Chopin: Préludes

  • Oh, Piano-Liebhaber ....
    Chopin ist schon einer meiner „Favourites“, ich gebe es zu. Das liegt viel an Arthur Rubinstein. Nicht alles von ihm, aber eben vieles ist meines Erachtens einfach kaum zu toppen. Oder eben eine wundervolle Alternative. Lese gerade seine „Frühen Jahre". Unglaublich, wen der alles getroffen und schätzen lernen durfte. Göttlich. Zeit wird so relativ dadurch. Wie sieht es mit den Etuden aus oder den Preludes. Diese letzteren hatte ich bis vor kurzem mit Argerich[... ach, weh .... zu hart und zu rasant technisch das Ganze. Die alte Mono-Einspielung von AR ist Zauber dagegen. Und wie ist es mit neueren klanglich besseren Aufnahmen? Die von Frau Kosuge (bei SONY) wird sehr gelobt. Und die Etüden dann von Boris Berezowsky (ui, richtig geschrieben?) oder auch von Yo Kosuge? Von Gavrilov bin ich mit den Etuden zufrieden, wenn auch stellenweise zu sportlich mechanisch. Nach einer CHOPIN-Biografie empfand ich das zumindest deutlicher so. Möchte die LP aber dennoch nicht missen.


    Klaviergrüße
    Michel wieder

  • Lieber Michel,


    wenn Du zu den Preludes eine Aufnahme für die Ewigkeit suchst, kann ich Dir nur Ivo Pogorelich empfehlen. Man könnte hier natürlich wieder bestimmte Ivo-Manierismen kritisieren: Extreme Tempi beispielsweise. Trotzdem wirst Du kaum einen Interpreten finden, der die unglaubliche Bandbreite dieser 24 Miniaturen so einfängt wie Pogorelich. Dies in aller Kürze, demnächst etwas ausführlicher!


    Herzliche Grüße,


    Christian ;) :yes:


    Hier Pogorelich und noch zwei lohnenswerte Aufnahmen:


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    :yes:


    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Lieber Michel ,
    lieber caesar 73 ,
    dass die Préludes von Chopin , eines der musikgeschichtlich äusserst wichtigen Werke , so wenige Beiträge gefunden haben , überrascht mich .
    Ich meine bevorzugten interpretationen .
    1. Pogorleich
    2. Bolet
    3. Arrau
    4. Rubsinstein
    5. Argerich
    6. Moravec und geradezu als gegensatz dazu
    7. Ivan moravec !!!
    Viele Grüsse
    Frank

  • Guten Abend, die Herren,
    danke für die Tipps. Interessant, interessant ....
    da Chopin immer wieder bei mir auf dem berühmten Teller landet, und eine Biographie über den Guten "hinter" mir liegt, erweitert und verändert sich die Haltung und entspr. die Sammlung. Aktuell bedeutet das für mich:
    Habe eine Live-Aufnahme von Bolet in der Carnegie-Hall kürzlich verkauft. Gefällt mir einfach nicht die Spielweise. Zu wenig Spannung und Emotion, sorry! Auch Argerich, mit der ich ehrlich gesagt auch etwas "vorsichtig" bin, habe ich wieder "abgegeben". Argerich ist mir zu muskulös in den schnelleren Passagen. Gut gefallen hat mir bisher Geza Anda, den ich mir von LP auf CD gebrannt habe. Etwas burschikos - aber sehr entrückend. (Darf ich das so sagen?). Rubinsteins Monoaufnahme finde ich super, da stimme ich den Charts zu. Ich werde Pogorelich testen. Warum nicht?!
    Zu den Etüden: Demnächst trifft Pollinis Einspielung (nach vielen positiven Äußerungen hier im Forum) ein. Habe diese als knisternde LP kürzlich gehört. Gefiel mir, gleichwohl meine Skepsis gegenüber seines so analytischen Spiels mir bei Liszt nicht gefallen hatte – Chopin hingegen fand ich bis dato recht gelungen. Mal sehen. Da war auch viel Staub dazwischen. Und dann kommt Berezovsky bald hinzu. Da bin ich gespannt.
    Als LP gibt es noch Gavrilov - ist okay, teilweise super, teilweise blass, zu sportlich jung! Hingegen seine frz. Suiten von BACH sind traumhaft. Kann ich nur empfehlen. Ganz i.G. zu seinen Goldberg-Variationen - die sind nur als Anschauungsmaterial zum Vergleich für Spannenderes gut, auch wenn gerade das Eingangsthema, die Aria, ein unglaublich schönes Tempo besitzt. Aber da geht für mich nichts über Hewitt, Tureck, Gould und Schirmer.
    Wie sehen Sie das?


