Steckt (Euch) Begeisterung an ?

  • Nun - zugegebenermaßen hat alles seine Grenzen.
    Wenn man einen Komponisten partout nicht mag, dann wird auch die Begeisterung der befreundeten Klassikrieg wenig dagegen ausrtichten können.


    Wie schaut das aber in "Zweifelsfällen" aus ?
    Der Komponist X, der Interpret Y - sie sind Euch bislang nicht wirklich aufgefallen. Ein flüchtiges Hineinehören hat auch nicht den "Durchbruch" gebracht. Mit anderen Worten: Ihr habt zu dem entsprechenden Komponisten, bzw Interpreten oder aber auch zu Werk keinen Zugang gefunden - und eigentlich auch gar nicht gesucht.


    Nun lest ihre aber immer wieder begeisterte Rezensionen ubt Beschreibungen . Wie wirkt das auf Euch ?
    Gibt Euch das den Kick in das ungeliebte Werk, die ungeliebte Aufnahme nochmals reinzuhören um Euer Urteil zu überprüfen ?
    Und WENN Ihr es tut - wie sieht dann das Ergebnis aus ?
    Ist der Funke der Begeisterung auf Euch übergesprungen und hört ihr nun Dinge die ihr ursprünglich überhört habt ? Oder hat sich für Euch nichts geändert...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Begeisterung steckt an, wenn der Dirigent/Chorleiter/Lehrer seine Begeisterung für sein Fach sprühend freudig überträgt! - :)


    Rezensionen lassen mich eher kalt! - Davon halte ich nichts! - Wenn ich bedenke, dass die Journalisten unsere Konzerte oftmals nur zu Beginn besuchen und sich bald darauf davon schleichen, so kann ich dem Geschreibsel in der Tageszeitung nicht viel abgewinnen.


    Freundliche Grüße,


    Melisma :hello:


    Dankesehr für das interessante Thema, Alfred!

  • Ich denke jetzt bei Alfred´s Frage weniger an Rezensionen aus Fachzeitschriften, sondern mehr an die Rezensionen hier im TAMINO - FORUM.
    Und je nach dem von wem die Begeisterung für eine CD-Aufnahme/Werk kommt, kann man vieles zwischen den Zeilen lesen und man erkennt, ob sich die eine oder andere Empfehlung lohnen würde.


    Genau so kann es aber auch bei einer guten Rezension in Fachzeitschriften sein, wenn TAMINO nicht zum Ergebnis führt (weil, nicht Komponst/Aufnahme nicht aufgeführt). Irgenwo muß doch eine Grundlage hergekommen sein, die zu einer Kaufentscheidung geführt hat.
    Es bleibt dann noch das eigene Reinhören in CD-Läden.


    :yes: Egal ob Klassikforen oder Fachzeitschriften-Rezensionen. So eine gut geschriebene Begeisterung steckt auf jeden Fall an und hat bei mir zum erfolgreichen Kauf sehr vieler CD´s geführt.
    ;) Ich denke das ist einer der Gründe warum wir alle bei TAMINO aktiv sind -
    um etwas über Werke und Aufnahmen zu erfahren. Und eine geschriebene Begeisterung spürt man - die steckt an.


    :hello: Wie ich aus erfreulichen Rückmeldungen weis, haben meine Begeisterungen auch schon zu so manchem Kauf verführt - besonders wenn es in Werken/Aufnahmen etwas emotionaler zugeht (Langweiler haben bei mir keine Change).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Mal auf Konzertkritiken bezogen:


    Was mich definitiv nicht ansteckt (zumindest nicht im erwünschten Sinne) sind übertrieben blumig-gezierte Rezensionen à la "butterweich perlten seine Tongirlanden durch den Saal" usw. Dann habe ich eher den Eindruck, dass der Rezensent seine eigene vermeintliche Ausdrucksfülle demonstrieren als einen ehrlichen Eindruck von dem Konzert vermitteln möchte. Eine Gewöhnung der Leserschaft an diesen geschwollenen Stil hat meiner Einschätzung nach den Effekt, dass eine positive, aber nüchtern formulierte Konzertkritik schon fast als Verriss aufgefasst wird.


