Welch ein Vergnügen - Joseph HAYDN: Streichquartette op. 1 Nr 1-6 (Hob- III:1 -6)

  • Eigentlich hatte ich ja vor, jedem Streichquartett von Haydn (im Laufe der Jahrzehnte natürlich) einen eigenen Thread zuzuordenen, aber da schon einige User meinten, die wäre in der Praxis nicht realisierbar, das Interesse sei nicht groß genug – weiche ich der Gewalt und habe den Thread umgetauft und umgeschrieben.
    Die Erstvorstellung der einzelnen Quartette soll jedoch bitte jeweils in einem eigenen Beitrag stattfinden. Diese Vorstellungen müssen nicht notwendigerweise der Reihenfolge ihrer Nummerierung eingestellt werden, und es können dies durchaus verschiedene Mitglieder machen.


    Es lässt sich nur mehr näherungsweise feststellen, wann die Quartette op 1, die Gelegenheitswerke sind, die aus dem Divertimento (=“Vergnügen“) entsprungen sind – komponiert waren. Hält man sich an Griesinger als Quelle, dann war Haydn bei ihrer Komposition etwa 18 Jahre alt (1750) – man neigt heut jedoch eher dazu, als Entstehungsjahre 1755 -61 anzunehmen .
    Die Nr 1 wird aber übereinstimmend als das älteste Werk angesehen.


    Haydn war damals von Baron Carl Joseph von Fürnberg aufgefordert worden Divertimenti für 4 Personen zu schreiben, die er von seinem Pfarrer, seinem Gutsverwalter, Albrechtsberger und Haydn aufgeführt haben wollte. Daraus entstand letztlich das, was sich später Streichquartette benennen sollte. Die ersten der Quartette sind noch fünfsätzig, wie das damals bei Divertimenti üblicherweise der Fall war. Der Werksammenfassung zu op. 1 stammt übrigens, so sagen es einige Quellen, von Haydns Schüler Pleyel.


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • HAYDN: Streichquartett op. 1 Nr. 1 (Hob- III:1)


    Liebe Taminos, liebe Kammermusikfreunde


    Äusserst wenige Kammermusikwerke werden im Forum vorgestellt, geschweige denn, daüber diskutiert. Zum einen weil das Interesse an dieser Spezies im Forum nicht allzu groß zu sein scheint, zum anderen, weil die Beschreibung schwierig ist, wenn man nicht über ausgeprägte musiktheoretische Kenntnisse verfügt, zum andern weil selbst dann –oder gerade dann – ein großer Musikfreundekreis nicht zu erreichen wäre.


    Durch meine bescheidenen Vorstellungsthreads im Bereich „Streichquartettformationen“ wurde ich jedoch notwendigerweise angeregt vergleichend Streichquartette zu hören – und plötzlich hörte ich Interpretationsunterschiede, die mir bisher entgangen waren – aber auch Werke die ich gelegentlich gehört – und wieder vergessen hatte gewannen (für mich) an Eigencharakter und Wiedererkennungswert.
    Somit möchte ich es wagen – und in aller Bescheidenheit – gelegentlich Streichquartette (vorerst nur solche von Joseph Haydn) vorzustellen. Subjektiv und ohne allzu hohe Ansprüche. Wenn es mir gelingen sollte einige Taminos – oder Mitleser für diese Werke zu interessieren – dann ist aus meiner Sicht schon viel erreicht..


    Die Auswahl fiel eher durch Zufall als durch System auf Haydns Streichquartett op 1 Nr 1 (Hob- III:1) – ich hatte es als Vergleichsobjekt für Interpretationen diverser Streichquartett-Formationen „missbraucht“ und dabei schätzen und lieben gelernt.


    Das Entstehungsjahr ist unbekannt – es wird jedoch allgemein um 1755 angenommen – im Gegensatz zur Überlieferung Griesingers, der 1750 behauptet. Sicher hingegen ist, dass Haydns erste Streichquartette ab 1762 in Druck gingen.


    Haydn selbst bezeichnete die Quartette anfangs als „Divertimenti a quattro“ und bezeichnete Jahre später die Erfindung der Spezies „Streichquartett“ als Zufall. Er bekam nämlich von Baron Fürstenberg den Auftrag, einige leichtere Musikstücke für den Baron, seinen Verwalter, seinen Pfarrer – und Haydn selbst – der auch eingeladen war mitzuspielen – zu schreiben. Anfangs als Gelegenheitsmusik „zum Vergnügen“ konzipiert, entstanden im Laufe der Jahre rund 80 Musikstück dieser Gattung, die heute als „Streichquartette“ bekannt sind und als einer dren Erfinder (neben Boccherini) Haydn gilt.


    Der erste Satz , mit Presto überschrieben, beginnt übermütig und überschäumend, was nicht unbedingt in jeder Interpretation zum Tragen kommt., aber drüber kann dann im Laufe des Threads noch geschrieben werden. Der Ton ist „volkstümlich“ im besten Sinne . dennoch auch höfisch galant und spielerisch.


    Auch der zweite Satz, ein Menuett ist äusserst eingängig und prägnant. Erwähnenswert, di Pizzicatti in der Mitte des Satzes des Satzes.


    Der dritte Satz Adagio,ist ein Musterbeispiel von dem was Haydn meint, wenn er verlangt die langsamen Sätze sollen instrumental „gesungen“ werden. Diese Forderung erfüllt er exemplarisch, man ist geneigt zu sagen hier wird überirdisch schöner Gesang (der HaydnZeit) geboten – man stelle sich hier Sologesang einer Haydn-Messe vor, beispielsweis ein Kyie…


    Das zweite Menuett ist rhytmischer und weniger lieblich angelegt als das erste, zu beginn fast ein wenig angriffslustig, eine Tendenz die fast ein wenig als Parodie empfunden wird, diese
    Angriffslust wird in der Mitte aufgehoben um gegen Ende fast wörtlich zitiert wiederzukehren.


