Klassische Musik und Vogelimitationen

  • nachdem ja mein glocken-thread interessante ergebnisse zutage gefördert hat :D, möchte ich meinen zweiten 'musikalischen fetisch' :wacky: zum thema machen (es gibt übrigens drei...) vogelimitationen in der klassik.
    abgesehen vom einfachsten und wohl kürzesten musikalischen motiv (dem kuckuck) , gibt es imitationen des vogelgesanges in hülle und fülle (natürlich in der moderne auch unter hinzunahme echter vogelstimmen).
    welche kennt und schätzt ihr am meisten?
    eine der grandiosesten und längsten stellen ist übrigens der 1. bzw. 2. satz der dritten symphonie von reinhold glière....nur zu empfehlen ..... :hello:

  • Hallo Klingsor


    Zwei schnelle Antworten:


    1. Die unvermeidliche: Beethovens Pastorale, da gibt's Vögele am Bach...


    2. Die ausgefallene: Vielleicht nicht ganz in deinem ursprünglichen Sinn, da keine echte Imitation: aber in Rimsky-Korsakoffs Oper DER GOLDENE HAHN hat ein Vogel viel zu singen! Ähnliches gilt für Strawinskys Oper LE ROSSIGNOL.

  • Spontan fällt mir Olivier Messiaen ein, der sehr begeistert war von Gesang der Vögel und sich dem sehr ausführlich gewidmet hat. Seine Erkenntnisse finden sich in Stücken wie z.B. Oiseaux exotiques oder Le Réveil des Oiseaux.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Den allergrößten französischen Vögelfreund nenn ich jetzt mal noch nicht, das sollen die Frankreichspezialisten tun, [argh, Salisburgensis kam mir schon zuvor] ich nenne Bela Bartok, auch der hat sich in seinen letzten Jahren intensiv mit Vögeln beschäftigt.


    Wunderschön ist das Adagio religioso aus dem dritten Klavierkonzert.
    Welche (amerikanischen!) Vögel da allerdings genau zu hören sind, kann ich Dir im Moment nicht sagen.




    und dann gibts natürlich noch die alte Geschichte, daß KARAJAN irrtümlich statt der Nachtigall eine Aufnahme einer Amsel im dritten Teil der "Pinien von Rom" von Respighi verwendete.


  • danke, das mit bartok war mir neu ... gleich mal zuhause anhören ... (wenn ich das 3. denn habe :D )
    und hier noch zwei wunderbare barocke aufnahmen mit ausführlicheren vogelszenen. händel, alcina und keiser, croesus (beide sowieso in gänze zu empfehlen)


    moderner: skrjabins zweite , ravel: daphnis und chloe und und und .... :)

  • ThomasBernhard : Nur gut, dass du das groß geschrieben hast.... :D

    Zitat

    Bela Bartok, auch der hat sich in seinen letzten Jahren intensiv mit Vögeln beschäftigt.


    Weiter im Text:
    Der Schwanen Gesang
    Die concertierenden Frösche und Krähen
    aus der bei den Glocken schon erwähnten Alsterouvertüre von Telemann.


    Der berühmteste musikalische Schwan ist wahrscheinlich jener aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • @ salisburgensis


    ich hab deine bemerkung erst beim zweiten mal verstanden, die du an thomasbernhard geschrieben hast ... aber dann hahahaha :D, obwohl das von dir im Sinn gehabte auch groß geschrieben werden müßte (denn es hieße das V..., bzw. mit dem V... beschäftigt ...) ,
    also, beide möglichkeiten stehen offen .... :D


    und dann natürlich die sowieso von mir über alles geliebten drei querflötenstücke pan et les oiseaux von mouquet ....

  • Thomas Bernhard


    Zitat

    keine Ahnung, ob da wirklich Vögelchen eine rolle spielen, ich kenn die Oper leider nicht)


    Die diebische Elster:


    Ja ein Vöglelchen spielt eine Rolle in dieser Oper, eine sprechende Elster, die ein Dienstmädchen namens Ninetta fast aufs Schafott bringt.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Salut,


    irgendwie ist hier ein Thread - während ich antwortete - verschwunden. Wird seine Gründe haben... Jedenfalls, was die Deutsche Großschreibung betrifft, scheint ein wenig Aufklärung geboten: Es handelt sich wohl um einen Substantivierten Infinitiv, teils auch Substantiviertes Verb genannt, welches ohnehin groß geschrieben würde, wobei hier eine Unterscheidung vom reinen Substantiv lediglich nach dem Artikel [in diesem Falle: den/dem] vorgenommen werden kann. Ich denke, die Regel gilt wieder, da die "neue deutsche Rechtschreibreform" ja wieder ad acta gelegt wird.


