Oper - Original oder Übersetzung

  • Zitat

    Original von Ulli
    Bei Kraus hingegen empfinde ich es als bodenlose Frechheit und Respektlosigkeit... aber das versteht sowieo niemand...


    Wie meinst Du das?
    Bin ich, oder sind wir frech und fehlt es uns an Respektlosigkeit?
    Oder meinst Du derjenige, der das Libretto übersetzte? Oder der Manager, der fand, daß es übersetzt sollte worden?


    LG, Paul

  • Nein, Sorry,


    fühle Dich nicht angegriffen:


    Kraus ist 1778 aus "Teutschland" nach Schweden ausgewandert. Er schrieb an seine Eltern:


    ... - meinem Vaterland bin ich keinen Dank schuldig. Patriotismus ist Thorheit, und lange hat der lezte funke verglüt. An fremden Ufern soll das Glük mich erwarten. Tref ichs da nicht an : was thuts?


    [Brief an die Eltern, 20. Juni 1777]


    Wenn man nun Kraus wegen seiner Herkunft als "Odenwälder" oder "Badischen" Moazrt bezeichnet und auch noch die Libretti ins Deutsche übersetzt [er beherrschte die Schwedische Sprache innerhalb eines halben Jahres!], kriege ich das kalte :kotz:


    Ich empfinde das als frech und respektlos Kraus gegenüber...


    Nix für ungut.


    :hello:


    Ulli [der auch ausgewandert ist - ]

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Hallo


    Als ich erstmals Opern auf Schllplatte hörte, gab es zwar schon Aufnahmen in der Originalsprache - aber sie waren noch nicht in der Überzahl.


    Es war ganz altäglich, daß "Cosi fan tutte"," Don Giovanni" (Don Juan) bzw "Die Hochzeit des Figaro" auch in deutsch gesungen wurden. Niemand fand was dabei.


    Erst gegen Ende der sechziger Jahre waren deutsche Übersetzungen italienischer Opern verpönt.
    Somit kenne ich von etwa einem dutzend italienischer Opern den deutschen Text...


    Ich plädiere dafür - heutige Tonträgeraufnahmen in der Originalsprache zu machen - bei Live-Aufführungen - vorzugsweise an Kleineren Opernhäusern - sollte man jedoch an das junge Publikum denken und
    Deutschsprachige Inszenierungen anbieten......


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Dann wollen wir einmal Klartext reden, womit die Singerei in der Originalsprache wirklich zu tun hat: Sie ist ein Geschäft.
    Großes Staunen?
    Nicht notwendig! Bis etwa in die 60er Jahre hatten die Opernhäuser Ensembles. Dann kam das Startheater auf. Dank der sich immer stärker positionierenden Schallplatte wollte man halt dem Wiener Publikum auch den Star der Mailänder Scala, den man auf Schallplatten in seinen Glanzrollen bewundern konnte, vorsetzen und umgekehrt.
    Für Agenturen und Opernhäuser wurde das zur Haupteinnahmequelle - die Ensembles gibt es nur noch in der "Provinz" (wo charakteristischer Weise sehr oft auch das spannendere Musiktheater stattfindet), die großen Häuser aber wurden international - und da eine dreisprachige "Carmen" lächerlich wirkt, singt man "Carmen" an den großen Häusern weltweit halt in Französisch. Und nimmt dabei in Kauf, dass im französischen Dialog der Tenor mit spanischem Akzent spricht, der Sopran mit tschechischem und der Bariton mit amerikanischem.
    Und dann gibt es Leute, die behaupten, das sei es, was der Komponist gewollt habe.
    Muss das ein eigenartiger Komponist gewesen sein...


    Ein bisserl grantig werde ich, wenn man mit Argumenten kommt, man dürfe wegen der sprachimmanenten Strukturen nicht übersetzen. Dieses Argument gilt selbstverständlich im selben Umfang für Lyrik. Also müssen die Franzosen Deutsch lernen, um Rilke zu lesen, die Deutschsprachigen müssen italienisch lernen wegen Dante, und wer nicht Russisch kann, muss es wegen Puschkin lernen.
    Selbstverständlich müssen Versdramen (ich behaupte, dass deren Dichter wesentlich mehr mit der Sprachstruktur arbeiteten als ein durchschnittlicher Librettist) in der Originalsprache aufgeführt werden, Shakespeare also weltweit in Englisch, Racine weltweit in Französisch etc.


