Der Abschied im Lied

  • Im Liedschaffen der Komponisten ist oft auch das Thema "Abschied" vertont. Manche Stücke sind direkt mit diesem Wort überschrieben, andere Lieder behandeln das Thema im Gedichttext. Franz Schubert hat - soweit ich das überblicke - vier seiner Lieder mit "Abschied" überschrieben:


    Abschied D475 Über die Berge zieht ihr fort
    Johann Mayrhofer
    Ein hörenswertes Lied mit ganz reizvollem Anfang und Ende des Klavierparts.


    Abschied D578 Abschied von einem Freunde
    Abschiedsgedicht Franz Schuberts an Franz von Schober. Die Komposition wurde anlässlich der Abreise Franz von Schobers geschrieben, der seinen Bruder besuchen wollte.


    Abschied D829 Leb wohl du schöne Erde
    Adolf von Pratobevera
    Dieses Lied ist insoweit etwas Besonderes, dass es das einzige Melodram Schuberts ist. Es stammt aus der dramatischen Dichtung "Der Falke" und wird eher gesprochen und nicht gesungen.


    Abschied D957 Ade! Du muntre, du fröhliche Stadt
    Ludwig Rellstab
    Aus dem "Schwanengesang" stammend, hat dieses Schubertsche Abschiedslied wohl den größten Bekanntheitsgrad, der hier vorgestellten Lieder.


    Aber es gibt von Franz Schubert auch noch Abschied von der Harfe D406 und weitere Lieder, in denen "Abschied" thematisiert ist. Der Begriff "Abschied" assoziiert in der Regel melancholische Gedanken - aber von jeder Regel gibt es bekanntlich Ausnahmen.
    Eine solche Ausnahme bietet der von Hugo Wolf komponierte "Abschied" (Text Eduard Mörike), der so gar nichts mit Melancholie zu tun hat; ein köstliches Musikstück, das jedem empfohlen werden kann, der Hugo Wolf nicht so sehr mag ...


    Abschied - ist die innigste Weise menschlichen Zusammenseins, habe ich mal irgendwo gelesen; kein Wunder, dass sich Dichter und Komponisten dieses Themas angenommen haben. Bleibt zu hoffen, dass viele Taminas und Taminos hier einen Beitrag leisten und ihre ganz persönlichen "Abschiede" einem breiteren Publikum zur Kenntnis bringen. Ich wünsche frohes Schaffen!

  • Das ist ein wunderschönes Thema für einen Thread!!


    Es ist nicht gegenständlich-plakativ, nach dem Muster: "Der Wald im Lied", sondern es weist eine tiefreichende menschliche Dimension auf.


    Abschied, - das kennt jeder von uns. Und jedem von uns fällt dazu ein Lied ein. Etwa dieses von Brahms:


    Da unten im Tale läuft´s Wasser so trüb
    und i kann dir´s nit sagen, i hab di so lieb ...
    ...
    Für die Zeit, wo du g´liebt mi hast,
    dank i dir schön,
    und i wünsch, daß dir´s anderswo
    besser mag gehn.

  • Wenn ich diesen Text lese und höre assoziiere ich eher den Begriff "Volkslied" und denke weniger an ein "Kunstlied", weil es so schlicht daher kommt, aber das ist bei Brahms ja keine große Überraschung ...
    Ich habe es u.a. in der Interpretation von Christoph Prégardien / Tilmann Hoppstock (Gitarre).
    Lehnst Du auch in diesem Falle eine Gitarrenbegleitung ab?


    Du kennst ja mein "Steckenpferd" Interpretation - Gundula Janowitz singt das Lied bei YouTube; ihr natürlicher Vortrag hat mir sehr gefallen, weil es so völlig ungekünstelt wirkt.

  • Womit wir genau bei meinem Problem wären, lieber hart! Ich habe es nur nicht hier gleich reinstellen wollen.


    Meine Lieblingsinterpretation ist die von Elisabeth Schwarzkopf. Die ist unglaublich expressiv. Sie lässt beim letzten Vers des Liedes ihre Stimme beinahe brechen.


    Aber wird eine solche Interpretation dem Volksliedton gerecht? Ich kenne noch die Interpretationen von Elly Ameling. von der Damrau und der Kirchschlager. Alle bemühen sich um den schlichten Volksliedton, den Du auch bei der Janowitz so eindrucksvoll findest.


    Warum nur will mir der Gesang von der Schwarzkopf nicht aus dem Ohr?


    Ach ja - Gitarre würde ich bei diesem Lied sogar für akzeptabel halten. Vielleicht sogar schön. Dieses Instrument hat so etwas Sanftes im Klang, der sehr gut zu der wehmütig schmerzlichen Szenerie passt. Ich spiele es, nebenbei bemerkt, selber. Aber wenn es einer für die Winterreise missbraucht, wird sogar ein dilettierender Konzergitarrist wie ich böse.

  • Schubert hat ein weiteres Lied zu diesem Thema komponiert, in dem sich das Wort "Abschied" findet:
    Hectors Abschied D 312 Text Friedrich Schiller.


    In Schuberts Werk widmen sich etliche Lieder dem Abschied.

    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
    .

  • Vielen Dank, lieber hart, für den Hinweis auf You Tube. Ich habe mir die Aufnahme mit Gundula Janowitz dort angehört, weil ich sie selbst nicht besitze. Die Interpretation von Elisabeth Schwarzkopf ist dort übrigens auch zu hören, wie ich zu meiner Freude feststellte.


    Es ist kein größerer Gegensatz zwischen diesen beiden denkbar. Gunduka Janowitz wählt - ganz bewusst natürlich - einen gleichsam "naiven" Volksliedton, während Elisbabeth Schwarzkopf interpretierend vom lyrischen Text herkommt und infolgedessen ungleich differenzierter und mit sehr viel Seele singt.


    In kenne noch weitere Fassungen dieses Liedes von ihr. Aber es ist immer wieder dasselbe: Ihre Interpretation rührt mich und hat dieses Lied zu einem meiner Lieblingslieder gemacht. Ist es aber dem Lied angemessen, es in dieser Weise zu interpretieren? Das war ja meine Frage.


