Sinn und Aufgabe der klassischen Musik für MICH

  • Liebe Forianer,


    An sich gibt es schon den unten vermerkten Thread:


    Ziel und Aufgaben der Musik durch die Jahrhunderte


    der schon lange nicht frequentiert wurde, also von den neueren Mitgliedern vermutlich gar nicht wahrgenommen wurde.


    Aber der neue - soeben von mir gestartete ist kein Duplikat oder neuer Aufguss desselben, vielmehr hat er eine andere Aufgabenstellung, Etwas weniger blumig, aber näher am Thema hätte der Titel auch heissen können:


    Welche Art von klassischer Musik hör ich - und warum ?
    Was erwarte ich von der sogenannten klassischen Musik wenn ich sie höre, und Warum höre ich vorzugsweise .. (hier muss jeder selbst einfügen was er vorzugsweise oft (freiwillig !!!) hört- z.B. KAMMERMUSIK..... i



    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Primär höre ich gerne sinfonische Musik. Quasi als Soundtrack für das Leben. Getreu dem Motto "Worte zerstören, wo sie nicht hingehören" schätze ich an sinfonischen Werken, dass hier keine Worte der Fantasie eine vorgegebene Richtung diktieren. Im Breitwand-Sound enstehen vorm geistigen Auge Bilder, werden Stimmungen produziert, die je nach dem einen aufmuntern oder trösten, aufpuschen und motivieren, oder einfach nur zum Träumen einladen, ohne bestimmte Richtung und Ziel.


    Gruß enkidu2

    Nach Schlaganfall zurück im Leben.

  • Abgesehen von der geistigen Anregung, dem Vergnügen (gefällt mir besser als "Spaß"), dem intellektuellen Genuss, Musik zu erkennen und bis zu einem gewissen Grad zu verstehen ...


    ... ist es eine emotionale Ebene, eine Katharsis-Funktion, die mich treibt:


    Dann ist der Unterschied zwischen Mozart und Pettersson (beispielsweise) gar nicht so groß:


    Den über alles Subjektive Erhabenen wie den Radikal-Subjektivisten - und doch gelingt beiden die formale Überhöhung - beide höre ich gerne, um mich abzulenken von meinen eigenen kleinen Weltschmerzlichkeiten ...


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • die Musik die ich bevorzuge entstand etwa in der Zeitspanne 1550 - 1825, mit dem Schwerpunkt frz. Barockmusik.


    Ich bevorzuge wohl ganz klar die Oper, am liebsten ist sie mir, wenn auch noch recht viel Ballett und Chor mit dabei ist.


    Dann natürlich orchestrale Musik.


    Wo ich wesentlich penibler aussuche ist dann Kammermusik und geistliche Musik. Da mag ich wirklich nur handverlesene Komponisten und ihre Werke.
    Auch da steht mir die frz. Musik näher.



    Warum höre ich das? Die Frage bekomme ich häufiger gestellt, habe aber selten Lust darauf zu antworten - weil es mir langsam stinkt mich für alles was ich tue, zu rechtferzigen.


    Aber hier ist das ja anders gemeint :D


    In der Oper werden die großen Helden aus Geschichte und Mythologie behandelt, Geschichten die ich über alles liebe.
    Das macht bestimmt einen großen Teil des Reizes aus.


    Für mich macht diese Musik das Leben überhaupt erst lebenswert.
    Es ist Balsam für die Seele, oft intensiver und tiefer als eine Berührung und nachhaltiger als jedes Liebesspiel.
    Das gleiche kann ich aber auch über anderen Formen der Kunst sagen.


    Sie ist Trost und um es mal richtig kitschig zu formulieren, die Sprache Gottes.


    Es ist mehr als nur "gefallen" es ist genauso wichtig wie essen und trinken.
    Das einzige was eine tiefe Melancholie lindern kann.


    Sie macht ganz einfach glücklich.



    Die Kunst ist wohl der Funken Göttlichkeit den wir Menschen haben können, der es uns ermöglicht zu Schöpfen.

  • Eigentlich höre ich alles, was mich bewegt. Und das ist eine ziemliche Bandbreite.


    Aber wenn ich das einschränken sollte: der wesentliche Soundtrack meines Lebens ist die Symphonik der Hoch- und Spätromantik. Ich höre zwar fast alles, und kann aus allen Epochen Werke nennen, die mir tief in die Seele gehen, aber am unmittelbarsten ist es wohl das genannte.


    Musik ist die Sprache meiner Seele, ist mir Erbauung meiner Seele, Herausforderung für den Geist, Trost in der Depression, eigentlich mein ganzes Leben. Und für alles habe ich Stücke, die ich dabei am liebsten habe.


    Trost für meine Herbstdepressionen bieten mir zum Beispiel gerne die Russischen Symphoniker...


    Kurz: Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar.

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  • Hallo,


    mein Hauptaugenmerk liegt im Bereich der Oper. Seit dem ich bei Tamino bin, habe ich aber auch die Sinfonik und Kammermusik schätzen gelernt. Ich stehe momentan vor einem kleinen Problem, da ich für eine längere Zeit in eine Klinik gehen werde, was ich an Noten und Gesamtaufnahmen mitnehmen soll. Trotz jeglichem Entscheidungsdruck bin ich mir sicher, dass ich die richtige Wahl treffen werde.(wobei der Noten/CD und Bücher Koffer ziemlich schwer werden dürfte.





