Kammermusik aus der "zweiten Reihe" - im Rampenlicht

  • Um es gleich vorwegzunehmen, unter "zweite Reihe" verstehe ich in diesem Zusammenhang nichts wirklich "zweitrangiges", sondern Stücke von Komponisten, die (heute) relativ wenig bekannt sind.
    Zum Teil ist das beispielsweise der Fall, wenn ein Komponist sich speziell auf Kammermusik spezialisiert hat, Man kann, wenn man beispielsweise nur EINE erfolgreiche Oper komponiert hat, schnell allgemeint bekannt werden, oder EIN erfolgreiches Violinkonzert (z.B. Max Bruch) . aber kaum je, wenn man ausschliesslich oder vorzugsweise Kammermusik komponiert hat,


    Wie dem auch sei:


    Die Kammermusikfreunde sind hiemit aufgerufen, interessante Werke der Kammermusik anzuführen, von Komponisten geschrieben, die den Sprung in die erste Reihe aus irgendwelchen Gründen (noch?) nicht geschafft haben - aber durchaus hörens- und besitzenswert erscheinen.
    Aber auch Komponisten, die einst als absolute Meister ihres Fachs galten und ein wenig - oder völlig - in Vergessenheit geraten sind, sind hier gefragt.


    Man wird hier sowohl "Meisterwerke" als auch lediglich "gute Kammermusik" finden - interessant ist sie alle mal.
    Die Erfahrung - seit ich dieses Forum führe - hat gezeigt, daß bei vorhandem Interesse sich der schnelle Kauf lohn, die Aufnahmen verschwinden - auch bei hervorragenden Kritiken . oft schneller vom Markt als man sich zum Kauf entschliessen kann.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Wer wäre denn ein Beispiel für die "zweite Reihe"?
    Es gibt ja Komponisten, die zwar große Sinfonien geschrieben haben, zB Mahler oder Bruckner, aber bei der Kammermusik eher dünn abgeliefert haben.
    Auch Verdi oder Strauss hatten es nicht so mit der Kammermusik.
    Ist Sibelius, der ein recht breites Kammermusikschaffen aufzuweisen hat, nun 2. Reihe? Tritt Dvoraks Kammermusik hinter seine Orchesterwerke zurück?
    Was ist mit Schumann, der ja eher mehr Kammermusik bzw Klaviermusik geschrieben hat als Orchesterwerke?
    Und dann wäre noch zu klären, wie es um weniger bekannte Kammermusik bei Leuten der 1. Reihe steht, zB Beethovens Sextett und Septett. Oder mit den verschiedenen Epochen. Vivaldi oder Boccherini haben ja überhaupt viel für kleinere Ensembles geschrieben.

  • Ich vermute mal, Alfred meint zwar auch weniger bekannte Kammermusik bekannter Komponisten (sagen wir Verdis Quartett, das aber sogar einen eigenen Thread hat, oder das von Sibelius), hauptsächlich aber solche weniger berühmter Komponisten, also etwa von Ries oder Spohr.
    Die (meisten) Kammermusikwerke von Schumann oder Dvorak ist fraglos erstklassig und im Rampenlicht.


    Es gibt bereits einen ähnlichen, etwas spezielleren thread:


    Unbekannte Meister...


    sowie Volkmann, Reinecke, Rubinstein und Raff


    Angesichts der eher flauen Resonanz, die selbst herausragende Kammermusikwerke in diesem Forum hervorrufen, bin ich daher etwas skeptisch, ob ein weiterer Thread erforderlich ist.


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Hierzu fällt mir spontan Christoph Graupner ein, dessen Werke mir unbekannt waren.
    Diese beiden CDs mit Ouvertüren u.a. haben mich begeistert. Sie halten einen Vergleich mit J.S. Bach stand, aber wie auch immer, Graupner geriet in Vergessenheit.

    mfG
    Michael

  • Bei Alfreds Beschreibung seiner Idee zu diesem Thread kommt mir sofort ein Werk in den Sinn, das - fast gänzlich unbekannt - für mich eines der kompositorisch interessantesten und mittlerweile auch eines meiner liebsten Kammermusikwerke ist: Das Klavierquintett von Tanejev.