    Es ist übrigens vom Text her ein "Volkslied" aus der Sammlung des Zuccalmaglio, aus der sich Brahms intensiv bedient hat. Was er daraus macht, ist ein für ihn typisches "Volks-Kunstlied".


    Aber ich hätte gar gerne Dein Urteil und das anderer Taminoaner/innen. Zum Thema des Threads gehört dieses Lied ja ohne Zweifel. Ich nehme doch nicht an, dass man sich hier auf Schubert beschränkt!

  • Zitat

    Schubert hat ein weiteres Lied zu diesem Thema komponiert, in dem sich das Wort "Abschied" findet.

    Lieber moderato,
    schön, dass Du darauf hingewiesen hast; ich mag Schubert und Schiller, aber beide zusammen begeistern mich nicht allzusehr. Die Kombination Schubert und Goethe steht mir sehr viel näher, aber ich kann nicht sagen warum ...
    Deshalb musste ich (im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten) nachschauen und nachhören. Es ist ein Duett Andromache - Hektor. Wie meist, findet man auch dies auf YouTube - unverkennbar verbirgt sich hinter Hektor Dietrich Fischer-Dieskau ... zu Andromache wage ich keine klare Aussage.
    Vor mir liegt ein Schiller-Text mit dem Untertitel (zweite Fassung 1780) Demnach müsste es auch eine erste Fassung geben ... ich bin hier mit meinem Latein am Ende, ein klarer Fall für den wortgewaltigen Helmut Hofmann ... (und das ist nicht ironisch gemeint)

  • Zitat


    Es ist kein größerer Gegensatz zwischen diesen beiden denkbar. Gunduka Janowitz wählt - ganz bewusst natürlich - einen gleichsam "naiven" Volksliedton, während Elisbabeth Schwarzkopf interpretierend vom lyrischen Text herkommt und infolgedessen ungleich differenzierter und mit sehr viel Seele singt.

    Natürlich hatte ich auch Frau Schwarzkopf auf YouTube gehört und nicht nur Gundula Janowitz, aber ich wollte meinen Beitrag nich zu "sängerlastig" gestalten. Ein gutes Beispiel, wie man zum Sammler wird, denn beide singen das sehr schön, wobei ich bei Elisabeth Schwarzkopf mehr die Kammersängerin höre - mit delikater Wortbehandlung.

    Zitat

    Aber ich hätte gar gerne Dein Urteil und das anderer Taminoaner/innen. Zum Thema des Threads gehört dieses Lied ja ohne Zweifel. Ich nehme doch nicht an, dass man sich hier auf Schubert beschränkt!

    Wenn wir uns mit "Deinem Lied" schon im schwäbischen Sprachraum aufhalten, denke ich an Friedrich Silcher (1789-1860)
    In dem ausgewählten Text kommt das Wort "Abschied" überhaupt nicht vor, aber ich lese es heraus - liege ich da falsch?


    Da drunten im tiefen Tale
    Drei hohe Linden stehn,
    Die kann ich ohne Weinen
    Wohl nimmermehr ansehn.
    Es war da bei den Linden,
    Als mich mein Lieb verließ,
    'Ach, lieber Knab, mußt wandern,
    Mein Treu bleibt dir gewiß.'
    Nun bin ich wiederkommen
    Und geh' zu'n Linden hin:
    Da muß ich traurig schauen,
    Wie ich vergessen bin.


    Noch eine Bemerkung zur Interpretation: Meine Wahl ist Hermann Prey, der von Karl Scheit (Gitarre) begleitet wird - auch hier eine Volksweise, es muss in diesem Falle nicht der Steinway sein. Frage: Ist dieses Lied sentimental?



    Außer dem vorgestellten Silcher-Lied sind auf dieser CD noch Stücke von Beethoven, Haydn, Schulz, Reichardt, Zelter, Teyber, Danzi, Tomaschek, Spohr, v. Weber und Schubert.

  • Der 29jährige Carl Loewe hat 1825 das Uhland Gedicht als op. 3/1 vertont.


    Ludwig Uhland Abschied (1806)
    Was klinget und singet die Straß herauf?
    Ihr Jungfern, machet die Fenster auf!
    Es ziehet der Bursch in die Weite,
    Sie geben ihm das Geleite.


    Wohl jauchzen die andern und schwingen die Hüt,
    Viel Bänder darauf und viel edle Blüt,
    Doch dem Burschen gefällt nicht die Sitte,
    Geht still und bleich in der Mitte.


    Wohl klingen die Kannen, wohl funkelt der Wein:
    »Trink aus und trink wieder, lieb Bruder mein!« –
    »Mit dem Abschiedsweine nur fliehet,
    Der da innen mir brennet und glühet!«


    Und draußen am allerletzten Haus,
    Da gucket ein Mägdlein zum Fenster heraus,
    Sie möcht ihre Tränen verdecken
    Mit Gelbveiglein und Rosenstöcken.


    Und draußen am allerletzten Haus,
    Da schlägt der Bursche die Augen auf
    Und schlägt sie nieder mit Schmerze
    Und leget die Hand aufs Herze.

    »Herr Bruder! und hast du noch keinen Strauß,
    Dort winken und wanken viel Blumen heraus.
    Wohlauf, du Schönste von allen,
    Laß ein Sträußlein herunterfallen!«


    »Ihr Brüder, was sollte das Sträußlein mir?
    Ich hab ja kein liebes Liebchen wie ihr.
    An der Sonne würd es vergehen,
    Der Wind, der würd es verwehen.«


    Und weiter, ja weiter mit Sang und mit Klang!
    Und das Mägdlein lauschet und horchet noch lang:
    »O weh! er ziehet, der Knabe,
    Den ich stille geliebet habe.


    Da steh ich, ach! mit der Liebe mein,
    Mit Rosen und mit Gelbveigelein;
    Dem ich alles gäbe so gerne,
    Der ist nun in der Ferne.«


    Zu finden in einer preiswerten Box von cpo bei jpc:


    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Lieber moderato,
    danke für Deinen Beitrag; die von Dir erwähnte cpo-CD ist eine meiner Lieblinge aus dieser Serie. Ich unterstütze Deinen Hinweis, damit Mitleser auch die Namen der Interpreten erfahren. Leider sagt das Begleitheftchen nichts über das Lied Abschied aus; man erfährt nur, dass der Buchhändler Schlesinger für Balladenhefte gut zahlt.

