Trompetenkonzerte - eure Favoriten

  • Hallo,


    in letzter Zeit entwickele ich eine Vorliebe für die Trompete als Soloinstrument - in Konzerten, aber auch mit Orgel und in anderer kleiner Besetzung. Während des Barocks war die Trompete ja sehr angesagt, aber auch in Frühklassik und Klassik ist sie durchaus noch im Fokus der Komponisten.


    Händel, Telemann, Vivaldi, Marcello und Torelli sind nur einige Vertreter des barocken Trompetenkonzertes; später finden wir z.B. Haydn, den Mozartvater, Molter und Hertel.


    Welche Trompetenkonzerte mögen die Taminos besonders gern? Ich freue mich auf Tipps und Meinungen.


    tukan

  • Was ich immer wieder gerne höre in Sachen Trompete ist Jean Baptiste Prins Suite "Echo der Psyche", die wegen ihres sehr ausgeprägten Paukenparts auf dieser Paukenkonzert-CD miteingespielt ist.



    Ansonsten schätze ich auch noch folgende Aufnahmen sehr:


    - Classical Trumpet Concertos, welche sämtliche Schlachtrösser der klassischen Trompetenliteratur von Joseph und Michael Haydn, Leopold Mozart, Johann Hertel und Nepomuk Hummel in HIP vereint



    . Concerti a Clarino solo, eine Sammlung mehrerer Trompetenkonzerte für den Fuldaer Hof, bestehend aus Werken von Zahn, Gross, Stamitz, Riepel und Richter ebenfalls in HIP



    Dann ist da noch die Naxos-Reihe "The Art of the Baroque Trumpet" Vol 1 - 5 da mit Niklas Eklund als Solisten und dem Drottingholm Baroque Ensemble, welche eine Vielzahl von Werken vom Barock bis in die Frühklassik umfasst



    Wie man feststellen kann, bevorzuge in Sachen Trompetenkonzerte die HIP; ganz einfach deswegen weil die Naturtrompete eben ein ganz ein anderes Instrument ist, als dieses sogenannte mit Ventilen überladene Barocktrompetchen. Ihre Lautstärke ist geringer und ihr Klang wesentlich weicher, so dass sie sich auch gut in Doppel- und Gruppenkonzerte einfügt, von welchen z.B. Telemann eine Reihe wunderschöner komponiert hat.
    Die einzige Ausnahme stellt die Suite von J. B. Prin auf der zu oberst angeführten CD dar, welche im Original eigentlch eine Komposition für die "trompette marine" bzw. das Trumscheit ist, es sich also um eine Transskription handelt - auch wenn das Trumscheit eigentlich eine Ersatztrompete war - und meines Wissens nach keine andere Aufnahme dieses Werkes existiert.


    Und last not least möchte ich noch auf ein modernes Wek hinweisen, in dem die Trompete eine wichtige Rolle spielt:


    Schostakowitschs 1. Klavierkonzert, das ursprünglich als Trompetenkonzert gedacht war und eigentlich ein Doppelkonzert für Klavier und Trompete ist:



    Viele Grüße
    John Doe

  • Zwei recht gegensätzliche Trompetenkonzerte höre ich besonders gern. Das ist das klassische Hornkonzert von Josef Haydn und das modernere von Alexander Arutjunjan. Mich haben aber auch volkstümliche Trompetenstücke durchaus angezogen, besonders, wenn diese von dem "klassischen" - volkstümlichen Trompeter Walter Scholz virtuos geblasen wurden.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo Siegfried und John Doe,


    vielen Dank. Das sind einige sehr schöne Anregungen. Einige der vorgestellten CDs von Naxos habe ich auch. Daneben habe ich einige der von euch vorgestellten Werke in anderen Einspielungen. Bisher habe ich noch nicht so darauf geachtet, ob es historisch informierte Aufführungen sind. Manchmal sind es auch Mischungen, wie z.B. auf dieser CD:



    Die Herrschaften spielen auf modernen Instrumenten, sind "aber in Fragen der Aufführungspraxis der historisch angenäherten Spielweise verpflichtet." (Booklet)



    Dann habe ich mir noch die vollständigen Trompetenkonzerte von Telemann und Torelli besorgt, für preiswertes Geld von Brilliant Classics.



    Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, da hineinzuhören, da die Wochenenden immer dem Jazz und dem Blues gewidmet sind, da dann mein Mann die Stereoanlage mit Beschlag belegt.
    Ich bin aber mal gespannt, weil in dem Booklet der Telemann-Kassette steht, dass die Tempi beschleunigt wurden und zusätzliche Kadenzen und Verzierungen hinzugefügt wurden. Das kann natürlich auch in die Hose gehen und unseren liebenswürdig-gravitätischen Telemann zu sehr entstellen. Ich werde berichten.


    Schönen Sonntag noch


    tukan


    PS: Danke, John Doe, für den Hinweis auf das Shostakovitch- Konzert: Das werde ich mir demnächst besorgen!

  • Neben dem angestammten Barockrepertoire hat sich die
    junge Trompeten Generation längst auf das Hochseil begeben:


    Giulano Sommerhalder - Peskin Brandt Cords Höhne Böhme



    Gabriele Cassone - Berio Sequenzas



    Reinhold Friedrich - Zimmermann Berio Rihm Scelsi Killmayer



    Wolfgang Bauer - Krol, Brandt, Böhme



    Matthias Höfs - Trumpet Acrobatics - Bizet Goedicke Brandt Piazzolla ...



    Hakan Hardenberger - Gruber Eötvös Turnage


  • Das von allegro assai benannte Konzert "Darkey's Darkness" bzw. "Nobody knows" von Bernd Alois Zimmermann ist vielleicht das berühmteste Beispiel einer klassischen Avantgarde der fünfziger Jahre, in dem sich hochvirtuose Floskeln des Jazz und der Unterhaltungsmusik mit den Mitteln des Serialismus paaren. Geradezu unglaublich rau und schmutzig - schmutziger als viele Jazz-Trompeter dies tun - erscheint dabei die Einspielung mit Adolf Scherbaum, der das Werk auch uraufgeführt hat. Dabei wurde Scherbaum eigentlich eher als Reformer der Barockmusik mit der Piccolo-Trompete bekannt, wobei man im Zeitalter des HIP seine altmodisch harten Einspielungen gar nicht mehr so goutieren mag.


    Ob es eine CD auf die Schnelle gibt? Amazon listet wohl nur Barock-Sampler mit Scherbaum; ich glaube aber, dass der ziemlich Lebhafte von oben da mehr weiß ... und ich weiß schon auch mehr ...


    Trotz mittlerweile vieler Konkurrenz ist Scherbaum meine Nummer Eins bei Zimmermann.


    Dann würde ich noch unbedingt André Jolivet empfehlen, besonders das zweite Konzert von 1954 - Musik zwischen Impressionismus und Avantgarde mit Jazz-Elementen, vielleicht nicht so rabiat wie Zimmermann, dafür mit sehr berührenden Klangfarben. Hier stammt die klassische Einspielung von Scherbaums berühmtestem Nachfahren, von Maurice André:



    Die CDs sind unbedingt empfehlenswert für den Liebhaber klassischer Moderne und gemäßigter Avantgarde.


    Auch Gruber / Eötvös / Turnage (s.o.) kann ich nur empfehlen; da sind wir einen Schritt weiter - das ist die postmoderne Schule der neuesten Jahrtausendwende. ;)


    Gruß, Wolfgang

  • Und wenn der rassige exotische Singvogel vom Anfang des Threads Trompete und Orgel liebt und wiederum durchwegs gemäßigte Moderne, dann ist das Folgende ein Top-Tipp:



    Und wenn ihm, also ihr, das abschließende Stückchen von Naji Hakim zusagt, wird dem Tukan die Maxi-Ausgabe erst recht zusagen:



    :hello: Wolfgang

  • Hallo tukan,


    der von dir genannte Güttler ist jetzt so ein Problemfall: Liegt es nun an meiner Anlage, an der Aufnahmetechnik seiner CDs oder schlicht und einfach an seinem Instrument und seiner Spielweise - bei Aufnahmen mit Güttler sticht mir dessen Trompete immer ins Ohr, ich empfinde ihren Klang durchdringend und kiecksig. Meines Erachtens liegt das aber schon sehr am Instrument, denn beachte, eine Naturtrompete hat weder Ventile noch Klappen und ist aufgewickelt an ca. 2 m lang, derweil so ein modernes Barocktrompetchen nur auf ca. 60 aufgewickelte cm kommt. D.h. es handelt sich dabei definitiv um zwei unterschiedliche Instrumente.


