Oper - Original oder Übersetzung

  • Zitat

    Original von musicophil


    Und in Deutschland... :D


    LG, Paul


    Immer dieser Vergleich mit dem Kino oder Film :no:
    1. ist eine schlechte Synchronisation im Film genauso zerstörerisch wie eine schlechte Übersetzung in der Oper
    2. selbst gute Synchronisationen schaffen es kaum annähernd die Qualität der Originalsprache, des Originaltextes wiederzugeben
    3. ist im Film die Sprache keiner Gesangslinie unterworfen, deren Qualität beim Übersetzen nicht 100% erhalten werden kann und damit zu einer gewissen Entwertung der Musik führt

  • Sei doch nicht so so ein Snob, Clemens ;) Wir wissen alle, dass eine Übersetzung immer Mängel haben wird, dafür kriegt man auf der Metaebene aber ganz andere Geschenke (außerdem kenne ich auch Synchronisation, die besser sind als das Original, aber da kommen wir schnell in eine Original und Fälschúngsthread).


    Grundsätzlich muss man mal sehen, wer hier diskutiert: Klassikkenner, die zig Opernbesuche auf dem Buckel haben bzw. zig Opern-CDs im Schrank. Ich habe es halt mal gewagt, meine Stimme für alle die zu erheben, die nicht so leicht Zugang zur Oper finden. Schlimmer noch, mir gefällt's sogar auch auf deutsch! "Ohweia, der mag nicht nur alte, staubige kulissen sondern auch noch Opern auf deutsch." :D Ich kann mit solchen Schubladen leben, finde es aber ignorant, Publikumswünschen mit dem Hinweis aufs vorher gefälligst zu lesende Libretto und dem Hinweis, die Oper sei "keine Berieselungsanstalt", zu begegnen.

  • Zitat

    Original von musicophil
    Ich fühle mich allmählich wie einer, der auf einem verlorenen Posten kämpft. X(
    LG, Paul


    Noch hast du ein paar Mitstreiter, lieber Paul :hello:


    Da beide Aufführungsvarianten ihre Daseinsberechtigung haben, wünsche ich mir die Möglichkeit, neben derAufführung in Originalsprache auch die in der Landessprache besuchen zu können. Manchmal gelingt das sogar in derselben Stadt, meistens ist Reisen nötig.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Lotosblume
    Untertitel stören mich,da lese ich doch lieber vorher das deutsche Textbuch.


    Das ist es ja eben. Dann soll man doch mindestens wissen, daß es Textbücher gibt. Ich rede über völlig ahnungslose Menschen.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil


    Das ist es ja eben. Dann soll man doch mindestens wissen, daß es Textbücher gibt. Ich rede über völlig ahnungslose Menschen.


    LG, Paul


    Ich wage mal die Behauptung, dass niemand völlig ahnungslos eine Opernaufführung besucht, vor allem nicht, wenn es sein erster Besuch dort ist. Meistens geht man doch mit jemanden mit, der einen auf die Oper vorbereitet. Oder man entwickelt selbst ein Interesse, dass dann aber sicher über die reine "Ich-lass-mich-berieseln"-Haltung hinaus geht.


    Ich denke auch nicht, dass die Oper mehr Leute interessiert, wenn die Aufführungen in Deutsch wären. Zumindest an der KOB kann ich nicht feststellen, dass die Aufführungen auf Deutsch junges (neues) Publikum anzieht - im Gegenteil.


    Gruß
    Rosenkavalier

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier
    [Zumindest an der KOB kann ich nicht feststellen, dass die Aufführungen auf Deutsch junges (neues) Publikum anzieht - im Gegenteil.


    Das könnte natürlich auch an den Inszenierungen liegen. Die sind für Traditionalisten bzw. für Neuzugänge, die große Oper erwarten, schlichtweg zum :kotz:

  • Wird die Schlacht zwischen vermeintlichen Snobs und verkannten Pantoffelkonsumenten wirklich am richtigen Objekt geführt?


