, das "Sängertalent" bestenfalls Mittelmaß ist, oder man sich bei einer "Legende der Vergangenheit" fragt, wie sie je zur Legende werden konnte....:happy:


    Dann gibt es noch jene freudigen Überraschungen, daß der Klang wie aus dem Keller kommt, eine Violine an eine Kreissäge erinnert, Dropouts am Mutterband vernommen werden, der Klang generell synthetisch und unnatürlich klingt.


    Die Tonträgerindustrie, unermüdlich in ihren Bestrebungen, auch noch die letzten Klasikkunden zu vergraulen, hat sich diverse "Schmankerln" (Gustostücke) einfallen lassen um das Maß voll zu machen, da sei nur der Kopierschutz erwähnt, der die Fehlerunterdrückung des CD Players bis aufs letzte ausreizt, bzw in manchen Fällen soger Klangverschlechternd auffällt.


    Und genau vor solchen Enttäuschungen, seine sie auch rein subjektiver Natur sollte hier berichtet werden, wobei ich bitte eventuelle "härtere" Aussagen durch den Zusatz IMO aus juristischen Gründen zu relativieren :happy:


    Gruß aus dem tropischen Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Hallo Taminos,


    Uwe schrieb:

    Zitat

    ...Bin mal gespannt auf den Golijov. Werde euch auf dem laufenden halten.


    ...sehr folkloristisch, fällt zu den anderen (Auftrags-)Passionen (und nicht nur zu denen) ganz klar ab.


    Gruß
    Uwe

  • Hallo Alfred,


    enttäuscht wurde ich von der CD: Anna Netrebko, Sempre libera. Meiner Meinung nach ist sie die meist überschätzte Sängerin in letzter Zeit.


    Gruß


    Itzi

  • Die Enttäuschung über die Interpreten ist eine Seite...
    ...die andere Seite ist aber,wenn die Aufnahme total schlecht ist.
    Sei es aufnahmetechnisch, spielerische Mängel (Fehler) oder sonstiges (z.B.überflüssiges Rauschen,hervorhebung des livepublikums mit deren husten und sonstigem geräusch).


    Zum Beispiel:
    Philips Brendel/Marriner Klavierkonzert Nr.9.
    Direkt am Anfang gibt ein Bläser ein hässliches Quietschen von sich. :(


    Vielleicht wäre mal so ein extra thread über Aufnahmen interessant, in denen die Solisten/orchester/sänger Fehler machen (und dann auch nicht darüber hinwegsehen können)?

  • TESTAMENT CDs!!! Bitte mit VORSICHT genießen!


    Es gibt zwar viele interessante Aufnahmen aus der Frühzeit.Aber viele Aufnahmen bringen ein starkes Rauschen mit sich.
    Teilweise werden Töne und Sprache verschluckt!
    Zudem sind die Testament CDs extrem überteuert verkauft.
    Also Vorsicht bei der Auswahl!


    Wer die Aufnahmen aber "nur" für Interpretationen braucht, ist teilweise gut beraten (da es einige Aufnahmen gibt,wo der Komponist selbst spielt).
    Zum Hören und genießen aber imo völlig unbrauchbar!

  • Das mit den Testament CD's habe ich ganz anders kennengelernt. Naja ich besitze nur 2 Aufnahmen von David Munrow, stammen aus den 70ern und sind ganz wertvolle Dokumente der ersten Schritte in Richtung historischer Aufführungspraxis. Außerdem ist das Repertoire ausgesprochen interessant. Die Aufnahmequalität unterscheided sich kaum von anderen Aufnahmen aus der Zeit - vielleicht bist Du zu streng ;)


    Direkt enttäuscht wurde ich noch nie, denn ich höre mir in 90 % der Fälle immer vorher an was ich da kaufe.

  • Hallo Taminoaner,


    der Thread ist schon fast ein Jahr alt. Es scheinen wenige Forumsteilnehmer von gekauften CD´s enttäuscht worden zu sein ???