    Die von dir angeführten Telemann- und Torelli-Aufnahmen hab ich auch, wobei Otto Sauter, der Solist bei den Telemann-Konzerten, wohl ein etwas tieferes Instrument spielt, welches letztendlich - da modern - auch wieder sehr dominiert und im Doppelkonzert für Trompete und Violine (2. Konzert auf der 1. CD) letztere im Zusammenspiel doch sehr verdeckt.
    Ansonsten ist die Box aber sehr gut, die Verzierungen und die etwas angezogenen Tempi entstellen den liebenswürdig-gravitätischen Telemann definitiv nicht, Telemann schreitet dabei immer noch ausreichend gravitätisch einher, wobei ich Telemann sowieso hauptsächlich von der Reinhard Goebels Musica Antiqua Köln her kenne, welche sich ja nun durch vieles, aber sicherlich nicht langsame Tempi ausgezeichnet hat.


    Viele Grüße
    John Doe
    :hello:

  • Bevor es hier wieder still wird, nenne ich mal diese Scheibe (außerdem SACD)! :



    Tine Thing Helseth spielt Trompetenkonzerte


    Enthalten ist:


    Haydn: Trompetenkonzert Es-Dur
    Albinoni: Trompetenkonzert op. 7 Nr. 3
    Neruda: Trompetenkonzert Es-Dur
    Hummel: Trompetenkonzert Es-Dur


    Kommentar Stereoplay 02 / 08:
    "Tine Thing Helseth gewährt uns überraschende, faszinierende Einblicke in die lyrische und gestische Schönheit solcher Trompetenklassiker wie die Konzerte von Haydn oder Hummel. Die Trompeterin verfügt nicht nur über eine atemberaubende Technik und einen völlig mühelosen Ansatz, sondern einen unverwechselbaren kantabel fließenden und schwebend-schlanken Ton von belkantistischer Schönheit."

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Barocke Trompetenkunst, eingespielt an historischem Ort:


    Torelli - Complete Works for 1, 2 & 4 Trumpets


    - Sinfonias in D Major, G. 1-11, 13, 26, 29-31
    - Sinfonia à 4 in C Major, G. 33
    - Concertos in D Major, G. 27 & 32
    - Sonatas in D Major, G. 15-25


    Orchestra della Cappella Musicale San Petronio
    Dir. Sergio Vartolo


    Gabriele Cassone, P.O. Lindeke, David Staff, Steven
    Keavy, and Edward H. Tarr sind die Solisten auf Barocktrompeten.
    E. H. Tarr bearbeitete die Notenausgaben.


    Bongiovanni GB 5523/24/25-2 (3 CDs), 1992

  • Auch sehr barock, auf moderner Trompete gespielt:

    Alison Balsom
    mit italienischen Konzerten

    Es sind großenteils Transkriptionen für die Trompete, Kompositionen die ursprünglich für die Violine oder Oboe geschrieben wurden.
    Die Solistin überzeugt mit ihrer schwerelosen virtuosen Spielart, dabei mit angenehm warmer Tonlage. Sehr schön anzuhören!
    :hello:

  • Hummel mit hippem Orchester und gespielt auf Klappentrompete mit Reinhold Friedrich:



    Haydn und Michelle Puccini mit dem vielleicht nicht so bekannten Konzert für Flöte, Klarinette, Klappentrompete, Horn und Orchester sind auch mit dabei.
    Die Wiener Akademie spielt präsent und kraftvoll auf unter Martin Haselböck.


    Eine Einspielung, die sich lohnt, auch wenn bei Aufnahmen der Konzerte von Haydn und Hummel durchaus kein Versorgungsnotstand in Sicht ist.


    Freundliche Grüße von der Nordseeküste sendet Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Die Welt der frühbarocken Trompetenmusik am spanischen Hof des
    17. Jahrhunderts lässt das Barocktrompetenensemble Berlin unter
    Ltg. von Johann Plietzsch, Barocktrompete, erklingen.
    Unterstützt werden die bis zu sechs Barocktrompeten von Pauken,
    Percussion, Theorben, Barockguitarre und Truhenorgel.


    Eine phantastische Aufnahme!



    Links:
    http://www.barocktrompeten-ensemble-berlin.de
    Youtube: Barocktrompeten Ensemble Berlin: La Minina de Portugal (Gaspar Sanz)
    - live aus dem Berliner Dom