ERKEL, Ferenc: BÀNK BÀN

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    Ferenc Erkel (1810-1893)


    Bánk Bán
    Banus Bánk


    Oper in drei Akten


    ungarisch gesungen
    entstanden 1851-1860
    Libretto von Béni Egressy
    nach dem Drama von József Katona
    (Text des 'Bitteren Trinkliedes' von Mihály Vörösmarty)
    Neufassung: Kálmán Nádasdy
    Uraufführung am 9. März 1861 in Budapest


    Charaktere:
    Bánk – Palatin von Ungarn, des Königs Stellvertreter (Tenor)
    Melinda – seine Gattin (Koloratursopran)
    Endré II – (Andreas II.) König von Ungarn (Bariton)
    Gertrudis - seine Gemahlin, (Mezzosopran)
    Otto - Prinz von Meran, Gertrudis' jüngerer Bruder (Tenor)
    Petur – Gouverneur von Bihar (Bariton)
    Tiborc – ein Bauer (Bariton)
    Biberach – ein Intrigant, Ottos Kreatur (Bass)
    Melindas Sohn – (Kinderstimme)
    Hofgesellschaft, Volk und weitere


    Das Geschehen spielt in Ungarn im Jahr 1213 auf der Festung Visegrád und an den Ufern der Theiss



    HANDLUNG


    Erster Akt


    Erstes Bild: FESTSAAL AUF SCHLOSS VISEGRÁD


    1
    Um seine Eroberungspolitik nach dem nördlich gelegenen Galizien auszudehnen ist Endré II. genötigt, sich in kriegerischer Absicht außer Landes zu begeben. Die Regierungsgeschäfte besorgt sein Palatin Bánk, der vollauf damit zu tun hatte, im Land zu reisen, um sich die Klagen des Volkes und des Kleinadels anzuhören.


    Auf dem Thron sitzt die königliche Gemahlin Gertrudis, ein Spross aus dem Haus Meran-Andechs und regierte mit harter Hand. Pfründe und Barvermögen verteilte sie nach Laune an Schmeichler und Günstlinge, die in der Regel aus heimatlichen Gefilden stammen.


    2
    Unser Librettist will wissen, dass in der Burg ständig Zechgelage veranstaltet werden, die Königin aber dem Notgeschrei und den Klagen des Volkes kein Gehör schenkt. Der ungarischen Hochadel ist verdrossen und hält sich solchen Festlichkeiten fern. Ohnmächtig muss er zuschauen, wie das Volk hungert und die Königin mit ihrer Verschwendungssucht das Land in den Staatsbankrott treibt und Vermögenswerte aus dem Land getragen werden.


    Führer der Opposition ist Petur, der Gouverneur von Bihar. Seine Anhänger bitten ihn, ein Trinklied anzustimmen, um die königstreuen Höflinge von ihrem Unmut abzulenken. Der Vortrag, unter dem Begriff „Das bittere Trinklied“ bekannt, gerät zur Satire.


    3
    Während Bánk in der Provinz Gerichtstag abhält, um kleinere Streitereien zu schlichten und das Volk zu besänftigen, weilt seine Gattin Melinda auf Befehl der Königin auf Schloss Visegrád. Der jüngere Bruder Gertrudis', Prinz Otto, hat auf die junge Frau ein Auge geworfen und bestürmt sie mit seiner Liebe. Melinda hält die eheliche Treue jedoch hoch, ist zu keinem Abenteuer bereit und kleidet ihre Ablehnung nicht ganz diplomatisch in hochmütige Zurückweisung.


    4
    Petur hat Umsturzpläne und möchte Bánk als Anführer gewinnen. Er lässt dem Palatin eine Botschaft zukommen, dass die Übergriffe bei Hofe nicht länger zu dulden seien und seine Anwesenheit dringend erforderlich ist. In geheimer Unterredung eröffnet Petur dem Palatin seinen Plan, stößt aber auf empörte Ablehnung. Der Unterrichtete will den Umstürzler sogar wegen Hochverrats gefangen setzen lassen, doch dieser lässt sich nicht beirren und teilt dem Verdutzten mit, dass das Losungswort der Verschwörer „Melinda“ heiße. Offenbar soll hier eine falsche Fährte gelegt werden.


