Carl Orff 1895-1982):
TRIONFI - TRITTICO TEATRALE
3. TRIONFI DI AFRODITE (Triumph der Aphrodite)
Concerto scenico (Szenisches Konzert)
nach Dichtungen des Catullus, der Sappho und des Euripides.
Uraufführung am 13. Februar 1953 in der Mailänder Scala unter Herbert von Karajan
DIE PERSONEN DER HANDLUNG
Braut (Sopran)
Bräutigam (Tenor)
Chorführerin (Sopran)
Erster Chorführer (Tenor)
Zweiter Chorführer (Baß)
Doppelchor, Großer Chor, Tanz-Chor: Jungfrauen, Jünglinge, Greise, Volk
INHALTSANGABE
(I) Wechselgesang der Jungfrauen und Jünglinge an den Abendstern
Auf ein Gedicht des römischen Lyrikers Gaius Valerius Catullus stimmen Jungfrauen und Jünglinge in Erwartung von Braut und Bräutigam einen Wechselgesang an den Abendstern an, vom Chorführer und der Chorführerin immer wieder ermuntert. Allseits wird die Männlichkeit des Bräutigams gelobt und der Liebreiz der Braut gelobt. Die Jünglinge preisen das aufgehende Gestirn als Symbol der Erfüllung, die Jungfrauen beklagen den bevorstehenden Verlust ihrer Schwester, der Braut.
(II) Hochzeitszug und Ankunft der Brautleute (Sappho)
Der Chor ruft den geflügelten Gott der Ehe, Hymenaios, an und preist ihn als Beglücker aller Verliebten. Der Bräutigam wird zur Wahl seiner Braut beglückwünscht und die Braut zu ihrer Wahl bewundert. Beiden zusammen wird, unter Anrufung der Aphrodite, viel Freude gewünscht.
(III) Braut und Bräutigam (Sappho)
Sappho läßt die Braut ihr Verlangen nach dem Bräutigam ausdrücken und der nennt das „schimmernde Angesicht“ seiner Liebsten so schön und leuchtend, daß sich die Sterne „verstecken“ müssen. Die Liebe siegt und die Braut fragt „Wohin eilst du, Jungfernschaft?“ und der Chor antwortet „Nie mehr kehr ich zurück zu dir!“ Die Liebenden haben Gefallen aneinander gefunden und der Chor ruft die Chariten, Aphrodites Helferinnen, herbei. Aus dem Munde der Brautleute erklingt der Schwur
„Eis aei / Für immer“
den der Chor jubelnd bestätigt.
(IV) Anrufung des Hymenaios (Catullus)
Der Chor bittet die Gottheit um Spendung des Segens für das Brautpaar. Danach folgt ein Preislied auf Hymenaios, auf den Gott, den alle liebenden Wesen für sich als den ersehntesten aller Götter ansehen.
(V) Hochzeitliche Spiele und Gesänge vor dem Brautzimmer (Catullus)
Es folgen Hochzeitsspiele, Weihe und Spottgesänge. Der Chor ruft die Braut und wundert sich, daß sie weint. Die Solisten und ein kleiner Chor versuchen, sie mit Lobreden auf ihre Schönheit, der kein Mann widerstehen kann, zu beruhigen. Danach wird die Braut ins Hochzeitsgemach geleitet, wobei der Chor die Lieblingsknaben des Bräutigams verspottet, die Braut aber ermahnt, dem Mann nicht zu versagen, was er begehrt. Darauf folgt abermals ein derbes Spottlied auf die Vergangenheit des Bräutigams an, der dann ebenfalls in die Hochzeitskammer geführt wird. Die Türen schließen sich hinter den beiden. Chorführer und Chor mahnen
„Valentem exercete iuventam / Nützt eure blühende Jugend!“
(VI) Gesang der Brautleute in der Hochzeitskammer (Sappho)
Aus der Hochzeitskammer dringt der extatische Gesang des Brautpaares, der die gerade vollzogene Vereinigung verkündet.
(VII) Erscheinung der Aphrodite
Als eine Art Überhöhung des Hochzeitsrituals ist das Erscheinen der Göttin Aphrodite, der Göttin der Fruchtbarkeit, Schönheit und Liebe, zu verstehen. Der Text dieses Schlußchores stammt von dem griechischen Dichter Euripides, der darin der Vereinigung der Liebenden einem übergeordneten Sinn durch Einfügung in den Lauf der Welt und den Lebenskreis der Menschen gibt. Es ist eine Huldigung an die Allgewaltige Aphrodite, die in einem orgiastischen Schrei das Werk beschließt.
INFORMATIONEN ZUM WERK
In der mehrbändigen Dokumentation über seine Werke, die im Hans-Schneider-Verlag in Tutzingen noch zu seinen Lebzeiten erschien, schreibt Carl Orff, daß ihn Caspar Neher in seinen eigenen Überlegungen unterstützt habe, die CARMINA BURANA und die CATULLI CARMINA zu einem Triptychon zu erweitern. Das Problem war, daß ein „passendes Werk“ erst noch gefunden werden mußte.