    Wenn ich das falsch sehe, klärt mich bitte auf.


    Grüße vom Kalauer-Kaputt-Macher und Besserwisser
    Ulli


    P.S. Um zum eigentlichen Thema zurück zu finden: Wie schaut's mit Peter und der Wolf aus? Ist da nicht auch so ein Piepmatz in der Partitur vorgesehen...?

  • Kaum schaltet man den PC aus, verschwinden Threads, kommen einem aber auch Erinnerungen an Musik mit Vogelstimmen....


    1.) Schumann: Waldszenen: Vogel als Prophet.


    2.) Richard Strauss: Vier letzte Lieder: Im Abendrot


    ...Rings sich die Täler neigen
    es dunkelt schon die Luft,
    zwei Lerchen nur noch steigen
    nachträumend in den Duft
    Tritt her und lass sie schwirren....


    ist aber auch zu hübsch, wie das Geflügel (zwei Flöten) durch das Lied schwirrt.


    3.) Wo wir beim Geflügel sind....
    Joseph Haydn, Sinfonie nr. 83: "Die Henne" :D


    p.s.: Hallo Klingsor, jetzt hast Du uns natürlich neugierig gemacht auf deinen dritten musikalischen Fetisch.... welche Imitation steht uns denn noch bevor?


    :D

  • @ ulli, vollkommen d'accord: sag ich ja, Großschreibung, man nennt mich auch den wandelnden duden hahaha :D
    @thomasb. darf ich noch nicht verraten, sonst fangen ja die antworten an, jetzt gehts ja erst um die lieben piepmätze :D

  • Salut,


    Antonio Vivaldi • Concerto D-Dur [Flöte] Der Distelfink
    Joseph Haydn • Streichquartett C-Dur op. 33 Nr. 3 Vogel-Quartett
    Joseph Haydn • Streichquartett D-Dur op. 64 Nr. 5 Lerchen-Quartett
    Wolfgang Amadeus Mozart • Aus "Die Zauberflöte" Arie des Papageno Der Vogelfänger bin ich ja...
    Wolfgang Amadeus Mozart • Menuett G-Dur KV 600 Nr. 5 Der Kanarienvogel


    Zählt hier auch Georg Joseph Abbé Vogler, deutscher Komponist, Organist und Musiktheoretiker [1749 -1814] oder Walther von der Vogelweide ?


    bien cordialement,
    Ulli

  • Liebe Ornithologen,


    der Schwan wurde schon genannt,
    es gibt aber auch im Karneval der Tiere eine schöne Kuckucksstelle sowie das großartige Vogelhaus.
    Das Stück stelle ich mir als recht schwierig für einen jeden Flötisten vor.



    Gruß, Peter.

  • Lieber Peter,


    und dann gibt es da den Kuckuck ;) Für den ist der Klarinettist wahrscheinlich sehr, sehr dankbar ;)


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo Jörg,


    die schönsten Vogelstimmen höre ich bei Mahler. Da ist direkt erkennbar der 3. Satz der 3. Sinfonie zu nennen. Aber auch die Flötenmelodie am Ende des 1. Satzes der 9. Sinfonie ist - richtig dirigiert - für mich eine Vogelstimme.


    Vielleicht auch zum Thema passt die Frage von Max Ernst "Was für ein Vogel bist Du?":



    Viele Grüße,


    Walter

  • Strawinsky: Der Feuervogel
    Telemann: Trauermusic eines kunsterfahrenen Canarienvogels als derselbe zum größten Leidwesen seines Herrn Possessoris verstorben :D
    Siegfried Ochs (1858 - 1929): Variationen für Orchester über Kommt ein Vogel geflogen
    Alexander Aljabjew (1787 - 1851): Le rossignol für Sopran und Orchester
    Heinrich I.F. Biber: Sonata representativa (Representatio Avium)
    Mussorgski: Bilder einer Ausstellung, Tanz der Kücken in ihren Eierschalen


