Kann 'Musikalität' definiert werden?

  • Hallo liebes Forum,


    ehrlich gesagt wundert es mich, dass es zu diesem Thema noch keinen thread gibt - aber vielleicht bin ich ja tatsächlich die einzige, die sich diese Frage stellt?
    Mir geht es schon länger so, dass ich über dem Begriff der "Musikalität" ins Grübeln komme - ich sage zwar auch aus dem Bauch heraus, dass mir eine Interpretation besonders "musikalisch" scheint, könnte aber nicht genau definieren, woran ich dies festmache.
    Kann diese Frage vielleicht nicht mit dem Intellekt beantwortet werden?
    Gespannt auf Eure Ideen und Meinungen wartet


    Lucia

    Gravitation cannot be held responsible for people falling in love
    Alfred Einstein

  • Eine Antwort kann ich Dir momentan nicht bieten, möchte die Frage aber erweitert: wenn man einen Begriff von Musikalität mal als gegeben vorasussetzt, wenn also Lucias Frage beantwortet wäre, ist Musikalität dann wirklich angeboren oder geprägt? Kann man jeden im Grunde 'musikalisch' machen?


    Es gibt Psychologen, die behaupten, Mozart sei kein Genie gewesen, sondern nur extrem geprägt, so dass ihm Musik quasi zur Muttersprache werden mußte, Begabung hin oder her. Dem widerspreche ich allerdings auch, denn Mozart wusste sich in dieser Sprache nicht nur zu artikulieren, sondern er hat sie weiterentwickelt und vorangebracht. Das zeichnet das Genie aus. (Über Mozart möchte ich hier aber gar nicht diskutieren, sondern nur über die These der Konditionierung).


    Strauss, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist ebenfalls in einem Musikerhaus aufgewachsen, ebenso wie Beethoven. Ist also Musikalität anerzogen?

  • Es ist natürlich auch ein Frage wie man "Musikalität" versteht.
    Persönlich würde ich mich durchaus als "musikalisch" bezeichnen, ich empfinde ein angenehmes Gefühl bei vielerlei Arten von Musik, liebe sie. Ein Musikinstrument würde ich - eher tolpatschig einerseits, und ungeduldig andrerseits, intolerant mir selbst gegenüber dritterseits - nie lernen.
    Es sit also die Frage ob man lediglich für Musik "empfänglich" ist - oder ob man sie erzeugen kann.
    Es wurde bewiesen, daß etliche, die ein Instrument spielen können durch und durch unmusikalisch sind. Ein Arbeitskollege - vor vielen Jahren - präsentierte gerne seine "Virtuosität" am Klavier, daß er einfache Stücke, wie den Minutenwalzer in atemberaubender Geschwindigkeit herunterspielte ohnen einen einzigen Fehler zu machen.
    Er hatte stets ein dankbares, staunendes Publikum.....


    Mir hingegen geht es oft so, daß ich genau wüsste wie eine bestimmte Klaviersonate anders gespielt werden sollte als beispielsweise eine gerade laufende Aufnahme - aber natürlich vermöchte ich es technisch nicht.


    Musikalität ist in meinen Augen ein sehr Vager Begriff, wie "Esprit", "Religiosität" oder "Liebe"


    Dennoch wissen wir alle was gemeint ist.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • @Alfred: Darf ich fragen, wie Du für Musik sozialisiert wurdest? Wie hast Du die Sprache erlernt? Oder war das doch angeboren?


    Das mit dem Instrument kann ich nachvollziehen. Ich habe etwas auf ein paar Instrumenten gelernt, aber bin weit weg von 'guter instrumentalist'. Aber Deine Gefühle, wie man dieses oder das besser machen könnte, kann ich teilen. Man hat eben eine klare Vorstellung, ohne sie umsetzen zu können. Das ist aber doch im Sport nicht anders: ich kann ein hervorragender Trainer sein, ohne selbst mit dem Fuss den Ball vernünftig treffen zu können...


