Sibelius, Jean: Violinkonzert d-moll

  • Tag,


    ich halte die Urfassung des Violinkonzertes von Jean Sibelius für etwas ganz besonders Eindrückliches. - Nachdem endlich die Erben die Partitur zur Aufführung freigaben, entstand eine Aufnahme mit dem Solisten Leonidas Kavakos, dem Lahti Sinfonieorchester, Dirigent O. Vänskä, Label BIS (auch bei jpc). Der Vergleich mit der endgültigen Fassung, auch auf dieser einen CD, läßt mich an der Ratio des nacharbeitenden Schöpfungs- und Gestaltungsgeschehens zweifeln. Die Urfassung hebt die Tradition des Violinkonzertes auf (d.h. zeigt Werden und Sein in einer Gestalt). Die Endfassung steht für sich, das Werden aus der Tradition muss man sich zur prägnanten Gestalt hinzudenken.


    MfG
    Albus

  • Ich hab die Urfassung nur einmal in der Uni-Bibliothek angehört( wird wohl diese Aufnahme gewesen sein ) und was mir daran unheimlich gefallen hat ist, das die ganzen nur auf Virtuosität abzielenden Tonleitern und Läufe noch nicht drin sind, da steht die Musik viel mehr im Vordergrund als die Selbstverwirklichung des Solisten.

  • Hallo,
    mal abgesehen von der Frage, welche Fassung - gibt es bei diesem Violinkonzert eigentlich eindeutige Empfehlungen / Refernzen?
    Ich stelle nämlich gerade zu meinem Erstaunen fest, dass ich es noch nicht in der Sammlung habe!!!

  • Hallo Achim,


    also meine "Basis"-Empfehlung ist diese CD hier:



    Sehr gut gefallen hat mir auch die Aufnahme von Joshua Bell (gekoppelt mit einer fantastischen Einspielung des süffigen Goldmark-Konzertes):



    Die erwähnte "Urfassung" zusammen mit der "Endfassung" gibt es bei BIS:



    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Morgen,


    zwei Darstellungen (in LP-Aufnahmen, ob mittlerweile als CD?) halte ich noch immer für herausragend.
    Die eine ist die Interpretation von Isaac Stern, dem Philadelphia Orchester unter Eugene Ormandy. Die Unerbittlichkeit des Finalsatzes hat estwas von einem Totempfahl (LP: CBS).
    Die zweite LP ist gar historisch (vermutlich doch auch als CD verfügbar), Mono, sehr guter Historisch-Klang, Aufnahme von 1949 (?), EMI, sZt. in der Reihe Unvergänglich - Unvergessen: Ginette Neveu, Londoner Sinfonie Orchester, Leitung Walter Süskind. Das Violinkonzert als ein Stück vergeistigter Kraft.


    MfG
    Albus

  • Hallo Sibelius-Freunde,


    die von GiselherHH genannte Heifetz-Aufnahme der RCA von 1959 mit Walter Hendl ist für das Sibelius-Konzert das non plus ultra.
    Die RCA-SACD gibt es auch als CD: Die RCA-SACD wird bei der alten Aufnahme technisch kaum eine Verbessung bringen.
    Auch JVC hat eine technisch bearbeitete Fassung der RCA-Aufnahme auf CD herausgebracht um den interpretatorischen Glücksfall noch besser zu bannen, aber für sage und schreibe 34,99€ als XRCD und dann ohne die Kopplung Prokofieff und Glasunow.


    Hier der vernünftigste Kauf als normale CD, als Nachfolge zu meiner RCA-LP:

    gekoppelt mit dem Prokofieff:Violinkonzert Nr.2 mit Charles Munch als Dirigent und dem (nicht so interessanten) Glasunow: Violinkonzert.


