Bruckner, Anton: Sinfonie Nr 1 in c-Moll – das kecke Beserl

  • Hallo, liebe Musikfreunde,


    eine Anregung zur 8. Sinfonie aufgreifend will ich hier eine der unbekannteren Sinfonien von Bruckner vorstellen und wähle dafür die 1. Sinfonie. Es ist tatsächlich auffallend, wie gerade die Dirigenten der berühmten Bruckner-Sinfonien dieses Werk glatt ignoriert haben. Die Liste aller historischen Aufnahmen bis 1959 - Link - zeigt gerade einmal zwei Einspielungen mit Andreae 1950 und 1953, Charles Adler 1955, Georg Ludwig Jochum 1956 und dann endlich 1959 mit Eugen Jochum erstmals einen der berühmten Bruckner-Dirigenten.


    Bruckner hat diese Sinfonie bis 1866, also im Alter von 40 - 42 Jahren komponiert. Er selbst nannte sie später ein „keckes Beserl“ und ergänzte: "Ich komponierte eben wie ein verliebter Narr".


    Und so klingt sie auch! Ich würde sie vollwertig an die Seite der anderen großen Sinfonien des 19. Jahrhunderts stellen. Sie hat mich von Anfang an einfach begeistert und ist für mich eine notwendige Ergänzung zum Spätwerk, ohne die dieses nicht zu verstehen wäre. Es ist gerade das bisweilen Unfertige, was den besonderen Reiz dieser Sinfonie ausmacht. Überall ist zu spüren: in wie viele Richtungen und wohin kann es weiter gehen. Alles scheint möglich, und der Hörer vermag sich kaum vorzustellen, wie Bruckner dann wohl fortfahren würde.


    Der ungemein forsche Auftritt im ersten Satz, die fast surreale Stimmung im 2., die ausgelassene Stimmung des 3. (wer hätte so etwas Bruckner zugetraut ...) und dann der 4. Satz mit einer Seligkeit in dieser Welt sein zu können, da höre ich – Ulli verzeih ! – Bruckner leibhaftig an der Orgel sitzen und alle Scheu überwindend den Hörer an einer Bewegung teilhaben, die über die Grenzen von persönlicher Geburt und Tod hinausführen.


    Bruckner als Chordirigent 1868 in Linz:




    Weitere Informationen:


    Erwin Horn


    Fassungen


    Viele Grüße,


    Walter

  • Das "kecke Beserl" gehört leider nach wie vor zu den sträflich vernachlässigten Werken des großen Sinfonikers und selbst Dirigenten, die von sich behaupteten, die wahren Bruckner-Exegeten zu sein, machten (Celibidache) einen Bogen um das in jeder Hinsicht bemerkeswerte Opus. Einerseits präsentiert Bruckner darin auf beeindruckende Weise, was er bei Simon Sechter an kompositorischem Rüstzeug erworben hat, aber ein Bruckner-Werk der "weltentrückten Weiheklänge" ist diese Sinfonie noch nicht und gerade ihre Diesseitigkeit
    empfinde ich als ihre Stärke:
    Zu empfehlenswerten Aufnahmen gehören m.e. nach diese:


    Die "Linzer Fassung" in der Darstellung des von mir sonst als teifgründigem Exegeten eher nicht geschätzen D. Barenboim: hier zeigt er als einer der Wenigen Dirigenten exemplarisch auf, WAS alles in dieser Komposition steckt ! Ergänzt wir die Einspielung durch das anachronistische Chorwerk "Helgoland" (grossartige Musik, unsäglicher, "tümelnder" Text...



    Claudio Abbado hat sich im Zusammenspiel mit den "WP" ebenfalls des schönen Werkes angenommen; im Gegensatz zu Barenboim setzt er aber mehl auf die leisen Töne und die transparente Faktur des Werkes, aber auch seine Aufnahme verdient Referenzcharakter !


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • lieber bbb, und wieder einmal decken sich unsere ansichten ... :yes:
    die 1. von bruckner gehörte immer schon zu meinen lieblingen. sehr schöne aufnhamen auch die karajansche und die alte von jochum....
    helgoland ist übrigens wesentlich besser in der alten barenboim-aufnahme gelungen ....kombiniert mit dem 150. psalm .... da krachen die lautsprecher ... :D

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hallo Bruckner-Freunde,


    die Bruckner: Sinfonie Nr.1 wird von mir sehr geschätzt und ist hier mit drei Beiträgen hängen geblieben - das darf doch nicht wahr sein.