    Was mich an dieser Diskussion besonders stört, ist eine Vereinnahmung nichtsahnender Bevölkerungsschichten, welche die die Vertreter der Gegenposition implizit und explizit als elitär diskriminiert.


    Entspringt die Sorge um den verlorenen Posten wirklich der um den Besuchernachwuchs?


    Warum sind dann notorisch deutschsprachige Operettenaufführungen nicht so heillos überbucht, dass jeder Intendant davon nicht genug in seinen Spielplan kriegen kann?


    Oder warum stehen die wiener Volksoper, das münchener Gärtnerplatztheater oder die berliner Komische Oper mit ihren grundsätzlich deutschen Aufführungen des Kernrepertoires durchweg so sehr im Schatten ihrer großen Schwestern, obwohl sie doch gerade mit dem Auftrag ins Leben gerufen und am Leben gehalten wurden, die unterversorgten Massen, die nur deutsch verstehen, adäquat zu bedienen? Da sie es oft genug tun, warum sind dann nicht sie die Marktführer?


    Ich habe es oben schon einmal gesagt und bleibe dabei: auch diese Menschen, die hier keineswegs gering geschätzt werden, wollen in erster Linie Stars, großen Aufwand und die Möglichkeit, in prachtvoll aufgeführter Musik zu schwelgen. Erst dann könnte vielleicht die zusätzliche Schaumkrone der Textverständlichkeit noch ein weiteres Motiv bedeuten. Ich würde aber die These wagen, dass sie dann immer noch eher bestimmte Arten schwer verdaulicher Inszenierungen abwählen würden als vorrangig für eine andere Sprache plädieren, wenn sie die Wahl einer vierten Befriedigung bekämen.


    Natürlich stimmt: "Jeder hat das Recht, seine Fassung in Wort, Bild und Schrift frei zu wünschen und (sich darüber) zu verbreiten". Die Sprachfassung zum Zentrum einer Kampagne zur Erschließung der Oper für andere Publikumsschichten zu machen, die wohl nur virtuell in messbarer Größe existieren, überhöht aber den legitimen Egoismus der Fassungsfetischisten ins Unangemessene, meinetwegen auch Populistische.


    Aus Siegfrieds Vorschlag lese ich eine interessante Idee heraus: man könne die gleichen Aufführungen doch einfach in zwei verschiedenen Sprachfassungen spielen. Schade, dass kaum ein Intendant sich auf dieses hochinteressante Experiment einlassen wird.


    Warum wohl? Vielleicht weil wir letztlich über ein Thema reden, das nur noch eine kleine Minderheit wirklich bewegt und als kontrovers empfindet?

  • Zitat

    Original von Knusperhexe


    Das könnte natürlich auch an den Inszenierungen liegen. Die sind für Traditionalisten bzw. für Neuzugänge, die große Oper erwarten, schlichtweg zum :kotz:


    Tja, was soll ich da jetzt sagen? Ich bin kein Traditionalist und finde die Inszenierung zum Teil recht gut....Und senke meist den Altersdurchschnitt des Publikums enorm :D.


    Aber wir wagen jetzt mal nicht den Umkehrschluss, dass alle, die Oper in Deutsch hören wollen, auch Wert auf traditionelle Inszenierungen oder "große Oper" legen, oder?


    Gruß
    Rosenkavalier

  • Ich weiß es letztendlich auch nicht Rosenkavalier. Ich denke halt, es sollte beides geben - sei es nun im Inszenierungsangebot als auch in der Sprache. Es ist alles so einseitig geworden, aber jetzt wird's wieder OT... Ich ziehe mich jetzt eh erst mal raus aus dem Thread, habe alles gesagt.


    Addio, addio bzw. Leb wohl denn, leb wohl denn,


    Knuspi

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier


    Ich wage mal die Behauptung, dass niemand völlig ahnungslos eine Opernaufführung besucht, vor allem nicht, wenn es sein erster Besuch dort ist. Meistens geht man doch mit jemanden mit, der einen auf die Oper vorbereitet. Oder man entwickelt selbst ein Interesse, dass dann aber sicher über die reine "Ich-lass-mich-berieseln"-Haltung hinaus geht.


