Basso cantante - Ildebrando D'Arcangelo

  • Da ich bemerkt habe, dass hier einer meiner favorisierten Bässe fehlt, muss ich das gleich mal ändern:



    Ildebrando D'Arcangelo, wurde 1969 in Pescara, Italien geboren und begann sein Gesangsstudium 1985 bei Maria Vittoria Romano und setzte es dann in Bologna bei Paride Venturi fort. 1989 und 1991 gewann er die Toti dal Monte International Competition. 1994 nahm erden Bartolo bei der DG unter Abbado auf, sowie den Lodovico unter Chung. In Folge darauf wurden auch John Eliot Gardiner auf ihn aufmerksam, der ihn für seine Don Giovanni-Produktion in Amsterdam und Ludwigsburg als Leporello engagierte. Die darauf veröffentlichte CD wurde von der Kritik begeistert aufgenommen, in der Opernwelt schreibt Gerhard Persché:


    Zitat

    In Ildebrando D'Arcangelo, einem Mittzwanziger, der hier noch den Leporello singt dürfte der Opernwelt bei pfleglicher stimmbehandlung und ein wenig Geduld bald ein Don Giovanni geschenkt werden, der mit seinem sinnlich-bronzenen, eleganten und flexiblen Timbre ohne weiteres die Fäden Cesare Siepis wiederaufnehmen könnte.


    Tatsächlich kann man so D'Arcangelos Stimme am besten beschreiben und ebenso wie Siepi ist auch Mozarts „Figaro“ eine echte Parade-Rolle, den er immer wieder in allen großen Opernhäusern der Welt gesungen hat. Allerdings singt er gelegentlich auch den Grafen. In einem Interview äußerte er sich, dass ihm der Giovanni mehr am Herzen liege als der Leporello und derzeit ist er auch öfter in dieser Rolle anzutreffen und wird auch 2011 in Baden Baden eine Stars und Sternchen-Besetzung anführen. Seine gewandte Stimme führte ihn auch zur Rolle des Alidoro (La Cenerentola) sowie zum Ferrando (Il Trovatore). Sein markantes Timbre und das entsprechende Äußere waren die Eintrittskarte zum Escamillo.
    Weitere Rollen von ihm sind der Colline, Guglielmo und Don Alfonso , Bartolo (Rossini), Graf Rodolfo Mustafa und Selim. Auf DVD kann man neben Leporello, Figaro, und Escamillio auch seinen vorzüglichen Dulcamara (neben Anna Netrebko und Rolando Villazon) sehen. Seit 2009 ist er bei DG unter Vertrag, hier erschien bereits sein Händel-Album, eine Platte mit Mozart-Arien ist in Planung.

  • Hallo Wotan CB,


    ich danke Dir für die Eröffnung dieses Threads, denn ich war auch schon am überlegen, ob ich ihn demnächst eröffnen sollte.
    Er gehört auch zu meinen favorisierten Bässen, und ich besitze natürlich auch einige Opern, in denen er mitgewirkt hat:




    und auch die Londoner Carmen mit seinem Escamillo, da gefiel er mir übrigens besser als in der Wiener Carmen. Aber eigentlich ist seine Stimme für den Escamillo einfach zu schön und zu elegant.


    Live habe ich ihn leider noch nicht gehört.


    :hello:
    Jolanthe

  • Zitat

    Original von Jolanthe


    Live habe ich ihn leider noch nicht gehört.


    :hello:
    Jolanthe


    ich auch nicht, aber ich habe vor, dass bald zu ändern, wenn er Mitte Juli in München den Figaro singt. Dafür hängen hier schon Karten.
    Und für den Don Giovanni in Baden Baden 2011 habe ich auch schon Karten :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Ich kenne D'Arcangelo in Gesamtaufnahmen bislang als Figaro (DVD Salzburg 2006) und Leporello (Salzburg 2006). In beiden Rollen hat er mir gut gefallen.


    Eines vorweg: Herr D'Arcangelo ist gewiss ein Ausnahmesänger. Das männlich-bassige Timbre mit der gut ausgebildeten Höhe und der mittlerweile ebenfalls sehr guten Tiefe (auf frühen Aufnahmen hört man noch gelegentlich ein Wackeln) ist wunderbar.
    Aber: Ich habe heute ca. 45 Minuten damit verbracht, mir D'Arcangelo-Aufnahmen bei YouTube anzuhören. Und ich stelle fest: Er verlässt sich sehr auf seine herrliche Stimme, bietet mir aber zu wenig eigene Akzente. Vieles klingt gleich und in den Koloraturen oftmals auch nicht restlos sauber gesungen. Natürlich setzt er in Rollen, die ihm liegen (Figaro, Leporello meines Erachtens sogar noch einen Tacken mehr als Giovanni) gelegentlich eigene Akzente, aber der reine Gesang wirkt z.B. beim Escamillo auf Dauer steif und ermüdend. Sehr gefallen hat er mir dagegen als herrlich überzeichneter Dulcamara.
    Dennoch muss er eine fabelhafte Bühnenwirkung haben, und auch ich würde ihn gern mal live sehen (hoffentlich klappt's mit dem "Don Giovanni" in Baden-Baden...).


