Hyacinthe Jadin (1776-1800) - ein romantischer Vorbote

  • Mein Hang zu früh verstorbenen Komponisten ließ mich im vergangenen Jahr auch Hyacinthe JADIN entdecken.


    Das Licht der Welt erblickte er am 27. April 1776 in Versailles. Sein Vater (François Jadin) war als Fagottist Mitglied der Versailler Hofkapelle. Daß der junge Hyacinthe so also alltäglich mit Musik umgeben war, konnte für sein eigenes Genie nur von Vorteil sein. Studiert hat Jadin bei dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Schüler Nicolas-Joseph Hüllmandel. Seit 1795 übernahm der die Mädchenklasse des Conservatoire de Musique in Paris. Am 27. September 1800 fand sein kurzes Leben tuberkulosebedingt ein vorzeitiges Ende.


    Die Tatsache, daß ein Mensch schon in jungem Alter sterben mußte, der Gedanke daran, welche Möglichkeiten der Welt vorzeitig für immer verlorengegangen sein könnten, welche Taten nicht vollbracht werden konnten, welche möglicherweise erstaunlichen Gedanken ungedacht bleiben mußten, welche vielleicht genialen Werke nicht geschaffen werden konnten - all dies hat etwas sehr Romantisches an sich... [Hajo Bäß].


    Dazu passend das Gemälde Le mort de Hyacinthe von Jean Broc c1850:




    Romantisches hat auch die Musik Hyacinthe Jadins an sich, allerdings nicht durchgehend. Seine Klaviermusik besitzt einen Hauch Schubert und ist dennoch im französisch-Verspielten verhaftet. Besonders die Finalesätze der Sonaten c-moll aus op. 5 und cis-moll aus op. 4 weisen starke Affinität zu Schubert auf, die Themen sind und bleiben melancholisch, auch wenn sie sich (im Fall der c-moll-Sonate) zum Schluß nach Dur kehren. Außerdem ist der sogenannte Schubertsche Vorhalt (den bereits Mozart verwendete, ohne Schubert je gekannt zu haben, KV 414 II) ein weiteres Charakteristikum Jadinscher Klaviermusik.


    Seine Kammermusik ist unvergleichlich erdig und einfach wundervoll! Sein Schaffen ist bis heute nicht vollumfänglich erkundet, geschweige denn pubiziert oder eingespielt worden. Um so schöner ist es aber, daß namhafte Interpreten sich seiner Musik annahmen:


    Die Gesamteinspielung seiner Soloklavierwerke nahm Richard Fuller auf einem Hammerflügel (Nanette Streicher, 1814) vor:


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    Leider ist die CD (und das recht hochpreisig) nur beim frz. Amazon oder Amazon.com gelistet. Bei letzteren mit Hörbeispielen, als Teaser möchte ich Track 15 (Sonate cis-moll) empfehlen. Die mollgeschlechtlichen Werke mag ich besonders gerne - auf dem Album befinden sich aber noch sehr viele andere Schätze der Klaviermusik! Beispielsweise die Sonate op. 3 Nr. 1 in Es-Dur: Hier erklingt ab Takt 8 in der linken Hand plötzlich das Thema aus Mozarts Zauberflöten-Ouvertüre...


    Richard Fuller hat auch die Klaviersonaten integral im Druck herausgegeben. Zu beziehen sind die Sonaten beim Musikverlag Wolfgang Kiess um runde 50 €uro. Je drei Sonaten aus Jadins opp. 4 und 5 kann man kostenlos als Erstdruckreprint herunterladen - eine Sache, die sich absolut lohnt! Allerdings sind die Drucke ziemlich fehlerbehaftet!


    Drei seiner Streichtrios wurden vom Ensemble Les Adieux eingespielt:



    Die CD erscheint gelegentlich (bisher zwei Mal) auch bei jpc sehr preiswert (Augen offenhalten!). Das ist so eine wirklich schöne Ergänzung zu Mozarts 'a sei pezzi'-Trio, besonders das Es-Dur-Trio erinnert gewissermaßen daran. Enthalten sind die drei Trios op. 2 Nr. 1 Es-Dur, op. 2 Nr. 2 G-Dur und op. 2 Nr. 3 F-Dur.


    Von seinen Streichquartettzyklen hat das Quatuor mosaïques die Quartette C-Dur op. 3 Nr. 1 und Es-Dur op. 2 Nr. 1 eingespielt - die Opuszahlen wurden offenbar bei verschiedenen Verlegern doppelt belegt (vide Haydn), es handelt sich aber um völlig andere Musik:



    Gerade das Es-Dur-Quartett gehört bereits seit der kurzen Zeit, in der ich es kenne, zu meinen liebsten Werken: Ein Beginn wie in Mozarts Dissonanzen-Quartett (nur nicht so dissonant), mit lieblichen Melodien, welche durch alle Instrumente wandern. Das Menuett hat etwas von Mozarts KV 590er Menuett. Ich hoffe, daß die Mosaïques das Projekt noch fortsetzen werden. Das Finale des C-Dur-Quartetts erinnert deutlich an das Finale aus Haydns 82. Sinfonie (L'Ours). Übrigens komponierte auch Hyacinthes Bruder Louis-Emmanuel (1768-1853). Hier Versuchte unser Schöpfer wohl, wieder gut zu machen, was er an Hyacinthe falsch machte: Der Bruder lebte 85 Jahre (...die spinnen, die Götter...)! Von ihm ist das sehr romantische Quartett f-moll mit eingespielt worden.


