Verschmähte Liebe - - - Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen

  • Verschmähte Liebe war der Auslöser für das Entstehen des Liederzyklus


    "Die Lieder eines Fahrenden Gesellen"


    ähnlich wie seinerzeit die Entstehung von Berlioz "Sinfonie Fantastique"
    In diesem Fal hieß die Angebetete Johanna Richter, war von Beruf Sängerin (Sopran) und erwiderte Mahlers Liebe nicht.
    Mahler, dessen Naturell ein anderes war als jenes von Berlioz, kämpfte nicht um die Geliebte (ein Unterfangen, das ja auch bei Berlioz ein unglückliches Ende fand, nämlich in Form einer Ehe, die letztlich scheiterte), sondern verarbeitete resignativ das Erlebnis.


    Mahlers erster Liederzyklus, er besteht aus 4 Liedern
    deren Texte Mahler teilweise selbst verfasst hat, bzw auszugsweise aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" stammen


    1 "Wenn mein Schatz Hochzeit macht"
    2 "Ging heut Morgen übers Feld"
    3 "Ich hab ein glühend Messer"
    4 "Die zwei blauen Augen von meinem Schatz"


    stammt aus den Jahren 1984 und 1885 war ursprünglich für Klavierbegleitung komponiert und wurde erst rund ein Jahrzehnt später instrumentiert und in dieser Form 1896 unter der Leitung des Komponisten in Berlin uraufgeführt.


    Das Vorbild von Schuberts Liederzyken ist unübersehbar: Auch hier ist es ein Wanderbursche, ein fahrender Geselle, der die Leiden der unerfüllten, verschmähten Liebe ertragen muß.


    Eine weitere Verbindung ergibt sich aus der Verwendung von Themen in der ersten Sinfonie...


    Auch in Zeiten, da ich Mahler eher ablehnend gegenüberstand, faszinierte mich jener Zyklus (in der Orchesterfassung, die Klavierfassung kannte ich noch nich) und war fixer Bestandteil meiner Schallplattensammlung. und das mehrfach.


    Eine der damals mich prägendnen Aufnahmen war jene noch heute erhältliche mit Dietrich Fischer-Dieskau für Deutsche Grammophon, die man derzeit - quasi als "Zugabe" auf dieser CD findet:


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    Eine ebenfalls einst als Schallplatte in meinem Besitz befindliche Aufnahme mit Hermann Prey für Philips ist inzwischen leider bereits getrichen.



    Unterhalb dieses Textes findet man eine Aufnahme des Zyklus in der originalen Klavierversion mit Konrad Jarnot als Sänger und Helmut Deutsch als Begleiter.


    .


    Noch besser - wenngleich ich die Aufnahme nur als Soundschnipsel kenne - gefällt mir die Aufnahme mit Christian Gerhaher und Gerold Huber...



    Dieser Thread ersetzt den alten, der sich fast ausschlißlich mit der Aufzählung aller (damals) verfügbaren Aufnahmen befasst hat....


    Es wäre schön wenn hier persönliche Eindrücke zu diesem Werk einflössen




    mfg aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Gibt es eine andere Aufnahme dieses Werks als Dietrich Fischer-Dieskau mit Wilhelm Furtwängler?
    Das war jetzt scherzhaft gemeint. Ich habe natürlich - als Mahler-Fan - auch andere Einspielungen in meiner Sammlung. Aber nichts reicht meiner Meinung nach an die Bedeutung von FiDi/Furtwängler auch nur annähernd heran.


    Als Furtwängler-Maniac möchte ich darauf hinweisen, dass Furtwängler diesen Liederzyklus schon im Eröffnungskonzert seiner zweiten Spielzeit bei den Berliner Philharmonikern, nämlich am 14. und 15. Oktober 1923, auf dem Programm hatte (Solist war Wilhelm Guttmann).
    Quelle: Wilhelm Furtwängler - Die Programme der Konzerte mit dem Berliner Philharmonischen Orchester 1922-1954, 2. Auflage 1965
    Er hat überhaupt viel Mahler dirigiert (so z.B. in seiner allerersten Spielzeit, nämlich am 14. und 15. Januar 1923 Orchesterlieder mit Birgitt Engell, ferner am 2. und 3. März 1924 die 3. Sinfonie und am 1. und 2. März 1925 sowie erneut am 3. und 4. Februar 1929 die 1. Sinfonie, außerdem im Eröffnungskonzert der Saison 1930/31 wiederum Orchesterlieder, diesmal mit Maria Müller). Leider ist nur diese einzige Aufnahme mit FiDi von den Salzburger Festspielen erhalten geblieben.

  • Ich gehöre zu den Banausen, die immer nur Nr. 2 hören, empfehle nachdrücklich Christian Gerhaher und biete bei utube zum Hörvergleich Prey und Dieskau, als akustischen Exkurs über naive und sentimentalische Dichtung.


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Zitat

    Original von farinelli
    Ich gehöre zu den Banausen, die immer nur Nr. 2 hören, empfehle nachdrücklich Christian Gerhaher und biete bei utube zum Hörvergleich Prey und Dieskau, als akustischen Exkurs über naive und sentimentalische Dichtung.


    :hello:


    Lieber farinelli und Taminoeaner/innen


    So unterschiedlich ist das mit dem Geschmack...eigentlich ja keine neue Erkenntnis........ABER es immer gut, wenn die SUBJEKTIVE Geschichte (manchmal gibt es ja "richtige Geschichten" als schwerwiegende Gründe für Zuneigung/Abneigung/Vorlieben/Nachwehen etc. auch genannt werden. Unser aller Juwel sind nun mal die Einzigartigkeit unserer Gefühle............und da sind wir "Musik-Verrückten natürlich gleich an der Quelle.


    Bei mir ist es so, daß ich immer wieder zu dem späten Schlusnus zurückkomme, der fast mehr spricht und deklamiert, vielleicht passt die Bezeichnung "Sprechgesang" auch noch besser.
    Es ist die Aufnahme vom Hess Rundfunk von 1950 mit dem Dirigenten Winfried Zillig. Ich habe eine CD der DG, zusammen mit einer Mahler-Sinfonie (wenn ich mich richtig erinnere)


    WARUM mich Schlusnus so sehr berührt, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist auf jeden Fall das "Brüchige" in seiner Stimme...also das "alternde Moment", gepaart mit einer durch und durch (für mich)humanistischen Botschaft..........Warmherzigkeit kann man vielleicht auch sagen........


    Ich mag in der Reihenfolge am liebsten
    Lied 4 "Die zwei blauen Augen
    Lied 1 "Wenn mein Schatz..."
    Lied 3 "Ich hab ein glühend Messer"
    Lied 2 "Ging heut morgen..."


    Gruß................"Titan"

  • Ich habe in einem anderen Thread schon etwas dazu geschrieben. In meiner Sammlung befinden sich zur Zeit vier Aufnahmen der Lieder, zwei mit Sängern und zwei mit Sängerinnen.
    Ich liege auf der Linie von Swjatoslaw und sehe von meinen beiden Bariton-Versionen Dietrich Fischer-Dieskau/Wilhelm Furtwängler von 1952 vor Thomas Hampson/Leonard Bernstein von 1990.
    Und von den beiden ausgezeichneten Damen sehe ich Janet Baker/Sir John Barbirolli von 1967 vor Brigitte Fassbaender/Giuseppe Sinopoli von 1986.


    Liebe Grüße


    Willi :hello:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).