Verdis Macbeth

  • Hallo


    In den nächsten Tagen werde ich erstmals Verdis Macbeth in der Oper hören.


    Da ich naturgemäß am nächsten Tag dann eine Einspielung kaufen will, kann ich Euch ja auch jetzt schon mal fragen, was Ihr für Aufnahmen auf CD oder DVD für empfehlenswert haltet.


    Gilt auch hier wiedermal: Callas ist Trumpf oder greift man besser zur Aufnahme aus der prestigeträchtigen "fast-immer-sehr-gut"-Originals-Reihe der DG?


    herzliche Grüsse, Markus


    Ach so, es wäre natürlich auch erwünscht, wenn Ihr Euer Verhältnis zu dieser Oper darstellen wollt und ihre Besonderheiten, wir wollen dann ja schliesslich doch keine reine CD-Beratungsstelle sein... :rolleyes:

  • Da kopiere ich glatt meinen Beitrag aus "Verdis vergessene Juwelen" und sammle Bonus-Punkte.


    Diese 6 CD-Aufnahmen habe ich.


    2 Böhm/Wr. Philharmoniker/Höngen/Ahlersmeyer 1943 Preiser
    Sabata/Orchester Mailänder Scala/Callas/Mascherini 1953 EMI
    3 Leinsdorf/Orchester der MET/Rysanek/Warren 1959 RCA/BMG
    Böhm/Wr. Philharmoniker/Ludwig/Milnes 1970
    Abbado/Orchester der Mailänder Scala/Verret/Cappuccilli DGG
    1 Sinopoli/Berliner Philharmoniker/Zampieri/Bruson Philips


    Kurze Begründung:
    Sinopoli-Aufnahme: elektrisierend, krankhaft, herrliche Lady
    Böhm-Aufnahme: wunderbare Lady, zerrissener Macbeth, herrliches Orchester (deutsch gesungen - sehr pathetisch = für mich Nachteil)
    Leinsdorf: Lady und Macbeth


    Die anderen Aufnahmen gefallen mir natürlich auch
    Auf das Risiko hin, von den Callas-Freunden getögelt zu werden, bin ich von dieser Aufnahme etwas enttäuscht (vielleicht ist es nur die nicht besondere Tonqualität, vielleicht waren es die Erwartungen, vielleicht ist es der nicht adäquate Macbeth).


    Wie immer kann ich mich schwer entscheiden und rede drum herum.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo Markus,


    heisst das, du hast sie einfach noch nie gesehen, oder du kennst sie überhaupt nicht? Auf jeden Fall ist der Macbeth Verdis erster ganz großer Wurf, und eine seiner besten Opern. Ein unverzichtbares Werk, dass sehr gut auf Platten repräsentiert ist.


    Aus den Siebzigern gibt es die Einspielungen von Abbado und Muti und aus den Sechzigern jene von Leinsdorf. Sie sind alle drei großartig, du kannst dich bei der Erstauswahl auch von persönlichen Präferenzen bezüglich der Sänger leiten lassen. Wenn du bei diesem Werk Feuer fängst, kommst du früher oder später an der Callas-Aufnahme nicht vorbei (es sei denn, du begnügst dich mit Arien). Der Scala-Live-Mitschnitt ist jedoch klanglich zu schlecht, um damit zu beginnen.


    Weiters gibt es zwei gelungene Videos dieser Oper (eine Verfilmung und ein Live-Mitschnitt aus Berlin).

  • Zitat

    Original von Theophilus


    heisst das, du hast sie einfach noch nie gesehen, oder du kennst sie überhaupt nicht?


    Ich kenn sie bis auf einen Ausschnitt mit Callas noch überhaupt nicht.


    Wenn sie mir sehr gefällt, werde ich langfristig eh wieder drei bis fünf Aufnahmen kaufen, also fang ich mal mit einer preiswerten mit einigermassen guter Tonqualität an. (Muti, Abbado, was der Saturn halt so da hat.)


