Zugriff verweigert! Über das Zurückhalten von Aufnahmen

  • Es gibt ja diese Fälle, in denen scheinbar alles glatt läuft: Solisten werden bestellt, die Platte wird aufgenommen- und dann aus irgendwelchen Gründen nicht zum Verkauf freigegeben.
    Ich erinnere mich da an ein Interview mit Renè Pape, in dem er, angesprochen auf sein Soloalbum "Gods, Kings & Demons", erwähnte, dass dieses keineswegs sein erstes Album hätte werden sollen: Bereits zuvor habe er ein Wagner-Album aufgenommen, das vom damaligen Dirigenten (evtl. Herr Th., gebürtig aus B. und in M. nicht mehr willkommen?) aus Papes Ansicht nach "fadenscheinigen Gründen" nicht freigegeben wurde. Nun wird niemand bestreiten, dass das doch ziemlich schade ist.


    Ich will hier bewusst auf Studioaufnahmen hinaus, dass Liveaufnahmen gelegentlich zurückgehalten werden, ist ja bekannt.


    Was mich natürlich besonders interessiert: Sind euch (Harald?! ;)) weitere Informationen zum Sachverhalt Pape bekannt?
    Kommt sowas vielleicht öfter vor, als man denkt?
    Was sind die Gründe?
    Kennt ihr vielleicht weitere, noch prominentere Beispiele?
    Und was passiert mit bereits gepressten Scheiben, die noch nicht auf dem Weg in den Handel sind?


    :hello:
    (Jetzt entspricht meine Beitragszahl schon meiner Körpergröße in cm. Wo soll das noch enden :D?)

  • Zitat

    Kommt sowas vielleicht öfter vor, als man denkt?


    Das Zurückhalten von Aufnahmen scheint in der Tat relativ oft vorzukommen. Näheres weiter unten.



    Zitat

    Was sind die Gründe?


    Vielerlei - das ist zwar eine Binsenweisheit , kommt aber der Realität recht nahe.
    Oft sind es hysterische überspannte - oder aber auch skrupolöse Künstler, die aus "Qualitätsgründen" eine Aufnahme nicht frei gaben




    Und was passiert mit bereits gepressten Scheiben, die noch nicht auf dem Weg in den Handel sind

    ?


    Zumeist sind die Schaeiben ja noch nicht gepresst - es liegen in der Regel nur die Bänder vor.


    Was damit geschieht ?
    Ganz einfach:
    Ein Vierteljahrhundert oder noch später, wenn der Künstler verstorben ist, und sich nicht mehr wehren kann, wird diese Aufnahme dann als
    "bisher unveröffentlichte Tonaufnahme" einer breitereren Öffentlichkeit zugängig gemacht.....vorzugsweise als "Golden Edition" oder so ähnlich....


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Ein mittlerweile recht prominentes Beispiel der "Aufnahmeunterdrückung" ist die Kubelik-Aufnahme der "Meistersinger" aus dem Jahre 1968, die ursprünglich zum 100. Jahrestag der Münchner Uraufführung bei der Deutschen Grammophon erscheinen sollte. Testpressungen waren schon gemacht worden und wurden den an der Aufnahme Beteiligten zum Abhören ausgehändigt. Dann allerdings wurde die Veröffentlichung abgeblasen und die Aufnahme verschwand in den Archiven, wo sie für die nächsten 25 Jahre verstauben sollte. Anlässlich der Wiederveröffentlichung wurden dann zwei Gerüchte kolportiert, weswegen die Aufnahme nicht erscheinen durfte. Zum einen wurde behauptet, dass ein deutschnationaler Produzent bei der DGG sich daran gestört hätte, dass die Hauptrollen nicht durchweg mit deutschen Sängern besetzt worden waren (Sachs Amerikaner, Stolzing Ungar, Beckmesser Engländer usw.). Das andere, m.E. wahrscheinlichere Gerücht, besagt, dass ein weltbekannter Bariton, der selbst Ambitionen auf den Hans Sachs hatte und diesen später bei der DGG aufnehmen wollte, seinen nicht unerheblichen Einfluss geltend gemacht hatte, um die unliebsame Konkurrenzaufnahme, welche sein Projekt hätte gefährden können, unschädlich zu machen.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Solche Zurückhaltungen sind wohl auch wirtschaftlich begründet. Anfang der 1990er hat Gerhard Oppitz das Klavierwerk von Brahms integral eingespielt. Aber nicht nur er. Ein weiterer Pianist, der begann, sich einen Namen zu machen, ist seinerzeit für eine Brahms-GA verpflichtet worden (ich meine sogar vom selben Label). Die Aufnhamen fanden auch statt. Das Ergebnis schlummert indes noch im Archiv.