    Jetzt ist jobtechnisch erstmal Feierabend und ich werde mir ein Streichquartett von Brahms mit dem ABQ gönnen. So long und bis in Kürze!
    Michel grüßt

  • Lieber Frank,


    wundert mich auch, dass die "Preludes" so wenig Interessenten finden. Ob sich da vielleicht alle einig sind? Kann ich mir eigentlich absolut nicht denken. Die Etüden mit Pollini sind wirklich hervorragend, eine von Pollinis besten Platten. Sein transparentes analytisches Spiel bekommt den Etüden sehr sehr gut wie ich finde!


    Herzliche Grüße :hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Lieber Michel ,
    Tureck ist schlicht schrecklich in allen ihren Aufnahmen . Gould hat zusehr unter ihrem dahinromatisierenden Deuteln gelitten , daher ist sein letzte Aufnahme auch nicht im Entferntesten interessant . Ragna Schirmer hatte jedenfalls ein sexy Cover . Oder was die Macher für sexy ansahen . Angela Hewitt sieht alles andeer als toll aus , aber jedesmal , wenn ich sie live erleben konnte hat sie wundervoll , bestaunenswert gespielt ! =) :] :] :] :]
    POLLINIs Interpretationen der Chopinschen Études sind bis heute unübertroffen ( und auch seine beste Einspielung ) . Allenfalls der junge Bckhaus (!) und der junge Arrau - EMI - erreichen den Sinn dieses Werkes so .
    Beste Grüsse
    Frank

  • Grüß Dich, Frank.
    Ach, wunderbar, someone speaks.
    Ja, die Reihenfolge ist auch nicht die, dass TURECK ganz vorne rangiert. Schon die HEWITT, die Gute, auf Platz 1 für mich! Die Erstgenannte ist mir auch ein Stück weit zu parfümiert, aufbröselnd im Gesamten, aber diese Ruhe, fast schon meditative Schläfrigkeit fand ich angesichts der Historie, das der hoheitliche Auftraggeber oder wer das damals war, eben schlecht einschlafen konnte und was "Dämmeriges" für die Nacht brauchte, übertrieben romantisierend passend. Nicht schlecht aber eben nicht erste Wahl, jedoch besser als vieles andere. Ganz Deiner Meinung.
    Ist denn Goulds ältere Aufnahme interessanter? Oder spielt er da auch auf einem Klavier (nicht Flügel), auf dem diese 2, 3 Tasten nicht ganz stimmungsrein sind? Grandiose Anti-Haltung dahinter - super!
    Unsere SCHIRMER finde ich hier ebenso meditativ, aber nicht parfümiert. Fast bröckelt die Architektur unter ihr weg. Sie bekommt aber die berühmte Kurve noch. Wenn ich etwas wohltuendes für nur ein Ohr haben möchte, greife ich gerne zu Ihr oder zu Glenn. Letztes Jahr hatte sie hier ein Heimspiel bei uns – mal blicken lassen hieß das wohl ... der Abend mit Ihr an den Tasten war grandios! Wirklich - die hatte Schnittke, Chopin und noch etwas zum Besten geben - Wow!