    Das Lied "Abschied" schildert hier eine scheinbar recht belanglose Situation, zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man der Musik lauscht, die den Text nur etwas untermalt.
    Auch der Sänger sieht sich zu keiner größeren Anstrengung herausgefordert.
    Dramatisch ist die Situaton wohl für das zurückbleibende Mägdlein mit seinen Blumen, aber das entnehme ich Uhlands Text und nicht der Musik - es ist ein ganz leiser und unspektakulärer Abschied ... Das Stück (auf dieser CD) vorher, "Das Erkennen" ist wohl etwas rührselig (wie das auch der Text im Heftchen vermerkt), aber hier hat man eindeutig mehr musikalische Dramatik - dieses Stück ("Das Erkennen") komponierte Loewe 12 Jahre später, aber Experten sprechen ja Carl Loewe ab, dass er sich entwickelt hat ...

  • Lieber hart


    Über die Qualität dieses Loewe-Liedes wollte ich mich nicht äussern. Der aussagekräftige Uhland-Texte sollte anderen zugänglich gemacht werden. Wie du richtig bemerkst, vollzieht sich die Dramatik der Szene mehr im Text als in den Noten von Klavier und Singstimme. Die Tragik verborgener Liebe wird sichtbar in den beiden letzten Strophen, die dem Mädchen gewidmet sind.


    Ich möchte mit meinen Beitrag unbekannteres Liedgut zum Thema bekannt machen und werde in meiner CD-Sammlung nach weiteren Beispielen mich umsehen und einhören.


    Sänger und Klavierbegleiter wollte ich nicht unterschlagen, denn als ich den Gedichttext in den Thread zu setzen versuchte, funktionierte die Verlinkung nicht. Cord Garben, der alle Sänger und Sängerinnen dieser 21teiligen Edition am Klavier begleitet hat, unterstützt Kurt Moll, Bass in dieser Aufnahme. Die Scheibe zählt wie für dich zu meinen Lieblingen.
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    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Soweit mir bekannt, gibt es zwei von Hans Pfitzner vertonte Lieder, die in diesen Thread passen, weil sie den Begriff Abschied im Liednamen tragen.
    Bei dem Lied Abschied op.9 Nr.5 wird häufig auch die erste Gedichtzeile Abendlich schon rauscht der Wald herausgestellt, ganz so als wäre das der eigentliche Liedtitel.
    Nach meinen Erfahrungen im Internet, wird dieser Liedtitel auf CD´s nicht sehr oft angeboten.
    Vor mir liegt eine alte EMI-LP mit dem Titel: Dietrich Fischer-Dieskau singt Lieder von Hans Pfitzner, nach Gedichten von Joseph von Eichendorff - Karl Engel, Klavier
    Leider wird kein Aufnahmedatum genannt, aber der Sänger vermittelt auf der Plattenhülle einen jugendlichen Eindruck, vermutlich habe ich diese Schallplatte vor etwa 40 Jahren gekauft ...
    Auf Seite zwei dieser Langspielplatte sind jedoch gleich zwei Abschiede Pfitzner / Eichendorff zu hören; nämlich auch Zum Abschied meiner Tochter op.10 Nr.3
    Dieses Lied kann man erfreulicherweise (auch wenn es kein "Ohrwurm" ist) auf YouTube hören und in Bildern sehen. Es singt der noch junge Dietrich Fischer-Dieskau, der von Wolfgang Sawallisch am Flügel begleitet wird; alte Schule ... beide Herren im Frack. Damit Interessierte beim Hören den Text parat haben, stelle ich diesen hier ein:

    Zum Abschied meiner Tochter

    Der Herbstwind schüttelt die Linde,
    Wie geht die Welt so geschwinde!
    Halte dein Kindlein warm.
    Der Sommer ist hingefahren,
    Da wir zusammen waren-
    Ach, die sich lieben, wie arm!


    Wie arm, die sich lieben und scheiden!
    Das haben erfahren wir beiden,
    Mir graut vor dem stillen Haus.
    Dein Tüchlein noch läßt du wehen,
    Ich kann's vor Tränen kaum sehen,
    Schau still in die Gasse hinaus.


    Die Gassen schauen noch nächtig
    Es rasselt der Wagen bedächtig -
    Nun plötzlich rascher der Trott
    Durchs Tor in die Stille der Felder,
    Da grüßen so mutig die Wälder,
    Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!

  • ein sehr schönes Abschiedslied von F. Mendelssohn, (J. von Eichendorff)


    Abschied vom Walde


    O Täler weit, o Höhen,
    O schöner, grüner Wald,
    Du meiner Lust und Wehen
    Andächt'ger Aufenthalt!
    Da draußen, stets betrogen,
    Saust die geschäft'ge Welt,
    Schlag noch einmal die Bogen
    Um mich, du grünes Zelt!


    Wann es beginnt zu tagen,
    Die Erde dampft und blinkt,
    Die Vögel lustig schlagen,
    Daß dir dein Herz erklingt:
    Da mag vergehn, verwehen
    Das trübe Erdenleid,
    Da sollst du auferstehen
    In junger Herrlichkeit.


    Da steht im Wald geschrieben
    Ein stilles, ernstes Wort,
    Vom rechten Tun und Lieben,
    Und was des Menschen Hort.
    Ich habe treu gelesen
    Die Worte, schlicht und wahr,
    Und durch mein ganzes Wesen
    Ward's unaussprechlich klar.


    Bald werd' ich dich verlassen,
    Fremd in der Fremde gehn,
    Auf buntbewegten Gassen
    Des Lebens Schauspiel sehn,
    Und mitten in dem Leben
    Wird deines Ernst's Gewalt
    Mit Einsamen erheben,
    So wird mein Herz nicht alt.

  • Liebe musica
    Danke für deinen Hinweis auf dieses Mendelsohn-Lied und den Eichendorff-Text. Eigentlich hätte ich auch selber darauf kommen können, denn ich singe es gerne in meinem Chor. Es geht mir zu Herzen.

    Das dritte Lied von Johannes Brahms aus den sieben Liedern op. 95 ist mit "Beim Abschied" überschrieben. Der Text stammt von Friedrich Halms.


