Maria Callas - live -


  • Gabriele Santini
    Rom, 31.12.1957


    Noch während der Kostümproben zur später „legendären“ Norma - Aufführung in Rom trat die Callas am Silvesterabend 1957 in einem speziellen Konzert der RAI - Rom auf, um mit „Casta Diva“ den Beginn der Eurovisions - Tätigkeit des italienischen Fernsehens zu begehen. Welch ein Stellenwert hatte der Operngesang zu der damaligen Zeit! Würden Opernsänger heute noch solch eine Chance bekommen?


    Dieses ist ein interessantes Dokument, von dem auch ein Filmmitschnitt existiert, der lange als verschollen galt. Interessant, weil die Callas sich zwei Tage vor dem legendärsten ihrer so genannten „Skandale“ stimmlich wunderbar ausgeruht und ausgeglichen mit einem ihrer Paradestücke präsentierte.


    Am 27. und 28.12. probte sie für die römische Norma - Aufführung in einem ungeheizten Saal, absolvierte dann am 31.12. die Kostümprobe und sang um 21.00 Uhr in der RAI - Rom „Casta Diva“.


    Von den bevorstehenden stimmlichen Problemen, die zum Abbruch der Norma am 02.01.1958 führen sollten, ist an diesem Abend nichts zu bemerken. Die Callas legt die ganze Arie, hier ohne Rezitativ und Cabaletta geboten, wunderbar innig, fast privat an. Sie singt in der Mittellage mit voller, warmer Stimme, ebenso klingen ihre ausgiebigen Piani und nur in der Höhe wird sie ein wenig dünn. Wobei die sich in nichts von ihren damaligen vokalen Möglichkeiten unterscheidet. Höchstens könnte man anmerken, dass der erste Aufschwung im ersten Vers ein wenig vorsichtig angegangen wird. Trotzdem gelingt es ihr, daraus einen wunderbaren Bogen zu formen, wie übrigens die ganze Arie als ein einziger langer, ruhiger Fluss erscheint. In der Kadenz steigt sie dann langsam in die Höhe, die sie allerdings sehr schnell verlässt, um anschließend eine ausdrucksvoll ausgeformte fallende Skala zu bilden.


    Dieser schwer erhältliche Mitschnitt ist nicht nur aus den oben angeführten Gründen hochinteressant, er ist auch musikalisch ein ausgesprochener Genuss, da die Callas es schafft, aus dem Gebet der Norma eine ganz persönliche Klage zu gestalten, in der nun die Frau eindeutig vor der Priesterin dominiert.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Würde Italien heute der Eurovision neu beitreten , so hätte die Republik Italien sicherlich auch heute noch sehr gute Sängerinnen .


    Wenn auch keine vom Format der Callas in ihrem Repertoire .


    Ich denke , dass heute z. b. Cecilia Bartoli , die doch nicht nur eine bedeutende Sängerin , sondern auch sehr beliebt beim Publikum ist ,
    solch eine Aufgabe wahrnehmen würde und könnte .


    Unbestritten war Maria Callas gerade mit einer ihrer Glanzarien wie eben " Casta Diva " damals die Primadonna assoluta .


    Soweit es mir durch die Lektüre von Aussagen von Künstlern , die am Ort des Geschehns am 02. Januar 1958 in der Oper von Rom zugegen waren , übereinstimmend zu dem " ergebnis 2 gekommen , dass Maria Callas an jenem Abend nicht wegen ihrer stimmlicheh verfassung aufhören m u s s t e , sondern weil sie - nicht zum ersten Mal - im medizinischen sinn erheblich krank war .


    Die Callas brauchte die Anwesenheit von einem der zig italienischen Staatspräsiedenten nach dem 2. Weltkrieg wahrlich nicht für ihren Ruhm . Und sie war , auch nach Darstellung ihrer Gegner , in ihrer gesamten Laufnahn so pflichtbewusst und hochprofessionell , dass sie auch den zwieten Teil des Abends versucht hätte durchzuhalten, wenn dies gegangen wäre .


    Vom 02. Janaur 1958 gibt es ja einem Mitschnitt , den Du sicherlich noch besprechen wirst ( mit Franco Corelli ; Label : MYTo , CD ) .


    Eine Rolle wie die der Norma kann man wohl unmöglich durch eine andere Künstlerin an demselben Abend ersetzen . Dies hätte aus meiner Sicht auch keinen Sinn gemacht .


    Und am 04. Januar 1958 ist die " Norma " ja dann mit der grossartigen Anita Cerquetti in der sonst identischen Besetzung aufgeführt worden . Auch davon gibt es einen vollständigen Mitschnitt ( Label : MYTO , CD ) .


    Wäre Maria Callas wieder vollständig genesen gewesen, dann hätte sie diesen Abend selbst gesungen .


    Seltsamerweise dürfen Künstler der absoluteh Spitzenklasse , zumal Sänger , offensichtlich vor allem dann nicht " ausfallen " , wenn die römische Schicki - Micki - Society gedenkt , in die Oper zu pilgern .


    Und wer die Verhältnisse in Paris 1965 jetzt direkt ins Auge fasst, der wird nicht erstaunt feststellen , dass die sicherlich viel skandalträchtigere Rosemarie " Romy " Schneider in der Pariser Oper gütigerweise Platz genommen hatte als die Callas dort ihre letzte " Norma " gesungen hat und nach Aussagen von Maestro G. Pretre mit fast nicht messbarem Blutdruck hinter der Bühne zusammengebrochen war .


    Fra R. Schneider , damals Paris , galt in jener Aufführung als einer der drei wichtigsten Besucher dieses Abends . Kein Kommentar . Auch dies ist dokumentiert .


    Und Frau Callas hatte es nicht nötig 1958 oder 1965 aus pekuniären Gründen zu singen oder weil sie gar Konkurrenz hätte fürchten müssen . Und sie hat , wie heute üblich , auch keine " Boni " für ihr angebliches Versagen bekommen .


    Ich weiss , dass Du ähnlich denkst .


    Viel wichtiger für mich bleibt , dass die grossen " Rivalinnen " von Maria Callas wie Sutherland , Scotto oder Caballé sie in sehr vielen wichtigen Punkten ihrer eigenen Karriere bis heute als Vorbild nach wie vor bezeichnen !


    Und Maria Callas hat die sängerischen möglichkiten ihrer grossen kolleginnen auch öffentlich ( wie im Falle der Sutherland mit deren ' Lucia' ) stets bewundert . Auch darin liegt Grösse .


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin


  • Myto bei JPC 8181790


    Miriam Pirazzini, Franco Corelli, Giulio Neri - Gabriele Santini
    Rom, 02.01.1958


    Diese Gala - Premiere der “Norma” wurde zum größten Skandal in der Karriere der Callas, der sie mindestens ein knappes Jahrzehnt mit seinen (gerichtlichen) Auswirkungen verfolgte. Und auch heute noch wird er in manchen Kreisen bei der Beurteilung der Callas als Mensch und Künstlerin ebenso gerne herangezogen wie Onassis, ihr “Mutterhass”, ihre Zwergpudel oder ihre Äußerungen über Kollegen.


    Dabei ging es eigentlich nur um den krankheitsbedingten Abbruch einer Vorstellung.


    Pech der Callas war, dass gerade in dieser Vorstellung, neben anderen Berühmtheiten, der italienische Staatspräsident zugegen war. Daher ging in den folgenden Tagen und Wochen ein Aufschrei durch die italienische Presse und Gesellschaft. Man warf ihr Missachtung des italienischen Staates vor, diskutierte Forderungen nach Aberkennung ihrer Staatsbürgerschaft im italienischen Parlament, beschmierte ihr Mailänder Haus mit Kot. Und auch die internationale Presse schürte das Feuer. So gibt es einen amerikanischen Wochenschauausschnitt, in dem zu Bildern einer konzertanten Norma - Probe sehr süffisant berichtet wird, wie gut die Callas doch hörbar bei Stimme gewesen wäre und die Absage natürlich nur ein weiteres Mal ihre Launenhaftigkeit beweisen würde. Natürlich war die Callas bei diesen Ausschnitten gut bei Stimme, es waren schließlich Mitschnitte der Proben zur 1955 “Norma” aus der RAI - Rom.


    Nach dem Abend trat die Callas erst wieder in Italien bei der legendären, unter Polizeischutz stattfindenden Wiederaufnahme der Anna Bolena an der Scala im September auf. Die dortige eisige Stimmung zu Beginn konnte sie zu einem Triumph umwandeln, mied Italien dann aber erneut bis zum 07.12.1960 (!), der Premiere des Poliuto.


    Die Callas hatte nach den Proben in ungeheizten Räumen schon gleich über Erkältungssymptome geklagt und die Direktion gebeten, nach einem Ersatz Ausschau zu halten. Diese lehnten aber mit der Begründung, dass man eine Callas nicht ersetzen könne, ab. Fedora Barbieri mussten sie aber trotzdem ersetzen. Sie hatte sich bei den Proben auch erkältet, für sie sang dann Miriam Pirazzini. Die gerichtliche Auseinandersetzung, die die Callas anstrengte, ging dann übrigens zu ihren Gunsten aus, ihr wurde Schadensersatz zugebilligt. Allerdings dauerte der Rechtsstreit ein knappes Jahrzehnt und der “Imageschaden” war sowieso nicht mehr gutzumachen.


    Neben der nur in Ausschnitten überlieferten “Norma” aus Triest und einigen Aufführungen aus der Pariser “Norma” - Serie ist dies die einzige Zusammenarbeit von Callas und Corelli in dieser Oper auf der Bühne.


    Corelli beginnt nach Auftrittsapplaus. Die Stimme hat nun im Vergleich zu 1953 (Triest) einen stärkeren nasalen Klang bekommen und die bekannte Art Corellis, bestimmte Töne, vor allem die Höhe anzugehen, tritt immer stärker hervor. Auch ist er so sehr Krieger, dass man ihm die Verzweiflung in “e in lui m’avvento io stesso” oder bei “In rammentarlo io tremo” nicht unbedingt abnimmt. Trotzdem ist sein kraftvoller, schöner, aber ebenso eleganter Vortrag ein Gewinn gegenüber dem des eher bulligen del Monacos.


    Die Arie und Cabaletta selber bieten das gleiche Bild wie das Rezitiv. Dies ist im strengen Sinne kein stilvoller Belcanto - Vortrag (“N’odo da lunge un gemito”) und all das, was an Corelli kritisiert wird, ist vorhanden. Trotzdem, er reißt mit und man muss erstmal einen ebensolch vitalen, höhensicheren Pollione finden.


    Ebenfalls nach Auftrittsapplaus beginnt dann die Callas mit ihrem Reziativ. “Sediziose voci” und die nachfolgende Phrase klingen ein wenig hart und farblos, während beim Piano von “arcano“ ein leichtes Tremolo zu hören ist. Dies alles könnte aber durchaus noch Anfangsnervosität oder auf eine noch nicht vollständig ansprechende Stimme zurückzuführen sein.


    Aber auch im weiteren Verlauf zeigen sich Probleme, die man, wüsste an nicht um die stimmlichen Schwierigkeiten, vielleicht gar nicht einmal bemerken würde. Das gesamte Rezitaiv klingt ein Hauch oberflächlicher, plakativer als sonst von ihr gewohnt. Die Mittellage und Tiefe, sonst eine feste Bank bei ihren Auftritten, sind nun unausgeglichener, auch die Betonungen und Farben wechseln immer einmal wieder auf nicht gewollte Weise. Und das Piano, vor allem in der Höhe, kommt immer noch nicht sicher genug (“e il sacro vischio io mieto” - zugegeben, immer ein ungeliebter Ton der späteren Callas) und wird mit zu viel Druck dargeboten. Trotzdem muss man sagen, dass es sich hier nur um minimale Unterschiede handelt.


    “Casta Diva” selber kann sich nun überhaupt nicht mehr entfalten, die Stimme ist nicht in der Lage, ein Wort, eine Phrase zum Blühen zu bringen. Schon das “a” von “Diva” ist kaum hörbar, “che inargenti” klingt rau und “sacre” hat in sich einen Moment, in dem die Stimme überhaupt nicht anspricht. “Sembiante” klingt, als würde sie sich von Silbe zu Silbe kämpfen und erst mit den Aufschwüngen bei der Wiederholung von “A noi volgi” wird die Stimme durch den hinzu geführten Druck stabiler und sicherer. Im zweiten Vers geht es dann genauso weiter. In “Dio” rutscht ihr einen Moment der Atem weg, so dass ein ungewollt hässlicher Ausdruck entsteht. Und ebensolche Klänge hört man bei dem Abgang bei “quella pace”, Klänge, die ich sonst bei keiner ihrer Normas gehört habe. Die Kadenz selber ist noch recht gelungen, vor allem die fallende Linie, auch wenn bei der Endnote wiederum der Klang fehlt.


    Das römische Publikum reagiert darauf allerdings mit schon fast hysterischen Bravo - Gerufe.


    Die Cabaletta wird mit entschieden zu viel Druck angegangen, wobei ihr nun in der Tiefe Klänge unterlaufen, die einen leicht “ordinären” Ton haben. Diese Töne wurden von ihr immer einmal wieder produziert, wenn es der dramatischen Situation einer Rolle angemessen war. In der Norma hat sie es nie gemacht und sicherlich sind sie auch hier nicht mit Absicht entstanden (“Sia disgombro dal profani“). Interessanterweise ist die Höhe bei “La mia voce tuonerà.” exzellent und obwohl schwer verhangend klingend, gelingt ihr “Ma punirlo il cor non sa.” sehr ergreifend. Überhaupt ist der zweite Vers der Cabaletta (bis auf die Wiederholung von “Ah! bello a me ritorna” und einem fast piepsigen Spitzenton bei “sereno”) bemerkenswert gut. Das schließt auch das abschließende C ein. Trotzdem ist die Anstrengung, die sich in einem nur durch Kraft erreichten Schwung bemerkbar macht, überdeutlich.


    Die kurzfristig eingesprungene Pirazzini hat einen wesentlich höher gelagerten Mezzo als Barbieri oder auch die Simionato. Ihr Beginn leidet unter einer leicht oberflächlichen Interpretation und einem fast angesprungenen Spitzenton bei “perduta io son”. Zudem hat ihre Stimme nicht das Timbre, das ich mir für die Adalgisa wünschen würde.