    Ist Musikalität also, die 'Tonsprache' verstehen zu können? Versteht man sie nur mit der Seele oder auch mit dem Verstand?

  • Mozart als Beispiel zu nehmen, ist vielleicht keine besonders gute Idee. Schlechte Statistik. ;) Es ist m.E. aber klar falsch, daß ein beliebiges sehr musikalisches Kind durch entsprechenden Drill zu einem Mozart werden könnte. Das klingt in der Tat nach einer sehr naiven Konditionierungsvorstellen (Watson und Skinner, die behaupteten, beliebige Konditionierungen vornehmen zu können, brachten letztlich einen Knaben dazu, sich vor einem Stoffhund zu fürchten oder irgendwas ähnlich lächerliches....) Wieviel tausend Beinahe-Wunderkinder kommen auf ein erfolgreiches Klavier oder Geige spielendes Wunderkind und wieviele tausend musizierende Wunderkinder auf ein kompositorisches Wunderkind ist und wieviele davon auf einen Mozart oder Mendelssohn, der eben auch dann nicht nur Wunderkind bleibt, sondern sich weiterhin steigert und Außergewöhnliches vollbringt?
    Unabhängig von der Übung gibt es sicher ziemlich viele, recht leicht testbare Kriterien für unterschiedliche Kriterien der Musikalität: Tonfolgen, Akkorde, Melodien, Musikstücke leicht und schnell wiedererkennen, nachsingen können usw. Ob eine "Definition" bei solch einer komplexen Eigenschaft möglich ist, ist eine andere Sache.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • @Johannes: Deshalb habe ich absichtlich auch den 'Advocatus Diaboli' gespielt - ich stimme mit diesen Psychologen auch überhaupt nicht überein. Ein mechanisch spielender Wunderpianist (siehe Alfreds Posting) macht noch keinen musikalischen Menschen.


    Also muss es doch ein 'Musik-Gen' geben? Durch die Tatsache, dass viele Musiker aus Musikerfamilien kommen, ist das ja nicht widerlegt - entweder ist es die Sozialisation oder die Gene.


    Die Frau eines Kirchenmusikers vor einiger Zeit in Meerbusch war hochschwanger und kam immer zum Chor. Das Kind wuchs also buchstäblich mit Musik schon im Mutterleib auf - und war dann immer vollkommen ruhig. War das Kind also musikalisch oder wurde es gerade dazu gemacht?

  • Zitat

    Original von Travinius
    ...
    Strauss, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist ebenfalls in einem Musikerhaus aufgewachsen, ebenso wie Beethoven. Ist also Musikalität anerzogen?


    Glaube ich nicht. Es gibt sicherlich sehr viel mehr Kinder aus musikalischen Familien, die auf dem Gebiet nichts Nennenswertes zustande gebracht haben, als spätere Berühmtheiten. Jedoch ist es sicherlich von Vorteil, wenn Kinder schon in frühester jugend intensiv mit Musik in Berührung kommen. Aber es gibt auch Beispiele von bekannten Musikern, die von zu Hause her keinerlei musikalische Vorbelastung hatten.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Musikalität ist ein sehr komplexes Phänomen. Von daher halte ich es für äußerst schwierig Musikalität zu definieren. Sicher spielen die Gene eine große Rolle, aber auch die frühzeitige Erfahrung mit der Musik.
    Es gibt Kinder, die ein unglaubliches Gespür für Rhythmus haben, aber nicht in der Lage sind, eine Melodie, bestehend aus fünf unterschiedlichen Tönen, einwandfrei nachzusingen. Manche sind auch einfach nicht in der Lage Fehler zu hören.


    :hello:
    Jolanthe

  • Zitat

    (Watson und Skinner, die behaupteten, beliebige Konditionierungen vornehmen zu können, brachten letztlich einen Knaben dazu, sich vor einem Stoffhund zu fürchten oder irgendwas ähnlich lächerliches....)