    Ich müh' mich ab und kann's nicht verschmerzen
    Und kann's nicht verwinden in meinem Herzen,
    Daß ich den und jenen soll sehen.
    Im Kreis um mich herum sich drehen,
    Der mich nicht machte froh noch trübe,
    Ob er nun ging' oder bliebe,
    Und nur die Eine soll von mir wandern,

    Für die ich ertragen all die andern.


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    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • F. Silcher



    Nun leb´ wohl, du kleine Gasse
    nun ade, du stilles Dach!
    Vater, Mutter sahn mir traurig
    und die Liebste sah mir nach


    Hier in weiter, weiter Ferne
    wie´s mir nach der Heimat zieht
    Lustig singen die Gesellen
    doch es ist das falsche Lied.


    Andre Städtchen kommen freilich
    andre Mädchen zu Gesicht, ach!
    wohl sind es andre Mädchen
    doch die Eine ist es nicht.


    Andre Städtchen, andre Mädchen
    ich da mittendrin so stumm
    Andre Städtchen, andre Mädchen
    o wie gerne kehrt´ ich um!

  • Das von hart in Beitrag Nr.12 präsentierte Pfitzner-Lied "ZUM ABSCHIED MEINER TOCHTER" bedarf eines Kommentars, weil es nicht nur eines der schönsten Lieder zum Thema Abschied ist, sondern darüberhinaus eine Perle im deutschen Kunstliedgut.


    Das kurze Klaviervorspiel ist von einer wiegenden und von leichter Unruhe erfüllten Bewegung getragen. Dieses musikalische Motiv prägt das gaze Lied und soll wohl die wiegende Bewegung einer Kutsche suggerieren. Es entfaltet darin eine bemerkenswerte Eindringlichkeit, weil es während des Liedes auf vielfältige Weise variiert wird.


    Immer wieder aufs Neue passt es sich den Aussagen der einzelnen Verse an, unterstützt, akzentuiert und interpretiert sie. Es läuft dabei durch ferne Tonarten, wird zum Bestandteil eines polyphonen Satzes oder schwebt wie ein filigranes Tongebilde über dunklen Bässen, die auffällig schwer und unbeholfen wirken.


    Die Singstimme setzt zunächst mit einer ruhigen, schlichten, syllabisch exakt deklamierten Melodie ein. Die ersten Takte klingen wie eine Feststellung: "Der Herbstwind schüttelt die Linde..." Dann aber, bei "Halte dein Kindelein warm ..." kommt Bewegung in die Harmonik. Die melodische Linie bewegt sich nach oben, scheint wie in den Erinnerungen an den "hingefahrenen Sommer" zwischen verschiedenen Tonarten schwebend, zu verharren, um dann in einen Klageton zu verfallen: "Ach, die sich lieben..."


    Der Ton, mit dem die erste Strophe endet, wird mit dem Beginn der zweiten Strophe aufgegriffen, wodurch das Wort "arm" in der Wiederholung einen starken musikalischen Akzent erhält. Das ist ohnehin ein bemerkenswerter Vers in diesem Gedicht von Eichendorff, weil er sich zunächst so liest, als sei ein Mensch, der liebt, ein "armer".


    Die folgenden Verse, in denen die Bilder der Erinnerung meditativ weiterverfolgt werden, sind von schwebenden Klängen im Klavier umspielt, in denen das musikalische Leitmotiv des Liedes immer wieder aufklingt. Bei dem "Grauen vor dem stillen Haus" kommt eine Verzögerung in die melodische Linie, die dann mit frischer Bewegung neu einsetzt. Die Musik ist in die Gegenwart zurückgekehrt: "Dei Tüchlein lässt du noch sehen..." Aber gleich wird sie wieder zögerlich, senkt sich nach unten in Mollklänge und verharrt erneut beim Blick "hinaus in die Gasse".


    In der dritten Strophe setzt die melodische Linie in tiefer Lage erneut kraftvoll, aber bedächtig ein. Das Tempo steigert sich, und die melodische Linie bewegt sich nach oben: Der "Trott" wird "rascher". Mit den letzten Versen kommt ein strahlend heller Ton in das Lied. Er steigert sich und wird am Ende zu einem großen, weit hinausklingenden Nachruf: "Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!" Mit einer Wiederholung dieses Grußes, ein wenig verhaltener, aber durchaus im Dur-Bereich verbleibend, klingt das Lied aus.


    Man sehe mir diese ausführliche Beschreibung dieses Liedes nach. Aber es ist in der Tat ein wunderschönes musikalisches Werk und eines meiner Lieblingslieder überhaupt. Abschied kann man musikalisch kaum großartiger zum Ausdruck bringen!

  • Anmerkung von hart zu dem Lied "Zum Abschied meiner Tochter":


    "...(auch wenn es kein "Ohrwurm" ist)" ------ So können die Meinungen über ein Lied auseinandergehen. Ich weiß zwar nicht, was man unter einem "Ohrwurm" genau verstehen soll, aber wenn dieses Wort die Feststellung beinhaltet, dass dieses Lied nicht beeindruckend, in seiner musikalischen Faktur nicht bedeutend und in seiner Melodik nicht überaus eingängig sein sollte, dann geht diese Qualifikation daneben.


    Zitat hart:


    "Bei dem Lied Abschied op.9 Nr.5 wird häufig auch die erste Gedichtzeile Abendlich schon rauscht der Wald herausgestellt, ganz so als wäre das der eigentliche Liedtitel."


    Das ist zwar nicht der "eigentliche Liedtitel", aber es ist das lyrische und das musikalische Zentrum des Liedes, wie man leicht nachlesen kann, wenn man einen Blick in den Thread "Sprache und Musik im Lied" wirft (Beitrag 263). Es geht in diesem Lied nicht um Abschied im Sinne der thematischen Vorgaben dieses Threads. Ein kurzer Blick in den Liedtext - besser noch: ein Anhören des Liedes - macht das deutlich.