    Aber “Va, crudele” ist dann wieder bester Corelli, so wie man liebt (oder eben auch nicht). Mit Abstrichen (“ed innocente”) antwortet die Pirazzini auf diesen Vers entsprechend schwungvoll, auch wenn sie mit der Verzierung zum Ende hin überhaupt nicht klarkommt. Bei “Abbandomarmi cosi” bedauert man erneut, dass es keine vollständige Live - Aufnahme der “Norma” von Callas und Corelli gemeinsam gibt und dass er an diesem Abend keine bessere Adalgisa gehabt hätte.


    Vor dem nächsten Auftritt der Callas kommt es dann zu der berühmten Ansage, die sofort mit heftigem Pfeifen und Buhrufen bedacht wird, “Protesta violetamente”, wie der Radioansager es nennt.


    Hätte die Callas sich gesund genug gefühlt, hätte sie diesen Abend mit Sicherheit durch gesungen. Schließlich war sie eine Kämpferin und äußerst pflichtbewusst. Aber “Casta Diva” macht deutlich, dass es nicht gegangen wäre. Aus welchen Gründen, ob nun Kreislauf oder andere Gesundheitsprobleme oder eine Erkältung, die sich zu einer Grippe ausgewachsen hatte, kann man im Rückblick schlecht beurteilen. Aber sie war eben eindeutig weit von einer Form entfernt, die eine “Norma” (!) ermöglicht hätte.


    Die Folgen für sie waren allerdings in ihrer Grausamkeit und Absurdität kaum zu überbieten.


    :hello: Gustav

  • Lieber Frank!


    Stimmt, an die Bartoli hatte ich gar nicht gedacht. Sie wäre sicherlich eine "Bank" für solch eine Sendung, wenn - und das meinte ich eher - wenn überhaupt noch jemand aus dem klassischen Bereich dafür herangezogen werden würde. Aber das ist eine Diskussion für sich.


    Zur römischen Norma:


    Die Callas hatte schon stimmiche Probleme an diesem Abend, die Frage ist nur, wodurch sie hervorgerufen wurden. Sie selber hatte ja schon Tage vorher die Direktion gebeten, einen Ersatz zu suchen. Sie ahnte also, dass es nicht funktionieren würde.


    Aber natürlich völlig d'accord mit der pflichbewussten Sängerin. Die Callas sagte nie ab, wenn es nicht wirklich schwerwiegende Gründe gab. Deshalb ärgert es mich, wenn selbst heute immer noch von ihrer Launenhaftigkeit und ihren diversen Absagen zu lesen ist. Wenn ich mir überlege, in wie viele Vorstellungen in Hamburg ich gehen musste, um endlich einmal Shicoff hören zu können. (Wobei ich ihm nicht vorwerfen will, dass er aus nichtigen Gründen absagte.) Aber wie oft habe ich auf Sänger in Hamburg mich umsonst gefreut. Ich erinnere mich an einen Carlos mit Ghiaurov, Freni, Baltsa und, glaube ich, Carreras. Und alle sagten ab! Nur der Callas haftet so etwas immer noch an.


    Im Rückblich ist das einzig Positive an dieser ganzen "Skandal" - Sache vielleicht: Welch ein Stellenwert hatte die Oper einst in der Gesellschaft, dass sogar im Parlament darüber diskutiert wurde. Eine Opernsängerin war vielleicht die berühmteste Frau ihrer Zeit, jeder kannte sie und jeder war an ihr interessiert (die meisten Menschen leider an den falschen Sachen - aber immerhin). Und welchen Wert hat Oper heute noch im Bewusstsein der breiten Masse?


    Da hat sich in den letzten 50 Jahren sehr viel verschoben.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Darf eine " divina assoluta " krank sein ?


    Darf eine " divina assoluta " gar gegen einen Staat , in dessen wechselnden Grenzen sie nicht einmal geboren worden war und dessen Staatsangehörigfkeit sie " verliehen " bekommen hat
    gar fast zehn Jahre lange durch alle juristischen Instanzen klagen ?
    Wobei der mit der italienischen Geschichte nicht Vertraute sich vergegenwärtigen muss , w a s und w i e und mit welchen politischen Figuren Italien agiert und sogar überlebt hat .


    Bezüglich der 2. Frage ist die Antwort klarer als zu 1. . Der Bürger hat sogar eine Verpflichtung , öffentlich gegen die vor allem rein rechtlich begründete " Staastmacht " im Zzweifelsfall zu klagen . Wer dies , wie die Tendenz derzeit in Deutschland ist , verneint , der lässt uns Schlimmstes befürchten .


    Der damalige Staatspräsident Italiens , Giovanni Gronchi ( 1887 - 1978 ),
    bleibt selbst in den Geschichtsbüchern der Republik Italien kaum erwähnt . Vulgo . Gronchi war eher eine Marionette im Ränkespiel der italienischen Innenpoltik nach dem Zweiten Weltkrieg . Gronchi war Präsident von 1955 bis 1962 gewesen . Im damalige Adenauer - Deutschland muss er extrem hoch angesehen gewesen sein . So wurde er , wofür weiss niemand , mit dem Zusatz zum höchsten bundesdeutschen Orden geschmückt .


    Gioavnni Gronchi hat den abbruch jenes legendären Opernabends wahrscheinlich eher erfreut zur Kenntnis genommen . Gelitten hat er darunter nicht . Er sass noch mehr als vier Jahre in seinem Amztssitz und bezog dann noch über 16 Jahre seine Pension bevor er 91jährig starb .
    Dieser " Norma " - Abend in der römische Oper blieb dann auch d a s überragende Ereignis in seiner Amtszeit . Und er somit immer wieder in Erinnerung .


    Maria Callas war an jenem Abend " arbeitsunfähig erkrankt " . Und dieser Abend war in der sehr erfüllten Karriere von Maria Callas nicht der erste, v o r dem die wenigen Freunde , die sie wirklich hatte ( Simionato , Corelli ) ihr rieten , sich " vertreten 2 zu lassen . Doch eine Callas kann man nicht " vertreten " . Und Maria Callas liess sich gerade an solchen Tagen - natürlich - nicht " ersetzen " . Durch wen auch ?


    ( Dass sie in Edinburgh in der letzten Aufführung der jungen Renata Scotto ihre Rolle überliess hatte , so wurde immer spekuliert , auch etwas damit zu tun, dass sie der nach ihr wohl bedeutensten Kollegin endlich zum grossen weltweit wahrgenommenen Durchbruch verhelfen wollte . Maria Callas war im Zweifelsfall sehr p r o - kollegial . im Gegensatz zu anderen Stars und Sternchen . Dies ist übrigens keine ungewöhnliche Praxis im Musikleben, dass Grosse sich gegenseitig vertreten oder schnell füreinander einspringen . So werden auch Karrieren gemacht . Und die callas wusste, welche möglichkeiten renata Scotto hatte . 9


    Rom , 2. Januar 1958 .
    Du hattest es schon zuvor beschreiben , unter welch befremdlichen Bedingungen Maria Callas sich auf dieses " Grossereignis " vorbereiten musste .


    Es ist schon erstaunlich festzuhalten , wie leicht und folgenlos ein Weltstar wie Fedora barbieri , eine Ur - Italienerin , einfach absagen konnte . Dabei ist auch ein " Ersatz " für die heikle Partie der adalgisa sicherlich schwer zu finden ( heute gar unmöglich in der Stimmqualoität einer Barbieri , Simionato oder Cossotto ) .


    Die Triester Aufnahme mit Callas und Corelli ( Du hast sie bereits besprochen ) ist ein sehr guter vergleich . us meiner hörsicht vor allem wegen der Entwicklungen von Franco Corelli .


    Miriam Pirazzini hat , so finde ich , ihre Möglichkeiten an diesem abend des 2. Januar 1958 sehr gut ausgeschöpft . Man singt eben nicht eben einfach eine Rolle wie die der Adalgisa . Und dann neben und mit Maria Callas und Franco Corelli .
    Miriam Pirazzini hat in vielen Opernabenden durchaus ihre Verdienste gehabt . Und an solch einem in erster Linie " präsidialen Abend " pötzlich zur verfügung zu stehen , dazu gehören Leidenschaft für den Beruf und vielleicht auch ein gewisses Kalkül .


    Franco Corelli neigte dazu , bestimmte ( angenommene ? ) Eigenarten zu pflegen . Nicht nur als Pollione . Nicht wenige Stimmfreunde hat dies richtig gestört . Durch seine enormen Möglichkeiten auch stimmlicher art 8 Du hast ja Beispiele angeführt ) sowei durch seine wohl einzigartige Bühnenpäsenz war er , um es salopp auszudrücken , einfach unschlagbar .
    Und wie bei der Callas war Corellis Berufseinstellung immer hochprofessionell gewesen .
    Wer sich die Mühe macht , etwa seine stime mit denen von Mario Filippeschi ( etwa als Pollione und Manrico , Neapel ! ) oder del Monaco
    ( ebenfalls manrico und pollione ) zu vergleichen , der wird schwerlich zu einer anderen Entscheidung kommen können als dass der Thron eindeutig in seinem Stimmfach und mit seinen Rollen Franco Corelli gehört .
    An jenem Abend des 2. Januar 1958 wird sich bei dem so empfindsamen wie auch empfindlichen , " nervösen " Corelli innnerlich einiges abgespielt haben , über das er öffentlich nie etwas gesagt hat .
    Corelli hat den schwächelnden Gesundheitszustand von Maria Callas , die er inzwischen viele Jahre kannte , miterlebt .
    Durchschnittssänger in Durchschnittsopernhäusern vor einem nicht-präsidialen Publikum singen solche Rollen " durch " .
    Aber eine Norma? , eine Adalgisa ? , einenPpollione ? , einen nicht so einfach zu singenden Oroveso ?


    Maria Callas , das finde ich immer besonders aufschlussreich , wird als eine der ganz wenigen bedeutenden Künstlerinnnen immer an sich selbst gemessen . Und andere ihrer sogar berühmten Kolleginnen an dann wieder an ihr .


    Im Rahmen eines " Lucia " - vergleiches vor etwa drei haren wirs Joan Sutherland gleich viermal mit ihren interpretationen besprochen . Ein (!) Satz reichte da immer aus : " The best Lucia ever recorded!"
    Und auf der Bühne im harten Opernalltag ? Callas schätzte auch die Lucia der Sutherland wegen derer Koloraturen ( live ! ) ausserordentlich . Maria Callas hatte absolut keine probleme damit incognito , sich Joan sutherland oder Renata Tebaldi in einer Opernaufführung anzuhören .


    An jenem 2. Januar 1958 , Du beschreibst dies ja genau , war Maria Callas das , was man höflich als " indisponiert " bezeichnet ( immer aus der Sicht ihrerer Spitzenleistungen betrachtet ) .
    Für die extrem schwere Partie der Norma reichte ihre Physis nicht ! ( Natürlich immer noch besser als fast der gesamte " Rest " ) . Und auch ihre seelische Verfassung war fragil gewesen .


    Persönlich denke ich , dass dieser Abend n i c h t in eine Beurteilung über die Stimme der Callas und ihre Entwicklung einfliessen darf und kann .


    Wer krank ist ist krank .


    Das " E r e i g n i s " an jenem Winterabend in Rom waren weder die " Norma " als Oper , natürlich nicht Giovanni Gronchi als amtierender 3. Nachriegspräsident Italiens , sondern einzig und alleine Maria Callas !


    Wir werden ja auf die Pariser neuproduktion durch Franco Z e f f i r e l l i am 22. Mai 1964 in Paris zu sprechen kommen ( Aufführungen mit Franco Corellli und Fiorenza Cossotto , dei 1964 noch kollegial war ) . Seltsamerweise soll es von diesen Abenden keinen erhaltenen bandmitschnitt geben . Kaum fassbar .


    Aber ich möchte zu 1964 nur eines vorwegnehmen : Mit Maestro Georges Pretre am pult , mit Franco Corelli - einem ihrer grossen kompetenten Bewunderer - an ihrer Seite gabe es Triumphe für die Callas ( wie Pretre , cossotto , Corelli ) .


    Die Aufführungen im Mai 1965 ...., aber das wirst du zunächst selbst berichten .


    Dass am 2. Januar 1958 alles auf Maria Callas focussiert gewesen war , kann man dem entnehmen, dass die Aufführung vom 4. janaur 1958 mit Anita Cerquietti , einer im übrigen überzeugenden Norma-Interpretin , bis heute kaum wahrgenommen wird ( ansonsten mit Franco Corelli und unter der Leitung von G. Santini . Label : MYTO ,2 CDs ) .


    Beste Grüsse



    Frank



    PS.: Wenn ich es genau weiss, dann hat Maria Callas die italienische Staatsbürgerschaft später auch zurückgegeben .

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Gustav !



    Dass Deine Hambugrer Aufführung des Don Carlo in solch einer Luxusbestzung nicht zustande gekommen ist , könnte mit daran gelegen haben, dass die Stars der zunft sich sagten , wenn a nicht kann , B, nicht will , C kränkelt und D zur selben zeit gar an der MET unterVertrag steht, dann kann ich halt auch nicht .


    Im Alltag der Klavierstars kann so etwas mangels grosser Pianisten fast nicht mehr vorkommen . Der Rekordhalter im Absagen war zweifelsfrei Arturo Benedetti Michelangli ( dessen erste mir bekannte " Absage " stammt aus 1950 in New York ) . ABM hat jedenfalls häfiger konzerte angesagt , ärgerlicherweise oft extrem kurzfristig , als er Aufnahmen eingespielt hat ( ebenfalls ab 1950 ) .


    Cecilia Bartoli ist heute noch immer wahrscheinlich die weltweit berühmteste Sängerin Italiens .
    Dies wird selbst der gelernte SchiffsCanzonist Silvio B. nicht abstreiten .
    Iatlien hat auch aktuell sehr überzeugende Sängerinnen mit internationaler Reputation .


    Maria Callas war D i e O p e r in Person !


    Und objektiv hat sie auch niemals eine sänger - darstellerische Nachfolgerin gehabt .


    Ihr am nächsten gekommen sein dürfte von den uns beiden bekannten Künstlerinnen wahrscheinlich Giulietta Simionato .


    Nördlich der Alpen aus meiner Erfahrung Martha Mödl .
    Astrid varnay fand ich selbst tief beeindruckend .


    Warum soll ein Parlament nicht über eine Opernaufführung diskutieren ? Es steht allerdings zu befürchten , dass dies in Deutschland derzeit gar nicht möglich wäre .


    Und sollte 1958 das italienische Parlament etwa über die immer kriminelleren Verhältnisse , vor allem im Inneren , der Wirtschaft, der Finanzen , des chronischen Unrechts usw. diskutieren ?


    Maria Callas hatte für die Republik Italien mehr getan und weltweit erreicht als alle Parlamentsredner zusammen .