    Trotz dieser Kritik steht fest: Solche Sänger gibt es nicht alle Tage.


    :hello:


    P.S.: Ich erinnere mich da an das Titelbild der "Opernglas"-Ausgabe vom letzten September:



    (gab's nicht größer)


    Es brachte dem Magazin einen empörten Brief ein, in dem ein Leser bekundete, dass er, als er das neueste Heft in die Hand nahm, geglaubt habe, eine "Aufnahme aus dem Verbrecheralbum" zu sehen. "Herr D'Arcangelo ist zweifellos ein sonst attraktiver Mann, aber warum er gerade dieses Bild zur Veröffentlichung durchgelassen hat, ist mir schleierhaft."
    Man muss gestehen: So weit hergeholt ist die Assoziation gar nicht :hahahaha:...

  • Vielleicht könnte man ihm mal einen guten Rasierapparat empfehlen:



    Ildebrando d'Arcangelo - Händel-Arien (Bassarien)

    Arien aus Orlando, Giulio Cesare, Rodelinda, Ariodante,
    Rinaldo, Ezio, Apollo & Dafne


    Ildebrando d'Arcangelo,
    Modo Antiquo,
    Federico Maria Sardelli
    DGG , DDD, 2008


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • D'Arcangelo ist sicher ein guter Bass der mir im Mozart-Fach recht gut gefällt. In diesem ist er gut aufgehoben. Leider scheint es ihn derzeit auch zu Rollen zu drängen, denen er stimmlich nicht ganz gewachsen ist. Als Escamillo ist er ja gerade an der Wiener Staatsoper recht überfordert gewesen und ziemlich eingegangen.


    Als Figaro hat er überzeugt, auch in der Cosi Fan Tutte hat er mir gefallen.


    Was das Aussehen betrifft, fällt mir auf, dass er immer sehr "geschönt" in Photostrecken in Szene gesetzt wird. Denn wenn man ihn dann aber in natura trifft, stellt man fest, dass er auf den Photos doch anders aussieht. So gut sieht er in Wirklichkeit gar nicht aus. :pfeif:


    Gregor

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Vielleicht könnte man ihm mal einen guten Rasierapparat empfehlen:


    Was habt ihr eigentlich immer gegen Drei-Tage-Bärte? Er wirkt doch dadurch überaus männlich! :D


    :hello:
    Jolanthe


  • Ja, ich befürchte auch schon nach seinem Escamillio, dass da Rollen kommen, die ihm viel seines Glanzes und seiner Leichtigkeit in der Stimme kosten werden. Dabei kann er ja theoretisch den Escamillio gut singen, zum Beispiel in London ist ihm die Rolle ganz gut geglückt. Ich vermute aber, dass ihn zum beispiel ein stimmlich nicht gut disponierter Abend sofort zum forcieren in dieser Rolle zwingt und das kann natürlichen Folgen haben.


    Auch was Basti sagt, über die fehlenden eigenen Akzente, habe ich schon öfters von anderen Kritikern gelesen. Vielleicht ist das ein Grund, warum mir bislang sein Leporello besser gefällt als der Don Giovanni.
    In einem Radio-Mitschnitt aus Wien unter Carydis da habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass sein Giovanni "sitzt". In der gleichen Inszenierung auf DVD unter Muti da singt er einen fabelhaften Leporello, der keinen Vergleich scheuen muss.


    Was kommende Rollen angeht: Ich vermute ja (und ich hoffe er lässt sich noch ein bissl Zeit), dass bald der Phillip kommen wird. Im Don Carlos hat er schon den "Mönch" gesungen (auf CD unter Haitink) und der ist großartig geworden. Auch sein Ferrando unter Pappano ist wirklich klasse. Daher glaube ich schon, dass er bald versucht das Verdi-Fach zu erobern - sprich: Banquo, di Silva, Ramfis(?), Padre Guadrian usw. Den Phillip kann ich mir zwar (noch) nicht ganz vorstellen, aber ich vermute, wenn es an der Zeit ist, wird sich sein "Ella giammai m'amo" wirklich sehr schön anhören.
    Sofern er vorher nicht zuviel forciert in anderen Rollen.... Ich warte jetzt erstmal auf den Figaro in München.