    Erst gestern habe ich die Sinfonie Nr.1 aus meiner neuen Solti-Decca-Gesamtaufnahme mit dem Chicago SO gehört und war begeistert (siehe auch Thead zu Sinfonie Nr.8...).


    :] Was dieses Orchester leistet, insbesondere die Blechbläser, ist absolut umwerfend und übertrifft sogar die auch von mit auch hochgeschätzte Karajan-Aufnahme mit den Berliner PH auf DG.
    Die Solti-Aufnahme packt einen von den ersten Takten an - die Entwicklungsbögen werden großbogig gezogen, bei dennoch zügigem Tempo; daraus entsteht eine Spannung, die das kecke Besserl zu einem großen Meisterwerk erwachesen läßt. Kein Wunder das Bruckner erst nach der f-moll-Sinfonie und der Sinfonie Nr.0 mit dieser Sinfonie als Nr.1 zufrieden war - Solti und Karajan setzten diese Bruckner-Intentionen entsprechend um.
    Die Aufnahme bietet eine Klangqualität, die ihresgleichen suchen muß; alle Instrumente stehen absolut präsent und klar vor einem und können nur noch Bewunderung erzeugen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Vier Beiträge und seit vier Jahren kein neuer – dies verdeutlich ziemlich gut den Status der Ersten von Bruckner. Sie ist weitestgehend unbekannt, große Bruckner-Dirigenten meideten sie weitgehend (wie bereits oben beschrieben). Aber wieso? fragt man sich unweigerlich, wenn man das Opus sich angehört hat.


    Packend vom ersten Takt an (da gehe ich d'accord mit teleton), eine Spannung, die bis zum Finale anhält.



    Sehr gelungen m. M. n. in der 1965er Aufnahme Eugen Jochums mit den Berliner Philharmonikern. Klangtechnisch 1A für das hohe Alter.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • In Anbetracht der Tatsache, dass mir Bruckners Erste eigentlich sehr gut bekannt ist und sie auch discographisch ganz ordentlich erfasst ist, bin ich schon etwas über die Kürze dieses Threads überrascht.
    Damit dieser ein bißchen länger wird möchte ich auf eine vorzügliche Aufnahme der Wiener Fassung dieser Sinfonie hinweisen:



    Wiener Fassung deswegen, weil sie in der - da aus dem Jahre 1890/91 stammend - im wahrsten Sinne des Wortes eine bedeutende Ergänzung zum Spätwerk ist.


    Die Interpretation von Günter Wand ist über jeden Zweifel erhaben, auffällig ist jedoch, dass auch er sie nur ein einziges mal eingespielt hat und zwar in dieser Fassung.


    Viele Grüße
    John Doe

  • Die Sinfonie Nr. 1 von Bruckner habe ich das erste Mal mit Anfang 20 im Rahmen einer Konzertübertragung des Norddeutschen Rundfunks gehört. Bruckner war mir damals natürlich schon geläufig, aber seinerzeit regierten bei mir andere Komponisten. Weil sich dies durch diese Konzertübertragung schlagartig änderte und ich diesen Klang so faszinierend fand, ist die 1. Sinfonie in der Linzer Fassung bis heute meine Lieblings-Sinfonie von Bruckner. Allerdings: nur, wenn sie "richtig" gespielt wird, d.h. exakt so, wie ich das damals im Radio gehört habe. Und das wurde zum Problem. Ich hatte mir nämlich den Namen des Dirigenten nicht gemerkt. Ich kannte ihn auch nicht. Für mich reichte es damals, mir zu merken: Bruckner Nr. 1 in der Linzer Fassung. Ich glaubte, wenn ich in ein Schallplattengeschäft gehe und eine gute Aufnahme des Werks kaufe, werde ich dieses Klangerlebnis wohl ohne Probleme erneut zu Hause haben. Aber Pustekuchen! Ich hörte Aufnahme um Aufnahme durch und sie waren nicht einmal entfernt so gut wie diese damalige Aufführung. Größtenteils waren sie ziemlich schlecht, manche waren ziemlich oder sogar sehr gut, aber eben nicht zu vergleichen. In die letztere Kategorie gehören z.B. Karajan und Solti. Wand dirigierte selbstverständlich nur die spätere Wiener Fassung, war aber auch abgesehen davon für mich nicht erste Wahl. So hatte ich also eine "Lieblings-Sinfonie", aber keine dazu passende Schallplatte bzw. CD im Regal.