    "Abschied" steht über diesem Gedicht, weil hier das lyrische Ich eine Abendsituation erlebt, die in ihren Bildern zwiespältig ist: Der Wald rauscht auf beruhigende Weise "abendlich", und zugleich hört "der Wanderer" "schauernd" zu, wie "Wald und Welt versausen". Eine existentielle Urangst wird hier angesprochen, die im Menschen die Sehnsucht nach Ruhe weckt. Diese Ruhe ist aber ambivalent. Sie beinhaltet zunächst einmal die einfach nächtliche, aber im Hintergrund schwingt die Ruhe des Todes mit.


    Das alles ist mit dem Titel des Gedichts - "Abschied"- angesprochen.


    (Die Zitate stammen aus dem Beitrag Nr.12)

  • Besten Dank für Deine differenzierten und ergänzenden Beiträge.

    Zitat

    Ich weiß zwar nicht, was man unter einem "Ohrwurm" genau verstehen soll, aber wenn dieses Wort die Feststellung beinhaltet, dass dieses Lied nicht beeindruckend, in seiner musikalischen Faktur nicht bedeutend und in seiner Melodik nicht überaus eingängig sein sollte, dann geht diese Qualifikation daneben.

    Den Begriff "Ohrwurm" hatte ich ja in Anführungszeichen gesetzt. In WIKIPEDIA werden diese Zeichen u.a. wie folgt erklärt:
    "... von deren Verwendung man sich - etwa ironisch oder durch Unterlegung eines anderen Sinns - distanzieren möchte."
    Der Begriff "Ohrwurm" ist nach meinen Erfahrungen hier im Forum üblicher Sprachgebrauch.


    Aber nun zurück zu dem Thema Abschiedslieder; verweilen wir noch bei Hans Pfitzner. Das Lied Willkommen und Abschied, aus Goethes Sturm-und-Drang-Zeit, ist bei meinem CD-Bestand in zwei Kompositionen zu hören - Hans Pfitzner und Franz Schubert.
    Eigentlich müsste man hier Schubert zuerst nennen, denn die rhythmische Melodie dieses bekannten Schubert-Liedes hat wohl jeder Lied-Freund im Kopf.
    Ob dieses Gedicht auch von J.F. Reichardt, der ja mehr als hundert Goethetexte mit Musik begleitet hat, vertont wurde kann ich nicht sagen.


    Also bleibt mir nur der Vergleich Pfitzner / Schubert
    So etwas macht grundsätzlich Schwierigkeiten, wenn man Altbekanntes - in meinem Falle Schubert - mit der "neuen" Musik von Pfitzner hört. Beide Komponisten beginnen so, dass Pferdegetrabe zu hören ist. Aber aus meiner Sicht achte ich bei Pfitzner eher auf den Text, während beim Hören der Schubert-Version für mich die Musik in den Vordergrund tritt - bei einem anderen Hörer mag das natürlich ganz anders sein ... dies ist nur mein ganz subjektiver Eindruck. Es entsteht ein simultaner Kontrast, der beim Vergleich von Farben mitunter phänomenale Wirkung zeigt - warum sollte es in der Musik anders sein?


    Meine Interpreten waren übrigens: Hans Hotter (Pfitzner) und Christoph Prégardien (Schubert)


    Da es von diesem Gedicht zwei Fassungen gibt, stelle ich die beiden Anfänge (aus dem Internet geholt) mal hier ein:


    (Frühere Fassung, 1771)
    Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
    Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
    Der Abend wiegte schon die Erde,
    Und an den Bergen hing die Nacht.
    Schon stund im Nebelkleid die Eiche
    Wie ein getürmter Riese da,
    Wo Finsternis aus dem Gesträuche
    Mit hundert schwarzen Augen sah.


    (Spätere Fassung, ~1785)
    Es schlug mein Herz, geschwind, zu Pferde!
    Es war getan fast eh gedacht.
    Der Abend wiegte schon die Erde,
    Und an den Bergen hing die Nacht;
    Schon stand im Nebelkleid die Eiche
    Ein aufgetürmter Riese, da,
    Wo Finsternis aus dem Gesträuche
    Mit hundert schwarzen Augen sah.

  • Zitat hart:


    "Beide Komponisten beginnen so, dass Pferdegetrabe zu hören ist. Aber aus meiner Sicht achte ich bei Pfitzner eher auf den Text, während beim Hören der Schubert-Version für mich die Musik in den Vordergrund tritt - bei einem anderen Hörer mag das natürlich ganz anders sein"


    In der Tat, es ist bei mir anders! Die beiden Lieder - das von Schubert und das von Pfitzner - sind aus einem sehr unterschiedlichen Verständnis des Gedichts heraus komponiert. Schon die ersten Takte lassen lassen hörbar werden: Im einen Fall (Pfitzner)ein gewaltiges trabendes Geraune im Klavier, im anderen (Schubert) eher leichtfüßig dahinhüpfende Klavierakkorde.


    Schubert will situativ schildern und die Empfindungen des zur Geliebten Reitenden musikalisch reflektieren. Man kann hören (in einem leichten melodischen Bogen), wie der Abend die Nacht wiegt, wie die Eiche als aufgetürmter Riese dasteht, wie das Feuer in den Adern des Reitenden strömt, und wenn dann die milde Freude aus dem süßen Blick der Geliebten fließt, bekommt die Musik einen ausgeprägt lieblichen Ton. Schubert refelkteirt die lyrische Sprache und ihre jeweilige Aussage an jeder Stelle seines Liedes. Deshalb verstehe ich nicht, wieso bei Schubert die lyrische Sprache hinter die Musik zurücktreten soll. Es ist eher umgekehrt: Das tut sie bei Pfitzner!


    Pfitzner reflektiert musikalisch die lyrische Sprache nur grob und ansatzweise. Man spürt erst von der dritten Strophe an, dass die Musik auf die lyrischen Bilder reagiert. Erst von da an berühigt sich die unglaubliche Hektik, die dieses Lied vom ersten Takt an prägt. Pfitzner geht es - im Unterschied zu Schubert - um eine szenische Gestaltung des Vorgangs, der in diesem Lied geschildert wird. Sein Lied hat deshalb einen ausgeprägt epischen Charakter, man könnte es fast schon eine Ballade nennen. Beim ersten Hören denkt man: Eigentlich gehört dieses Lied auf die Bühne, so theatralisch wirkt es.

