Bartok, Bela: Konzert für Orchester

  • Hallo,


    Dieses Werk entstand in der Emigration im Herbst 1943 als Auftragswerk der Kousevitzky-Stiftung über Vermittlung eines ebenfalls emigrierten Geigers, Joseph Szigety und wurde am ersten Dezember 1944 in Boston unter dem Dirigenten Serge Kussevitki Uraufgeführt.
    Dieser bezeichnet e das Werk übrigens als das Beste Orchesterwerk der letzten 25 Jahre.
    Dieser Meinung haben sich offensichtlich viele angeschlossen, denn das Stück war ausgesprochen erfolgreich und wurde oft für die Schallplatte bzw _CD eingsespielt.


    Wie ich sehe ist meine Lieblingsaufnahme mit Sir Georg Solti schon gestrichen, aber alles findet sich jetzt preisgünstig auf einer Double DECCA wieder....



    Vielleicht habt ihr aber Alternativen parat ?


    Gruß Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat von Alfred

    Vielleicht habt ihr aber Alternativen parat?


    Aber sicher haben "wir" das! 8-)



    Ich kann mir nicht vorstellen dass es eine besser gespielte Aufnahme gibt, wie mich das Concertgebouw unter Chailly ohnehin immer wieder umwirft. Die Tontechnik ist ebenfalls sehr gut.


    Jan

  • Hallo!


    Oh, ein Stück, das mir fremd ist!


    Ich habe nur die Klavierkonzerte und den "Blaubart" von Bartók.


    Könnte mir mal jemand das Stück beschreiben, bzw. vergleichen?


    Danke.


    Gruß
    Frank

  • Meine Bartok-Phase hatte ich vor ca. 20 Jahren. Heute höre ich eher selten Werke dieses Komponisten.
    Wennschon das "Konzert für Orchester", dann in dieser Aufnahme:

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo


    wer wenig ausgeben will, sich aber doch eine sehr gute Aufnahme zulegen will oder eine zweite Alternative braucht, den möchte ich auf die Jansons-Einspielung aufmerksam machen :


  • Mich wundern etwas die Empfehlungen: Mir scheint die absolute Referenzaufnahme ist nicht so bekannt: Ivan Fischer und das Budapester Festspielorchester (die alte Aufnahme bei Hungaroton ist noch besser als die brilliante jüngere bei Philips!)


    Ebenfalls sehr gut war die von Dohnanyi mit dem Cleveland Orchestra bei der DECCA, die ich allemal, mit ihrem amerikanischen Groove, jener von Solti vorziehen würde.

  • Hallo Bartok-Freunde,


    der Komponist Bartok liegt mir besonders am Herzen. Ich habe in der Themenübersicht gerade das Thema "Konzert für Orchester" gesehen und will etwas zu den bisher gemachten Vorschlägen schreiben:


    :) hallo AB,


    die Aufnahme mit Fischer aus Ungarn ist jetzt in einer sagenhaft günstigen 6-CD-Box auf BRILLANT (die kaufen ja alles mögliche billig auf und bieten es dann auch günstig an) für 16,99€. Die habe ich gerade bei jpc geordert und werde nach Weihnachten darüber berichten. Es sind nämlich ein paar wenige Bartok-Werke enthalten, die mir noch fehlen; außerdem ist von Kodaly Harry-Janos, Galantatänze und Der Pfau mit enthalten.


    :) Hallo Tobey Willson,


    die von Dir vorgeschlagene Jansons-EMI-CD hatte ich mir auch als Vergleich gekauft, da sie mir für 4,99€ einen Test wert war. Wenn man die Boulez - Aufnahme nicht kennt, spielt Jansons auf gewohnt hohem Niveau, aber mir als Besitzer der Aufnahme mit
    P.Boulez / New Yorker PH auf SONY/CBS
    fehlte da einfach zu viel, was durchhörbarkeit angeht. Ich hatte auch den Eindruck, das wichtiges einfach überspielt wird.
    :yes:Die Boulez-CBS-Aufnahme mit den New Yorkern ist meiner Meinung die absolute Referenz für Bartok und mir auch lieber als seine neuere DG-Produktion, da ich diese einfach gewohnt bin.
    Die Boulez-Aufnahme habe ich noch als CBS-CD, sie ist in Quadro aufgenommen und jetzt auch als Multikanal-SACD bei SONY erhältlich (aber mit 19,99€ einfach zu teuer - da warte ich noch auf nichttportmonaileermachendere Preise).