    Es ist keine Kunst nach unten zu konditionieren, ds funktioniert beinahe von alleine, wenn der Proband nur von Haus aus dumm genug ist...


    Unsere Gesellschaft und der Zeitgeist sind ein treffliches Beispiel hiefür....


    Hartes Training von Untalentierten mag ein gewisses unteres Mittelmaß hervorbringen, schöperisches, musikalisches und guten Geschmack kann man aber nicht anerziehen, wenn hiezu nicht die Anlage bereits gegeben ist.


    Aber auch bei an sich einfachen Dingen versagt die Erziehung gegenüber der Natur:


    Man kann "Gutes Benehmen" und "Höflichkeit" anerziehen, kaum aber je echte Liebenswürdigkeit......
    Desgleichen, wie man sich bewegt. Poliitiker und Manager haben in den letzten Jahren gewisse Dinge trainiert. Dazu gehört ein federnder selbstbewusster Gang, ein fester Händedruck, ein offener Blick (speziell wenn sie lügen !!) und eine feste, sonore, oft künstlich abgedunkelte Stimme. Den natürlichen katzenartigen Liebreiz mancher Menschen kann man jedoch niemals erlernen - der muß angeboren sein....


    Ebensowenig ist "Musikalität" erlernbar, man kann nur eine bestehende Neigung fördern - oder nicht....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob "Musikalität" eindeutig definierbar ist oder gar erlernbar.


    Ich glaube aber, man kann es in Teilen schon definieren und Eckpunkte bestimmen.


    Erstmal Johannes Roehl,
    deinem Beispiel mit Akkorden, Melodien etc. kann ich nicht ganz zustimmen. Das alles sind m.E. Sachen, die komplett erlernbar sind. Nicht ohne Grund verzichten manche Hochschulen mittlerweile auf das Hören von Mehrklängen und deren Umkehrungen etc. Was vielmehr wichtig ist, ist das Verständnis für die Musik. Und hier kommt eben auch die Musikalität ins Spiel. Ein Stück zu hören und zu verstehen, heißt, das eigene Gefühl, dass die Musik erzeugen soll oder erzeugt, versuchen zu übermitteln und darzustellen.


    Ich denke, Musikalität ist nicht, die Techniken zu beherrschen oder hat schonmal jemand Gänsehaut bekommen, weil ein Stück technisch perfekt war?


    Wenn ein Mensch die Möglichkeit hat, die Musik zu spüren, aber auch zu verstehen und dies darzustellen. Sei es innerlich oder sei es - meiner Meinung nach das schönste - auf dem Instrument darzustellen, dann ist er musikalisch. Die Musikalität ist also meiner Meinung nach das intensive Verständnis für die Musik.


    Ich erinnere mich an frühe Wettbewerbe, ich spielte technisch nicht besonders gut, hingegen liebte ich damals schon die Musik und spielte eben ausdrucksstark das, was ich dachte, würde die Musik sagen wollen. Ein Mädchen hingegen, das immer samt großem Trupp zum Wertungsspiel anreiste, spielte das Stück - sauber runter, glatter Ton, aber ohne einen Funken großer Intensivität und Ausdrucks.
    Die Folge dessen ist offensichtlich und ihre Verwunderung, bzw. vielmehr auch die Wut ihrer Familie waren deutlich.

    3 Mal editiert, zuletzt von Johann ()

  • Damit die Frage noch nebliger/diesiger wird, komme ich jetzt mit meinen Übersetzungsproblemen...


    "Musikalität" wird in meine Sprache mit Hilfe der gleichen Zusammensetzung übersetzt, mit der man auch Wörter und Ausdrücke wie Sprachgefühl oder Sinn für Humor übersetzt. All diese "Begabungen" (damit schleicht sich allerdings schon eine Kategoriesierung in die Besprechung hinein...) enthalten einen Teil mit der Bedeutung 'Gefühl/Sinn' und eine Spezifikation (Sinn/Gefühl zu/für Musik, Mathematik, Sprache, Humor, es gibt auch Farbgefühl und Ballgefühl! Fußballfans können sich freuen.)