    Begeisterung steckt mich wohl am ehesten dann an, wenn sie in einfache klare Worte gefasst ist.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Was einen Blindkauf betreffen würde, nein.
    Ansonsten kann man sich dadurch Anregungen holen, bei einer positiven Kritik höre ich sicher eher in Hörbeispiele hinein als bei einem Verriss.
    Wenn mir die Hörbeispiele nicht zusagen kann der Kritiker (egal wer auch immer er sein möge) noch so sehr in Lobhudelei verfallen, unsere Geschmäcker differieren halt in dem Fall. Genausowenig glaube ich das ich andere mit meiner Meinung beeinflussen kann, zum. was mich betrifft (ich rätsel sowieso noch ob hier überhaupt meine Beiträge gelesen werden, vielleicht aus versehn). Manch Andere haben bei gewissen Mitgliedern sicher einen größeren Einfluss (so kann man zB davon ausgehn das jeder Tip von Ulli in den nächsten Tagen auch im CD-Regal von Sakow, Hammel & Co landen wird :D )
    :hello:
    Thomas

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Es wurde zu Beginn ganz richtig vermutet, daß mit "Rezensionen" eher solche von Tamino, als "professionelle" (die gelegentlich sehr "unprofessionell" sein können) gemeint waren - Sorry ich habe das nicht definiert. Ich lese aber auch professionelle Kritiken sehr gern, teils zur Erheiterung, teils weil mich die Einstufung, mir lieb gewordener Einspielungen durch die internationale Kritik interessiert, und ich immer wieder feststelle, daß es auf Grund meines offensichtlich völlig verdrehten Geschmacks, besser ist, mein Kaufverhalten nicht an diesen Rezensionen zu orientieren.


    Berichte hier im Forum mögen zwar einerseits gelegentlich nicht professionell abgefasst sein (obwohl ich dies persönlich bezweifle !!), sie sind indes zumeist ehrlich. Ich orientiere mich auch zumeist nicht an den Lobeshymnen einzelner Mitglieder, sondern eher an einem allgemeine Trend.
    Ein Beispiel mag das erläutern, ein Beispiel das übrigens zur Erstellung dieses Threads geführt hat.
    Dieses Beispiel bezieht sich auf Robert Schumann, der seit meiner Jugend irgendwie trocken auf mich wirkt. Els ich meinte, er klänge verstaubt und altmodisch, da kam doch einiger Protest der Forianer und seine Lieder und Sinfonien wurden gelobt, die Klavierwerke und Konzerte standen ja ohnedies ausser Streit. Kammermusik hatte ich nur wenig gehört. Die paar Reaktionen haben indes ein gewisses neues Interesse an Schuman (der sich in Bezug auf Threads als erstaunlich unergiebig erwiesen hat - oder habe ich da einfach vieles überlesen ?) geweckt, welches ich 2010 - das Schumann Jahr fasst hiefür vorzüglich - befiedigen werde (mein Kontingent für dieses Jahr ist leider bereits ausgeschöpft - was heisst ausgeschöpft -> ÜBERZOGEN !! ;) )


    Das ist es was ich meinte.
    "Seid Ihr suggestibel"? wäre ein anderer möglicher Titel für diesen Tread gewesen - aber das hätte nichts gebracht, weil die Antwort stets "Nein" gelautet hätte - Wer gibt schon zu, suggestibel zu sein ?


    Ich meine, wir sind es alle in Teilbereichen. Es ist ja - wenn man beeinflusst wird - nicht unbedingt notwendig eine CD sofort für die eigene Sammlung zu kaufen. Der Effekt der Beeinflussung ist meiner Meinung nach schon gegeben, wenn man beispielsweise in die angebotenen 30 Sekunden Klangschnippsel von jpc oder Amazon hineinhört - ein weiterer Schritt in Richtung Verführung zum Kauf - oder eben nicht......