    :) hallo BigBerlinBear,


    wie man mal eine Bartok-Phase gehabt haben kann und jetzt nicht mehr kann ich nicht nachvollziehen. Ich hatte in meiner Jugend, beim ersten Zusammentreffen mit Bartok und seinen Klavierkonzerten (Anda/Fricsay) meine Schwierigkeiten vom Verständnis her und habe erstmal andere Komponisten gehört. Aber jetzt ist Bartok einer meiner ganz wichtigen Lieblinge.


    :) Hallo Alfred,


    die Solti/Chicago -Aufnahme habe ich auch auf DECCA, bei mir gekoppelt mit Mussorgsky´s Bildern. Diese Aufnahme kommt in der interpretatorischen und klanglichen Qualität der Boulez-Aufnahme am nächsten. Wenn es Boulez nicht gäbe, wäre dieses die absolute Spitzenaufnahme des KFO.
    Solti hat auch in den 60er - Jahren eine Aufnahme des KFO hinterlassen, auf DECCA_Legends zu haben, die laut Kritik noch besser sein soll, auch zügiger gespielt.


    ;) Als Karajan-Befürworter kenne ich natürlich auch seine KFO-Interpreation, die ich auf LP hatte und muß dieser Aufnahme ein ebenfalls hohes Niveau aussprechen - aber ----- da ist eben noch der Boulez !


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Einfach phantastisch, was man so alles als das absolut beste, Referenz, einmalig etc. möglich ist. Spannend immerhin, dass bei der Nennung guter Aufnahmen dieses Werkes noch nicht Fritz Reiner, Ferenc Fricsay und vor allem Serge Koussevitsky genannt wurden. Die werfe ich mal in den Ring, obwohl ich auch beide Boulez, Dohnanyi, Chailly, Solti, Ansermet, Dorati, Leinsdorf, Kocsis, Haitink und Celibidache habe.

    Gruß,
    Gerrit

  • Zitat von Teleton

    wie man mal eine Bartok-Phase gehabt haben kann und jetzt nicht mehr, kann ich nicht nachvollziehen.


    So ist das nun manchmal im Leben: Vorlieben kommen und gehen :D
    Ich bin Kirchenmusiker und beschäftige mich schon aus diesem Grunde mehr mit anderen Komponisten. Natürlich nehme ich viele Anregungen auf und zur Kenntnis, aber sämtliche Musik ausserhalb der von mir ausgeübten Tätigkeit spielt dann natürlich erst die "2.Geige" und auch als einfacher Hörer, der ich ja auch manchmal bin, bevorzuge ich Vokalmusik des 15. bis 17. Jahrhunderts. Die Zuständigkeit für das "viele andere" überlasse ich dann gerne denen, die als Publikum die Abonnementsskonzerte bevölkern und deren Sammlungen ans CDs in jedem mittelmäßigem Kaufhaus nachzustellen sind. Meine Prioritäten sind andere und das wird auch so blleiben :)

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo Taminoaner,


    das Konzert für Orchester beschäftigt mich mal wieder durch einen Neukauf:


    :) In diesem Forum und in der Kritik habe nur positives von der RCA-Aufnahme von 1955 mit Fritz Reiner / Chicago SO gelesen. Diese SACD habe ich mir vor kurzem gekauft.
    Eine sehr gute spannungsgeladene und zügige Interpretation.
    Es ist toll wie die Techniker den Rauschteppich auf der SACD-Spur, gegenüber der CD-Spur, minimieren konnten und den Klang insgesamt noch feiner aufgelöst hinbekommen, die Härte ist auch weg. Das die Aufnahme von 1955 sein soll kann man gar nicht glauben.


    Die Reiner-Interpretation ist erwartungsgemäß Spitzenklasse, doch bringt die Boulez-CBS-Aufnahme immer noch mehr Details und Spannung, sodaß diese für mich die Referenz bleibt.
    Das liegt wohl auch daran, daß ich schon vorher auf CBS-LP mit der New Yorker Boulez - Aufnahme quasi aufgewachsen bin.
    Ich meine die CBS-Techniker holen auch tontechnisch mehr heraus und bieten und eine natürlichere Räumlichkeit, als die DG-Leute auf der neueren DG-Boulez-Aufnahme aus Chicago.