    :) Ebenfalls erwähnt werden muß, wenn es nicht um die Urfassung geht, die
    TOP-CBS-Aufnahme mit David Oistrach / Philadelphia Orch. / Ormandy.
    Diese CBS-CD war als ich diese kaufte sinnvollerweise mit dem Tschaikowsky-Violinkonzert (auch ein Traum mit Oistarch) gekoppelt.
    Nun zu SONY-Zeiten mit dem Beethoven-Violinkonzert (Francescatti als Solist - meine Lieblingsaufnahme), die ich auch als CBS-Einzel-CD habe.

  • Tag,


    eine Korrektur zur Aufnahme mit Ginette Neveu. Das Orchester ist richtig das Philharmonia Orchester London (nicht das London Sinfonieorchester). Die EMI-Aufnahme war 1958 technisch verbessert worden (sehr geglückt, denke ich).


    MfG
    Albus

  • Hallo Taminoaner,


    mit etwas Verwunderung habe ich festgestellt, daß es zu diesem wunderschönen Konzert noch keinen eigenen Thread gibt.
    Zwar gibt es einen bzgl. der wenig aufgeführten und eingespielten Urfassung aber keinen eigenen zur "Zweitfassung"


    Diese Fassung wurde am 19.10.1905 in Berlin erstmalig aufgeführt.


    Sicherlich ist dieses Werk wohl eines der bekanntesten Werke von Sibelius, der selber wohl ein recht ordentlicher Geiger gewesen sein soll.


    Sehr gerne wird dieses Konzert zusammen mit dem Tchaikovsyk VC aufgenommen da es wohl dazu "paßt".
    Aber für mich ist dieses Werk viel mehr als nur eine "Beiwerk" zum großen Tchaikovsky VC.


    Obwohl es natürlich auch dem Solisten Spielraum für seine Virtuosität lässt zeichnet es sich doch auch durch sinfonische Elemente aus und dieser typischen wunderschönen Tonsprache von Sibelius.
    Zusammen mit der Tonart d-Moll ergibt sich eine "Sehnsucht", die mich immer wieder ergreift!


    Gute bis sehr gute Aufnahmen gibt es zum glück viele.


    N. Mistein soll angeblich dieses Konzert nie eingespielt haben weil er so begeistert von der Qualität der Heifetz-Interpretation war.
    In diesem Sinne möchte ich daher natürlich zunächst auch eine Heifetz Aufnahme hier nennen.



    Weitere Aufnahmen werde ich noch vorstellen.


    Eure Meinung und Favoriten würden mich erfreuen!

  • Hallo Richard,


    neben der schon erwähnten Heifetz-Aufnahme habe ich das Sibelius-Konzert, das ich in den letzten Monaten sehr lieben gelernt habe, von Ginette Neveu und Vadim Repin. Hervorheben möchte ich aber die Aufnahme von Itzhak Perlman, die mich vom ersten Hören an mitgerissen hat. Wie schon woanders geschrieben, finde ich seinen Geigenton bei diesem Konzert fantastisch. Dazu eine sehr schöne Orchesterbegleitung, die eine bestimmte Stelle im Kopfsatz so spielt, wie ich sie von den anderen Orchestern nicht so ausgeprägt kenne. Und das gefällt mir hier hervorragend.
    Mein Favorit also: Itzhak Perlman.



    Ich habe auch schon einiges über die Einspielung von S. Khachatryan gelesen. Da mir die Aufnahme aber etwas zu teuer ist, werde ich sie mir vorerst nicht besorgen.



    Gruß, Peter.

  • Guten Abend!


    Ja, Peter hat sie schon angesprochen. Die Aufnahme mit Vadim Repin:



    Repins Spiel hat mich sofort überzeugt. Ein feiner Klang.
    Aber mir gefallen beide Violinkonzerte von der CD. Und spielerisch sagen sie mir sogar mehr zu, als es Dvoráks VC op.53 tut. Obwohl hier eher interpretatorisch. Da bin ich mit Chung nicht so zufrieden.
    Da spricht mich Repins Spiel mehr an(auch wenn es verschiedene Stücke sind).


    Ich freue mich aber schon auf das Wochenende, denn da lerne ich dann auch die Aufnahme mit Itzhak Perlman kennen...


    Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Hallo allerseits,


    nun, ich musste eben staunen, dass ich am 11.8. geschrieben habe, dass mir das Sibelius VC gefällt. In den vergangenen 2-3 Monaten konnte Repin mich gar nicht mit diesem Konzert begeistern - auch wenn ich seinen Geigenton sehr schätze, die Aufnahme hat mich kalt gelassen und dadurch missfiel mir auch das ganze Violinkonzert.


    Ich weiß gar nicht mehr wann es war, aber vor etwa einem Monat bekam ich die Gelegenheit, mir die Khachatryan Aufnahme, die Peter schon ansprach, zuzulegen (günstiger) und das war ein wunderbarer Griff!



    :jubel: :jubel: :jubel:
    Mir fehlen gerade die Worte - diese Aufnahme ist so grandios, dass ich seit dem ersten Hören einfach nicht mehr genug kriegen kann.
    Heute früh dachte ich während der Arbeit, dass ich es erst mal genug gehört habe - denkst de, sie liegt schon wieder im Player!


    Einfach fantastisch. Ich war sofort begeistert! Die Interpretation ist genial und wunderbarherrlich effektvoll! Der Klang ist, ich erlaub es mir mal zu sagen, atem(be)raubend...das ganze Konzert ist herrlich und im Moment würde ich es zu meinem Lieblingskonzert, vielleicht sogar Werk, zählen!
    Mit dieser Aufnahme geht mir das Werk nahe, mit dieser Einspielung lernte ich es näher und besser kennen.


    Ich kann Khachatryan euch wirklich nur ans Herz legen :yes:



    begeisterte Grüße, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Kennt einer eine Aufnahme, wo das Finale (vor allem der Orchesterklang) ähnlich reinhaut wie hier?:


    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Ja, die Aufnahme mit Ginette Neveu ist wahrlich vorzüglich! Überhaupt wurden bislang wohl die besten historischen Aufhamen bereits alle genannt, wobei ich bei Oistrach eher zu den Konzertmitschnitten aus Russland greifen würde als zum eher schön-färbenden Klangbild Ormandys.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    wobei ich bei Oistrach eher zu den Konzertmitschnitten aus Russland greifen würde


    Ganz meine Meinung! Da gäbe es etwa eine sensationelle Einspielung mit Gennadij Roschdestwenskij und dem unter ihm erstaunlich guten Rundfunkorchester der UdSSR. Derzeit leider nur zu bekommen über Japan mit den ebenfalls sehr empfehlenswerten Sibelius-Symphonien unter Roschdestwenskij. (Unbedingt sofort überprüfen, ob die Aufnahmen o.k. sind und bis zu dieser Feststellung den Lieferschein aufheben; meine hatte einen Fehler zu Beginn der 3. Symphonie - der Austausch war leider eine Prozedur, die zu den weniger erfreulichen Erlebnissen gehört.)

  • Zitat

    Ganz meine Meinung! Da gäbe es etwa eine sensationelle Einspielung mit Gennadij Roschdestwenskij und dem unter ihm erstaunlich guten Rundfunkorchester der UdSSR.


    Dabei handelt es sich vermutlich nicht um diese Aufnahme, oder?


    Hast du vielleicht eine Jahreszahl zu der Aufnahme?


    Vielen Dank und freundliche Grüße!

  • Zitat

    Original von Jonathan Feller


    Dabei handelt es sich vermutlich nicht um diese Aufnahme, oder?