    :baeh01:LG Uwe

  • Das ist einfach: Sie soll dazu beitragen, mich glücklich zu machen.
    Da gibt es die "Katharsis"-Version, die galant-empfindsam-rokokohafte, unzählige!
    Schließlich haben sich viele Zeitalter und noch mehr Einzelkünstler angestrengt und die unterschiedlichsten Kunstwerke hervorgebracht.
    Selber Schuld, wer sich einschränkt und die Schönheiten nicht sieht, wo sie überall hervorleuchten.

  • Ich höre vorrangig geistliche Vokalmusik von Mittelalter bis Klassik, Schwerpunkt Renaissance bis Spätbarock. Diese Musik beinhaltet für mich ein Wissen um die Lebenskunst, das rechte Leben UND Sterben, welches uns fast vollständig abhanden gekommen ist. Redet man heute von der " Ars Moriendi" wird man entweder für einen morbiden Spinner oder einen lebensmüden Neurotiker gehalten. Diese Musik beweist aber, dass die künstlerische Verarbeitung der eigenen Endlichkeit nicht die Quelle düsterer Depression, sondern einer manchmal unbändigen Lebensfreude sein kann. Und die wünsche ich mir!
    Die ebenfalls präferierte Instrumentalmusik jener Zeit genieße ich ausschließlich zur " Recreation meines Gemüths"


    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Zitat

    Original von der Lullist


    Für mich macht diese Musik das Leben überhaupt erst lebenswert.
    Es ist Balsam für die Seele, oft intensiver und tiefer als eine Berührung und nachhaltiger als jedes Liebesspiel.


    Nun, diesen hehren Anspruch hab ich an die Musik die ich höre sicher nicht... :evil:
    Vermutlich bin ich da doch etwas einfacher gestrickt; ich geb gerne zu, dass mir klassische Musik nicht mehr oder weniger dasselbe bereitet und bereiten soll was andere Musik (die ich höre) auch bereitet - Spaß, Freude und Vergnügen. Dass ich aus dem unerschöpflichen Fundus das meiner jeweils momentanen Stimmung Passende finden kann, macht das Ganze natürlich herrlich. Einen tieferen Sinn seh' ich hierin nicht; ausser vielleicht, dass man mit jeder neuen Errungenschaft seinen Horizont erweitert. Und das ist ja auch schon was... 8)


    Aber: es ist und bleibt ganz banal - Vergnügen.

  • Hallo !


    Also für mich ist Musik etwas, was ich fast wie die Luft zum Leben brauche.


    Sie kann mich entspannen, sie kann mir Rätsel aufgeben, sie kann mich glücklich machen.


    Spass macht es mir der Musik zu folgen und ggf. für mich heraus zu finden was der Komponist wohl sagen wollte.


    Was für mich aber auch wichtig ist, daß es nicht immer das selbe ist, sondern das ich dabei neues entdecken kann.


    Und dafür ist das gerade das Feld der klassichen Musik gross genug.


    :hello:


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Tamino XBeethoven_Moedling Banner
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  • Der Thread Wie soll man Musik konsumieren?

    hat mich dazu inspiriert diesen ähnlichen , aber anders fokussierten Thread aus der Steinzeit des Forums wieder zu beleben.


    Wir können hier also VERSCHIEDENE Sichtweise der Klassischen Musik darlegen

    Von der AUFGABE her oder von der BENUTZUNG oder EINSCHÄTZUNG.


    Beispielseweise ob klassische Musik als belehrende Kunstwerk zu sehen isei, oder als Unterhaltung auf höchstem Niveau,

    wobei im zweiteren Fall der Hörer zwar erkennen kann, daß es hier etwas Besonders gutes ist was da geboten wird, er sich aber nicht dafür interessieren muß wie diese Qualität zustandekommt., etwa vergleichbar mit jemandem, der teures Parfüm verwendet, aber keine Ahnung hat, was die Indergrienzien sind. Ditto derjenige, der gern gut isst, aber sich weigert die angeblich höchsten Gifel der Kochkunst zu goutieren, sondern die gehobene gutbürgerliche Küche (Stichwort: Zwiebelrostbraten) zu bevorzugen.


    Ich glaube, in der Praxis ist der "Klassikhörer" (Abonnementgeher) KEIN "Kenner" sondern eben nur Konsument eines Luxusartikels, den er sich leisten kann und der ihm Freude macht. Ihm ist es eigentlich egal was der Komponist sich bei der Schaffung des Werkes gedacht hat - er will GENIESSEN. Daraus hat sich dann abwertend das Wort "GENUSSHÖRER" ergeben, welches einen abwertenden Unterton hat.

