DGG – Karajan-Symphonien-Boxen

  • Daß die DGG ihr Aushängeschild Herbert von Karajan mal so preisgünstig (oder anders gesagt: unter Wert) feilbieten würde, das hätte vor zwanzig Jahren gewiß keiner gedacht. Gleichwohl: Die im Jubiläumsjahr 2008 erschienen Symphonien-Boxen des Maestros, größtenteils aus den 70er Jahren, dem Höhepunkt seines Schaffens, stammend, werden mittlerweile neu verpackt für zwischen 12 und 20 EUR verkauft. Man muß der DGG allerdings zugute halten, daß die Gestaltung der Boxen als sehr gelungen gelten kann. Preisgünstig, aber keineswegs billig wirkend, so lautete vielleicht das Motto. Es handelt sich um solide wirkende Boxen; die ansprechend bedruckten CDs sind in stabilen Kartonschutzhüllen untergebracht, dazu jeweils ein Beiheft.


    Hier die Boxen im einzelnen:



    Beethoven: Symphonien Nr. 1–9; Ouvertüren: Egmont op. 84; Leonore Nr. 3 op. 72a; Fidelio op. 72b; Coriolan op. 62; Die Geschöpfe des Prometheus op. 43; Die Ruinen von Athen op. 113
    ADD, 1975–1977



    Brahms: Symphonien Nr. 1–4; Tragische Ouvertüre op. 81; Variationen über ein Thema von Joseph Haydn op. 56a
    ADD, 1978



    Bruckner: Symphonien Nr. 1–9
    ADD/DDD, 1976-81



    Haydn: Symphonien Nr. 82–87, 93–104
    DDD, 1980/81



    Mendelssohn Bartholdy: Symphonien Nr. 1–5
    ADD, 1972



    Mozart: Symphonien Nr. 29, 32, 33, 35, 36, 38–41
    ADD, 1966–1977



    Schumann: Symphonien Nr. 1–4; Ouvertüre, Scherzo & Finale op. 52; Symphonie Nr. 4 op. 120 (Livemitschnitt aus dem Wiener Musikverein am 24.5.1987 mit den Wiener Philharmonikern)
    ADD, 1972/1987



    Tschaikowsky: Symphonien Nr. 1–6
    ADD, 1975-1978


    Insgesamt gesagt, kann man wohl mit keiner der oben genannten Boxen etwas falsch machen, zumal nicht bei dem Preis, der ja sogar Brilliant Konkurrenz macht.


    P. S:


    Drigend abgeraten wird indes von der Gesamtedition, in welcher, einigen Rezensionen zufolge, sämtliche CDs einfach lieblos in Klarsichthüllen gesteckt wurden (bei dem nochmals gedrückten Preis indes kein Wunder):


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo Joseph,


    :] soeben habe ich festgestellt, dass ich alle von Dir abgebildeten Aufnahmen (außer Mozart) besitze.
    Allerdings in den zuvor von der DG im Programm befindlichen Sinfonien-Boxen und bei Beethoven und Bruckner in den Einzel-CD-Ausgaben.


    :angel: Egal in welcher Ausgabe --- die Aufnahmen haben alle ein fabelhaftes Niveau in jeder Beziehung und stellen mich als Hörer sehr zufrieden.



    **** Da Du die Sinfonien-Boxen von DG erwähnst, darfst Du auch Karajan´s Sibelius-Sinfonien-Box nicht vergessen:



    DG, 1964 (Sinfonien Nr.4-7 mit Karajan), ADD


    Die enthaltenen Karajan -Aufnahmen habe ich als DG-Doppel-CD in der Originals-Serie. Bei DG hat er die Sinfonien Nr. 1-3 seinem Schüler Okko Kamu überlassen.
    Will man die Sinfonien Nr.1 und 2 mit Karajan, muß man zu EMI greifen (die Sinfonie Nr.3 fehlt leider ganz bei Karajan).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    sämtliche CDs einfach lieblos in Klarsichthüllen gesteckt wurden


    Ja, das ist genau das zutreffende Wort: lieblos. :motz:


    Ich habe diese Box vor einiger Zeit für enorm wenig Geld erstanden, ich glaube hier war sie für 39,- Euro. Ich bin kein großer Karajan-Verehrer und sah so die gelegenheit - auch durch die Diskussionen bei TAMINO angeregt - viele seiner Einspielungen kennenzulernen und zu hören.


    Besonders die von Mendelssohn, Schumann, Brahms und einige Bruckner gefallen mir gut. Auch für Karajan-Distanzierte ein lohnender Kauf.