    Gruß, Markus

  • Lieber Rienzi ,
    liebe Macbeth-Freunde ,
    ich wiederhole mich gern e :
    Die Callas-Aufnahme lebt von ihrer Lady Macbeth . Alles andere ist bis auf den grossen Dirigenten leider nicht so gut . Aber Callas' Intensität dieser Rolle ist schon mehr als nur beeindruckend ;
    die Abbado-Aufnahme hat mit Caappuccilli , Domingo , S. verrett das beste Sängerensemble überhaupt .
    Leider kenne ich die Aufnahme mit Rysanek u d L. Warren nicht .
    Viele Grüsse
    Frank

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    die Abbado-Aufnahme hat mit Caappuccilli , Domingo , S. verrett das beste Sängerensemble überhaupt .
    Leider kenne ich die Aufnahme mit Rysanek u d L. Warren nicht .
    Viele Grüsse
    Frank


    Das ist wohl der Grund für deine obige Aussage ;) .


    Im ernst: Das Solistenquartett (ich nehme Ghiaurov als Banquo mal mit hinzu) der Abbado-Aufnahme ist außergewöhnlich, aber Leinsdorf schlägt es dennoch knapp.



    Kurze Begründung: Warren singt, je nachdem, was gebraucht wird, zurückhaltender, klangschöner, dämonischer, insgesamt flexibler als Capuccili. Außerdem mag ich sein Timbre lieber.


    Leonie Rysanek singt wieder einmal buchstäblich "um ihr Leben", insbesondere in der Wahnsinns-Sterbeszene "Una macchia è qui tuttora". Sie beherrscht die stimmlichen Anforderungen problemlos, was ich allerdings auch Shirley Verret zugestehe.


    Bergonzi ist kultivierter als Domingo, und die beiden Bässe Jerome Hines und Nicolai Ghiaurov singen beide einen mächtigen Banquo.


    Fazit: Ganz leichte Vorteile für Leinsdorf.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Sagitt meint:


    Mcbeth, das ist was fürs Auge. An anderer Stelle gab es schon einmal einen kleinen Disput über den sehr eindrucksvollen Filme von Claude D`Anna. Dazu singen Nucci und Verrett. Aber sie singen nicht nur, sie schauspielern auch höchst eindrucksoll. Ich habe diese Aufnahme noch als LD- laserdisc-längst überholte Technik,langsam gehen auch die Player kaputt-. Mir ist auch noch im Auge eine Inscenierung aus Zürich. Eher " modern". Den einzigen Sänger, den ich erinnere, weil ich mich seinerzeit verwunderte, was Thomas Hampson als Mcbeth und ich glaube, er macht seine Sache erstaunlich gut. Aber vielleicht wissen andere Kundige darüber mehr. War der Dirigent Welser Möst ?

  • Mir persönlich gefällt die DVD-Aufnahme aus dem Züricher-Opernhaus mit Welser-Möst, Hampson, Marrocu, Scandiuzzi, Lima etc. sehr gut. Sowohl musikalisch, als auch von der Inszenierung ( zwar relativ modern, aber unheimlich ergreifend mMn ) her.



    kleiner Zusatz: Ein Stück das ich allen ans Herz legen möchte, ist die MacBeth-Vertonung von Ernest Bloch. Es gibt leider nicht viele Aufnahmen davon, aber eine sollte sich unbedingt in der Sammlung befinden, finde diese Vertonung fast besser als jene von Verdi.

  • Lieber Norbert ,
    die Leinsdorf -Aufnahme kenne ich nur "aus der guten alten RCA-Zeit" von der LP-Sammling von Freunden , die glühende Verherer L. Rysaneks seit ihrem Studium in Wien geblieben sind .
    Offen gesagt : Ich werde mir diese Aufnahme kaufen , wenn die Übertragung auf CD wirklich gut ist .
    Bei den CD-Boxen ist es ja inzwischen fast unmöglich die "zugeschweissten" Aufnahmen anhören zu können bevor man sie kauft - oder eben nicht kauft . Das ist ärgerlich .
    Norbert , ist die Technik gut ?
    Viele Grüsse
    Frank

  • Hallo Frank,


    die Aufnahme stammt vom Februar 1959.


    Dem entsprechend sind natürlich leichte Abstriche zu machen. Es treten hier und dort leichte Verzerrungen in lauten Passagen auf, aber die Aufnahme ist nicht verrauscht, der Stereoeffekt ist deutlich vernehmbar und weder sind Stimmen noch Orchester sonderlich im Vorder- oder Hintergrund.