    Diese (prozentuell eher große Gruppe) betrachtet klassische Musik, ob im Konzert oder auf Platte, als Teil eines gehobenen Lebensstils, wie Grundwissen des Bildungsbürgers, Museumsbesuche, Kenntnesse eines Kanons der Weltliteratur, vorzugsweise historischer, und ebensolcherr Kunstwerke, elegante Kleidung und edles Parfüm, exquisiter Tabakwaren, Wein, Spirituosen und Parfüms

    Der bildungsbürgerliche Ansatz kann tiefer oder wenige tief ausgeprägt sein - aber eine Analyse von Kunstwerken - welcher Art auch immer findet in anderen Gruppen statt, beispielsweise in Fachzeitschriften oder 'Internetforen. - der harte Kern also. (von dem die Tonträgerindustrie allerdings nicht leben kann)

    Sehr schön lässt sich das übrigens am Beispiel Oper darstellen. Ist Oper KUNST oder VERGNÜGEN ? In Bezug auf das Thema Regietheater kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: WEDER NOCH.:hahahaha:

    Aber wenn wir diesen Aspekt ausklammern, dann ist die Frage schon schwieriger zu beantwortem. Da wären zunächst die oft wirren Libretti, wo viele sich auf dem Niveau von Schundromanen befinden, andere, mit historischem Thema die Geschichte fälschen oder verbiegen. Was da rauskommt kann durchaus unterhaltsam sein, aber ob das wirklich Kunst ist, halte ich schon für fraglich.

    Man sollte die Bedeutung des Genussfaktors in der klassischen Musik nicht unterschätzen. Die Franzosen des 19. Jahrhunderts verlangten in jeder Oper - ob passend oder nicht - ein Ballett. Klassische Sinfonien interessierte sie mehr oder weniger überhaupt nicht...


    Es gibt noch viele Bemerkungen im Hinterkopf, aber ich möchte den Beitrag überschaubar halten - der Rest folgt - so Interesse besteht - mittelfristig...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Sinn und Aufgabe der Klassik für mich lässt sich von daher kaum in eine Formulierung zwängen, weil sich Kunst m.E. jeglichem generalisierenden Zugriff entzieht. Kaum glaube ich, ein Rezeptionsmuster bei mir festzustellen, belehrt mich schon die nächste musikalische Erfahrung eines Anderen (und Besseren). Belehrend, unterhaltend, herausfordernd, zum Genuss anstiftend - das kann alles irgendwie mal hinkommen und sein und sich auch gerne überlagern. Aber ich bin nicht derjenige, der Erwartungshaltungen der Kunst gegenüber pflegt - damit ginge eine in meinen Augen elementar bedeutsame Offenheit verloren, die eine echte Begegnung mit einem Kunstwerk als individuellem Gegenüber erst ermöglichen kann. Wenn ich vorher wissen möchte, was ich bekomme, kaufe ich Persil. Aber keine Konzertkarte.

    Dass ich natürlich Musik im weitesten Sinne aus "Freude" höre, ist dennoch klar. Die Art der Freude kann dabei jedoch stärkstens divergieren. Manchmal ist es sicherlich der stark sinnlich geprägte Genuss, die Lust am vertrauten Terrain usw., zuweilen aber treibt es mich hin zu mir zunächst wenig Zugänglichem oder gar Befremdlichem. Auch Letzteres ist in jedem Fall eine Beschäftigung, die mit Lust zu tun hat: die Lust an der Auseinandersetzung mit Dingen, die eben nicht gleich wie Blümchen am Wegesrand aufzusammeln sind. Die Beschäftigung mit mir Widerständigem kann unfassbar bereichernd sein - diese Erfahrung habe ich gottseidank verinnerlicht.

    Das alles ist nun noch nicht sehr spezifisch auf mein Verhältnis zur "Klassik" bezogen, denn es gilt weit darüber hinaus. Bei Klassik ist es tendenziell so, dass ich eher ganzheitliche Erfahrungen mache im Sinne eines integrativen, vielschichtigen Hörens: In den schönsten Momenten sind Bauch, Herz, Geist, Motorik und Rückenbehaarung gleichermaßen aktiviert, und es entsteht wirklich eine Situation gleichzeitiger Entäußerung sowie Verinnerlichung. Ich kann nicht anders, als es dermaßen paradox zu formulieren. Aber es entsteht eine ganz besonders intensive Verbindung zwischen (meiner) Innen- und (künstlerischer) Außenwelt, die sowohl etwas Ekstatisches als auch etwas Hochkonzentriertes bewirkt. In besonderen Augenblicken ist es so, als stünde das Musikstück plötzlich wie ein Ganzes und Lebendiges direkt vor (oder in) mir und die Trennung von Selbst und Welt höbe sich auf. Da muss sich aber nun niemand um mich Sorgen machen oder grundsätzlich an meiner Geistesverfassung zweifeln, ich komme leider meistens früher davon runter, als mir lieb ist.
    Gegenbeispiel: Ich höre auch gerne mal Rockmusik. Die wirkt bei mir vor allem sinnlich und z.B. eher weniger den Geist ansprechend, also nicht so stark im Sinne eines integrativen Hörens. Wenn ich abgespannt/müde bin, knalle ich mir gerne was stark motorisch Wirkendes aufs Gehör. Ich käme dann aber nie auf die Idee, mir komplexe Polyphonie zuzuführen. Und auch keine Puccini-Oper.


    Der ganze Kram, der mit bildungs-, großbürgerlichem oder sonstwie standesbewusstem Dünkel zu hat, interessiert mich null. Das finde ich persönlich einfach langweilig.