    Doch, das müßte die sein (es ist aber kein Mitschnitt); es sei denn es gibt zwei mit demselben Dirigenten & Orchester. Die Melodiya-Sachen waren im Westen zu unterschiedlichen Zeiten in ganz verschiedener Kombination zu haben. Ich habe die hier als "VoxBox"-Doppel_CD mit dem Khatchaturian-Konzert und Francks und Schostakowitschs Violinsonaten.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Guten Tag Albus,
    mit großem Interesse habe ich gelesen, dass Ihnen die Aufnahme des op. 47 von Sibelius in der Einspielung mit Isaac Stern bekannt ist. Ich suche "händeringend" diese Aufnahme aus dem Jahr 1952. Ob es sie auf CD überspielt gibt? Wenn Sie mir helfen können, wäre ich Ihnen dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen Volker Freywald

  • Hallo Jonathan,
    herzlichen Dank für den Hinweis der Einspielung von Sibelius' op.47 mit Stern. Bezeichnet "Marketplace" ein bestimmtes Geschäft (Versand ?)oder ist es allgemein als "irgendwo im Handel" zu verstehen.
    Mit violinistischen Grüßen, Volker Freywald

  • Hallo Volker,
    gemeint war der Amazon-Marketplace. Dies ist eine Plattform auf der gebrauchte und neue CD's von Einzelanbietern und Händlern Angeboten werden können. Amazon regelt praktisch nur die Abrechnung. Wenn du auf das von mir gepostete Cover der CD klickst so kommst du zur Amazon-Website. Dort gelangt man über den Link "Angebote" (direkt rechts neben dem Cover) zu den im Amazon-Marketplace angebotenen Exemplaren dieser CD. Hier kann man dann ein Angebot auswählen und "in den Einkaufswagen" legen.
    Zu beachten sind die Herkunftsländer der Anbieter: Kauft man eine CD die innerhalb Deutschlands versendet wird betragen die Versandkosten 3 €, außerhalb mehr (dazu gibt es eine Tabelle bei Amazon).
    In deinem Fall sind alle 3 Angebote allerdings aus dem Inland, so das der Versand 3 Euro kosten würde.


    Viele Grüße,
    Jonathan

  • Hallo Sibelius-Freunde,


    von der Urfassung des Sibelius: Violinkonzert ist in disem Thread nur im ersten Beitrag von Albus in 2005 die Rede. Im 3.wird sie lediglich von GiselherHH als vorhanden erwähnt und abgebildet.



    Violinkonzert op. 47 (Urfassung v. 1903)
    Violinkonzert op. 47 (endgültige Fassung v. 1905)

    Kavakos, Lahti SO, Vänskä
    BIS , DDD, 91/90

    :hello: Wer kann mehr zu dieser BIS-Aufnahme sagen ?


    In einer Kritik einer HIFI-Zeitschrift habe ich mal vor Jahren weniger wohlwollende Worte für diese Aufnahmen gelesen. Ein T-Kollege, der diese CD hat, äußerte sich hingegen mit positiveren Worten; hat aber keine Vergleichsaufnahme.

  • Hallo Wolfgang,


    verlass dich nicht zu sehr auf Kritiken. Bei Solti und Karajan hörst du doch auch nicht auf die Kritiker :D


    Die Aufnahme kannst du bedenkenlos kaufen. Meines Wissens existiert eh nur diese eine CD mit der Urfassung, so hast du die normale Version als Dreingabe.


    Mir gefällt diese CD sehr gut. Der Klang ist BIS üblich, eher räumlich betont als detailiert.


    Alternativen habe ich natürlich auch. Heifetz in CD und SACD, hier muss ich wirklich sagen die SACD klingt besser. :yes:
    Asche auf mein Haupt. :angel:
    Naja, hab die SACD praktisch geschenkt bekommen (Bucht) und da konnte ich nicht widerstehen :pfeif:


    Oistrach /Roshdestwensky ist klanglich leider schon als historisch zu werten.


    Kremer/Muti, Kuusisto/Segerstam, Vengerov/Barenboim, Szeryng/Roshdestwensky fallen mir gerade ein, die lege ich auch ab und an auf.


    Gruß
    embe

  • Ich habe mir aus der SZ Klassik-Edition "Jahrhundert Geiger" die CD zu Julia Fischer ausgeliehen. Darauf ist u.a. Sibelius Violinkonzert mit Maazel und dem SO des BR. Ihre Virtuosität ist hier, vor allem in den Kadenzen, beeindruckend. Sehr schön auch in den leisen Passagen ihr "gehauchter" Violinton, aber so richtig will der Funke bei mir nicht überspringen, doch das mag an Maazel liegen oder daran, dass ich kein soo großer Sibelius-Freund bin.