    :) Der Kauf der Reiner-SACD hat sich wegen der Musik für Seiteninstr.Schlagzeug und Celesta sowie den schönen Bildern aus Ungarn (Ungarische Skizzen), die ich so flott noch nie gehört habe, aber trotzdem mehr als gelohnt.


    :hello: Wer kennt die Boulez-Aufnahmen (CBS und DG) vom Konzert für Orchester ?
    Was haltet ihr davon ?


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Bartok-Freunde,


    das neue Jahr 2006 habe ich mit einem meiner Liebingskomponisten einklingen lassen, nachdem ich die DG-Boulez-Aufnahme von 12/1992 kurz vor Weihnachten 2005 ersteigert habe. Bisher war mir der Testkauf dieser Hochpreis-DG-CD mit Werken, die ich ohnehin in TOP-Aufnahmen habe, einfach zu teuer.
    6851201.jpg


    Die DG setzt Bartok´s geniale Vier Orchesterstücke op.12 (1912) – instrumentiert 1921 – Uraufführung1922, an den Anfang der CD und macht damit (wie Boulez Interpretation auch), die Orchesterstücke zum Hauptwerk der CD. Der Detailreichtum, die rhythmische Kraft und Spannung, die Boulez dem op.12 angedeihen läßt ist frapierd. Dies wird unterstützt durch eine 4D-Klangqualität, die besser nicht sein könnte und mit Dolby Surround ProLogicII den bestmögichen räumlichen Eindruck erzeugt --- für Hifi-Freaks ein Fest.


    8) Aber was ist mit dem eigendlichen Hauptwerk der CD, dem Konzert für Orchester (1943) ?
    Im ersten und letzten Satz brodelt es vor Spannung - wo ist die geblieben ?
    Boulez´s Interpretation läßt sich auf eine einfache Formulierng bringen:
    Mehr Detailfetischismuß statt Emotion.
    Was nützt mit beste Klangqualität und Detailreichtum, wenn „die Message“ nicht rüberkommt. Warum sind ihm die Orchesterstücke op.12 so TOP gelungen – diese Kraft hätte ich mir für das KFO gewünscht. Aber Vorsicht mit zu vielen Worten, denn diese Boulez-Aufnahme ist schon bei den besten Aufnahmen des Konzertes für Orchester angesiedelt.

    :saint: Doch möchte ich folgenden 3 CD-Aufnahmen des KFO unbedingt den Vorzug geben, die ich mir zum Jahresende auch alle nochmal angehört habe:
    1.) Boulez / NewYorker PH CBS 1972 ADD (ursprünglich Quadroaufnahme)
    Dies ist die IMO die beste, spannungsgeladene Interpretation, voller Emotionen mit allem Detailreichtum – welcher Wandel bei Boulez bei der o.g.Aufnahme DG1992. Altersweisheit kann es 12/1992 noch nicht gewesen sein. Diese CBS-Aufnahme gab es lange als CBS-CD; die ist derzeit als SACD (sehr teuer- um 25Euro) verfügbar.
    1.) Reiner / Chicago SO RCA 1955 Stereo ADD
    Diese wunderbare Aufnahme gehört zu den ersten Stereo-Aufnahmen der Schallplatteneschichte und ist doch so klar und gut durchhörbar gelungen. Reiner hat die richtigen Emotionen, die auch bei den 3 Mittelsätzen spürbar sind – eine große Aufnahme.
    1.) Solti / Chicago SO DECCA 1981 DDD
    Solti hat mit Sicherheit die Aufnahme seines großen Vorgängers beim CSO gekannt, da bin ich fast sicher. Er spielt alle Ecken und Kanten aus und läßt nichts unbelichtet, kein Schlagzeugeffekt geht unter - Superaufnahme. Gegenüber Reiner mit dem CSO kann er noch mit der noch besseren Klangqualität ohne „Rauscholin“ punkten.


