Verdi: Messa da Requiem

  • Und doch spüre ich auch in diesem Beitrag wieder deinen protestantischen Kontext!


    Lieber Stimmenliebhaber!
    Ahaaaa.......
    Ist aber doch nicht schlimm?


    Mit der hermeneutischen Musikologie hätte man auch zu der Einsicht kommen können. :yes::yes::yes:


    Aber im Übrigen könnte ich nicht sagen, welches der beiden Requiems ich lieber mag. Immerhin: ich habe wesentlich mehr Aufnahmen und Mitschnitte von Verdi.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Beide Werke können durch ihre Großartikeit in musikalischer und textlicher Aussage beeindrucken, ergreifen, ja erschüttern- und zwar jeden aufnahmebereiten Menschen, egal welcher Konfession er angehört.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Beide Werke können durch ihre Großartikeit in musikalischer und textlicher Aussage beeindrucken, ergreifen, ja erschüttern- und zwar jeden aufnahmebereiten Menschen, egal welcher Konfession er angehört.


    So ist es! Noch eine Gemeinsamkeit und sicherlich die wichtigste! :thumbup:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Soeben komme ich von einem Konzert aus der Kölner Philharmonie zurück, dass ich so nicht erwartet hatte, obwohl ich angesichts der zu erwartenden Protagonisten hohe Erwartungen an das Konzert geknüpft hatte:


    Giuseppe Verdi. Messa da Requiem


    Krassimira Stoyanova, Sopran


    Anita Rachvelishvili, Mezzosopran


    Francesco Meli, Tenor


    Riccardo Zanellato, Bass


    Chor des Bayerischen Rundfunks,
    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    Riccardo Muti, Dirigent


    (Die Fotos sind alle nicht neuesten Datums, aber sie haben alle ein ähnliches Format).
    Von den Protagonisten hatte ich Chor und Orchester sowie die Sopranistin Krassimira Stoyanova habe ich vor 7 1/2 Jahren schon in Berlin mit dem Verdi Requiem erlebt, damals mit Marina Prodenskaja, Mezzosopran, David Lomeli, Tenor und Steven Milling, Bass unter dem Chefdirigenten des BRSO Mariss Jansons.
    Ich hatte die damaligen Solisten bis auf Krassimira Stoyanova nicht so gut in Erinnerung wie das Quartett, dass ich jetzt im Kölner Konzert erlebt hatte. Dabei dachte ich noch heute Mittag, als ich auf der Homepage der Kölner Philharmonie las, dass sich Elina Garanca krankgemeldet hatte, noch: schade! Doch nach dem Konzert dachte ich nicht mehr so.
    Was die "Einspringerin" Anita Rachvelishvili darbot, war in dieser sicherlich wichtigsten Partie im Requiem vom Allerfeinsten, dabei hatte sie die Partie so völlig anders angelegt als meine persönliche derzeitige Favoritin im Verdi-Requiem, Anna Smirnova, die einen erschütternd kernigen Alt hat mit tenoraler Kraft ohne Ende, die zwar auch lyrische Höhen singen kann.
    Anita Rachvelishvili dagegen hat nicht nur ein berückendes Pianissimo und eine überreich lyrische Stimme, sondern sie kann auch die entsprechenden Steigerungen mit einem veritablen Fortissimo versehen.
    Ihr "Liber scriptus proferetur" war eine erste Glanztat, desgleichen bestach sie im anrührenden Terzett "Quid sum miser mit Tenor und Sopran, im wunderbaren "Recordare" mit Sopran, in den Quartetten und zuletzt im intimen "Lux aeterna" (Communio).
    Womit wir beim Sopran wären. Krassimira Stoyanova überzeugte mich schon vor sieben Jahren in Berlin, jetzt wieder, auch, weil sie ihre Partie gar nicht als Konkurrenzkampf mit dem Mezzosopran anlegte, und obwohl sie ja inzwischen schon jenseits der "Fünfzig" ist, konnte sie sich noch mühelos in den Ensembles behaupten.
    Eine Schlüsselstelle für Sopran ist im Offertorium im Soloquartett der aus dem Pianissimo erwachsenden Einsatz "Sed signifer sanctus Michael", das sie immer noch bravourös gestaltet. Das gilt auch für alle anderen Sequenzen, in denen sie sang, sei es in dem berückenden Duett mit dem Mezzo im "Recordare" oder in dem abschließenden großen "Libera me " (Responsorium).
    Auf den Tenor habe ich mich besonders gefreut, nicht nur, weil es mein Traum ist, das große Tenorsolo im Verdi-Requiem einmal zu singen (und wohl auch ein Traum bleiben wird), sondern weil ich ihn in den letzten Jahren für den besten Tenor in diesem Stück halte. Zunächst war ich erfreut zu sehen, dass er auch schlanker geworden war, (zwar hatte er beileibe nicht so viel abgenommen wie ich, aber er hatte ja auch bei weitem nicht so viel gewogen wie ich.
    Und vor allem seiner Stimme hast das keinerlei Abbruch getan. Im Gegenteil. Ich habe ihn noch nie so gut empfunden wie jetzt, als ich ihn zum ersten Mal live gehört habe. Seine größte Stärke, dieses herausragende Pianissimo, habe ich noch nie so überwältigend empfunden wie in diesem Konzert, und bei besagtem Tenorsolo, dem unvergleichlichen "Ingemisco" konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Es gipfelt in den Worten: "Statuens in parte dextra" (Stell' mich auf die rechte Seite).
    Bliebe noch der Bass Riccardo Zanellato, der mich als einziger nicht völlig überzeugt hat, im Gegensatz zu der Aufnahme aus dem Oktober 2011 unter Temirkanov, die ich von ihm habe und wo er auch Franceso Meli an seiner Seite hat. Er hatte seitdem wohl ordentlich zugelegt und hatte m. E. nicht mehr diese Power in der Stimme, die für diese Partie auch nötig ist. Da singt ihn doch ein René Pape oder ein Rafal Siwek glatt an die Wand.
    Beim "Confutatis maledictis" muss die Heide wackeln, das habe ich diesmal vermisst, auf der tiefen letzten Silbe, dem "tis" von "maledictis" kam nicht mehr viel. Nur bei den lyrischen Wendungen konnte er an den alten Glanz seiner Stimme erinnern, wie z. B. in der dritten Zeile des Confutiatis "voca me cum benedictis".
    Allerdings möchte ich doch noch hervorheben, dass er das "Mors stupebit" sehr ordentlich gesungen hat. Aber auch dabei habe ich René Pape oder Rafal Siwek oder gar Nicolai Ghiaurov im Ohr.