    Meine größte Enttäuschung war der CD-Kauf einer EMI-CD von Berlioz: Symphonie Fantastique mit Orchestre de Paris, G.Pretre, die ich mir aufgrund seiner interessanten Kritik gekauft hatte. Wie Pretre diese Sinfonie verzerrt spottet jeder Beschreibung - schnell weiterverhökert !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Weil ich gerade so schön in Fahrt bin ;) :



    Ich zitiere mich mal selbst:
    Es ist erstaunlich, wie lausig eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1994 klingen kann: Matt, ohne Transparenz, mit öfter verschobener Klangbalace, vollkommen höhenbeschnitten.


    Das hochkarätige Sängerensemble paßt sich nahtlos dieser bescheidenen Klangkultur an.


    Um so erstaunlicher, daß die EMI diese Aufnahme immer noch zum Vollpreis verhökert...


    Edit: Gehört zwar eher in den "Opern-Thread", aber Warung bleibt Warnung... ;)

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • hallo,


    ich möchte vor der 2-cd-reihe von EMI warnen. IMHO sehr schlechte klangqualität mit stumpfem klangbild und hohem rauschanteil. die meisten dieser aufnahmen stammen aus den 70er und anfang der 80er jahre, also zu einem teil auch DDD. ich weiß nicht, ob da irgendwie 'billig' remastered wurde, um geld zu sparen. ich habe keine ahnung über solche vorgänge.




    gruß, siamak

    Siamak

  • Hallo Taminoaner,


    ich habe gerade im Thread "Aktuelle Wunschliste" von maik die Dvorak - Sinfonien in seiner Wuschliste vom 18.08.05 mit Schrecken gesehen.
    Die Dvorak-Sinfonien mit G(r)unzenhauer solltest Du sofort aus Deiner Liste streichen. Ich hatte mal zwei CD´s aus dieser NAXOS-Reihe - es war das schrecklichste und langweiligste, was ich jemals auf NAXOS besessen hatte; mit mulmiger Klangqualität.
    Besonders die NAXOS-CD mit den Sinfonien Nr.4 + 8 mit Grunzi waren saumäßig und Welten von Dohnani auf Decca entfernt.



    ;) Bei den Dvorak-Sinfonien bist Du bei den Gesamtaufnahmen mit Kubelik(DG) oder Kertez (Decca) bestens aufgehoben und gar nicht teuer !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hallo, Siamak!



    So pauschal würde ich das nicht sagen. Bei den EMI-Doppel-CDs sind auch die Mozart-Violinkonzerte von Spivakov dabei, die nicht nur ich hier gut finde. Ganz zu schweigen von
    ,
    welche ich oft und gerne höre.


    Die Schubert-Violinsonaten-CD habe ich auch und höre sie fast nie. Ich habe das aber eher auf die Werke selbst zurückgeführt. Ich müßte sie mir mal mit anderen Interpreten anhören.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!


    Auch noch vergoldet wurde diese Scheibe! 8o


    Ich kann davon nur abraten! X(
    Nr. 101 fiel bei mir beim Hören des 2. Satzes durch, Nr. 94 schon beim ersten Satz.
    Haydn for insiders - Haydn für Reingefallene. ;)


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Oistrach-Freunde,


    ich habe seit gestern die Oistrach-10CD-BRILLANT-Box zu Hause und bin nicht gerade begeistert, wenn auch einige interessante Momente geboten werden (Ravel, Schostakowitsch, Sibelius, Beethoven).


    :yes: Vorab möchte ich sagen, dass hier Oistrachs große Interpratationskunst geboten wird --- und wer nur das sucht wird mit diesen 10CD´s glücklich werden und für denjenigen gehört diese Box nicht in diesen Thread !!!


    :rolleyes: Leider hat Brillant auf zum Teil miserable Konzertmitschnitte zurückgegriffen, die alle in MONO sind. Aufgrund der Aufnahmedaten, die gröstenteils in den 60er-Jahren bis 1968 liegen, sollte man annehmen, das Stereoaufnahmen von Oistarch geboten werden, dies ist aber leider nicht der Fall. Keine großen Erwartungen hatte ich natürlich an einige Aufnahmen, die aus 1949 stammen.
    Die einzig gute Mono-Aufnahme habe ich bereits auf einer "anständigen" Eurodisc-CD, das ist das Schostakowitsch Violinkonzert Nr.1 mit den Leningrader PH/Mrawinsky. Hier bei Brillant war das Violoink.Nr.2 dann in einer Mono-Live-Aufnahme (Orchester verspielt sich mehrmals) von 1968 mit Roshdestwensky vorhanden und nicht in der guten Eurodisc-Stereo-Version von 1967 mit Kondraschin.