    Natürlich gibt es Vorteile, wenn in Originalsprache gesungen wird - vor allem dann, wenn der Komponist wirklich extrem nahe am Sprechtonfall komponiert hat, also etwa Berg, Britten, Debussy, Janácek, Mussorgskij. Dennoch glaube ich, dass selbst in diesen Fällen die Nachteile größer sind als die Vorteile (jemand, der beispielsweise nicht tschechisch kann, hat nichts davon, wenn er merkt, wie nahe Janácek am Sprechtonfall komponiert).


    Da allerdings die Zeit nicht rückdrehbar ist und wir uns, was Oper betrifft, in einer völlig internationalisierten Welt bewegen, müssen wir das beste aus dem Singen in Originalsprache machen - und erklären, dass es richtiger ist zu singen "E lucevan le stelle" als "Und es blitzten die Sterne".

    ...

  • Also ich möchte die Cosi oder den Figaro oder den Don Giovanni in keiner anderen Sprache, als der Originalsprache hören. Das klingt doch wundervoll! Alles andere würde gestellt und fremd klingen und möglicherweise auch überhaupt nicht mit der Musik zusammenpassen.


    Nie und nimmer würde ich mir eine Eindeutschung zulegen.

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • Hallo Edwin,


    Du hast Dir doch die Begründung schon selbst gegeben, genauso sehe ich das, einen Racine kann man nicht übersetzen, das einzige was brauchbar ist, das ist die Phädra - ABER in einer deutschen Bearbeitung von Schiller, denn so wie Racine seine Verse schrieb sind Übersetzungen ins Deutsche nicht möglich um die gleiche Kraft und Aussage zu haben.
    Ich denke die jeweilige Sprache zu lernen ist der einzige Weg um diese Kunstwerke wirklich in ihrer Gänze begreifen zu können.


    Molière mag vielleicht noch gehen, aber leider sind die Übersetzungen größtenteils auch noch schlecht. Und deshalb bleibe ich auch weiterhin dabei, es gibt kein schlüssiges Argument die Sprache abzuändern, dadurch verliert das Werk immer.



    :hello:

  • Salut,


    soeben las [laß? lass?] ich in Carl Ditters von Dittersdorf Autobiographie [seinem Sohne in die Feder diktiert]:


    [...] Da sein Namenstag mit den letzten Adventstagen zusammentraf, an welchen profane Stücke, Opern und Komödien aufzuführen vom Hofe verboten war, so wählte ich das überaus schöne Oratorium von Metastasio: "Isacco figura del Redentore"; da aber Pichel nicht ITalienisch genug verstand, so übernahm der Bischof selber die Übersetzung ins Lateinische. Die Rezitative behandelte er, nach meinem Rate, frei, die Arien aber strenge metrisch. Sobald er einen Auftritt fertig hatte, ließ er mich rufen, las ihn mir vor, feilte, besserte, änderte je nachdem es nötig war, bis er endlich nach vier Wochen das Werk so schön vollendet hatte, daß selbst der Originaldichter eingestanden haben würde, die Übersetzung habe dem Grundtexte vollkommen entsprochen. [...]


    Ein Unterschied ist dennoch zu vermelden; klein, aber fein: Dittersdorf hat die Übersetzung vertont.


    :P


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Ich bin für das Original (bei Aufnahmen bitte sowohl Originaltext als auch Übersetzung im Booklet - meistens ist übrigens die englische Übersetzung in den Booklets besser als die deutsche).


    Ich plädiere übrigens auch dafür, sämtliche Romane, Gedichte etc., die in anderen Sprachen abgefasst sind, in zweisprachigen Ausgaben Original/Deutsch zu publizieren.

