The Pearl Fishers ENO 8.7.2010

  • Wie schon angekündigt handelt es sich bei der folgenden Aufführung um mein bisher schönstes Opernerlebnis.



    Erstmal die Besetzung:


    Zurga : Roland Wood
    Nadir : Alfie Boe
    Leila : Hanan Alattar
    Nourabad : Freddie Tong



    Dirigent: Rory Macdonald


    Orchester sowie Chor sind nicht im Programmheft erwähnt!



    Endlich sah ich eine meiner Liebsten Opern wieder live.
    Nachdem eine ziemlich schlecht besuchte aber akzeptable Vorstellung im Wolfsburger Theater war konnte ich gut vergleichen, und man sah sofort, dass die Opernhäuser in Großstädten ( oder einfach nur England ) mehr Geld zur Verfügung haben um sich ihre Produktionen schmackhaft zu machen.


    Aber von Anfang an:
    Am 4. Tag in London gleich hin und nach Karten gefragt. Karten ab 20 Pfund ( etwa 22 euro ) erhältlich, gäbe es aber am Vorstellungstag für nur 10 Pfund. Dazu noch eine Erklärung: Ich konnte mir nur eine günstige Karte leisten, da ich schon mein ganzes Geld in einem Notenantiquariat ausgegeben habe ... u.a ein Klavierauszug von Zaza . Also erst am Vorstellungstag hin und halt die Karten fuer 10 Pfund bekommen:
    Balkon bzw. 5. Stock , 2. Reihe


    Am Abend in die gut besuchte Oper. Erstmal war das alte Opernhaus ein Augenschmauss für einen Architekturfreak für mich.


    Dann gings los:
    Ouvertüre----> Nach wenigen Takten hebt sich der Vorhand und ein bläulich durchsichtiges Tuch welches angestrahlt wurde ließ sich erblicken. Nach weiteren Takten kamen die 1. Perlenfischer hinabgetaucht... alles sehr authemtisch, irgendwie haben sie auch Luftbläßlich hinbekommen.
    Kurz vor Ende wo die Beckenschläge beginnen wurde der 2. Vorhang gehoben und man sah auf ein Fischerdorf welches auf Holzpfählen stand. Unten drunter blaue Scheiben o.ä. auf jedenfall wie Wasser.


    Sah sofort wie eine historische Aufführung aus. Ausnahme: ein Fernseher :rolleyes:
    Der so ziemlich perfekte Chor und das Orchester lieferten in allen Akten gute Ergebnisse. Der Bariton verblasste leider hinterm Orchester, sowie in dem wundervollen Duett mit Nadir. Alfie Boe auf jedenfall ein Geheimtipp. Sehr ausdrucksstark. Durchdringend und doch sehr emotonial.Im 1. Akt gefiel mir seine Phrasierung nicht... wurde aber mit der Zeit besser.
    Die Akustik im Balkon war phänomenal. So gut ist die im Braunschweiger Theather nicht mal in der 1. Reihe. Allerdings ein bisschen zu stark erschien hier immer das Becker... knallt einfach unglaublich laut.
    Leilas Stimme gefiel mir am Anfang mittelmäßig gut... zuerst leicht kratzig, gefiel mir aber mit der Zeit auch immer mehr. Auch sehr zu empfehlen.
    Dann meine Lieblingsstelle: der Chor betet Brahma an. Gänsehaut pur :yes:



    PAUSE



    Der 2. Akt zeigte eine kleine Kapelle des Brahme wo Leila die Nacht verbringen muss und für die Fischer beten muss, wo sie von Nadir entdeckt wird, der die Nacht bei ihr verbringen will. Hier auch ein modernes Teil. Ein Aluminiumzaun...
    Auch alles perfekt!Gegen mitte werden die beiden entdeckt und ins Dorf geschleppt ( Dorf wird in Sekundenschnelle wieder auf die Bühne gebracht). Die Dorfbewohner fordern den Tod, doch es bricht plötzlich ein Sturm aus. Ein blaues Tuch wird über die Bühne geworfen... ist aber nicht an den Gebäuden und passt sich irgendwie jeder Rundung . Bühnenarbeiter schwingen dieses Tuch und es sind authemtischer Wellen, die mit lichteffeten noch realer werder .Gewittereffekte Blitz und Donner durch die große Trommel verstärken alles. Ich kam mir vor wie in einer Aufführung wie sie in den Biografien wie z.B. von Meyerbeer beschrieben sind. Genau wie es wahrscheinlich der Komponist wollte.
    Dann wurde wieder zu Brahma gebetet. Tolle Oper :D



    Der Vorhand geht runter. Allerdings ein spezial vorhang desses Mitte Beige ist und eingewölbt ist. Man ist in einem Zelt. Und die Umwelt ist komplett ausgeblendet. Zurga und Leila debattieren über sein Urteil und er gesteht die Liebe. Alles wieder voll zufriedenstellend. Vom Schauspielerischen sowie vom Musikalischen.
    Der Vorhang geht hoch, und beide sollen nun getötet werden. Sie sind an der Opferstädte . Leila und Nadir werden mit Benzin übergossen, bis Zurga verkündet , dass das Dorf in Brand ist und die Kinder gerettet werden müssen. Er befreit beide , sagt ihnen, dass er das Dorf in Brand steckte und läss sie fliehen. Die Dorfbewohnen kommen zurück. Zurga steht in der Mitte der Bühne und die Dorfbewohnen kommen zurück. Der Vorhand fällt.


    Insgesamt eine fantastische Vorstellung. Standng Ovation vom Opernhaus und das Geld voooollll wert.




    2 Besonderheiten waren noch bei der Aufführung dabei:


    1. Oper in Englisch :angry:
    2. Ist dies nicht die übliche Version sondern die von Brand Cohen.
    Dier fand eine Original Kurzausgabe der Oper in Bizets Handschrift mit Orchestration und anderem Duettende mit dessen Hilfe er die Oper er die Oper authentischer bearbeiten konnte und die noch vorhandenen Originale in die Partitur eintrug.




    Bilder von der Inzenierung findet ihr bei google. Allerdings nicht über Bildersuche, sondern nur wenn ihr Pearl Fishers ENO eingebt und euch die Zeitungskritiken ( teils vernichtend :angry: ) anguckt. Da sind meist bilder mit bei !


    LG
    Chrissi

  • Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mir den Trailer auf youtube angeschaut und bin ebenfalls begeistert. Illusion pur. Großes Opernerlebnis. Würde ich gerne live sehen.



    Gestört hat mich allerdings auch der Fernseher und das Wellblech, sprich: Die Handlung wurde wieder mal in eine andere Zeit verlegt. Aber es fiel wirklich nur bedingt auf, da die Kostüme ja folkloristisch zeitlos sind.


    Ich finde es klasse, dass die ENO standhaft dabei bleibt, Opern in der Landessprache zu bringen. Kenne deren "Rusalka" - ist zwar Regeietheater - hat mir aber gut gefallen. Mein Hauptproblem mit dem Regietehater ist, dass es einfach zu viel davon gibt. Ich dachte nach der ENO-Rusalka: "Das war schön, doch jetzt möchte ich auch noch mal eine romantsiche Rusalka sehen, mit Wald und Schloss." Doch da suche ich bis heute vergebens. Leider.


    Ich denke, dass eine Produktion wie die ENO-Pearlfishers die Richtung angibt, in welche sich der Inszenierungsstil wieder hinentwickeln wird.