    :evil: So geht es in der Box weiter, alle Werke die ich bereits mit dem von mir hochgeschätzten David Oistrach besitze, sind in dieser Box in technisch miserablen Aufnahmen vorhanden.
    Die Brillant-Aufnahmen haben nichts mit den hervorragenden Oistarch - Einspielungen auf meinen CBS-CD´s mit dem Philadelphia Orchestra / Ormandy und meinen anderen Eurodisc-Einspielungen gemein. Dies sind u.a. die Violinkonzerte von Tschaikowsky, Schostakowitsch, Sibelius, und Hindemith, die bei Brillant technisch danebenliegen.



    Oistrach-Edition (Brilliant):
    Strawinsky:Violinkonzert D-Dur
    +Miaskowsky:Violinkonzert op. 44
    +Glasunow:Marzurka-Oberek D-Dur für Violine & Orchester
    +Ravel:Tzigane (1960)
    +Chausson:..Poeme op. 25 für Violine & Orchester
    +Glasunow:Violinkonzert op. 82
    +Szymanowski:Violinkonzert Nr. 1
    +Hindemith:Violinkonzert
    +Sibelius:Violinkonzert op. 47 (1962)
    +Bartok:Violinkonzert Nr. 1
    +Prokofieff:Violinkonzert Nr. 1
    +Tschaikowsky:Violinkonzert op. 35
    +Kabalewsky:Violinkonzert op. 48
    +Tanejew:Konzertsuite für Violine & Orchester op. 28
    +Beethoven:Violinkonzert op. 61
    +Lalo:Symphonie Espagnole
    +Bruch:Schottische Fantasie op. 46
    +Schostakowitsch:Violinkonzerte Nr. 1 & 2 (1956+1968..)
    +Mendelssohn:Violinkonzert op. 64 (1949)
    +Dvorak:Violinkonzert op. 53 (leider 1949)
    David Oistrach, Leningrad PO, Moskau PO, USSR SO, Kondrashin,
    Gauk, Rozhdestvensky, Yudin, Sanderling, Eliasberg, Mrawinsky

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Vielleicht kennen ja einige hier dieses Beispiel schon, aber dennoch. Zu den traurigsten Ergebnissen des digitalen Remastering gehört IMO Kleibers Freischütz:



    Durch die digitale Bearbeitung wurde der Klang so sehr geglättet, daß man gerade für das Dirigat und den Orchesterklang kaum mehr nachvollziehen, warum die Aufnahme so grandios ist.
    Anstatt der "Originals"-Aufnahme sollte man versuchen, die erste CD-Überspielung oder die Vinyl-Ausgabe zu bekommen.


    Gruß,


    Cherubino


  • Ich möchte vor dieser Aufnahme warnen.
    Nichts gegen Idil Biret, aber muss das sein? Diese Fingerübungen auf dem Klavier kann ich nicht mal beim Kochen, Braten, Bügeln, Putzen ertragen. Ein Mahnmal meiner Sammlung. Liegt jetzt im Schuhputzkarton.

  • Hallo,


    mit mir war bisher immer das Glück aber auch ich kann eine CD erwähnen, die ich wohl als absoluten Fehlkauf einstufen würde:


    CD1 - Slawische Tänze - Dvorak - Adam Fischer - Hungarian State Orchester
    CD2 - Hans Zimmer (nicht der Filmkomponist ;) ) - Rundfunk-Sinfonie-Ochester Berlin - diverse Stücke Dvoraks.



    Die CD 2 entschädigt alles eingermaßen aber ich habe mir diese CD eigentlich wegen der 1. CD gekauft. Wegen den slawischen Tänzen von Dvorák (wieder einmal :-)).