    :angel: Diese 3 CD´s möchte ich in die Reihe der unverzichtbaren CD-Aufnahmen einordnen.
    Von der Boulez-Aufnahme ist kein Bild verfügbar.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

    Einmal editiert, zuletzt von teleton ()

  • Zitat von Gerrit_Stolte

    Einfach phantastisch, was man so alles als das absolut beste, Referenz, einmalig etc. möglich ist. Spannend immerhin, dass bei der Nennung guter Aufnahmen dieses Werkes noch nicht Fritz Reiner, Ferenc Fricsay und vor allem Serge Koussevitsky genannt wurden. Die werfe ich mal in den Ring, obwohl ich auch beide Boulez, Dohnanyi, Chailly, Solti, Ansermet, Dorati, Leinsdorf, Kocsis, Haitink und Celibidache habe.


    Prima! Ich werfe Fricsay auch in den Ring. Die Aufnahme hat eine Spannung, die m.E. bei vielen anderen fehlt. Man kann außermusikalische Gründe dafür anführen (das aber selbstverständlich nicht belegen!): Der Ungar Fricsay in der Enklave Berlin, die Situation in Ungarn zur gleichen Zeit...


    Das sagt natürlich alles nichts. Aber wenn man Fricsays Einspielung hört, meint man doch, etwas davon zu spüren.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

  • Dann wollen wir mal eine Aufnahme in den Ring werfen, bei der weder der Dirigent noch die Interpretation an sich die gesegnete "öffentliche Meinung" hinter sich hat wie Solti, Reiner oder Boulez I, die allein dadurch, dass sie über Jahre als Referenz gehandelt wurden, heute noch immer wieder als Referenz gehandelt werden. Abgesehen von der Fragwürdigkeit des Begriffes Referenz: Gibt es tatsächlich seit den genannten Aufnahmen keine mehr, die so gut ist, daneben bestehen zu können?


    Ich meine: doch. Und zwar jene schon wieder gestrichene Aufnahme unter Leitung des Italieners Daniele Gatti, der damals von BMG/Connifer recht schnell wieder fallen gelassen wurde und inzwischen - wie andere auch - für das feine Label harmonia mundi france aufnimmt - die Tschaikowsky-Sinfonien 4 und 5 sind schon erschienen und ich fand sie beim Reinhören mehr als appart, hoffe aber irgendwie doch darauf, dass harmonia mundi am Ende eine Box mit den drei letzten Tschaikowsky-Sinfonien herausgibt - oder gar mit allen?


    Bartoks Konzert für Orchester hat Gatti mit "seinem" Orchester aufgenommen, dem Royal Philharmonic Orchestra London. Unter seiner Leitung hat das Orchester, dass es neben dem Philharmonia Orchestra und dem London Symphony Orchestra wohl immer schwer hat, zu einem saftigen, virtuosen Klang gefunden, der auf seine Art unverwechselbar ist. Die Aufnahme des Konzertes für Orchester, 1997 in Gattis erster Spielzeit als Musikdirektor des Orchesters entstanden, ist sozusagen eine Visitenkarte dessen, was Gatti erreichen kann: Der Klang ist dunkel getönt und saftig, die einzelnen Gruppen agieren exzellent miteinander, und die Musiker meistern die Virtuosität dieses Konzerts für Orchester, ohne mit der Wimper zu zucken und nachgerade leidenschaftlich. Die Spannung des Konzertes ergibt sich nicht zuletzt aus dem krassen Gegensatz zwischen des harschen Strenge des ersten Satzes und der überbordenenden Lebensfreude des letzten Satzes, und genau in dieser Spannungskurve dirigiert Gatti das Konzert. Die Sätze 2 und 4 sind sozusagen anmutige und heitere Zwischenspiele, der 3 Satz, der emotional stärkste des Konzertes, ist gleichzeitig sozusagen der niederschmetternde Tiefpunkt zwischen den beiden starken Ecksätzen. Kurzum: Eine Aufnahme, die zu kennen lohnt, auch wenn sie selten als "Referenz" genannt wird. Weiß der Himmel, warum! Aber: Sie ist derzeit in Deutschland mal wieder nicht zu bekommen....