  • Sagitt meint.


    Sein Händel-Album hat mir gut gefallen, deutlich besser als Terfel.


    Und dann kommt dieser Herr wirklich tief. Die Arie als Polifemo erfordert mehrfach, zum tiefen C niederzusteigen. Er kann es. Auch wenn das Mikrofon vielleicht hilft.


    Aber er zählt nicht in die Reihe der Bässe, die da oktavieren müssen, wie die Mehrzahl der Sänger des Charonte im Orfeo von Monteverdi und damit der Arie ihren "Pfiff" rauben.

  • Ist er eigentliche ein Bass oder ein Bassbariton ? In den RUndfunkübertragungen wird er immer als Bassbariton bezeichnet. Was ist eigentlich zwischen einem Bass und einem Bassbariton der unterschied ?

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Strizzi
  • Meines Wissens ist die Bezeichnung Bassbariton als Stimmfarbe eher für einen Bariton , der eben mehr Tiefe hat, gedacht.
    Ein "klassischer" Bariton sollte einen Tonumfang vom A -a1 haben, ein klassischer Bass vom E - e1. Der Bassbaríton liegt dann dazwischen.
    Die Aufteilung der tiefen Männerstimme in Bariton und Bass begann erst im 18. Jahrh. durch die Opernpraxis. Bis dahin wurde die tiefe Männerstimme eigentlich nur als Bass bezeichnet.
    Es ist auch eher eine Bezeichnung für eine Stimme, die sowohl Basstiefe ,als auch Baritonhöhe besitzt und keine Fachbezeichnung für eine bestimmte Rolle.

  • Josef Greindl wird auch z. T. als Baßbariton bezeichnet, was ich aber als eher verfehlt erachte. Er war ein Baß, der eben auch manchmal Baßbariton-Rollen wie den Sachs (mit Erfolg) sang.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Ich habe die Händel-Arien von Ildebrando d´Arcangelo mit einer Mischung aus Überraschung und Enttäuschung angehört.


    Überrascht war ich über seinen erstaunlichen Stimmunfang (D-a), den er besonders bei "Fra l´ombre e gl´orrori" unter Beweis gestellt hat.


    Enttäuscht war ich über seinen Koloraturgesang, insbesondere in der ersten Arie (Io di Roma il Giove sono), der mir zu sehr "gemeckert" klingt.


    Ob d´Arcangelo nun ein basso cantante oder Bassbariton ist, vermag ich abschließend nicht beurteilen zu können. Ein Cesare Siepi ist er gewiss noch nicht...

    "...du holde Kunst, ich danke dir!"

  • Ich lese derzeit ein Buch über Sänger von Manuel Brug mit dem Titel "Die neuen Sängerstimmen". Darin wird gesagt, dass Ildebrando D'Arcangelo auch den Macbth gesungen hätte. Ich zitiere:


    "Auch als Colline und Alidoro kann er überzeugen. Mit Macbeth oder .... scheint er sich hingenen zu überzeugen" (Seite 186)


    Ich kann mir nicht vostellen, dass D'Arcangelo jemals den Macbeth gesungen hat, vielleicht den Banquo. weiß da jemand genauer Bescheid?

  • Das Buch von Manuel Brug besitze ich auch und eigentlich kann ich mir auch nicht vorstellen, dass D´Arcangelo den Macbeth gesungen hat. Er hat wohl schon mal den Banquo aus dieser Oper gesungen.


    :hello:


    Jolanthe

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Eben gehört:



    Klingt alles gleich, ob Giovanni oder Leporello, Figaro....
    Eigentlich eine tolle Stimme, tolle Höhe, klangvolle Tiefe, aber irgendwie verlangt Mozart da noch was anderes, besonderes, von einem Sänger!


    Hätte da doch etwas mehr erwartet.


    LG


    :(

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Ich hatte mir eben zum ersten Mal diese CD angehört und war sehr begeistert. Sein "Madamina...." aus Don Giovanni war erheblich besser und eindrucksvoller als von E. Schrott (Konzert in Berlin).


    :hello:


    Jolanthe

  • SWR 2 sendet am Sonntag (28.4.) in der Serie "Zur Person" ein Portrait über Ildebrando D´Arcangelo von 15.05 bis 17.00 Uhr.


    :hello:
    Jolanthe