    Tanejev war Solist der Uraufführungen der meisten Werke für Klavier und Orchester von Tschaikowsky und Lehrer von Skrjabin und Rachmaninoff.


    Man höre auf die dichte, polyphone Stimmführung in den Ecksätzen, die Passacaglia im langsamen Satz und das originelle Scherzo - Sommernachtstraum auf Russisch!


    Maßgeblich zu meiner Begeisterung für dieses Stück hat die famose Aufnahme mit Mikhail Pletnev und seinen Partnern Vadim Repin, Ilya Gringolts, Nobuko Imai und Lynn Harrell beigetragen.


    Eine echte Entdeckung!





    Cover von MOD 0001 Alfred eingefügt

    “Music is enough for a lifetime, but a lifetime is not enough for music”
    Sergei Rachmaninov

  • Hallo, guten morgen,


    EMI hat 1977 eine LP-Kasette mit dem Consortium classicum herausgebracht, die den Titel "Franz Schubert und seine Freunde" trägt.
    Neben nicht ganz so bekannten Werken Franz Schuberts (z.B. Streichtrio D 471 , Bläseroktett D 72 oder Nonett D 79) tauchen hier Werke von Franz Lachner, Maximilian Joseph Leidesdorf oder Leopold Jansa auf.
    Besonders interessant sind zwei Stücke von Anselm Hüttenbrenner, nämlich ein Streichquintett in c-moll und ein Streichquartett in E-Dur.
    Besonders im Streichquartett ist die Nähe Schuberts auf Schritt und Tritt zu spüren (z.B. Tod und das Mädchen).
    Die Ausführenden sind Rainer, Wolfgang und Jürgen Kussmaul (Violinen, Viola), Henk Guittart (Viola) und Alwin Bauer (Violoncello).
    Obwohl es sich um recht gefällige Stücke handelt, wird klar warum sich auf Dauer nur Schberts Werke durchsetzen konnten. Der Vergleich ist aber allemal lohnend.
    Ob die Aufnahmen jemals auf CD erschienen sind, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Viele Grüße
    santoliquido

    M.B.

  • Zweite Reihe? Was soll das heissen?


    War Leopold Kozeluch, der von Mozarts Vater ernsthaft als Rivale seines Sohnes gesehen wurde, ein Komponist der "zweiten Reihe"?
    Damals wohl kaum, wenngleich aus einer Äusserung Kozeluchs, die uns überliefert ist, geschlossen werden kann, daß er Mozarts Genie sehr wohl über seine eigenen Fähigkeiten stellte: Der Salzburger Erzbischof Graf Colloredo suchte einen Nachfolger für Mozart und machte Kozeluch ein Angebot in der DOPPELTEN Höhe des Gehalts, das Mozart bezogen hatte. Dieser lehnte höflich ab, schrieb aber an einen Bekannten, er sei doch nicht verrückt in den Dienst eines Mannes zu gehen, der das Genie Mozart wie einen Lakaien behandelt habe, wie werde er dann erst mit ihm, Kozeluch umgehen???


    Heute ist Kozeluch nur mehr einer Minderheit von Klassikkennern ein Begriff.


    Genug der Einleitung:


    Hier eine weitere Vorstellung eines Kammermusikwerkes eines Komponisten der "zweiten Reihe":



    Er wird nicht nur von Zeitgenossen, sondern auch von heutigen Kritikern durchaus in eine Reihe mit Mozart oder Haydn gestellt.
    Die hier aufgenommenen Klaviertrios sind lediglich 3 von 63, die Kozeluch nachweislich komponiert hat. Ihre volle Schönheit habe ich beim ersten Mal Hören nicht mitbekommen, umso beeindruckter, war ich beim heutigen Wiederhören, welches im Rahmen einer Recherche für diesen Thread stattfand.´Trio 1790 spielt auf Originalinstrumenten, die CD kostet bei jpc derzeit 5.90 Euro


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Diese Rossini-Kompositionen (Streichersonaten Nr. 3 & 6) dürften unter die Überschrift passen:


    Weitgehend unbekannt, aber sehr reizvoll. :jubel:


    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Diese Rossini-Kompositionen (Streichersonaten Nr. 3 & 6) dürften unter die Überschrift passen:


    Weitgehend unbekannt, aber sehr reizvoll. :jubel:


    Na ja, seit der legendären Einspielung, mit der die Academy of Saint Martin in the Fields praktisch über Nacht weltberühmt wurde, gehören Rossinis Streichersonaten zu den berühmtesten unbekannten Werken überhaupt.