    Ist das schlimm?


    Nun, für den Künstler gewiss. Ich persönlich finde das auch schofel, die eigene Position nicht durch Leistung, sindern durch Schwächung des Anderen zu stärken. Andererseits: der Platten- und CD-Kauf war vor knapp 20 Jahren ein teures Vergnügen. Nicht unverständlich, wenn die großen Label versucht haben, gerade bei nicht unbedingt rasend nachgefragten Sachen wie den Klavierwerken von Brahms den Markt überschaubar zu halten (zur Erinnerung: die GA mit Julius Katchen ist bis auf den heutigen Tag diejenige, an der alles andere zu messen ist).


    Und mit den Platten ist es wie mit den CD's: wenn die sich nicht verkaufen, überleben die die erste Auflage nicht. Das ist nun mal leider so: bei all' den schönen Sachen, die zu machen es sich lohnt, ist stets jemand vonnöten, der die Zeche bezahlt.


    Und um noch ein weiteres Fass aufzumachen: Bei den Rundfunkanstalten schlummern Schätze, die -wüden sie gehoben- den Markt in einem Maße verwässern würden, dass über Jahre hinweg Neuaufnahmen weitestgehend unverkaufbar sein wären.


    Der Markt ist eigentlich übersättigt. Also: Nischen suchen und nicht die 185.000ste GA der Beethoven-Sinfonien abliefern (bringt eh' nix).


    Keine sehr befriedigende Antwort auf Deine Frage, lieber Basti, so fürchte ich?


    Dir jedenfalls liebe Grüße vom Thomas :hello:


    PS: Noch sechs Beiträge, lieber Basti, und Du hast meine Körpergröße in cm erreicht. :D

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Es wird immer von einer wirklich großen Kabale gemunkelt. Wie das so bei Gerüchten ist, kann ich mich für die Echtheit nicht verbürgen.
    Walter Legge, in seiner Zeit allgewaltig bei EMI, soll Elisabeth Grümmer und Sena Jurinac exklusiv verpfichtet und zahlreiche Aufnahmen mit den damals führenden Sopranistinnen gemacht haben - nur diese sollen nie oder erst nach Jahrzehnten veröffentlich worden sein. Der Grund für diese Politik: Die Aufnahmen wurden mit Elisabeth Schwarzkopf, der Gattin des Produzenten, ebenfalls gemacht. Diese Tonaufzeichnungen wurden selbstverständlich veröffentlicht, aktiv vermarktet und haben den Ruhm der Schwarzkopf wesentlich gefördert.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Original von GiselherHH Das andere, m.E. wahrscheinlichere Gerücht, besagt, dass ein weltbekannter Bariton, der selbst Ambitionen auf den Hans Sachs hatte und diesen später bei der DGG aufnehmen wollte, seinen nicht unerheblichen Einfluss geltend gemacht hatte, um die unliebsame Konkurrenzaufnahme, welche sein Projekt hätte gefährden können, unschädlich zu machen.


    War das etwa Fi-Di? Oder wer sonst ?(? Dem würde ich's zumindest zutrauen. Allerdings nahm er den Sachs erst 1978 auf...


    Zitat

    Original von Thomas Pape
    Keine sehr befriedigende Antwort auf Deine Frage, lieber Basti, so fürchte ich?


    Und wie!