    Liebe Rosenkavaliersrose,


    Das wäre wohl wünschenswert, aber es kommt nach meiner Erfahrung oft genug vor, daß es Leute in die Oper verschlägt, die tatsächlich unbeleckt sind. Manche fangen dabei trotzdem Feuer, aber manche gehen ohne Zugangshilfe lwomöglich fadisiert oder abgestoßen wieder heraus bzw. kann es auch vorkommen, daß sie in der Berieselungsphase steckenbleiben oder falsche Subjektiv-Ideale entwickeln. Nicht jeder hat auch die Möglichkeit, sich rechtzeitig entsprechend zu informieren. Ich habe noch als halbes Kind z.B. den "Waffenschmied" ohne Einstimmung gehört und war gleich gefangen, aber sicher war ich durch Radio und sonstige Kultursucht und -sphäre entsprechend disponiert. Andere haben wohl nur mit den Schultern gezuckt, ohne daß man ihnen das von vornherein übernehmen darf.
    Junge Leute haben heute oft kaum Gelegenheit, sich mit Oper näher auseinanderzusetzen, und die Liebe zur Mühsal, die damit meist doch wenigstens hie und da verbunden ist, wird ihnen nicht gerade intensiv gelehrt - denn kritische Konsumenten sind bei den Produzenten nicht sehr beliebt (ich hoffe, niemand nennt mich deswegen einen verstockten Kommunisten).


    LG


    Waldi

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  • Ich musste jetzt tatsächlich mal überlegen, ob mir das Publikum an der "Komischen Oper" "älter" vorkommt, als an anderen Häusern, die ich kenne. Zumindest für Berlin würde ich das verneinen...


    Darüber hinaus glaube ich, dass Homoki mit seiner Spielplangestaltung und mit den gezeigten Inszenierungen einen guten Weg einschlägt, der "Komischen Oper" das Überleben in der Stadt Berlin zu sichern.


    Ganz vorsichtig würde ich sagen, dass man die spannensten Aufführungen der Hauptstadt, bezogen auf das Musiktheater, in der Behrensstrasse sehen kann.


    Ansonsten würde ich tendenziell Rideamus recht geben: die Sprache ist eigentlich nicht das, was den ab-und-zu Opernbesucher oder den Neuling bewegt. Das ist ein Thema von untergeordneter Bedeutung.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Ich kann mit solchen Schubladen leben, finde es aber ignorant, Publikumswünschen mit dem Hinweis aufs vorher gefälligst zu lesende Libretto und dem Hinweis, die Oper sei "keine Berieselungsanstalt", zu begegnen.


    Nunja, mit dieser Schublade kann hinwiederum ich leben, schön, daß Du mich zitierst.


    Mein Plädoyer impliziert nicht mehr und nicht weniger, als die Oper als eine Kunstform zu achten und zu respektieren, die sich dem bis dato nicht mit Kenntnis Geschlagenem nicht so ohne weiteres erschließt. Du erwähnst völlig zurecht, daß die Diskutanten in diesem Thread mutmaßlich ihre Schränke vollgestopft haben werden mit Operneinspielungen jedweder Art.


    Anzunehmen, daß eine Oper durche bunte Inszenierungsbilder und eingängige Sprache (das Thema Textverständlichkeit in Opernhäusern ist hier ja schon angerissen worden) selbstreferenziell sei, ist aus meiner Sicht -und dies jetzt sehr vorsichtig ausgedrückt- ausgesprochen kühn. Ich sehe sehe in der Haltung "Den Anfängern alles schön einfach" eine Respektlosigkeit der Oper gegenüber, die sich an anderer Stelle durchaus fortsetzt.