    (ich rätsle sowieso noch ob hier überhaupt meine Beiträge gelesen werden, vielleicht aus Versehen)
    Ich glaube, diesen Eindruck haben viele Mitglieder von ihren Beiträgen - und ich glaube dieser Eindruck trügt. Jedoch ist es klar, daß ein Mitglied mit hoher Präsenz - auf deutsch extra vielen Beiträgen - und langer Mitgliedsdauer - stärker wahrgenommen wird als ein gelegentlich schreibendes mit einem Benutzernamen wie beispielsweise fghx-22 und einem unscharfen Avatar, der einfach keinen Bezug zur Musik hat. (BTW: den Engel finde ich für eine gute Wahl, passend zum gewählten Benutzernamen)


    Allein - die Resonanz an Antworten sagt noch nichts darüber aus wie viele Mitglieder hier mitlesen und zustimmend nicken - und schweigen....


    Zitat

    so kann man zB davon ausgehn das jeder Tip von Ulli in den nächsten Tagen auch im CD-Regal von Sakow, Hammel & Co landen wird


    Mag sein - glaube ich aber nicht.
    Und wenn es so ist -dann wird es nur solange so sein, als die "Beratschlagten" auf Dauer zufrieden sind. Es ist ja so, daß man in der Jugend - mangels Vergleichsaufnahmen - selten wirklich "schlechte" Aufnahmen kauft. Man würde de facto also gar keine Beratung brauchen - Die Begeisterung von der ich gelegentlich angesteckt werde
    entsteht gleichermaßen von "stummen" Beiträgen "Was höre ich gerade jetzt" oder "Heute erst gekauft" - wie durch lange Abhandlungen über eine Aufnahme. Wichtig ist, daß die Aufnahem als existent wahrgenommen wird. Wenn dan 5 Forianer hintereinander ein und die selbe CD erwerben - dann wird man halt neugierig.
    Die Entscheidung: Kaufen oder NICHTKAUFEN liegt allerdings bei einem ganz alleine selber.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • In der Regel kenne ich "meine" Interpreten aus dem Konzertsaal und erwerbe nach diesem Kriterium meine CDs.


    Kritiken aus dem Feuilleton lese ich zwar interessiert, sie haben jedoch so gut wie keinen Einfluss auf meine Kaufentscheidung.


    Wirklich gute Tipps habe ich hier im Forum erhalten und konnte mir dadurch einige Kostbarkeiten erwerben, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wären.
    Ernst Gruber als Tannhäuser, ist eines dieser Beispiele.

  • Natürlich, auch die Rezension eines professionellen Kritikers, den ich besonders schätze; leider werden die immer weniger. Als Sammler habe ich Prioritäten und Lieblinge. Wenn also noch etwas von Wunderlich, Schock, Hoppe, Bergonzi, Kozub u.a. auf den Markt kommt, was ich nicht habe, (zB. Rundfunkmitschnitte auf CD) greife ich zu, weil ich von denen alles haben möchte,was zu bekommen ist.
    Völlig anders ist es bei Sternchen, die neu am Himmel aufgehen. Da genügt mir schon ein Reinhören bei jpc oder amazon, ob's mir gefällt oder nicht.


    Daher stehe ich jetzt vor der Frage, ob ich mir alle Einzel-CD mit den Beethoven-Sinfonien mit Herreweghe kaufen soll. Die Schnipsel, wie Alfred meint, gefallen mir ausnehmend gut, besser als Järvi mit der Kammerphilharmonie. Was mich noch abschreckt ist der Preis. Vielleicht warte ich auch, bis es die Aufnahmen als Gesamtbox verbilligt gibt. Im forum ist die Aufnahme mehrfach positiv beschrieben worden.
    Eine Aufnahme, die im forum zerrissen wird, werde ich mir nicht zulegen, deshalb bin ich ja dabei, unterschiedliche Geschmäcker hin oder her.


    Liebe Grüße, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Zitat

    Original von Bernward Gerlach
    Daher stehe ich jetzt vor der Frage, ob ich mir alle Einzel-CD mit den Beethoven-Sinfonien mit Herreweghe kaufen soll. Die Schnipsel, wie Alfred meint, gefallen mir ausnehmend gut, besser als Järvi mit der Kammerphilharmonie. Was mich noch abschreckt ist der Preis. Vielleicht warte ich auch, bis es die Aufnahmen als Gesamtbox verbilligt gibt. Im forum ist die Aufnahme mehrfach positiv beschrieben worden.