    ;)


    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



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  • Zitat

    Wer wäre denn ein Beispiel für die "zweite Reihe"?


    Ich sehe, der Thread leidet an Definitionsfragen.
    In der Tat ist auch schwer zu definieren wer in die erste, wer in die zweite Reihe gehört. Die Übergänge sind fliessend.
    Ist Dittersdorf bereits 2. Reihe ?
    Ich meine, das ist in diesem Zusammenhang weniger eine Frage der Qualität, sondern eine des Bekanntheitsgarades.
    Ich meine in diesem Kontext kann man ihn getrost in die 2. Reihe stellen, denn von Dittersdorf ist grade mal eine Oper bekannt (die aber - drauf möchte ich wetten - nur ganz wenige hier im Forum kennen. Dann giibt es noch einige Sinfonien, die einige dem Namdne nach kennen. Mit Kammermusik schauts da schon trübe aus...
    Also doch 2. Reihe...


    Kein Zweifel jedoch dürften beim nächsten Kandidaten aufkommen: Joseph Bengraf (1745-1791). Kaum jemand wird von diesem veritablen Vertreter der Wiener Klassik schon gehört haben, selbst die hier vorgestellte Hungaroton-Aufnahme von Sechs Streichquartetten mit dem Festetics-Streichquartett ist den Angaben des Labels zufolge eine Ersteinspielung ...



    Ob sie wohl hörenswert ist ?


    Coverbild anklicken und selber hineinhören .......



    mfg


    aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......



  • Nach 5 Jahren Pause setze ich den Thread fort. Interessant wie sich die Zeit4n ändern: Ich glaube kaum, daß heute jemand Christoph Graupner als Komponisten der 2. Reihe bezeichnen würde. Auch Tanejew würde ich heute nicht dort sehen. Es ist halt immer alles eine Frage des Blickwinkels und der Zeit in der eine Einschätzung abgegeben wird.....


    Ich glaube indes, daß die heute hier vorgestellten 5 Streichquartette des Weimarer Hofkapellmeisters Ernst Wilhelm Wolf (1735-1792) gut in diesen Thread passen. Insgesamt hat er - soweit bekannt - 12 geschrieben.


    Das Pleyel Quartett Köln spielt auf alten Instrumenten, welche mit Darmsaiten bespannt sind - was einen Klang ergibt, der Geschmackssache ist.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......



  • Wäre da nicht der quietschende Ton eines der "historischen Instrumente" - man könne laut aufjubeln, so lieblich und beschwingt klingen die 6 Streichquartette von Bartolomeo Campagnoli (1751- 1827), einem Schüler Tartinis. Covertext und Musiklexikon sind sich über die Bedeutng Campagnolis einig, wogegen ich im Harenberg Kammermusikführer, an der Stelle wo er eigentlich zu finden sein müsste, nur "Cage" fand...... :thumbdown:

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Dann möchte ich auch gerne noch mein Scherflein zu diesem Thread beitragen in Form von Werken von Franz Krommer. Der Komponist, der angeblich sogar mit Franz I. in den Krieg ziehen musste, damit dieser sich abends beim aktiven Musizieren im Quartett erholen konnte, ist für mein Empfinden kein Komponist der 2. Reihe, wiewohl man auch sicherlich darüber diskutieren kann, wie bekannt er beim breiten Publikum denn nun eigentlich ist - immerhin findet man schon ein paar Einspielungen. Nun denn, jedenfalls halte ich diese CD für sehr erwähnenswert, und derzeit ist sie für lächerliches Geld (2,99) bei jpc erhältlich. Es wird auf historischen Instrumenten musiziert, und die Kompoistionen nehmen weniger durch schmelzende Melodien als durch ihren Rhythmus und ihre Lebhaftigkeit ein.