    Gemessen an dem Alter würde ich die Klangtechnik als "sehr akzeptabel" bezeichnen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Die künstlerische Bedeutung wurde schon gepriesen
    Der Preis ist very "mid-price" und wird keinen Tamino ins Armenhaus treiben.
    Die Tontechnik ist hervorragend. Daß die Aufnahme aus 1959 nicht DDD ist, ist klar.


    Zugreifen, wer diese Aufnahme noch nicht hat.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Rienzi
    Böhm-Aufnahme: wunderbare Lady, zerrissener Macbeth, herrliches Orchester (deutsch gesungen - sehr pathetisch = für mich Nachteil)


    Das bezieht sich auf die 1943er Aufnahme, oder geh' ich da fehl in der Annahme?



    Deutsch ist - finde ich - nicht unbedingt ein Nachteil, die Oper klingt dadurch ganz anders als auf Italienisch.

  • Lieber Norbert ,
    besten Dank für deine Mühen .
    Also werde ich mir die CDs kaufen , sie aufmerksam hören und dann wieder berichten .
    Ich hadn "Macbeth" von Shakepeare neben der etwa trivialen Kurzgeschichte "The last leaf" das einzig Anregende in vielen Jahren Englischunterricht . Lag eindeutig am Lehrer Gerhard M. .
    Beste Grüsse
    Frank

  • Hallo!


    Durch häufigeres Hören in letzter Zeit habe ich diese Oper einigermaßen lieb gewonnen.
    Nachdem ich sie vor ein paar Monaten in der Oper das erste mal gehört hatte, kaufte ich mir diese Billigst-Aufnahme (mit Othello dazu):

    Als jemand, der selten Opern hört, gebe ich nicht gerne viel Geld dafür aus. Jedoch überlege ich mir, vielleicht doch zu Macbeth eine Aufnahme mit besserer Tonqualität anzuschaffen. Wie siehts in diesem Punkt mit der Aufnahme von Cantus Classics aus?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    ich kenne die Cantus-Aufnahme nicht, aber ich möchte dir dir Riccardo Muti-Aufnahme von EMI ans Herz legen. Diese habe ich vor kurzem bei amazon für zehn Euro erworben und ist für mich eine von der Besetzung, der Interpretation und der Klangqualität her eine der stärksten Aufnahmen des Werkes auf dem Markt.


    Gruß, flo

  • Wie würdet ihr die drei scheinbaren Referenz-Aufnahmen ordnen?





    Neben den Sängerleistungen interessieren mich auch v.a. Orchester und Chor.


    P.S.: Es handelt sich bei allen um Studio-Aufnahmen, oder?

  • Wenn ich wählen müsste:


    Leinsdorf/ die Besetzung spricht für sich
    de Sabata/ Callas hervorragend, Mascherini ist kein Warren, aber ich finde, er kann sich hören lassen.
    Sinopoli/ Zampieri singt sehr ausdrucksstark, hat einige, der Partie angemessene Schärfen, Bruson ist Belcanto pur.


    :hello:Heldenbariton

  • Ich finde die Aufnahme unter Sinopoli super
    Bruson und Zampieri sind hervorragend!
    Ich habe dise Besetzung hier life mehrmals gesehen(ich weiss garnicht mal wie oft)
    und Sinopoli hatte damals hir seinen Riesenerfolg.


    Ach waswaren das für Zeiten!!!!



    Rita


  • Ich würde von der Sinopoli-Aufnahme abraten. Ich glaube nicht, dass sie musikalisch das Niveau der besten Aufnahmen erreicht. Wenn schon Sinopoli, dann gleich das Video, denn die Aufzeichnung insgesamt ist wirklich sehens- und hörenswert.

  • Ob Muti, Leinsdorf oder Abbado, Böhm...etc.


    Dieses ist Geschmackssache. Der Unparteiische Giuseppe Verdi mit den beiden Schiedsrichterassistenten werden uns die Frage authentisch beantworten können, wenn wir sie im Himmel oder sonstwo begegnen.
    Vorausgesetzt, sie reden mit uns.


    Ich plädiere für den Giuseppe Sinopoli.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")