    :hello:

  • Krystian Zimerman soll von legendärer Selbstkritik geprägt sein. Er hat mehrere frühe DG-Aufnahmen, die als LP (oder sogar kurz als CD) im Handel waren unterdrücken lassen und Wiederveröffentlichungen untersagt (u.a. die drei Brahmssonaten). Sicher liegt auch nicht Freigegebenes im Archiv. Ähnliches (nicht ganz so schlimm) soll für Pollini gelten, angeblich sind die Beethovensonaten schon mehrfach komplett mitgeschnitten (?) worden, aber man kann ja sehen, wie zögerlich CDs davon erscheinen.


    Und recht kürzlich wurde doch eine schon angekündigte Chormusik-CD nicht veröffentlicht, weil ein beteiligter Sänger (der sich wohl nicht gerade für Lorbeeren quailfiziert hatte) die Veröffentlichung sehr spät noch untersagt hat.


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Politische Verhinderung fällt mir gerade ein. Als Beispiel greife ich in den Pop/Rock-Bereich.


    Eine der erfolgreichsten Gruppen der DDR war Silly, die Gruppe um die charismatische Sängerin Tamara Danz. Die meisten Lieder bis 1988 wurden von Werner Karma getextet, viele enthielten zwischen den Zeilen verstehbare Kritik, die dennoch zumeist durch die Zensurbehörden durchkam. Zumeist. 1984 war ein Album fertiggestellt, das unter dem Titel "Zwischen unbefahrenen Gleisen" veröffentlicht werden sollte. Ein Jahr zuvor wurde Erich Honnecker aus Moskau ein Staatsbesuch in der BRD untersagt. Das war für die Musiker von Silly nicht unbedingt bekannt. Die "unbefahrenen Gleise" - das Lied endete "und der schöne Strang aus Eisen fällt uns für den Fahrplan aus" - wurden plötzlich als Stichelei empfunden, als "mögliche Anstiftung zum Widerstand gegen das Staatsregime". Und wo man schon mal dabei war, fiel der Bannstrahl auf weitere Lieder, kurz, die Platte durfte nicht erscheinen, bereits vorhandene Testpressungen wurden eingestampft. Drei Liedtexte wurden verboten. 1985 erschien die Platte dann doch. Aus "Tausend Augen" wurde "Psycho", "Zwischen unbefahrenen Gleisen" wurde "Berliner Frühling" und "Nur ein Lied" wurde "Großer Träumer", ursprüngliche Musik, neu getextet.


    Erst im Jahr 2000 brachte das Label "Buschfunk" eine Veröffentlichung der Urversion der Platte auf den Markt. Die geänderten Versionen sind mit auf der CD. BTW: das "Psycho" durch die Kontrolle ging ist schon sehr erstaunlich. Ein Hammersong, der merkwürdigerweise gerade in unseren Tage wieder seeeehhhhr aktuell ist.


    Auf dieser CD also in beiden Fassungen. Nur so als Tip für Sonntag.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Der Englische Pianist Clifford Curzon verhinderte ebenso dereinst die Veröffentlichung einer seiner Aufnahmen, weil er meinte sie sein nicht gut genug. Posthum hat die Kritik dies widerlegt, abr Cuzon emfand aufnahmen genell als bedrückend, er nannte sie "Rendezvouz mit der Nachwelt"
    Vermutlich hat er vorausgeahnt wie die Nachwelt teilweise mit Tonaufnahmen verstorbener Interpreten umgeht, wie sie sie "aburteilt" und für "ungenügend " erklärt.
    Was Curzon jedoch vermutlich nicht wusste, ist, daß dieser Prozess nicht notwendigerweise eintritt.
    Curzon ist heute nur mehr wenigen Musikfreunden bekannt, aber jene die inhn kennen schätzen seine unvergleichliche Eleganz des Spiels.


    mfg aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


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  • Operus schrieb:


    Zitat

    Walter Legge, in seiner Zeit allgewaltig bei EMI, soll Elisabeth Grümmer und Sena Jurinac exklusiv verpfichtet und zahlreiche Aufnahmen mit den damals führenden Sopranistinnen gemacht haben - nur diese sollen nie oder erst nach Jahrzehnten veröffentlich worden sein. Der Grund für diese Politik: Die Aufnahmen wurden mit Elisabeth Schwarzkopf, der Gattin des Produzenten, ebenfalls gemacht. Diese Tonaufzeichnungen wurden selbstverständlich veröffentlicht, aktiv vermarktet und haben den Ruhm der Schwarzkopf wesentlich gefördert.