    Michel grüßt


    Nachschlag zu letzten Mail: Habe übrigens ganz vergessen, dass ich die Preludes von Ashkenazy ebenso ziemlich gut finde, aber sie selten höre, weil der DECCA-Klang am Klavier bei ihm schlichtweg zum K**** ist! So was metallisches. Macht kein Spass. Dann lieber alte knisternde Mono-Brötchen. Daher auch immer mein Zögern, wenn ich die Rachmaninoff-Sachen gerne von Vladimir hören möchte.

  • Servus Michel,


    also: Beide Aufnahmen sind gut. Im Idealfall würde ich Dir raten, beide zu kaufen. Wenn Du Dich nur für eine entscheiden möchtest: Zuerst Pogorelich und Pollini später. Die Preludes gehören zu den besten Einspielungen Pogorelichs :jubel: :jubel:. Sein Klangsinn, seine Fähigkeit zu feinsten Valeurs verleihen jeder der 24 Miniaturen gestochen scharfe Konturen und eine unverwechselbare Charakteristik. Hinzu kommt eine fantastische Aufnahmetechnik.


    Grüße, Christian :hello: :hello:

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Für mich ist Perahia der Top-Favorit für die Chopin-Preludes. Am Anfang seiner Karriere hat er diesen Zyklus öfters im Konzert gespielt. Leider scheint es derzeit keine CD davon zu geben. Sehr verwunderlich...



    Gruß
    Heinz

  • Zitat

    Original von Heinz
    Für mich ist Perahia der Top-Favorit für die Chopin-Preludes. Am Anfang seiner Karriere hat er diesen Zyklus öfters im Konzert gespielt. Leider scheint es derzeit keine CD davon zu geben. Sehr verwunderlich...



    Gruß
    Heinz


    Da wäre ich sehr gespannt! Wenn ihm die Preludes so gelingen wie die Etüden dann wäre das wirklich ein Juwel!


    Grüße, :hello: :hello:


    Christian

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  • Hallo Christian,


    die Etüden kenne ich garnicht von Perahia. Da hab ich meine Idealaufnahme (Yuki Matsuzawa) ja inzwischen gefunden. Die will ich von niemand anderem mehr hören =)


    Aber die Preludes hat Perahia damals unglaublich packend gespielt, da lag ein elektrisches Knistern in der Luft, genau so, wie Schumann mal über die Chopin-Mazurken gesagt hat: "unter Blumen eingesenkte Kanonen". Nur, daß bei den Preludes die Kanonen dann auch tatsächlich abgeschossen werden :D :D :D


    Gruß
    Heinz

  • Zitat

    Original von Heinz



    die Etüden kenne ich garnicht von Perahia. Da hab ich meine Idealaufnahme (Yuki Matsuzawa) ja inzwischen gefunden. Die will ich von niemand anderem mehr hören =)


    Lohnt sich aber. Es gibt hier im Forum einen Thread zu den Etüden. Neben Perahia gehören auf die Hitliste auf jeden Fall Pollini, Backhaus und Arrau. Schau Dich doch mal im Thread um. Pollinis Aufnahme ist sicher eine der besten die er je gemacht hat, Arrau habe ich selber erst kürzlich entdeckt, Backhaus ist natürlich alt, aber trotzdem große Klasse. Matsuzawa kenne ich selbst nicht, wo ist die Aufnahme erschienen?