    Nun wären noch Chor und Orchester und der Dirigent zu erwähnen, der ja das erste Requiem, das er vor fast 40 Jahren mit diesem Klangkörper (und Chor) aufgeführt hat, als das beste seiner ganzen Karriere bezeichnete. Ich habe das damals nicht gehört, aber ich möchte diese Aufführung von gestern Abend als das beste Requiem bezeichnen, das ich jemals gehört habe.
    Unglaublich, wie schon der erste Takt begann. Da setzten die Celli und Kontrabässe m. E. mit einem ppp/pppp ein, was mich im Nachhinein auch zu der Feststellung veranlasste, dass mein Ohren noch nicht so ganz schlecht sein können.
    Überhaupt war generell die Pianokultur in diesem Konzert ein hervorstechendes Merkmal. Ich hatte das ja schon bei Francesco Meli und Krassimra Stoyanova angesprochen, aber auch Anita Rachvelishvili und Riccardo Zanellato beherrschten diesen Part, Sehr positiv fiel das auch beim 80-köpfigen Chor (43 Damen, 37 Herren) des Bayerischen Rundfunks ins Gewicht, der ja nicht zu Unrecht als einer der besten Chöre der Welt bezeichnet wird.
    Aus dem Orchester möchte ich noch zwei Herren vorstellen, die Schwerstarbeit verrichten mussten und dies (als Boten des Schreckens) auch überragend taten:


    Raymond Curfs, Solopaukist



    Guido Marggrander, große Trommel


    In der jungen Saison war das sicherlich der erste, herausragende Höhenpunkt für mich. Vielleicht hat ja der eine oder andere vor zwei Tagen Das Verdi-Requiem mit den gleichen Protagonisten in München gesehen?


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hier mal der "Merkur" zum Konzert in München:
    Eine Krtikerstimme


    Ob sich wirklich jemand an ein Konzert vor 36 Jahren erinnern kann, um den neuerlichen Eindruck dagegen so positiv abzuheben? Ich habe Muti vor sehr langer Zeit hier in Berlin mit Chor und Orchester der Scala erlebt. Meine Erinnerung sagt mir, das war das beste Requiem, das ich je hörte. Das könnte ich im Detail nicht mehr begründen. Es war wohl ehr der gigantischen Gesamteindruck, der sich einprägte. Dabei will ich es mal belassen.


    Mich freut, dass Willi so ein schönes Konzert hörte. :hello:

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Zitat

    Vielleicht hat ja der eine oder andere vor zwei Tagen Das Verdi-Requiem mit den gleichen Protagonisten in München gesehen?

    Yep.


    Dieses Konzert ist in der Mediathek:


    https://www.br.de/mediathek/vi…equiem-mit-riccardo-muti- av:59fe35e36b7fea0018f8e270?t=1m25s


    Chor und Symphonieorchester des BR
    Verdis "Requiem" mit Riccardo Muti


    Riccardo Muti war zu Gast bei Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Er dirigierte Verdis "Messa da Requiem". In den Solopartien sind unter anderen die Sopranistin Krassimira Stoyanova und die Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili zu erleben.