  • Das wird sich kein Verlag leisten können. Alle Werke zweisprachig zu publizieren ist teuer. Bei einem Booklet ist die Kostenfrage auch schon ein Faktor, aber da ist mehrsprachig meistens noch im Rahmen des Budges. Bei Büchern sieht das anders aus.
    Wenn man das Original lesen möchte, kann man es sich ja kaufen. Hier würde ich doch eine Zesur setzen. Bei der Musik ist das etwas anderes, da man durchaus auch italienische oper sehr gut hören und genießen kann, ohne die Sprache zu verstehen und ohne das Libretto zu genießen.

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • Zitat

    Original von Ulli
    "Laci darem la mano" --> "Reich' mir die Hand, mein Leben"


    Mano heißt "Hand", nicht "Leben". Der italienische Text beginnt mit "Reich" und endet mit "Hand": Das ist eine Versinnbildlichung des ausgestreckten Armes [mit Anfang und Ende], das geht im Deutschen völlig verloren. Im Italienischen wird der Vorgang bzw. die Absicht und der Wunsch herausgestellt,
    :hello:


    Die Frage kommt etwas spät, aber trotzdem:


    Der italienische Text lautet korrekt: "Là ci darem la mano"
    Das heißt wörtlich übersetzt: "Dort uns wir werden geben die Hand"
    Was meinst du jetzt mit "Versinnbildlichung des ausgestreckten Armes"???
    Das "Reich" (bzw. "geben") steht im italienischen Text jedenfalls in der Mitte, nicht am Anfang.


    Davon abgesehen, gefällt mir der italienische Text hier auch bessser. Weiteres siehe im Folgebeitrag.



    Thomas Deck

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  • Weil's gerade zum Thema passt:


    In den letzten Wochen sah ich Don Giovanni auf deutsch und Figaro auf italienisch. Ich bevorzuge zwar immer noch die Originalsprache mit deutschen Übertiteln, habe nun aber festgestellt, dass auch eine deutsche Fassung Vorteile hat und dass bei Aufführungen (egal in welcher Sprache) einige Dinge ohnehin wichtiger sind.



    Don Giovanni, deutsche Fassung, in Hamm (Landestheater Detmold):


    Die deutschen Rezitative klangen nach kurzer Eingewöhnungsphase nicht mehr störend. Sie hatten den Vorteil, dass man wesentlich mehr verstand als bei der italienischen Fassung. Bei den Gesangsstücken sah ich diesen Vorteil nicht mehr: Erstens versteht man da auch im Deutschen nicht viel, zweitens kennt man beim Gesang tendenziell mehr vom Inhalt (wenn auch bei weitem nicht genügend viel), drittens wird beim Gesang tendenziell die Handlung nicht so vorangetrieben wie bei den Rezitativen. Echte Probleme sah ich bei den Stellen, in denen sehr schnell gesungen wird (Champagner-Arie, Leporello hat auch so eine Stelle), da waren die Sänger echt überfordert. Das liegt wahrscheinlich an der Sprache, zumal diese Probleme bei der Aufführung in Gelsenkirchen (s.u.) nicht auftraten, und da waren die Sänger keineswegs besser. Das Finale des letzten Aktes fand ich bei den Detmoldern in Hamm sehr gelungen, trotz der "falschen" Sprache und trotz einigen Kleinigkeiten, die mich vorher gestört hatten.



    Le nozze di Figaro, Originalfassung, MIR Gelsenkirchen:


    Erst mal zu den Mängeln: Im ersten Akt hatte ich - vermeintlich - den perfekten Platz seitlich im Balkon, weit vorne, mit direktem Blick ins Orchester. Die Musik konnte ich so richtig genießen, man sah jedes einzelne Instrument, war übrigens auch gut gespielt (Neue Philharmonie Westfalen, mit weiblichem Dirigent, Cosima Sophia Osthoff). Leider wurden die Sänger oft vom Orchester überdeckt. Also nahm ich nach der Pause einen Platz im Parkett, ich erwischte so ziemlich den besten, den es gab. Das Orchester sah ich dann nicht mehr, aber der Gesang kam etwas besser durch. Leider nur "etwas", weil manche Sänger stimmlich zu schwach waren und/oder zu weit hinten auf der Bühne agierten. Wahrscheinlich muss man da noch an der Akustik feilen, so krass ist mir das nämlich noch nie aufgefallen. Die Übertitel waren hilfreich, wenngleich man sich eine Halsstarre holte, wenn man zu oft mitlas. Es wäre zu überlegen, eine tiefer gelegene Projektionsfläche zu suchen. Manche Sänger artikulierten nicht gut. Susanna (Selma Harkink) war klasse, meine Heldin des Abends. Die Gräfin (Mary Ann Kruger) sang "Dove sono" mit offenem o, das störte. Bei Figaro (Joachim Gabriel Maaß) hatte ich manchmal den Eindruck, er wüsste nicht, was er singt, weil er manchmal die "falschen" Stellen betonte. Ich will jetzt aber nicht ausschließen, dass man nach eingehender Analyse auch seinen Betonungen etwas abgewinnen kann. Insgesamt hatte ich aber schon den Eindruck, dass der/die eine oder andere sich noch etwas eingehender mit der Sprache auseinandersetzen sollte.


    Insgesamt hat mir die Aufführung dennoch gut gefallen. Modern, mit einigen ganz guten Einfällen. In der Schrank-Szene rückt der Graf mit Elektroschrauber und Kettensäge an. Er versucht sie sogar anzuwerfen, aber ohne Erfolg. In Berlin hätte er sie anbekommen, in London hätte er die halbe Bühnenausstattung zersägt, ein mutiger Regisseur hätte ihn auch auf einen der Kontrabässe losgelassen. Der Graf (Günter Papendell) war übrigens stimmlich etwas schwach, dafür aber der beste Schauspieler des Abends. Bei Marcellina und Bartolo hatte ich den Eindruck, sie würden der Musik leicht hinterhersingen. Überhaupt war bei den großen Ensemble-Stellen das Zusammenspiel mit der Orchester nicht gut. Das Gleiche gilt für den Chor. Man hatte den Eindruck, das Orchester sei bestens vorbereitet, es wären aber zu wenige Probestunden zusammen mit Sängern und Chor abgehalten worden. Interessant: Basilio fiel im 2. Akt wegen Fiebers aus. Also wurde die Rolle von einem stummen Schauspieler gespielt und von einem Sänger am Rand der Bühne vom Blatt gesungen. Das klappte! Und machte die Sache zusätzlich sympathisch. Der Beifall am Ende war hochverdient.



    Zusammenfassung:


    Deutsche Rezitative: Möglich, hat Vor- und Nachteile.
    Deutscher Gesang: Hat mehr Nach- als Vorteile. Am Italienischen muss tw. aber noch gearbeitet werden.
    Übertitel: Haben mehr Vor- als Nachteile, sollten aber nicht so weit oben erscheinen.
    Akustik, Orchester vs. Sänger: hier besteht noch Optimerungspotenzial.



    Thomas Deck


  • Salut,


    da ist ganz klar was schiefgelaufen. Ich habe mir ja selbst widersprochen in diesem elenden Text! Das liegt aber ganz klar an dieser merkwürdigen Uhrzeit [8:22] 8o


    Jedenfalls verbindet sich das "La" [Dort] mit "mano" [Hand] - das sehe ich als Versinnbildlichung eines ausgetreckten Armes. Natürlich heißt es "Là ci..." :wacky:


    Cordialement
    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Zitat

    Original von thdeck
    Die deutschen Rezitative klangen nach kurzer Eingewöhnungsphase nicht mehr störend. Sie hatten den Vorteil, dass man wesentlich mehr verstand als bei der italienischen Fassung.


    Salut,


    den Eindruck habe ich kürzlich in Schwetzingen bei Kraus Proserpin - bzw. dort Proserpina - auch gewonnen. Allerdings verliert das Rezitativ dadurch mehr, als es gewinnt - allein die Worte "Ingrato!" [oder -a] bzw. "Barbaro!" [oder -a] sind schon Musik in meinen Ohren. Und unverzichtbar :D ! Das lässt sich mit "Undankbare[r]!" oder "Schändliche[r]!" einfach nicht ausreichend darstellen, obwohl sicher korrekt übersetzt. Hier fehlt dann definitiv der Anreiz. "Wüstling" wäre da schon eher mein Geschmack - aber ein wohl nicht ganz ernst zu nehmendes Wort.