    Die Aufmachung ist für ein renommiertes Label wie DGG und auch für Karajan einfach unwürdig. Dass man die CDs überhaupt noch in einer Pappbox bekommt und nicht in Zeitungspapier eingewickelt, ist ja noch sehr entgegenkommend. Kein Ruhmesblatt für das Gelblabel. :no: :motz: X(


    Dennoch ist für ein Käufermilieu wie das, dem ich zugehörig bin, diese Box zu dem äußerst günstigen Preis schon empfehlenswert. Viel Karajan mit sehr breitem Spektrum für sehr wenig Geld. :hello:


    Bei dieser Gelegenheit: Kann man eigentlich solche Papphüllen irgendwo kaufen? Und wie steht es mit den Pappboxen. Ich habe neulich einen ganzen Schwung CDs in Papphüllen ohne Box bekommen. Gibt es irgendwo solche Boxen zu erstehen? ?(


    Aber das nur nebenbei.


    Freundliche Grüße von der immer noch verschneiten Waterkant sendet Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Zitat

    Original von Andrew


    Ja, das ist genau das zutreffende Wort: lieblos. :motz:


    Ich habe diese Box vor einiger Zeit für enorm wenig Geld erstanden, ich glaube hier war sie für 39,- Euro.


    Na also. Was willst Du mehr? Das 467te Photo von Heribertus Rex?


    :pfeif:

  • Also die Verpackung ist ja nict gerade optimal - ich verpacke in der Regel CDs in Jewel Cases um (bin aber hoffnungslos in Verzug)


    Zu "Verramschung" der Karajan-Aufnahmen:


    ("Verramschung" ist übrigesn keine Beleidugung, sondern ein Terminus Technicus des Buch- und Musikalienhandels, und besagt eine Freigabe des Preises)


    Was auf den Musikfreund und Karajan -Anhänger wie ein Sakrileg anmutet ist in Wahrheit bittere Notwendigkeit.


    Die Aufnahme der Beethoven Sinfonien von 1960/62 werden innerhalb der nächsten 2 Jahre "gemeinfrei", die Rechte sind - zumindest in Europa -abgelaufen.


    Man wird dann vermutlich Karajan in Stereo auf Brillant Classics kaufen können, wenngleich - und das sei an dieser Stelle gesagt, die erzielbare Tonqualität der Kopie etwas niedriger ist, als von Mutterband etc.


    Kein Wunder, daß man nun versucht den Markt noch rasch selbst zu bedienen, die Nachfrage auf Jahre hinaus abzudecken und somit die Konkurrenz zu blockieren.


    Zugleich macht man die Regale frei für Aufnahmen heutiger Künstler, die ansonst im Vergleich zu Karajan - zumindest in Bezug auf PR und Image nicht bestehen könnten...


    Aber auch WENN es in Zukunft eine gewisse Nachfrage nach den 50 Jahre alten Karajan-Einspielungen geben sollte - und WENN die Konkurrenz hier von Vinyl.Langspielplatten abkupfert - denn an die Bänder und Original-Schneidmatrizen kommt sie nicht ran . dann wird der informierte Musikfreund stets lieber zum Original - als zu Kopie greifen. Besser mit geringer Spanne verkauft - als gar nicht.


    mfg aus Wien


    Alfred


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Wolfgang und alle anderen,


    ich habe den Sibelius nicht erwähnt, da er ja schon etwas länger im Programm ist; habe ihn aber gestern bei Recherchen ebenfalls gesehen.


    Daß Karajan die 3. von Sibelius nicht eingespielt hat, las ich schon in den entsprechenden Threads nach. Dennoch finde ich es etwas merkwürdig, daß die EMI keine Karajan-Sibelius-Box mit 1, 2 und 4–7 herausbringt, was ja technisch durchaus möglich wäre. Wie man dann die 3. ergänzt, wäre freilich die andere Frage.


    Noch ein Wort zum Beethoven: Es handelt sich um die 70er-Aufnahmen. Ich persönlich ziehe die 60er vor, die die DGG als "normale" CDs geringfügig teurer, als SACDs sehr viel teurer anbietet:



    Beethoven: Symphonien Nr. 1–9; Coriolan-Ouvertüre op. 62
    ADD, 1961/62


    Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier auch noch das "DGG-Schlachtschiff", die 80er-Aufnahmen. Selbst diese werden mittlerweile um 20 EUR günstiger angeboten. Für Gold-Fetischisten auch als (allerdings hochpreisiger) Japan-Import zu erstehen:



    Beethoven: Symphonien Nr. 1–9; Ouvertüren: Egmont; Fidelio; Leonore Nr. 3; Coriolan
    DDD, 1982–1985


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Als durchaus lernwilliger Nicht-Karajaner habe ich mir die DGG-Boxen mit Brahms, Schumann und Mendelssohn zugelegt und muss sagen, knirsch, dass sie mir gefallen. Brahms und Schumann (mit der 1. Schumann bin ich noch nicht so warmgeworden) sind interessante Alternativen und Ergänzungen, wobei sie mich trotzdem nicht ins Lager der Karajan-Fans wechseln lassen werden. Ich erkenne aber die unglaublich Qualität seines Dirigierens an, auch wenn mir immer etwas fehlt.