  • Dieses, von Ludwig van Beethoven komponierte Lied, gehört wohl eher nicht zu den Glanzstücken des Komponisten, wenn man es mit "Adelaide", "An die Hoffnung" oder mit den Liedern des Opus 98, "An die ferne Geliebte" vergleicht.
    Des Kriegers Abschied ist auf CD´s nicht besonders oft vertreten. Auch der heroische Text von Christian Ludwig Reissig spricht wohl nicht besonders an ...
    Deshalb stelle ich hier nur die erste von vier Strophen ein, damit sich Mitleser ein Bild machen können, denn man muss dieses Gedicht nicht unbedingt kennen.
    Auf der hier gezeigten CD singt Peter Schreier u.a. auch dieses Lied, aber auch andere, viel schönere Beethoven-Lieder.


    Textprobe:


    Ich zieh' in's Feld, von Lieb' entbrannt,
    Doch scheid' ich ohne Thränen;
    Mein Arm gehört dem Vaterland,
    Mein Herz der holden Schönen;
    Denn zärtlich muß der wahre Held
    Stets für ein Liebchen brennen,
    Und doch für's Vaterland im Feld
    Entschlossen sterben können.


  • Es ist nicht ganz ersichtlich, warum im Beitrag Nr.18 die erste Strophe der ersten Fassung von "WILLKOMMEN UND ABSCHIED" abgedruckt ist, denn die wurde von niemandem je zu einem Lied komponiert. Bei der zweiten Strophe wurde das Entstehungsjahr unter Berufung auf das Internet mit ungefähr 1785 angegeben. Man sollte sich beim Einstellen von Texten hier ins Forum nicht auf das Internet verlassen. Es soll schon vorgekommen sein, dass dabei ganze Strophen eines Liedes fehlten, ohne dass der "Einsteller" das bemerkt hat.


    Die zweite Fassung dieses Gedichts von Goethe wurde nicht 1785, sondern 1789 veröffentlicht. Dort lautet die Überschrift allerdings noch "WILLKOMM UND ABSCHIED". Die endgültige Fassung erschien in der Werksausgabe 1810.


    Ohnehin hat es wenig Sinn, nur die erste Strophe dieses großartigen Gedichts hier ins Forum zu stellen. Denn das Thema, um das es in diesem Thread geht, wird erst in der vierten (und letzten) Strophe angesprochen. Die sei deshalb hier durch Abschreiben von Hand eingegeben:


    Doch ach, schon mit der Morgensonne
    Verengt der Abschied mir das Herz:
    In deinen Küssen welche Wonne!
    In deinem Auge welcher Schmerz!
    Ich ging, du standst und sahst zur Erden
    Und sahst mir nach mit nassem Blick:
    Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
    Und lieben, Götter, welch ein Glück!


    Es ist interessant, dass "Abschied" hier als durchaus nichts Bedrückendes und Belastendes dargestellt wird, - jedenfalls aus der Perspektive des lyrischen Ichs! Der ungeheuere Schwung und die Lebensfreude, die das ganze Gedicht von Anfang an prägen, drängen sozusagen über die Szene des Abschieds hinweg. Die Geliebte muss zwar verlassen werden und bleibt "mit nassem Blick" zur Erde sehend zurück, aber der gewaltige Jubel, der das lyrische Ich ganz erfüllt, nimmt durch diese Szene keinen Schaden. Bemerkenswert ist der Schluss auch deshalb, weil das "Lieben" dem "Geliebtwerden" an Wert mindestens gleichgestellt, wenn nicht sogar als die größere Beglückung angesehen wird.


    Schubert ist dem Gedicht besser gerecht geworden als Pfitzner. Pfitzners Vertonung ist entschieden zu bombastisch und theatralisch, während Schubert berücksichtigt, dass es sich hier ja im Grunde um ein Seelengemälde handelt, und nicht, wie Pfitzner meint, um die Schilderung eines Ereignisses, das ganz von der Eile eines zur Geliebten reitenden Mannes geprägt ist. So hört sich nämlich Pfitzners Lied an.


    In dem am 7. Dezember 1822 von Schubert an Spaun adressierten Brief heißt es u.a.: "Auch habe ich einige neue Lieder von Goethe komponiert, als: Der Musensohn, An die Entfernte, am Flusse und Willkommen und Abschied...".


    Dieses Gedicht wurde übrigens auch von Reichardt vertont. Schubert aber trifft die Seelenlage des lyrischen Ichs, die von starker innerer Unruhe in der Erwartung der Begegnung mit der Geliebten geprägt ist, viel besser. Vor allem die drängend eilige Triolenbegleitung trägt dazu maßgeblich bei. Bei Pfitzner ist im Klavier statt dessen ein wahres Donnergrollen zu hören, gegen das der Sänger mit permanentem Forte ankämpfen muss. Mit dem Geist dieses Werks, das ja keine Ballade, sondern ein lyrisches Gedicht ist, hat der Grundton des Pfitznerschen Liedes wenig zu tun.

  • Zitat

    Es soll schon vorgekommen sein, dass dabei ganze Strophen eines Liedes fehlten, ohne dass der "Einsteller" das bemerkt hat.

    Ja, ich bekenne mich voll schuldig Euer Ehren, ICH war der Wüstling! Weil dem so war, habe ich dieses Mal auf die nicht immer ganz wissenschaftlich exakte Quelle des Internet hingewiesen.
    Dass ich in meinem Beitrag nicht alle Strophen eingestellt habe, ist der Kenntnis geschuldet, dass jeder User sich das leicht in voller Länge auf den Bildschirm holen kann.


    Aber Dank Deiner Mühe haben Mitleser nun den Komfort, hier auch die letzte Strophe lesen zu können. Götter, welch ein Glück!


    Im Beitrag "Des Kriegers Abschied" hatte ich schließlich begründet, warum nur eine Textprobe angeboten wurde.


    Nun können wir uns wohl dem nächsten "Abschied" zuwenden - diesmal natürlich mit vollem Text, soviel Mörike muss sein ...

  • Obwohl das Wort "Abschied" im ganzen Text nicht zu finden ist, handelt es sich bei dem Mörike-Gedicht eindeutig um Abschied, das "Lebe wohl" sagt es aus.
    Hugo Wolf hat diese acht Zeilen vertont.
    Ich habe das Stück von verschiedenen Sängern ; meine aktuelle Hörauswahl fiel auf den Bass-Bariton Robert Holl, den ich aus dem Konzertsaal recht gut kenne.