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Immer wenn ich einen Komponisten in diesen Thread einordne, dann packt mich unterschwellig ein schlechtes Gewissen, denn die meisten der hier genannten Komponisten waren zu Lebzeiten sicher keine Vertreter der "zweiten Reihe" Dennoch müssen wir sie ja unter irgendeinem Begriff zusammenfassen. So ist der heute hier vorgestellte Komponist, Vincenzo Manfredini (1737-1799) mit Sicherheit weniger bekannt als sein Vater Francesco Manfredini (1684-1762), von dem unter anderem das berühmte "Weihnachtskonzert" stammt. Manfredini junior schrieb unter anderem Opern und Sinfonien. Vom Segment der Streichquartette sind 6 Werke überliefert. Sie sind sehr gefällig zu hören, ich würde fast sagen, volkstümlich und ein wenig tändelnd, leicht und luftig und stehen stark im Kontradt zu den "gelehrten" Quartetten eines Joseph Haydn. Unterhaltungsmusik im besten Sinne das Wortes also..


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......



  • 3 Streichquartette hat Johann Wenzel KALLIWODA (1801.1866) geschrieben - und zwar in relativ dichter Folge hintereinander (1835 - 1836 - 1836) Ich fand den ersten Satz des ersten Quartettes etwas nüchtern (sperrig wäre wohl übertrieben) aber schon beim zweiten Satz verflüchtigte sich dieser Eindruck. Der dritte Satz beginnt mit einem Pizzicato, da hatter er mein Herz schon gewonnen. auch der weitere Verlauf des Satzes bot nur Anlass zur Freude. Ein rasanter 4. Satz bringt das interessante Quartett zu seinem Ende. Auch bei den beiden weiteren Quartetten zeigt sich Kalliwoda als origineller einfallsreicher Komponist, bei dem ich kein direkten Vorbilder orten kann. Das Sahnehäubchen für mich ist indes der Finalsatz des Quartetts Nr 3 - ein Ohrwurm in Reinkultur...

    mfg aus Wien
    Alfred


    ACHTUNG: Die gleiche Aufnahme war zuvor unter dem Label CALLIOPE vermarktet worden!!

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo!


    Ich bin derzeit dabei, den Teil II des Kammermusik - Kanons zu einem - zumindest vorläufigen - Ende zu bringen. Anschließend folgt der wahrscheinlich anspruchsvollste Teil der mehrstimmigen Besetzungen ohne Klavierbegleitung.


    Spannend finde ich bei der Beschäftigung mit den Themen der Kammermusik auch, wie viele hervorragende und spannende Stücke es "aus der zweiten Reihe der Komponisten" gibt. Inspiration dafür erhalte ich immer wieder auch durch den Thread über gerade gehörte klassische CDs.


    So wurde ich durch Garaguly auf den Komponisten Joseph Holbrooke und seine Klavierquartette aufmerksam. Was ich gerade höre ist allerdings nicht die CD, die Garaguly eingestellt hatte. Da ich derzeit amazon music teste, greife ich auf die Einspielungen zurück, die ich dort kostenfrei hören kann.



    Bitte macht in diesem Thread auf solche Komponisten und ihre Werke aufmerksam. Ob daraus irgendwann eine Listung entsteht, weiß ich noch nicht.


    Der Übersichtlichkeit halbe schlage ich auch hier vor (auch wenn es vielleicht weh tut), auf Klaviersonaten und Streichquartette zu verzichten.


    Gruß und Danke
    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Mozart war grade mal 13 Jahre alt, als Maddalena Lombardini (1745-1818) - eigentlich hieß sie nach ihrer Vermählung mit dem einem italienischen Geiger, Maddalena Sirmen - diese wunderschönen sechs Streichquartette schrieb. Sie war Sängerin, Violinistin und Komponistin. Es sind an die 30 Werke von ihr überliefert, darunter 6 Violinkonzerte op 3, die 2006 bei HUNGAROTON auf 2 CDs erschienen, inzwischen aber bereits gestrichen sind....
    Auf der in meinem Besitz befindlichen CD mit den Streichquartetten (sie erinnern ein wenig an Boccherini) stehen falsche Lebensdaten (1735-1799), alle anderenQuelle ben 1745-1818 an......


    mfg aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo!