    Lieber Bernward,


    klare Antwort: Du kannst bedenkenlos alle Aufnahmen kaufen bis auf die der 9.
    Die 9. ist aufnahmetechnisch total verhunzt worden. Es klingt alles wie in Watte gepackt, viele Details sind kaum zu hören, dafür gibt's zum nervigen Ausgleich eine überprägnante Pauke...


    Die anderen Aufnahmen hingegen klingen nicht nur fantastisch, sie sind auch imo sehr gut interpretiert.
    Vergleicht man Järvi mit Herreweghe, dann stellt man fest, daß Järvi rhythmisch prägnanter und präziser agiert, Herreweghe aber mit mehr "Liebe zum Detail" vorgeht. Der Flame bringt das Orchester mehr zum "leuchten" und weiß mit einem wunderbar ausbalancierten Orchesterspiel zu beeindrucken. Besonders schön geraten die Holzbläserpassagen.


    Ob es eine Box mit allen Aufnahmen geben wird, wage ich zu bezweilfen, denn die Aufnahmen sind bei zwei verschiedenen Labeln erschienen.
    Die Einzelaufnahmen sind in der Tat recht hochpreisig, aber über den Amazon marketplace stellenweise recht günstig (<10 €) erhältlich.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Vielen Dank Norbert, habe bestellt und lasse mich überraschen.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Amateurfilm forum und -Produktion sucht Darsteller jeden Alters und technische Mitarbeiter aus Wien

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  • Zur Ausgangsfrage: Definitiv NEIN! Bei "begeisterten Rezensionen" lese ich sehr genau zwischen den Zeilen und wenn sich meine Vermutung bestätigt, dass es reine PR ist, dann bin ich per se überkritisch. Diese ganze MArketing- und PR-Schiene hat mich reichlich immun gemach. Zum Glück - sonst wäre ich wahrscheinlich auch schon Regietheaterfan;-)

  • Zitat

    Original von Bernward Gerlach
    Vielen Dank Norbert, habe bestellt und lasse mich überraschen.


    LG, Bernward


    Ich bin gespannt auf Deine Eindrücke...


    Hast Du alle Sinfonien bestellt?

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich bin begeisterungsfähig und lasse mich zum CD-Kauf verführen,wenn ich zu der Einsicht komme,daß mir die CD gefallen könnte. Das überprüfe ich mit Soundschnipseln.
    Jubiläumsjahre nutze ich zum besseren Kennenlernen von Komponisten und ihren Werken.
    Mir bekannte Werke,die mir nicht gefallen haben,haben zunächst keine 2.Chance bei mir,auch wenn andere Personen sie noch so begeistert empfehlen.Was jedoch nicht heißt,daß sie für alle Zeiten verbannt sind,da sich mein Musikgeschmack mit der Zeit wandelt.

    mfG
    Michael

  • Wenn da aus den Beiträgen eine Mischung aus Begeisterung und für mich irgendwie nachvollziehbaren Begründungen herauszulesen ist, dann weckt das zwar nicht gleich auch meine Begeisterung, aber schon meine Neugier.
    Vor allem wenn ich merke, dass da jemand sehr überzeugt (für mich hier ein noch wichtigeres Wort als nur Begeisterung, weil die Emotionen schnell verbrennen können) ist, dann teste ich, ob ich das selbst hörend nachvollziehen kann, bzw. allgemein für mein Musikverständnis und meine eigene Musikarbeit etwas für mich Neues und Wertvolles dazulernen kann.


    Ich versuche Soundschnipsel und/oder youtube-Filme zu finden, und wenn es mich dann selbst überzeugt, dann kann es gut sein, dass ich kaufe.


    Richtig übergesprungen ist der Funke bei mir vor allem durch Alfreds Böhmerei. Da schien mehr dahinter gewesen zu sein, als blosse wienerische Lokal-Schwärmerei, und ich konnte hörend nachvollziehen, was er daran so gut findet - glaube ich jedenfalls.
    Das heisst nicht, dass ich nun jede Mozart-Symphonie von dem immer am besten finde, aber es gibt da schon Einiges, dass ich unglaublich gut finde.
    Regelrecht aus dem Häuschen war ich aber vor einigen Wochen und Monaten, als ich ganz neu Böhms Schubert wieder entdeckte ( kannte das aus Kindheitstagen, aber nicht sehr bewusst hörend)
    Über die 8. und 9. Symphonie habe ich ja schon kurz berichtet.
    Da könnte ich mich wirklich vor Begeisterung überschlagen...