    Und im Parlament konnte man , gleich welcher Partei man gerade angehörte , sich als " Experte " produzieren .


    Iatlien hatte einen grossen vorteil gegenüber etwa Frankreich oder Grossbritannien : Es hatte gleich mehrere bedeutende Opernhäuser , jedes mit eigen " Fraktionen " , die über Sieg oder niedergang eines Künstlers entschieden haben . Carlo Maria giulini , ein überragender dirigent, wundervoller Mensch und scharsinniger beobachtung hatte früh die Zustände in der Mailänder Scala mit dem altrömischen Circus Maximus verglichen . Riccardo muti hat sich daran wohl in der zweiten hälfte der 1990er Jahre erinnert und die Stehplätze im " Olymp des Hauses " schliessen lassen .
    Natürlich : san carlo in neapel ( dort wurde Muti geboren ! ) . Dort kam es nachweisbar zu den schlimmsten Exzessen nicht nur zwischen Publikum und sich whrenden Sängern ( Cornell Macneil in Publikum zurückbrüllend als Rigoletto :" Haltets Maul , ihr Trottel !" . Handgreiflichlkietn im Publikum waren üblich .
    Und Rom ? Natürlich war an Abenden wie dem 2. Januar 1959 ausreichend Material an Carabinieri anwesend . Denn wann ver(w)irrt sich ein Präsident der Republik schon einmal in die Oper ?
    Und alle grossen couturiers der welt waren zumindest als Abendgarderobe anwesend ; dazu der illustre Kreis der chmucklieferanten von Tiffany übder Van Cleef & Arpel , die kleinen feinen Traditionsschmieden seit den Medicis und Borgias .


    Ihnen gegenüber - mit der angemessenne Distanz - , aber zu Recht höher als das 1. Parkett d i e " Weltfrau 2 überhaupt . ein zumal weiblicher Emporkömmling mit griechischen wurzeln aus einer bescheidenen Strässchen in dem fernen New York .
    nur " Il Presidente " sass , etwas einsam , in seiner überdimensionierten loge . Auf Augenhöhe . Nicht höher !
    Selbst der berühmte Kaiser Karl ( aus dem fernen Aachen ) hatte das kreuz im Dom höher hängen lassen als sein Steinthron in der 1. Etage des Aachenr Domes stand . Mehr als Symbolik .


    Nach rund 60 Minuten war Signor Gronchi entlassen worden . Er dufte nach Hause fahren .
    Es ist übrigens nicht zuverlässig überliefert, was der Präsident der Republik selbst zu diesem Abend gesagt hat . Auch ist nicht zuverlässig überliefert, ob es nicht doch zu einem Gespräch zwischen der Divina assoluta und dem zeitbefristeten oberszen beamten Italiens gekommen ist .


    Fast zynisch könnte man sagen : ganz Italien war in irgendeiner Form zumindest etwas von Oper - oder doch nur Operette ?


    Maria Callas blieb bezogen auf ihr Wohlbefinden bis zu ihrem Tod im September 1977 in Paris immer herz- und kreislaufgefährdet . Aber die " Assoluta " blieb weltweit immer ganz oben . Und sie blieb sich selbst treu in selbstauferlegter Art, alles ihrem Publikum zu geben, was sie vermochte !


    Wer könnte das so schnell von sich sagen ?



    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Viele Fragen und Anregungen enthalten deine beiden Kommentare.


    Zitat

    Darf eine " divina assoluta " krank sein ?


    Das ist natürlich eine Frage, die man erweitern muss. Was erwarten wir eigentlich von "Stars"? Haben "Stars" noch ein eigenes Leben und eigene Entscheidungsgewalt oder sind sie nur noch Eigentum der Öffentlichkeit? Hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, das Funktionieren von "Stars" einzufordern? Was machen "Stars", dass die Öffentlichkeit so reagiert und warum reagiert die Öffentlichkeit in dieser Weise?


    Es betrifft ja nicht nur die Callas. Immer wieder erleben wir doch, dass ein "Star", in welchem Bereich auch immer, sofort fallengelassen wird, wenn er die Erwartungen der Masse nicht erfüllt. Scheinbar können viele nicht mehr akzeptieren, dass eine dargebrachte Illusion sich nur auf die Bühne bezieht, dass hinter dem "Illusionsverkäufer" auch immer ein Mensch mit allen Problemen, Fehlern, Schwächen und in diesem Fall Krankheiten steht. Aber wie ärmlich muss auch das Leben von vielen Menschen aussehen, wenn sie sich nur über "Stars" definieren können und Dinge, die sie für sich selbst jederzeit in Anspruch nehmen würden, dann nicht akzeptieren können? Welche Schuld oder Verantwortung tragen die "Stars" selber oder die Medien?


    Das ist insgesamt ein hochinteressantes Thema, das aber sicherlich nicht nur den Rahmen dieses Threads sprengt.


    Natürlich ist es ärgerlich, sagt ein Künstler, auf den man sich gefreut hat, ab. Das kennen wir wohl alle. Aber die Verärgerung muss doch im Rahmen bleiben. Dieser "Rom - Skandal" war in seinen Folgen so dermaßen absurd (vielleicht auch wegen der oftmals theatralischen Haltung der Italiener), wie es damals doch noch relativ selten war. Spontan fällt mir der Aufschrei in Zusammenhang mit dem Film "Die Sünderin" ein oder der Skandal um Ingrid Bergmann und Roberto Rosselini. Aus heutiger Sicht ebenfalls völlig absurd.


    Jedenfalls hat die Callas wohl auch in diesem Bereich, unfreiwillig, Dämme gebrochen. Die Idolisation von Künstlern oder Sportlern nahm danach immer maßlosere Formen ein (auch unter dem Einfluss von Medien und Industrie) und ein leichtes "Schwanken" dieser Idole wurde und wird nun immer stärker vom Publikum mit "Liebesentzug" bestraft. Das mag im Klassikbereich noch angehen, im Popbereich ist es ja die Regel geworden.


    Und man darf natürlich im Falle der Callas nie vergessen, worum es eigentlich ging. Sie hat ja nicht gedopt, Kinder missbraucht, Drogen genommen oder sonst etwas gemacht. Sie hat schlichtweg nur eine Vorstellung abgesagt, weil sie krank war. Mit fällt wieder nur das Wort absurd ein.


    Die Carabinieri in der Scala kenne ich auch noch. Vor allem in der zweiten Vorstellung der Luisa Miller, als die Ricciarelli fürchterlich in der Premiere ausgebuht worden war. (Sie war auch wirklich alles andere als gut.) Aber ich weiß nicht, ob das Schließen der Ränge die richtige Antwort war. Schließlich hat das Publikum ja auch ein Recht auf seine Meinungsäußerung. (Wobei mindestens in Mailand ja noch das Problem der bezahlten Claque hinzukommt.) Die Zuschauer sind ja nicht nur zum Applaudieren da.


    Stichwort Corelli. Ebenso wie di Stefano hatte er seine stimmlichen "Macken", ganz klar. Aber ich kann mir nicht helfen, ich liebe beide Stimmen und kann, bis zu einem gewissen Grad (der ist bei di Stefano eher erreicht), darüber hinweghören.


    Übrigens weiß ich nicht, ob die Callas wirklich den "Steigbügel" für die Scotto in Edinburgh gehalten hat. Sie hatte zunächst einmal schlichtweg keinen Vertrag für die letzte Vorstellung. Welche Absprachen im Vorfeld zwischen Scala und Edinburgh gelaufen waren, weiß ich allerdings nicht.


    Kollegial war sie sehr wohl, auch in Proben, selbst auch Choristen gegenüber, solange alle ihr Bestes gaben. Sonst konnte sie durchaus auch anders reagieren. Was sicherlich für manche Beteiligten schwer zu akzeptieren war, vor allem, da sie ja immer ihren Maßstab von Professionalität anlegte, und der war bekanntlich ziemlich hoch. Es gabe wohl bei der 1955 - Traviata durchaus Probleme, vor allem mit di Stefano, weil er das alles mehr von der leichten Seite nehmen wollte. Aber nur durch diese unendlich harte Arbeit wurden die diversen Aufführungen dann zu Ereignissen, über die man heute noch spricht.


    Die italienische Staatsbürgerschaft hat sie tatsächlich zurückgegeben, weil sie durch die Annahme der griechischen als unverheiratet galt und dadurch Onassis hätte heiraten können.


    Zitat

    Dass Deine Hambugrer Aufführung des Don Carlo in solch einer Luxusbestzung nicht zustande gekommen ist , könnte mit daran gelegen haben, dass die Stars der zunft sich sagten , wenn a nicht kann , B, nicht will , C kränkelt und D zur selben zeit gar an der MET unterVertrag steht, dann kann ich halt auch nicht .


    Das war auch genau der Grund, den wir damals vermuteten. Na, jedenfalls haben wir keine Eingabe an die Hamburger Bürgerschaft gemacht. Natürlich wäre es schön, wenn das Parlament über Oper oder allgemein Kultur häufiger diskutieren würde. (es muss ja nicht à l' italienne sein), aber es zeigt auch, dass Kultur immer noch als Sahnehäubchen betrachtet wird und nicht als lebensnotwendig. Aber auch das ist wieder ein ganz anderes Thema.


    Michelangeli habe ich einmal als angekündigt erlebt und auch prompt hören dürfen. Aber Martha Argerich!! Irgendwann habe ich es aufgegeben und mir lieber eine CD gekauft. (Aber das nur nebenbei.)


    Zitat

    Maria Callas war D i e O p e r in Person !


    Schade, das wäre ein schöner Schlusssatz am Ende des Gesamtthreads gewesen. Aber uns wird sicherlich noch eine ähnlich schöne Formulierung einfallen.


    :hello: Gustav

  • Der „Norma Skandal“ in Rom bestand ja nicht nur aus sich selbst, sondern aus 1-2 kleinen Vorgeschichten und ich bin der Meinung, dass neben Sensationsgier der Medien u.a. ohne die Vorgeschichten diese eine Absage selbst vielleicht gar nicht so einen Skandal ausgelöst hätte.
    Die letzte Edinburgh Vorstellung war offensichtlich nicht in ihrem Vertrag vorgesehen, Oldani hatte sie ihr, nachdem sie nicht in Top Form die vorhergehenden Vorstellungen zugesichert hatte, einfach aufgedrängt und sie hatte sich zu Recht geweigert und wurde als indisponiert erklärt. Ich bezweifle ebenfalls, ob sie aus purer Kollegialität Scotto diese Chance überlassen hat. Es war aber wohl eine Lösung bei der alle Beteiligten ihr Gesicht wahren konnten.
    Dann diese unselige Party von Elsa Maxwell in Venedig. Edinburgh absagen, aber in Venedig feiern! – wie schon geschrieben wurde. Hinzugehen war natürlich Callas´ gute Recht, aber eine weise Entscheidung war es hinsichtlich der Tatsache, dass sie als indisponiert abgesagt hatte und bei der Party auch noch sang und eine Frau Maxwell, die auch noch groß verkündete, wie sehr sie zu schätzen wisse, dass ihre Freundin für ihre Party sogar eine Vorstellung sausen ließe...
    Dann ein paar Monate später feierte sie ausgiebig Silvester in einem römischen Nachtclub, was auch durch die Medien ging und wachte schließlich am 2. Jänner krank und ohne Stimme auf.
    Darf eine Sängerin auch ein Privatleben haben und auch mal über die Stränge schlagen – ja! Machte es im Fall der Callas mit dieser „Vorgeschichte“ ein gutes Bild und war es vernünftig? – Nein… Daß muß man schon auch sagen.

  • Liebe Gioconda!


    Die "Vorgeschichte " (Edinburgh, Venedig) hat sicherlich zu der Stimmung beigetragen. Wobei die Callas sich hinsichtlich Edinburgh wohl völlig im Recht glaubte (was sie ja auch war). Gleich "Venedig" daran zu hängen, war aber schlichtweg taktisch unklug, da sie ja von der offiziellen Erklärung der Indisposition wusste, diese akzeptiert hatte und eigentlich das Spiel hätte mitspielen müssen. Taktisch unklug war es natürlich auch, sich in die Hände der bekannt - berüchtigten Elsa Maxwell zu begeben. Aber sie war wohl oftmals auch sehr naiv, was diese Dinge anging, vor allem wenn sie sich im Recht fühlte.


    Inwieweit sie ausgiebig Silvester gefeiert hat (Sie muss sich nach dieser Norma - Aufnahme am Abend wohl auch recht wohl gefühlt haben.), kann ich nicht sagen. Vielleicht sind die Zeitungsberichte darüber auch erst später, gefärbt von den Ereignissen am 02.01., geschrieben worden.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Elsa Maxwell war eine Grösse in ihrer Quatschwelt der " Yellow press " .


    " nachtclub " ( la Gioconda , Wien 9 hört sich schon - zumal unter damaligen weltanschaulichen Aspelkten, die der Bevölkerung aufgezwungen worden war - verrucht , halbseiden , fast mit einem GHauch von Illegiamlität vermengt an .


    War " Régine 2 mit ihren legendären nachtclubs nicht gesellschaftsfähig ? Wer drin war, wird berichten müssen , dass man eben stilvoll " unter sich " war oder al Eingeladener mitdurfte .


    W a r u m soll Maria Callas nicht auch einmal das lLeben einer hart kämpfenden, überragend singenden und spielenden Frau in einem Bereich geniessen können wie zig andere damalige Stars und Sternchen auch auch .


    Ich denke nicht , das die Callas in den genannten " Fällen " gar " taktisch " gedacht hat .


    Ganz einfach : sie hat schlicht einmal normal leben wollen .


    W e r könnte ihr das verdenken ?


    32 jahre (!!!) nach ihremTod am 16. September 1977 in Paris wird in den wichtigen, vielgelesenen Hotel- und Raestaurantführern immer wieder der namen Maria Callas erwähnt . Wir lesen , wo sie wann was mit wem gegessen hat . Welcher Platz von ihr bevorzugt worden war .


    Wenn ich in Paris in das " Grand Vefour " ginge , dann wegen der Küche von Guy Martin , aber doch nicht weil Maria Callas dort auch gegessen hat .


    Das berühmte " Maxim's " , des immer in Zusammenhang mit dem Namen Maria Callas genannt wird , würde ich persönlich nicht so gerne betreten . Das mag mit einem Sponsor Aristoteles Onassis anders gewesen sein .


    Wenn ich in Paris im " Plais Garnier " war , also der berühmten Oper , dann denke ich schon an die Grossen , die dort gesungen haben oder dirigieren durften . Das ist in der Meiländer " Scala " so oder in der " Carnegie hall " in New York .