    In der gehörten Aufnahme setzt der Sänger gleich zu Beginn des Liedes ein und Klavierspiel und Sänger werden dann nach "leichtem Herzen" deutlich leiser und danach klingt die erste Strophe ganz verhalten mit einem fast gehauchten "Lebewohl" aus ...
    Das "Ach tausendmal" folgt dann hierauf in der zweiten Strophe in expressivem Kontrast und erreicht mit "Qual" den Höhepunkt der Stimmentfaltung, dann klingt auch die zweite Liedstrophe ganz verhalten mit "gebrochen" aus ...


    Lebewohl
    "Lebe wohl!" - Du fühltest nicht,
    Was es heißt, dies Wort der Schmerzen:
    Mit getrostem Angesicht
    Sagtest du′s und leichtem Herzen.


    Lebe wohl! - Ach, tausendmal
    Hab′ ich mir es vorgesprochen.
    Und in nimmersatter Qual
    Mir damit das Herz gebrochen.
    Eduard Mörike



    Auch auf dieser CD ist das besprochene Lied zu hören und entsprechende Hörproben sind möglich.

  • Sprache und Musik im Lied- und Chorliedsatz.


    Hallo,


    es ist m. E. aufgrund der Struktur des Forums schwierig, Vergleiche anzustellen, die forenübergreifend sind.


    Im Kunstliedforum, Thread "Der Abschied im Lied", ist von "hart" eine CD mit von Hugo Wolf vertonten Mörikegedichten vorgestellt worden.


    Ich Zuge des Crash 2010 ist ein Beitrag zu Hugo Distler mit als Chorsätzen vertonten Mörikegedichten verloren gegangen.


    Ich stelle nun hier beide CDs hier ein (für den Thread "Abschied" nat. nur Distler)
    6673437



    und rege an, "Um Mitternacht" und "Denk es, o Seele" und "Lebewohl" einmal als Kunstlied von Wolf und einmal als Chorssatz von Distler vertont zu vergleichen, insbesondere, wem es besser gelungen ist, den Inhalt der Gedichte in Musik zu transponieren und damit noch verständlicher/beeindruckender zu machen

    Ich mag ja als Chorsänger vorbelastet sein - aber mit der möglichsten Neutralität ausgestattet - ist mein Votum eindeutig zu Gunsten von Distler; allein schon wegen der Möglichkeit, den sprachlichen Ausdruck mit der menschlichen Stimme "mehrstimmig" einzusetzen, noch dazu in dieser Vollkommenheit wie bei Distler.


    Um sowohl die Chormusik-, als auch die Kunstlied- und die Distlerfreunde erreichen zu können (und damit einen übergreifenden Dialog anzuregen), habe ich diesen Beitrag 3 x eingestellt, im Kunstliedforum, Thread "Der Abschied…", im Forum für Klassische Moderne…, Thread "Hugo Distler…" und im Chormusikforum, Thread "Choraufnahmen…". Alle o. g. genannten Werke sind bei "IPC "als "Schnipsel" zu hören, für einen noch besseren Vergleich wäre der Besitz beider CDs vorteilhaft.


    Herzliche Grüße
    zweiterbass


    Nachsatz: Sollte diese Vorgehensweise von der Forenleitung nicht erwünscht sein, erbitte ich entspr. Nachricht.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Lieber zweiterbass,
    auf der von Dir vorgestellten CD finde ich nur die Bezeichnungen von Track 1 bis Track 23, aber keine sonstigen Liedbezeichnungen.
    Falls Du im Besitz dieser CD bist, kannst Du bestimmt mitteilen, unter welcher Track-Nr. sich ein Abschiedslied verbirgt.

  • Mein Fehler - ich bitte um Entschuldigung.


    Track 11 "Um Mitternacht"
    Track 24 "Denk es ,o Seele"
    Track 26 "Lebewohl"

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Felix Dahn (1834-1912) war eher für seine historischen Romane bekannt, weniger als Verfasser von Gedichten. Durch die Musik von Richard Strauss werden diese drei Strophen jedoch immer wieder Verbreitung finden. Von den etwa 200 Strauss-Liedern - 187 liegen in der Gesamtausgabe gedruckt vor - ist bei vielen CD-Aufnahmen unserer Zeit sehr oft auch dieses schlichte Lied vertreten - in etwa 1:45 verklingt es mit leisem Klavierspiel ...
    Da von Männern gesungene Strauss-Lieder zu den selteneren Produktionen zählen, möchte ich zu Orientierung im Folgenden einige Sänger nennen, die auch dieses Lied auf Platte singen:
    Arnold Bezuyen, Jonas Kaufmann, Gösta Winbergh (Tenöre) / Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey, Karl Schmitt-Walter (Bariton) / Theo Adam (Bass)
    Neuerdings wird das Lied auch von Peter Edelmann angeboten (Sohn des bekannten Sängers Otto Edelmann).


    Ach Lieb, ich muss nun scheiden (Felix Dahn)


    Ach Lieb, ich muss nun scheiden,
    Gehn über Berg und Tal,
    Die Erlen und die Weiden,
    Die weinen allzumal.


    Sie sahen so oft uns wandern
    Zusammen an Baches Rand,
    Das Eine ohne den Andern
    Geht über ihren Verstand.


    Die Erlen und die Weiden
    Vor Schmerz in Tränen stehn,
    Nun denkt wie´s uns beiden
    Erst muss zu Herzen gehn.



    Diese Abbildung zeigt nur eine der vielen Möglichkeiten ...

  • Das Gedicht Mollys Abschied (Gottfried August Bürger) findet man in Beethovens Acht Lieder op.52


    Das Gedicht umfasst sieben Strophen; hier werden nur die drei ersten Strophen eingestellt, um einen Einblick zu geben, das gesamte Gedicht ist im Internet mehrmals zu finden. Beethovens Musik bietet in diesem Lied keine besonderen Höhepunkte, zumindest ist das mein Eindruck.


    Mollys Abschied


    Lebe wohl, du Mann der Lust und Schmerzen!
    Mann der Liebe, meines Lebens Stab!
    Gott mit dir, Geliebter! Tief zu Herzen
    Halle dir mein Segensruf hinab!