    Viele Jahre später fand ich heraus, dass der Dirigent des NDR-Sinfonieorchesters an jenem Abend Heinz Wallberg war. Leider sind kaum Bruckner-Sinfonien in seiner Interpretation "offiziell" erschienen, und im Falle seiner Interpretation der 8. Sinfonie, die mit den Duisburger Sinfonikern auf CD zu kaufen ist, bin ich auch nicht annähernd so begeistert wie von seiner Deutung der 1. Sinfonie. Aber sollte jemand von Euch irgendwann einmal eine LP oder CD finden, auf welcher Heinz Wallberg die Sinfonie Nr. 1 dirigiert: schlagt zu! Da er sämtliche Bruckner-Sinfonien dirigiert haben soll, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass solche Aufnahmen irgendwo zu finden sind (z.B. sah ich neulich einmal eine LP mit Wallbergs Aufnahme der 4. Bruckner-Sinfonie auf einer Angebotsseite eines großen Online-Auktionshauses).


    Übrigens: solch ein Schattendasein führt die Sinfonie Nr. 1 nach meinem Eindruck nun auch wieder nicht. Simone Young hat das Werk gerade erst im Januar 2010 mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg aufgeführt und am 6./7. Juni 2010 folgen Michael Gielen und das Sinfonieorchester des NDR. Jedenfalls in Hamburg kann man also z.Zt. nicht gerade sagen, dass alle Dirigenten einen "Bogen" um diese wunderbare Sinfonie machen.

  • Beide Versionen (Linz und Wien) gibt es mit Volkmar Andreae.
    Die "Linzer" aktuell nur in der Gesamtbox bei Music and Arts, die "Wiener" kann man bei http://www.abruckner.com kostenlos laden.
    Sie lädt auch dazu ein, sich mal ohne Kosten außer der Zeit mit Andreae als Bruckner Dirigenten zu beschäftigen.
    Gruß S.


    PS. Swiatoslaw. Du hast Dir sicherlich diverse Wallberg Aufnahmen (so wie ich) von abruckner.com geholt. Auf der Webseite wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Herausgeber Wünsche annimmt.

  • Ich habe nun noch einmal im Abstand von ein paar Tagen die 1. gehört (ein Stiefkind bei mir), und zwar einmal Eugen Jochum und einmal Karajan.
    Was mir richtig fies aufstieß waren die penetranten Flöten im 1. Satz bei Karajan, das fand ich richtig nervig. Auch fehlte mir bei ihm ein wenig von dem "Drive", den Jochum sehr wohl zu zelebrieren weiß, das hat ja regelrecht etwas Tänzerisches.


    Ansonsten: Ein Bruckner für zwischendurch.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Hallo Klaus,


    den letzten Satz hättest Du weg lassen sollen, denn der macht nicht gerade Appetit Dir überhaupt auf deinen Beitrag zu antworten. Sieh mal Beitrag 8 an, welche Wertschätzung das Werk dort beispielhaft erfährt !


    8o Aber eines hat Dein Beitrag bewirkt, dass ich mir diese herrlich frische Sinfonie Nr.1 , dieses "kecke Besserl" nach Jahren in den nächsten Tagen wieder einmal anhören werde ... und zwar in meiner TOP-Aufnahme mit Solti / Chicago SO (Decca). Ich freue mich bereits jetzt darauf - und werde diese dann auch nicht nur "mal eben so zwischendurch hören".

    Bei Karajan (DG), dessen Aufnahme ich auch sehr schätze, sind mir im ersten Satz noch nie nervige Flöten aufgefallen (bei so etwas wäre ich nämlich recht empfindlich) ...