    Aktuell bin ich überaus angetan von der 5. Symphonie in Böhms Interpretation:



    Da habe ich gestern verschiedene Interpretationen aus dem Netz gegengehört und nichts konnte mich derart begeistern und überzeugen.
    Warum das so ist, könnte ich ja an entsprechender Stelle beschreiben, aber nicht hier.
    Übrigens höre ich da auch einen mozartischen Tonfall in der Komposition heraus, obwohl es natürlich ein echter Schubert ist - liegt vielleicht an der melodischen Gabe der beiden Komponisten.
    Das soll hierzu erst einmal genügen.


    Jedenfalls bin ich froh, dass ich durch die Gespräche in diesem Forum neu auf diesen Interpreten aufmerksam wurde, von dem ich eine Menge eigentlich bekannter Dinge neu lernen kann, z.B. in Sachen Deutlichkeit, Transparenz, Tempo, Tempo einhalten, uvm.
    Durch diese positive Erfahrung hat unser Alfred bei mir jetzt einen gewissen Vertrauensvorschuss "erwirtschaftet":
    Wenn er etwas empfiehlt, was ich noch nicht habe, dann prüfe ich es wenn möglich immer nach, sofern ich den Beitrag nicht übersehe.
    Solche Dinge machen für mich einen wichtigen, vergnüglichen und interessanten Aspekt an diesem Forum aus.


    Dann sind mir auch die scharfen Karajan-Diskussionen aufgefallen, insbesondere die sehr kritischen.
    Ich habe es nachgehört und für mich festgestellt, dass die Kritik manchmal durchaus zutreffend ist, manchmal aber auch überhaupt nicht, wodurch ich alle total ins Negative gehenden Aussagen als ziemlich ungerecht empfand.
    Es gibt von dem einige ganz vortreffliche, in ihrer Art unerreichte Aufnahmen, auf die ich gerade durch eine allgemein, bei Tamino geäusserte Anti-Begeisterung ( wäre Verachtung ein zu scharfes Wort?) neu aufmerksam wurde, und die ich sehr liebe.


    Meine nun schon fast ein Jahr lang währende Günter Wand-Phase ist durch eigenes Suchen zu Alternativaufnahmen für Threads zustande gekommen und keineswegs abgeebbt.


    Furtwängler mied ich früher wegen der schlechten Aufnahmequalität.
    Von dem bin ich jetzt auch begeistert, allerdings nicht so sehr durch Tamino, sondern eine DVD-Dokumentation " The Berlin Philharmonic Story" Die hat mich sehr neugierig auf den Interpreten gemacht.
    Ich habe daraufhin im Netz mir etwas von Furtwängler angehört und kann nur berichten, dass das Gehörte bei mir eingeschlagen hat.
    Da war Begeisterung noch gar kein Ausdruck.


    Ob ich jemals selbst bei irgendeinem anderen Leser/Tamino so etwas wie Begeisterung auslösen konnte, bzw. gar zum Kauf einer Aufnahme beitrug, kann ich überhaupt nicht beurteilen.
    Ich glaube aber, dass das eher nicht der Fall sein dürfte, da ich bisher in dieser Richtung nicht irgendwelche Rückmeldung erhielt....o doch, von einem weiss ich: "Alfons" (postet nicht mehr) kaufte sich auf meinen Bericht hin BWV 36 etc. in Herreweghes Interpretation.
    Wenigstens einer.... :D


    Aber ob das aufgrund eines übergesprungenen Funkens der Begeisterung war ?
    Ich bin da skeptisch...



    :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Ganz eindeutig sage ich: Ja! Allerdings ist es bei mir nicht unbedingt die Wiedergabe, sondern die Musik an sich - egal, wer sie interpretiert. Da ich, wie an anderer Stelle schon beschrieben, BREITENsammler bin, kann ich nur in wenigen Fällen Vergleiche anstellen. Was mich aber immer wieder erstaunen läßt und begeistern kann, ist die Idee eines Komponisten, mit Noten Stimmungen auszudrücken - Freude, Ärger, Wut, was auch immer.