    Um es salopp zu formnulieren : Auch Maria Callas hatte das recht " nicht taktisch " zu denken und zu leben . Sie war eine Frau durch und durch !


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Ohne Frage hatte sie das Recht, einmal nicht taktisch denken zu dürfen. Die Frage ist, ob ihr dies ein paar Jahre vorher passiert wäre, aber in dieser Zeit verschoben sich bei ihr vielleicht doch schon die Akzente hin zu einem "Lebenwollen".
    Wer will ihr das übelnehmen, hatte sie doch bis dahin ihr ganzes Leben der Musik geopfert.


    Deine "Restaurantbeispiele" sind wirklich sehr aufschlussreich. Aufschlussreich deshal, weil sie so viel aussagen über unsere Gesellschaft, die Kunst wohl immer weniger versteht und jede außergewöhnliche Person auf ein begreifbares Niveau hinunterziehen muss (Hier hat sie / er gegessen, geschlafen, getanzt, getrunken, ist auf die Toilette gegangen.) Und es sagt auch viel über den Kapitalismus aus, der alles zu Werbezwecken missbrauchen muss.


    Das "Palais Garnier" entspricht natürlich dann z.B. dem "Deux Margot", Stätten wo bestimmte Persönlichkeiten gewirkt haben, bzw. gedacht haben, sind wichtig. Welchen Nachtisch Satre hatte dann eher weniger. Aber vielleicht bieten sie da jetzt auch schon ein ... à la Beauvoir an, wer weiß. Der Herabwürdigung entgeht wohl kaum einer der Großen.


    :hello: Gustav

  • Zitat

    Original von Gustav
    Ohne Frage hatte sie das Recht, einmal nicht taktisch denken zu dürfen. Die Frage ist, ob ihr dies ein paar Jahre vorher passiert wäre, aber in dieser Zeit verschoben sich bei ihr vielleicht doch schon die Akzente hin zu einem "Lebenwollen".
    Wer will ihr das übelnehmen, hatte sie doch bis dahin ihr ganzes Leben der Musik geopfert.
    :hello: Gustav


    Empfinde ich auch so. Vielleicht waren diese "Unvernünftigkeiten" nicht so sehr taktisch gewählt, sondern sogar eine Art Trotzreaktion und ein die-Stirn-bieten, auch gegenüber den Medien.


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    Alfredo Kraus, Mario Sereni - Franco Ghione
    Lissabon, 27.03.1958


    Nach dem “Rom - Skandal” reiste die Callas zu einem Konzert nach Chicago, trat in New York als Violetta, Lucia und Tosca auf, gab ein weiteres Konzert in Madrid und absolvierte dann zwei Auftritte in der “Traviata” in Lissabon. Beide Auftritte wurden mitgeschnitten, wobei von der zweiten bisher nur Auszüge auf LP vorliegen, die ich aber nicht besitze. Zudem gibt es von der ersten Aufführung Filmausschnitte, die offenbar aus dem Haus heraus während der Vorstellung gemacht wurden.


    Mit der sehr empfindsam dirigierten Ouvertüre macht Ghione sehr schnell deutlich, worum es an diesem Abend gehen wird: Kraftlosigkeit, Schwäche, Hinschwinden. Und schon die ersten Takte (“Flora, amici”) machen deutlich, wie sehr die Callas (ungewollt) dieser Vorgabe folgen wird. Die Stimme hat weiterhin an Fülle und Samt eingebüßt, sie ist dünner und zerbrechlicher geworden und passt damit hervorragend zu dieser Partie. Man höre nur “È al convito che s’apre ogni cor.”, man höre, die persönliche Autorität dieser Violetta und die gleichzeitige hauchfein angedeutet Irritation bei “cor”. Sofort ist beides da, der Gesellschaftsmensch Violetta und die Kranke. Und auch das “Si!”, nach der Frage Alfredos, ob ein Brindisi erwünscht wäre, deutet all die Unsicherheit an, die sie in diesem Moment beherrscht.


    Alfredos ersten Vers singt Kraus mit erfrischend jugendlicher Stimme, hier ganz dem gesellschaftlichen Zweck dieses Gesanges hingegeben. Die leichten Verzierungen gelingen ihm zu Beginn des Verses besser als am Ende, die Callas ist hier aber insgesamt überlegen. Gleichzeitig klingt Violetta hier, der Rolle gemäß, durchaus schon vom langen Abend angestrengt, kann sich aber nicht enthalten, ihre Ansicht über “il gaudio dell’amore” durch einen deutlich ironischen Unterton kundzutun. Beide beenden, nach einem lang gehaltenen Triller der Callas diesen Abschnitt mit einem von ihr ein wenig dominierten C.


    Fast tonlos “erklingen” danach ihr “Ohime” und “Nulla, nulla.”. Diese Kunst des gesungenen Wortes, dass aber nicht mehr mit Klang gefüllt werden kann, wird es noch häufiger in dieser Aufführung zu bewundern geben. In dem anschließenden kurzen Duett mit Alfredo lohnt es wieder einmal, Wort für Wort mitzulesen. Wunderbar die jugendlich - idealistische Sicht, die Kraus einbringt, Mitleid erregend das Schwanken der Callas, ihr Klagen bei “È io potrei?”, ihre Bitterkeit bei “Ha forse alcuno”, ihr Sarkasmus bei “Si grande Amor” oder ihr Innehalten bei “Un cor?”.


    “Un di felice” wird von Kraus hinreißend stilsicher gesungen, wunderbar auf Linie mit korrekt gebildeten Tönen. Mit dem Legato ist er zurückhaltend (“Mi balenaste innante”), macht damit aber großen Effekt. Allerdings wird hier schon ein großer Vor- und Nachteil seines Singens deutlich: Er verschwendet sich nicht in Leidenschaft. Trotzdem ist sein Gesang ein Genuss!


    Bei der Antwort der Callas wird deutlich, dass die Stimme nicht nur an Volumen und Farbe eingebüßt hat, sondern auch an Agilità. Aber was einst rein technisch bewältigt wurde, ist nun rollengemäßer Ausdruck. Und schließlich geht es hier um eine kranke Violetta und nicht um einen kerngesunden Koloratursopran. Beim Zusammengehen der beiden Stimmen wird der Abstand zwischen Violetta und Alfredo dann erneut deutlich. Hier die erfahrene, sich nach Liebe sehnende Frau (wunderbare Piani der Callas), dort der junge, empfindsam - idealistische Mann, der so bemüht ist und es gut machen will.


    “È strano” wird zunächst von einer wieder Mädchen gewordenen Violetta gesungen, so, als hätte sie all das nicht erlebt, was sie erlebt hat. Und dann folgt ein Rezitativ, das gerade durch seine Zurückhaltung einnimmt. Hier gibt es keine wildkatzenartigen Ausbrüche mehr, wie einst (“O gioia!”), sondern alles ist nun tiefes Empfinden, ist Glück mit einem Unterton des Zweifelns, der Unsicherheit. Und auch hier wieder die bis ins Mark erschütterte, kranke Violetta! Und dann dieses verhauchte Piano bei “viver mio”!


    Und so geht es weiter. “Ah, fors’ è lui che l’anima” ist in seiner Schlichtheit und Dankbarkeit wirklich herzergreifend. Wobei die Piani bei “tumulti” und “occulti”, wie einst das “Son io.” der Norma in Mailand 1955 oder auch ein noch folgendes Beispiel aus dem zweiten Akt, völlig losgelöst von ihrem Körper irgendwo her aus dem Raum zu kommen scheinen. Wunderbar die Steigerung dann bis zum lang gehaltenen und umschmeichelten “all’amor”, das durch diese behutsame Steigerung besonders großen Effekt macht, ebenso wie der Übergang zu “A quell’amor ch’è palpito” mit seinem schmerzvollen, sehnsuchtsvollen aber auch glücklichen Klang. Das “Misterioso” ist nun wirklich ein misterioso, vor dem sie staunend und zweifelnd steht und das “Croce” wird durch seine im Piano gesungene zweite Silbe wirklich zu einem Kreuz, das sie zunächst beklagt, aber dann auch bereit ist anzunehmen. Die abschließende Kadenz bringt die Callas, hier wieder ganz Mädchen, völlig ohne jegliche Virtuosenattitüde als ein endlich erhaltenes Glücksversprechen.


    “Follie! Follie!” ist dann konsequenterweise kein hysterischer Aufschrei, sondern eher Ausdruck der Unmöglichkeit, an solch ein Glücksversprechen glauben zu können. Trotzig kommt dann die Aufzählung ihres Zustandes (“Povera donna”), wunderbar vom Orchester unterstützt. “Gioir, gioir!” ist nun ein verzweifelter, gesungener Aufschrei, auch wieder ergreifend in seiner Doppelbödigkeit zwischen Ablehnung und Sehnsucht.


    Bei Ghione klingt die kurze Einleitung zu “Sempre libera” fast wie ein mechanisch vorgebrachter Selbstbetrug und die Callas nimmt diesen Ton sofort auf. Dies ist, wieder fern jedes Primadonnenauftrumpfens, ein trotziges Selbstbehaupten ohne eigentliche Überzeugung. Dazu passt auch das relativ gemäßigte Tempo, das beide wählen.


    “Oh!” und “Oh amore.” sprechen dann eine ganz andere Sprache. Aber noch einmal verleugnet sie sich fast wütend mit dem zweiten Vers. Und hier kommt bei “Gioir!” erstmalig wieder die bekannte Wucht in ihre Stimme hinein. Und dieser Selbstbetrug funktioniert. Ghioni geht sofort schneller an diesen Vers heran und die Callas/Violetta wirft sich geradezu in jeden Vers, um sich davon zu überzeugen, dass es das ist, was sie will. Aber mit welcher Vehemenz sie es auch vorträgt, ihr Gesang macht doch auch sofort die Hohlheit dieser Phrasen deutlich.


    Über die technische Seite dieser Ausführung kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Die diversen C’s der Arie kommen hervorragend, die Agilität ist nicht mehr im bekannten Maße vorhanden, die Stimme wird über dem System recht dünn und das abschließende Es ist in seiner Schärfe und Steifheit mehr gewollt als gekonnt. Das klingt nun vielleicht schlimmer als es wirklich ist. Bis auf den Schlusston verlangt ihr Gesang in dieser Arie wenig Toleranz vom Hörer. Und wettgemacht wird all das durch eine überragende, einzigartige Interpretation!


    Mit dem Rezitativ zu Beginn des zweiten Aktes setzt Kraus seine Linie des äußerst gepflegten und stilsicheren Singens fort. Fehlt ihm bei “di sua belezza” vielleicht ein wenig die Fülle im Klang, so ist “Tutto scorda per me“ von ausgesprochener Sensibilität und Schönheit. Die Höhe bei “Gaudi suoi” bildet er perfekt mit der Misch- und stemmt sie nicht mit der Bruststimme wie andere und das nachfolgende “il passato” zeigt ihn dann ganz als tenore di grazie.


    Die folgende Arie wird nicht mit übersättigtem Legato gesungen, sondern jugendlich frisch und gleichsam sehr empfindsam. Kraus bevorzugt hier eher leise Töne und immer auch wieder die Zurücknahme des Tons hin zum Piano, z.B. bei “Vivere“ und der Wiederholung von “io voglio a te fidel“ oder “quasi in ciel“. Die Cabaletta ist dann, der damaligen Aufführungstradition gemäß, gestrichen.


    Ein durchaus angsterfülltes “Alfredo” der Callas leitet den zentralen Teil des Aktes ein. Die Callas klingt hier wesentlich gesünder und geradezu jugendlich - mädchenhaft, als hätte für sie eine völlig neue, unbeschwerte Zeit ohne Vergangenheit begonnen.


    Diesen Ton lässt sie in der Begegnung mit Germont aber sofort fallen und voller persönlicher Autorität schleudert sie ihm ihr “Donna son io, Signore” entgegen. Und nun beginnt ein Duett, das man eigentlich Satz für Satz besprechen müsste, weil kleine und kleinste Wortfärbungen, Betonungen und Artikulationsweisen (durchaus auch immer wieder von Sereni her) den gesamten Dialog zu einer Aneinanderreihung von Perlen machen, die in ihrer Gesamtwirkung atemberaubend sind. Das würde aber den Rahmen sprengen. So also nur einige besonders herausragende Stellen.


    “E Dio lo cancellò” ist wieder einmal eine dieser endlos, die Zeit aufhebenden Stellen, die die Callas produzieren konnte. Dabei ist dieser Ton kein Auftrumpfen, sondern durch die Zurücknahme bei der dritten Silbe von “cancellò” macht die Callas deutlich, wie ernst die Dankbarkeit aber auch die Veränderung ihres Lebens ihr ist. Ist sie dann bei “Oh, come dolce” wirklich glücklich und dankbar, bricht die alte Furcht, das alte Misstrauen bei “Ah, non tacete“ in ihrem Ton sofort wieder auf. Und das Piano in der Höhe auf “Era”, durchaus im Klang nicht perfekt (und gerade dadurch besonders eindringlich), zeigt alle ihre Qual.


    Nach Germonts “Pura siccome un angelo” baut die Callas die Spannung bis zum fulminanten Ausbruch von “Ah no! - giammai!” sehr geschickt auf. Das folgende “Non sapete” ist tränendurchwirkt im Klang und auch durch die besondere Betonung der einzelnen Silben. Aber natürlich ist sie weit von jedem hier nicht angebrachten veristischen Effekt entfernt. Sie beendet dann dies kurze Arioso mit großer Gebärde und absolut sicher sitzenden Spitzentönen.


    Mit dem lang gehaltenen und ins Piano verhauchten “O cielo” deutet sich die Aufgabe bei Violetta an. Diese wird dann mit “Dite alla giovane” vollzogen. Die Callas beginnt mit einem H, das völlig körperlos und tonlos einsetzt, fast nur ein Hauch ist und von
    irgendwoher einzuschweben scheint. Und mit diesem Klang geht es weiter, bis sie bei “vittima” wieder ein wenig Fülle hineinbringt und der Bedeutung dieses Wortes eine besondere Gewichtung gibt. Im Wechselgesang bei der Wiederholung des Verses ist Sereni ihr übrigens ein wunderbar gleichwertiger Partner, wie er überhaupt weniger den auftrumpfenden (Spieß-)Bürger, als den zu mitfühlenden Regungen fähigen Vater darstellt und dies vokal auch überzeugend deutlich machen kann. Diese kurze Sequenz innerhalb des Duetts, die aber trotzdem den Höhepunkt darstellt, gerät durch die Kunst der Callas zu einem unvergesslichen Moment und ich kenne niemanden auf CD und ich habe niemanden auf der Bühne erlebt, der diesen Moment so eindringlich, so schlicht und so berührend gesungen hätte. Schon allein wegen dieser gut viereinhalb Minuten lohnt sich der Kauf der Aufnahme.