Dann aber, so Orff, „wies mir Catullus den Weg, den Weg zur Sappho“. Der hatte in seiner „Begeisterung für die größte Dichterin des Altertums - Plato nannte sie die zehnte Muse - eines ihrer schönsten Liebesgedichte in seine Sprache übertragen (Ille mi par esse deo videtur).“ Genau diese Verse hatte Orff bereits in den „Ludi scaenici“ verwendet. Das Problem war für Orff, daß von den Gedichten der Sappho nur zwei vollständig, ansonsten nur Fragmente erhalten geblieben sind, die aber in ihrem „Unvollendetsein zum Vollendedsten gehören, was uns in griechischer Sprache erhalten geblieben ist“. Orff sah sich also, wie er weiter schreibt, gezwungen, diese Fragmente zu „einem neuen Ganzen“ zusammenzufügen. Und er fand schließlich in Euripides Hippolytos“ ein Chorgedicht, daß das neue Werk zu einem Abschluß bringen sollte: die Anrufung der Allbeherrscherin Kyprogeneia, der Aphrodite.
„Im Gegensatz zu den 'ludi scaenici', den szenischen Spielen, entstand nun ein vorwiegend auf Wort und Musik gestelltes 'concerto scenico', das, die Zeremonie einer antiken Hochzeitsfeier darstellend, zum TRIONFO DI AFRODITE wurde.“
Die Uraufführung dieses Tryptichons am 13. Februar 1953 in der Mailänder Scala (unter der Leitung und Regie von Herbert von Karajan) geriet allerdings, so schreibt Orff, zu einem Fiasko. Das hatte Orff nicht erwartet; zunächst sah er es als „Glücksfall“ an, daß Karajan sich für das Werk interessierte und erklärte, es selber dirigieren zu wollen. Auch brachte er schon prominente Mitarbeiter ins Spiel: Giorgio Strehler als Regisseur, Caspar Neher oder Wilhelm Reinking als Bühnenbildner. Dann aber kam es anders, denn Karajan beschloß, die Regie der TRIONFI selber übernehmen zu wollen. Orff schreibt:
„Über dieses Vorhaben war ich ziemlich erschrocken, denn trotz mancher ausgezeichneter Regieeinfälle (…) wurde mir klar, daß er die besonderen Schwierigkeiten dieses Unternehmens unterschätzte. (..) Ich bat ihn dringend, auf seinen ersten Vorschlag zurückzukommen und sich der Mitarbeit eines gewiegten Regisseurs zu versichern. Leider konnte ich ihn dazu nicht bewegen.“
Dann sagten auch noch Reinking und Neher aus unterschiedlichen Gründen ihre Mitarbeit ab und Josef Fenneker übernahm daraufhin die Ausstattung. Ein weiterer Tiefschlag kam von dem Chorleiter der Scala, Maestro Vittore Veneziani: er mußte Orff mitteilen, daß ein Zusatzchor nicht beschafft werden könne.
Orff hatte zunächst beabsichtigt, nur die Haupt- und Generalprobe zu besuchen, fuhr dann aber wegen beunruhigender Nachrichten Anfang Februar 1953, grippekrank, doch nach Mailand. Hier mußte der Komponist feststellen, daß die „Unfertigkeit der szenischen Einstudierung“ zu dem allseits beliebten „Allheilmittel“ von „barbarischen Strichen“ geführt hatte und Orff sah das „Verhängnis über mich und mein Werk“ hereinbrechen. Für ihn war klar, daß Karajan die Regie nicht in den Griff bekommen hatte. Die Uraufführung endete tatsächlich mit Pfiffen und niederschmetternden Kritiken in der italienischen Presse, die die Reputation des Komponisten in Italien für längere Zeit zerstört hatte.
Der Triumph des TRITTICOS kam am 5. März 1953 mit der ersten konzertanten Aufführung im Herkulessaal der Münchner Residenz. Unter Eugen Jochums Leitung sangen Elisabeth Schwarzkopf, Hans Braun, Paul Kuen, Richard Holm, Nicolai Gedda und Kurt Böhme. Dieser Triumph wiederholte sich kurz darauf bei einem Gastspiel in Zürich. Am 10. März 1953 leitete Ferdinand Leitner die Stuttgarter Erstaufführung, im gleichen Jahr dirigierte Wilhelm Brückner-Rüggeberg die von Günther Rennert betreute Hamburger Aufführungsserie und am 19. Juni gab es im Wiener Konzerthaus eine konzertante Darbietung im Rahmen des Musikfestes unter Heinrich Hollreiser. Die erste szenische Wiener Aufführung in der Staatsoper, 1957, leitete ebenfalls Heinrich Hollreiser, die Regie führte Günther Rennert in den Bühnenbildern von Caspar Neher.
© Manfred Rückert für TAMINO-Opernführer 2011
unter Hinzuziehung von Opernführern aus den Verlagen
Bärenreiter und Reclam
Chormusikführer von Harenberg
Textheft aus dem Verlag B. Schott's Söhne, Mainz, 1951
Dokumentation über Orffs Werke aus dem Schneider-Verlag Tutzingen
Wikipedia über Orff und „Trionfi di Afrodite“