    Das Glanzstück des Quartetts stellt für mich der mit Presto überschriebene Finalsatz dar, dessen Ohrwurmcharakter kaum zu überbieten sind.. Trotz des hohen Tempos bleibt der Satz durchsichtig und cantabel zugleich, mit einem hauch von Süsse.


    Haydn mag im Laufe seines Lebens raffiniertere Quartette geschrieben haben – für mich bleibt die Nr 1 eines der Schönsten.


    Nun hängt ja die Wirkung eines Werkes nicht unmaßgeblich von den Interpreten ab, die es darbieten. Man sollte meinen, solch ein im Grunde einfaches Werk würde immer gleich – oder zumindest ähnlich klingen. Weit gefehlt !!
    Gerade die in diesem Werk hörbaren Unterschiede durch drei verschiedene Ensembles haben mein Interesse daran geweckt.


    Meine oben niedergeschriebenen Eindrücke habe ich während des wiederholten Hörens eine „braven“ Einspielung gemacht (die auch ihre Meriten hat) – aber in der Komposition steckt viel mehr drin.


    Wer Haydns Streichquartette als „verzopft“ und „langweilig“, bzw „brav“ empfindet, der hat schlicht und einfach die (für ihn) falschen Aufnahmen gehört.




    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ich hatte im Frühjahr nach längerer Zeit wieder op.1 (und auch op.2) gehört und war beim Wiederhören sehr positiv überrascht, obwohl ich nicht die superlative Einspielung des Petersen-Quartetts (op.1), sondern "nur" die der GA des Angeles Quartets angehört habe. Ich wollte damals schon einen thread starten, bin dann aber nicht dazu gekommen.


    Klar, man kann die Werke in Umfang und Anspruch nicht mit denen ab op.9 vergleichen; die Sätze sind alle sehr kurz, der Ton weitgehend der gehobener Unterhaltungsmusik. Aber sie sind keineswegs langweilig, sondern oft witzig oder spritzig und brillant, teils schon mit den von Haydn später so geschätzten ungarischen Einsprengseln in Finalsätzen (deren Verve wird vom Petersen-Quartett auf die Spitze getrieben) und als besondere Perlen habe ich ebenfalls die langsamen Sätze empfunden.
    Wie Alfred oben sagte, handelt es sich hier im Charakter oft um "Arien ohne Worte". Mir sind allerdings besonders nicht das aus op.1,1, sondern der langsame Satz, mit dem eines der Werke beginnt (Nr.3?) und ein "Echo-Satz", der eine Art Duett zwischen beiden Geigen darstellt, im Gedächtnis geblieben. Ich kann das gerade leider nicht überprüfen, vielleicht werfe ich auch zwei zusammen. Alle langsamen Sätze sind jedenfalls von berückender Schönheit.


    Unabhängig davon, dass Haydn die Gattung später zu ganz anderen Höhen führte, sind das sehr hörenswerte Stücke. Wer zB Mozarts Divertimenti gerne hört, wird an ihnen sicher ebenfalls Gefallen finden.


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    (Bob Dylan)

  • Moin,


    die Aufnahme des Petersen-Quartetts:



    trifft wahrscheinlich perfekt die Stimmung dieser Stücke. Die Aufnahme sprüht förmlich vor Esprit, Spritzigkeit und Jugend. :thumbsup:


    Nur HIPLer würden viel zu "meckern" haben.


    Das Petersen-Quartett mit Op.1 macht mir aber viel mehr Spass als z.B. das Quatuor Festetics mit den "besseren" ?( Op.9 Quartetten.


    Von mir gibt es dafür eine uneingeschränkte Empfehlung.

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Ja, ja, die Mauerblümchen des Repertoires. Streichquartette von Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Dvorak, Bartok - klar. Kennt man. Haydn - na logisch, op. 76, die "Sieben Worte", und ... und ... und ... ähem.


    Achtundsechzig Streichquartette hat Joseph Haydn uns hinterlassen - bzw. konnten bisher aufgefunden werden. Bekannt sind die wenigsten. Selten genug, dass sich ein etabliertes Ensemble an Werke vor op. 76 wagte. Das Amadeus-Quartett war eine frühe Ausnahme. Das Hagen-Quartett hat eine Aufnahme von op. 20 vorgelegt. Und einige HIP-Ensembles haben sich verdient gemacht. Gesamtaufnahmen gibt es wohl drei: Die des Tatrai-Quartetts, die des Angeles-Quartetts und die des Kodaly-Quartetts.


    Es ist also verdienstvoll von Alfred, sich dieser vernachlässigten Musik anzunehmen. In der Tat sind auch die frühen Quartettdivertimenti aus op. 1 und op. 2 absolut hörenswert.


    Op. 1 Nr. 1 wurde manchmal "La Chasse" ( = die Jagd) genannt, wegen des einleitenden Prestos im 6/8-Takt mit seiner Akkordbrechungsmelodik. Ein echtes zweites Thema gibt es nicht, man könnte eher vor Vor- und Nachsatz sprechen, wenngleich die Exposition in die Dominante moduliert. Die Durchführung moduliert brav nach Moll. In der Reprise wird das Thema variiert, so dass es in die Subdominante moduliert. Durch diesen kleinen Trick endet die Reprise dann natürlich in bester Ordnung in der Tonika.


    Wenn ich richtig gehört habe, spielen Bratsche und Cello im ersten Menuett durchweg in Oktaven. Das ist häufig in Haydns Quartetten: Er reduziert durch Oktavkopplung die reale Stimmenzahl auf drei oder sogar nur zwei. Im Trio werden wir durch einen Dialog von Bratsche und Cello, die arco spielen, einerseits und den beiden Geigen, die pizzicato spielen andererseits überrascht.