    Sein Mendelssohn, insbesondere die 5. Sinfonie, hat mich aber wirklich begeistert. Ich kannte dieses Werk bislang nur mit Abbado und Masur. Was K. im letzten Satz an wuchtigem Bekenntnis herausarbeitet und wie er die Fuge erklingen läßt: :jubel:
    (Wie macht der "olle" Katkolik das? :D)


    :hello: Gustav

  • Zitat

    Na also. Was willst Du mehr? Das 467te Photo von Heribertus Rex?



    Hallo Ulli,


    sie hätten dann wenigsten das hier beilegen können:


    Donation Pen "Herbert von Karajan



    Die schwarze Edelharz-Kappe und der in Manier einer Klaviertastatur facettierte elfenbeinfarbene Ring des Füllfederhalters Donation Pen Herbert von Karajan erinnert an die frühe Karriere dieses Musikers. Sein Debüt feierte er als großartiger Pianist in Wien. Der platinierte Clip mit der Intarsie in Form eines Dirigentenstabs und die kunstvoll handgearbeitete, rhodinierte 18-karätige Goldfeder sind eine Hommage an Karajans Erbe als Dirigent. Als Andenken an von Karajan enthält das Geschenk-Eui ein Halstuch aus purer Seide.



    Die gibt es übrigens auch in Solti, Bernstein und Menuhin


    Freundliche Grüße von Andrew :D

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Zitat

    Original von Andrew
    Als Andenken an von Karajan enthält das Geschenk-Eui ein Halstuch aus purer Seide.


    Steht Dir sicherlich gut... :pfeif:

  • Hallo zusammen,


    die Highlights der Edition sind wohl Mendelssohn, Schumann und Bruckner. Die beiden erstgenannte Boxen habe ich im Regal, sie können problemlos mit Abbado und Dohnanyi (bei Mendelssohn) oder Sawallisch (bei Schumann) mithalten. - Bei Schumann bleiben für mich Bernstein (DG) und Gardiner allerdings die Favoriten, Karajan ist ganz knapp dahinter. - Den Bruckner habe ich vor ca. zwei Jahren verliehen (Fehler, die man nur einmal macht ... ), er ist mir allerdings als sehr, sehr gute Einspielung in Erinnerung. Als Zyklus vielleicht sogar erste Wahl. (Konkurrenz: Wand oder Chailly - was sonst ... ? Celi hat ja nicht alle aufgenommen.)


    Mit Abstrichen ok sind auch Brahms und Tschaikowsky. (Ich ziehe bei Brahms Bruno Walter oder Klemperer vor.)


    Statt des Beethoven-Zyklus aus den 70er Jahren sei Karajans zweiter Beethoven-Zyklus von 1961/62 oder der erste mit dem Philharmonia Orchestra bei EMI empfohlen.


    Bei Mozart und Haydn würde ich andererweitig zugreifen. Das ist nur etwas für Karajan-Fans, die "ihren" Maestro möglichst komplett haben wollen.

  • Zitat

    und muss sagen, knirsch, dass sie mir gefallen


    Wie sollte es auch anders sein. Es ist ja das Hauptargument GEGEN Karajan,. daß er Schönklang produziert, anstatt die Brüche und Instrumentationsschwächen diverser Stücke herauszuarbeiten.


    Man sieht, wohin es führt, wenn eine Lobby jahrelang auf einem Künstler herumhackt, man schämt sich direkt zuzugeben wenn es einem gefällt, und viele schweigen lieber , bevor sie es tun


    Karajan ist in dieser Hinsicht einerseits ein beliebtes Zielobjekt,
    andrerseits ein besonders harter Brocken
    :D


    und ausserdem ist er . hype hin - hype her - durchwegs ausgezeichnet.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • ... (fast) volle Zustimmung!


    Wenn heute jemand ein Auto baute, das 200kW hätte und nur 3l/100km verbrauchte, sehr wartungsarm wäre und so gut wie nie technische Schäden hätte und die heute üblichen Sicherheits- und Komfortausstattungen besäße, dann gäbe es auch eine Fraktion, die diese Auto als "zu perfekt, um mich zu reizen" bezeichnen würde.


    Mit dem "durchweg ausgezeichnet" stimme ich aber nicht überein: Bach, Händel, Haydn und Mozart finde ich nicht ausgezeichnet mit H. v. Karajan.


    Wenn ich es so pauschal bewerten sollte, wie seine Gegner dies tun, dann müsste ich sagen: Meistens sehr gut, und im Verhältnis viel öfter herausragend als viele andere namhafte Dirigenten.