    Bedauerlicher Weise gibt es zu den Klavierkonzerten der Gebrüder Jadin nur eine ziemlich unhippe Einspielung, die ich mir aber dennoch demnächst krallen werde (sie wird dann hoffentlich bald einer HIP-Version geopfert werden können):



    Eingespielt wurden die Konzerte d-moll und A-Dur von Hyacinthe sowie das d-moll-Konzert des Bruders Louis-Emmanuel durch Wen-Ying Tseng und I Strumenti. Die Klangbeispiele sind nicht besonders reizend, was die Interpretation betrifft, die Werke hingegen sind hinreißend!


    Außerdem erschienen verschiedene Einspielungen der Klaviersonaten des Threadtitelgebers, darunter auch eine bei Musique d'Abord:



    Jean-Claude Pennetier (Hammerklavier)


    Vielleicht konnte ich ein wenig Anregung geben...!?


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hyacinthe JADIN: 3 Streichquartette op 1


    in Sachen Hyacinthe Jadin würde ich mich keine allzugroßen Hoffnungen machen, die meisten sind bei jpc als "derzeit nicht lieferbar" gemeldet. Dazu unten ein Anhang an diesem Beitrag.

    Die hier gezeigte CD lag bislang auf dem riesgen Stapel ungehörter CDs und dort lag sie schon einige Jahre- denn es ist kein Stapel sondern ein ganzes großes Regal und einige Extra-Kartons

    Aber heute war ihr großer Tag. Es dauerte einige Minuten bis ich mich an Jadins Klangspreche gewöhnt hatte, sie ist oft düster und melancholisch - dann wieder lieblich verträumt und gelegentlich temperamentvoller. Es ist schwierig über Jadin infos zu bekommen, denn er ist in keinem in meinem Besitz befindlichen Musiklexikon enthalten.Sein Oeuvre ist auf Grund seines frühen Todes recht klein -im Gegensatz zu dem seines Buders Louis Emmanuel Jardin (1768-1853) der vorzugsweise Opern schrieb, ber heute ebenfalls vergessen ist.


    Die gezeigte CD enthält 3 der 12 Streichquartette von Jadin und zwar op. 1 welches Joseph Haydn gewidmet ist, der Jadin nicht gekannt hat und sie vermutlich nie gehört hat. Im Booklet einer anderen cD (mit Klaviersonaten) fand ich die Bemerkung, daß H.J. "Gefühle" erlebte, die auch in seiner Musik zu hören seine. Ich möchte dem nicht widersprechen, wenngleich das in einem sehr schwebenden Bereich angesiedelt ist. Mit den "Gefühlen" waren offnbar "esotherische Phänomene oder Visionen" gemeint. Kein Wunder , wenn ein an sich schon sensibler Mensch über einen längeren Zeitraum des Damoklesschwert derTuberkolose über sich spürt....


    MF aus Wien

    Alfred

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    Anhang:

    Bei jpc findet sich bei "derzeit nicht lieferbaren" CD meit der Zusatz, daß man sich via jpc Courier benachrichtigen könn, sollte die CD wieder verfügbar sein.

    Ich gehe davon aus, daß etliche der gestrichenen CD bem Hersteller noch verfügbar sind - und man über diese Option sein Interesse bekunden kann...


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Hyacinthe JADIN: 6 Klaviersonaten aus op 3-4-5-6


    Hyacinte Jadin hat in seinm nur 24 jährigem Leben immerhin 12 Klaviersonaten geschrieben, teis 2 sätzig, teils 3sätzig. Sie sind in 4 Dreiergruppen unterteilt. Op.3- Op 6. Op 3 wurde 1795 veröffentlicht, op 6 stammt von1800 und wurde posthum veröffentlicht. Die gezeigt - aber leider bereits gestrichen CD -enhält sozusagen einen Querschnitt dur dieses Schaffen. Es ist zu hoffen, daßLiebhaber diese CD wenigstens antiquarisch erwerben können. Sie wird von einem in Frankreich hochgeschätzen Pianisten auf midernem Steinway gespielt. Französische Pianisten halten sich - ebenso wie französiche Labels gerne im Hintergrund - mehr noch als englische. Das gilt in selben Maße auch für französische LAbel, im konkreten Falle Syrius.

    Wwelche Art von Musik erwartet uns nun ? Ein Hauch Mozart, en Hauch Clementi und Dussek, aber auch an einigen Stellen überraschend - Ludwig van Beethoven. Ich habe hier einen Track aus der CD verlinkt. Leider ist es nicht der typischeste, der dramischeste, perlendst oder klangschönste.

    Aber mehr gab es nicht im Internet



    mfg aus Wien

    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)