    Zum Vergleich habe ich Sibelius Violinkonzert noch auf dieser CD gehört, die auch noch unabgehört bei mir rumlag:



    Mir kommt Julia Fischers klarerer, schlankerer, hier etwas "kühlerer" Ton und das etwas zügigerer Tempo entgegen, aber klangschöner und romantischer spielt Pekka Kuusisto und das Helsinki Philharmonic Orchestra unter Leif Segerstam empfinde ich als wesentlich angemessener, nuancierter und vom Klang schöner. Dies ist insgesamt wohl auch eine sehr gute Aufnahme, wenn man es etwas romantischer will.
    An Khachatryan unter den jüngeren Einspielungen kommen aber beide m.E. nicht ganz ran.


    :hello: Matthias

  • Die Lustlosigkeit Maazels und seiner Bayerischen Rundfunksinfoniker für Fischer wird in meinen Ohren nur noch übertroffen durch die Antriebslosigkeit, die Emmanuel Krivine und die Sinfonia Varsovia für Khachatryan an den Tag legen. Beide Aufnahmen können mich weder fesseln noch begeistern.


    Bei der von Matthias genannten mit Kuusisto und Segerstam ist dies schon ganz anders. Segerstam und die Helsinki-Philharmoniker begleiten sehr überzeugend, fast schon detailverliebt. Kuusisto erhält viel Raum, um den Melodienreichtum des Konzerts in makellosem Spiel zu präsentieren. Matthias' Einschätzung hierzu teile ich im übrigen.


    Allerdings stehen zwei Aufnahmen für mich an der Spitze, zu denen ich immer wieder zurückkehre.


    Die eine ist die bereits genannte mit Leonidas Kavakos, Osmo Vänskä und den Lahti Sinfonikern bei BIS. Sie stellt für mich geradezu das zu verwirklichende Idealbild einer Interpretation dieses Konzerts dar: bei Solist, Dirigent, Orchester und aller Zusammenspiel. Was immer "idiomatisch" bedeuten soll :D , diese Aufnahme ist es auf jeden Fall. Aufnahmetechnisch interessant ist BIS' Ansatz, die Violine nicht durch separates Mikrofon herauszuheben, sondern wie im Konzertsaal in den Gesamtklang einzubetten. Der Hörer muss sich die Prominenz des Soloinstruments quasi erarbeiten. Sobald eine erste Irritation überwunden ist, wirkt dies sehr lebendig. Zugleich unterstützt diese Konstellation die Wirkung des Musikerlebens. Keine bloße Zugabe ist die Urfassung, die ich inzwischen gelegentlich lieber als die bekannte spätere Fassung höre. Sie ist in vielen Partien völlig eigenständig, in ihrer Opulenz und Komplexität unbedingt hörenswert und sehr zu empfehlen. Wer ein wenig sucht, zum Beispiel auf dem US-Marketplace, findet diese Aufnahme als Lizenzausgabe für "Musical Heritage" für'n Appel und 'n Ei.


    Die zweite Aufnahme, zu der ich auch gerne greife, ist diejenige mit Cho-Liang Lin und Esa-Pekka Salonen. Beide blühen hier auf (genauso übrigens in dem beigefügten Nielsen-Konzert) und präsentieren diese Musik von ihrer feurigsten, romantischsten Seite. Mitreißend.

    Für mich ergänzen sich Kavakos' und Lins Einspielungen, keine der beiden möchte ich missen.


    Liebe Grüße, Ulrich

  • Hallo Ulrich,


    "Lustlosigkeit" bei Maazel und den Bayerischen Rundfunksinfonikern trifft es wohl. Jedenfalls habe ich auch den Eindruck. Dies ist Schade, denn J.Fischer ist wirklich nicht schlecht.