  • Karajans Mozart wird ja immer sehr kontrovers diskutiert. Zumindest, was die Oper angeht, spielt er m. E. in der allerersten Liga mit ("Zauberflöte" 1950, "Così" 1954, "Figaro" 1978, Requiem 1986). Wieso etwa Böhm da kompetenter sein soll, ist mir eher ein Rätsel – nichts gegen Böhm. Das ist in etwa dasselbe wie Jochum bei Bruckner und Haydn. Sakronsankte Gestalten, denen Karajan m. M. n. aber durchaus ebenbürtig ist (was Mozart und Bruckner angeht; den Haydn kenn ich von keinem der beiden).


    Auch wenn es hier nicht wirklich rein paßt, da von EMI, will ich noch die Schubert-Boxen ansprechen (dafür extra einen neuen Thread aufzumachen wäre wohl übertrieben):



    Karajan wird ein Beethoven-artiger Klang bescheinigt, was kein Nachteil sein muß. Leider wurden diese Einspielungen schon an anderer Stelle im Forum zerrissen (vermutlich von Leuten, die sie nie hörten ...).


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Vielleicht sind ja gerade Foren ein Anreiz für Musikinteressierte, sich partout gegen den "Mainstream" zu stellen. Es ist ja auch in anderen Lebensbereichen nicht unüblich, nicht mit der Masse schwimmen zu wollen. Ob ich mir für viel Geld einen High-End-Plattenspieler statt eines SACD-Players kaufe, ein Hollandrad bei Manufactum oder einen alten Spritfresser statt eines Smart, alles hat ja auch mit einem gesellschaftlichen Statement zu tun. Und wenn Vater, Tante oder der unangenehme Nachbar von Karajan schwärmen, dann entsteht ja fast der Zwang, gegen diesen "Streber" zu revoltieren, auch wenn man wenig bis gar nichts von ihm kennt bzw keine echten Alternativen anbieten kann.
    Es ist ja so eine Art "Großwildjagd", eine herausragende Werkseinspielung völlig abseits des Marktes zu finden, die dann tatsächlich der allgemein anerkannte große Wurf ist. Aber sind wir ehrlich: Beim "Kernrepertoire" Bach bis Berg sind die vorhandenen und allseits bekannten Einspielungen schon alle erste Wahl, besonders die, bei denen Stereo fest etabliert war (also Ende 60er Jahre aufwärts) und dann, als der digitale CD-Klang nicht mehr artifiziell klang (also ab Ende 80er). Und da Karajan immer ein Vorreiter der Aufnahmetechnik, ein Klangfetischist war, waren seine Aufnahmen diesbezüglich auch immer vorn mit dabei. Nur ein strenger Dogmatiker, der quasi die überlieferten Besetzungen und Instrumente der jeweiligen Uraufführung als einzige "echte" Interpretation im Sinne des Komponisten gelten lässt, wird den meisten Karajan-Aufnahmen nichts abgewinnen können. Für die übrige Welt gilt, dass Karajans Aufnahmen mit dem BPO wirklich wie aus einem Guss klingen und ganz wenig an ihnen auszusetzen ist. Davon unberührt bleiben freilich hier und da vorgenommene Interpretationsansätze Karajans, über die der eine oder andere nach Prüfung der Partitur die Nase rümpft. Aber das gibt es auch bei anderen Dirigenten.
    Ich finde es wirklich witzig, wenn hier manche zähneknirschend eingestehen, dass Karajan doch gut ist. Da brechen vermutlich bei manchen spätpubertäre Welten zusammen, wenn sie Jahrzehnte später eingestehen müssen, dass Vadder oder Omma eben doch recht hatten, wenn sie den Karajan aus der LP-Hülle zogen.

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Ich finde es wirklich witzig, wenn hier manche zähneknirschend eingestehen, dass Karajan doch gut ist. Da brechen vermutlich bei manchen spätpubertäre Welten zusammen, wenn sie Jahrzehnte später eingestehen müssen, dass Vadder oder Omma eben doch recht hatten, wenn sie den Karajan aus der LP-Hülle zogen.


    Sehr witzig.
    :rolleyes:
    Komische Rechthaberei das ("recht hatten").


    Ich habe jedenfalls verblüfft feststellen müssen, dass Karajans Brahms auch auf mich wieder eine große Wirkung ausübt, obwohl das nicht so gespielt ist, wie ich das will.


    Ich habe aber auch verblüfft feststellen müssen, dass die Schlager von Udo Jürgens auf mich eine große Wirkung ausüben neuerdings.


    Deshalb knirsche ich nicht mit den Zähnen, sondern freue mich, dass ich empfänglicher bin als früher. Momentan würde ich mir eher Udo Jürgens als Herbert von Karajan kaufen.