    Ich höre gerade COSÌ FAN TUTTE, die ich (ausnahmsweise) in zwei Interpretationen habe, wobei mir die Böhm-Einspielung (zu seinem 80. Geburtstag am 28. August 1974 in Salzburg gegeben) besser gefällt, als die Naxos-Einspielung. Allerdings (die Fachleute wissen's!) ist sie stark gekürzt - wahrscheinlich wollte die DG mit zwei CD's auskommen. Und als Beispiel möchte ich hier den Flöteneinsatz am Beginn des ersten Finale (Ah, che tutta in un momento) erwähnen: Mozarts Instrumentierung ist für mich grandios und begeistert mich. Aber auch Schreiers/Ferrandos „Un'aura amorosa“, das er hier so wunderbar zart und „verliebt“ darbietet, begeistert mich. Es berührt mich dabei herzlich wenig, daß diese Aufnahme verrissen wurde.


    Karl Böhm hat in einem Interview auf die Frage, welche Musik er am meisten liebe, sinngemäß geantwortet: "Die, die ich gerade dirigiere."
    Ich müßte insofern antworten, die, die ich gerade höre. Und das ist bei mir unabhängig von dem Interpreten. Ich verkenne nicht, daß viele Musikfreunde eine völlig andere Herasgehensweise haben. Ebensowenig ist zu bestreiten, daß durch unterschiedliche Interpreten immer wieder mal neue Facetten ausgeleuchtet werden. Dennoch höre ich zunächst einmal die Musik des Komponisten und die weckt bei mir - durchaus unabhängig von den Interpreten YZ - Emotionen.

    .


    MUSIKWANDERER

  • Nun, ich lasse mich gerne be-, allerdings auch entgeistern.


    Ich bin sehr erfreut, wenn ich durch Rezensionen in einem mir bekannten Werk auf neue, mir bisher noch nicht bewusste, (Wahrnehmungs-)Aspekte stoße. Seien es im Endeffekt positive oder negative. Dies ist nahezu der Hauptgrund, warum ich in Musikforen und sonstiger Literatur stöbere und suche.


    Je besser ich ein Werk kenne, desto erfreuter bin ich über neu dazugewonnene Erfahrungen; ich denke, dafür sehr interessiert und offen zu sein.


    Natürlich gibt es Komponisten oder Musikrichtungen, für die ich aufgrund meiner bisherigen klaren negativen persönlichen Urteile weder Zeit zum Hören noch Zeit zum Lesen von Rezensionen mehr aufbringen möchte.


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • ja natürlich und das nicht nur beim Musik hören und beim Erfahrungsaustausch im Tamino ;) . Bis aber Begeisterung sich langfristig in Vorlieben wandelt, kann es bei mir aber ziemlich lange dauern. Und falls im Forum Interpretationen durch verschiedene "alte Füchse" mehrheitlich begeistert empfohlen werden, dann wird bei mir schon mal die Neugierde geweckt. Einmal bei Neugierde angekommen, ist die Begeisterung - falls ich gleich' positives für ein neues Werk oder eine bestimmte Interpretation spüre - dann nicht mehr so weit. Aber eben, Begeisterung und wahre Liebe (= Musikalische Präferenzen) sind für mich zwei Paar Schuhe. Das eine ist für den Moment und das andere für die Ewigkeit :angel:

    "Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
    Carl Sternheim

  • Natürlich steckt Begeisterung an und weckt Interesse. Nur für mich sollte die Begeisterung, die ja mehr emotional ist, mit einer rationalen Begründung einhergehen. Wenn diese beiden Faktoren gegeben sind, bin ich gerne bereit - obwohl ich mir eigentlich vorgenommen habe, weil alles aus den Nähten platzt - kaum mehr etwas aus dem bekannten klassischen Repertoire zu kaufen. Aber wenn Taminos mit Herzblut und Kompetenz für eine Aufnahme argumentieren, werde ich leicht rückfällig und schaffe mir z. B als X-ten Ring auch noch die Thilemann-Produktion an. Eingentlich unsiinnig, wer hat die Zeit, um sich einen ganzen Ring "reinzuziehen" und das möglichst noch im Aufnahmenvergleich. Aber die geheimen Tamiono-Verführer schaffen es mit ihrer ansteckenden Begeisterung immer wieder, die Logik durch die Ansprache der emotionalen Triebe auszutricksen. Schämt Euch, einen armen, alten Rentner so um's Geld zu bringen