    Dann sollte man lieber das BC weglassen und nur Sprechtext [in Deutsch] nehmen.


    Cordialement
    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Salut,


    sicherlich ist es möglich, auch passende Deutsche Worte zu finden [vgl. meinen obigen DvD-beitrag betr. einer Übersetzung ins Lateinische]. Dennoch klingt das Ergebnis dann eben Deutsch und nicht Italienisch. Denn die einzelne Silbenbetonung und die srachspezifische Ausdrucksform [nasal z.B.] wird man nie türken können. Ich glaube, DAS ist [zumindest bei mir] ausschlaggebend.


    Wenn ich Deutsche Bühnenwerke hören/sehen will, habe ich da genügend Auswahl an authentischem Material.


    Beim Proserpin beispielsweise wurde eine Zeile mit "Wut und Verzweiflung" übersetzt... das erinnert automatisch an die Zauberflöte/Stein der Weisen und wirkt zugleich lächerlich. Und das, weil es eben nicht die Zauberflöte oder der Stein ist und auch nicht im geringsten etwas damit zu tun hat.


    Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts legte selbst grossen Wert auf ihre Sprache - die Pendants waren die "teutschen Singspiele". Zu einem späteren Zeitpunkt mag das etwas anderes gewesen sein, aber selbst bei einer Wagneroper auf ungarisch würde ich zweifeln...


    Andersherum gibt es ja auch die Zauberflöte in Italienisch - so sehr ich diese Sprache liebe, ES PASST NICHT. Und auf Französisch - auch eine Sprache, die ich mag - passt es erst recht nicht; allein der Titel ist schon falsch, mindestens zweideutig: "La flûte enchantée" - die Flöte ist nicht verzaubert. "La flûte magique" wäre richtiger...


    Und dann noch ein Aspekt, der - glaube ich - hier noch gar keine Erwähnung fand:


    Sogar die Deutschen Texte wurden innerhalb der Sprache "angepasst". Das hat schon Vulpius mit der Zauberflöte und dem Spiegel von Arkadien gemacht. Sicher, er hat teilweise goethisches und schillerndes geschaffen, aber: die jeweilige Naivität [so es denn eine ist] geht gänzlich verloren, der Charme des Werkes ist futsch! Und das trotz der lt. Alfred angeblich unkaputtbaren schönen Musik! Und es gab auch eine Zeit - 20. JH - , in der die Sprechtexte dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst wurden... :kotz: :kotz: :kotz: nur, weil man meinte, es würde heute keiner mehr verstehen? Oder war den Acteueren das Sprechen dieser Texte aus dem 18. JH zu peinlich? Goethe liesst man ja auch so, wie es da steht und mukst nicht daran herum - wer würde sich das erlauben wollen? Niemand würde in einem Gemälde aus dem 16. JH eine Kutsche mit einem Porsche übermalen... nur weil es moderner ist [oder doch?]. Dann müsste man die ganze Zauberflöte übersetzen und daraus eine Rockoper oder ein Musical machen, moderne Instrumente verwenden [damit meine ich Instr., die gerade "in" sind], moderne Rhytmen und als Sprache - natürlich! - Englisch! Aber nennt das Ganze dann bitte nicht "Die Zauberflöte..."


    Wehe... :evil:


    Cordialement
    Ulli


    The-he by-hyrd-ca-hashe-her am I, yes...