    "Gut" sind jedenfalls beide auf ihre Art. Wirklich interessieren sie mich nicht, dafür gibt zu vieles, was mir mehr unter den Nägeln brennt (und das Repertoire, das Karajan eingespielt hat, interessiert mich wohl vollständig. Aber nicht mit Karajan).

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Ich finde es wirklich witzig, wenn hier manche zähneknirschend eingestehen, dass Karajan doch gut ist. Da brechen vermutlich bei manchen spätpubertäre Welten zusammen, wenn sie Jahrzehnte später eingestehen müssen, dass Vadder oder Omma eben doch recht hatten, wenn sie den Karajan aus der LP-Hülle zogen.


    Das bezieht sich wohl auf mein "knirsch". Tut mir leid, wenn ich dich mit den "spätpubertären Welten" enttäuschen muss, in dem Alter bin ich leider nicht mehr. :D


    Auch Vadder und Omma spielten bei mir keine Rolle. Ich bin, was das angeht, in einer ziemlich "klassikfreien Zone" aufgewachsen und war eigentlich ganz auf mich gestellt, als es darum ging, mich in ein Repertoire hineinzuhören. Und wonach griff man damals? Natürlich nach Karajan, den kannte selbst ich, er war in jedem Plattengeschäft präsent und jeder empfahl ihn. So habe ich in den ersten Jahren mir doch einige Aufnahme mit ihm zugelegt und erst mit der Zeit bemerkte ich, dass er mir nicht das gab, was ich bei anderen Dirigenten, v.a. auch im Konzert, erlebte. So rückte er in den Hintergund.


    Außer im Opernbereich und hier nicht seinetwegen, habe ich mir erst in der allerletzten Zeit wieder Aufnahmen von ihm zugelegt und erkenne und erkenne an, dass er ein exzellenter Musiker war. Trotzdem, um Kurzstückmeister zu zitieren:


    Zitat

    ...sondern freue mich, dass ich empfänglicher bin als früher.


    "Gut" sind jedenfalls beide auf ihre Art. Wirklich interessieren sie mich nicht, dafür gibt zu vieles, was mir mehr unter den Nägeln brennt...


    Er "knirscht" zwar nicht mit den Zähnen, aber ehrlich, ich eigentlich auch nicht, sollte nämlich eher ein Witz sein. :baeh01:


    :hello: Gustav

  • Auch ich bin in einer familiären "klassikfreien" Zone aufgewachsen.
    Karajan hat für mich erst die klassische Musik in den 80ern erschlossen.


    Durch seine Beethoven Aufnahmen ( 60er ) und seine späten Brahms ( ende der achziger ) bin ich zur Klassik gekommen.


    Diese Aufnahmen höre ich nach wie vor sehr gerne.


    Für mich gehört Karajan einfach dazu.


    Ich bin mir sicher, daß es viele Menschen gibt, die ihm das hören von klassischer Musik zu verdanken haben. :D


    :hello:


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms


  • Das ist aber doch überhaupt kein Verdienst. Man wäre doch ebenso durch irgendwelche anderen Einspielungen zur Klassik gekommen. Bei mir waren das eine wilde Mischung mehr oder weniger zufällige LPs. Da waren zwar auch eine Pastorale und 9. mit Karajan dabei, aber eben auch Haydn mit Dorati, Schuberts Unvollendete mit Böhm, Tschaikowsky mit Roschdestwjenskij (Club Edition, blau mit Tschaikowsky-Büste) oder ein paar mies gepreßte auf dem Vox-Katalog basierende Sachen wie eine frühe Aufnahme Brendels von Beethovens 5. KK. Seine Aufnahmen waren halt extrem verbreitet, oft auch dank Club o.ä. preiswert und bei Gelegenheitsklassikhörern verbreitet.
    Bruckner habe ich aber z.B. ein paar Jahre später hauptsächlich unter Wand kennengelernt, weil der damals plötzlich späte internationale Karriere machte und in Funk und Fernsehen als Bruckner-Spezialist ständig auftauchte. Das hat gar nichts weiter zu sagen.


    Es hat wohl auch kaum ein Karajan-Kritiker bestritten, dass seine Interpretationen in dem Sinne gut sind, dass sie halbwegs (oder meinetwegen außerordentlich) kompetent ausgeführt sind und ordentlich klingen. Das gilt aber für praktisch alle professionellen Aufnahmen seit den 1960ern, also ebensogut für Solti, Bernstein, Kubelik, Böhm, Maazel, Abbado und wen auch immer.