  • Lieber William!


    Erst mal herzlichen Dank für den so persönlich gefaßten Bericht. Ich habe ihn sehr gerne gelesen!
    Ich hatte in BR die Übertragung des Konzertes in München gehört. Es gäbe viel über Muti und über die Sänger zu sagen! Das will ich aber eigentlich gar nicht!


    ....weil es mein Traum ist, das große Tenorsolo im Verdi-Requiem einmal zu singen (und wohl auch ein Traum bleiben wird),.....


    So geht es mir bei jeder Aufführung. Bei meiner Stimme ist das sicher noch mehr Traum als bei Dir! Der Tenorpart ist wirklich so reich und eröffnet so viele Ausdruckshorizonte, dass es ein Vergnügen sein muss, ihn zu singen!


    Ob sich wirklich jemand an ein Konzert vor 36 Jahren erinnern kann, um den neuerlichen Eindruck dagegen so positiv abzuheben?


    Vielleicht nicht, lieber Rheingold, aber "Einduck" ist ja immer etwas Subjektives!
    Im Übrigen glaube ich, dass gerade bei dem Requiem von Verdi der Einduck der Überwältigung und der Erschütterung, wie er durch die erste Begegnung entsteht, kaum je wieder zu überbieten ist.


    Meine erste Aufführung war unter Ferenc Friscay. Es sangen Christel Goltz, Oralia Dominguez, Sandor Konya, Kim Borg und die Chöre der Hedwigskathedrale und der Städtischen Oper Berlin. Ob das RSO oder die Philharmoniker gespielt haben, kann ich nicht sagen, da ich es vergessen habe, zu notieren. Ist auch egal!
    Später habe ich viele Aufführungen gehört, die - rein objektiv gesehen - sich ganz sicher nicht hinter dieser Aufführung hätten verstecken müssen. Trotzdem: so unmittelbar ergriffen und tief berührt hat mich keine wieder!


    Das erste Hören eines Werkes ist wohl oft etwas Besonderes.
    Wenn man sich wünschen könnte, bestimmte Werke noch mal "zum ersten Mal" hören zu dürfen, das Requiem von Verdi wäre bei mir ganz gewiß dabei.


    Liebe Grüße euch beiden


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Zitat

    Stimmenliebhaber: Ist das wirklich so? Ich halte Sopran ("Libera me"!), Tenor und Bass unter den Solisten für mindestens ebenso wichtig.


    Lieber Stimmenliebhaber,


    du weißt wie ich das gemeint habe. Ich gebe immer meine persönliche Meinung wieder. manchmal vergesse ich nur, es explizit zu erwähnen.

    Zitat

    Rheingold1876: Hier mal der "Merkur" zum Konzert in München:
    Eine Krtikerstimme


    Lieber Rüdiger,


    ich habe sofort die Kritik durchgelesen, und Vieles deckte sich mit meinen Eindrücken. Ich glaube auch, dass jeder Dirigent die großen Steigerungen in diesem unvergleichlichen Requiem so gut wie nur irgend möglich herausarbeitet, auch Muti. Aber dass er dem auch in weiten Teilen in dieser Aufführung (und wohl auch im München), wie ich glaube, an ein Wunder grenzende, berückende, ja auch erschütternde, kaum je gehörte Pianissmo-Sequenzen gegenüberstellte, die er in seiner unnachahmlichen, ja beinahe suggestiven Art aus Chor und Orchester wowie aus den Solisten herauskitzelte, ist sicherlich das Ergebnis einer langen Entwicklung eines intensiven, ernsthaften Musikerlebens. Das kann man m. E. nur erreichen, wenn die Beschäftigung mit Musik, hier mit dem Verdi-Requiem, nie zur Routine erstarrt, sondern, wenn man bei jeder Beschäftigung damit neugierig ist auf neue Aspekte, wenn man versucht, neue Erkenntnisse zu gewinnen und tiefer zum Kern der Musik vorzudringen. Ich glaube, dass Muti das hier versucht und auch geschafft hat.
    Ncht umsonst haben die zehnminütigen Ovationen des Publikums, das sich geschlossen von den Sitzen erhoben hatte., dies, wie ich finde, wiedergespiegelt, und viele werden auch für sich Stellen entdeckt haben, die sie bisher nicht kannten. Muti verstand es, auf dem Orchester wie auf einer Wunderharfe zu spielen und in den Tutti vor allem in den Pianissimi eine derartige Transparenz zu erzeugen, dass die Stimmen einzelner Intrumente zu hören waren, die sonst untergingen. Das gilt natürlich auch für den grandiosen Chor.
    Ich habe jetzt so viel über Muti geschrieben, weil ich es weiter oben in meinem Bericht angekündigt hatte, aber dann doch im Zuge meiner Ermüdung einfach vergessen hatte. :hail:


    Zitat

    Caruso41: Meine erste Aufführung war unter Ferenc Friscay. Es sangen Christel Goltz, Oralia Dominguez, Sandor Konya, Kim Borg und die Chöre der Hedwigskathedrale und der Städtischen Oper Berlin


    Lieber Caruso,
    Von Ferenc Fricsay habe ich die Aufnahme vom September 1953 aus der Jesus-Christus-Kirche. In der auch sehr mitreißenden Aufnahme sangen Maria Stader, Marianna Radev, Helmut Krebs und ebenfalls Kim Borg.


    So jetzt muss ich noch meine Erinnerungen einstellen, nachdem wir heute vormittag die Amtseinführung unseres neuen Pfarrers mitgestaltet haben, und heute Abend geht es ins nächste Konzert, heute bei uns in Coesfeld: im Konzerttheater tritt das Musikkollegium Winterthur unter der Leitung von Thomas Zehetmair auf mit Werken von Dubugnon, Kammersinfonie, Saint-Saens, Cellokonzert und Beethoven, 6. Sinfonie. Solist ist Mischa Maisky. Auch von dem Konzert werde ich einen Bericht einstellen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Da nun doch noch der kaum mehr erwartete Regen in Puerto de la Cruz eingetroffen ist, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und die Youtube-Maschine angeworfen. Auf das Programm habe ich Verdis Requiem gesetzt:


    Besetzung:
    Bayerisches Rundfunk-Sinfonieorchester
    Chor des Bayerischen Rundfunks,
    Krassimira Stoyanova, Sopran,
    Anita Rachvelishvili, Mezzosopran
    Francesco Meli, Tenor
    Riccardo Zanellato, Bass
    Dirigent: Riccardo Muti

    Das war exakt die gleiche Besetzung wie bei meinem Liveerlebnis am 4. November in Köln. Die Aufnahme stammt vom wohl voraufgegangenen Konzert im Herkulessaal in München, das so überragende Kritiken bekommen hat, und das kann ich durchaus nachvollziehen. Vom Kölner Konzert war ich ja auch restlos begeistert. Hier in dieser Aufnahme hat mir nur Riccardo Zanellato etwas besser gefallen als in Köln. Ich meine, er „war mehr bei Stimme“. Krassimira Stoyanova und Francesco Meli, die ich in diesen Partien schon gut kenne, waren wieder sehr überzeugend, und seit Pavarottis Zeiten (1967 in Mailand unter Karajan) ist für mich das „Ingemisco“ einer der absoluten Höhepunkte dieses Stückes, und Francesco Meli hat einmal mehr gezeigt, wie ideal er dieses Ingemisco verkörpert, mit welcher Meisterschaft er die sogenannte „mezza voce“ beherrscht und die hier so wichtigen Decrescendi ebenfalls.
    Anita Rachvelishvili bestätigte in dem Münchener Konzert das, was ich schon im Kölner Konzert gedacht habe: sie hat m. E. in dieser Partie eine große Zukunft vor sich, und sie hätte m. E., die sie doch als Einspringerin für Elina Garanca gesungen hat, diese glatt an die Wand gesungen, denn in dieser Partie, so habe ich aus Hunderten von Hörerlebnissen die Überzeugung gewonnen, braucht die Sängerin eine gesunde Power, verbunden mit einem kernigen Alt-Fundament, und beides hat sie in reichem Maße, ebenso wie die von mir so verehrte Anna Smirnova, aber, was genauso wichtig ist, sie hat ein berückendes Pianissimo.
    Riccardo Muti hat einmal mehr bewiesen, dass er der absolute Primus inter Pares der Requiem-Dirigenten ist. Vor allem durch die spezielle Kameraführung, durch die man den Dirigenten auch oft von vorne sieht, wird deutlich, wie er nicht nur das Orchester, sondern auch die Solisten durch kleine und kleinste Gesten führt und wie die Solisten unmittelbar darauf reagieren, und in seinem Mienenspiel kann man die Freude sehen, die ihm die Umsetzung seiner Intentionen durch Solisten, Chor und Orchester machen. Auch hier wurde durch die Mikrofonierung besonders deutlich, wie überragend der Chor in seiner Aussprache und in seinen Pianissimi singt. Mir schien sogar in den Tutti-Forte-Passagen (Dies Irae, Tuba Mirum und Rex Tremendae), dass er elektronisch etwas herunter geregelt war. Dies schien auch bei der großen Trommel der Fall zu sein, die ich in Köln ebenfalls ungehemmter genießen konnte. Wie dem auch sei, der Genuss dieses Youtube-Videos ist jedem Verdi-Requiem-Liebhaber wärmstens zu empfehlen.