    Die folgenden Sekunden bis zu “Qual figlia m’abbracciate” sind so intensiv in ihrem Leid, dass sie kaum erträglich sind. Und auch hier sind Sereni und übrigens auch Ghione fantastisch einfühlsame Partner.


    “Morrò!”. Schon durch die Beschleunigung des Tempos im Orchester kurz zuvor wird deutlich, welch ein Moment jetzt kommt. Und die Callas gestaltet ihn als einen großen Augenblick der Erkenntnis und der Annahme. Dies ist in keinster Weise sentimental, wie überhaupt das gesamte Duett diese Regung nie kennt.


    Der Abschluss, nach “Dammi tu forza, o cielo!” ist wiederum überreich an Perlen musikdramatischen Ausdrucks (z.B. das umschmeichelnde, das Wort “lui” nicht verlassen wollende Piano), die man alle beschreiben könnte, die man aber gehört haben muss, um die volle Wucht (ein viel zu starkes Wort bei diesem zarten Gesang, wenn es denn noch Gesang ist) zu spüren und zu begreifen, mit der der Hörer getroffen wird.


    “Amami Alfredo” hat nun nicht mehr die brennende Intensität der Mailänder Premiere, dafür war die Stimme nicht mehr geschaffen. Dafür kommt aber in den dünner gewordenen Ton eine Todesahnung und ein kaltes Erschrecken hinein, das dieser Stelle noch einmal wieder eine weitere Dimension hinzufügt.


    Sereni krönt seinen Auftritt dann noch mit einer erneut sehr einfühlsamen Darstellung von “Di provenza il mar” und damit endet ein Akt, der durch seine künstlerische Geschlossenheit und die überragende Darstellungskunst der Callas zu einer Sternstunde des Musiktheaters geworden ist. Erschütternd, grandios, einzigartig!


    Für das Duett im dritten Akt wählt die Callas erneut eine neue Stimmfarbe. Nun klingt sie nicht mehr jugendlich, ganz der vermeintlichen Idylle hingegeben und in dieser aufblühend. Nun ist es eine erwachsene Frau, reif, illusionslos und vor allem zu Beginn des Duetts angstgehetzt. Kraus ist dabei ein wunderbarer Partner, der zwischen Wut, dem Wunsch verletzen zu wollen und einer geradezu jugendlichen Emphase hin und herschwankt. Aber es ist vor allem die Callas, die ihren Versen immer wieder neue Nuancen abgewinnt. Ist “Invitato a qui seguirmi” noch voller Angst gesungen, gibt sie bei “Ei verrà” viel mehr Klang in ihre Stimme, so dass eine ganz andere Zuversicht erklingt. “Queste luoghi abbandonate” ist voller Besorgnis, aber der Klang bleibt leicht distanziert. Die kann sie aber bei “Ma s’ei fosse” nicht mehr aufrecht erhalten und ihre wirkliche Besorgnis bricht sich Bahn. “Deh, partite” wird mit dem Ton beginnender Hysterie gesungen, aber sie beherrscht sich und “Ah, no, giammai.” ist wieder beherrscht und sehr bestimmt. Die kurze abfallende Linie bei “L’amo.” und der leicht tonlose Klang sind dann vielleicht der Höhepunkt dieser Szene, die Erkenntnis, dass alles Hoffen umsonst war und es keine Zukunft mehr geben wird. Aber selbst aus “Ah, taci.” macht die Callas dann noch einen unvergesslichen Moment. Wiederum tonlos, fast gesprochen, ist er nur noch der letzte Versuch einer Frau, die hörbar in eine Krankheit zurückfällt.


    Kraus gestaltet “Ogni suovo aver tal femmina” nicht mit der leidenschaftlichen Wucht eines di Stefanos, sondern eher aus der Gesangslinie heraus, was ihm einfach näher lag. Dadurch passiert es ihm aber auch, dass er sich bei “Io cieco, vile, miserò” im Ausdruck schlichtweg vergreift. Dafür entschädigt er sofort mit den hineinreißenden Phrasen von “Da tanta macchia bravo.” und “Qui testimon via chiamo.”, bevor er mit “Che qui pagato io l’ho!” Violetta das Geld eher hinwirft als hinschleudert, wie es di Stefano es in Mailand getan hatte.


    Das Finale beginnt die Callas mit hauchfeiner Stimme, ganz im Piano, ohne jeglichen Druck. Und dies hält sie durch, gibt im anschließenden Ensemble nur langsam mehr und trotzdem ist die Stimme so gut fokusiert, dass sie jederzeit durchdringt. Dann beendet sie dieses Finale nicht mit einem interpolierten Es, was immer ein Zeichen war. Hier ist es nun eines dafür, dass sie nicht mehr die unbedingte Virtuosa war, aber auch dafür, dass sie sich noch stärker in jedem Takt dem Drama verpflichtet fühlte.


    Ghione beginnt den vierten Akt in einem relativ flotten Tempo ohne jegliche Sentimentalität. Der Ton der Callas ist vollständig kraftlos, gleichzeitig nimmt sie aber trotzdem für einen kurzen Moment die Wärme im Orchester bei “Quanta bontà” auf, die Stimme gewinnt Farbe, um diese aber sofort wieder zu verlieren. Und so schwankt der Klang der Callas beständig zwischen Todesnähe und kurzen Momenten der Belebung.


    Das Lesen des Briefes, immer eine Schwachstelle bei der Callas, gelingt ihr an diesem Abend überraschend überzeugend, da sie jegliches Pathos, das sie sonst seltsamerweise nie aus ihrer Sprechstimme verbannen konnte, vermeidet.


    Das Rezitativ beginnt sie mit einem leicht krächzenden “Attendo!”, ein ungemein berührender Moment. Nach dem wirklich gesungenen “Oh” bei “Oh, come son mutata!” wechselt sie in der folgenden Phrase zu ihrer “Kleinmädchenstimme”, um das absolute Nichtverstehenkönnen
    ihres Zustandes deutlich zu machen. “Ah, con tal morbo ogni speranza è morta.” gehört mit seinem zarten Piano, dem fast brechenden Ton bei “morta” und dem hauchfeinen Portamento über die ganze Oktave beim selben Wort zu den Phrasen, die man nicht mehr vergisst.


    Ghione leitet die Arie dann genauso ein, wie die Callas sie singen wird: zart, kraftlos, fast zerrissen, dabei aber den musikalischen Bogen nicht aufgebend. Wunderbar schafft die Callas es nun, jedes Wort zu einer Kraftanstrengung werden zu lassen, ohne dass der Fluss der Arie zerrissen würde und vor allem ohne jeglichen veristischen Effekt. Das ist reiner Gesang, ganz aus der Musik heraus interpretiert und gleichzeitig fast die Aufhebung von Gesang, immer genau an der Grenze, an der der Druck, der auf die Stimmbänder gegeben wird, so schwach
    wird, dass die Stimme eigentlich brechen müsste.


    Und dann blüht sie noch einmal bei der Wiederbegegnung mit Alfredo auf, gewinnt Farbe, Fülle, Leben, wobei man gleichzeitig spürt, dass dieses Leben hier im Singen sich
    verströmt.


    Unendlich zart leitet Kraus “Parigi, o cara” ein und die Callas antwortet entsprechend, mit wunderbarem Legato noch einmal diese Phrasen formend, gleichzeitig aber wieder ganz kraftlos, ganz vom Tode schon beherrscht.


    Nach dem Duett kann Violetta/Callas fast nur noch singend sprechen und selbst die Triller bei “Ora son forte. Vedi? Sorrido.” werden, der Rolle gemäß, nur noch angedeutet. Da ist kein scheinbarer Triumph mehr, keine falsche Hoffnung, wie in so vielen Aufführungen, da ist nur noch Atemlosigkeit und Todesnähe. Umso ergreifender der verzweifelte Ausbruch bei “Gran Dio!” und die sofortige Zurücknahme ins Piano bei “Non posso!”.


    Und es naht der nächste Ausbruch. “Ma se tornando” wird noch ganz mit schon fast tonloser Stimme gesungen, als käme dies bereits aus dem Jenseits. “Ah! gran Dio!”, mit einem kurzen Crescendo begonnen und die Note fast endlos haltend, führt dann über zu einem geradezu
    wütenden “morir e giovine”, in dem noch einmal die ganze Kraft nicht nur der Callas sondern
    vor allem auch die letzte Violettas liegt.


    Der Rest ist dann noch nicht Schweigen, aber ein immer stärker dahin sich bewegendes Singen, das erneut immer weniger singen ist. Die “Nuancen des Dahnschwindens”, die die Callas in dieser Phase der Oper findet und darstellt sind von schmerzhafter Intensität. “Se una pudica vergine” ist dann noch einmal von einer verklärten Schönheit und für das Ende findet die Callas selbst im Sprechen einen Ton, einen Klang, den man so von ihr noch nicht gehört hat.


    Wie kann man singend das Sterben darstellen? In dem man den Gesang aufhebt. Und dieses Paradox ist hier immer wieder zu erleben und zu bewundern.


    Welch eine Weiterentwicklung von der grandiosen Mailänder Traviata hin zu dieser - ohne einen genialen Regisseur an ihrer Seite. Diese Aufnahme ist ein Kunstwerk, ein Meilenstein und vor allem ein erschütterndes Beispiel ihrer großen Kunst.


    Und zum Glück ist es kein erzwungener Alleingang. Die Callas hat mit Kraus, Sereni und Ghione hervorragende Partner an ihrer Seite, die diese Aufnahme zu einem absoluten MUSS machen.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Diese " Traviata " der Callas ist zu recht in der " Schwarzen Reihe " bei EMI erschienen .


    Ein Höhepunkt nicht nur in der Diskographie von Maria Callas .


    Maria Callas hat es in Lissabon am 27. März 1958 vermocht , das Problem des Sterbens durch Singen darzustellen und auch glaubhaft zu vermitteln .


    Hier ist der Tod keine hochdramtische Auflösung des Handlungsablaufs der Oper, sondern eine endliche Auflösung einer schon längst dem irdischen Entschwundenen .


    Wer hat dies je so zuvor und später vermocht ?


    Bei der auch hier diskutierten Frage nach der " Rolle der Rollen " der Callas wird auch immer weider ihre Violetta angeführt .
    Als begründung findet sich ein Satz, der besonders auf diese Interpretation zutrifft : Verfeinerung , immer intensivere Verfeinerung , ihrer Mittel .


    Doch gelingt dies alleine ? Kann dies so erreicht werden . Ich formuliere dies so, weil ich denke, dass Maria Callas auch hier nichts dem Zufall l überlassen hat .


    Hier wäre die oft überbordende Vitalität eine Giuseppe di Stefano geradezu kontraproduktiv gewesen . Maria Callas hatte , vielleicht am stärksten durch Cesare Valletti , schon früher Partner in der rolle des Alfredo gehabt, die einem Abend wie diesem auch einen ganz persönlichen gesanglichen , nachhaltig gebleibenen Ausdruck zu verleihen vermochten . Neben valletti , einem ganz grossen stilisten denke ich an Gianni Raimondi . Carlo Bergonzi hätte dies vermocht .
    Alfred Kraus hat bezüglich seines karrierelangen Stilgefühls kaum einen Konkurrenten in seinem Fach je zu fürchten gehabt . Alfredo Kraus benötigt nie aufgesetzte , willkürliche Töne , um das singend auszudrücken, was der Inhalt der Rolle ist .
    Für Maria Callas wie die gesamte übrigens sehr einfühlsam dirigierte Oper an diesem Abend , ein Glücksfall .


    Und Mario Sereni ? Oft als " Hausbariton " der EMi apostrophiert war er ereiner der meistbeschäftigten Baritone seiner zeit . Ob dies immer mit seinen dokumentierten Leistungen in Übereinstimmung zu bringen ist , sei hier dahingestllt . An diesem Abend vermochte er jedenfalls die Rolle des Vater germonts glaubhaft und stilsicher zu singen . Es ist müssig hier zu vergleichen , ob er eine Idealbesetzung ( im Vergleich zu Bastianini und Taddei ) gewesen ist . An diesem Abend war ein integraler Teil einer der ganz grossen Opernabende gewesen .


    Eine zentrale Frage ist mir einmal mehr angesichts Deiner Beschreibung über Alfredo Kraus weider gekommen : Welche Rollenauffassungen hatten denn die Partner der Callas ? Waren deren darstellerischen und sängerischen Möglichkeiten denn immer dieselben gewesen ?


    Dieser Lissaboner Aband mit " La Traviata 2 überzeugt mich einmal mehr , dass Maria Callas auch gerade gesanglich nicht auf einem absteigenden Ast gewesen ist .
    Wenn ein Mensch solche Feinheiten und eben Verfeinerungen in einer nicht einfachen Rolle zu singen vermag , dann muss eine Künstlerin schon ganz aussergewöhnliche " Reserven " gehabt haben .


    Mehr als volle Zustimmung , dass diese Aufnahme ein " Muss " ist und bleiben wird . Selbst Callas - Verächter werden nicht umhinkommen anzuerkennen , dass dieser Mitschnitt geradezu zu den Pflichtprogrammen eines Opernkenners gehört !


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Fast völlige Übereinstimmung mit deinem Beitrag. Natürlich vor allem, was die Gesamteinschätzung dieser Aufnahme angeht, aber auch, z.B. bezüglich di Stefanos. Ich schätze ihn ja nun wirkich sehr, aber es stimmt, hier wäre er fehl am Platze gewesen.


    Zitat

    Doch gelingt dies alleine ? Kann dies so erreicht werden . Ich formuliere dies so, weil ich denke, dass Maria Callas auch hier nichts dem Zufall überlassen hat .


    Meinst du damit, dass sie Einfluss auf die Besetzung gehabt hat? Ich glaube das eher nicht. Sie hätte wohl nicht drei Partner sich erwünscht bei ihrem Debut in einer fremden Stadt, mit denen sie, wenn mich nicht alles täuscht (im Falle Ghione und Sereni) vorher noch nie zusammen gearbeitet hatte. Oder etwa künstlerische Risikobereitschaft? In diesem Maße hätte sie das wohl 1958 nicht mehr gewagt.