    Herzlichst


    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • wenn jemand mir etwas näherbringen will, begeisterung versprüht und mich erwartungsvoll ansieht, so empfinde ich das als unangenehmen druck und ziehe mich zurück, baue distanz auf.
    auch im konzert, wenn "eingeweihte" begeistert zu grinsen anfangen, befällt mich eher das grausen.
    wenn ich die wahl zwischen mehreren aufnahmen oder werken habe und nicht so recht weiß, welche ich will, richte ich mich mitunter nach forenempfehlungen - häufiger aber nach preisverhältnissen.
    8)

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  • Ja natürlich!


    Bei mir hätte es Alfreds "Böhmerei" nicht bedurft, da ich ihn persönlich mehrmals erlebt habe und schon zum Böhm-Fan geworden bin, als es die "Neuen" noch nicht gab.
    Weit mehr als 100 CD von ihm stehen im Regal. Inzwischen kommen ständig DVD mit Böhm hinzu.


    Bis auf Beethoven 4,7,9 habe ich nun auch mehrmals Herreweghe angehört und werde mir4 und 7 Norberts Empfehlung folgend auch noch zulegen. Die Aufnahmen haben mich sehr überzeugt. 9 lasse ich außen vor.


    LG; Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Natürlich steckt mich Begeisterung und Leidenschaft an. Meine ehemalige Klavierlehrerin hat mich beispielsweise einmal zu einem Konzert, veranstaltet von der christlich-jüdischen Gemeinde Mönchengladbach, eingeladen, bei dem russische und jiddische Lieder von einer hervorragenden Altistin gesungen wurden. Elena, meine Klavierlehrerin, begleitete sie.


    Die Begeisterung des vornehmlich jüdischen Publikums aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, die Freude, Inbrunst und das Ergriffensein beim Singen dieser Lieder werde ich nie vergessen. Seitdem liebe ich z.B. das jiddische Partisanenlied "Sog nit kejnmol" und habe mir gleich die Noten dafür besorgt.


  • Bis auf Beethoven 4,7,9 habe ich nun auch mehrmals Herreweghe angehört und werde mir
    4 und 7 Norberts Empfehlung folgend auch noch zulegen. Die Aufnahmen haben mich sehr überzeugt.
    9 lasse ich außen vor.


    Lieber Bernward,


    dem Threadtitel folgend bin ich mir sehr sicher, daß Dich bei der 4. und der 7. Sinfonie meine Begeisterung ebenfalls anstecken wird. Für mich sind das aus einem hervorragenden Zyklus die beiden besten Interpretationen.


    Die 9. ist tontechnisch indiskutabel, leider.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Wenn jemand Kompetentes, und dafür halte ich normalerweise die meisten, die sich im Forum betätigen, über einen Künstler oder ein Werk begeistert äußert, dann steckt mich das schon an, zumindest aber macht es mich neugierig, und zu den Kompetenten zähle ich in der Regel auch viele Kritiker, nach deren Urteil ich schon oftmals Kaufentscheidungen getroffen habe und bis heute nie bereut habe.
    Desgleichen habe ich mich auch schon des öfteren von der Begeisterung von Forianern anstecken lassen.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe das in meinen regelmäßigen Konzertbesuchen bei Herbert Kegel und dem RSO Leipzig in den 70ern häufig erlebt. Da lag bei so manchen Konzert die Begeisterung förmlich in der Luft und verbreitete sich wie eine Epidemie...
    Also unbedingt ja, Begeisterung ist ansteckend, und ganz besonders bei Live-Erlebnissen.



    :hello:
    Reinhard

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Also unbedingt ja, Begeisterung ist ansteckend, und ganz besonders bei Live-Erlebnissen.


    Genauso ist es und das bei allen Live - Veranstaltungen, nicht nur den kulturellen, auch bei den sportlichen. Wenn man sich mit Gleichgesinnten einig und verbunden fühlt und gemeinsam ein gelungenes Ereignis feiert und beklatscht.
    Gruß
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...