    Bei der Khachatryan-Aufnahme finde ich ihn selbst sehr gut, so dass meine Erinnerung wohl insgesamt etwas zu positiv war. Nach erneutem Hören muß ich Dir recht geben. Die Sinfonia Varsovia unter Krivine spielt wirklich langweilig. Segerstam ist zudem auch viel präziser.


    Die beiden von Dir genannten Aufnahmen kenne ich noch nicht, aber die BIS-Aufnahme steht schon länger auf meiner Wunschliste, da ich Osmo Vänskäs Einspielungen der Symphonien von Sibelius mit dem Lahti Symphony Orchestra ausgezeichnet finde.


    :hello: Matthias

  • Spröde wie eine finnische Flechtenlandschaft, manchmal hauchig, oft gewohnt kratzig, über Strecken meditativ-still, doch in anderen dunklen Momenten bis zur Aggressivität zupackend interpretiert Gidon Kremer das Werk in der revidierten Fassung, die Richard Strauss aus der Taufe hob.
    Doch selbst in den wildesten Passagen dämpft Melancholie den Fluss, auch die virtuosesten Stellen, die der versierte Geiger Sibelius dem Solisten wahrlich nicht sparte, brüchig, Läufe markant, eigenwillig phrasiert, nie gehen die Schlittenhunde durch, die Zügel kommen jäh und hart zum Einsatz.
    In diesem Sinne begleitet auch Muti ein diszipliniertes, doch umso Klangfarben- reicheres Philharmonia Orchestra mit einem Traum von Blechbläsern, die denn doch sparsam, aber gezielt wirkungsvoll hören lassen dürfen, dass sich in Finnland auch mal der Donnergott zu Wort melden kann.


    So sehr man sich über Kremers Individualismen aufregen kann, hier passt alles zusammen, auch das, was nicht passt.
    Sibelius, wie er nicht im Buche steht, aber zwischen den Zeilen.


    Ich besitze noch die ursprüngliche Kopplung mit dem Schumann-Konzert, so kann ich über die Berglund-Zweite nichts sagen.



    audiamus



    .

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Doch, das müßte die sein (es ist aber kein Mitschnitt); es sei denn es gibt zwei mit demselben Dirigenten & Orchester. Die Melodiya-Sachen waren im Westen zu unterschiedlichen Zeiten in ganz verschiedener Kombination zu haben. Ich habe die hier als "VoxBox"-Doppel_CD mit dem Khatchaturian-Konzert und Francks und Schostakowitschs Violinsonaten.


    Da ich mich zur Zeit mit den Oistrach-Aufnahmen des Sibelius VC beschäftige zitiere ich hier nochmal die Beiträge von 2007 von Jonthan und Johannes.


    Diese Oistrach-10CD-BRILLANT-Box enthält einen LIVE-Mitschnitt mit Gennadi Roshdestewensky von 02/1966 in historischem Klangbild:



    BRILLANT, 10CD, ADD, historsch


    Ich habe mir gestern zuerst diese Melodiya-Aufnahme in der BRILLANT_10CD-Box angehört. Diese klingt trotz des Aunahmedatums sehr historisch und ist in MONO (wo im Westen schon feinstes Stereo üblich war). Der Klang ist relativ rauschfrei, die Violine klingt klar aber historisch und ist sehr im Vordergrund, dahinter in MONO das Orchester, das Roshdestwensky angemessen auftrumpfen läßt, aber auch die ruhigen Momente werden ausgekostet. Die Interpretation wirkt sehr kompetent soweit es hörbar ist, denn viele Details im Orchester bleiben ungehört im trockenen Klkangbild. Die Spannung bleibt leider auf der Strecke, weil man sich zu viele Details dazudenken muß. Die zahlreichen Paukenstellen, auch in p un mf bleiben einfach ungehört.
    Ich habe den Eindruck, das Oistrach schön interpretiert, aber das letzte Gefühl und die Seele bleibt auf der Strecke.