  • Über das Thema dieses Threads habe ich nie nachgedacht. Ich liebe und höre Musik, bleibe neugierig und entdecke mir auch heute noch Themenfelder, die mir lange brach lagen. Das kann dann sehr exzessiv geschehen. Plötzlich packt mich etwas. Das sind mir regelrechte Glücksmomente. Andererseits gibt es seit frühester Jugend diese unerschütterliche Treue und tiefe Anhänglichkeit zu bestimmten Komponisten und Werken. Natürlich habe ich auch Versuche unternommen, Fragestellungen, die dieses Thema aufwirft in der einen oder anderen Form nachzugehen. Meist geschah das mit dem Ergebnis, dass ich mir etwas beschädigt habe. In meiner Kindheit und Jugend gab es nur relativ beschränkte Anstöße und Ermunterungen, Musik zu hören. Mein Vater mahnte immer, nicht zu laut! Musik kam eigentlich über mich. Einfach so. Mich würde vielmehr interessieren, warum ein Teil der Menschen heftig auf Musik anspringt, ein anderer nicht oder nur bei Gelegenheit, wenn ihnen mal danach ist. Ich halte nichts oder nur sehr wenig von der Annahme, dass Liebe und Leidenschaft zur Musik durch pädagogisches Zutun erzeugt würden. Das kann nur ein Anstoß sein, etwas in Gang zu setzen, was in einen ist. Aber warum habe ich das, andere nicht? Es ist wohl kein Verdienst.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Bei mir gibt es die Erfahrung auch im Freundeskreis, daß Musik sehr, sehr unterschiedlich bewertet wird.


    Ich habe Menschen, die ich Freunde nennen kann, denen Musik jeder Art ein Greuel ist. Sie können mir das nicht erklären. Ich habe auch Freunde, deren bevorzugte Musikstil sehr einseitig ist, darunter einen Juristen mit eigener Kanzlei, der Musik rechts und links von Elvis nicht hören kann oder will, höchstens noch Fats Domino. Klassik mag er überhaupt nicht, wie leider in meinem Freundeskreis (der größtenteils seit der Grund- oder Oberschulzeit besteht) kaum gemeinsames Interesse für Klassik jeder Art besteht. Manche (besonders Frauen) mögen Operetten, aber schon bei Zar und Zimmermann heben sie desinteressiert die Hände. Klassikanhänger sind eindeutig eine Randgruppe. Die Mehrzahl steht auf leichter Musik zwischen Rock mit all seinen Schattierungen, Schlager und volkstümlicher Musik.

    Unter meinen Studienfreunden, die ich leider aus territorialen Gründen nur einmal im Jahr treffe, gibt es Experten, die im Richard-Wagner-Verein Dresden aktiv sind, aber außer Wagner nicht aktiv sind. Einer meiner Freunde hat ein Abo im Dresdener Kulturhaus, aber der Grund besteht darin, seiner Frau einen Gefallen zu tun.

    Wir im Forum sollten uns darüber einig sein, daß nur wenige Mitbürger bereit sind, sich mit unseren Interessen zu befassen. Auch ich höre nicht nur Klassik, das ist stimmungsbedingt und erfordert Bereitschaft zum konzentrierten Hören. Als Hintergrundmusik ist Klassik mir ungeeignet, da brauche ich Musik ab Operette abwärts in der U-Skala.


    Warum das alles so ist, darüber mag es Untersuchungen geben. Die interessieren mich allerdings nicht.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Klassische Musik hören hat für mich etwas mit Emotionen aber auch Schönheit und Ästhetik zu tun, weniger mit dem analytischen Aspekt.


    Zu Zeiten meiner Ausbildung in Schule und Uni hatte ich den analytischen Anteil durch Partitur- und Literaturstudium natürlich auch verfolgt, meist ging aber in diesem Moment der emotionale Anteil flöten. Wenn ich heute Aufnahmen höre, dann zum Einen, um Vertrautes neu zu hören oder auch Neues zu entdecken. Ich genieße die Genialität vieler Werke, das hohe Niveau der Interpreten, das Zusammenspiel verschiedener Klangfarben und Instrumente, ich bewundere Interpreten, die es schaffen, sich über die von Ihnen dargebotenen Werke auszudrücken und aus vielmals gehörtem auf einmal neue Linien, Akzente und Aspekte herauszuarbeiten. Dabei kommt es sowohl vor, dass ich mir den soundsovielten Zyklus der Beethovensinfonien zulege, aber auch dass ich mich über eine Neuentdeckung durch einen unbekannten (oder auch bekannten - Stichwort Hamelin) Pianisten freue.


    Die Musik, ich für mich als emotional interessant empfinde, beginnt irgendwo im barocken Bereich und geht eigentlich bis in die aktuelle Neuzeit, wobei es da natürlich durchaus Richtungen gibt, die man meiner Ansicht nach kaum emotional erfassen kann, die vor allem "verkopft" sind, wie mein pubertierender Sohn wohl sagen würde.


    Gerade den Herrn in meinem Avatar schätze ich diesbezüglich sehr, weil er es meine Meinung nach vorbildlich geschafft hat, eine Lebenstüchtigkeit (Pragmatismus), eine gewisse Leichtigkeit mit einem tiefen Einblick und einer Ernsthaftigkeit zu kombinieren und daraus eine tolle Musik zu zaubern.


    Viele Grüße,


    Markus.