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • und weiter
    Ottorino Respigh:i Gli uccelli
    Leos Janacek: Der Marsch der Blaukehlchen
    Clement Janequin (ca 1485 - 1558 ): Le Chant des Oiseaux
    Dvorak: Die Waldtaube op. 110
    Ravel: Ma mère l´oye
    Tschaikowsky: Schwanensee


    nicht ganz erst gemeint:
    Mendelsohn-Bartholdy: Denn er hat seinen Engeln aus dem Elias. Die haben doch auch zwei Flügel oder?? :D


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo, Ihr Liebhaber schöner Vogelstimmen,


    nein, noch bin ich nicht zum Vogel mutiert. Die in meinem Betreff geäußerten Laute sind Zitate aus einem außergewöhnlichen Werk, das bisher noch nicht genannt wurde:


    Eine der schönsten Opern überhaupt, die die wohl größte Vogelschar vereint, ist die in den 20-er Jahren äußerst beliebte und vielgespielte Oper von



    Walter Braunfels (1882-1954):
    Die Vögel - Lyrisch-phantastisches Spiel in 1 Prolog und 2 Akten, opus 30 1913-19



    Der in den 20-er Jahren neben Franz Schreker und Richard Strauss meistaufgeführte Opernkomponist verfaßte das Libretto selbst, welches eine freie Bearbeitung der Komödie des Aristophanes ist.
    In Braunfels' Oper, die mit ihrer spätromantisch farbigen Musiksprache stilistisch in die Nähe von Richard Strauss gehört, tummelt sich eine bunte und große Schar von Vögeln:


    "Die vielen Vogelstimmen erklingen in feiner, teils lautmalerischer Differenzierung, führend die Nachtigall, mit ihren typischen Sekundschlägen, Tonrepetitionen, Trillern und Koloraturen in höchster Lage das Ensemble überstrahlend:
    die piependen Meisen, der krächzende Rabe, die zwitschernden Schwalben, das 'Tse-tse-tse' der Grasmücken, das 'Tia-tio' der Drossel, die Kuckucksrufe; nur der Adler steht warnend abseits mit finster drohendem Baß. Der König Wiedhopf, einst selbst Mensch, singt mit klangvollem Bariton und menschlich bewegender Rhetorik und sein Diener Zaunschlüpfer mit anmutigen Rufen und Melismen ...
    Einen wesentlichen Musikanteil bilden auch die vielfältig gestalteten Chorpartien ... An manchen Stellen zwitschern mehr als ein halbes Dutzend erregter Vogelstimmen gleichzeitig in ihrem charakteristischen Tonfall durcheinander.
    Der musikalische Höhepunkt ereignet sich zu Beginn des 2. Aktes, wenn sich die Stimmen von Nachtigall und (dem Wanderer) Hoffegut in herrlichem Zwiegesang mit unendlicher Melodik vereinen, ein grandioses Liebesduett, vergleichbar dem 2. Akt von Wagners 'Tristan und Isolde'."


    Hier ein wunderschön-sehnsuchtsvoll vertontes Zitat der Nachtigall an Hoffegut:
    "Dein Herz, wie geht es still und kalt einen einsamen traurigen Gang.
    In unserem regt sich mit der klopfende Puls der Natur, und unser Busen atmet mit das süße Wehn des Alls.
    Was aus tausend Quellen zu uns strömt, aus fernsten Sphären zu uns klingt, die Herzensharfe tönt weltvereint es mit!"


    Gruh! Gruh!
    Johannes



    P. S.: Eine in jeder Hinsicht hervorragende Einspielung ist unter Lothar Zagroseks Leitung bei Decca im Rahmen der höchst verdienstvollen Reihe 'Entartete Musik' erschienen.

  • Hallo Guercoeur,


    das mit den Vögeln von Braunfels ist ein interessanter Tip! Aber bei deiner Erwähnung der Strauss-Ähnlichkeit fällt mir ein, dass in der "Frau ohne Schatten" ein Falke zu singen hat!

  • Dazu ein bißchen was aus dem Barock:


    Ahle : "Unstrutische Nachtigall"


    Uccellini: "Hochzeit von Henne und Kuckuck"


    Schmelzer: " Sonata Cucu"


    Kempis: " Symphonia 4.a 4. supra " Cucuc"


    und noch was ganz anderes: wenn ich mich recht erinnere, hat Albert Ketelby in seinem Unterhaltungstück " In a monastery garden" Vogelstimmen (vom Band eingespielt oder mit Vogelstimmenpfeifen) vorgesehen.


    Gruß
    Stefan