    5
    Von Biberach, ein fahrender Ritter aus deutschen Landen und ein geübter Ränkeschmied, erfährt Bánk, dass während seiner Abwesenheit Prinz Otto mit Billigung der Königin seiner Gattin Melinda nachstellt. Offenbar hat der Rivale schon Erfolge erzielt und Biberach will seinem aufmerksamen Zuhörer den Platz zeigen, wo Otto ihr den Weg zu verstellen pflegt. Der Ränkesüchtige möchte sich auf heimtückische Weise an diesem rächen, weil er ihn wegen seiner Heimatlosigkeit ständig foppt. Der eifersüchtige Othello bricht unter der Last der Worte fast zusammen. Nun ist er bereit, Petur zu versprechen, dem nächtlichen Treffen der Verschwörer beizuwohnen.


    6
    Im Tanzsaal ist Bánk für den Rest des Abends nicht mehr anzutreffen, was Otto dazu benutzt, sich hartnäckig an Melindas Seite zu halten. Seine Schwester Gertrudis ermuntert ihn zum Liebesabenteuer.



    Zweites Bild: TREPPENAUFGANG IM SCHLOSS


    7
    Otto vertritt auf der Treppe zum Festsaal Melinda den Weg. Melinda weist sein heftiges Drängen auch diesmal verächtlich zurück. Sie liebt nur einen einzigen Mann – das ist ihr eigener. Der falsche Ritter beeilt sich, Bánk herbeizurufen, der in dem Augenblick eintrifft, als die empörte Melinda ihren hartnäckigen Verfolger gerade abgeschüttelt hat. Auf seinen Beobachtungsposten bugsiert und Biberachs irreführenden Ausführungen lauschend, zieht der eifersüchtige Gatte die falschen Schlüsse. In Bánks Seele bricht eine Welt zusammen.


    8
    Enttäuscht beklagt Prinz Otto sich bei seinem Kumpan, dass die Schöne seine Liebe nach wie vor abweist.
    Wenn Worte nichts nützen, hilft nur noch Aphrodisiaka. Weiser Voraussicht folgend, hat Biberach das konzentrierte Gift dabei. Er ist sicher, dass es Melindas Liebesglut entfachen und ihre Tugend zu Fall bringen wird. Nun ist es des Prinzen Sache, die Dosis zu bestimmen und das Elixir seinem Opfer zu verabreichen.



    Drittes Bild: FESTSAAL AUF SCHLOSS VISEGRÁD


    9
    Königin Gertrudis verabschiedet ihre Festgäste. Melinda spricht mit bitterem Hohn ihren Dank für die Einladung aus. Die unglücklich gewählten Worte verletzen die Königin, die ihr ihre Unvorsichtigkeit nachtragen wird.



    Zweiter Akt


    Viertes Bild: TERRASSE VOR DEM SCHLOSS MIT DONAUBLICK


    10
    Bánk Bán beklagt erbittert das Elend des Landes und sein eigenes schweres Geschick. Ein alter Bauer kommt und und konfrontiert Bánk mit seinem eigenen Leid. Seine Frau ist krank und die Kinder hungern. Er selbst fühlt sich elend und läuft in Lumpen herum. Die Not hat ihn beinahe schon zum Diebstahl gezwungen. Nur sein Ehrgefühl und sein Anstand hielten ihn von der Sünde zurück.


    Bánk erkennt in ihm Tiborc, den alten Kämpfer, der ihn einst vor dem Dolch eines Meuchelmörders gerettet hat.


    11
    Otto hat begreifen müssen, dass die verabreichte Dosis falsch gewählt war. Von Wahnsinn befallen, wankt Melinda herbei. In seinem furchtbaren Schmerz verflucht Bánk sie und ihr Kind, weil er glaubt, dass es nicht von ihm ist. Ihr Herz ist gebrochen und für seinen Ausbruch fehlt ihr das Verständnis. Sie fleht ihn an, sie zu töten und das Kind zu schonen.


