Regietheater - Konzepttheater - altbackene versus moderne Inszenierung

  • Thema verfehlt. Richtig.


    Doch da farinelli die Klage des Jupiter zitiert hat:


    "Er will geliebt sein, nicht der Wahn von ihm!",


    möchte ich, da es sich daraus ergibt, auf den Unterschied zwischen einem göttlichen Liebhaber und einem irdischen Opernregisseur hinweisen.


    Der Letztere vertritt genau den gegenteiligen Anspruch. :)

  • Wo Du Recht hast, werter Siebzehnhundertneunundneunziger (... das dauert! :wacko: ) ... !


    :D Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Zitat von Hami nach Farinelli: "Er will geliebt sein, nicht der Wahn von ihm!"

    Lieber Hans,


    du hast es wieder einmal getroffen. Wir lieben die Oper von Wagner, nicht das Wahnbild dieses Werks von Neuenfels.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Er spricht aber auch von Glanz und kokettiert damit ganz offenbar mit seiner überirdischen Herkunft. Was die Empfindungen eines irdischen, sinnlichen Wesens betrifft, so dürften auch die Götter an menschlichen Gefühlen leiden. Bei den griechisch-römischen ist es die Norm, aber auch der Gott des Alten Testamentes konnte in menschliche Rage geraten und in seinem Zorn einen Genozid unerhörten Ausmaßes begehen.

    Stimmt, das ist sehr ambivalent - er kokkettiert, vielleicht versucht er aber auch nur die (menschliche) Sprache von Elsa zu sprechen, um sich verständlich zu machen.


    Die griechischen Götter werden zwar sehr anthropomorph geschildert, aber auch durch ihre Leidenslosigkeit gekennzeichnet, wofür sie die Menschen bewundern oder aber auch (so manche der griechischen Lyriker) der Gleichgültigkeit anklagen. In der Begegnung von Mensch und Gott (das ist ja der Semele-Mythos) leidet immer nur der Mensch. "Vernichtung" ist eine Extremform des Leidens in der unmittelbaren Annäherung (Semele), die kann aber ein Gott wie hier Zeus nie erfahren. Den "Tod Gottes" in der unbedingten Liebe zu verkünden, das ist bei Wagner schon sehr modern. Die Entmythologisierung steckt hier paradoxer Weise im Mythos selber.

  • Man kann das auch anders sehen. Nicht der Sprung von der Gesellschaft zur Natur, sondern die Veränderung der Gesellschaft ist Elsas Ziel. Mit seinem Machogehabe - er spricht zwar von seinem "Opfer", ist jedoch zu keinem Zugeständnis bereit - gelingt es Lohengrin nicht, seinen Standesdünkel zu überwinden und die Suffragette Elsa geht in ihrem verständlichen Bestreben nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung schließlich unter, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist.

    Das leuchtet mir sehr ein - die Dinge sind sicher viel zu verwickelt, als dass man sie zu eindeutig-eindimensional sehen könnte!


    Eine dritte Möglichkeit wäre die Idee der Bewährung und der Probezeit. Das kommt in Märchen häufig vor und in Opern wie der Zauberflöte, Rusalka, Freischütz und eben auch im Lohengrin: "ach Elsa, nur ein Jahr an deiner Seite ..."

    Finde ich auch!


    Vielleicht ist es gerade die Unergründlichkeit, die den Lohengrin so faszinierend macht.

    Ebenfalls meine volle Zustimmung! :)


    Schöne Grüße
    Holger