    Sie ist vor allem mein größter Fehlkauf, weil sie noch dazu so teuer war. (weiß jetzt nicht mehr den genauen Betrag, jedenfalls über 15 Euro).


    Jedenfalls ist die Soundqualität der ersten CD nicht gerade gut. Der ganz Sound hört sich sehr recht dumpf an. Die Interpretation an sich gefällt mir zudem überhaupt nicht. Rhythmus scheint für Fischer ein Fremdwort zu sein. Außer an manchen Stellen, da glaubt man müsse dieser Herr doch wieder so etwas wie Rhythmus kennen, weil es sich fast so anhört als würde er versuchen jegliches Rhythmusgefühl zu unterbinden (was bei Dvoráks spritzigen Tänzen fast schon wieder eine Kunst ist). Ebenso scheint es mir so, als würde Fischer versuchen, seine Interpretation nicht zu sensationell ausfallen zu lassen, überall bremst Fischer, es findet nirgends der an bestimmten Stellen gewohnte Spannungsauf- bzw. -abbau statt. Gut das liegt aber vielleicht auch an der Audio-Qualität, dass sich einfach bei dem schwammigen Ton keine Höhepunkte finden lassen. Jedenfalls muss Fischer so etwas wie das Gegenstück zu mir sein. Seine Interpretation wird da schnell, wo meine langsam werden würde. Umgekehrt wird sie da langsam, wo ich das Orchester schneller spielen lassen würde.
    Die Klangfarbe ist mir irgendwie auch suspekt. Es klingt so kahl und kalt, es hallt so sehr und irgendwie höre ich die Streicher zu wenig raus. Man könnte meinen ich hätte die CD im PC drin und so aus Spaß an so einem Equalizer herumgeschraubt.
    Das Orchester selbst hört sich an wie ein Jugendamateurorchester, man meint kein Instrument ist auf das andere abgestimmt.
    Habe mir heute die CD nochmals wieder versucht anzuhören, ich konnte meine Meinung aber leider nicht revidieren, einfach grauenhaft.
    Wäre das die erste Scheibe mit Dvorak drauf gewesen, ich hätte mir wohl keine weitere mit Dvorak gekauft, das muss ich so direkt sagen.


    Also ich kann nur abraten zu dieser Aufnahme. Aber Vielleicht hat ja ein weiteres Mitglied dieses Forums diese Aufnahme und möchte mir vielleicht widersprechen?

  • Testament bringt Raritäten in hervorragender Qualität auf den Markt; von einem gelegentlichen Rauschen sollte sich ein Kenner doch nicht abschrecken lassen, oder?-aus meiner Sicht eines der besten Labels. :yes:

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Testament gehört auch meiner Meinung nach zu den guten Labels mit historischen Aufnahmen. AFAIK sind viele Aufnahmen von der EMI lizensiert. Die CDs sind auch nicht teurer als Biddulph oder Pearl. Ich weiß nicht, mit welchen Labels der Klassikliebhaber vergleicht! Mit den ital. u.a. Billiglabels kann Testament freilich nicht mithalten, aber dafür wird auch nicht gefiltert wie verrückt, und man gibt sich denkbar große Mühe, möglichst gute Master zu erhalten.

  • Ich habe es zwar ( noch ) nicht selbst gehört, aber ein Freund von mir ( der im 3-Buchstaben-CD-Geschäft in Wien Kärntnerstraße arbeitet ) erzählte mir von der ( Live - ) Aufnahme der Aida aus St.Margareten. Irgendwo mittendrin soll lautstark über die CD der Ausruf eines Zuschauers "Das ist der schlechteste Trompeter der Welt" zu hören sein. Sind solche "Besonderheiten" nicht eher ein Grund eine solche CD zu kaufen als sie zu verschmähen? Auf Klangtechnische Perfektionswahre aus dem Studio kann ich gerne verzichten.

  • Solche "Publikumsreaktionen" machen eine CD-Veröffentlichung erst zum Unikum. Ein HOCH der LIVE-Aufnahme!