    Ich halte dies in der Tat für ein Gerücht.


    Legge sagte von sich selbst (sinngemäss aus dem Gedächtnis - ich konnte das Originalzitat beim besten Willen nicht finden)


    "Nichts vermag mich in meinem Urteilsvermögen zu beeinflussen - nicht Fereund, nicht Feind, nicht Liebe, nicht Haß"


    Es ist unbestritten, daß er Elisabeth Schwarzkopf favorisierte - aber lediglich gegen gleich gut geeignete Kandidatinnen - niemals dann, wenn jemand anderer dem Anforderungsprofil für eine Rolle besser entsprochen hätte....


    mfg aus Wien


    Alfred


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    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Zitat

    Original von Basti


    War das etwa Fi-Di? Oder wer sonst ?(? Dem würde ich's zumindest zutrauen. Allerdings nahm er den Sachs erst 1978 auf...


    Die DGG brachte m. W. seither nur noch die besagte Jochum-Aufnahme dieser Oper mit Herrn Fischer-Dieskau heraus [1976, nicht 1978] – sieht man mal von der DVD mit James Morris von 2001 ab –, insofern dürfte er gemeint sein. :D

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Man könnte natürlich ein getrübtes Urteil daraus ableiten, dass Schwarzkopf überhaupt je Grümmer oder Jurinac vorgezogen wurde ;)
    (della Casa war ja bei einem anderen Label, zum Glück!)


    Ich finde die Intrigen aber weniger interessant als die vernichtende Selbstkritik (oder wie man das nennen soll), die von einigen Pianisten berichtet wurde. Eigentlich ja eine durchaus positive Eigenschaft, aber man kann es eben auch übertreiben...


    JR

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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Lieber Basti,


    angesichts meiner Umschreibung war die Auswahl ja nicht so riesengroß und Hermann Prey hat ja später "nur" den Beckmesser (und das mit großem Erfolg) gegeben.


    :hello:


    GiselherHH

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  • Da gibt es auch Beispiele aus neuester Zeit.
    So soll Florez zur Veröffentlichung der DVd des Rigolettos aus Dresden
    seine Zustimmung verweigert haben.



    Rita

  • Zitat

    Original von rita


    So soll Florez zur Veröffentlichung der DVd des Rigolettos aus Dresden
    seine Zustimmung verweigert haben.


    Das kann ich ihm eigentlich nicht verdenken. Ich hatte die Übertragung damals gesehen und fand ihn für den Duca nur bedingt geeignet. Er selbst war wohl damit auch nicht zufrieden.


    LG
    :hello:
    Jolanthe

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Ein mittlerweile recht prominentes Beispiel der "Aufnahmeunterdrückung" ist die Kubelik-Aufnahme der "Meistersinger" aus dem Jahre 1968, die ursprünglich zum 100. Jahrestag der Münchner Uraufführung bei der Deutschen Grammophon erscheinen sollte. Testpressungen waren schon gemacht worden und wurden den an der Aufnahme Beteiligten zum Abhören ausgehändigt. Dann allerdings wurde die Veröffentlichung abgeblasen und die Aufnahme verschwand in den Archiven, wo sie für die nächsten 25 Jahre verstauben sollte. Anlässlich der Wiederveröffentlichung wurden dann zwei Gerüchte kolportiert, weswegen die Aufnahme nicht erscheinen durfte. Zum einen wurde behauptet, dass ein deutschnationaler Produzent bei der DGG sich daran gestört hätte, dass die Hauptrollen nicht durchweg mit deutschen Sängern besetzt worden waren (Sachs Amerikaner, Stolzing Ungar, Beckmesser Engländer usw.). Das andere, m.E. wahrscheinlichere Gerücht, besagt, dass ein weltbekannter Bariton, der selbst Ambitionen auf den Hans Sachs hatte und diesen später bei der DGG aufnehmen wollte, seinen nicht unerheblichen Einfluss geltend gemacht hatte, um die unliebsame Konkurrenzaufnahme, welche sein Projekt hätte gefährden können, unschädlich zu machen.