    Grüße, :hello: :hello:


    Christian

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  • Hallo Christian,


    ja, den Thread kenne ich. Dort hab ich ja auch schon von Matsuzawa geschwärmt :P


    Die (Doppel-)CD gibts sehr günstig in einem bekannten onlineshop



    Netter Gruß
    Heinz

  • Lieber Christian ,
    absolut die beste Pogorelich-Aufnahme und die beste der Chopionschen Préludes . Ich hatte 20 Jahre meine grössten Vorbehalte gegenüber Ivo Pogorelich .
    Das aber spielt ihm ( so schnell ) keine(r) nach !
    Beste Grüsse
    Frank :jubel: :jubel:

  • Ich bin etwas erstaunt, dass bisher die (meiner Meinung nach fantastischste) Aufnahme der Preludes von Alfred Cortot noch nicht erwähnt wurde.
    Das Es-Moll-Prelude habe ich noch von keinem anderen so gehört. Natürlich kommt hier noch hinzu, dass die alte Aufnahme noch einen ganz eigenen Charme hat. Sie ist vielleicht gefährdet, als historische Aufnahme nicht so sehr beachtet zu werden. Aber Cortot ist meiner Ansicht nach einer der brillantesten Chopin-Interpreten gewesen.


    Ich möchte aber noch einen erwähnen, den Russen Igor Schukow (Schreibweise kann falsch sein). Bei ihm ist interessant, dass er die Preludes im Konzert nicht der Reihe nach spielt, sondern versucht, sie tonal in interessanter Aufeinanderfolge, teilweise sogar attacca nacheinander zu spielen. Gibt es andere Pianisten, die so etwas versuchen?


    Herzliche Grüße
    Orfeo

  • hallo,


    dass igor shukov die preludes anders anordnet, mag interessant sein, jedoch hat chopin sie ja mit absicht im quintenzirkel angeordnet, so dass sich der verdacht einstellt, dass sich shukov damit interessant machen will. möglicherweise hat er sonst nicht mehr neues zu sagen. die cortot-aufnahmen kenne ich nicht (wohl aber einiges von schumann und debussy), aber er galt als autorität in sachen chopin.


    hinweisen möchte ich auf die einspielung der preludes durch den famosen stefan askenase in den 50er jahren bei der DG. es handelt sich um aufnahmetechnisch exzellente mono-aufnahmen. seine interpretation galt ähnlich wie bei arthur rubinstein als etwas neues. es ist die wende zum modernen chopin-spiel mit geringem pedaleinsatz, analytisch und kraftvoll-motorischem einsatz in den entsprechenden momenten. martha argerich studierte u.a. auch bei stefan askenase in brüssel und wurde von ihm bzgl. des chopinspiels mitgeprägt, was sich in ihrer interpretation der preludes kristallisiert. diese cd-box ist u.a. ein juwel, weil es referenzeinspielungen der walzer und der nocturnes anbietet.



    gruß, siamak

  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Auf Mallorca wurde Frederic Chopin 1838 nicht glücklich. Sein Lungenleiden besserte sich nicht, Depressionen kamen hinzu. Aber er hatte Muße, eine selbst gestellte Aufgabe zu beenden: seine Préludes.
    Frédéric Chopin begann mit der Komposition der 24 Préludes 1836 und beendete diese 1839 eben im Kloster Valdemossa auf Mallorca. Sein Verleger aus Paris empfahl ihm zur Komposition dieser Werke. Wie schon das „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach führen auch die Préludes systematisch durch alle Tonarten, wobei jedes einzelne Prélude für sich wahrlich ein Meilenstein der Klavier-Musik ist. Aber auch beeinflusst von J. N. Hummel.
    Der Chopin-Verehrer Robert Schumann sagte über Chopin und die Préludes: „Er ist und bleibt der stolzeste Dichtergeist der Zeit. Auch Krankes, Fieberhaftes, Abstoßendes enthält das Heft, so suche jeder, was ihn frommt, bleibe nur der Philister weg“. Schumann schien aufgeregt über die Préludes - und zwar zu recht. Beim Hören stellt sich kaum ein Gefühl von Vertrautheit ein - ständig begegnet einem das, was Schumann fassungslos als „krank, fieberhaft und abstoßend“ bezeichnete - Und dies ist ein Genuss, eine große Erfahrung...
    Einen besonders hohen Bekanntheitsgrad besitzt das sog. „Regentropfenprélude“ von dem George Sand, Dichterin und Chopins Lebensgefährtin, behauptete, Chopin sei von an ein Fenster prasselnden Regentopfen inspiriert worden.


