Damit nicht der Eindruck entsteht, ich wäre jetzt ein bekennender Anhänger von Barenboim: dem ist nun nicht so. Gerade deswegen war ich persönlich von seinem Bayreuther "Ring" überraschend angetan. Ich wollte jetzt auch nicht behaupten, dass ich den insgesamt einem Keilberth, Knappertsbusch oder Goodall vorzöge, aber in Details finde ich Barenboim schon verdammt gut.
Bei Barenboim bin ich in aller Regel eher skeptisch. Als Pianisten kenne ich ihn so wirklich eigentlich nur von den fünf Beethoven-Klavierkonzerten unter Klemperer, die nach allgemeiner Auffassung ja auch sehr gelungen sind, auch wenn man hinzufügen sollte, dass gerade auch Klemperer seinen Teil dazu beiträgt. Ich habe sie mir seinerzeit jedenfalls wegen Klemperer, nicht wegen Barenboim zugelegt.
Als Dirigenten finde ich von Barenboim insgesamt angesichts seines "Output" aber auch erstaunlich wenige Aufnahmen wirklich herausragend. Darunter ganz vorne wieder die fünf Klavierkonzerte von Beethoven, diesmal aber als Dirigent und mit dem greisen Rubinstein als Pianisten. Insgesamt ist das sogar meine absolute Lieblingsgesamtaufnahme dieser Werke. Einen aristokratischeren Beethoven habe ich noch nicht gehört, was erstmal Rubinsteins spezifischer Stil ist, dem sich Barenboim hier kongenial anschließt. (Abgebildet habe ich jetzt nur die z. Zt. lieferbare Ausgabe des 2. und 5. KK.)
Als Fan des Chicago Symphony Orchestra muss ich ehrlich sagen, dass mir aus der immerhin 15-jährigen Ära Barenboim aus dem Stegreif nichts einfällt, wo ich finden würde: muss man unbedingt haben. Mir scheint Barenboim in den letzten zehn, zwanzig Jahren ein wenig allzu routiniert geworden zu sein. Das schließt natürlich nicht ab und an dennoch sehr gute Ergebnisse aus. Jetzt fällt mir doch eine Nominierung ein: Er hat mit dem CSO tatsächlich Furtwänglers 2. Symphonie eingespielt, wofür man ihm wirklich danken muss. Überhaupt scheint ihm Furtwängler sehr viel zu bedeuten, was man auch an seinem Dirigierstil merkt (m. E. früher noch deutlicher als heute).