    Zitat

    Dieser Lissaboner Aband mit " La Traviata 2 überzeugt mich einmal mehr , dass Maria Callas auch gerade gesanglich nicht auf einem absteigenden Ast gewesen ist .


    Das gerade sehe ich anders. (Wobei es sehr hart formuliert ist.) Ihre stimmlichen Mittel waren nicht mehr die, über die sie noch wenige Jahre zuvor verfügen konnte. Das Es am Ende von "Follia!" macht dies deutlich, aber auch der Gesamtklang der Stimme. Sie war nur intelligent genug, ihre Interpretation ihren Möglichkeiten anzupassen, bzw. in ihrer Sinnsuche nicht stehenzubleiben und stimmliche Mängel dann mit reinen Auslassungen von Tönen zu kaschieren.


    Es wäre ja auch verwunderlich, wenn die Stimme, nach diesen geradezu exzessiven Jahren noch völlig intakt gewesen wäre. (Die Kerze, die an beiden Seiten brennt.) Und immerhin sang sie bereits etwas 20 Jahre zu dem damaligen Zeitpunkt. Die wenigsten Sänger verfügen nach solch einer Karriere noch über die Qualitäten der Anfangsjahre.


    Interessant ist natürlich dabei, dass sie selbst ein so relativ "unbedeutendes" Gastspiel wie in Lissabon (ja keines der großen Opernzentren dieser Welt) nicht einfach abgehakt hat, sondern offensichtlich bei jeder Aufführung weiter an der Rolle und deren Gestaltung gearbeitet hat (ohne zu wissen, dass der Mitschnittt einst veröffentlicht würde).


    Was die Intelligenz angeht, mit der man die Interpretation an die derzeitigen Möglichkeiten der Stimme anpasst: Kraus gehört eben auch in die Reihe dieser Künstler. Er kannte die Limitierung in seiner Stimme aber auch in seinem Charakter (hemmungslose Leidenschaft daustellen war eben nicht sein Fall), anders als di Stefano, der sich nie bremsen konnte und immer über seine Möglichkeiten hinaussang. Was für den Hörer auch faszinierend ist. Ich bewundere dabei Künstler, die sich verschwenden, wobei man das nie einfordern darf. Zahlen sie doch immer einen hohen Preis. Aber auch das Verschwenden ist wohl eine Charakterangelegenheit. Di Stefano konnte nicht anders singen, Kraus auch nicht.


    :hello: Gustav

  • Für mich zusammen mit der Scala Aufnahme ihre beste Violetta. Hat sie die Rollen später eigentlich noch einmal gesungen?
    Ich finde sowohl Kraus (aristokratischer Liebender) als auch Di Stefano (zügelloser Heißsporn) haben als Alfredos ihre Berechtigung: jeder wählt einen anderen Zugang, die ich aber jeden auf seine Art gelungen finde.


    Ich sehe es auch so, daß sie aus ihren stimmlichen "Nöten", die 1958 stellenweise schon ganz klar abzusehen waren, eine Tugend gemacht hat - aber WIE!! Und kein Mensch kann mir einreden, daß sie - hätte sie die stimmlichen Mittel von Anfang der 50er Jahre gehabt - nicht auch daraus geschöpft hätte. Sie war insofern auch gezwungen ihre Interpretationen zu verfeiern und auf eine andere Ebene zu verlegen. In ihren Aufnahmen ab 1958/59 klingt sie zum großen Teil schon so als würde sie auf rohen Eiern gehen (in Relation zu ihren "Wildkatzen" Aufnahmen), obwohl sie mit ihrer immensen künstlerischen Meisterschaft natürlich viel wettmachen kann.

  • Liebe Gioconda!


    Die übernächste Aufnahme, die ich besprechen werde, wird wieder eine Traviata sein, diesmal aus London und die letzte aufgezeichnete. Wenn mich nicht alles täuscht, hat sie sie auch noch in der Zeit in Dallas gesungen (nicht aufgenommen) und es war nach 1965 eine Studio - Aufnahme geplant mit Domingo als Alfredo. Sie hat dann mit Jeffey Tate in ihrer Wohnung schon daran gearbeitet, hatte dann aber nicht mehr den Mut (oder die Kraft), das Projekt weiter zu verfolgen. (Übrigens ist die zweite Tosca - Studioaufnahme ja ein Soundtrack für eine geplante Verfilmung, die leider auch nicht zustande kam.)


    Sie hatte mit ihren Alfredos eigentlich Glück. Es war immer der rechte Partner zur rechten Zeit. Kraus hätte nicht zur Callas aus Mailand gepasst und di Stefano nicht zu der in Lissabon.


    Natürlich hätte sie, im Vollbesitz der stimmlichen Mittel aus Mexiko, diese auch weiterhin eingesetzt. Insofern war der Zusatnd von 1958 vielleicht sogar ein Glück für die Interpretation (das sagt sich aus der Zuschauerperspektive sehr leicht). Gleichzeitig zeigt die Londoner - Traviata und der berühmte wegbrechende Ton am Ende von "Addio nel passato" (und er brach in jeder Aufführung weg), dass sie nicht bereit war, Konzessionen an die Rollengestaltung zu machen. Rescigno riet ihr, ein wenig mehr Druck auf die Stimme zu geben (das hätte sie ja immer noch gekonnt), aber sie wollte den Effekt und nahm das Ergebnis in Kauf.


    Mit Sicherheit gehen in den späteren Aufführungen mehr Töne "daneben" als noch in den Jahren zuvor. Aber wie Kesting einmal bemerkte, das wäre in dem Moment das Unwichtigste von der Welt, verglichen mit der künstlerischen Meisterschaft, die sie dabei erzielen würde. Recht hat er.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav !



    Unter " Risikobereitschaft " verstehe ich in dem konkreten Zusammenhang , dass Maria Callas in Lissabon noch einmal eine weitere , neue Dimension des sehr komplexen eigenen Lebens wie das der ja real exitiert habenden Alphonine Plessis ihren nicht wenigen dokumentierten Interpretationen hinzugefügt hat .


    Ich habe noch nie in vielen jahren über diese Aufführung gelesen, dass ihr nicht auch gerade wegen der Leistung von Maria Callas ein Ausnahmerang zukommt .


    Manch andere Sängerin hat die Violetta oft und lange in ihrem repertoire gehabt . FRage : Gab es eine , selbst der Grossen ihres faches , die zum Abschluss ihrer - Traviata - Karrieren solch ein Wagnis eingegangen ist ( falls sie dies überhaupt können ) , noch einmal eine weitere vertiefende Ausleuchtung der dargestellten und gesungenen Persönlichkeit in einem Opernabend zu riskieren ?


    Wenn andere Sopranistinnen konsequent ihre eindimensonalen sängerischen Möglichkeiten mit einer ohrschädigenden monotonie regelrecht runtersingen , dann sollte man an Maria Callas , Anna Moffo , Renata Scotto oder teresa Stratas denken .


    Selbst die wundervolel Schönsingerin Joan Sutherland hat es geschafft , Violetta in den Breich der unendlichen Langeweile zu singen . Wir lernen bzw. könne daraus lernen , dass eine wirklich begnadte Sängerin bezüglich ihrer stimmlichen Mittel wie Sutherland der Rolle der Violetta keine Seele zu geben vermögen .


    Zu Alfredo Kraus bzw. Mario Serneni :
    Wir sollten vielleicht einmal zusammenfassend auch diskutieren , w e l c h eine Rollenzugang Vater und Sohn Germont zu ihren Rollen hatten . Dies würde hier und jetzt zu weit führen .


    An diesem grossen abend selbst in der Karriere von Maria Callas haben wir einmal mehr erelben können , dass hier - im modernen Sinne formuliert - ein Team auf der Bühne war . Und es hatte mit Ghione einen höchst einfühlsamen Maestro .


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Genau das ist es. Man kennt eben nicht die Callas - Traviata, hört man nur Mexiko oder nur Mailand oder nur Lissabon und dann London. Welch eine Sublimierung im Laufe der Jahre (und es waren nur gut zehn)! Welch eine geradezu manische Bereitschaft, immer wieder nach neuen Sinnzusammenhängen und Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen, ohne irgendwann stehen zu bleiben.


    Wie lange kann man das in einem Künstlerleben machen, vor allem, wenn das Organ widerspenstiger wird und das Umfeld (sog. Skandale, Medienrummel, Zerwürfnisse mit Scala und Met) diesen Arbeitseinsatz immer weniger mitträgt. Und 1958 war ja nicht Schluss mit dieser Suche. Aber das kostet Kraft, eben auch seelische. Man streift solch ein Eindringen in die Rolle ja nicht mit dem letzten Bühnenvorhang ab.


    Ob andere das gekonnt haben? Ich glaube, der normale Weg vieler Sänger ist der, immer stärkere Mittel einzusetzen, um das eigene Organ wieder unter Kontrolle zu bekommen oder die Schwächen zu kaschieren. Die Zurücknahme ist wohl eher selten. Oft landen Sänger ja auch in einer Rollensackgasse, bei einer Elektra, einer Turandot u.ä. Partien, aus der es dann kein Zurück mehr gibt.


    Was diesen Abend eben auch so einzigartig macht, ist die Kürze der Vorbereitung, wenn man davon überhaupt sprechen kann. Am 24.03. war sie noch in Madrid (Konzert) und flog frühestens am nächsten Tag nach Lissabon. Aber am 27.03. gab es dann schon die erste Vorstellung. Großartig geprobt worden, kann es nicht sein.


    Also auch eine Subimierung, die auf ihr eigenes Konto geht, ohne die Einstudierung durch Dirigenten oder Regisseure.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav !



    Du nennst 4 verschiedene grosse Callas - Violetta - Abende . Jeder hat Refeernzstatus .


    Persönlich kann ich diese Unterschiede zu den Grossen der damaligen zeit deutlich hören .


    Aus meiner Perspektive war vor allem die " Butterfly " von Maria Callas nicht ein unangreifbarer Gipfel ihrer langen Karriere gewesen . Hier finden wir mehrere Sängerinnen , die diese rolle mindestens genauso intensiv interpretiert haben ( Moffo mit Valletti , Tebaldi mit Bergonzi , de los Angelese , vielleicht auch Scotto und Mirella Freni ) .


    Nicolai Gedda war wahrscheinlich nicht der ideale Partner von Maria Callas gewesen .


    In diesem Zusammenhang muss ich erwähnen, dass ich meine ersten LPs ( Oper ) immer von Freunden meiner Eltern geschenkt bekommen habe, die selbst zumindest Opernliebhaber gewesen waren . Also nicht oreintiert an dem, was die werbung aöls " richtig " , " beste aufnahme " eingeimpft hatte . Dies ist wichtig , weil ich wusste,. dass diese Geschenke mit bedacht ausgewählt worden waren und nicht auf Rat eines Platten - Verkäufers , der viele Werbe-Platten bekommen hatte von bestimmten Labels .


    Es gab " damals " durchaus auch sehr gute Aufnahmen mit anderen Sängerinnen und Sängern ( und Dirigenten und Orchestern ) .


    Gäbe es nicht diese Billig-Reihen mit sehr guten " alten " Aufnahmen , etwa bei WALHALL oder Naxos und Gala und Dante , so wäre die Welt der Oper unendlich ärmer !


    Es gab in den R o l l e n , die Maria Callas bewegend dargestellt und gesungen hat , eben nach ihr keine Grösse mehr, die nur eine Teil ihres Repertoires hätte ausfüllen können .


    Man muss sich ja auch vergegenwärtigen, wie es um die anderen Stimmlagen bestellt ist . W o ist eine Simionato - Nachfolgerin ( bei allem Resepkt für Fiorenzca Cossotto ) oder Barbieri und Stignani ?


    W o sind die legitimen Nachfolgerinnen einer Scotto , Moffo , Tebaldi , de los Angeles ?


    W o sind die Nachfolger der Primi uomini wie franco Corelli , Carlo Bergonzi , Renato Cioni , Giannni Raimondi , Cesare Valletti , Alfredo Kraus , den José Carreras ( vor seiner schweren Erkrankiung ) , Tucker , di Stefano , del Monaco , Bruno Prevedi , Flaviano Labò ?


    Und es gab durchaus gute Tenöre, die ich erst gar nicht aufzählen möchte .


    Bei den Bariton - Stars finden wir fast niemanden mehr . Dies kann man daran alleine festmachen, dass ein Thomas Hampson inzwischen schon als Idealbesetzung eines Germont père gefeiert wird . Die langen Karrieren von Bruson und Nucci haben sich erfüllt .


    Es scheint mir völlig unmöglich zu sein, " Great Voices " beliebig durch Drill zu züchten .


    Es ist ein grosses Geschenk, wenn jemand nur einige der zuvor genannten Saänger/-innen hat erleben dürfen .


    Vor etwa 12 jahren habe ich in einer umfangreichen korrespondenz mit einem keineswegs unbekannten Musikautor ihn aufgrund eines seiner artikels über Pianisten und deren hete angeblich so überragenden technik in den Musikkonservatorien gefragt, wo denn dies e Stars sind, die Mussorgskys " Bilder einer Ausstellung " so im Konzertsaal zu spielen vermögen wie die Refernenzinterpreten von Glenn Gould : Horowitz , Richter und Weissenberg ? Wo die " Tastenlöwen " , die die " Islamey " auch nur manuell interpretieren könne wie Simon Barere oder Cziffra ?


    W o sind die Geiger - Persönlichkeiten wie Zino Francescatti , Nathan Milstein , Szeryng , David Oistrach , Ricci , Michael Rabin und deren Nachfolger(innen ) ? In einer Publikation eines angesehenen Fachblattes ist unter den TOP TEN der Gegenwart nicht einmal mehr Anne - Sophie Mutter vertreten .


    Es geht nämlich um ein Problem , das mit der " Künstlerkrise " engst verbunden ist . Es ist dies die Frage der Künstler-Persönlichkeit !


    Es geht , wenn wir noch weiter in die Tiefe gehen , im Grunde auch um die Kultur als solche .


    Maria Callas hat die in der kultur sich speigelnde existentielle Fragen des Menschen glaubhaft und ergreifend darzustellend und zu singend vermitteln vermocht .


    Dies könne wir eben dann auch i n ihren Aufnahmen sofort hören .



    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Oh, wie recht du hast. Ich befürchte auch, dass die große Künstlerpersönlichkeit so ziemlich ausgestorben ist, wie die Persönlichkeit in anderen Bereichen der Gesellschaft ebenso. Einen Grund dafür, habe ich kurz in dem Thread "Wie rückwärtsgewandt ist das Tamino Forum" zu skizzieren versucht. Mir wurde das noch einmal klar bei der Biographie von Alexis Weissenberg. Jemand mit diesem Lebenshintergrund spielt einfach anders als jemand, der "nur" über Abi, Studium und Karriereplanung gegangen ist.