    Zum Gedächtniß biet' ich dir statt Goldes –
    Was ist Gold und goldeswerther Tand? –
    Biet' ich lieber, was dein Auge Holdes,
    Was dein Herz an Molly Liebes fand.


    Nimm, du süßer Schmeichler, von den Locken,
    Die du oft zerwühltest und verschobst,
    Wann du über Flachs an Pallas' Rocken,
    Ueber Gold und Seide sie erhobst!

  • Bleiben wir bei Beethovens selteneren Liedern. Mir liegt leider nur eine Aufnahme mit den folgenden spärlichen Daten vor:
    Hermann Prey (Bariton) / Leonard Hokanson (Klavier) / Heinrich-Schütz-Kreis Berlin. Die Abbildung unten zeigt ein 3 CD-SET, in dessen Inhaltsverzeichnis neben Abschiedsgesang an Wiens Bürger auch das oben vorgestellte Lied Mollys Abschied zu finden ist. Über den Textdichter scheint wenig bekannt zu sein, denn man findet nur die Angabe "Friedelberg (~1800)"
    Dieses rhythmische Lied hat weit mehr "Kraft und Saft" als "Mollys Abschied". Der Sänger schreitet mit seiner Fahne flott voran und jeweils nach dem Absingen der Strophe wiederholt der Chor die letzten drei Strophenzeilen (hier optisch dargestellt).
    Auf der mir vorliegenden Aufnahme werden nur drei der insgesamt sechs Stropen gesungen; die nicht gesungenen Strophen sind in schwarzer Schrift dargestellt.


    Es wäre schön, wenn jemand dazu mehr sagen könnte ...

    Abschiedsgesang an Wiens Bürger, WoO 121


    Keine Klage soll erschallen,
    Wenn vom hier die Fahne zieht,
    Tränen keinem Aug' entfallen,
    Das im Scheiden nach ihr sieht.

    Es ist Stolz auf diese Zierde
    Und Gefühl der Bürgerwürde,
    Was auf Aller Wangen glüht.


    Freunde! wünscht ihr Siegestönen
    Uns zur edlen Reise Glück.
    Heiter, folg' uns nach ihr Schönen!
    Euer seelenvoller Blick!

    Unser's Landes Ruhm zu mehren,
    Zieh'n wir mutig hin und kehren
    Würdiger zu euch zurück
    .


    Trotzend steh'n vor Donnerschlünden
    Kann wohl auch der Bösewicht.
    Milden Sinn und Mut verbinden,
    Menschheit ehren kann er nicht!
    Nie das Glück der Tugend trüben,
    Brüderlich den Landmann lieben:
    Das ist deutscher Helden Pflicht!


    Freu't euch, Väter, jubelt, Mütter!
    Nirgend, wo das Corps erscheint,
    Nicht bei Feinden, wird ihm bitter
    Von der Unschuld nachgeweint.
    Edel wollen wir uns rächen,
    Schweigen bis die Taten sprechen,
    Sie bewund're selbst der Feind!


    Bess're Menschen, bess're Bürger,
    Als wir nun von hinnen geh'n,
    Keine sittenlose Würger,
    Sollt ihr in uns wiederseh'n.
    Unser Wien empfängt uns wieder,
    Ruhmbekränzet, stark und bieder;
    Auf! laßt hoch die Fahne weh'n!


    Laßt uns folgen dieser Fahne,
    Durch Theresens Kunstwerk reich;
    Deren Goldband uns ermahne:
    Tugend mach uns Fürsten gleich.

    Ha! wenn wir zurück sie bringen,
    Wollen wir im Jubel singen:
    Dieses Band hielt Österreich!


  • Das Wunderkind Erich Wolfgang Korngold hat bereits im Alter von sieben Jahren (1905) sein erstes Lied geschrieben. Einige Jahre später (1911) stellte er einen Liederzyklus von 12 Liedern nach Gedichten von Joseph von Eichendorff fertig.
    Heute ist Erich Wolfgang Korngold wohl den meisten Musikfreunden durch seine Oper "Die tote Stadt" und der eingängigen Melodie aus diesem Werk,"Glück, das mir verblieb", bekannt.
    Die Lieder Kornglds haben keine so breite Resonanz gefunden. Der Musikwissenschaftler Brendan G. Carroll, dem die Verbreitung von Korngolds Werk besonders am Herzen liegt, schreibt zu den hier vorgestellten Liedern des Abschieds u.a. folgendes:
    "Diese Lieder sind die vielleicht anspruchsvollsten Werke dieser Gattung in seinem Schaffen." Sie sind unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs entstanden.


    Vier Lieder des Abschieds op.14


    Sterbelied (Cristina Rossetti / Alfred Kerr)
    Dies eine kann mein Sehnen nimmer fassen (Edith Ronsperger)
    Mond, so gehst du wieder auf (Ernst Lothar)
    Gefaßter Abschied (Ernst Lothar)


    Um nicht so viel Platz in Anspruch zu nehmen, wird hier nur der Text des ersten Liedes eingestellt. Beim Hören dieses Stückes fällt auf, dass der Sänger vom (im sehr gut gestalteten Booklet) gedruckten Text insofern abweicht, dass in der dritten Strophe anstatt "Bäumen", "Büschen" gesungen wird.
    Die hier gezeigte CD enthält insgesamt 36 Stücke. Dietrich Henschel und Helmut Deutsch sind unvergleichlich, soweit mir bekannt, giebt es keine vergleichbaren Aufnahmen dieser Lieder.


    Sterbelied


    Laß Liebster, wenn ich tot bin,
    laß du von Klagen ab.
    Statt Rosen und Cypressen
    wächst Gras auf meinem Grab.


    Ich schlafe still im Zwielichtschein
    in schwerer Dämmernis,
    Und wenn du willst, gedenke mein
    und wenn du willst, vergiß.


    Ich fühle nicht den Regen,
    ich seh' nicht, ob es tagt,
    ich höre nicht die Nachtigall,
    die in den Büschen klagt.


    Vom Schlaf erweckt mich keiner,
    die Erdenwelt verblich.
    Vielleicht gedenk ich deiner,
    vielleicht vergaß ich dich.