    Der eigentliche Hauptsatz aller dieser Quartettdivertimenti ist das zentrale Adagio. In op. 1 Nr. 3 und op. 2 Nr. 6 wandert dieser vergleichsweise gewichtige langsame Satz sogar an die erste Stelle der Satzfolge. - In op. 1 Nr. 1 beginnt das Adagio mit einer Einleitung, die an den Stil alter Vokalpolyphonie erinnert. Dieser Einleitung folgt ein Cantabile, das den "Adagio religioso"-Kitsch späterer Zeit vorweg zu nehmen scheint - aber eben nur scheint: hier ist die Musik noch authentisch und unverbraucht. Die tiefen Streicher beschränken sich auf akkordische Begleitung in Achteln (Sechzehnteln?), die erste Violine singt darüber. Manche Passage mit Vorhaltsharmonik könnte auch 50 Jahre älter sein. Der Schluss des Satzes nimmt den Stil der Einleitung wieder auf.


    Das zweite Menuett ist durch Oktavkopplung von Cello/Bratsche sowie 1./2. Violine sogar nur real zweistimmig.


    Gefällig kommt das Finale daher, wieder in Sonatenhauptsatzform. Wie so oft bei Haydn, ist das zweite Thema einfach die Dominantversion des ersten Themas. - Die Durchführung ist minimalistisch: Über einem Orgelpunkt auf der Dominante wird das Thema mal in Tonika, mal in der Dominante gespielt.


    Handwerklich einwandfreie Musik mit viel Anmut und Charme. Hörenswert, liebenswert.


    Ich habe nur die Einspielung des Kodály-Quartetts und fühle mich dadurch gut informiert - ich könnte mir einiges auch lebendiger, frecher, anregender vorstellen.



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  • Lieber Wolfram.


    Als ich meinen Eröffnungsbeitrag fertig hatte, war ich sicher, daß ich mehr gesgt hatte als ich eigentlich wusste - und daß mein Beitrag zu diesem Thread getan war. Aber dann kam Dein Beitrag - und nun kann ich noch ein wenig ergänzend mitwirken.


    Wenn ich richtig gehört habe, spielen Bratsche und Cello im ersten Menuett durchweg in Oktaven. Das ist häufig in Haydns Quartetten: Er reduziert durch Oktavkopplung die reale Stimmenzahl auf drei oder sogar nur zwei.


    In der Tat hat das Haydn so komponiert - und prompt fielen die zeitgenössischen Kritiker über ihn her.


    Die Oktvkoppelung kam angeblich aus der Volksmusik und wurde daher besonders bekriitelt:


    "Zur Kurzweile sind sie gut; nur wird man dadurch leicht auf die Idee gebracht, als höre man Vater und Sohn singend in Oktaven betteln". und dieses ist ein schlechter Gegenstand zur musikalischen Nachahmung"


    Jahre später (1790 schrieb jedoch Ernst Ludwig Gerber zu diesem Thema:


    "Man gewöhnte sich aber bald, trotz allen Schreiens, an diese Manier, ja man ahmte sie endlich gar selbst nach.."
    Zitat:
    Ich habe nur die Einspielung des Kodály-Quartetts und fühle mich dadurch gut informiert - ich könnte mir einiges auch lebendiger, frecher, anregender vorstellen.



    In der Tat ist diese Aufnahme relativ "brav" . Ihr fehlt so ziemlich alles, was Haydn ausmacht: Witz, Humor und Temperament
    Das Schlimme ist nur das man es nicht bemerkt, so nicht andere Einspielungen zum Vergleich zur Verfügung stehen. Die Kritik beurteilte die Naxos Haydn -Streichquartett-Aufnahmen des Kodaly Quartetts im allgemeinen recht gut, sodaß ich eine ganze Reihe davon besitze. Als ich sie kaufte war ich noch kein wirklicher Liebhaber der Kammermusik. Ich wollte mich lediglich "informieren" - und das gelang ja auch. Zur Infomation sind die ungarischen Aufnahme ja bestens geeignet, für Hörvergnügen gibt es jedoch Spritzigeres...


    Aber davon ein andermal....


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Lieber Alfred,


    danke für die Ergänzung! - Na ja, so viele Möglichkeiten für eine spritzigere Einspielung gibt es bei diesem Repertoire nicht - ich tippe auf das Petersen-Quartett, es sei denn, ein HIP-Ensemble wäre tätig geworden. Allerdings werden auch die alten Einspielungen des Tatrai-Quartetts bei Hungaroton gelobt.

  • Die Tatrais haben anscheinend tatsächlich auch op.1 und 2 gemacht, ich kenne die aber nicht:





    Insofern gibt es anscheinend an echten Gesamtaufnahmen Aeolian, Tatrai, Kodaly, Angeles, Buchberger und Auryn.
    Das Festetics-Quartett hat seine Gesamtaufnahme wohl bewusst bei op.9 begonnen. HIP-Aufnahmen gibt es meines Wissens keine, mit Ausnahmen einiger Einzelwerke. So hat schon in den 1960ern Harnoncourt mit dem Concentus op.1,3 aufgenommen (allerdings mit den damals noch recht hörbaren Einschränkungen der an die alten Instrumente noch nicht so recht gewöhnten Musiker). Diese Aufnahme ist wohl auch nie auf CD herausgekommen. op.1/1 hat auch das Hagen Quartett auf einer inzwischen vergriffenen DG-CD (+ "Lerchen" und "Reiter") aufgenommen, ja schon das erste Quartett, das überhaupt in größerem Umfang Haydn eingespielt hat, das Pro Arte Quartett in den 1930er Jahren, hat op.1 Nr. 1 und Nr.6 aufgenommen.


    Wie oben gesagt, war ich von der klangschönen Darbietung des Angeles Quartetts (nur in Gesamtbox) ebenfalls recht angetan (während sie mir bei den späteren Werken teils etwas zu oberflächlich sind).


    Aber das Petersen Quartett ist hier jedenfalls absolut empfehlenswert (dazu recht preiswert), und es ist bedauerlich, dass sie nicht mehr Haydn aufgenommen haben. Allenfalls könnte man ihnen vorwerfen, die Werke angesichts deren Divertimentocharakter zu brillant und feurig zu geben. Ein hübscher Effekt ist, dass sie in dem Echo-Satz die 2. Vl. räumlich deutlich im Hintergrund aufgestellt haben.