    **** Das wird um so deutlicher, wenn man danach die fabelhafte Oistrach/Ormandy (CBS) - CD auflegt. Der Klang ist zwar etwas mehr rauschbehaftet, weil die Aufnahme aus den frühen 60er-Jahren stammen muß (das CD-Heft schreibt 1974 und P1988 für das Erscheinen der CD), aber ist sehr räumlich und ausgewogen mit natürlich klingender Violine und in der brete gut dargestelltem Orchester.
    Oistrach/Ormandy schienen an einem Strang zu ziehen und sind sich über die Interpretation einig. Sie liefern beide ein Produkt mit großer Hingabe, Engagement und Gefühl für Sibelius. Spannungsgeladen im ersten Satz, gefühlvoll im 2.Satz um dann dann im Schlußsatz schwungvoll mit brio den nach Sibelius´s Worten "der Satz beschreibe einen Totentanz" glanzvoll mit großem Gänsehautfaktor zu beschließen.
    Ormandy liefert auch orchestral ein fabelhaftes Sibelius-Bild mit großer Spannung, so wie ich es schon bei seiner EMI-Aufnahme der vier Leminkäinen-Legenden schätzen gelernt habe.
    :yes: Für mich ist das eine Sibelius-VC-Aufnahme mit der schönsten und dem Werk angemessensten Orchesterbegleitung, die ich mir vorstellen kann.



    CBS, lt.CD-Angabe 1974, ADD



    Oistrachs Todestag war der 24.Oktober 1974 in Amsterdam.
    Sollte er diese Aufnahme mit Ormandy in seinem letzten Jahr gemacht haben ?

  • Ich antworte einfach einmal an dieser Stelle auf die Frage von Johannes Roehl hinsichtlich der Unterschiede zwischen der Urfassung des Sibelius Violinkonzerts und der 1905 uraufgeführten. Ich hoffe, ich kann das an einigen Punkten deutlich machen und halte mich dabei an die Angaben im booklet. Ich muß aber darauf bestehen, daß das ganz laienhafte Annäherungen sind. Ob sie Dir irgendwie einleuchten, lieber Johannes, weiß ich nicht.


    Satz 1: Allegro moderato Urfassung 1903/ 4 vs. uraufgeführte Fassung 1905
    Wichtigste, gut hörbare Unterschiede: 1) leichte Verkürzung der ersten Kadenz in der uraufgeführten Fassung, nach der sofort das zweite Thema eintritt. In der Urfassung folgen hier ein motivisches Fragment und Skalenfigurationen sowie 16 Takte nach F. Das Schlußmotiv der Exposition ist in der uraufgeführten Fassung deutlich hörbar verlängert (von 0'26 auf 0'50) und wurde stark verändert (es hat in der Urversion schärfer punktierte Rhythmen). Ein Interludium nach der Art Mendelssohns wurde aus der uraufgeführten Version ganz gestrichen, ebenso die zweite Kadenz. Insgesamt ist das Satz dadurch ca. 3 Minuten kürzer.
    Satz 2: Adagio di molto: anstelle der kurzen Schlußkadenz hat Sibelius einen Abschnitt komponiert, der im booklet einfach "5 Takte vor Schluß" heißt, aber hier sind die Veränderungen am geringsten.
    Satz 3: Allegro, ma non troppo: nach dem Anfang folgen in der Urversion zwischen Haupt- und Nebenthema eine eingeschobene Idee und eine kurze Rekapitulation, auf die Sibelius in der Uraufführung verzichtete.


    Insgesamt ist die letztlich aufgeführte Fassung nicht nur kürzer, sondern durch den Verzicht auf einige Ideen etwas geglätteter. Einige Brüche, die in der Urfassung vorhanden sind, hat Sibelius deutlich gemildert, zudem erfolgte eine stärkere Gewichtung des Orchesters, virtuose Teile des Soloparts wurden dagegen zusammengestrichen. Mir gefällt aber die dunklere, schroffe Erstfassung besser.


    Mit bestem Gruß
    JLang

    Gute Opern zu hören, versäume nie
    (R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)