    Dem widerspricht aber nicht, dass jemand, der eben nicht nur den Mainstream, sondern wirklich richtig viele Einspielungen von Standardwerken gehört hat, auch mit historischen und HIP-Aufnahmen vertraut ist, Karajans Aufnahmen keineswegs als Nonplusultra sehen wird und auch nicht Jahre später irgendwas zähneknirschend einräumen muß. Weil er nämlich nur die überzogene Über-alles-Qualität bestritten hat.
    (Immerhin hat HvK es geschafft, mir ein Werk, mit dem ich zugegebenermaßen noch immer nicht 100% im Reinen bin, auf einige Jahre hinaus ziemlich zu vermiesen: Schuberts 9. Obwohl diese gleißende Einspielung gar nicht mal dem sonst mitunter produzierten Klangnebel entspricht.)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes R.,


    ich zitiere Dich hier zu Deinen Ausführungen zu Schuberts 9 (DG, 1968 ) und aus dem Schubert 9 - Thread:

    Zitat

    Immerhin hat HvK es geschafft, mir ein Werk, mit dem ich zugegebenermaßen noch immer nicht 100% im Reinen bin, auf einige Jahre hinaus ziemlich zu vermiesen: Schuberts 9. Obwohl diese gleißende Einspielung gar nicht mal dem sonst mitunter produzierten Klangnebel entspricht.


    Zitat

    Vielleicht ein Faszinosum (und ich bereue inzwischen die CD verscherbelt zu haben), aber anders als z.B. Karajans Beethoven wirklich überhaupt kein Mainstream-Schubert. Sondern eher eine Mischung aus Bruckner und Strauss...


    Es ist wirklich schade, dass Du die CD nicht mehr hast. Vielleicht würdest Du das heute wenigsten ein wenig anders sehen.


    Ich zitiere dazu LOGE, dessen Ausführungen ich unterstreichen möchte:
    (Ich selbst habe meinen Senf zu den beiden Karajan - Aufnahmen bereits im Schubert 9 Thread abbgegeben.)

    Zitat

    Die Aufnahme der Großen C-Dur Schuberts unter Karajan (DG) ist kurz gesagt ein HAMMER! ... Sie ist wesentlich entschiedener geraten als die Große C-Dur Karajans bei EMI.




    Hallo Joseph,


    ich finde angemessen, das Du auch in diesem Thread (der mit DG angefangen hatte) die Schubert - Sinfonien - GA mit Karajan nicht vergessen hast.
    Ich hatte diese Aufnahmen bereits zuerst in einer EMI-LP-Box. Bereits damals, als dann die CD eingeführt wurde, stand für mich fest, das diese Aufnahmen zu denen gehören, die ich auch auf CD besitzen will. Den Hauptgrund hast Du bereits genannt - weil Karajan Schuberts Vorbild Beethoven klar herausstellt .....


    Meine erste CD-Ausgabe, war die EMI-GA - Box mit 4CD (die gibt es heute nicht mehr).
    Durch eine Sammlungsübernahme 2008 kamen mir die EMI-Neuauflagen der Schubert-Sinfonien als Einzel-CD´s in die Hände. Diese sind neu remastert und klingen wesentlich besser, als die CD-Erstausgabe (die ich inzwischen verkauft habe). Die von Dir abgebildeten EMI-Doppel-CD´s mit den Sinfonien dürften auch schon diesem neuen EMI-Remastering entsprechen.
    Die bei Karajan (EMI) auf diesen CD´s enthaltene Rosamunde - Musik dürfte man woanders kaum so spannend und aufgewühlt zu hören bekommen wie hier.


    Ich hatte und habe nie das Bedürfnis von den frühen Schubert-Sinfonien eine andere Aufnahme zu besitzen. Die Sinfonie Nr.9 (EMI) kommt bei mir allerdings nicht so gut an, wie "Loges Hammeraufnahme" bei DG, 1968, die wiederum bei Johannes Zwiespältigkeiten auslöste. :D So ist das mit der Subjektivität !
    Das schließt auch nicht aus weitere Aufnahmen der 8 und 9 mit Szell, Böhm und Bernstein zu schätzen.


    :hello: Und an Thomas den freundlichen Gruß und dezenten Hinweis:
    Jetzt sag mir nicht Karajan sei kein Schubert - Dirigent :hahahaha:


    Es herscht ja mitunter eine Stimme vor, Karajan hätte Schubert nur dirigiert um eben dieses Repertoire abzudecken. Wenn ich Schuberts Karajan höre, dann bin ich da ganz anderer Meinung .....

    Gruß aus Bonn, Wolfgang


  • Fazit: Wenigstens Karajan ist als Dirigent NICHT überschätzt!

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Dieser Thread droht sich ja jetzt zu einem allgemeinen Karajan Thread zu entwickeln, und ein wenig vom eigentlichen Thema abzuschweifen.
    Wenn aber gerade hier das Bedürfnis besteht Details über Karajan zu erörtern, was in anderen Threads nicht erreicht wurde - sioll mir das auch recht sein


    Zitat




    Natürlich ist es ein Verdienst, wenn eine bis dato indifferente Gruppe der Gesellschaft sich um die " Symbolfigur Karajan" versammel, und auch noch rund 20 Jahre von ihrem Idol nicht ablässt, seine Aufnahmen weiterhin kauft. Seine Strahlkraft scheint ungebrochen zu sein, zumindest wenn man die Empfehlungen in den Wiener Schallplatten hört. Und selbst wo Alternativen angeboten werden, bekommt man zu hören: "Da geh ich lieber auf Nummer Sicher - ich nehm die CD mit Karajan"


    Es wurden hier andere Dirigenten ins Spiel gebracht.