    Frage: Gehören sie alle so zusammen, wie das die einheitliche Bildung eingibt?


    (zur Illustration die ungarischen Wörter: zenei érzék, matematikai érzék, nyelvérzék, humorérzék, színérzék, labdaérzék...)


    Inzwischen muss ich mich doch etwas korrigieren: neulich gibt es auch das Fremdwort "Musikalität" in einer etwas verhungarisierten Form, darunter wird etwa ein besonders hoher Grad an 'Gefühl/Sinn für/zu Musik' verstanden, insbesondere in Musikkritiken, also in einer spezifischen Fachsprache.


    Nun? Diesig/neblig/verschwommen genug?


    :D:hello: KP

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Unabhängig von der Übung gibt es sicher ziemlich viele, recht leicht testbare Kriterien für unterschiedliche Kriterien der Musikalität: Tonfolgen, Akkorde, Melodien, Musikstücke leicht und schnell wiedererkennen, nachsingen können usw.


    Mein Onkel konnte nur falsch singen. Darum mußte er Klavierspielen lernen. Bis zu seinem Tod hat er aber falsch gesungen. :D


    LG, Paul

  • Habe nicht alles gelesen. - Es ist mit der Musikalität ähnlich wie mit dem fruchtbaren Boden: Ist er gegeben, kann man entsprechend säen und ernten.
    Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, dass ein Mensch, der ein Instrument spielt, nicht singen kann! - Das korrekte Nachsingen eines Tones setzt die Fähigkeit voraus, sich den Ton erst einmal in der richtigen Höhe vorzustellen. - Wie/Was mag ein Mensch hören, der nicht singen kann?? -
    Ich kann es nicht verstehen!


    Freundliche Grüße,


    Melisma :hello:

  • Zitat

    Original von Melisma
    Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, dass ein Mensch, der ein Instrument spielt, nicht singen kann! - Das korrekte Nachsingen eines Tones setzt die Fähigkeit voraus, sich den Ton erst einmal in der richtigen Höhe vorzustellen. - Wie/Was mag ein Mensch hören, der nicht singen kann?? -
    Ich kann es nicht verstehen!


    Tja ich kann nicht singen, bin aber diplomierter Pianist. Was andere hören, weiß ich nicht, das ist so wie beim Farbenblinden: niemand weiß genau was der sieht, außer daß er nur schwarz/weiß sieht, oder grau/grün? Weiß man bis heute auch nicht, da er es nicht sagen kann, da er keine Farben kennt.
    Die Gründe fürs Nicht Singen können sind viele: schon allein, das Nicht Singen ist einer, die Stimmbänder rosten dann wohl ein, und dann gibt es noch viele andere pathologische Gründe: nur als Kind sang ich gerne und gut. Was nun also? Was höre ich?
    Wohl genau dasselbe, was andere hören, oder zu hören meinen.
    LG Michael:hello:


  • Durch Anerziehung. Man lernt mit der Zeit, sich den Ton vorzustellen. Ich weiß zum Beispiel, wie ein kleines D oder F zu klingen hat.


    Ob Musikalität sich definieren lässt? Kommt wohl drauf an, was man darunter versteht. Ist Musikalität jetzt der reine "Spaß" an Musik oder eher das Talent zu deren Ausübung? Wenn ersteres, dann lässt es sich definieren; bei letzterem scheiden sich wohl die Geister.


    :hello:

  • Zitat

    Original von Basti
    Durch Anerziehung. Man lernt mit der Zeit, sich den Ton vorzustellen. Ich weiß zum Beispiel, wie ein kleines D oder F zu klingen hat.