    ...die CD ist in meiner GA enthalten

    Decca, DDD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ok. Der letzte Satz war zu flappsig.
    Ich schrieb ihn hin, weil diese 1. rein zeitlich unter den anderen liegt und man nicht unbedingt sich einen Abend freimachen muss, um sie zu hören. Und sie besitzt ja auch nicht die Schwere, wie sie den anderen Sinfonien doch deutlich mehr immanent ist.
    Ich besitze nur diese beiden Aufnahmen, was ich wohl bald ändern werde. Denn beide haben ja so ihre Schwächen. Bei Karajan wie gesagt diese Flöten, die sich viel zu sehr in den Vordergrund spielen, während er nachher ja dann doch zu beachtlicher Stärke aufläuft und gewaltigen Druck aufbaut. - Während Jochum gegen Ende eher etwas bremst.
    Ich denke, dass man das besser machen kann.
    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Jochums Bruckner war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts der Bruckner Maßstab. Und nachdem ich seit langer Zeit mal wieder seine Aufnahme der Ersten mit den Berlinern gehört habe, weiss ich auch wieder warum. Tolle Aufnahme und auch klanglich immer noch überzeugend. Die Original DGG-Vinylbox, die ich vor geraumer Zeit günstig erstehen konnte, ist in Bestzustand. :)

  • Die Original DGG-Vinylbox, die ich vor geraumer Zeit günstig erstehen konnte, ist in Bestzustand.


    Vielleicht war das meine ehemalige DG-LP-Box in Bestzustand, die ich damals in dem Moment abgesetzt hatte, als ich Karajan (DG) auf CD hörte ... :D ... also wirklich viele Jahre her.


    Gut - mit Jochum hatte ich sicher einen guten Bruckner-Einstieg mit einem für die 60er-jahre maßstabsetzenden Bruckner-Dirigenten, damals auf LP, das ist ja schon mal ein guter Start.
    :angel: Aber als ich dann Karajan hörte, war das für mich wie eine Revolution und ich habe ehrlich gesagt Jochum nie wieder angerührt ...


    Für die Sinfonie Nr.1 steht heute Solti (Decca), Karajan (DG) und Wand / Kölner RSO (RCA) in der Reihenfolge auf meiner Favoriten-Liste. Alle anderen Aufnahmen, CD´s LP´s habe ich nicht behalten.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ja, bei Bruckner scheiden sich oft die Geister. Die Karajan habe ich kürzlich zum zweiten Mal gekauft und ich werde sie auch ein weiteres Mal wieder verkaufen. Irgendwie bleibt sein Bruckner für mich ein wenig an der Oberfläche kleben und stösst nie richtig zum Kern dessen vor, was für mich Bruckner ausmacht. Gleiches gilt für die Aufnahmen von Solti und Chailly soweit ich sie kenne. Bei Abbado bin ich noch unschlüssig. Meine Brucknerdirigenten heissen Schuricht, Klemperer, Rosbaud, Celibidache, Blomstedt und Wand und bezüglich der Erstversionen lasse ich auch Inbal gelten. Sinopolis Achte hat mich auch sehr beeindruckt.

  • Zugegeben, die Aufnahme mit Jochum habe ich lange nicht mehr gehört, auch gestehe ich, dass mir von den frühen Sinfonien die "Nullte" und die 2. besser gefallen, aber in sehr guter Erinnerung habe ich die Aufnahme mit Vaclav Neumann behalten:



    Er dirigiert die "Linzer Fassung" von 1866.


    Von Claudio Abbado ist ebenfalls eine sehr gute Aufnahme erhältlich:



    Hier ist die späte "Wiener Fassung" von 1891 zu hören, die, "dank" Änderungen in der Instrumentation und in thematischen Verläufen, allerdings für mich kein "keckes Beserl" mehr ist.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Die Aufnahme mit Vaclav Neumann habe ich auch, sie gilt ja seit ihrem Erscheinen als eine der Referenzen. Ebenso besitze ich die frühe Decca Einspielung mit Abbado. Die neue Aufnahme von ihm mit der "Wiener Fassung" kenne ich noch nicht, die gibt es erstaunlicherweise inzwischen sogar als LP.


  • Es ist gerade das bisweilen Unfertige, was den besonderen Reiz dieser Sinfonie ausmacht. Überall ist zu spüren: in wie viele Richtungen und wohin kann es weiter gehen. Alles scheint möglich, und der Hörer vermag sich kaum vorzustellen, wie Bruckner dann wohl fortfahren würde.