    Liebe Grüße


    Willi :)

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    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Gerade erhielt ich einen mir noch nicht bekannten Mitschnitt einer Aufführung des Verdi Requiems aus Monaco aufgenommen im Jahr 1969. Interessant ist die Besetzung mit Ingrid Bjoner, Sopran, Herta Töpper, Contralto, Waldemar Kmentt, Tenor und Gottlob Frick. Bass. Der große Pluspunkt dieser Aufnahme ist Karl Richter. Zunächst meint man, wenn man die Solisten kennt, dass es eine opernhafte Aufführung geben müsste. Aber das ist bei dem Dirigenten Karl Richter, einem hervorragenden Spezialisten im Oratorienfach, kaum möglich. Er lässt die großen Stimmen an den Höhepunkten aussingen schafft aber insgesamt einen eher lyrischen, für eine Live-Aufführung erstaunlich homogenen, transparenten Klang. Insgesamt empfinde ich diese Interpretation als eine interessante Alternative zu manchen üppigeren Aufnahmen. Nur selten überwältigende Klangwogen, dafür jedoch zu Herzen gehende Innigkeit. Leider ist wie oft bei Liveaufnahmen weder Chor und Orchester angegeben.


    Herzlichst
    Operus



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  • https://images-eu.ssl-images-a…I/51jkUGg3rEL._SL250_.jpg



    Giuseppe Verdi: Requiem
    Bjoner / Töpper / Kment / Frick
    Philharmonischer Chor München
    Münchner Bach-Chor
    Dirigent: Karl Richter



    Aufnahme von 1969


    Lieber "Operus", selbst wenn die hier verlinkte Aufnahme (wider Erwarten) nicht identisch, sondern an einem anderen Ort als Monaco entstanden sein sollte, gehe ich ganz fest davon aus, das bei identischem Werk, identischem Dirigenten, identischen Solisten und identischem Aufführungsjahr auch die beteiligten Chöre und das Orchester identisch sind. :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Hans,


    die von Stimmenliebhaber dankenswerterweise eingestellte Aufnahme habe ich vor einigen Monaten erhalten, nachdem ich sie Anfang 2015 bestellt hatte. Ich kann deinen Eindruck bestätigen.
    Allerdings hatte ich auch bei der gestern gesehenen Aufnahme (siehe oben), die fast in gleicher Weise auch sich so in Köln am 4. 11. zugetragen hat, keinen Moment den Eindruck, in einer Oper zu sitzen.
    Auch hier legte Muti Wert darauf, die lyrischen Sequenzen vom bestens aufgelegten Solistenquartett aussingen zu lassen, z. B. zu Beginn des Liber scriptus proferetur (Und ein Buch wird aufgeschlagen), mehr noch im dann folgenden Quid sum miser tunc dicturus (Weh, was werd ich Armer sagen) und im Recordare Jesu pie (Milder Jesu, wollst erwägen) und dann im grandiosen Ingemisco tamquam reus (seufzend stehe ich schuldbefangen).
    Ich finde, das Verdi-Requiem stellt ein ausgewogenes Verhältnis dar zwischen lyrischen Passagen und dramatischen Höhepunkten und es endet ja auch im tiefsten Pianissimo in einem wiederholten sehr berührenden "Libera me".


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber "Operus", selbst wenn die hier verlinkte Aufnahme (wider Erwarten) nicht identisch, sondern an einem anderen Ort als Monaco entstanden sein sollte, gehe ich ganz fest davon aus, das bei identischem Werk, identischem Dirigenten, identischen Solisten und identischem Aufführungsjahr auch die beteiligten Chöre und das Orchester identisch sind.

    Lieber Stimmenliebhaber,
    nicht verzagen Stimmenliebhaber fragen. Ja das ist die Aufnahme und nun sind sogar Chor und Orchester bekannt. Hörenswert!
    Herzlicht
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber operus, wenn ich auch noch etwas zu "Deinem" Verdi-Requiem beitragen kann? Die Aufführung in der bereits schon erwähnten Besetzung fand 28. Februar 1969 im Kongress-Saal des Deutschen Museums in München statt. Der Mitschnitt ist auf dem gezeigten Doppelalbum von Altus erschienen. Weil ich es zufällig in meinem Bestand habe, lese ich auch dort das entsprechende Datum. Eine Aufführung in Monaco hat es nicht gegeben. Wenn ich genau genug recherchiert habe, weder vorher noch nachher. Meine Angaben beruhen vor allem auf dieser Dokumentation:



    Der 4. Band behandelt die Jahre 1968 bis 1971 in Richters Schaffen.