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Hi


    Meiner Meinung nach sollte die Oper in Originalsprache aufgeführt werden, denn Libretto und Musik ist eine Einheit und diese sollte man nicht zerstören. Ich habe jedoch auch mit Übersetzungen keine Probleme, wenn dadurch kein Missverhältnis zwischen Musik und Text entsteht. Wunderlich hat es einmal an einem Beispiel von Cosi fan tutte deutlich gemacht.....ich zitiere:
    "Denken Sie an die Arie des Ferrando im ersten Akt . im italienischen Original beginnt sie mit den Worten 'un aura amorosa'. Diese Worte sind alle auf einen Klang komponiert; zwischen u, au, a und o ist kaum ein Unterschied. Wenn ich die Arie in deutsch singe, dann muß ich versuchen, die sehr unterschiedlichen Vokale in den Wörtern 'der Odem der Liebe' auch auf einen Klang zu bringen"
    Hmmm...und das ist selbst Wunderlich nicht ganz gelungen, denn beim italienischen Text geht das auslautende a von 'aura' nahtlos in das 'a' vom nächsten Wort 'amororsa' über und wird deshalb angehalten, im deutschen fallen diese langanhaltenden Noten allerdings auf unbetonte, klangfarblich unattraktive Endsilben....und deshalb für einen Sänger kaum zu schaffen, ohne daß es seltsam klingt. Und es gibt noch einige Beispiele......
    Der langen Worte kurzer Sinn...wird durch eine Übersetzung das Klangbild verändert, dann Orirignal, ansonsten kann durchaus eine Übersetzung sinnvoll sein. Ich meine jetzt bei der Aufführung (Einspielung), denn um sich einigermaßen über das Libretto zu informieren, ist eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache für mich von Vorteil. Ich lerne deswegen nicht russisch, geschweige denn, sollte mal eine chinesische Oper meinen Horizont streifen, chinesisch.....
    Und mal ehrlich, wenn jemand die Parade-Arie Rodolfo's in der Boheme zitiert....sagt er da, jedenfalls in unserem Sprachraum, 'Che gelida manina'? Selten, denn meistens hört man....'Wie eiskalt ist dies Händchen'....


    Gruß Verletto

    Zu viele Musikstücke enden zu lange nach ihrem Ende (Igor Strawinsky)

  • Hallo


    Heute Nachmittag gab is in Ö1 die Sendung Apropos Oper mit Beispielen aus dem aktuellen Österreichischen Opernbetrieb. Interessant waren drei Beispiele aus der Volksoper von fremdsprachigen Opern, die Deutsch gesungen wurden:


    Figaros Hochzeit
    Szene aus dem 2. Akt (Graf - Gräfin). Es hat was für sich, hier den Text unmittelbar verstehen zu können (die Übersetzung kann gut verständlich sein!).


    Die verkaufte Braut
    Dieses Werk kann ich mir in der Oper gar nicht anders vorstellen. Der Text singt sich sehr gut, und es ist bei diesem Werk sehr wichtig, alles zu verstehen (allerdings muss der Text, vor allem in den gesprochenen Teilen, sanft aktualisiert werden).


    Carmen
    Dass hier Deutsch gesungen wurde, merkte man nur daran, dass es etwas ungewohnt klang. Abgesehen von einzelnen wenigen Worten war beim Gesang nichts zu verstehen!



    Als Ergebnis könnte man folgern, dass keine allgemeine Aussage möglich ist, sondern dass es auf das einzelne Werk ankommt, ob das Original oder die Übersetzung glücklicher ist.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo,


    ich habe mir heute im Auto - neben anderen Dummheiten - überlegt, dass ich mir folgende Mozartopern in Übersetzungen wünsche:


    1. Die Zauberflöte: englisch, schwedisch, italienisch
    2. Le Nozze di Figaro: französisch
    3. Cosí fan tutte: französisch
    4. Don Giovanni: spanisch
    5. Die Entführung aus dem Serail: türkisch


    Irgendwelche Empfehlungen parat?


    ?(


    Grüßle,
    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • servus ulli


    zauberflöte auf italienisch gibt es. hab ich vor ca. 2 monaten im radio gehört -
    und nach 10 minuten einen anderen sender eingeschaltet.


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Zauberflöte auf schwedisch,gibt es sicher auch.


    Aber "Die Entführung aus dem Serail"auf türkisch?