    Ich habe mir gerade die Erste in der Einspielung von Martin Haselbach mit der Wieder Akademie angehört. Für mich als Laie hört sich das aber schon sehr nach Bruckner an.
    Zu dieser Einspielung heißt es im Beiheft: »Martin Haselböck entschied sich für diese frühe, Linzer Fassung. Zusätzlich übertrug er hier seine langjährigen Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis auf Musik der Romantik, die in diesem Zusammenhang bisher vernachlässigt wurde. So beschwört seine Interpretation die Klangwelt des 19. Jahrhunderts mit dem Instrumentarium der Zeit herauf, zu dem aus Holz gefertigte Querflöten und enger mensurierte Posaunen (Martin Haselböck verwendet die Instrumente, die noch Bruckner selbst für die Hofmusikkapelle zu einer Aufführung seiner Messe in f-Moll angeschafft hatte) genauso gehören wie kleinere, auf reinen Darmsaiten spielende Streicherbesetzungen und Blechbläser, die wenige Jahrzehnte nach Einführung der Ventiltechnik noch nicht die Spielweise ermöglichten wie heutige Instrumente.«

  • Die Aufnahme mit Vaclav Neumann habe ich auch, sie gilt ja seit ihrem Erscheinen als eine der Referenzen.

    Da habe ich etwas verpaßt. Wo gibt es diese Aufnahme, lieber Lutz?


    Habe sie gerade gesehen ;) . Sie fehlt in meiner Neumann-Sammlung, das muß sich natürlich ändern!


    Schon der Beginn (Hörschnipsel jpc) ist ja wirklich aufregend, so rhythmisch und prägnant. Das muß ich natürlich haben.... :D


    Schöne Grüße zum Sonntag
    Holger :hello:

  • 30002kgt.jpg



    Schaut man sich die ausführliche Diskographie bei abruckner.com an, so fällt auf, dass es von der späten Wiener Fassung von 1891 keine zehn kommerziellen Einspielungen gibt. Die Standardempfehlungen sind wohl Chailly mit dem RSO Berlin (Decca, 1987) und Wand mit dem Kölner RSO (RCA, 1981). In den letzten Jahren kamen dann noch Abbado mit dem Lucerne Festival Orchestra (Accentus/DG, 2012) und Schaller mit der Philharmonie Festiva (Profil, 2019) hinzu.


    Ich habe die Erste ewig nicht mehr gehört, werde aber mal auf die Unterschiede zur viel beliebteren Linzer Fassung von 1877 achten.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo Joseph,

    hierzu vielleicht ein kleiner Hinweis: Chaillys Lesart war meine Einführung in die Wiener Fassung. Die Schlusscoda nimmt er wirklich, wirklich, WIRKLICH langsam, Abbados beide Aufnahmen der Wiener Fassung sind schneller unterwegs und gefallen mir da mittlerweile besser.


    Liebe Grüße,

    Amdir

  • Lieber Amdir,


    danke für den Hinweis. Ich habe mir gerade die Einspielungen von Václav Neumann (Linzer Fassung; Eterna) und danach von Riccardo Chailly (Wiener Fassung; Decca) nacheinander angehört und auch kurze Ausschnitte mit Jochum (Linz; DG) und Abbado (Wien; Accentus) verglichen. Du hast völlig Recht, dass Chailly den langen Atem hat und sich auffallend viel Zeit nimmt. Dies ist an den Spielzeiten im Vergleich zu Abbado zu ersehen:


    30002kgt.jpg


    Wiener Fassung 1891:

    Chailly (1987): 13:13 - 13:45 - 9:11 - 18:05

    Abbado (2012): 12:04 - 12:44 - 8:40 - 16:40


    Allerdings zelebriert auch Neumann die Linzer Fassung außerordentlich, vergleicht man mit Jochum:



    Linzer Fassung 1877 (oft nicht ganz akkurat mit 1866 bezeichnet, aber es gab 1877 noch eine Überarbeitung):

    Neumann (1965): 13:54 - 12:54 - 8:59 - 15:35
    Jochum (1965): 12:38 - 12:35 - 8:55 - 13:13


    Was Du zur Schlusscoda schreibst, trifft auch auf Neumanns Aufnahme zu, der das Tempo dort stark zurücknimmt, was für meine Begriffe einen grandiosen Effekt zur Folge hat. Die Klangtechnik von Eterna unterstreicht das Massige noch. Jochums praktisch zeitgleiche DG-Einspielung kommt etwas schlanker herüber, was aber kaum an den Berliner Philharmonikern als vielmehr an der Philosophie des Toningenieurs liegen dürfte. Beide klingen sie für ihr Alter wirklich ausgesprochen gut und präsent und stehen der Decca-Produktion mit Chailly kaum nach. Es ist schon kurios, dass ausgerechnet die neueste Einspielung von Abbado, keine zehn Jahre alt, klanglich den Kürzesten zieht. Sie klingt für sich genommen gut, aber im direkten Hörvergleich ist das recht mulmig und in den Details zu verwaschen. Das müsste 2012 wirklich besser gegangen sein.