    Durch Garaguly wurde auf den Komponisten Joseph Holbrooke und seine Klavierquartette aufmerksam. Was ich gerade höre ist allerdings nicht die CD, die Garaguly eingestellt hatte. Da ich derzeit amazon music teste, greife ich auf die Einspielungen zurück, die ich dort kostenfrei hören kann. Das ist Kammermusik, die sich in der zweiten Reihe nicht zu verstecken braucht:



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • KRUG Arnold: Streichsextett op. 68

    Oft habe ich ein ausgesprochen schlechtes Gewissen, wenn ich einen Komponisten hier vorstelle, denn auch wenn bei "zweiter Reihe" ein Apostroph steht - ene Abwertung ist es dennoch.

    Im konkreten Falle ist es indes so, daß der Komponist nicht genügend Kammermusik geschrieben hat ......


    Gehört habe ich heute das Streichsextett. Das Klavierquartett folgt zu einem späteren Zeitpunkt

    Sogleich nach den ersten Tönen bemerkt man, daß man es hier mit einem Komponisten mit Profil zu tun haben, Alles klingt ein wenig eigenwillig - kein Brahms-Verschnitt, wie ich eigentlich erwartet hätte. Ein sehr wirkungsvolles Werk, das anlässlich eines Preisausschreibens (1896) geschrieben wurde - und den Preis gewamm.


    Es handelte sich hierbei und das Preisausschreiben des Dresdner Instrumentenbauers und Komponisten Alfred Stelzner (1852-1906) , der zwei neue Instrumente auf den Markt bringen wollte, die Violotta und das Cellone.

    Dazu benötigte er indes Stücke, die für diese Instrumente geschrieben wurden, und so veranstaltete er ein Preisausschreiben. Das Streichsextett hatte ursprünglich den Titel "Ernst ist die Kunst", aber als das Werk in Druck ging bekam es den Titel "Preis-Sextett"

    Ich finde es sehr MARKANT. Kein Geringerer als das Jurymitglied Felix Draeseke verfasste den Gratulationsbrief:


    Zitat

    In der Stelzner-Conkurrenz hat Ihr Sextett ‚Ernst ist die Kunst’ die Stimmenmehrheit erhalten und es macht mir spezielle Freude Ihnen dies mitzuteilen, weil auch meiner Ansicht nach hiermit die wirklich wertvollste der Einsendungen gekrönt worden ist.


    Wir hören hier eine Fassung für herkömmliche Instrumente, die Krug geschrieben hatte um eine bessere Breitenwirkung für seine Komposition zu erhalten. Er traute offenbar den neuen Instrumenten nicht zu, daß sie sich am Markt durchsetzen würden. Und er tat gut daran, denn kaum jemand schrieb Werke für diese Exoten und der Geigenbauer geriet durch die Insolvenz seiner Firma in finanzielle Schwirigkeiten und beging am 9. Juli 1906 Suizid

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


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  • Neulich gab es bei jpc eine Atma-Preisaktion (sehr schnell vorbei, regulär sind die eher teuer), da habe ich Trio und Klavierquintett von Gabriel Pierné geschnappt. Geschrieben am Beginn des 20. Jhds., aber eher der Spätromantik zuzuordnen, quasi zwischen Franck und Fauré. Wohl keine ganz großen Werke und beide vielleicht ein bißchen lang (je etwa 40 min), aber durchaus hörenswert. Das Quintett von Louis Vierne (der hauptsächlich als Orgelkomponist bekannt ist) ist düsterer und auch lohnend. Es gibt andere Einspielungen (u.a. Hyperion), aber die Auswahl hält sich in Grenzen.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    (Bob Dylan)

  • Leone Sinigaglia (1868-1944)


    Leone Sinigaglia (1868–1944) ist sicherlich eine einzigartige Figur in Geschichte, indem er nicht nur als Komponist bekannt war, aber als Bergsteiger. Er wurde in Turin geboren und studierte an dem dortigen Konservatorium mit dem Komponisten und Geiger Giovanni Bozen (1841–1919). Seine Vorliebe für Bergsteigen führte dazu, dass er viele Ferien in Cavoretto verbrachte, südöstlich von seine Heimatstadt, ein Ort, der ihm nicht nur die Gelegenheit gab seine Kletterfähigkeiten zu trainieren, jedoch inspirierte ihn aber kreativ.