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  • Beim Klassik Gesangswettbewerb DEBUT sprach der Gründer und Mäzen, Prof. Dr. Manfred Wittenstein, ein Ingenieur, nahezu genialer Konstrukteur und Unternehmer, der nebenher noch zu den 50 reichsten Persönlichkeiten in der BRD gehört, folgenden Satz.

    "Wie werden von der Kunst getragen, sie hilft uns zu überleben"
    Gerade in der heutigen Zeit aktuell und bedenkenswert.

    Musik und Oper sind vielleicht die bewegendsten Kunstformen und deshalb existenziell wichtig.

    Lieber Ulli,

    nur ein Beweis wie bedeutend Oper und klassische Musik doch sind: Mehr Besucher gehen ins Konzert und in die Oper als zu den Bundesligaspielen. Ganz zu schweigen von der Bedeutung für Lebensqualität und Standort. Wir lassen uns immer noch in einen Elfenbeinturm einer elitären Minderheit einsperren. Wir sind kulturell, gesellschaftlich, bildungspolitisch und auch wirtschaftlich einer der bedeutendsten Faktoren. Nur zu wenig selbstbewusst und kampfbereit.

    Herzlichst

    Operus (Hans)


    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Musik gehört zu meinem Leben wie essen und trinken. Musik vertreibt böse Gedanken, Musik ist in der Einsamkeit ein Gefährte, Musik überwindet depressive Stimmungen. Sie ist Freund und Helfer in guten wie in schlechten Stunden.

    Irgendjemand hat einmal gesagt, mit Musik gehe alles besser, doch das ist zu kurz gegriffen. Musik ist ein Lebenelixier, ein Zaubermittel, das einem keine Krankenkasse verschreibt, obwohl es oft besser wäre als so manches Mittelchen.


    So lange ich lebe, wird Musik um mich sein!


    Erich

  • Wenn ich auf der Arbeit erzähle das ich klassische Musik höre und in die Oper geh, kommt dann häufiger Spruch " so alt bist du doch gar nicht " . Für mich bedeutet Klassik hören sich damit beschäftigen,etwas neues zu erfahren und erleben und hat nichts mit dem Alter zu tun. Ich kann z.B. Ballet nicht ertragen. Neben Klassik höre ich noch Soul, Jazz und Pop aus den 60 bis80 Jahren. In meinem Bekanntenkreis bin ich der Einzige , der klassische Musik hört.

  • Ich habe großen Respekt vor allen Taminos, die sich hier äußern; ich habe ja auch schon viel von ihnen gelesen, was dazu meist erhellend und vernünftig war. Die Abwehr der meisten Freunde und auch des großen Publikums angesichts klassischer Musik erlebe ich auch.

    Aber ich muss auch sagen, dass unsere Freunde hier, die sich unverstanden fühlen, selber mit erheblichem Unverständnis reagieren, was die Alte Musik betrifft. Da sind wir hier, vor allem nach dem Abgang von gombert und bachianaia, doch ein verlorenes Häuflein.

  • inzwischen schaffe ich es auch schon eine weile ohne musik.

    ansonsten finde ich die frage eher ärgerlich. das baut einen rechtfertigungsdruck auf. ich brauche keinen sinn zum musikhören.

    :P

  • Tamino XBeethoven_Moedling Banner
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  • Als Jugendlicher war ich meiner Liebe zur Klassik ziemlich einsam - was das Hören angeht, nicht die sozialen Kontakte zu den Gleichaltrigen.


    Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Es sind doch einge Freunde hinzugekommen, die sich von meiner Vorliebe zu Bach, Mozart & Co. haben anstecken lassen. Tatsache ist aber auch, dass meine Begeisterung für die Musik der Zeit vor Bach niemand zu teilen vermag. Selbst bei Bach ist es schon schwer, da seine Musik bei den meisten mit "Kirche" assoziiert wird und da will man mir nicht folgen: "Geh mich weg mit den ollen Kamellen".


    Ansonsten ist Musik, wie es einige hier schon gepostet haben, für mich so wichtig wie das Atmen und das Essen. Es geht nicht ohne sie und ich schäme mich durchaus nicht, wenn ich mich selber als "Genußhörer" bezeichne. Der auch immer wieder Freude verspürt, wenn er anhand von Notenmaterial die Intentionen des Komponisten nachvollziehen kann. Irgendwelche philosophischen Gedanken lasse ich überhaupt nicht erst aufkommen.


    Wie sagte schon Papageno: "Je nun, es gibt noch mehr Menschen meinesgleichen." Mir genügt es, Musik zu hören...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ich habe großen Respekt vor allen Taminos, die sich hier äußern; ich habe ja auch schon viel von ihnen gelesen, was dazu meist erhellend und vernünftig war. Die Abwehr der meisten Freunde und auch des großen Publikums angesichts klassischer Musik erlebe ich auch.

    Aber ich muss auch sagen, dass unsere Freunde hier, die sich unverstanden fühlen, selber mit erheblichem Unverständnis reagieren, was die Alte Musik betrifft. Da sind wir hier, vor allem nach dem Abgang von gombert und bachianaia, doch ein verlorenes Häuflein.