    Lediglich Böhm und Bernstein konnten allenfalls mit Karajan konkurrieren, niemals jedoch Solti oder Abbado, was zum Teil auch auf den Kernbereich deren Repertoire zurückzuführen ist, wo sie wirklich gut sind. (mich schüttelt es bei Soltis Haydn und Mozart, nein das trift es nicht - ich langweile mich)
    Einst sagt Karajan eine Aufführung ab. Der damalige Kulturminister Zilk bemühte sich um Ersatz, den er im damaligen künstlerischen Leiter der Wiener Staatsoper gefunden zu haben glaubte.
    Viele Leute wollten DENNOCH ihre Karte zurückgeben, denn für HGerrn von Karajan gäbe es keinen Ersatz.
    (Was die Leistungen von L. Maazel in keiner Weise schmälern soll, aber er hat es - wi fast alle anderen Dirigenten um Karajan nicht geschft dessen Image zu erreiche - und vermutlich wollter er das auch gar nicht)


    Zurück zu Karajan als Mozart- und Haydn-Dirigent.
    Es regiert hier eine gewisse kühle Zurückhaltung, die aber meiner Meinung nur im unmittelbaren Vergleich hörbar wird. Ich besitze beispielsweise die Londoner Sinfonien (3 CDS, derzeit einzeln erschienen). An sich - so man den großorchestralen Ansatz bei Haydn akzeptier - und das tue ich bei den späten Sinfonien durchaus - gäbe es nichts auszusetzen, Aufnahmen die beim ersten Hinhören durchaus zu gefallen wussten. Erst beim Vergleichenden Hören mit Böhm oder Jochum treten die "Defizite" zutage, eine gewisse Blässe, ein Mangel an Feuer. Persönlich würde ich sagen - die Aufnahmen seien gank OK - lediglich - keine Glanzleistung des "Dirigenten aller Dirigenten"


    Wer Karajan schon an sich etwas am Zeug flicken will, wird sich mit Heißhunger auf diese Aufnahmen stürzen und sie zerfleischen. ;)


    Man darf aber bei allem nicht vergessen daß alle Aufnahmen Karajans Studioaufnahmen sind, die nur einen schwachen Abglanz seiner Faszination widergeben - auch wenn der Maestro, selbst anderer Meinung gewesen sein mag.


    Über die Gründe des ach so beliebten "Karajan Bashing" könnte ich stundenlang schreiben - obwohl ich ja erklärtermaßen KEIN Karajan- Anhänger, sondern einer von Karl Böhm bin. Deren teilweise recht unqualifizierte musikalische Abwertung durch gewisse Lobbys hat aber recht durchsichtige Gründe - und somit versuche ich dem entgegenzuwirken und empfehle allen, die sich durch gehässiiges Geschreibsel - und nicht durch eigenes Hören - von Karajan ein negatives Bild gemacht haben - dieses durch EIGENES Hören einer kritischen Revision zu unterziehen, schließlich ist ja nicht eine ganze Generaton von Klassikhörern auf ihren Ohren gesessen, hat sich stunden und tagelang (!!) um Opernkarten angestellt - um dann "Mittelmaß " zu hören - nein man wusste schon was man tat...


    Man mag einwenden, die neuen Karajan-Boxen - und sie sind ja der eigentliche Star dieses Threads - seien ein "Totalausverkauf"


    Das kann schon sein - aber solch eine Maßnahme hat man in der Regel nur den ganz "Großen" zugestanden.


    Karajan, Bernstein, Harnoncourt und einige wenige andere...


    Der Rest wurde zuletzt totgeschwiegen und ist (oft ungerechterweise und zum Schaden der Sammler) in den Archiven verschwunden......


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • ,,


    Alles schon mal dagewesen.Schon 1990 kamen Karajan-Boxen auf den Markt.Von Brahms,Beethoven,Bruckner,Haydn usw.Die gesamte Karajan Collection bestand aus 8 Boxen.Jetzt gibt es sie im neuen Design.