    Also diese Geschichte kenne ich ganz anders. Wie schon richtig geschrieben, wurde diese Produktion vom Bayerischen Rundfunk zum 100. Geburtstag des Werks gemacht und auch ausgestrahlt. Da man mit dem Ergebnis so glücklich war, leistete sich die Rundfunkanstalt den Luxus, eine kleine Auflage von LP-Boxen zu produzieren, welche dann an alle Beteiligten und an namhafte Bedienstete des Senders verteilt wurde. Das war eine reine Radioproduktion und die Plattenauflage nie für den Verkauf gedacht!


    Es ist auch wirtschaftlich vollkommen undenkbar, dass jemand eine Oper produziert (das Teuerste, was man an Musik überhaupt produzieren kann) und das fertige Produkt auf Einwand irgendeiner außenstehenden Person dann im Archiv verstauben lässt.


    Ich könnte mir aber etwas anderes vorstellen: da auch der DG nicht verborgen blieb, welch plattenreife Ausstrahlung die Bayern hingekriegt hatten, ist dort vielleicht jemand auf die Idee gekommen, die Produktion einzukaufen und später selbst auf den Markt zu bringen. Und da hat dann vielleicht eine Rolle gespielt, dass DiFiDi möglicherweise schon zuvor einmal deponiert hatte, dass er gerne den Sachs aufnehmen würde und man es sich mit ihm nicht unnötig verscherzen wollte.


    Aber es gibt ja noch einen anderen, viel triftigeren Grund, warum die DG zu diesem Zeitpunkt kaum ernsthaft an die Herausgabe einer eigenen Meistersinger-Produktion denken konnte und wollte: schließlich war bereits die Karajan-Einspielung auf Schiene gebracht und wer bitte hätte bei der DG dem Maestro die "gute" Nachricht überbringen sollen, dass er bei dieser Produktion von seiner eigenen Plattenfirma konkurrenziert werden würde?


    Und drittens: zwei Meistersinger-Produktionen hält kein Plattenmarkt zugleich aus. Meiner Meinung nach hatte die Kubelik-Aufnahme damals nie eine ernsthafte Chance, auf den Markt zu kommen. Das sind Märchen, die hinterher erfunden wurden, weil es sich so gut anhört...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Wenn schon die Kubelik-"Meistersinger" angeführt werden, sollte man im selben Atemzug auch seinen (hervorragenden) "Parsifal" von 1980 erwähnen, der ja auch erst vor ein paar Jahren endlich offiziell herauskam. Beides m. W. Rundfunk-Produktionen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph,


    Du sprichst es richtig an: Rundfunkproduktionen. Und die dienten immer zur Sendung auf den jeweiligen Wellen, nicht zur Veröffentlichung auf Schallplatte. Das hätte wohl auch schon damals die Plattenindustrie auf die Palme gebracht, wenn Kosten für eine Opernproduktion via Rundfunkgebühren sozialisiert werden, um quasi als Abfallprodukt noch eine verkehrsfähige Schallplatte zu bekommen. Ich stelle in diesem Zusammenhang die These auf, dass der Plattenmarkt der 1950er und 1960er Jahre auschließlich aufgrund dieser Zweiteilung von nur bedingt verfügbaren Rundfunkaufnahmen (man musste halt mitschneiden) und dem genau kanaliserten Ausstoß der Plattenindustrie seine bis heute überragende Stärke entwickeln konte. Bei einer eingeschränkten Kaufkraft macht es einfach keinen Sinn, 20 verschiedene GA's der Beethoven-Sinfonien in den Markt zu drücken.


    So gesehen sind die Rundfunkaufnahmen keine Zurückhaltungen. Zunächst jedenfalls nicht. Unanständig wird es allerdings dann, wenn das Befriedigen von Einzelinteressen - etwa Einzelkopieen von Rundfunkbändern - nicht oder nur durch Zahlen von absurden Summen ermöglicht wird. Aber das ist ein anderes Kapitel.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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