    Eine andere Option wäre natürlich die ebenfalls separat erhältliche Aufnahme des Auryn. Mir selbst reichen bei diesen Werken jedoch Petersen und Angeles. Allenfalls eine HIP-Aufnahme, wenn es denn mal eine geben wird, würde ich evtl. noch ergänzen.

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  • Als ich mich nach einem Weihnachtsrätsel unseres Mitglieds Radagast intensiver mit der Kammermusik zu befassen begann, hätte ich nie gedacht, daß ich mal Interpretationen von Streichquartetten würde auseinanderhalten, geschweige denn beschreiben können, wenn auch nur in groben Zügen , denn anfangs klang in meinen Ohren alles ziemlich gleich. Vielleicht lag es aber auch nur an der Auswahl der Quartette.


    Nach dieser Vorrede möchte ich das Geheimnis lüften und ein paar mir bekannte Interpretationen des Opus 1 Nr. 1 von Haydn mit jener des Kodaly Quartetts vergleichen, in aller Kürze und nur tendenziell - aber wie ich hoffe, doch zutreffend.


    Beginnen wir beim Kodaly Quartett:




    Brav und "neutral" buchstabieren sie ihren Text, es fehlt jeglicher Mut zur Individualität, ähnlich wie man vor Karl Richter Bach spielte.
    Wie man das beurteilt, als "klassisch ausgewogen" oder "nobel langweilig" das wird wohl in der Betrachtung des Hörers liegen.
    Eine saubere akademische Schularbeit, mit Akkkuratesse gespielt aber ohne die Fähigkeit (mich) zu begeistern.



    Das Auryn Quartett spielt temperamentvoller, schlanker filigranter und mit mehr Attacke, zudem ist es, was eigentlich ein Paradoxon ist - klangschöner. Die Aufnahmetechnik von Tacet (der Chef Andreas Spreer macht das selber) setzt zudem das Quartett ins rechte Licht, luftig und klangschön...
    Nach meiner Meinung ist hier die Quadratur des Kreises gelungen.




    Interessant natürlich auch die Lesart des Buchberger-Quartetts, das Haydns Streichquartette für Brilliant Classics eingespielt hat (Keine Lizenzauflage -sondern Eigenproduktion)
    Die Buchbergers spielen bodenständiger, "erdiger" und "harziger" und deftiger", zupackender als die duftigeren Auryns - das ist jedoch kein Qualitätsurteil, sondern nur eine subjektive Beschreibung. Der Gesamteindruck ist auch hier hervorragend - nicht nur angesichts des Preises - die Tontechnik ausgeeichnet. Ich sehe keine Konkurrenz zu den Auryns sondern eine Alternative. Die Internettechnik machts möglich: Jeder Mitleser kann sich durch Klick auf das Coverbild mittels Mithörmöglichkein ein eigenes (Klang)bild machen und meine Beurteilung bestätigt finden - oder auch nicht....



    Die Aufnahme des Petersen Quartett steht mir (noch) nicht zur Verfügung - ich musste mich hier mit den jpc Tonschnippseln begnügen.
    Dennoch: Abgesehen vom langamen Satz schlagen sie hier alle Rekorde anGeschwindigkeit und spielen "auf Leben und Tod", manchmal ein klein wenig auf kosten der Tonschönheit und Süsse - aber stets mit Eigencharakter und überzeugend.....




    So, das wärs fürs erste, ich hoffe es hat Euch nicht allzusehr gelangweilt...


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

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  • Guten Tag,
    zur Ergänzung : Das Hagenquartett hat vor mehren Jahren op.1/1 (gekoppelt mit op.64/5 "Lerche" und op. 74/3 "Reiter") für die DGG aufgenommen.
    Aus der Vinyl-Ära gibt es die beachtlichen Einspielungen aller "Einser" mit dem Schneider Quartet (Alexander Schneider,Isidore Cohen,Karen Tuttle und Margret Foley) für die Haydn Society sowie vom Dekany-Quartett für Vox.
    Viele Grüße
    Santoliquido

    M.B.

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  • op. 1 Nr. 2 Es-Dur


    Das zweite Quartettdivertimento op. 1 Nr. 2 in Es-Dur hebt an mit einem Thema, das einer Übung über „Einfache Kadenzen in Dur“ aus dem Tonsatzunterricht (Niveau: 2. Vorbereitungsstunde zur Aufnahmeprüfung an der Hochschule) entnommen sein könnte. Anregend aber, was Haydn aus so einem einfachstmöglichen Thema mit einfachsten Mitteln macht – das ist die Kunst. Die Durchführung beginnt wieder (wie das Finale aus op. 1 Nr. 1) mit einem achttaktigen Orgelpunkt, dem sich sofort eine Scheinreprise anschließt! (Welch Vorgriff auf spätere Zeiten … auch Liszt hat das in seiner h-moll-Sonate für Klavier gemacht … ) Weitere Modulationen entlarven die Scheinreprise als solche. Die Reprise schenkt sich darum dann auch den Abschnitt des ersten Themas, der schon am falschen Orte zu hören war. Gefällige Musik im 3/8-Takt, am besten ist eventuell der Abschnitt der Durchführung nach der Scheinreprise.


    Das erste Menuett beginnt zweistimmig in den Violinen, bevor die tiefen Streicher einfallen. Ansonsten bleibt es eher in der Sphäre des Konventionellen.


    Das Adagio ist wieder ein Satz mit Melodie in der 1. Violine, die von den anderen Streichern begleitet wird. – Thematische Arbeit in Bratsche oder Cello ist noch weit entfernt. Zweiteilige Anlage, jeder Teil wird wiederholt. Kurze Pizzicati-Abschnitte aller vier Streicher am Ende jedes Teils lockern die allzu beschauliche Atmosphäre dankbar auf.


    Das zweite Menuett erfreut mit einem kontrapunktischen Kabinettstückchen kurz vor Ende des Menuetts, bei der Wiederaufnahme der Themas: Die erste Violine antwortet auf de zweite Violine eine Oktave höher – ein echter Kanon. Wer hätte das gedacht. Der erste Teil und der Schluss des zweiten Teils des Trios sind in Moll gehalten, was sofort wünschenswerte Abwechslung schafft.