    Aber das berührt ein weites Feld. Hinzu kommt sicherlich auch der Stellenwert klassischer Musik in der heutigen Gesellschaft. Wer wird denn noch früh an diese Form der Musik als ein selbstverständlicher Teil des Alltagsleben geführt?


    Und es stimmt. Es geht um die Kultur als solche. Kultur hat immer von besonderen, gesellschaftlich unabhängigen (nicht immer sympathischen) Individueen gelebt, die ihrer Epoche oder auch "nur" ihrer Kunst ihren Stempel aufgedrückt haben (oft auch sehr hemmungslos). Was ich oft meine zu verspüren, ist bei vielen Interpreten eine gewisse, sagen wir einmal, Hemmung dem Kunstwerk gegenüber. Aber ein Interpret muss auch die "Chuzpe" haben, sich dem Kunstwerk auf Augenhöhe zu nähern, voller Liebe und Demut, aber ohne Furcht. Ein Interpret muss das Kunstwerk beherrschen wollen (und können) und nicht umgekehrt. Dafür brauche ich aber eine Persönlichkeit, dafür brauche ich ein Leben, das mich geprägt hat, wie schmerzlich es auch immer war.


    (Oh wie leicht ist es, solche Sätze zu schreiben und nicht die Biographie von Weissenberg, Rubinstein, Serkin und...und...und... oder auch der Callas gehabt zu haben.)


    Callas und Butterfly. Eine Aufnahme, die ich an sich sehr liebe, obwohl ich durchaus di Stefano lieber gehabt hätte. Aber mit Sicherheit ist sie dort nicht einzigartig, ebensowenig wie in der Bohème. Es gibt übrigens ganz kurze Filmausschnitte ihrer einzigen Butterfly in Chicago ohne Ton. Und da fällt auf, dass sie sich doch sehr neckisch und klischeehaft bewegt. Offensichtlich war das keine Partie, die ihrem Herzen und ihrem künstlerischen Instinkt wirklich nahe stand.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav !




    Heute Abend hatte ich etwa 15 minuten lang eine der seltenen fernsehsendungen sehen zu könne , die wirklich auch in dem Sinn interessant sind, weil sie Jahrzehnte übergreifend Grundlegendes dokumentieren und nicht irgendeine " Meinung " darzustellen versuchen .


    Es ging um die Stellung der Juden in Bulgarien nach dem Zweiten Weltkrieg . Andesr als in allen anderen mit Hitler assozierten Ländern waren Juden in Bulgarien unter dem damaligen Zar Boris III. hoch anerkannt, sehr geschätzt und vollwertige Mitglieder der Gesellschaft . Nur so war es möglich , dass die meisten von ihnen , so auch Alexis Weissenberg mit seinen Eltern , das Land zu einem Zeitpunkt verlassen konnte als die Züge schon für die Deportationen bereit gestanden haben .
    Dies beweist , dass Menschen ganz unterschiedlicher Religion , herkunft usw. dann sehr harmonisch miteinander leben können auch gerade im Interesse des Gemeinwohls , wenn sie bereits sind, eine eigene Leistung gerade auch im kulturellen Interesse des Heimatlandes zu erarbeiten bereit sind .
    Ich darf noch einmal an den Satz der mutter von Vladimir Horowitz , einem jüdischen Pianisten aus der heutigen Ukraine erinnern, dass jeder soviel lernen m u s s , um auch in anderen Ländern und Notlagen bestehen zu können .


    Vorhin bekam ich eine Nachricht von einer mitarbeiterin des Russischen rundfunks , Moskau , die mir ausdrücklich bestätigte , dass der 1985 verstorbene jüdische Pianist aus der ehemaligen UdSSR Emil Gilels ( wie auch der deutschstämmige S. Richter ) heute noch ungemein populär und auch in den Köpfen der jungen Russen gegenwärtig sind .


    Erstaunlich ist auch mit welcher Sorgfalt Eduardo Resigno die textausgabe von Lucia di Lammermoor für Ricordi s.p.a., Milano , 1988 mit einem kleinen wissenschaftlichen Apparat versehen und nach nur 3 jahren in Neuauflage editiert hat .
    Angesichts der 69 Opern von Gaetano Donizetti ist es für den Käufer des Bändchens wie den Leser richtig spannend einmal eine kleine Einführung in diese Opern zu bekommen und auch eine text über den Librettisten der Lucia zu finden .


    Kultur ist ein so hohes Gut , dass die Histortiker , Archäologen u. a. nicht umsonst von " Hochkulturen " sprechen .


    Wer wüsste, dass Donizetti Goethes " Torquato Tasso " vertont hat ?
    Direkt nach " L'elisir d'amore" und vor " Lucrezia Borgia " und " Maria Stuarda " und im Jahr 1833 in Rom uraufgeführt wurde .
    Für die urausfführung der " Anna Bolena " hat er die bedeutensten Künstler seiner Zeit gewinnen können . Und nach fast genau 180 Jahren sprechen die Kenner , wie vor einiger zeit Cecila Bartoli , noch immer von Giuditta Pasta . Sicher bin ich, dass es dies bei Maria Callas genauso sein wird . Zumal wir ja heute Tondokumente haben .


    Ähnliche Beispiele gibt es aus der Malerei , Bildhauerei .


    Seltsamerweise für mich gibt es in Deutschland keine lesenswerte " Kulturgeschichte " etwa ab der zeit der Erstveröffentlichung von Egon Friedells " Kulturgeschichte " der Neuzeit .


    Soweit ich dies beurteilen kann ist dies vor allem eine Frage der Bildungsvermittlung und des Weckens der Neugier auf Wissen in den jungen Menschen . Bei wem sonst sollte man anfangen ?


    Und wer sollte zumindest Teile unseres Wissens , unserer Allgemeinbildung einmal weitergeben , wenn nicht dann diese jungen Leute von heute ?


    Beste Grüsse



    Frank


    PS.: Volle Übereinstimmung mit Dir bezüglich einer partnerschaft zwischen Maria Callas und Giuseppe di Stefano in " Madama Butterfly " .


    Die " bohème " mit Maria callas und di Stefano höre ich dann anders als du . Hier besteht das Defizit darin, dass die Callas seinerzeit die Mimi nie auf der Bühne gesungen hat .


    Schlimm ist allerdings , wenn Sängerinne meine rollen singen zu müssen , die sie nicht ansatzweise so beherrschen wie Maria Callas dies vermochte .

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Zunächst Bohème. Ich glaub nicht, dass wir sie anders hören. Auch eine Aufnahme, die ich sehr liebe, die mich gerade immer wieder "süchtig" macht, gerade auch durch den Zug ins Großartige, ins Große, den die Callas dort hineinbringt. Dies ist eben keine kleine Putzmacherin, dies ist ein großes, universelles Schicksal. Aber trotzdem gibt es genügend andere Interpretinnen, die ebenso fantastische Leistungen in dieser Partie erreicht haben.


    Es wird immer genügend Mimis geben, aber nicht genügend großartige Violettas, Medeas, Normas usw.


    Die Situation der Juden in Bulgarien vor der Deportation war mir nicht bekannt. Hoch interessant.


    Zitat

    Dies beweist , dass Menschen ganz unterschiedlicher Religion , herkunft usw. dann sehr harmonisch miteinander leben können auch gerade im Interesse des Gemeinwohls , wenn sie bereits sind, eine eigene Leistung gerade auch im kulturellen Interesse des Heimatlandes zu erarbeiten bereit sind .


    Richtig. Aber sie müssen ja auch die Möglichkeit dazu bekommen. Und diese wurden den Juden (um bei diesem Beispiel zu bleiben) ja oft verwehrt.


    Aber unabhängig davon, was muss die Flucht und der Aufenthalt in einem fremden Land für einen sensiblen Menschen wie Weissenberg bedeutet haben? Aber das ist wahrlich Stoff für ein eigenes Thema. (Interessant auf welche Themen wir im Zusammenhang mit der Callas immer wieder kommen!)


    Zitat

    Soweit ich dies beurteilen kann ist dies vor allem eine Frage der Bildungsvermittlung und des Weckens der Neugier auf Wissen in den jungen Menschen . Bei wem sonst sollte man anfangen ?


    Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Mein Einblick in die Welt der jungen Generation ist sicherlich ein spezieller, aber oftmals erinnert es mich an die Quadratur des Kreises. Aber deshalb darf man trotzdem nicht aufgeben.


    Zitat

    Und nach fast genau 180 Jahren sprechen die Kenner , wie vor einiger zeit Cecila Bartoli , noch immer von Giuditta Pasta . Sicher bin ich, dass es dies bei Maria Callas genauso sein wird . Zumal wir ja heute Tondokumente haben .


    Ist diese Vorstellung nicht unglaublich? (Gesetz den Fall, du hast recht, wovon ich überzeugt bin.) Wie oft kämpfen Menschen um einen Platz für die Ewigkeit, für ein klein bisschen Ruhm, der die Zeiten überdauert (ganze TV - Sender leben von diesem Bedürfnis) und hier wird er wirklich erreicht. Caruso und Callas werden Synomyme für Oper sein. (Wenn Oper überhaupt noch bekannt sein wird.) Was hat diese Frau erreicht!


    Ist solch ein Ruhm für die Ewigkeit solch ein "problematisches" Leben wert? Aber das kann wohl nur jeder Künstler für sich selber entscheiden. Und wie leicht kann es "in die Hose gehen"! Die Dietrich hat alles für ihren Nachruhm getan, geradezu ihr Leben für die Ewigkeit geopfert und welchen Stellenwert hat sie heute noch weltweit? Es ist mmer auch ein Spiel mit dem Feuer. Ruhm kann ganz schnell vergehen und dann hat man sein Leben vertan. Wobei ich eher denke, dass die Callas sich diese Gedanken nicht gemacht hat. Vielleicht wäre sie von ihrer heutigen Präsenz in einem durchschnittlichen CD - Geschäft am stärksten überrascht.


    Aber das sind alles Spekulationen. Oder auch nicht. Wie gesagt, mindestens als Begriff wird sie bleiben.


    Dank dir, Frank, dass du immer wieder solche "fremden" Themen anregst.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Lassen wir jede Diskussion über die grossartigen Interpretationen durch Maria Callas beiseite .


    Mir persönlich ist es auch völlig unbedeutend , ob alleine in dem Zusammenhang mit der Stadt Paris der Name dieser ganz aussergwöhnlichen Sängerin 100 000 oder 300 000 mal zu finden ist -


    Das immer neu Faszinierende sin d für mich kleinste , eigentlich belanglose Details , auf die Menschen achten, wenn sie nur eine Foto von ihr sehen . Zum Beispiel , dass sie auf einem Pardeck mit Onassis geht . im Hintergrund sehen wir einen Ford - PKW , Typ 17 m . Warum denn kein 20 m , den es gab . So penibel wird bei Maria Callas alles , wirklich alles , registriert .


    Niemand hat heute etwas davon . Selbst der Autogigant Ford in Detroit ist nicht einmal auf die Idee gekommen, dies zu vermarkten .
    Dennoch passt gerade solch ein selbst damals in den 1960er Jahren aufgenommenes Foto zu dem Zerrbild , dass die breiteste öffentlichkeit über " die Callas " serviert bekommen hat .
    Und der Wagen , seinerzeit im Mittelklasssegment anzusiedeln , passst dann doch zu ihrer Biographie . Sie war herausgekommen aus eher einfachen Verhältnissen in New York . Damit kann man diesen wagen assoziiernen .


    Onassis ? Und ein Ford 17 m ? nein, niemals . Cadillac , Ford thunderbird , Rolls Royce - was denn sonst . Aber niemand schreibt etwas über dieses schlichte Auto und den Milliradär Onassis .
    Selbst menschen , die ihn kannten , haben ganz schlicht gesagt, , dass er enorm viel geld gehabt habe .


    Und Maria callas ? S i e war selbst dann d e r Mittelpunkt , wenn Ari etwa das superteure " Maxim's " in Paris für sich reserviert hatte .



    Maria Callas# Natürlichkeit im Alltagsleben, das genau beschrieben ist ,
    rührt daher , dass sie sich immer klar war, aus welchen sozialen Verhältnissen sie aufgestiegen war . Sie kannte all die Risiken, die ungeheueren Anstrengungen, um nach ganz oben kommen zu können .


    Sie war eine Sprachbegabung, was ihr sicherlich sehr geholfen hat . dennoch blieb sie selbst bezüglich ihres Französischs immer sehr kritisch . Gerade im Hinblick auf ihre Rollen .


    Wäre sie nicht längst zur Weltbürgerin geworden , dann hätte sie bei mangelnder Durchdringung ihrer Umgebung und bei eniger Kampfgeist im alltäglichen Leben nicht so lange ganz oben stehen können .


    Ich kenne von keiner wirklich grossen Opernsängerin auch nur eine Bemerkung, die sie nicht als d i e Verkörperung von Gesang , Opernbetrieb und Erneuerung bezeichnet hätte .


    Ich hatte immer den eindruck , dass ihr denken sehr klar gewesen ist . Fast ohen Schnörkel hat sie in den aufgezeichneten Gesprächen die Fragen, auch die wenig angenehmen , beantwortet . Und vor allem : Sie hat sie alleine beantwortet können .


    Dabei ging es ja in aller Regel nicht um die Frage eines bestimmten Tons, den sie so oder so schon einmal " erreicht " hatte .


    Ich bin sehr sicher, dass Maria Callas solche Fragen mit milder Ironie und scharfem Verstand und sehr direkt beantwortet hätte .


    Sie hat, was noch einmal ausdrücklich betont werden muss , ja als ganz junge Frau eine Weltkarriere begonnen . Nie hat sie die enormen gegensätze zwischen ganz einfach und abgeschottet luxus-reich vergessen . Folgt man Michel Glotz , dann war sie in der Einsamkeit auf der Yacht von Onassis ein freier Mensch , der - natürlich gerne gesungen hat ( mit M. Glotz am Flügel ) .


    Weil sie immer empfinden konnte ist es ihr eben auch auf der Bühne gelungen, den rollen diese einzigartige Prägung , ja derselben Violetta so feinste Nuancen mit ihrer Stimme zu verleihen . Die von ihr gesungenen Personen wurden nicht künstlich durch sie in eine starre Rolle gezwängt, sondern waren das , was eben Giulini oder Zeffirelli so scharf beobachtet und beschrieben haben .