    LG, Guido :yes:

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

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  • Ich muss bitte vorausschicken - vom Klavierspiel her ist sie eine meiner liebsten Schumann-CDs. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, wie man bei einer Studioaufnahme (zumal bei solchen Prestige-Marken wie Philips und Brendel) 1980 bis 1981 solche Störgeräusche mit aufnehmen konnte und die Aufnahme dann freigab. Ich meine, die sind doch absichtlich zu Aufnahmen zusammengekommen, oder? Ich würde darüber hinwegsehen, wenn es sich um "zufällig" bzw. routinemäßig mitgeschnittenes Material handelt, zum Beispiel von einem Konzert, das dann später mal freigegeben wird.



    Schon beim Einschalten der CD, also sobald sich der erste Track anlässt, gibt es ein Fade-in (wie von Schallplatte aufgenommen und erst mal den Aufnahmeregler weit aufgedreht), sodass man die Bässe zurückdrehen muss, obwohl noch gar keine Musik spielt. Das Rumpeln, das viele von uns von den Schallplatten kennen, sobald einmal die Nadel auf die Scheibe aufgesetzt hat, bleibt ziemlich konstant bis zum Ende des jeweiligen Zyklus - der unfreiwillige Vorteil dabei ist, dass man weiß, dass z. B. jetzt Kreisleriana zuende ist und bald der nächste Zyklus kommt.


    Das hochfrequente Grundrauschen bemängele ich nicht - die Aufnahme ist nicht digital. Allerdings ist dieses Rauschen - im Gegensatz zu vielen anderen nicht digitalen Aufnahmen nicht konstant.


    Manchmal gibt es hörbar einen Luftzug von einem Gebläse, man hört auch deutlich Ventilatoren, die anscheinend mittendrin eingeschaltet werden. Und um auf meinen Titel zurückzukommen, manchmal hört man einen Lastwagen vorbeifahren. Oder ist es die U-Bahn - wie neulich mal jemand geschrieben hat.


    Ich kenne Störgeräusche auch auf vielen anderen Studioaufnahmen, allerdings älteren Datums. Ich glaube, bei einem Lohengrin war es, wo ich mitten im Höhepunkt der Gralserzählung immer einen LKW um die Ecke biegen hörte. Ich vermutete immer, dass das an den alten Originalbändern lag, deren Magnetschicht an genau der Stelle vielleicht gestört wurde, bis eben ein Taminoaner mal schrieb, es gäbe Studios, unter denen die U-Bahn durchfährt. Wir in Wien kennen das ja auch live - an der Volksoper fährt die Straßenbahn vorbei, egal ob man es während der Vorstellung hören will oder nicht. Es ist ein ganz tiefes Rumpeln.


    Ich finde, wenn irgendwelche legendäre Studios irgendwann von Autobahn und Eisenbahn umgeben sind und diese und irgendwelche veralteten technischen Anlagen im Hause sich auf feinen Klassikaufnahmen verewigen, dann wäre es doch an der Zeit, dass das Studio in ein anderes Haus umzieht.


    Sie ist trotzdem eine meiner Lieblings-CDs, aber ich würde das Phänomen gerne verstehen. Bin ich nur zu empfindlich? Ich sagte ja schon, ich nehme gern vieles in Kauf - nur halt nicht in jedem Fall.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Edwin:


    Zitat

    Wenn ich mir Brendels Blick auf dem Cover ansehe, ist das vielleicht unfreiwillig, aber vielsagend.


    Und die Hände trägt er gleich in den Manteltaschen vergraben, damit man die Pflästerchen auf den Fingerkuppen nicht sehen kann....

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo,


    bei dem U-Bahn Saal handelt es sich um die Kingsway Hall in London.


    Dort sind unzählige Aufnahmen entstanden, allerdings ist der Saal mittlerweile abgerissen worden.


    Gruß,


    Michael


  • Ist dieser "Parsifal" wirklich so schlecht, dass man eine Warnung herausgeben muss?


    Ganz dezidiert: Nein.