    Hallo Signor Dottore,

    2 Anmerkungen zu Deinem zutreffenden Posting:

    - hier wird ausschließlich von Musikhörern geschrieben. Es gibt aber noch eine weitere Sorte: die Spieler/Hörer. (Ich beziehe mich hier auf Liebhaber und nicht auf "Profis"). Wer ein Musikinstrument spielt hört meist anders als reine Hörer. Ich spiele seit 7 Jahrzehnten aktiv Tasteninstrumente (die Literatur hierzu ist bekanntlich sehr groß). Da lernt/hört man mit der Zeit die kompositorischen "Tricks, ab und zu auch Schablonen" jedes Komponisten und wird dadurch kritischer. Kein "Großmeister" hat nur Geniales komponiert. Über die Schwächen mancher ihrer Werke wird von den "Hörerfans" kräftig geschwiegen bzw schöngeredet.

    - Dass die Alte Musik hier ein kümmerliches Dasein fristet darf doch nicht wundern. 19. Jhdt., Opern, Gesangssolisten, Interpretationen ohne Ende sind hier Trumpf. Was soll ein Liebhaber Alter Musik denn dann noch schrebien?

  • Lieber Bachianer,

    danke für deine Unterstützung. Was du über das aktive Ausführen von Musik ausführst, ist sicher richtig. Ich spiele kein Instrument, singe aber seit 50 Jahren in Chören, und zwar sehr guten Vokalensembles. Ich verstehe einiges von Oper und Konzerten, richtig kompetent bin ich aber bei Chormusik, vor allem bei Werken, die ich selber gesungen habe. Was die Alte Musik betrifft, gibt es hier doch einiges. Sieh mal in meinem "Schreibtisch" nach, dort unter "HörBar", besonders aber "Mille regretz oder der Trost der Vokalpolyphonie". Das ist mein Lieblingskind.

  • Dass die Alte Musik hier ein kümmerliches Dasein fristet darf doch nicht wundern. 19. Jhdt., Opern, Gesangssolisten, Interpretationen ohne Ende sind hier Trumpf.

    Im NEUE STIMMEN-Thread sind immer wieder auch Gesangssolisten vorgestellt worden, die sich auf Alte Musik spezialisiert haben. In dem Zusammenhang ist auch über Komponisten und Werke aus der Alten Musik geschrieben worden. Darüber was zu wissen, ist schließlich für die Beurteilung der Interpretationen wichtig!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Dr. Pingel,

    Recht haste! Das Singen in einem Chor ist natürlich gleichwertig mit dem Spielen eines Instruments. Dass mir das passieren musste kann nur mit beginnender Alterssenilität (über 80) erklärt werden. Ich kann nun nicht mehr zählen bei wieviel Chorproben, Orchesterproben, Gesamtproben, Aufführungen von Kantaten, Passionen, Oratorien (selbst Opern) ich am Continuoinstrument mitgewirkt habe. Da lernt man übrigens viel über Musik, die unterschiedlichen Aufführungspraktiken, Interpretationen, uvam. Das kann, aus meiner Sicht, das Hören von "Konserven" (von denen ich auch über 3.000 habe) nicht bieten.


    Lieber Caruso,

    Danke für den Hinweis. Leider ist die endlose Namensliste an SängerInnen keine Hilfe, wenn man Komponisten/Kompositionen sucht. Könnte man das umstrukturieren?

  • Tamino XBeethoven_Moedling Banner
  • Als ich die Wiederbelebung des Threads sah, dachte ich, schön, da kannst Du sicher etwas zu sagen. Nach etwas Nachdenken kam ich zu der Idee, dass ich sicher nichts dazu sagen kann, weil das Thema wirklich schwierig ist. Dann dachte ich: Was soll's? (in Anlehnung an die Signatur des Moderators Reinhard)


    ich höre von klein auf einen Haufen Musik und tatsächlich auch querbeet. Angefangen hat es es mit Marschmusik (ich erkläre nicht wieso), Operette und Big Band Orchestern. Glenn Miller, Max Greger und Teddy Staufer bedeuteten mir etwas, bevor ich überhaupt zum erstenmal klassische Musik hörte oder auch als solche wahrnahm. Tatsächlich habe ich mit meinem Vater über die Qualitäten des Radecki-Marsches gegenüber bestimmten preußischen Märschen gesprochen. Also, von Anfang an war Musik einmal Genuß, Stimulanz und Gegenstand der Auseinandersetzung. Klassische Musik fing bei mir mit Schuberts Forellenquintett an, auch noch im zarten Kindesalter, aber danach war musikalisch nichts mehr, wie es vorher war.


    Ich glaube, da hat sich ein Architekturgedanke manifestiert. Das Stück war für meine damaligen Verhältnisse unglaublich lang und spannend, viel länger als alles andere, was ich vorher gehört hatte (Operetten verstand ich da eher als Folge von Hits ;)). Das kann ich mir nur durch die Architektur erklären. Variationen von Motiven, rhythmische Gestaltung ähnlicher musikalischer Keimzellen. Es gab also einen Zusammenhang und eine Struktur, die sich mir damals sicher nicht theoretisch erschloss. Der Architekturgedanke ist für mich bis heute wichtig geblieben, wenn sicher auch in diversen Abwandlungen.