    Insgesamt ist mir nun doch verständlich, wieso die meisten Dirigenten die Linzer Fassung vorziehen. Diese trägt mehr Spontaneität in sich, wie häufig schon geschrieben wurde. Die Wiener Fassung ist reifer und gemäßigter, in Teilen für meine Begriffe vielleicht etwas aufgeplustert. Freuen wir uns dennoch, dass es beide (und sogar noch mehr) gibt.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Schaut man sich die ausführliche Diskographie bei abruckner.com an, so fällt auf, dass es von der späten Wiener Fassung von 1891 keine zehn kommerziellen Einspielungen gibt. Die Standardempfehlungen sind wohl Chailly mit dem RSO Berlin (Decca, 1987) und Wand mit dem Kölner RSO (RCA, 1981).

    Da muss ich feststellen, dass ich bisher nie so genau auf die Fassungen geschaut habe.

    Ich habe aber von beide Fassungen vorliegen:

    Wiener Fassung mit Wand / Kölner RSO (RCA, 1981) von der ich ebenfalls sehr angetan bin. Die

    Linzer Fassung mit Solti / Chicago SO (Decca, 1995) ist mein persönlicher Favorit und hat mich bisher am höchsten überzeugt, da Solti (genau wie Karajan (DG)) dieses "Kecke Besserl" noch höher aufwerten, so als sei es eine spätere Sinfonie. Das wird zwar oft kritisiert. 8) Sei es drum - mir liegt dieser spannend energische und kurzweilige Zugang !


    Solti (1995) = 12:07 - 13:01 - 8:09 - 13:29

    Karajan (1982) = 12:53 - 14:17 - 8:54 - 14:27


    91ylZIYZMZL._SS300_.jpg

    Decca, 1995, DDD



    Ich hatte die Chailly_GA auch immer mal im Blickfeld (hatte auch mal die Dritte aus dem Zyklus; und habe die ausgezeichnete Nullte). Vom Decca-Sound, so gut wie Solti, aber mit weit geringerer Energie. Die Erste mit Chailly würde mir besonders im 4.Satz bei dem gegebenen breiten Tempo wohl kaum liegen.


    Du kennst ja meinen "Bruckner - Werdegang" :

    Ich hatte in den Achtzigern Jochum (DG) als Erstzugang auf LP. Als ich dann später auf CD die Karajan - GA (DG) kaufte, war ich derart positiv überrascht und hoch begeistert, dass ich heuer nie wieder zu Jochum greifen würde ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Anton Bruckner

    Sinfonie Nr.1 C-Moll 1877 Linzerfassung

    Takashi Osaka Philharmonic Orchestra

    Live: Osaka Festival Hall, 24.01.1977

    1.12:24

    2.11:37

    3. 9:11

    4.14:08

    Die Tempi im Kopfsatz sind sehr ausgewogen, alles wie aus einem Guss. Beim zweiten Satz spielt das Orchester mit Wärme gespielt, die Holzbläser sind schön anzuhören. Das Scherzo ist hier lebhaft vorgetragen, die Tutti wirken sehr aggressiv. Auch das Finale gefällt mir gut, die Tutti verleihen dem Satz bedrohliches, als gelungener Kontrast sei die Flöte in den ruhigen Passagen erwähnt. Am Ende hört man die Pauken mit voller Wucht.:thumbup:

    Liebe Grüße

    Patrik


    s-l500.jpg

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Guten Abend,


    ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass ich von der ersten nur die Solti Aufnahme habe, die habe ich dann mit Genuss gehört - Solti und das CSO sind einfach wunderbar. Aber natürlich muss ich eine Alternative haben - die Wand Aufnahme ist bestellt.


    Kalli