    Erstmalig kamen jetzt alle 38 CDs in einer Box heraus,platzsparend und geldsparend.Diese Aufnahmen haben sich für Universal über Jahrzehnte hinweg gut verkauft und so finde ich es fair von Universal,alle 38 CDs in einer Box zu "verramschen" oder besser gesagt,sie für einen fairen Preis anzubieten.Daß man 38 CDs in durchsichtige Hüllen steckte,kann man bei diesem Preis verschmerzen.

    mfG
    Michael

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Dieser Thread droht sich ja jetzt zu einem allgemeinen Karajan Thread zu entwickeln, und ein wenig vom eigentlichen Thema abzuschweifen.
    Wenn aber gerade hier das Bedürfnis besteht Details über Karajan zu erörtern, was in anderen Threads nicht erreicht wurde - sioll mir das auch recht sein



    Natürlich ist es ein Verdienst, wenn eine bis dato indifferente Gruppe der Gesellschaft sich um die " Symbolfigur Karajan" versammelt, und auch noch rund 20 Jahre von ihrem Idol nicht ablässt, seine Aufnahmen weiterhin kauft.


    Welche indifferente Gruppe versammelt sich um eine Symbolfigur?
    Ein Anfänger kauft die LPs, CDs, die leicht erhältlich sind, preiswert oder allgemein empfohlen. Das galt längere Zeit u.a. für etliches von Karajan, als nämlich die älteren Aufnahmen in Boxen oder so günstig wiederveröffentlicht wurden.
    Das ist deswegen überhaupt kein Verdienst, weil es für zig andere Aufnahmen gilt, insbesondere auch für Billigaufnahmen von Firmen wie VOX usw., die von Einsteigern gekauft wurden und denen Standardwerke ebenso nahebrachten wie vielleicht objektiv Überlegene bekannter Labels. Ein Anfänger hat keine Ahnung, per Definition. Er lernt ein paar bekannten Namen kennen (wenn er nicht ganz deppert ist, nicht nur Karajan, Böhm und Solti) und kauft Aufnahmen. Noch häufiger wird er bei Eltern, Freunden usw. auf Platten stoßen, die die eben schon haben. Es findet hier keine "Einigung" durch den Hohenpriester HvK statt, sondern bei einem hohen Verbreitungsgrad ist es einfach ziemlich wahrscheinlich, dass man den entsprechenden Einspielungen früh begegnet. Die Zauberflöte haben die meisten Leute wohl eher mit Fricsay oder Böhm kennengelernt, Bruckner mit Jochum, Dvorak mit Kubelik, Mahler mit Bernstein oder Solti, Berlioz mit C. Davis usw., weil es einfach die verbreitesten Aufnahmen waren oder die Dirigenten oft als Spezialisten für das jeweilige Repertoire galten.
    Ich habe z.B. die Beethovensinfonien 6 und 9 mit Karajan, 3 unter Kletzki, 5 unter C. Kleiber kennengelernt (das waren zufällig vorhandene oder geschenkte Tonträger) und den Rest erst richtig auf meiner ersten CD-GA mit Kegel, die damals, als CD sonst noch teuer waren, die preiswerteste (zumal in DDD) gewesen ist. Keiner von diesen Dirigenten hat sich damit besondere Verdienste erworben. ;) (Die aus heutiger Sicht besten dieser Aufnahmen sind die 5. mit Kleiber und die 9. mit Karajan, die anderen würde ich nicht als besonders bemerkenswert beschreiben, aber für den Einsteiger war das egal, es hätten auch ganz andere sein können.)


    Zitat


    Es wurden hier andere Dirigenten ins Spiel gebracht.


    Lediglich Böhm und Bernstein konnten allenfalls mit Karajan konkurrieren, niemals jedoch Solti oder Abbado, was zum Teil auch auf den Kernbereich deren Repertoire zurückzuführen ist, wo sie wirklich gut sind.


    Das ist Deine Meinung und entspricht vielleicht auch der allgemeinen Sichtweise in Östereich um 1970. Es ist aber überhaupt nicht der Punkt, um den es für den Einsteiger geht. Auch kann man kein bestimmtes Repertoire aussondern; bei Wagner oder Mahler ist eher fragwürdig, ob Karajan mit Solti konkurrieren kann, bei Ravel oder Strawinsky dürfte er gegen Abbado den kürzeren ziehen usw., alles Standardsachen, wenn auch vielleicht nicht für Dich.
    Für den Einsteiger, der gut klingende, ordentliche Interpretationen sucht, ist m.E. fast egal, von welchem größeren Label und mit welchem Dirigenten er ein Stück kennenlernt; einige typische traditionelle Empfehlungen habe ich oben genannt. Bei Beethoven oder Brahms mag Karajan lange eine Standardempfehlung gewesen sein (wie wohl es hier immer viele verbreitete andere Aufnahmen gab), bei Bruckner (weil die Aufnahmen teils erst um 1980 gemacht wurden), Berlioz, Bach, Haydn, Ravel oder Strawinsky eher nicht. Was nicht ausschließt, dass es einzelne Aufnahmen gibt, die jemanden aus irgendwelchen Gründen kalt lassen oder gar abstoßen können.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)