    Später reiste er nach Europa und verbrachte ab 1894 Zeit in Wien (wo er Brahms kannte) und ab 1900 in Prag (wo er Dvořák traf). 1901 kehrte er nach Turin zurück, wo er anfing, eine große Anzahl von Arrangements von Volksliedern zu machen, deren großer Erfolg initiiert wurde durch die Veröffentlichung von Breitkopf & Härtel der sechs Bände von Vecchie Canzoni popolari del Piemont, Op. 40, veröffentlicht zwischen 1914 und 1927.


    Sinigaglias Tod war tragisch. Im Jahr 1944, im Alter von 75 Jahren, er sollte in ein Konzentrationslager in Deutschland deportiert werden Bericht über seine jüdische Herkunft. Zwei SS-Soldaten erschienen bei das Krankenhaus, in das er von einem Freund überredet worden war, mit seiner Schwester. Im Moment erlitt er einen Herzinfarkt seiner Verhaftung jedoch und starb sofort. Seine Schwester starb einige Tage später.

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Ein interessanter Thread. Zeigt er doch wie Einschätzuingen sich ändern. Ich würde heute nicht mehr wagen Kozeluch in die zweite Reihe zu stellen, ebensowenig wie Graupner und Krommer. Sie haben sich - zumindest was Aufnahmen betrifft - allmählich einen ehervollen Platz im entsprechenden GEnre erworben - was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß Kammermusik - vor allem bei jungen Leuten - enen gewissen "Popularitätssprung" hinter sich hat.

    Manchmal ist indes alle Liebesmüh vergebens, denn die gezeigte CD wird derzeit um 2.99 Euro abverkauft. Was nicht nach einer Erfolgsstory aussieht. Die Welt ist ungerecht - und das Klassikpublikum im speziellen. Stet wird gejqammert wenn es irgend etwas nicht gibt, und so das der Fall ist, negaiert man es .

    Schauen wir mal was Christian Ernst Graf (1723-1804) zu bieten hat: Auf dieser Aufnahme zunächst 5 Streichquartette (insgesamt gibt es 12 - 2 mal 6, wie damals üblich. Scheinbar war auf der CD nur Platz für 5 Quartette.

    Das Via Nova Quartett (aus Deutschland (Saar) - vorsicht es gibt ein gleichnamiges in Paris)

    Wikipedia konnte mir nicht verraten, ob dieses Quartett noch existiert, indes sind alle Musiker als Lehrende tätig.

    Das Ensemble hat einen sehr spezifischen Klang mit einer leicht hervorstechenden Violine, welche die - so vorhande - "klagenden" stellen betont.

    Kommen wir zu den Streichquartetten: Fast ein Kompliment: Die Werke klingne NICHT 8wie viele andere dieser Zeit) nach unbekanntem Hayd, sondern haben eien völlig eigenes Profil. Teilweise "klagend, dann wieder mit "brummendem" Klangteppich, wie sie bei Drehleier und Dudelsack.gelegentlic vorkommen

    Und dann wieder silbrig leicht und voll Schwung -und auch sehr eingängig. Wenn wir eine gravierenden Unterschied zu Haydn nennen müssten, dann wäre das vielleicht, daß es keine feierlich-festliche Attitüde gibt, keinen repäsentativen Charakter. Glückicherweise erlauben di anwählbaren Klangschnippsel, daß sich jeder einen eigenen Einruck machen kann von jenen Quartetten aus 1776/77.......

    Sollte ich ein einziges Attribut vo vergeben haben, dann würde ich sagen: eigenwillig



    Nachtrag vom 29.8.2021: Die CD gibts momentan bei jpc zum Abverkaufspreis von 2.99 Euro

    Interessenten: Eifach auf die coverabbildung klicken...



