Brendel hat mich sicherlich mehr geprägt als viele andere, ebenso berühmte - oder gar berühmtere - Pianisten.
Einer seiner Fernsehaufnahmen verdanke ich eine echte Liszt-Erweckung. Untermauert wurde dies von seinen klugen Gedanken zu Liszt in "Nachdenken über Musik".
Natürlich: Schubert.
Es bleibt sehr viel von ihm.
Dem kann ich mich nur in großer Dankbarkeit anschließen.
Für mich gab es im Leben eigentlich keinen prägenderen Pianisten – keinen, den ich als so vorbildhaft empfand.
Ähnlich wie dem Leiermann erging es auch mir: Eine Fernsehsendung über Liszts Années de pèlerinage. Deuxième année: Italie wurde für mich zur echten Liszt-Erweckung.
Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.
Auch zu Schubert kam ich als Jugendlicher durch ihn – sowohl durch seine Solointerpretationen als auch durch die Liedaufnahmen mit Dietrich Fischer-Dieskau.
Und dann gibt es da diese eine kostbare Bach-Aufnahme, die für mich bis heute die Lieblings-CD ist, wenn es um Bach auf dem modernen Flügel geht.
Ich hatte das große Glück, ihn einmal live in Oslo zu erleben – in der ersten Reihe, direkt auf Höhe des Flügels. Das werde ich nie vergessen.
Brendel verband reife, tiefgehende Reflexion über Musik mit hochsensibler Musikalität, großem Gestaltungswillen und einer Klaviertechnik, die nie zur Schau gestellt wurde, sondern sich ganz in den Dienst der Musik stellte.
Ja, es ist merkwürdig: Auch ich habe erst vor kurzem dieses wunderbare Video gesehen, in dem er Klavierunterricht in seinem Zuhause gibt.
Ich bin jetzt tatsächlich betroffen.
Ruhen Sie in Frieden, Maestro Brendel.
Glockenton