    Da Dich wahrscheinlich vornehmlich interessieren wird, wie Gottlob Frick angekommen ist, zitiere ich die entsprechende Passage aus einer Kritik von Kurt Schumann in der "Süddeutschen Zeitung": "Es mag wohl an der hinlänglich bekannten Kongreßsaal-Akustik gegen haben, daß mir schien, Waldemar Kmentts hochachtbarer Tenor bringe nicht das ätherische, italienische Dolcissimo für das Hostias-Solo auf, und Gottlob Frick, dieser Jupiter tonans unter den Bassisten, verlegte sich mehr auf die kantable Lyrik als auf das gleichfalls geforderte ,con forza'."

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • aus Monaco aufgenommen im Jahr 1969.

    Die Aufführung in der bereits schon erwähnten Besetzung fand 28. Februar 1969 im Kongress-Saal des Deutschen Museums in München statt. Der Mitschnitt ist auf dem gezeigten Doppelalbum von Altus erschienen. Weil ich es zufällig in meinem Bestand habe, lese ich auch dort das entsprechende Datum. Eine Aufführung in Monaco hat es nicht gegeben.

    Ja und Nein, denn wie Wien international oft Vienna genannt wird, heißt München international häufig Monaco! :thumbsup: :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Da kann ich dir bedenkenlos "in die Seite treten", lieber Stimmenliebhaber, :D denn München heißt auf italienisch "Monaco" (di Baviera): https://dict.leo.org/italienisch-deutsch/muenchen


    Liebe Grüße aus dem Hafen des Kreuzes (Puerto de la Cruz)


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Meinetwegen auch "Die Aufführung in der bereits schon erwähnten Besetzung fand 28. Februar 1969 im Kongress-Saal des Deutschen Museums in Monaco statt". Ich bin da gar nicht pingelig. :)

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Da Dich wahrscheinlich vornehmlich interessieren wird, wie Gottlob Frick angekommen ist, zitiere ich die entsprechende Passage aus einer Kritik von Kurt Schumann in der "Süddeutschen Zeitung": "Es mag wohl an der hinlänglich bekannten Kongreßsaal-Akustik gegen haben, daß mir schien, Waldemar Kmentts hochachtbarer Tenor bringe nicht das ätherische, italienische Dolcissimo für das Hostias-Solo auf, und Gottlob Frick, dieser Jupiter tonans unter den Bassisten, verlegte sich mehr auf die kantable Lyrik als auf das gleichfalls geforderte ,con forza'."

    Lieber Rüdiger,


    diese Würdigung von Karl Schumann, einem der ganz kritischen kritischen Kritiker, von Gottlob Frick als "Jupiter tonans unter den Bassisten" ist für mich eine Weihnachtsfreude und eine so lobende Formulierung, die sogar ich nie gewagt hätte. Allerdings es ist mir ein Rätsel: Vor mir liegt der Mitschmitt einer Aufführung aus Monaco vom 28. 02. 1969. Sei es wie es sei - über die Aufnahme freut sich der Hey. (Einer meiner Reime auf dem berüchtigten Holzwurm-Niveau.) Mehr zu lesen in Thread "Allen Taminos zur Freude und Erheiterung."


    Herzlichst
    Operus


    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans, lies mal die vorangegangenen Beiträge, und Du wirst erfahren, was es mit Monaco auf sich hat. Unsereins aus den Niederrungen des Wissens wurde darin hinreichend und belehrend aufgeklärt. :D

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Allerdings es ist mir ein Rätsel: Vor mir liegt der Mitschmitt einer Aufführung aus Monaco vom 28. 02. 1969.

    Als ich mit 18 mal eine Woche mit dem Zug durch Italien bin, bin ich in Verona fast wieder aus dem (richtigen) Zug rausgesprungen, weil da als Zielbahnhof "Monaco" dran stand und ich doch nach München wollte... :hahahaha:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Und ich dachte, die Fernsehserie "Monaco Franze" wäre so berühmt, dass jeder weiß, um welche Stadt es sich dabei handelt. Gleich in der ersten Folge gibt es übrigens einen denkwürdigen Opernbesuch im Nationaltheater:



    :D

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Ich habe vorhin die nachfolgende Aufnahme zu Ende gehört, eingedenk der von operus hervorgehobenen lyrischen Aspekte dieses Werkes in der Richter-Aufnahme von 1969. Ich hatte dann dazu auch kurz Stellung genommen, dann aber an diese Aufnahme gedacht:


    Über sie habe ich in diesem Thread schon vor gut vier Jahren, kurz nach ihrem Erscheinen und Anschaffen meinerseits, in den Beiträgen 82 und 83 ausführlich berichtet und gerade auch dies lyrischen Aspekte herausgestellt:
    Verdi: Messa da Requiem
    Auch sie kann ich bedenkenlos jedem Verdi-Requiemfreund empfehlen, aber welcher Verdi-Requiem-Freund kennt si noch nicht. Jedenfalls war mir beim jetzigen Nachhören durch diese gedankliche Querverbindung wieder aufgefallen, wie großartig alle Protagonisten in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten decrescendierten und wie sehr dieses Quartett insgesamt den lyrischen Legatogesang perfektioniert hat. Und dazu gab es in diesem Requiem ja auch reichlich Gelegenheit.
    Allein von den sieben weiteren DVD's bzw. Blu Rays aus diesem Jahrtausend in meiner Sammlung, die alle ihre Meriten haben, kommt keine in dieser Geschlossenheit an den lyrischen Gesamteindruck dieser Barenboim-Aufnahme heran.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Wer sich sowieso so gut wie jedes Verdi-Requiem kauft (wie ich), kann gerade erstaunlich günstig die Noseda-SACD schnappen.



    Ich weiß allerdings momentan wirklich nicht, ob ich auch das nun schon wieder brauche...


    p.s.: ach, komm, ist bestellt, die Fonoforum-Kritik von Stäbler in der Ausgabe 10/17 ist ausreichend gut.

    Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

  • Wer sich sowieso so gut wie jedes Verdi-Requiem kauft (wie ich),.....


    Diese Krankheit, lieber Johannes, kenne ich nur zu gut!
    Aber wenn es wenigstens beim Kaufen von LPs und CDs bliebe. Ich habe auch inzwischen weit mehr als hundert Mitschnitte von Radioübertragungen!
    Manche Aufnahme habe ich nur wegen dieses oder jenen Sängers!


    Wahnsinn! Aber ein schöner!


    Liebe Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!


  • Kein berauschendes Klangbild - aber sehr schön gesungen:


    Renata Scotto

    Marylin Horne

    Luciano Pavarotti

    Nicolai Ghiaurov


    Claudio Abbado

    RAI Roma 1970

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Manche Aufnahme habe ich nur wegen dieses oder jenen Sängers!

    Lieber Caruso,


    so geht's mir auch.

    Wahn, Wahn, überall Wahn!

    Gruß

    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Am 13. 6. 2019 schrieb ich im 'Elisabeth-Schwarzkopf-Thread' folgendes:



    Hallo!


    In meinem Beitrag Nr. 222 habe ich schon 'vorgewarnt', dass ich darüber berichten werde, wie auch einmal Elisabeth Schwarzkopf bei einer Schallplatten-Aufnahme geholfen wurde – sogar mit zwei 'untergelegten' Stimmen, u. z. im 'Libera me' in ihrer Einspielung des „Verdi-Requiems“ 1964 unter Carlo Maria Giulini. Und es gibt auch eine interessante Vorgeschichte:


    Walter Legges Vorhaben, dieses Werk für die Schallplatte festzuhalten, geht zurück auf seinen Besuch der „Requiem“-Aufführung Victor De Sabatas zum 50. Todestag des Komponisten in der Mailänder Scala am 27. 1. 1951, wovon es einen (leider klanglich sehr eingeschränkten) Mitschnitt gibt mit Renata Tebaldi, Nell Rankin, Giacinto Prandelli und Nicola Rossi-Lemeni. Dort erzielte Renata Tebaldi einen geradezu sensationellen Erfolg und Legge wollte sie unter Vertrag nehmen; sie hatte sich aber bereits exclusiv an die Konkurrenz DECCA gebunden, die es leider bekanntlich versäumte, damals mit ihr eine dementsprechende Aufnahme zu machen, obwohl Rankin und Prandelli auch bei DECCA unter Vertrag standen. (Nell Rankin sollte ursprünglich auch die 'Amneris' in der „Aida“ 1952 mit der Tebaldi sein. Die erste „Requiem“-Aufnahme der DECCA entstand in Co-Produktion mit RCA 1960 in Wien unter Fritz Reiner; Leonie Rysanek erkrankte während der Aufnahme und wurde durch Leontyne Price ersetzt.) Für Walter Legge waren Renata Tebaldis Stimme und Interpretation das ideale Vorbild für den Sopranpart in Verdis „Requiem“ – an Elisabeth Schwarzkopf dachte er in diesem Zusammenhang damals wohl noch nicht.