    Das Finale (Presto) eröffnet wieder mit einem Thema, das sich aus Akkordzerlegungen der Tonika und des Dominatseptakkordes zusammensetzt. Offenbar handelt es sich um eine Sonatenhauptsatzform ohne zweites Thema, dafür mit einem (zum Thema) gegensätzlichen Nachsatz in Moll. Tremoli in den tiefen Streichern lassen aufhorchen.


    Unterm Strich finde ich in diesem Quartett mehr Originalität und Suche nach Abwechslung als im Quartett op. 1 Nr. 1, das doch sehr der platonischen Kardinaltugend der Sophrosyne, der Mäßigung, des Mittelmaßes ohne besondere Ausschläge nach oben oder unten, zu huldigen schien. Es gibt Philosophen, die erkannten, dass diese Tugend – bei allen Vorzügen – kontraproduktiv für Genialität ist.




    op. 1 Nr. 3 D-Dur


    Haydn, Josef: Streichquartett op.1 Nr. 3 D-Dur


    Entgegen der üblichen Anordnung in opp. 1 und 2 (Schnell – Menuett – Adagio – Menuett – Finale [Schnell]) stellt Haydn hier das Adagio an den Anfang und ein Scherzo an die dritte Stelle. Die Satzbezeichnungen lauten:


    I. Adagio
    II. Minuet
    III. Scherzo: Presto
    IV. Menuet
    V. Finale: Presto


    Ungewöhnlich ist auch, dass es der Komponist im einleitenden Adagio nicht bei einem Solo der 1. Violine über homophoner, akkordischer Begleitung der übrigen Streicher belässt, sondern die 1. und 2. Violine einen Dialog führen lässt; mal nacheinander, d. h. je einer der beiden Partner schweigt, mal zusammen in Terzen- und Sextenseligkeit, gelegentlich auch mit kontrapunktischen Ansätzen. Wunderschön entspannende, weil entspannte Musik. Genau das Richtige für den Tagesausklang.


    Das Trio des ersten Menuetts überrascht mit einem Kunststück, das wir in den Capricen für Violine Solo von Paganini wiederfinden: Die 1. Violine spielt zweistimmig, die untere Stimme pizzicato, die obere arco.


    Das Scherzo steht in 2/4 und erinnert mit seinen Akkordzerlegungen im Thema eher an die Finali von Nr. 1 und Nr. 2 aus op. 1. Hier ist auch mal etwas mehr Bewegung und fast so etwas wie thematische Arbeit im Violoncello zu hören. Keine Frage: Dieses Quartett war etwas Besonderes für Haydn. Es ereignen sich kontrapunktische Verwicklungen, bevor die Musik des Beginns wieder aufgenommen wird.


    Die bereits besprochenen Oktaven zwischen 1. und 2. Violine einerseits und Viola und Violoncello andererseits kommen auch im zweiten Menuett vor, welches durchweg real zweistimmig mit Oktavverdopplungen gehalten ist. Im Trio werden nur die 1. Violine und die Viola quasi als c. f. in oktavierten punktierten Halben skalenweise geführt, mitunter auch chromatisch, während Viola und Violoncello dialogisieren.


    Im Finale (3/8 – Takt) ist sehr kurz – keine zwei Minuten in meiner Einspielung und dreiteilig angelegt, der Mittelteil in Moll. Eröffnet wird mit Unisono-Klängen, wieder die üblichen Akkordzerlegungen. Ein beschwingter Ausklang.

  • Beinahe zufällig bin ich über die positive Rezension bei "http://www.musica-dei-donum.org/" auf folgende Aufnahme gestoßen (beide CDs enthalten dieselben Einspielungen, rechts ist eine Wiederveröffentlichungen; das ital. Label Symphonia ist meines Wissens nicht mehr existent, was bei jpc bzgl. 3 Violinen und Viola steht, ist Unsinn):



    Sie enthält op.1/3; op.2/1 A-Dur, sowie ein weiteres divertimento à 4, in D-Dur Hob. deest. Das mir bislang unbekannte "Piccolo Concerto Wien" spielt auf alten Instrumenten mit der Besonderheit, dass kein Cello, sondern das seinerzeit übliche Bassinstrument, eine Violone, verwendet wird.


    Die ist leiser als ein Kontrabass, aber "bassiger" als das Cello, was zu einer gegenüber dem üblichen Quartett veränderten Klang führt.
    Eine spritzig und abwechslungsreich musizierte klangschöne CD, die ich, besonders zum gegenwärtigen Preis, sehr empfehlen kann.


    Mal abgesehen davon scheinen das eh die einzigen HIP-Aufnahmen früher Quartett-Divertimenti von Haydn zu sein (es gibt allerdings schon ein op.1/3 auf einer alten Platte mit Harnoncourt &Co, jedoch nie auf CD und klanglich nicht sehr berauschend.)

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  • "Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden."

    Diese Äusserung Haydns beschreibt, was ich immer beim Hören seiner Musik empfinde. Ein eigenwilliger Kopf hat uns etwas Geistreiches zu sagen. Er hat das Streichquartett und die Sinfonie in einer Weise geformt und entwickelt, die ohne den Sinn für das Experiment nicht möglich gewesen wäre. Die Abgeschiedenheit in der Provinz auf dem Schloss seines Dienstherrn hat der Musik zu diesen unvergleichlichen Werken verholfen. Ich staune bei jedem Hören über die hohe Qualität dieser oft unterschätzten Werke. Wie Alfred Schmidt es umschreibt, welch ein Vergnügen.


  • NB: Die Quartett-Divertimenti opp. 1 + 2 entstanden sehr wahrscheinlich schon Ende der 1750er Jahre, einige Jahre vor Haydns Anstellung bei Eszterhazy.