    Wenn Du Dich da mal nicht irrst... wenn nämlich z.B. das Orchester nicht auf 440 sondern auf 415 Hz gestimmt ist, wirst Du ziemlich alt aussehen mit Deinem 'Wissen'...


    :D


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)


  • Wahrscheinlich werden zu meiner Zeit dann auch noch die Kehlköpfe umgestimmt :no:...


    :D

  • Ich wollte damit nur sagen, daß das sogenannte absolute Gehör relativer Quatsch ist, da es ja auf die Stimmung, also den Bezugspunkt ankommt. Und nicht immer ist a' = 440 Hz, sondern eben auch mal 415 bei alter Musik (oder alles andere dazwischen); das wäre an a' = 440 Hz gemessen etwa (nicht ganz) ein gis' :P


    D. h., daß sich die menschlichen Stimmen da wohl gelegentlich anpassen müssen...


    Insofern ist das absolute Gehör auch nur relativ... Ein Hubschrauber kann nur in Es-Dur vorbeischrauben, wenn der Bezugspunkt klar ist, denn sonst ist es für den 440er-Absoluthörer Es und für den 415er-Absoluthörer (fast) ein E bzw. Fes, capisce?


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich habe das Problem, dass ich mir einen Ton klar vorstellen kann - nur vermag ich meinen Kehlkopf nie auf Anhieb zu überreden, diesen Ton auch hervorzubringen. Es gibt eine Hand-Auge-Koordination, anscheinend auch eine Ohr-Kehlkopf-Koordination, und da bin ich Legastheniker.


    Ich betrachte mich als sehr musikalisch, kann aber keine gerade Melodie singen.


    Schade. Ist vielleicht erlernbar, aber dazu fehlen mir derzeit Zeit und Geduld.

  • Zitat

    Original von Basti


    Wahrscheinlich werden zu meiner Zeit dann auch noch die Kehlköpfe umgestimmt :no:...


    :D



    Hat ja nicht großartig was von "zu späteren Zeit dann auch Kehlköpfe umgestimmt" zu tun. Mellet-Instrumente haben z.B. in Teilen einfach eine andere Stimmung - aus Materialgründen. Und sei es nur 5 Hz. Da müssen sich die anderen, bei denen Umstimmen leicht ist, eben nach richten.


    Der Vater einer Freundin ist Festangestellt beim NRD Orchester und hat eben ein absolutes Gehör. Und das, sonst oft sehr hilfreiche absolute Gehör (z.b. bei Mehrklängen oder Intervallen etc) ist dann eine große Last, vorallem als Bläser oder Streicher, wo du dir eben den Ton vorstellen musst, wissen musst in welcher Höhe er zu klingen hat. Du spielst also den in 415 Hz richtigen Ton irgendwann, doch für dich klingt alles schief, jedes Instrument. Eine große Last, die man dann eben zu bewältigen hat.


    Zitat

    Original von Travinius
    Ich habe das Problem, dass ich mir einen Ton klar vorstellen kann - nur vermag ich meinen Kehlkopf nie auf Anhieb zu überreden, diesen Ton auch hervorzubringen. Es gibt eine Hand-Auge-Koordination, anscheinend auch eine Ohr-Kehlkopf-Koordination, und da bin ich Legastheniker.


    Ich betrachte mich als sehr musikalisch, kann aber keine gerade Melodie singen.


    Schade. Ist vielleicht erlernbar, aber dazu fehlen mir derzeit Zeit und Geduld.


    Kann man aber relativ leicht erlenen, es gibt eine Menge Möglichkeiten, das gut von Grund auf zu lernen. Ich war da auch eher Legastheniker, nie begabt in dieser "Ohr-Kehlkopf-Koordination". Helfen tut da übrigens, sich den Tongriff etc auf dem Instrument vorzustellen. Viele Verknüpfungen mit anderen Nervenbahnen helfen sehr. Und natürlich gezielte Übung. Ton spielen, hören, dann Ton weg, dann versuchen nach zu singen ohne dass der Ton klingt und danach Ton spielen und ggf. korrigieren. Irgendwann hat man dann den Bezug, bei mir zumindest fehlte da irgendeine Verknüpfung, ich weiß nicht und irgendwann macht es "klick" und es geht deutlich besser.