    Beispiel gefällig? Vergangenen Sonntag in Bayreuth. Es wir dunkel, die Meistersinger-Ouvertüre beginnt. Drei Plätze neben mir: Rascheln. Eine aufgebrezelte Besucherin Mitte 20 packte direkt nach Aufführungsbeginn (sic!) ein Butterbrot aus und verspeiste dies. Als sie fertig war: neuerliches, lauteres Rascheln, alles musste ja wieder im Rucksack verstaut werden. Kurz darauf ein Zischschschsch: Nun hatte Püppi Durst. Wieder Rascheln, alles wieder in den Rucksack. Gegen Ende des Vorspiels wurde die Musik aus dem Graben lauter, was diese "Dame" veranlasste, ihre Stimme ebenfalls anzuheben, da sie ihrem Nachbarn irgendetwas mitzuteilen hatte. Da endlich wurde sie von Hinterleuten niedergezischt. Der Rest des Aktes verlief dann weitestgehend störungsfrei -von gelengtlichem Neuöffnen der Flasche und dem grünlichen Aufleuchten eines Blackberrys abgesehen. Akt 2 begann dann mit .... Treets. Gottlob knacken die nicht so, freilich auch hier: die Tüte raschelt.


    Ich lasse mich ja gerne arrogant nennen, aber das geht zu weit.


    Wie bereits festgehalten: Neulinge als Argument für Übersetzungen zu bemühen, um denen das Reclam-Lesen abzunehmen-das ist für mich kein Argument. Die ästhetischen und emtionalen schon eher. Wenngleich ich dieses Bedürfnis nur sehr eingeschränkt teile.


    Und um nochmal auf die Film-Übersetzungen zu kommen: Respekt vor Holland und Flandern: Untertitelungen scheinen dort nicht unüblich zu sein, zumal der Kreis derer, die von Haus aus niederländisch sprechen, nicht so groß ist. Den Film "Amadeus" habe ich in Brügge gesehen. Im Original. Mit holländisch-französischen Untertiteln. Ein absoluter Gewinn.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Der-wonnige-Laller


    Und in Deutschland... :D


    LG, Paul


    Immer dieser Vergleich mit dem Kino oder Film :no:
    1. ist eine schlechte Synchronisation im Film genauso zerstörerisch wie eine schlechte Übersetzung in der Oper
    2. selbst gute Synchronisationen schaffen es kaum annähernd die Qualität der Originalsprache, des Originaltextes wiederzugeben
    3. ist im Film die Sprache keiner Gesangslinie unterworfen, deren Qualität beim Übersetzen nicht 100% erhalten werden kann und damit zu einer gewissen Entwertung der Musik führt[/quote]


    Vollkommen deiner Meinung! :yes: :yes: :yes:
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    "Ohweia, der mag nicht nur alte, staubige kulissen sondern auch noch Opern auf deutsch." :D


    Lieber Christoph


    Wenn Du Deine eigene Haltung auf diese Weise pauschalisierst, ist das für mich o.k. ;) Wenn Du aber meine Meinung auf eine Kernaussage reduzierst, die ich so nicht getroffen habe, dann habe ich mit "solchen Schubladen" doch ein kleines Problem. Daher möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen, daß alles, aber wirklich alles, was ich in diesem Forum von mir gebe, ausnahmslos meine ganz eigene und persönliche Meinung ist - und zwar ohne jeglichen Anspruch auf Alleingültigkeit oder absolute Wahrheit (obwohl ich natürlich weiterhin immer recht habe... :D ). Ich bin bemüht, dies in meinen Beiträgen durch häufige Verwendung von etwa: IMO, m. E., ich denke, sollte (nicht muss) etc. etc. unmissverständlich deutlich zu machen. Wenn ich das mal vergessen sollte oder der angenehmeren Lesbarkeit wegen in jedem zweiten Satz bewusst darauf zu verzichte, möge man mir es nachsehen.
    Mein einziges Anliegen ist hier, meine Meinung zu äußern, zur Diskussion zu stellen - und nicht die der anderen User zu korrigieren oder zu negieren. Wenn ich - auch mit dem Risiko zu nerven - etwas in Frage stelle oder anzweifel (manchmal vielleicht auch ein wenig provozierend - was aber nie böse gemeint ist), dann wirklich nur aus Interesse und dem Bedürfnis, die andere, mir evtl. auch fremde Meinung besser zu verstehen.