    P.S.: Als sozusagen editorisches Schmankerl bietet diese Aufnahme meines Wissens als einzige den originalen Schluss, den Bartok nach der Uraufführung zu harsch und kurz angebunden fand und durch den seitdem immer gespielten längeren Schluss ersetzte. Der erste Schluss findet sich in einem separatem Track am Ende der CD, die Aufnahme des ganzen Konzertes benutzt den zweiten Schluss...

    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Allein die Entstehungsgeschichte dieses wunderbaren Werkes ist immens spannend. Dass ein Mensch - dem Tode geweiht, unfreiwillig und ungücklich fern der Heimat - sich noch einmal aufrafft, und dann so ein Ding abliefert, rührt mich immer wieder aufs Neue beim Hören. Übrigens ist dies auch so ein Stück, das jahrelang in meinem Regal schlummerte, bis eines Tages die Zeit reif war, bzw ich reif für diese Musik! Manchmal muss man halt warten können. Jedem, dem dieses Konzert noch nicht ans Herz gewachsen ist, gönne ich, dass es einmal soweit sein wird.


    Was Einspielungen anbetrifft, bin ich schnell zufriedenstellend fündig geworden. Bernstein mit den New York PO fand ich zunächst klasse, aber auch etwas ungestüm. Rattle und das Birmingham SO dagegen sind zäh, langsam und vom Sound her muffig und leise. Und so landete ich schließlich auch bei Solti. Das hat die Kraft von Bernstein, lässt aber hören, dass Bartok nicht aus dem Wilden Westen kam, sondern schon immer noch aus Ungarn....


    Gruß
    B.

  • Hallo Liebestraum,


    Du schreibst als Antwort im Thead "HEUTE GEKAUFT" auf meinen Beitrag zur Szell-Aufnahme:


    Deine persönliche Meinung ist zu akzeptieren.


    Das Bartok: Konzert für Orchester gehört zu meinen absoluten Lieblingswerken. Selbstverständlch habe ich auch die von Dir genannten Aufnahmen.
    Ich setzte allerding für meine Person andere Schwerpunkte sodaß die Reihenfolge für meinen Geschmack so aussieht - alles Spitzenaufnahmen:


    1. Boulez / NewYorker PH (CBS) :angel:
    2. Solti / Chicago SO (DECCA)
    3. Reiner / Chicago SO (RCA)
    4. Szell / Cleveland Orchestra (SONY)
    5. Boulez / Chicago SO (DG)
    6. Dorati / LSO (Mercury)
    7. Bernstein / NewYorker PH (CBS)
    8. A.Fischer / Ung.SO ( Brillant)

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo zusammen,


    ich liebe dieses Werk auch heiß und innig - v.a. der zweite Satz hat es mir sehr angetan (na ja, als ehemaligen Trompetenschüler :D ).
    Wenn ch recht informiert bin, ist es das erste Werk der Musikgeschichte, in der ein Paukenglissando erzeugt wird - eine phantastische Stelle.


    Ich besitze allerdings nur eine Einspielung, nämlich die mit Solti. Erstaunlicherweise (kann dem Solti sonst nicht viel abgewinnen), finde ich hat er seine Sache ganz gut gemacht - obwohl mir die Vergleichsmöglichkeiten bisher fehlen.


    LG
    Wulf.


  • Und immer noch finde ich die Ivan Fischer-Aufnahme bei Hungaroton für die überzeugendste! Wie schätzt ihr denn die im Vergleich ein? Sein Bruder Adam höre ich da lieber mit seinem Haydn...

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Am Sonntag gab es in der ARTE-Reihe maestro einen Konzertmitschnitt aus dem letzten Jahr unter dem französischen Dirigenten Georges Pretre.


    Pretre, der AFAIK zügige Tempi an den Tag legt, hat bei Bartok auf die Bremse getreten. Und zwar dermaßen, daß das Publikum so verhalten mit dem anschließendne Applaus begann, wie ich es selbst in letzter Zeit nicht gesehen habe.


    Interessant war Pretres Ansatz schon. Er kostete die lyrischen Stellen des Werks voll aus und sorgte sonst für eine enorme Innenspannung, die aufgrund seiner Tempi jedoch meist kurz vor dem Zerfall der Struktur stand. Es schien mir, als ob er wüßte, daß er vielleicht einer seiner letzten Konzerte dirigierte und noch einmal jeden Ton voll auskosten wollte.