    Nicht, wenn es ein 28-Euro-"Parsifal" (eventuell bei Naxos) wäre.
    So aber stellt sich die Frage, was man um 45 bis 55 Euro (von Internetversand bis Fachgeschäft) bekommt - und das ist reichlich wenig. Denn die Aufnahme wirklich wert ist nur Falk Struckmann als Amfortas.
    Franz-Josef Selig als Gurnemanz - gut, aber zu bieder. Waltraud Meier (Kundry) flüchtet sich ins Outrieren; die Verführungsszene - also, mir ist jetzt zum ersten Mal wirklich klar, warum Parsifal lieber zölibatär lebt. Wolfgang Bankl als Klingsor wäre akzeptabel, wenn es um eine Parodie ginge, dieses Bösewichteln von vorgestern ist ziemlich schlimm. Placido Domingo wird von Christian Thielemann meistens so zugedeckt, dass man ohnedies kaum etwas hört - und wenn doch, dann ist es angestrengt und ohne Artikulation. Thielemann ist natürlich extrem Geschmackssache, ich mag seine dauernden Temporückungen und den plüschigen Klang seines Orchesters nicht so sehr. Auf jeden Fall aber dirigiert er den lautesten "Parsifal", den ich kenne. Was es wiederum logisch macht, wenn Sänger in Bedrängnis kommen. So aufdrehen muss man die Dynamik wirklich nicht.
    Dazu kommen Störgeräusche von der Bühne, es scharrt, rumpelt knirscht und kracht alle paar Momente. Ich bin ja für "live" - aber das ist IMO eine etwas zu extreme Zumutung.


    Wie gesagt: Für 28 Euro - sofort. Aber angesichts des Ladenpreises sage ich nur: Hände weg. Und warten, bis das Ding dereinst im Sonderangebot verramscht wird.

    ...

  • Diese Parsifal-Produktion ist zweimal im Radio übertragen worden. Einmal zur Premiere am 10. April 2004, mit Donald Runnicles, Johan Botha, Robert Holl, Thomas Quasthoff und Angela Denoke, und dann am 30. Juni 2005, wo die CD-Aufnahme geplant war eben mit Thielemann, Domingo etc. (bzw. zog man mehrere Vorstellungen heran - ich weiß nicht, wie oft zu Saison-Ende Parsifal spielte).


    Die erste Staffel habe ich dann auch live gesehen. Mit Thielemann kenne ich es nur vom Radio, und da war es mir zu laut, und es fehlten mir Holl, Botha, Quasthoff, und Denoke als Kundry! Ich war sicher, dass das ganze beim Abmischen dann noch so richtig aufgepeppt werden würde vom Klang her. Aber wenn es die Vorstellung nicht hundertprozentig bringt (immerhin ist das eine interessante Inszenierung, die seinerzeit ja auch präzise geprobt war - gemeint ist anlässlich der Premiere 2004), und ein dementsprechendes Publikum drinnensitzt, das zum Teil nur auf die Stichworte "Thielemann, Domingo und 30. Juni" seine Karten kaufte (oder sie sich schenken ließ) - ich glaube, diese Vorstellung hatte sogar eine eigene Bezeichnung bzw. besondere Preise, aber vielleicht fantasiere ich jetzt; dazu noch sommerliche Temperaturen, und schon kann man sich vorstellen, was das da drin für ein Gehuste war.


    Die Plattenindustrie freut sich trotzdem.
    (Freut die sich eigentlich, oder sind solche Klassik-Aufnahmen nur noch Alibi?)


    P. S.: Im Radio kam es das erste Mal am 10. April, die Premiere war aber am 8. April 2004, sorry.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

    Einmal editiert, zuletzt von Melot1967 ()