    :lips: :lips: :lips:


    Da die Unterhaltungen hier ja nur schriftlich stattfinden, ich aber schneller denke und rede als ich tippen kann, war es mir ein Bedürfnis das hier mal grundsätzlich zu erklären.


  • Lieber Thomas,
    Ich kann dir nur zustimmen. Außerdem gibt es nun einmal kein homogenes "Anfängerpublikum", was machen daher die anderen, die mit einer Aufführung zwangsbeglückt werden, die ihnen absolut keine Anregung bietet?
    Interessant ist z.B. auch, dass die Einführungsvorträge, die inzwischen an einigen Opernhäusern vor Vorstellungsbeginn angeboten werden, zu einem überwiegenden Teil von Kennern besucht werden und ihr Zielpublikum (eben die völlig Unbedarften) eigentlich verfehlen. Ich treffe dort eigentlich immer mehr oder weniger die gleichen Leute.....
    Ziemlich OT, aber es passt zu deinem Bayreuth-Beispiel: So etwas kannst du nicht nur mit unbedarften Zwanzigjährigen erleben.... Ich hatte in Zürich das zweifelhafte Vergnügen, im Schauspielhaus rein zufällig neben unserem Burgtheaterdirektor zu sitzen, der nicht nur eine halbe Stunde zu spät kam, sondern mitten während der Vorstellung genüsslich einen Müsliriegel auspackte......
    lg Severina :hello:

  • Zum Thema "Publikumsverhalten während der Vorstellung" könnte ich einen eigenen Thread gebrauchen - nur um hinterher mal richtig Dampf abzulassen... :motz:
    Erstaunlicher Weise sind es wirklich oft die "gutsituiert" erscheinenden Opernbesucher, die sich am schlechtesten Benehmen (aber den Kopf schütteln, wenn man `ne Jeans trägt). :wacky:

  • Vielen Dank, severina, so ein Beispiel habe ich nämlich auch - aber Clemens hat schon recht: da gönge auch ein eigener Thread.


    Ich erinnere mich gut, dass ich in einer Vorstellung mal neben einem bekannten Opernsänger und Gesangslehrer sass, der mit seinem Freund genussvoll während der Aufführung laut raschelnde Bonbons verzehrte... Gibts alles.


    An anderer Stelle hat Edwin mal etwas angemerkt, was auch hier zum Thema passt: man muss nicht in der Oper darauf bedacht sein, dass jetzt auch wirklich jeder, der völlig unbeleckt in die Oper geht, auch wirklich alles versteht, das kann nicht der Maßstab sein.


    Sonntag in einer Woche werde ich in Bonn in der gesplitteten UA von "Freax" in Bonn dabei sein. Ich habe von Moritz Eggert noch nie einen Ton gehört, ich kenne das Sujet nicht und weiss, dass Schlingensief auch nicht ganz einfach zu verstehen ist.


    Wenn ich mich da also jetzt ohne Vorbereitung in die Vorstellung setze, bin ich selbst dran schuld, wenn ich nix mitbekomme - also bereite ich mich entsprechend vor, weil: nur, weil da deutsch gesungen wird, reicht das wohl zum Verständnis der Aufführung nicht wirklich aus...

  • Mal was zum lachen:
    das italienische Fernsehen sendet an die 4 Opern vollständig ca. pro Woche und zwar italienische mit italienischen Untertiteln. Die Sprache hat sich wohl verändert inzwischen. Vor allem bei Rossini und Mozart aber auch bei Verdi, zumal beim Singen viele Selbstlaute verschluckt werden müssen, da sonst zu viele zusammen kommen und man nicht mehr alles verstehen würde ohne Libretto.


    =) =) =) =)

  • Guten Morgen allseits !