    Gestern strahlte das schweizer Radio drs 2 eine Sendung zu den Einspielungen von Chopins Etuden aus. Es wurden fünf Aufnahmen verglichen und besprochen.


    Auf sehr grosses Wohlwollen stiess die neue Aufnahme von der japanischen Schülerin Schiffs. Bis gestern kannten wir die Pianistin nicht.


    Yu Kosuge



    Ihre Interpretation ist ehrlich und klug, ausgewogen aber auch durchsichtig, kontrollier gespielt mit einem sehr schönen Bogen.



    Auch gut schnitt die etwas eigenwillig spielende Martha Argerich ab. Sie spielt wehement, manchmal etwas aprukte Enden einzelner Etuden, temperamentvoll mit Sturm und Drang mit klarer Struktur.


    Ferruccio Busoni hat eine spezielle Aufnahme aus dem Jahre 1923/27 hinterlassen mit spezieller Technik auf eine Lochkarte aufgenommen und nun wieder abgespielt.
    Die Aufnahme ist eigenwillig mit vielen Freiheiten in Rhythmus und Agogik, manchmal etwas unruhige Triller.


    Maurizio Pollini enttäuschte ein wenig mit wenig Texttreue, willkürlich, ruhig in der Gestaltung aber zu unterkühlt.


    Evgeny Kissin spielt sehr schwelgerisch, wenig reflektiert und vordergründig, brachial und detailverliebt.


    Liebe Grüsse


    romeo&julia

  • hallo romeo und julia,


    das urteil über pollini wundert mich etwas. ich kenne seine einspielung der preludes. ich finde sie großartig, klanglich und strukturell. woran macht sich denn die textuntreue fest ? für mich gehört sie in eine reihe mit arthur rubinstein, stefan askenase, claudio arrau und ivo pogorelich.


    gruß, siamak

  • Zitat

    Original von romeo&julia
    Gestern strahlte das schweizer Radio drs 2 eine Sendung zu den Einspielungen von Chopins Etuden aus. Es wurden fünf Aufnahmen verglichen und besprochen.

  • Zitat

    Original von romeo&julia


    Maurizio Pollini enttäuschte ein wenig mit wenig Texttreue, willkürlich, ruhig in der Gestaltung aber zu unterkühlt.


    Pollini und Textuntreue? Irgendwie will das so gar nicht zu dem Pollini passen, den gemeinhein so kennt. Es gibt wenige Pianisten die dafür bekannt sind, den Notentext so ernst zu nehmen wie Pollini.


    Herzliche Grüße,


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Yo Kosuge hat auch die Etüden von Chopin eingespielt (kenne ich allerdings nicht) und auch eine Einspielung der Etudes d´exécution transcendante, die hat mir sehr gut gefallen.


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Servus Siamak


    Ja, wir sind auch etwas verwundert über das mittelmässige Abschneiden Pollinis.
    Wir müssen den Vergleich wohl selbst mal vornehmen.
    Die Interpretationsvergleiche werden jeweils von Radio drs 2 immer mit den Partituren vorgenommen. Da wir die Partitur der Préludes leider nicht selber haben, müssen wir uns auf die Aussagen der Experten verlassen.
    Die jeweilige Beurteilungen sind leider immer etwas fragwürdig, da ja nur in diesem Falle einzelne Préludes aus dem gesamten Zyklus verglichen werden und somit der gesamte Bezug zueinander der einzelnen Stücke vernachlässigt wird.