    Wenn ich jetzt persönlich über Musik spreche, unterscheide ich gute, die ich gerne höre, von schlechter, wo ich eher Businesskonzepte als musikalische erkenne. Aber auch bei der guten gibt es für mich deutliche Unterschiede und nicht jede gute ist zu jeder Zeit für mich hörbar. Wenn ich klassiche Musik in einem deutlich weiteren Rahmen verstehe, als es mein Musiklexikon erlaubt, dann ist sie für mich leichter hörbar, als zum Beispiel sehr gute Rockmusik, die es selbstverständlich auch gibt.


    Die Architektur dieser im weiteren Sinne klassischen Musik führt eine Schicht in die Rezeption ein, die Reflexion erlaubt. Die Musik will mich nicht gefangen nehmen! Das ermöglicht konzentriertes Zuhören, ohne gleich aus dem Fenster springen zu wollen.;) Etwas abgehoben, kann man das sicher mit dem interesselosen Betrachten in Kants Ästhetik zusammenbringen. Sie kann durch das rezipierende Erleben meinen Hörraum gestalten. Das empfinde ich als etwas Großartiges und das erklärt sicher auch meine Bereitschaft zum Hören immer neuer klassicher Musik. Rockmusik hat dagegen eine wirklich simple Architektur, sie lebt in meinen Augen von der Improvisation und erlaubt deswegen einen direkteren Zugang zum Interpreten. Das kann man in bestimmten Stimmungen gebrauchen, aber wie ich bei mir merke, mit wachsendem Alter immer seltener. Darin liegt für mich auch ein Problem mit einigen Interpretionen romantischer Musik. Hier wird manchmal zu schnell Distanz abgeschafft und entweder folgt man dem Interpreten und kann begeistert sein (oder auch nicht) oder man ist überrumpelt, was ersteinmal den ästhetischen Genuß verhindert.


    Momentan höre ich 99% Klassik im weiteren Sinne, hin und wieder auch Rockmusik. Vor zehn Jahren gab es mal ein paar Jahre wo ich so eine 50/50 Verteilung hatte.

  • Die Architektur dieser im weiteren Sinne klassischen Musik führt eine Schicht in die Rezeption ein, die Reflexion erlaubt. Die Musik will mich nicht gefangen nehmen! Das ermöglicht konzentriertes Zuhören, ohne gleich aus dem Fenster springen zu wollen.;) Etwas abgehoben, kann man das sicher mit dem interesselosen Betrachten in Kants Ästhetik zusammenbringen. Sie kann durch das rezipierende Erleben meinen Hörraum gestalten. Das empfinde ich als etwas Großartiges und das erklärt sicher auch meine Bereitschaft zum Hören immer neuer klassicher Musik. Rockmusik hat dagegen eine wirklich simple Architektur, sie lebt in meinen Augen von der Improvisation und erlaubt deswegen einen direkteren Zugang zum Interpreten. Das kann man in bestimmten Stimmungen gebrauchen, aber wie ich bei mir merke, mit wachsendem Alter immer seltener. Darin liegt für mich auch ein Problem mit einigen Interpretionen romantischer Musik. Hier wird manchmal zu schnell Distanz abgeschafft und entweder folgt man dem Interpreten und kann begeistert sein (oder auch nicht) oder man ist überrumpelt, was ersteinmal den ästhetischen Genuß verhindert.

    Eine interessante und einleuchtende Sicht der Dinge, die ich auf jeden Fall gut teilen kann!


    Meinerseits würde ich vielleicht dahingehend differenzieren, dass beide Komponenten - die mentale und die psychophysische - bisweilen zwar bestens zusammengehen, aber Letztere (auch) für mich mit Alter und Wissen und Erfahrung über Musik zunehmend an Relevanz verliert.


    Banaler ausgedrückt: Als junger Kerl mit weniger Hintergrund habe ich den Reiz des Neuen, des Originellen, des Effektvollen gesucht und dann, wenn es mich nicht gleich gepackt hat, wieder fallengelassen - zumindest für eine gewisse und oft längere Zeit, anstatt gleich genauer hinzuhören. Da hört man dann eben wochenlang den Holst, den ich jetzt nur noch selten haben will und brauche, und kann nicht viel mit Streichquartetten oder Dodekaphonie oder spröder Avantgarde anfangen.


    NB: Ich hatte seltsamerweise aber mal als Zwanzigjähriger eine Phase der Beethoven-Quartette. Die verschwand dann und kam vor vielleicht zehn, zwanzig Jahren wieder - und jetzt unter ganz anderen Voraussetzungen. Das heißt etwa, dass dort, wo mich schon vor über vierzig Jahren die Große Fuge gepackt hat, mich jetzt gewisse langsame Sätze oder rhythmisch faszinierende Scherzi des Spätwerks noch mehr reizen.


    Zitat

    Vor zehn Jahren gab es mal ein paar Jahre wo ich so eine 50/50 Verteilung hatte.

    Du bist noch keine 50, Axel, oder schon um die 80 !? ;)


    :) Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Irgendwie ist das alles sehr komplex und geheimnisvoll.

    Seit ich klassische Musik mag, habe ich immer wieder versucht, verschiedene Genres auf mich einwirken zu lassen. In der Jugendzeit waren das nur Opern und Operetten, wobei ich den "Schlagercharakter" mancher Operettenhits durchaus genießen konnte, besonders im Radio. Auch in der Oper waren es die sogenannten "Wunschkonzertstücke", die mich fesselten und den Wunsch nach Begegnung auf der Theaterbühne weckten.