    2 Mal editiert, zuletzt von Johann ()

  • Michael, in deinem Falle sind die Gründe verständlich: Du hast als Kind gut und gerne gesungen, später hast du deine Kehle nicht mehr in Bewegung gesetzt und sprichst sogar von "einrosten" der Stimmbänder.


    Ich kann diejenigen nicht verstehen, die ein Instrument zwar spielen, aber - ohne irgendwelche anatomischen Gründe - die gespielten Töne nicht nachsingen können. - Wenn dem so ist, dass eine Vorstellung des gespielten Tones voraus geht, er aber nicht korrekt abgesungen werden kann, dann frage ich mich, welchen Ton diese Menschen hören.
    Ist es nicht so, wie beim Hinaufsteigen einer Treppe? - Ich habe zunächst eine Vorstellung von der Höhe der einzelnen Stufe. - Erst danach setze ich einen Fuß vor den anderen. - Ist diese Vorstellung nicht gegeben, riskiere ich zu stolpern. -


    Musikalische Grüße,


    Melisma :hello:

  • Travinius, wie willst du beurteilen, ob deine Linie "gerade" gesungen ist? -
    Du bräuchtest - um sicher zu gehen - einen Frequenzmesser. - Ein Vibrato ist kein "gerader" Ton. - Oder meintest du, dass du beim Singen von einer Tonart in die andere kommst?


    :hello: Melisma

  • Ich meine, dass der Ton einfach nicht der ist, den ich wollte.


    In sich passt das schon, Intervalle kann ich nachsingen und halbwegs intonieren. Aber bis ich mal einen Anfangston genommen habe...

  • Wie definiert man Musikalität, musikalisch...ist es dasselbe wie talentiert? Ich denke, es hat damit nichts zu tun. Musikalisch ist der, der die Töne richtig wiederzugeben vermag, ein gutes Gehör hat, das ist bei einem Geiger besonders wichtig, alle Töne auf 4 Seiten richtig zu hören. Kann man es lernen zu hören oder muss jemand wirklich Talent dazu haben? Man kann es lernen.
    Ich erinnere mich an die Zeit als ich Geigenspielen lernte. Zunächst waren es schrecklich schiefe Töne, mit der Zeit wurde es immer besser, das Gehör lernte zu hören...und wurde immer besser, dazu ist auch natürlich das Üben wichtig.


    So ähnlich ist es auch mit der Stimme, falsche Töne, besser gesagt Intonationen die nicht stimmen kann man nur lernen, wenn man es selber hört, so auch auf der Geige.


    Jemand, den man unmusikalisch nennt, dem fehlt das Feingehör, da ist manchmal Hopfen und Malz verloren.


    Das absolute Gehör ist zum Beispiel meiner Meinung nach ein Mensch, der sehr musikalisch ist, die Tonvorstellung hat und auf Anhieb einen Ton bestimmen kann. Doch wie sehr leidet dieser unter falschen Tönen, die manchmal kaum hörbar sind.

  • Liebe Musica,


    ich glaube nicht, dass ein Absoluthörer besonders musikalisch ist.
    Eine Tonvorstellung haben auch die Relativhörer. - Vom Absoluthörer wird ja behauptet, er sei nicht in der Lage, einen Akkord zu benennen, sondern nur einzelne Töne, was nicht stimmt, nachdem, was mir eine Absoluthörerin bewiesen hatte.
    Ich denke, Musikalität ist nicht von den beiden Hörfähigkeiten (Absolut- und Relativhören) abhängig.