    In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "profil" gibt es ein Interview mit dem (formal noch designierten) Direktor er Wiener Volksoper, Robert Meyer, in dem er sich unter anderem auch zum Thema Originalsprache versus deutsche Übersetzung äußert.
    Wertfrei würde ich sagen, die Äußerungen sind interessant.
    Im Kontext mit dem gesamten Gespräch ergibt sich aber doch ein etwas eigenartiges Bild. Etwas überspitzt betrachtet und absolut wörtlich genommen würden seine Aussagen bedeuten, dass zB. ein Pavarotti (nicht als Perso, sondern als Typ) nie an der Volksoper singen dürfte, denn (und jetzt folgen zwei Zitate) er ist "der deutschen Sprache nicht mächtig" und "kann sich überhaupt nicht bewegen, weil er so kugelrund ist, dass man ihn rollen müsste".
    Besagter Herr Meyer hätte aber vermutlich kein Problem, die wiener Operette von Sängern mit norddeutchem oder sächsischem Akzent singen zu lassen, denn das ist ja zuminest ein deutscher Dialekt.


    Michael 2

  • Die körperliche Fülle von Luciano P. wäre erstmal kein Hinderungsgrund, dass dieser eine gute, schauspielerische Leistung an den Tag legen könnte, so er denn in dieser Richtung irgendwie begabt wäre. Da an letzterem zumindest Zweifel erlaubt sind, der Intendant Meyer aber vielleicht genau das an seinem Haus wünscht, nämlich das nicht nur singende Monumente auf der benannten Bühne zur Schau gestellt werden, sondern spielbegabte Sänger/innen eine Rolle "leben", kann ich seine Einlassung schon nachvollziehen.


    Wenn an der "Volksoper" die Werke in deutsch aufgeführt werden, wäre vielleicht eine gute Aussprache des Deutschen wünschenswert, oder?


    Ich erinnere mich gut an die Zeiten, als an den meisten Häusern noch deutsch gesungen wurde - und das auch in vielen Fällen von Amerikaner/innen mit einem unnachahmlichen Akzent - manchmal war das richtig grauslich.


    Und wenn man an Domingo und seine Versuche, deutsch zu singen denkt: da hat doch der Intendant Meyer wiederum recht, wenn er da einen Pavarotti nicht unbedingt mit einem deutsch gesungenen Werk betrauen möchte.

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  • Eine Oper sollte immer im Original gespielt werden ,denn nur dafür sind die Noten da.


    Big P hat sich auf der Bühne noch nie viel bewegt,
    und davon giebt es heute auch noch eine Menge
    von sog .Rampensängern.


    Rita

  • Rita


    1. Es geht hier nicht um die Noten, sondern um den Text!! Die Noten bleiben gleich!!


    2. Wenn ich jemanden Radschlagen oder im Handstand singen hören will, gehe ich in den Zirkus oder ins Variete, und nicht zu Pavarotti!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Wenn ich jemanden Radschlagen oder im Handstand singen hören will, gehe ich in den Zirkus oder ins Variete, und nicht zu Pavarotti!


    Mit Verlaub, aber es geht nicht um irgendwelche Kunststücke - Rita hat völlig recht: ein Minimum an Rollengestaltung sollte in der Oper leistbar sein - ich kann mich nicht erinnern, sowas bei Pavarotti schon mal gesehen zu haben...


    Zitat

    Es geht hier nicht um die Noten, sondern um den Text!! Die Noten bleiben gleich!!


    Falsch, die Noten bleiben eben nicht gleich: damit die Übersetzung passt, müssen die Noten angeglichen werden, das stört mitunter das Original spürbar, ein wichtiger Punkt, der für die Originalversionen spricht.

  • Zitat

    Original von rita
    Sie sollen ja nicht Rad schlagen,aber wenigstens ein bisschen.
    das spielen, was sie gerade darstellen.
    Gruss Rita


    Kann man Singen auch im Kopfstand lernen?:rolleyes:

  • Zitat

    Original von Alviano


    Falsch, die Noten bleiben eben nicht gleich: damit die Übersetzung passt, müssen die Noten angeglichen werden, das stört mitunter das Original spürbar, ein wichtiger Punkt, der für die Originalversionen spricht.