    I n diesen Interpretationen , Deutungen kann man Callas als mensch, als Frau wiederfinden .


    Ich meine , dass wir solch eine Einfülsamkeit nicht lernen können . Dies ist ein einzigartige Gabe . Sie hat ja so äusserst komplexe , sich widersprechende Charaktere gesungen . Doch alles blieb so als sei sie selbst die von ihr singend dargestellte Person .


    Dass dies möglich ist ist beeindruckend, bewegend , aber ist es nicht auch erschreckend angesichts der eigenen Lebenssituationen, in denen sie isch oft alleine gelassen gegenüber sah ?


    Der für mich bewegnste Tag in ihrem Leben muss der gewesen sein mit dem Kind , über das sie ja selbst gesprochen und geschrieben hat .


    Das Leben hat ihr unendlich viel gegeben , aber doch auch alles genommen , wonach sie sich im Innersten gesehnt hatte .



    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank!


    Zwei Dinge möchte ich herausgreifen: die Selbstkritik und das Einfühlungsvermögen.


    Beides gehört ja dazu,wenn man eine große Künstlerin werden möchte. Welch ein Segen, wenn man es hat. Aber auch welch ein Fluch.


    Nie mit sich zufrieden sein können, ist die Voraussetzung dafür, weiter voranschreiten zu können. Gleichzeitg schafft es neben dem permanenten Anreiz eben auch die permanente Qual. Keine Zufriedenheit kennen, kein Lob genießen zu können, weil da immer wieder die Frage, nein, die Überzeugung ist, es könne noch besser gehen.


    Dann das Einfühlungsvermögen. All diese unterschiedlichen Regungen und Dränge in sich zu verspüren (immerhin von Medea bis Gilda). Für all das ein Ventil gefunden zu haben (welch ein Segen). Und dann funktioniert dieses Ventil nicht mehr, aber die Dinge bleiben ja in einem drin, man kann sie nur nicht mehr adequat ausdrücken (welch ein Fluch).


    Und immer das Gefühl, dass diese, kurz gesagt, Sensibilität einen doch von "Normalsterblichen" trennt, dass vieles, was einen bewegt, von niemandem verstanden werden kann.


    Das ist natürlich kein Problem, was nur die Callas betraf und betrifft. Aber da einen vernünftigen Weg zwischen Kunstausübung und "nomalem" Leben zu finden! Welch eine Gratwanderung. Wenn eine Gratwanderung überhaupt möglich ist. Für die Callas wohl nicht. Sie stürzte sich eben mit allem in die Kunst. Und dann hatte sie für das "normale" Leben, als es immer stärker sein Recht einforderte, nicht das richtige Rüstzeug.


    Welche Tragik!


    Aber wie gesagt, daran sind schon viele gescheitert, jeweils auf unterschiedlichste Arten.


    Und wir, das Publikum, sitzen da und (ver)urteilen.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :



    Dein letzter Satz ist natürlich ein Kardinalproblem , wenn wir Musik in Oper , Konzert oder durch den Tonträger in uns aufnehmen .


    Wie soll ein passiver Teilnehmer den ausübenden Künstlern gerecht werden .


    Ich denke, dass es keine Ideallösung gibt und geben kann .


    Recht sicher bin ich, dass wir in einer Diskussion schon versuchen können , zu einem annnähernd richtigen Ergebnis zu kommen .


    Ich bin mir nicht sicher, ob Maria Callas all die Livemitschnitte persönlich freigegeben hätte .


    In ihrer sog. offiziellen Website werden nur die Studioproduktionen erwähnt . Dies ist sicherlich in mancher hinsicht zumindest rechtlich korrekt .


    Doch : Wieviele Stunden höchstkarätiger Opernabende wären dann ( für immer ) verloren !


    Sicher bin ich , dass der Mythos Maria Callas auch dann zustande gekommen wäre, wenn wir " nur " ihre Studioaufnahmen kennen würden .


    Gestern Abend habe ich auf " TV 5 Monde . Europe" eine " La Traviata " mit Patrizia Ciofi sehen und hören können . Ciofi gilt heute als Superstar in ihrem Fach . Eine grossartige darstellerische Leistung .
    Wenn ich die augen geschlossen habe und nur die stimme mit ihren Ausdrucksmöglichkeiten habe auf mich einwirken lassen, dann war sofort deutlich, dass hier Welten an Qualität zwischen der sängerischen Möglichkeiten in dieser Rolle zwischen Ciofi bzw. Callas oder Moffo liegen .


    In der Einheit von Gesang u n d Darstellung ist dann Patrizia Ciofi sicherlich einen Opernbesuch wert .
    Ein e DVD mit P. Ciofi als Violetta ( Teatro la Fenice , Venedig ) ist leider via amzon.de derzeit nicht verfügbar . Ciofi singt hier die ursprüngliche Version von Verdi ( 1853 ) . Es ist erstaunlich , welche Einbussen an dramturgischer Qualität dies gegenüber den heute üblichen Aufnahmen bedeutet .


    Hin und wieder lohnt es sich schon sehr , auch heutige Produktionen anzuhören und auch anzusehen . Die gestrige im TV aus Orange aus 2009 war jedenfalls ein positives Beispiel dafür , dass auch heute gute Opernabende möglich sind .
    Ein Satz noch zu Patrizia Ciofi :
    Es ist schon beeindruckend, was sie sich an Rollen und Anzahl der Opernabende zumutet .
    ( Ähnliches gilt für Daniela Dessi )


    In einem Zusammenhang mit Konzertpianisten hatte ich schon vor kurzem hier erwähnt, wie wichtig meiner Meinung nach eine fast weltweite Präsenz in konzerten ist . Fast alle grossen pianisten haben zumindest in den ersten zehn Jahren ihrer oft doch sehr langen Karrieren diese Gewalttourneen absolviert . Unter technisch sehr viel schwierigeren bedingen . Man denke etwa an Paderewsky .


    Wer n i c h t bei dem publikum durch Auftritte bekannt geworden ist, der wird sehr schnell in Vergessenheit geraten .


    Ich finde es mehr als nur rührend , wen die nach wie vor sehr aktive Martha Argerich 2008 den schwesrtkranken Alexis Weissenberg zu Haue besucht oder in ihrem Progetto Martha Argerich in Lugano lange umarmt und geradezu liebevoll drückt und ihm einige Küsse gibt .
    Es gibt sie die jahrzehntelangen tiefen Freundschaften unter grossen Künstlern !


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin


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    Puccini: Tosca – “Vissi d‘arte“
    Rossini: Il Barbiere di Siviglia – “Una voce poco fa“


    John Pritchard
    London, BBC-TV, 17.06.1958


    Im April hatte die Callas letzte Auftritte als Anna Bolena in Mailand, wobei es ihr erstes Erscheinen in Italien nach dem so genannten Rom - Skandal war. Visconti „versteckte“ sie zunächst unter Choristinnen, da die Stimmung extrem feindselig war. Bei „Giudici ad Anna“ stieß die Callas dann die Wärter beiseite, ging an die Rampe und schleuderte ihren Text direkt ins Publikum.
    „Und mit sengender Brillanz habe sie gesungen.“
    Die Zuschauer rasten danach vor Begeisterung und der Abend wurde zu einem ihrer größten Triumphe.


    Im Mai gab es eine Serie „Il Pirata“ neben Corelli und Bastianini, die aber nicht übertragen wurde.


    Der Juni sah sie in London, zunächst in einem Gala - Abend zur Hundertjahrfeier des Opernhauses, dann in diesem von der BBC übertragenen TV - Konzert.


    Das „Vissi d‘arte“, von Pritchard sehr langsam dirigiert, gelingt ihr dabei wesentlich besser als die Barbier - Arie. Sie beginnt sehr zurückhalten, intim, melancholisch und steigert die Emotion dann sehr stetig bis zum Ausbruch bei „Perché Signore“, den sie mit strahlender Höhe und einem wundervollen Decrescendo wiederum bei „Perché“ durchlebt.


    Anders nun „Una voce poco fa“. Die Stimme klingt schwer und das behäbige Tempo, dass Pritchard vorgibt, dient auch nicht dazu, den Witz und Charme dieser Arie deutlich zu machen.


    Die Callas beginnt das Rezitativ schwerfällig, bei „Si Lindoro“ hat man zunächst das Gefühl, dass sie ihrer Höhe nicht trauen würde, um dann die Wiederholung der Phrase mit einigen leichten Verzierungen auszustatten. Bei „vincerò“ vertut sie sich beide Male leicht im Ausdruck. Durch den Einsatz der Bruststimme klingt es hier eher gewollt denn natürlich, immer ein Zeichen dafür, dass die Callas nicht mit voller Konzentration bei der Sache war.


    Die Möglichkeiten, die ihr die Verse ab „Ma se mi toccano“ musikalisch eigentlich bieten, lässt sie völlig außer Acht. Dies klingt alles eher nach Probe, aber nicht wie ein Konzert vor Publikum. „Farò giocar“ bildet in dem Zusammenhang dann den absoluten Tiefpunkt, völlig ohne Ausdruck und quasi nur mit angedeuteten Verzierung gesungen. Und auch die Staccatopassage vor der Wiederholung des Verses klingt hölzern und uninspiriert.


    Die gesamte Arie ist von daher leider völlig misslungen. Ihr fehlt in jeglicher Hinsicht Schwung und Charme, Eloquenz und eine wirkliche Anteilnahme.
    Zudem leiden diese Mitschnitte unter einer wirklich grauenhaften Tonqualität. Und so stellt sich die Frage, ob sie denn ein Muss darstellen. Für den totalen Sammler wie mich natürlich und der „Tosca“ - Ausschnitt ist wirklich lohnend. Die zweite Arie zeigt dann nur, dass die Callas schlichtweg auch schlechte Tage hatte. Große Aufführungen sollten kurz danach aber erneut kommen.


    :hello: Gustav

  • Lieber Gustav :


    Aus der Erinnerung heraus und langen Gesprächen auch mit zwei Persönlichkeiten, die Maria Callas noch persönlich erelben konnten , auch in London , sei angemerkt , dass


    (1) John Pritchard ein recht guter begleitender Pianist ( auch für die Callas ) war ;


    (2) Alle berühmten Küntsler auch " schwache " Abende hatten wie auch problematische Plattenaufnahmen hinterlassen haben .


    Es ist immer wieder interessant, wieviele Künstler sich gerade in lLondon sehr wohl gefühlt haben .


    Andere litten unter der ganz spezifischen " Luft " in Grossbritannien .



    Ich teile Deine Meinung, dass es sich hier n i c h t um eine unverzichtbare LP / CD der Callas handelt .


    Auch wenn sie selbst stets betont hat , dass die " Tosca " nicht
    ihre Lieblingsoper sei , so bleibt doch auch hier festzuhalten, dass ich keine andere Interpretin der Rolle je gehört habe , die diese mit soviel Innigkeit , Liebe zum kleinsten Detail gesungen hat wie Maria Callas es
    vermochte .


    Auch Tebaldi oder L. Price nicht ( Studio ) .


    Die Rosina hat haben auch nur ganz wenige küntlerinnen so zu singen vermocht wie Maria Callas .
    Interessanterweise gibt es eine sehr überzeugende Interpretin in G. Simionato . Daran kann der Opernfreund auch erkennen, dass es zwischen zwei der Grössten durchaus jahrelange enge Freundschaften gibt .


    Und : Die Rosina zu singen ist nun wirklich nicht leicht !


    Beste Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Und : Die Rosina zu singen ist nun wirklich nicht leicht !


    Wohl wahr, lieber Frank. Und wir wissen ja auch, dass sich die Callas mit komischen Rollen durchaus schwer tat.


    An diesem Abend war sie einfach nicht in der Stimmung für die speziellen Eigenheiten der Rosina. Dies kann verschiedene Gründe haben, aber das wäre alles Spekulation. Das Ergebnis ist einfach leider nichts, aber es bleiben ja die wunderbare GA und auch die Studioaufnahme der Arie unter Serafin vom Anfang ihrer Plattenkarriere bei der EMI.


    :hello: Gustav

  • Ähnlich wie bei den Studio-Aufnahmen gibt es demnächst bei EMI jetzt auch eine Box mit den gesammelten Live-Recitals der Callas:



    Maria Callas - The Live Recitals 1952-1976
    10 CDs
    1.CD Live in Rom 1952 & San Remo 1954
    2.CD Live in Mailand 1956 & Athen 1957
    3.CD Live in Dallas 1957 (Probenausschnitte)
    4.CD Live in London 1958 & 1959
    5.CD Live in Hamburg 1959
    6.CD Live in Stuttgart 1959
    7.CD Live in Amsteram 1959
    8.CD Live in London 1961 & 1962
    9.CD Live in Paris 1963 & 1976
    10.CD Maria Callas im Gespräch mit Edward Downes 1968


    Maria Callas,
    RAI Orchestra, Athens Festival Orchestra,
    Dallas SO, London SO, NDR SO,
    Dirigenten: Rescigno, Pretre, Tonini, Sargent


    Label: EMI, ADD/LA, 1952-1976


    Zitat

    Sie ist der Gesangsmythos schlechthin. Ihre Fans gehen in die Millionen. Wer sich mit Maria Callas befasst, steht einem diskografischen Erbe gegenüber, das selbst Kennern noch viel Neues bietet. Ein interessanter Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Live-Dokumenten und Studio-Aufnahmen. Beide Bereiche zeigen ganz spezifische Seiten ihrer künstlerischen Ausstrahlung. Nun erscheinen die Studio Recitals und die Live Recitals als Wiederauflage in zwei großen Boxen.


    Die Box The Live Recitals dokumentiert auf 10 CDs alle mitgeschnittenen Solo-Konzerte von Maria Callas – entstanden zwischen London, Paris, Amsterdam, Dallas und Hamburg in den Jahren 1952 bis 1963. Die Auftritte bilden gewissermaßen den roten Faden in der Entwicklung der Sängerin und dokumentieren ihren unerbittlichen, fast übermenschlichen Willen zur Perfektion.


    Ergänzt wird das Material durch ein Interview mit dem englischen Dirigenten Edward Downes von 1968. Maria Callas singt hier auch Repertoire, mit dem sie nie auf der Bühne gestanden hat – und genau das gilt auch für die 13 CDs umfassende Box The Studio Recitals, die auf 2 CDs zudem eine Sammlung von Raritäten präsentiert: Zu Lebzeiten der Künstlerin nie frei gegebene Einspielungen aus den 50ern und 60ern, außerdem eine Testaufnahme aus dem Jahre 1953, die lange verschollen war und erst in den 80ern wieder auftauchte.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)