    Hat das sonst noch jemand gesehen und wenn ja, was hält er von dem Konzert??


    :hello:

  • Ich konnte leider nur einen kurzen Ausschnitt der mittleren Sätze hören und war ob der lyrischen, feinen Übergänge sehr angetan. Etwas mehr rhythmische Pointiertheit hätte ich persönlich zwar mehr geschätzt, aber der natürliche Atem und Fluss fand ich für einen Nicht-Ungarn schon sehr beachtlich. Die Entspanntheit hat mir gefallen! Die Lehar-Zerstörungs-Stellen waren natürlich bar jeder Groteske...


    (Meine Lieblingsaufnahme - nach wie vor - ist ja jene Ivan Fischers mit dem Budapester Festspielorchester, jene ältere bei Hungaroton; nicht die jüngere bei Philips.)

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Ja, die lyrischen Übergänge waren wirklich sehr fein ausgelotet, aber insgesamt - vor allem in den Ecksätzen mutete das sezierende Tempo - ja - etwas sonderbar an.


    Hat denn das Konzert niemand gesehen? :(

    Eure Meinung dazu würde mich BRENNEND interessieren! :yes:


    :hello:

  • Hallo,
    von diesem Werk kann ich auch nicht genug bekommen :D


    Meine Rangfolge:
    I. Fischer Philips
    Solti 2 Decca
    Solti 1 Decca
    Szell Sony...trotz Eingriffen in die Partitur
    Boulez DGG
    Reiner RCA


    Zwischen diesen CDs kann ich mich nur schwer entscheiden.


    Meine andern Aufnahmen höre ich fast nie.
    (Menuhin, Bernstein, Previn... ?( mehr fallen mir nicht ein)


    Gruß
    embe

  • und dann hier mal nach den Referenzen geschaut :D


    Ich habe allerdings nur die Original-LP; der Klang ist gut, aber nach heutigen Maßstäben natürlich nicht vergleichbar. Die Interpretation IMO sehr wohl. Ein 'unaufgeregter' Gegenpol zu Solti.


  • Eines meiner Lieblings-Orchesterwerke...
    Ich habe Aufnahmen mit Celibidache (München 1995) und
    Chmura (Berlin 1978), die ich nicht missen möchte.


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Zitat von flotan

    etwas off topic, aber kennt das irgendwer?
    Harnoncourt und Bartok? Geht das zusammen?


    Es geht. Bei Harnoncourt treten einzelne Charakterzüge Bartóks schärfer hervor, etwa der kleinteilige Aufbau, die besessene, geradezu beethoven'sche Arbeit mit Motiven, auch Kontrapunkt und Rhythmus. Hingegen tritt die nationale Eigenheit in den Hintergrund. Insgesamt eine sehr spannende Vergleichsaufnahme; zum Kennenlernen der Werke würde ich sie nicht unbedingt empfehlen.


    :hello:

    ...

  • Zitat von flotan

    etwas off topic, aber kennt das irgendwer?
    Harnoncourt und Bartok? Geht das zusammen?


    Es geht ziemlich gut zusammen. Einer der schnellen Sätze (2 oder 4, ich bin jetzt zu faul, nochmal reinzuhören) in der Musik f. Saiteninstrumente... ist etwas langsam, aber der Rest, besonders das Divertimento ist sehr gut.


    Wobei ich jetzt nicht beurteilen will, ob man anhand der gewiß großen Zahl sehr guter Aufnahmen dieses Repertoires diese hier auch noch benötigt. Aber das kann man sich bei jeder Neuaufnahme gängiger Werke fragen.


    NB Das Konzert für Orchester ist nicht dabei!


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat von Edwin Baumgartner

    Es geht. Bei Harnoncourt treten einzelne Charakterzüge Bartóks schärfer hervor, etwa der kleinteilige Aufbau, die besessene, geradezu beethoven'sche Arbeit mit Motiven, auch Kontrapunkt und Rhythmus. Hingegen tritt die nationale Eigenheit in den Hintergrund. Insgesamt eine sehr spannende Vergleichsaufnahme;
    :hello:


    "spannend" aber bloß in Hinblick auf die Herausarbeitung der genannten "motivische Arbeit". Ansonsten ist - ähnlich wie bei Harnoncourts Strauß-Aufnahmen - jegliches tempramentvolle Zupacken dieser Detailarbeit geopfert, also in dieser musikantischen Hinsicht ist die Aufnahme alles andere als spannend.