    ...und ich möchte ergänzen, dass selbst in den Fällen, wo keine Notenwerte geändert werden müssen, diese Noten dann oft im Sinne der Gesangskunst nicht mehr korrekt ausgeführt werden können, weil beispielsweise ein Legato erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Und das ist nicht wenig.


    Gruß
    Sascha

  • Ja oder: Damit die Übersetzung zu den Noten passt, muss der Text geändert werden - es gibt kaum singbare Übersetzungen, die nicht mehr oder weniger stark den Inhalt (!!!) an wenigstens einer Stelle deutlich verändern! Das kanns dann aber auch nicht sein, oder?


    z. B. Don José zu Micaela:


    Original: Et bien, tu lui diras: que son fils l'aime et la vénère et qu'il se repent aujourd'hui; il veut que là-bas sa mère soit contente de lui!


    Singübersezung: O sag, wenn du sie siehst: Dass ich sie lieb aus vollem Herzen, mein Dasein nur ist ihr geweiht [?]; mög es lindern der Trennung Schmerzen [??], dass sie liebt und verzeiht.


    Wörtliche Übersetzung: Nun gut, du wirst ihr sagen, dass ihr Sohn sie liebt und verehrt und dass er heute Reue empfindet. Er möchte, dass dort seine Mutter mit ihm zufrieden ist!


    Das ist eine ziemliche Änderung in Bezug auf Josés Charakter, würde ich meinen und bin versucht, "entstellende Regieübersetzung!" zu schreien. ;)


    Oder im Schmugglerquintett:


    Original: La chose, certes, nous étonne, mais ce n'est pas le premier jour où vous aurez su, ma mignonne, faire marcher de front le devoir et l'amour.


    Singübersetzung: Ei! wunderbar, ich muss gestehn, 's ist drollig, wenn so Carmen spricht, und ist ja öfters schon geschehen, dass du vergessen [???] Liebe wie Pflicht. [!!!]


    Wörtliche Übersetzung: Die Sache erstaunt uns schon, aber es ist nicht der erste Tag, an dem Ihr, meine Süße, nicht Pflicht und Liebe zusammengebracht hättet.


    Hier sagt die traduzione cantabile genau das Gegenteil von dem, was der Originaltext sagt. Oder sehe ich das falsch?



  • Salute Rideamus,


    ist doch gar nicht so ein Widerspruch Deinerseits. Mein Beitarg sollte lediglich eine Feststellung sein. Über das warum hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich glaube aber, dass Oper bis in die 50er einen ähnlichen Stellenwert hatte wie das Musical heute: Oper hatte ein breit gefächertes Publikum, das etwas schönes sehen, hören und erleben wollte. In meinen Augen, ist Oper heute ein bisserl zu elitär geworden und vergrätzt dadurch "Otto Normalverbraucher". Der geht dann lieber ins Musical, wo er was versteht, wo Schauwerte befriedigt werden und die Musik immens eingängig ist.


    LG,


    Christoph

  • Hallo auch hier wieder, lieber Knusper,


    so weit, so (ge-)recht. Ich fürchte nur, dass die Zahl der Opernfreunde, die bei deutschen Fassungen nicht wieder kommt, größer ist als die, welche man vielleicht anlocken könnte.


    Was ich aber sofort akzeptiere, ist das Argument, dass musikalische Bühnenwerke mit längeren Sprechpassagen in einer Fremdsprache nur schwer zumutbar, auf jeden Fall aber nicht durchsetzbar sind (oder höchstens bei 3SAT, wo offensichtlich jetzt auch die Untertitel auf die Streichliste der Buchhaltung geraten sind) - egal, wer in welcher (Fremd-)sprache radebrecht.


    Ansonsten: sieh Dir mal die Kommentare zu Anna Netrebkos Deutsch in "ihrem" gerade heftig beposteten Thread an. Seit Babel haben wir halt ein Problem, das nie ganz befriedigend wird gelöst werden können und immer nur die Suche nach dem kleinsten Übel übrig lässt.


    :hello: Rideamus

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