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  • Ich bin heute, nach Erhalt der nebenstehenden Gesamtausgabe der Haydn-Quartette, hier in der Einspielung das Buchberger Quartetts, zum ersten Mal bewusst in den Haydenschen Quartett-Kosmos eingetaucht und habe mich entschlossen, chronologisch vorzugehen. Zunächst einmal möchte ich die Ausführenden nennen:
    Hubert Buchberger, 1. Violine,
    Julia Greve, 2. Violine,
    Joachim Etzel, Viola,
    Helmut Sohler, Violoncello,


    Aufnahmedatum: Nr. 1: 28. - 29. Oktober 2004, Nr. 2: 18. - 20. Mai 2007;
    Aufnahmeort: Evangelische Burgkirche Nieder-Rosbach, Deutschland;


    Da ich haydn-quartettmäßig noch ein blutiger Anfänger bin, habe ich zunächst einmal nur gehört, und, etwas geschult durch die Beschäftigung mit den Beethoven-Sonaten, festgestellt, dass ein systematischer Aufbau der einzelnen Sätze festzustellen war und dass, zumindest den ersten beiden Quartett-Divertimenti, ein formal und inhaltlich gleicher Aufbau zu Grunde liegt, der sich pyramidenförmig gestaltet.
    Der Mittelsatz, zugleich der längste, ein Adagio, wird von zwei kürzeren und schnelleren Menuetten eingerahmt, die wiederum von zwei schnellen und noch kürzeren Ecksätzen.
    So erhält die Musik für mich eine ganz eigene Dynamik.
    Das Buchberger-Quartett pflegt eine, wie mir sofort auffiel, vibratorme, aber gleichsam ungeheuer frische, dynamische Spielweise. Ich erfuhr nach dem Hören aus dem Booklet, Text von Prof. Hubert Buchberger, dass dies ganz im Sinne von Leopold Mozart sei:

    Zitat

    Leopold Mozart: ...es giebt schon solche Spieler, die bey ieder Note beständig zittern, als wenn sie das immerwährende Fieber hätten...


    Zitat

    Hubert Buchberger:...wollen wir das Vibrato als spezielles Ausdrucksmittel nutzen. Dies kann nur gelingen, wenn wir nicht dauernd vibrieren. Darüber hinaus haben wir usn vorgenommen, mit vibratoarmem Spiel besonders auch dissonante Klänge schmerzlich erfahrbar zu machen und ganz allgemein die Klarheit der harmonischen Prozesse zu unterstreichen.

    Da man (nicht nur) bei Haydn gewohnt ist, dass im Fortschreiten einer Werkreihe ja eine inhaltliche Steigerung folgt, werde ich mich noch auf viele weitere positive Erlebnisse mit den Streichquartetten freuen können.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

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  • Joseph Haydn: Quartett Divertimento op. 1 Nr. 3 D-dur HOB III:3
    Buchberger Quartett
    AD: 18.-20. 5. 2007, Nieder-Rosbach


    In diesem dritten Divertimento tauscht Haydn den Kopfsatz gegen das Adagio aus, womit hier die Pyramidenform hinfällig ist. Ansonsten sind die beiden schnellen Sätze wieder am kürzesten und die beiden Menuette liegen etwa in der Mitte.
    Im Adagio wird das Hauptthema zuerst von der 1., dann von der 2. Violine vorgetragen, während Viola und Cello eine schreitende Begleitung dazu spielen. Dann spielen die Geigen zur Begleitung von Viola und Cello eine Art Fugato. Anschließend werden die beiden tiefen Instrumente mit eigenen Melodienlinen in den fugenartigen Ablauf eingebunden. Auch eine Reprise folgt, die aber nicht wörtlich erfolgt. Wieder fällt auf, dass das Adagio, wie in den beiden ersten Divertimenti, relativ zügig gespielt wird. Auch hierzu äußert sich Hubert Buchberger:

    Zitat

    Hubert Buchberger: Die mit Adagio überschriebenen langsamen Sätze sind manchmal überraschend leichtgewichtig und graziös, sie haben jedenfalls mit dem großen „Adagio „des 19. Jahrhunderts nur wenig zu tun.


    Das erste Menuett mit einem ausgedehnten Trio sieht alle Instrumente am melodiösen Geschehen beteiligt.
    Das scherzoartige erste Presto macht einen vorwitzigen Eindruck, der Klang ist aufgerauht. Ein Seitenthema steigert den Spuk noch. Das klingt alles schon sehr kühn.
    Das zweite Menuett macht einen beinahe melancholischen Eindruck, wiederum in einer, wie ich aber nunmehr meine, etwas strenger schreitenden Form. Im Mittelteil erfolgt eine rhythmische und instrumentale Variation. Dann erfolgt die kurze Reprise.
    Das zweite Presto (Finale ist in seinem Hauptthema sehr schwungvoll und witzig. Dann driftet es im Mittelteil leicht ins Moll ab, bevor das Hauptthema wiederholt und zu einem kurzen Kehraus wird.
    Auch in diesem dritten, wenngleich zwei einhalb Jahre später aufgenommenen Divertimento kommt das Buchbergerquartett wieder zu einem schwungvollen harmonischen Vortrag, in dem man sich jedoch auch nicht scheut darzustellen, dass Haydns Streichquartette auch in jenem frühen Stadium schon wesentlich mehr waren als harmlose, harmonische Wohlklang-Tanzmusik


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Joseph Haydn: Quartett Divertimento op. 1 Nr. 4 G-dur HOB III:3
    Buchberger Quartett
    AD: 18.-20. 5. 2007, Nieder-Rosbach