    12
    Bánks Zorn legt sich. Seinem Freund vertraut er Frau und Kind an mit der Auflage, dass er beide zu deren Sicherheit auf das heimatliche Schloss an den Ufern der Theiss begleiten soll.



    Fünftes Bild: FESTSAAL AUF SCHLOSS VISEGRÁD


    13
    Bánk gibt der „königlichen Kupplerin“ die Hauptschuld in den unverantwortlichen Nachstellungen ihres Bruders Otto. Gertrudis hätte ihn zurechtweisen müssen und die Ehre seine Frau vor seinen ehrenrührigen Angriffen schützen müssen. Ihrer Verantwortung als Herrscherin werde sie nicht gerecht, rügt er ihr Verhalten. Das Vermögen der ungarischen Krone fließe in die falschen Kanäle und den Bauern fehle es an Mitteln, um ihre Felder zu bestellen. Er stellt die Königin wegen des Elends im Lande zur Rede, doch seine Worte werden hochmütig zurückgewiesen und vasallische Unterwerfung eingefordert. Der Streit wird immer heftiger. Die Dramatik konzentriert sich auf die Vermischung privater Vorwürfe und dem Versagen als Herrscherin. Gertrudis will Bánk mit einem Dolch töten, doch Bánk entwindet ihrer Hand die Waffe und sticht zu.


    14
    An dieser Stelle sei eingefügt, dass die geschichtliche Überlieferung den Tatbestand anders schildert. Anlässlich eines Jagdausfluges zu Ehren des österreichischen Kaisers Leopold hat eine Eskorte ungarischer Adeliger die Jagdgesellschaft überfallen und niedergemetzelt. Einige Ausländer konnten schwer verletzt fliehen, aber Gertrudis wurde „in tausend Stücke“ gehauen. Dieser Dramaturgie wollte der Librettist aber nicht folgen.



    Dritter Akt


    Sechstes Bild: DAS UFER DER THEISS


    15
    Tiborc erreicht mit der wahnsinnigen Melinda und ihrem Söhnchen das Theissufer. Ein gewaltiger Sturm kündet sich an. Der treue Tiborc will einen Fischer mit seinem Boot herbeirufen und bittet Melinda, sich auf die Überfahrt einzustellen. Noch vor Ausbruch des Unwetters müssen sie das andere Ufer erreichen!


    16
    Melinda begreift begreift seine Worte nicht, ihre Gedanken zerfließen und lassen sich nicht mehr ordnen. Die arme Seele schwebt zwischen der Wirklichkeit und den Traumgesichten des Wahns. Die Wahnsinnsszene „Tiszaparti jelenet“ erreicht monumentale Ausmaße, In geistiger Umnachtung ergreift Melinda ihr Kind und stürzt sich mit ihm in die Fluten der Theiss.



    Siebtes Bild: THRONSAAL IM KÖNIGSSCHLOSS


    17
    Endre II. ist endlich heimgekehrt und findet eine gemordete Gemahlin vor. Keiner will es gewesen sein - alle stellen ihre Schuld in Abrede, aber es nutzt ihnen nichts. In Erwartung eines Gottesurteils müssen die wahllos Verdächtigten an der Bahre vorbeischreiten. Es könnte ja sein, dass die Tote den Arm hebt, sobald ihr Mörder naht. Bei Siegfried von Xanten war das jedenfalls so.



    18
    Da tritt Bánk an die Bahre. Er wirft das Zeichen seiner Palatinswürde auf den Sarg Gertrudens und gesteht, dass er der Mörder ist.


    Das Gesetz sieht vor, dass Streitfälle solchen Ausmaßes nur mit der Waffe in der Hand des Geschädigten im Angesicht des anwesenden Volkes entschieden werden können. Endre greift zum Schwert, um seinen Palatin zu bestrafen. Bánk hat keine Einwände. Doch in diesem Moment betritt ein trauriger Zug die Halle. Die sterblichen Überreste der beiden Ertrunkenen, von Tiborc begleitet, treffen ein. Alle sind erschüttert während Bánk über dem Gefährt zusammenbricht.



    © 2011 TAMINO - Engelbert