    An Maria Callas' Stimme schätzte der EMI-Produzent nach eigener Aussage vor allem die außergewöhnlich timbrierte Mittellage mit ihrem herben 'Leidensausdruck' sowie ihre profunden tiefen Töne, die besser in ihr Stimmregister integriert waren als die oft 'erzwungene' Höhe. Daher glaubte er auch, in ihr eine für den Mezzosopranpart (!) geeignete Sängerin in seiner 1954 geplanten Aufnahme dieses „Requiems“ gefunden zu haben. Die Callas zeigte sich auch interessiert, konnte sich jedoch lange nicht entscheiden und sagte schließlich ab. (Später hat Legge versucht, die Tebaldi und die Callas zu einem gemeinsamen Konzert mit eben diesem Werk zu überreden!) Victor De Sabata war über die Absage der Callas so verärgert, dass er die Ersatz-Sängerin, Oralia Dominguez, derart 'triezte', dass sie ihre Partie vor dem Mikrophon buchstäblich unter Tränen sang.


    Mittlerweile hatte Walter Legge 'Her Master's Voice' (Schwarzkopf) entsprechend trainiert, so dass ihre Mitwirkung in dieser Aufnahme vom Juni 1954 von der internationalen Kritik mit allgemeinem Lob bedacht wurde; neben der Dominguez wirkten noch Giuseppe Di Stefano und Cesare Siepi mit, die beide bereits das Werk 1951 unter Arturo Toscanini in einem Live-Mitschnitt bei RCA aufgenommen hatten. (Lediglich die extrem gedehnten Tempi De Sabatas – vor allem im Vergleich zu Toscanini – wurden damals als befremdlich empfunden.)


    1960 hörte Legge Joan Sutherland, die bereits seine 'Donna Anna' gewesen war, in London und Edinburgh mit dem „Requiem“ unter der Leitung Carlo Maria Giulinis und wollte sie für eine Neuaufnahme dieses Werks verpflichten – doch auch sie war inzwischen exclusiv bei DECCA unter Vertrag! Nach wie vor wollte er Maria Callas als Mezzosopran einsetzen und suchte lange nach einer geeigneten und zu ihr passenden Sopranistin. Es muss wohl einige Unstimmigkeiten im Hause Schwarzkopf/Legge gegeben haben, bis seine Frau ihn überzeugen konnte, sie noch einmal in diesem Werk bei einer Schallplatten-Einspielung zu besetzen.


    Schließlich kam es im September 1963 zur Aufnahme (mit Christa Ludwig, Nicolai Gedda und Nicolai Ghiaurov unter Giulini) – aber Elisabeth Schwarzkopfs Interpretation des 'Libera me' stand einer Schallplattenveröffentlichung im Wege. Den Beteiligten war nicht entgangen, dass sie große Schwierigkeiten mit den beiden exponierten Tönen in diesem Teil des Werks hatte: das 'pppp' zu singende hohe 'B' und vor allem das abschließende voll auszusingende hohe 'C' über dem gesamten Chor wollten ihr nicht (mehr) zufriedenstellend gelingen.


    Das Problem löste Walter Legge später schließlich, indem er bei der Aufnahme des 'Libera me' am 7. 4. 1964 der Sängerin zwei (im Timbre und Volumen zu ihr passende) Chorsoprane an die Seite stellte, die mit ihren Stimmen den Gesang der Schwarzkopf an der zweiten heiklen Stelle – das hohe 'C' - 'deckten'. (Die heute allgemein übliche Praxis des 'dubbing' – also auf ein bereits bespieltes Band zu singen – war damals noch nicht verbreitet.) Auf der viele Jahre später veröffentlichten CD-Ausgabe soll im 'Libera me' auch ein deutlicher 'tape joint' zu hören sein, als ob man durch das Zusammenschneiden zweier Bänder eine Phrase ihres Gesangs verlängert hätte. (Ich habe lediglich die LP-Ausgabe von 1964. Schon bei ihrer Erstveröffentlichung auf Schallplatten ist diese Einspielung wegen ihrer diffusen Klangqualität kritisiert worden.)


    Ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen: eigentlich sind mir derartige Details nicht so wichtig, vorrangig ist immer noch das unmittelbare Hörerlebnis und der Eindruck, den eine Aufnahme bei mir hinterlässt. Ich möchte lediglich darüber schreiben, wie der Platten-Konsument auch schon damals 'getäuscht' worden ist. Letztendlich ist diese Aufnahme für mich eines der überzeugendsten Tondokumente des „Verdi-Requiems“ und sie wurde damals auch mit mehreren Preisen (Grand Prix du Disque, Edison-Preis, Preis der deutschen Schallplattenkritik etc.) ausgezeichnet.


    Diesen Beitrag werde ich auch unter „Verdi: Messa da Requiem“ bei 'Tamino' posten.


    Viele Grüße!


    Carlo



    P. S.


    Mittlerweile ist auch bekannt, dass die von der DECCA nie genannte 'Sacerdotessa' in der oben genannten 52er Aufnahme der „Aida“ von Suzanne Danco gesungen wird; sie hat es in einem Interview der „Opera News“ bestätigt.