    Das G-dur-Divertimento hat einen sehr melodiösen Beginn in einem schwungvollen Dreiertakt, ist zwar auch Presto betitelt, ich würde es aber nicht für so schnell halten. Interessant ist auch, dass in diesem Quartett die Spielzeiten viel enger beieinander liegen, obwohl hier auch wieder die Pyramidenform gegeben ist, aber es ist zumindest temproal eine sehr flache Paramide. Weiterhin interessant ist, dass die beiden Ecksätze in Presto praktisch gleich lang sind, ebenso wie die beiden nur wenige Sekunden kürzeren Menuette, und selbst das Adagio ist gerade mal eine halbe Minute länger als die Menuette. Im durchführungsartigen Mittelteil des Eingangsprestos verdunkelt sich die Stimmung kaum merklich. Das musikalische Geschehen wird jedoch m. E. merklich dichter. Danach folgt die wiederum kürzere Reprise.
    Das erste Menuett ist sehr stimmungsvoll und ebenfalls mit einem schönen Hauptthema ausgestattet. Auch hier verdunkelt sich im Trio die Stimmung etwas. Wieder folgt das Menuett nach ausgedehntem Trio.
    Das wiederum mittige Adagio ist dieses Mal noch etwas weniger langsam und demzufolge mit dem Zusatz „ma non tanto“ ausgestattet. Es ist wieder eine helle Melodie, die schön zum bisherigen Gesamteindruck passt., auch wenn im Mittelteil kleine Schatten auftauchen. Schon wischt aber die Reprise die Schatten fort.
    Auch das zweite Menuett erfreut mit schöner, tänzerischer Melodik. Auch hier im Trio die schon beinahe charakteristische Molleintrübung, die diesmal etwas intensiver und im Klang geschärfter ist, auch wenn hier noch keine Rede von „schmerzlich erfahrbaren dissonanten Klängen“ sein kann.
    Das Schlusspresto legt nochmals an Tempo zu. Es ist eine sehr rhythmische, springende Melodie., die vom Buchberger-Quartett sehr expressiv und mit sehr viel Drive gespielt wird, wie das ganze Stück.
    Das swingt richtig- nichts mit „Papa Haydn“- mitreißend- und endet ganz unspektakulär.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Joseph Haydn: Quartett Divertimento op. 1 Nr. 0 Es-dur HOB III:6
    Buchberger Quartett
    AD: 15.-17. 3. 2007, Nieder-Rosbach


    Zu der Nummerierung „op. 1 Nr. 0“ sagt Hubert Buchberger Folgendes:

    Zitat

    Dieser Gruppe von Quartett Divertimenti sind 10 Werke zuzuordnen. Das in der 1764 gedruckten zweiten Auflage der Ausgabe von Le Chevardière (Paris) erstmals enthaltene Divertimento op. 1 Nr. 5 ist kein Quartett Divertimento, sondern die Bearbeitung einer frühen Symphonie, dafür gehört aber das im Hobokenverzeichnis falsch eingeordnete Es-Dur-Quartett op. 1 Nr. 0 zweifellos in diesen Zusammenhang“.


    Dieses Quartett Divertimento besteht wieder aus der Pyramidenform mit diesmal deutlich kürzeren Ecksätzen, die ab er wie die fast doppelt so langen Menuette untereinander wieder nahezu gleich lang sind. Das Presto ist in der strahlenden Tonart Es-dur wieder sehr schwungvoll und wirklich schnell vorgetragen. Die kurze Exposition mit zwei Themen wird nahezu deckungsgleich wiederholt.
    Daran schließt sich der Durchführungsteil in unverändert heiterer Stimmung an. Es folgt wieder eine kurze, thematisch leicht variierte Reprise.
    Das erste der beiden ausgedehnten Menuette kommt relativ langsam daher, und das erste Thema entwickelt sich m. E. aus den Anfangstönen des Kopfsatzes. Temporal würde ich das Menuett bestenfalls als Andante einstufen. Nach mehrmals wiederholtem Thema folgt ein moll-eingetrübter Mittelteil (Trio). Dann folgt die kurze Reprise. Ein m. E. bewusst einfach gestalteter Satz (der vielleicht als Tanzsatz auch von ungeübteren Gruppen hätte getanzt werden können).
    Das nicht wesentlich langsamere Adagio ist sehr melodiös. Es hat einen leichter tänzelnden Rhythmus als das erste Menuett. Auch hier werden wie schon in den früheren Quartett
    Divertimenti Pizzicati (der Bratsche und des Cellos)verwendet, die die Melodie der Geigen girlandenförmig einrahmen, auch in der Reprise. Die 1. Violine spielt dabei eine sehr schöne, anheimelnde Melodie.
    Das zweite Menuett scheint mir etwas zügiger musiziert als das erste. Auch hier ist ein trioartiger Mittelteil integriert mit ganz leichten Moll-Anklängen, etwas langsamer als der Menuettteil. Es schließt sich die Reprise an.
    Auch das Schlusspresto zeigt echtes Presto-Tempo und ist m. E. recht kunstvoll gearbeitet. Es hat wie die voraufgehenden Sätze auch eine heitere Melodielinie und wiederum eine Art fröhliche Kehraus-Funktion mit einem etwas überraschenden, beinahe abruptem Schluss.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute nun das letzte Quartett Divertimento aus op. 1:



    Joseph Haydn: Quartett Divertimento op. 1 Nr. 6 C-dur HOB III:6
    Buchberger Quartett
    AD: 7. Dezember 2006,, Nieder-Rosbach


    Auch das C-dur Quartett-Divertimento zeigt im Kopfsatz ein sehr flottes Tempo und ein munteres, witziges Thema, das einmal wiederholt wird, und dann folgt ein ebenso schönes Variation , bevor das Hauptthema wiederholt wird, allerdings auch leicht variiert, auch dies wird noch einmal wiederholt.
    Das erste Menuett, das hier wesentlich kürzer ist als das zweite, aber doch doppelt so lang wie das Eingangspresto, ist bewegter als die Menuette im 5. Quartett und hat m. E. auch einen diffizileren Ablauf. Es hat jedoch ein schönes Hauptthema, das noch um einen Seitengedanken erweitert wird.
    Im Mitteilteil wird ein weiteres schönes Thema hörbar. Dann erfolgt die Reprise.
    Das nochmals ausgedehntere Adagio (6:13 min.) beginnt mit der gedämpften Solovioline, die pizzicato begleitet wird. Es ist eine anmutige, beinahe pastorale Melodie, die im Verlauf nach unten oktaviert wird, wobei durchgehend die Pizzicato-Begleitung gespielt wird. In dieser Schlichtheit liegt aber schon kompositorische Meisterschaft des Anfangsszwanzigers.
    Das zweite Menuett ist m.E. schlichter als das erste, im Dreiertakt gehalten und tanzbarer als das erste, etwa im gleichen Tempo. Im Mittelteil erfolgt mal wieder eine Moll-Eintrübung, die sich dann aber bald wieder in Dur wandelt, in etwas anderem melodischen Gewand, bevor die Moll-Eintrübung wiederholt wird, desgleichen die Abwandlung. Doch nun folgt noch eine Moll-Eintrübung. Alles in allem ist dieser Mitteilteil doch sehr kunstvoll aufgebaut und lässt nur Platz für eine ganz kurze Reprise.
    Im Schlusspresto „geht die Post ab“, wie es so schön heißt, das ist ein Schnurren und Surren, dass es eine Freude ist mit einer ganz kuren Abweichung nach moll, dann Wiederholung des Hauptthemas, auch des Moll-Nebengedankens, dann die Reprise, und schon ist der „Spuk“ vorbei.
    Wieder ein großartiger Vortrag des Buchberger-Quartetts.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Über 10 Jahre läuft dieser Thread nun. Die Beteiligung war zwar nicht berauschend, aber eigentlich für ein Kammermusikthema eher befriedigend.