    Wir lieben ansonsten das Spiel Pollinis sehr (ist auch in unserere Liste der Top 5 aufgeführt). Doch auch uns gefällt nicht alles von ihm. Wir denken da zum beispiel an die Berceuse, die ebenfalls zu analytisch gespielt ist.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Liebe Chopin-Freunde,


    dieser Thread schlummert ja auch schon eine ganze Weile den Dornröschenschlaf, Zeit ihn wieder mal zu erwecken :D


    Der Grund: Gestern habe ich seit längerer Zeit einmal wieder die Einspielung von Maria Joao Pires angehört. Im besten Sinne eine "klassische" Interpretation, kein Hang zu Extremen wie bei Pogorelich. Sensibel und klangschön interpretiert- wie bei Pires zu erwarten:



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

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  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Der Russe Mikhail Rudy spielte eine neue CD mit der Sonate Nr. 2 op. 35 und den Préludes op. 28 ein. Er nimmt sich im Gegenteil etwa zu Pogorelich als Interpret vollkommen zurück, er macht nichts mit der Musik, zwingt ihr seinen Willen nicht auf und lässt sie einfach nur geschehen. Wenn „die Konventionen dastehen als nackter Ausdruck ihrer selbst“ (Th. W. Adorno), klingt da seltsam fremd und ungewohnt neu. Man könnte diese Interpretation, die zwischen brillanter Leichtigkeit und grossem Ernst, zwischen manierierter Larmoyanz und brutaler Motorik oszilliert, unentschlossen nennen. Und doch hat sie gerade dadurch etwas Brutales, Erschreckendes, auch Nacktes, wenn sich Rudy der Musik und den Stimmungen ungeschützt hingibt und sie ihn überwältigen.



    Mikhail Rudy ist 1953 in Taschkent geboren. Mit fünf beginnt er mit dem Klavierunterricht.
    Während einer Konzettournee im Jahre 1977 durch Frankreich beschließ Mikhail Rudy, nicht mehr in die damalige Sowjetunion zurückzukehren und läßt sich in Paris nieder. Schnell wird er in Frankreich zu einem gefragten Pianisten. Mit Isaac Stern und Mstislaw Rostropowitsch spielt er zum 90. Geburtstag von Marc Chagall Beethovens Tripelkonzert. Im gleichen Jahr USA-Debüt unter der Leitung von Lorin Maazel. Auf Einladung von Herbert von Karajan konzertiert Mikhail Rudy 1988 bei den Salzburger Osterfestspielen. Auftritte an allen großen Konzethäusern der Welt folgen.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Als echter Liebhaber von Martha Argerich ist die Einspielung sowieso als großartig zu bezeichnen, aber ich möchte hier Alfred Cortots Einspielung von 1942 anführen. Ich habe hierfür eine Box von Andromeda und bin entzückt:



    zur Zeit für €10.- bei jpc zu haben.


    Ich kann nur sagen super!


    :hello:

  • Hallo!


    Da ich mit zunehmender Freude die CD von Rafal Blechacz der "Préludes" höre möchte ich nun hier diese Aufnahme erwähnen.



    Die einzige Vergleichsmöglichkeit die ich besitze sind die alten Aufnahmen von Rubinstein. Rubinstein ist weitaus "schneller" (wobei Blechacz auch atemberaubendes Tempo in den schnellen Passagen vorweisen kann) und m. M. nach strukturbetonter, Blechacz "schwelgt" mehr in den Stimmungen und den Klängen. Sein Spiel ist sehr konzentriert, "zwingt" quasi zum Zuhören (weitaus mehr als Rubinstein imho). Insgesamt ist jede einzelne der Préludes sehr spannungsvoll dargestellt, die Kontraste sind grösser als bei Rubinstein aber nie um der Extreme willen.


    Aufnahmetechnisch ist für meinen Geschmack das "Mikro" etwas zu nahe am Klavier, es gibt auch ein zweimal nicht zuordenbare Nebengeräusche - ansonsten aber ein sehr klares Klangbild das den Flügel gut zur Geltung kommen lässt.


    Insgesamt eine klare Empfehlung meinerseits - wobei ich wohl auch noch nach Pogorelich Ausschau halten werde ;)


    LG,
    Andreas