    Irgendwann hörte ich auch Richard Strauss und war furchtbar enttäuscht, daß seine Melodien nicht so harmonisch klangen wie die vom Walzerkönig. Die "Walzerfolge" aus dem Rosenkavalier war für mich Musik zum Fürchten, die "silberne Rose", oft angeprießen im Radio als eine der schönsten Musiken überhaupt ließ mich kalt. Aber gleichzeitig, nach ca. 30 Jahren aktiver Theatergängerei, wurde mir der Nabucco-Chor oder "Oh wie so trügerisch" u.a. über, ich hatte mich daran sattgehört.


    Ich versuchte, Kammermusik aufzusaugen, Orchestermusik aus der Barockzeit, wieder und immer wieder. Und immer wieder bemerkte ich, daß mir das nicht zusagt. Grund? Weiß ich nicht. Offensichtlich wollte meine Seele angesprochen werden oder mein immer mächtiger werdender Bauch. Und das war nicht das, wonach ich Sehnsucht verspürte. Ich hatte um 1980 - 1985 einen richtigen Hänger, konnte aber mit der Neuen deutschen Welle oder der damals aktuellen Rockmusik auch nichts anfangen. Das war Krach für mich, oder die NDW einfach idiotisch mit ihrem monotonen "da, da da."


    Irgendwann, an einem Sonntagvormittag, hörte ich aus dem TV eine disharmonische, laute, aber aufregende Musik. Es war die Salome, die mich überfuhr, wie eine Herde Hähne eine einsame Henne. Ich war plötzlich hin und weg und wußte auf einmal, das ist es!! Das brauchst Du. Ich begann mich mit Strauss zu befassen. Kaufte mir Biographien und CD´s mit den sinfonischen Dichtungen und war begeistert von der Alpensinfonie, aber auch von der Rosenkavalier-Suite, vom sehnsüchtig schmelzenden Klang beim Liebeswerben von Don Quichotte, ich lachte mit Till Eulenspiegel. Im Theater besuchte ich auf einmal Strauss-Opern, aber zunehmend Orchesterkonzerte. Was mir Bach oder Mozart nicht bescherten, nämlich den höchsten Genuß beim Anhören - ich nenne es das Abheben vom Sitzplatz, eine Art des "Über den Dingen Schwebens" - das brachte mir dann auch Mahler, Wagner, später Bruckner uva.. Mein Bauchgefühl springt oft dabei an, während ich leider leider bei Barockmusik das Gefühl lauwarmer Suppe nicht losbekomme. Ich kann es nicht ändern. Besonders bei Respighi merke ich den Unterschied. Seine römische Trilogie ist für mich besonders in den Pinien (mit seine Widersprüchen zwischen Vogelgezwitscher und Pomp beim Aufmarsch der Soldaten) einerseits und den 3 Suiten aus dem 16./17. Jahrhundert andererseits ein deutliches Beispiel. Ein und derselbe Komponist

    vermag mich in Extase zu versetzen oder zu langweilen.


    Verstehen kann ich es selbst nicht. Vielleicht will ich es auch nicht.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Lieber Ulli,

    Dein Bekenntnis ist mit Genuss zu lesen. Was Du schilderst ist zum einen die fast normale, automatische Entwicklung eines engagierten Musikfreundes vom Leichten hin zum Schwereren. Es ist jedoch auch die lebenslange und wahrscheinlich nie endende Auseinandersetzung mit dem uns geschenkten Mysterium der Musik. Genieße es, dass es Dir vergönnt ist, tiefer in diese Materie einzudringen. Nur dann kann sie eins werden mit Dir und in Dir etwas bewegen.

    Liebe Grüße

    Herzlichst

    Hans (alias Operus)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Das heißt etwa, dass dort, wo mich schon vor über vierzig Jahren die Große Fuge gepackt hat, mich jetzt gewisse langsame Sätze oder rhythmisch faszinierende Scherzi des Spätwerks noch mehr reizen.

    Lieber Wolfgang,


    bei mir sind es die Haydn Quartette (gemeint sind die von Haydn ;)), die ich als junger Mensch absolut nicht verstanden habe und vor deren Großartigkeit ich mittlerweile nur ins Staunen komme. Da eröfnet sich ein Kosmos musikalischer Konstruktionen. Eine unglaubliche Vielfalt, die ich früher einfach gnadenlos überhört habe. Manchmal stehen eben Gefühle dem ästhetischen Genuss im Weg!


    Tatsächlich ist die Musik von Morton Feldman etwas, was sich mir auch erst in den letzten Jahren wirklich erschließt. Ich finde das aber nicht schlimm. Geschmack ändert sich halt mit der Zeit. Die Liebe zur Musik bleibt aber. (auch die zur Großen Fuge ;)). Aber ja, ich kann mittlerweile deutlich mehr ruhigere Sätze genießen.



    Verstehen kann ich es selbst nicht. Vielleicht will ich es auch nicht.

    Lieber La Roche,


    ich denke, dass der Sinn für Musik und der Wunsch, sich diese zu gestalten, grundsätzlich nicht verstehbar sind. Man kann ihn einfach hinnehmen und sich darüber freuen.



    Beste Grüße,

    Axel

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