    Noch mehr off topic: Wann gibts eigentlich endlich Harnoncourts Wozzek von Alban Berg?

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Ich habe davon noch nie in einem Booklettext oder an anderem Ort gelesen, abe es scheint mir unüberhörbar, dass im letzten Satz des Konzerts für Orchester kurz vor Schluß der "Psalmus hungaricus" von Kodály zitiert wird...


    Stimmt Ihr mir zu oder hab ich Tomaten auf den Ohren?


    Oder stammt dieses signalhafte/choralartige Thema aus dem Konzert selber und ich habe dessen Transformation nicht begriffen?


    :hello:



    p.s.: kaum hat man so eine Frage formuliert, fallen einem die Tomaten von selbst von den Ohren. Dieses Thema, das da am Ende aufgeblasen wird, ist natürlich im ganzen Schlußsatz präsent... aber warum denke ich da immer an den psalmus hungaricus....



    Noch ne Frage: Dieses elegische Streicherthema im intermezzo (die Ungarin sagt: typisch ungarisch!) - gibt es da konkrete Anleihen aus ungarischer Folks/Kunstmusik oder hat Bartok das Idiom blind getroffen?

  • Ich weiß jetzt besser Bescheid über das elegische Thema aus dem Intermezzo. György Kroó schreibt in seienem "Bartók-Handbuch":


    "... Das zweite Thema ist eine süß singende Streichermelodie. Der seir Heimat fern lebende Komponist idealisiert eine Operettenmelodie von Zsigmond Vincze ihrem Text gemäss: "Schön und herrlich bist du meine Heimat"..."


    Im Programmheft des hr-sinfonieorchester (Autor/Redakteur Andreas Maul) heisst es:


    "... In keinem anderen seiner großen Werke hat Bartok dabei so viele Zitate, Anspielungen und heterogene stilistische Ebenen mit seiner eigenen Musiksprache vermischt. Im intermezzo interrotto etwa entwirft er mit bitterer Ironie einen rondoartigen Zusammenstoß höchst konträrer Charaktere: Auf ein simples Serenadenthema [Serenadenthema??? Sicher? (TB)] folgt eine sentimentale Melodie, die ganz klischeehaft ungarisch klingt. Bartok zitiert hier im scharfen Kontrast zu echter ungarischer Volksmusik ein populäres Operettenlied aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen: "Schön bist du, Ungarnland". In die Wiederkehr des Serenadenthemas bricht darauf dratisch ein roher Gassenhauer ein, der in groteskret Verzerrung das frivole Couplet "Heut geh ich ins Maxim" aus Franz Lehárs Operette "Die Lustige Wittwe" herbeizitiert, Musik eines Komponisten, den Bartók bekanntermaßen gehasst hat. Die Fortsetzung jenes Couplettextes - "da mag man leicht vergessen das teure Vaterland" - mag Bartok gleich mitgedacht haben, ganz sicher aber die musikalische Banalität , die bei ihm zur brutalen "Stiefelmusik" (Kroò) wird und gleichsam den Übergriff der Faschisten auf Ungarn darstellt...."



    Ich finde ja das sentimentale Thema aus dem Intermezzo hinreissend! Kennt jemand die Operette von Vincze aus der das Thema stammt?


    p.s.:
    ah! google & youtube helfen weiter! die Originalmelodie findet man leicht auf youtube, sie hat wohl den Titel
    "Szép vagy, gyönyörq vagy Magyarország"
    Und bei Bartok klingt die Melodie viel schöner und deutlich anders


    "http://www.youtube.com/watch?v=kp-TG5v0emY&feature=related
    "http://www.youtube.com/watch?v=GAdElLgWmXo&NR=1


    für die Ungarischkundigen gibts hier wohl eine Analyse, wie das Bartok-Thema aus dem Operettenthema zusammengebaut wurde:
    "http://www.parlando.hu/ANGI-Bartok.pdf