    Das würde der Prophet niemals erlauben. :D


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

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  • Die "Zauberflöte" auf Schwedisch gibt's in der Verfilmung von Ingmar Bergman, ich glaube mit Josef Köstlinger. Ich habe sie vor vielen, vielen Jahren im Kino gesehen und fand's ziemlich gewöhnungsbedürftig......
    lg Severina

  • Die Zauberflöte auf englisch gibt es als Film von Kenneth Branagh. Er spielt im ersten Weltkrieg. Ich habe nur Ausschnitte gesehen, aber ich muss sagen, dass das Englische durchaus seinen Reiz hat.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Zitat

    Original von faun
    servus ulli


    zauberflöte auf italienisch gibt es. hab ich vor ca. 2 monaten im radio gehört -
    und nach 10 minuten einen anderen sender eingeschaltet.


    faun


    Salü Faun,


    Warum? Wars der Text oder die Musik oder beides?


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • servus ulli


    möglicherweise war es nur ungewohnt für mich. ich kenne die zauberflöte sehr gut.
    irgendwie passte der text nicht zur musik - das vokalreiche italienische mit einer
    musik, die für eine andere sprache geschrieben ist. es war nicht "harmonisch"
    für mich.


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Ich habe neulich eine italienische Version der "Heiligen Hallen" von Ezio Pinza gehört. Abgesehen davon, dass er es wunderbar gesungen hat, hat mich die Dominanz des Vokals "i" in den Vers-Enden jeweils am Strophenende ziemlich gestört. "Freundes Hand", "bess´re Land" , "nicht erfreu´n" und "Mensch zu sein" endete ständig irgendwie in der Übersetzung auf einem "i"-Laut und auch noch an anderen Stellen. So ergab sich ein ganz anderer Klangcharakter, mit dem ich mich nicht anfreunden konnte.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    So ergab sich ein ganz anderer Klangcharakter, mit dem ich mich nicht anfreunden konnte.


    ...und genau das Gegenteil davon habe ich eigentlich geplant... Il flauto magico mit der Regina della notte... sollte schon italienisches Flair aufkommen lassen, sowie wie die magic flute mit der queen of night vorwiegend mit englischem Humor gewürzt sein sollte. So oder ähnlich stelle ich mir das jedenfalls vor.


    Mal sehen, was ich finde...


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Also eine türkische Entführung wäre ja quasi Originalsprache :D


    So ein echter Osmin - das wär’s :pfeif:


    Die Zauberflöte sah ich im Fernsehen - aber auch nur einige Minuten; nach der Ouvertüre hab ich´s nicht mehr lange ausgehalten; wenn einem nicht nach lachen zumute ist, dann ist´s eigentlich nur aus exotischem Interesse lohnenswert :stumm::D


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Wie wär's denn mal damit:


    "Within our sacred temple, all error we forgive
    Revenge is never taken, by love do all men live…"



    Mozart's, The Magic Flute. - Metropolitan Opera, 2006.


    anhhören lohnt sich, denke ich!


    Grundsätzlich stehe ich Aufführungen in Übersetzungen aber eher skeptisch gegenüber, nicht zuletzt, weil man ja - Pape bildet da die rühmliche Ausnahme - meist eh kein Wort versteht.
    Paradebeispiel ist hier das "Schlaue Füchslein" an der DOB. Gesungen wird in deutsch - man verstünde mehr, wenn es in tcheschisch mit Übertiteln laufen würde.

    Einmal editiert, zuletzt von Alter Frager ()

  • Zitat

    Original von severina
    Die "Zauberflöte" auf Schwedisch gibt's in der Verfilmung von Ingmar Bergman, ich glaube mit Josef Köstlinger. Ich habe sie vor vielen, vielen Jahren im Kino gesehen und fand's ziemlich gewöhnungsbedürftig......
    lg Severina


    Mit anderen Worten: Es war fürchterlich!

    Freundliche Grüße Siegfried

  • In der Wiener Staatsoper wird Brittens "Peter Grimes" in englisch gesungen. Meine Frage: Was habe ich davon, wenn 50 Prozent der kleineren Rollen in einem Englisch gesungen werden, das nach der Parodie eines Deutschen klingt, der englisch spricht ("Än yu caat, is it siehwörsy?")?
    :hello:

    ...

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