    Dazu kommt noch, daß diese Quartette - Haydn selbst benannte sie "Divertimenti á quattro". Lange zeit - und eigentlich noch bis heute als weniger bedeutend als die späten Quartette gesehen werden. Ungeachtet dessen mag ich sie sehr gerne und höre sie mit Vergügen - was sich auch in dem von mir gewählten Threadtitel ausdrücken soll.

    Die Auswahl an Aufnahmen ist nicht allzu groß, da etliches bereits gestrichen wurde und manche Formationen die Opuszahlen erst ab Nr 9 berücksichtigen.

    So war also nicht mehr viel zu schreiben hier, ausser vielleicht der etwas bodenständige volkstümliche Stil, dem die Interpretation durch das Buchberger Quartett entgegenkommt.

    Und doch findet man immer wieder etwas, das man nicht nicht weiss: Die mutmaßliche Entstehungszeit wurde revidiert und zwar auf die Jahre 1762-1764. Auch war mir nicht bekannt, daß das Quartett Nr 5 dieser Serie ein Arrangement einer frühen Haydn Sinfonie fron fremder Hand ist, nämlich der sogenannten "Sinfonie A" von 1760/61 Hob: I:107 - Die hohe Hobokenverzeichnisnummer trügt hier. Das Werk trägt übrigens bei Huss die Nr 11, also H11......


    Das Goldmund Quartett hat übrigens Das Streichquartett Nr 1 aus op 1 hier eingespielt. Ich bin kein Freund von "Mischungen ", also Einzelquartetten mit verschiedenen Opuszahlen - aber die Auswahl ist bei op 1 nicht allzugroß....


    Hier noch ein Clip desselben Werkes , das übrigens gelegentlich auch als "Jagdquartett" bezeichnet wird -mit dem "Caspar da Salo Quartet-String Quartet"

    Nicht verwechslen mit Mozarts "Jagdquartett"



    mfg aus Wien

    Alfred







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    Alfred

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  • Wie das Leben so spielt. Ich hatte im Rahmen der Wiederbelebung der Haydn Streichquartett-Threads einige Aufnahmen als Ergänzung von in meiner Sammlung unvollendeten Zyklen auf die Bestelliste gesetzt - und dann habe ich DIESE entdecjt. Sofort habe ich alles andere (vorübergehend ) gestrichen und habe mir diese Box zugelegt. Da merkt man, da mal alt wird, in meiner Jugend hätte ich ob der MONO-Schellack Tonqualität nur die Nase gerümpft. (und das wäre ei Fehler gewesen)

    Wir finden hier 29 Streichquartette (darunter einige Divertiment und falsche Zuschreibungen)in einer 7 CD Box - restauriert mit neuester 24 Bit-Technik.

    Es spielt das legendäre belgische (1912 gegründete) Pro Arte Quartett in der Besetzung vor

    Die geplante Gesamtaufnahme wurde durch den 2. Weltkrieg verhindert. Von den Quartett op 1 sind lediglich Nr 1 und Nr 6 aufgezeichnet worden und zwar 1931 durch die EMI mit dem legendären Fred Gaisberg als Produzenten.

    Es spielten hier noch 3 Mitglieder der Originalbesetzung, das Cello wurde wärend des ERSTEN Weltkriegs 2 mal umbesetzt..

    Das Quartett wurde auch durch die Interpretation zeitgenössischer Werke berühmt und zahlreiche Komponisten vertrauten ihnen ihre Werke an.


    Kommen wir zurück zu DIESER Aufnahme. Ein Kritiker schrieb einst in Zusammenhang mit einem Konzert zeitgenössischer Musik: "Das belgische Quartett wirkte Wunder."(genau findet man es im Booklet) Und Strawinsky - nach Wiedergabe eines seiner Werke: "Ich habe nichts zu sagen- Es war perfekt...."


    Genau das habe ich nach Abhören des Quartetts op 1 Nr 1 "La Chasse" empfunden - und das trotz "historischer" Tontechnik

    Ich empfand sie übrigens recht natürlich, mit kaum Hall, was in diesem Fall den Vorteil hatte, daß sich nicht der Hall der Aufnahme mit dem meine Abhörraumes vermischt hat. Die Violina war sehr präsent mit einer leichten Tendenz in Richtung "spitz" was aber auf mich recht natürlich wirkte und durch den ansonst sehr warmen, naturnahen Klang abgefedert wurde. Der generelle Eindruck ist eher forsch und sprirtzig als "edel und betulich" - vermutlich eine Prägung durch das oftmalisge Spielen von (damals) zeitgenössischer Musik - alles in allem IMO "moderner" als manch andere Aufnahmen, ich nenne hier stellvertretend die schönen aber "braven" Aufnahmen mit dem Kodaly Quartett....


    Der momentane Preis der 7 CD Box liegt bei 19,99 Euro




    mfg aus Wien

    Alfred


    clck 4300

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