    :hello: Melisma


  • Das absolute Gehör ist angeboren in großen Teilen oder muss intensiv während der Kindheit angelernt werden. Es gibt/gab Länder - vergebt mir, dass ich es nicht mehr genau sagen kann, war letztens Thema bei einem SVA Wochenende an der Hochschule Lübeck - wo Kinder eben im Kindergarten mit Solmisation groß werden. Sie singen eben, springen umher. Sie wissen dann irgendwann wie "Sol" klingen muss. Die Silben haben dann eben feste Tonhöhen und sind nicht nur Stufen von Tonleitern. Dadurch haben viele ein nahezu absolutes Gehör entwickelt. Generell kann man das aber schwer lernen!


    Ich würde nicht sagen, dass eben dieser unbedingt musikalisch ist. Und ich würde auch nicht sagen, musikalisch ist der, der Töne richtig wiederzugeben vermag. Es geht einher mit dem "musikalisch" sein, dass man einen besseren Bezug zum Erlenen dieser Fähigkeiten hat, doch das alles ist, ich wiederhole mich da gern, "Handwerkszeug", kein Ausdruck besonderer Musikalität. Siehe mein Beitrag weiter zu Beginn des Themas, über Verständnis etc. Und nein, es ist nicht dasselbe wie Talent. Talent hat man, kann eventuell ein Instrument leichter lernen. Muss aber nicht unbedingt besonders musikalisch sein. Aber natürlich, es geht oft Hand in Hand, wäre auch schade wenn nicht.


    Ich muss dir, musica, aber im Großen und Ganzen widersprechen.

  • [quote]Original von Travinius
    Ich meine, dass der Ton einfach nicht der ist, den ich wollte.


    Wie groß ist denn der Unterschied vom "gesollten" Ton zum "gewollten" Ton?
    Ist es nur eine kleine Sekund? - Oder gleich eine Quarte oder Quinte?


    Melisma :hello:

  • Zitat

    Original von Johann
    Das absolute Gehör ist angeboren in großen Teilen oder muss intensiv während der Kindheit angelernt werden.


    Ich hörte am Mittag eine Radiosendung. Da war einer, der sogar darüber ein Buch geschrieben hat.
    Er behauptete, daß sowohl Menschen als Tiere das absolute Gehör haben. Wenn aber Menschen ungefähr 5-6 Jahre alt sind, wächst bei Ihnen das relative Gehör und überdeckt sogar das absolute. Dadurch sind wir in der Lage, auch wenn eine Melodie in einer anderen Tonart gespielt wird, sie doch zu erkennen als... (was denn auch).


    Das fehlt bei Tiere, sagte der Mann. Und für ihn ist dies Musikalität.

  • Musikalität wäre also, nach Ansicht dieses Buchautors, die Fähigkeit, eine Melodie in verschiedenen Tonarten zu erkennen? - Das ist mir gar zu einfach! :yes:

  • Zitat

    Original von musicophil


    Ich hörte am Mittag eine Radiosendung. Da war einer, der sogar darüber ein Buch geschrieben hat.
    Er behauptete, daß sowohl Menschen als Tiere das absolute Gehör haben. Wenn aber Menschen ungefähr 5-6 Jahre alt sind, wächst bei Ihnen das relative Gehör und überdeckt sogar das absolute. Dadurch sind wir in der Lage, auch wenn eine Melodie in einer anderen Tonart gespielt wird, sie doch zu erkennen als... (was denn auch).


    Das fehlt bei Tiere, sagte der Mann. Und für ihn ist dies Musikalität.


    Das ist wahr. Es gibt Theorien die behaupten, jedes Kleinkind hätte sozusagen ein absolutes Gehör, das aber eben verloren geht, wenn nicht andersweitig gearbeitet wird. Dass dies ein Mensch bis 5-6 Jahren haben soll, halte ich für etwas zu lange.


    Und das als Musikalität zu bezeichnen ist mir auch zu einfach. Und, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich da auch einfach eine andere Meinung, die ich m.E. gut darstellen kann.