  • Kryptische Anmerkung des Begleitbooklets: Aufgenommen 6/2005. Wahrscheinlich ein Zusammenschnitt sämtlicher Proben und der Aufführungen.
    Wäre ich boshaft, würde ich jetzt Vermutungen anstellen.
    Und z.B. vermuten, dass der Plan war, alle Dirigenten vorher, also Runnicles und Schneider, zu Assistenten Thielemanns zu machen, der auf diese Weise eine vom Orchester erstklassig einstudierte Aufführung bekam, der er nur noch Runnicles' minutiös gehaltene Tempi und Schneiders wuchtige Dramatik nehmen musste.
    Ich würde vermuten, dass Botha nicht zum Zug kam, weil Domingo sich in diesem Zusammenhang besser verkauft: Den Thielemann kaufen die Wagnerianer, den Domingo die Domingo-Fans. Macht zwei Zielgruppen.
    Ich würde vermuten, dass aus dem gleichen Grund die atemberaubende Denoke nicht zum Zug kam, die Meier ist halt jetzt so was wie die Parade-Kundry. Wer schert sich darum, dass sie bestenfalls noch Kundrys Großmutter singen kann?
    Und ich würde glatt vermuten, dass ein Quasthoff klug und geschmackvoll genug ist, diesen Domingo-Thielemann-Zinnober nicht mitzumachen. Mich wundert, dass es Struckmann tat. Aber gut für mich, habe ich wenigstens bei einer Rolle ein Parsifal-Erlebnis...


    Ach ja: Und die DG reibt sich die Hände. So kommt wenigstens Geld ins Haus!


    (Übrigens gibt's auch im "Parsifal"-Thread ein paar Einträge zum Thielemann-"Parsifal".)

    ...

  • Harnoncourts Aufnahme der Bachkantaten BWV 1-3 ist durchaus empfehlenswert, nur scheint leider in grösserem Umfang das Booklet falsch zusammengeheftet worden zu sein. Die Umschlagshülle zeigt richtig BWV 1-3, die eingehefteten Innenseiten gehören allerdings zu BWV 7-9. Hab zwei fehlerhafte Booklets dieser Art gesehen. Wer also Wert auf vollständige und korrekte Booklets legt, sollte vorher mal kontrollieren. (Mir kanns egal sein, hab eh das Dürr-Bachkantaten-Buch, was die Langfassung des Booklettextes ist, aber wnn man das Libretto nicht hat, wäre es doppelt ärgerlich)
    Schade, daß uns die "Großen Labels" mit Schlamperei verärgern.
    Ansonsten eine wirklich gute CD!


  • Hallo, Markus!


    Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Harnoncourts Aufnahme der Bachkantaten BWV 1-3 ist durchaus empfehlenswert, nur scheint leider in grösserem Umfang das Booklet falsch zusammengeheftet worden zu sein. Die Umschlagshülle zeigt richtig BWV 1-3, die eingehefteten Innenseiten gehören allerdings zu BWV 7-9. Hab zwei fehlerhafte Booklets dieser Art gesehen. Wer also Wert auf vollständige und korrekte Booklets legt, sollte vorher mal kontrollieren.


    Danke für die Vorwarnung! :hello:


    Holzauge, sei wachsam... ;)


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Harnoncourts Aufnahme der Bachkantaten BWV 1-3 ist durchaus empfehlenswert, nur scheint leider in grösserem Umfang das Booklet falsch zusammengeheftet worden zu sein. Die Umschlagshülle zeigt richtig BWV 1-3, die eingehefteten Innenseiten gehören allerdings zu BWV 7-9. Hab zwei fehlerhafte Booklets dieser Art gesehen. Wer also Wert auf vollständige und korrekte Booklets legt, sollte vorher mal kontrollieren. (Mir kanns egal sein, hab eh das Dürr-Bachkantaten-Buch, was die Langfassung des Booklettextes ist, aber wnn man das Libretto nicht hat, wäre es doppelt ärgerlich)
    Schade, daß uns die "Großen Labels" mit Schlamperei verärgern.
    Ansonsten eine wirklich gute CD!



    Das ist keine Seltenheit; ich hatte schon mindestens zwei oder drei verheftete Booklets, immer von Majors. Manchmal konnte man es selbst reparieren (d.h. alle Seiten da, nur falsche Reihenfolge, zB die Tschaikowsky-Ballette mit Previn), manchmal fehlt was oder es war ein ganz flascher Text (ZB Richter/Gavrilov Händelsuiten (EMI) hatten nur zwei richtige Blätter, der Rest bezog sich auf Debussys Orchesterwerke.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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