    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Egidio Romualdo DUNI (1708-1775) werden die wenigsten kennen. Un daran wird sich auch nichts ändern, denn die hier gzeigt CD wurde 2018 aufgenommen, im August 2019 veröffentlicht - und ist heute . ziemlich genau 2 Jahre danach gestrichen.

    Diese Triosonate und ähnlichen Stücke sind so ziemlich das Einzige, das Duni ausserhalb seines Genres geschrieben hat, Sein Bereich war die Oper und zwar die komische französische Oper, als deren Begründer er gilt.Aber auch in diesem Bereich ist er hierzulande unbekannt. Einerseits weil er sozusagen ein "Vorläufer" war - andrerseits weil der Stellenwert der Spieloper heutzuzage gering ist.

    Kommen wir zur vorliegenden Aufnahme. sie wird durch ein Ensemble bestritten, welches sich Duni Emsmble nennt. Da könnte der Verdacht entstehen, es wäre nur ein schnell für die Aufnahme zusammengestoppeltes Ensemble. Aber das ist nicht der Fall, Die Formation bestht seit 2003 und ist bei Facebook präsent. Allerdings gibt es - soweit ich herausfinden konnte, keine Internetseite und keinen WIKI Artikel.

    Die Aufnahme selbst ist sehr durch den Einsatz von diversen Flöten und Fagott geprägt, weitere Instrumente sind Barockgitarre, und Mandoline und Cembalo.


    Hier nun als Trostpflaster eine kleine Kostprobe aus der nicht mehr lieferbaren Aufnahme...



    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Wenn ich von der "zweiten Reihe" spreche, habe ich immer ein ungutes Gefühl. Einerseits weil es ja unr eine Momentaufnahmen ist.

    Leopokd Kozeluch ist hier ein gutes Beispiel. Einst Mozart-Konkurrent, und zu Lebzeiten oft diesem vorgezogen., vor 11 Jahren hier etwa als "2. Reihe eingeordnet - nicht der Qualität wegen, sondern wegen des Bekanntheitsgrdes - so ist er derzeit wieder relativ bekannt und damit indirekt aufgewertet.

    Im Falle von Gaspard Fritz ist es das relativ kleine Ouevre - vieles ist verschollen - und die geringe Anzahl an verfügbaren Aufnahmen.

    Ein besonders positives Orteil über Fritz gab der bekannte Musikwissenschaftler und -Kritiker, Charles Burney (1726-1814) ab, der im Rhame seiner anscheinend ununterbrochenen Reisetätigkeit auch die Schweiz bereiste. Damals versuchte jeder Schöngeist Voltaire zu treffen - und so auch Charles Burney. Aber er bezeichnet in seinen Aufzeichnungen, den Besuch bei Gaspard Fritz (Genf) als den wichtigeren. (!!!)

    Gestern hörte ich das erste mal die auf der hier gezeigten CD, namlich die Violinsonaten op 3 (1756)

    Nach den ersten unspektakulären Tönen erwartet ich mir Langeweile. Aber ich wollte die CD alibimäßig abhören und arbeitete nebstbei am Computer.

    Welche Überraschung - Immer wieder rissen mich liebliche oder originelle Stellen aus meine Lethargie - und ab etwa der Mitte der CD lauschte ich gebannt - mit dem festen Vorsatz, die Aufnahme anschliessend sofort ein 2. Mal konzentriert zu hören. Ein Vorsatz, den ich bislang 2 fach ausgeführt habe.

    Die Musik von Fritz entziht sich jeder Einstufung, sie ist das Produkt eines Originalgenies.

    Einerseits dezent ohne vordergründig spektakuläre Effekte, andrerseits unterschwellig eindringlich, elegant.

    Ich jedenfalls konnte mich ihrem Reiz nicht entziehen.

    Durch den geringen Output an sich und den noch weniger auf CD erschienen Werken, erschien mir ein eigener Thread nicht vernünftig realisierbar.


    Eine CD mit Sinfonien findet sich ebenfalls in einem Sammelthread über weniger bekannte Komponisten, bzw deren Orchesterwerke....


    Mainstream verboten - Die alternativen Lieblings-Sinfonien der Taminoaner 2011


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......